Macht wird weiblicher

Autorin Nila Khalil

Macht wird weiblicher

Politik wurde auch 2019 vor allem von Männern gemacht – zumindest lässt ein Blick in die Regierungen und Parlamente diesen Schluss zu. Wo regieren Frauen schon jetzt – und wo haben sie im Jahr 2020 gute Chancen?

Lange bevor Sanna Marin neue Ministerpräsidentin von Finnland wurde, hat sie schon einmal klargestellt, worauf sie auf keinen Fall reduziert werden will: dass sie eine Frau und jung ist. „Ich habe nie an mein Alter oder mein Geschlecht gedacht“, sagte sie einmal, „sondern an die Gründe, die mich in die Politik gebracht haben.“

Und doch, als Marin Anfang  Dezember 2019 den bisherigen finnischen Regierungschef Antti Rinne im Amt beerbte, wurden jene Merkmale weltweit zur Schlagzeile: Dass sie eine Frau ist. Und dass sie jung ist.
Denn Sanna Marin ist mit 34 Jahren die jüngste amtierende Regierungschefin der Welt. Auch ihre vier Koalitionsparteien werden jeweils von einer Frau geführt. In Deutschland ist zwar mit Angela Merkel auch eine Frau an der Macht, im politischen Alltag hat sie es aber mehrheitlich mit Männern zu tun – so wie in den meisten Ländern der Welt.

Nicht einmal sechs Prozent der Regierungschefs weltweit sind weiblich. Und auch ein Blick in die Parlamente und Ministerien zeigt: Frauen sind in der Politik noch lange nicht selbstverständlich. Finnische Verhältnisse sind eine Seltenheit.

Jacina Ardern

Derzeit führen Frauen nur in 15 von 193 Ländern eine Regierung an. Zum Beispiel:

Jacina Ardern: Bis zum Anschlag von Christchurch war die neuseeländische Regierungschefin außerhalb ihrer Heimat vor allem dafür bekannt, dass sie während ihrer Amtszeit Mutter wurde – als zweite Regierungschefin überhaupt.


Die 42 Jahre alte Mette Frederiksen: Sie wurde in der dänischen Presse als politisches Wunderkind gehandelt. Seit Juni ist sie Ministerpräsidentin. Die 39 jährige Trine Bramsen wurde Verteidigungsministerin.
In Norwegen regiert seit 2013 die zweifache Mutter Erna Solberg.

In den Niederlanden ist Ank Bijleveld seit dem 26. Oktober 2017 Verteidigungsministerin.

Dass Frauen vor allem in Skandinavien häufiger regieren als anderswo, liegt daran, dass in den dortigen Parlamenten der Frauenanteil überdurchschnittlich hoch ist. In Finnland sind 42 Prozent der Abgeordneten weiblich, Schweden ist mit 47 Prozent Spitzenreiter in der EU. Nicht aber im weltweiten Vergleich – da führt ein afrikanisches Land die Liste an: Ruanda.


Ruanda wird oft als das „Schweden Afrikas“ bezeichnet. In seinem Parlament sitzen mehr als 61 Prozent weibliche Abgeordnete.
2003 verabschiedete die Afrikanische Union das „Protokoll für die Rechte von Frauen von Afrika“ – das sogenannte Maputo-Protokoll. Ein Ziel: das Recht von Frauen auf Gleichheit in politischen Prozessen stärken. Denn Frauen spielten im politischen Betrieb afrikanischer Länder jahrzehntelang eine untergeordnete Rolle. Inzwischen tut sich etwas:
So nahm 2018 in Mali ein Kabinett seine Arbeit auf, das zu einem Drittel aus Frauen besteht. Darunter Kamissa Camara, 36. Sie wurde Außenministerin, inzwischen ist sie Ministerin für Digitalwirtschaft und Zukunftsforschung. Vor Kurzem führte das Magazin „Forbes“ Kamara in seiner „Women to Watch in 2020“-Liste auf.

In Äthiopien präsentierte Präsident Abyi Ahmed im selben Jahr ein paritätisch besetztes Kabinett – 10 von 20 Ministern sind weiblich.

Kritiker hegen jedoch Zweifel, ob mit den Zahlen wirklich gesellschaftlicher Wandel in Afrika einhergeht. Ob beispielsweise in Ruanda Parlamentarierinnen wirklich etwas zu sagen haben. Und wie sehr sie am Ende doch unter dem Einfluss einer Regierungselite stehen, die von Männern angeführt wird. „In Ruanda“, sagte etwa die oppositionelle Frauenrechtlerin Diane Shima Rwigara im SPIEGEL, „haben alle Angst“. Angst vor der Macht des Präsidenten Paul Kagame.
Die Quotenregelung hat ihren Ursprung in Lateinamerika. Als erstes Land hat Argentinien 1991 eine solche Regelung gesetzlich verabschiedet. Seither haben mindestens 14 weitere Staaten in Lateinamerika Frauenquoten eingeführt – mit unterschiedlichem Erfolg.


So sind Bolivien und Kuba derzeit die einzigen Länder neben Ruanda, in deren Parlamenten mehr Frauen als Männer sitzen. Dass der Frauenanteil in anderen Ländern der Region trotz der Vorgaben nur langsam zunimmt, liegt auch an unterschiedlichen Wahlsystemen, und oft greifen Sanktionen nicht, mit denen Verstöße eigentlich geahndet werden sollen.
Welche Ministerien oft von Frauen geführt werden
Schafft es eine Frau auf einen Ministerposten, so ist das in den meisten Fällen ein Amt im sozialen Bereich. Am häufigsten waren Frauen im Sozialministerium an der Spitze, gefolgt von Kinder- und Familienministerien. Bildung, Umwelt, Geschlechtergleichheit, Gesundheit – alles Posten, die anteilig am häufigsten in weiblicher Hand sind.
Nicht einmal sechs Prozent der Regierungschefs weltweit sind weiblich. Und auch ein Blick in die Parlamente und Ministerien zeigt: Frauen sind in der Politik noch lange nicht selbstverständlich. Finnische Verhältnisse sind eine Seltenheit.Ganz anders bei den Themen Verteidigung, Wirtschaft, Verkehr, Finanzen: Diese Ressorts sind fast immer in Männerhand. Eine Ausnahme ist dabei Deutschland. Nach Ursula von der Leyen führt nun mit Annegret Kramp-Karrenbauer bereits zum zweiten Mal in Folge eine Frau das Verteidigungsministerium. In Schweden wurde das Außenministerium zuletzt vor mehr als fünf Jahren von einem Mann bekleidet. Und auch in Mali wurde das Amt bis vor Kurzem von einer Frau besetzt.
Wie können mehr Frauen den Weg in politische Spitzenpositionen schaffen? Welche Instrumente gibt es?


Der sicherlich schnellste Weg für Frauen in politische Spitzenämter bleibe die Quote, sowohl in den Parlamenten als auch auf den Wahllisten der Parteien, sagt die Politikwissenschaftlerin Jessica Fortin-Rittberger dem SPIEGEL. Sie hat lange zu dem Thema geforscht und sagt, man könne natürlich warten, bis sich eine Gesellschaft von sich aus verändere und Frauen von selbst in politische Ämter kommen. So ein Wandel dauere jedoch sehr lange.
Das deckt sich mit einem neuen Bericht des Weltwirtschaftsforums: Wenn die Entwicklung so weitergehe wie bisher, brauche es noch 95 Jahre, bis man von echter Parität in der Politik sprechen könne – also mehrere Generationen. Es könnte aber auch schneller gehen, schreiben die Studienmacher, dann nämlich, wenn der sogenannte Role-Model-Effekt eintritt. Je mehr Frauen in Machtpositionen seien, desto mehr fühlten sich andere Frauen motiviert, nachzuziehen. Und Macht als ihre Option zu sehen.

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Über naikejuchem

„Du entscheidest eines Tages oder Tag Eins.“ Mit diesem Satz hat sich am 29. August 2017 mein Leben gravierend geändert. Ich möchte gerne Einiges erklären, um mich nicht ständig zu wiederholen oder zu rechtfertigen. Ich wurde 1970 äußerlich als Junge geboren, innerlich hat die Biologie aber etwas durcheinander gebracht mit meinen Chromosomen. Heute weiß ich anhand von Blut,- und Gentests, dass es so ist. Es kommt halt nicht so oft vor, aber mich hat es erwischt. Ich habe eine Transidentität. Das ist nichts Schlimmes, es ist keine Krankheit – in welchem Sinne auch immer – das hat es schon immer gegeben. Selbst in der Bibel steht bei Paulus an die Korinther in 5,17 oder Galater 3,28 wie auch Epheser 4,23-24 schon etwas über Transgender. In Deutschland gibt es ungefähr 1 Mio. Menschen, denen es genauso geht wie mir. Die Natur geht manchmal kreative Wege und bringt unterschiedliche Menschen hervor: Männer, Frauen, welche, die homosexuell sind, welche, die beide Geschlechter in sich tragen (Intergeschlechtliche), Linkshänder, Rechtshänder, und eben auch welche, die transidentitär sind. Ich habe mir dies nicht ausgesucht, ich bin auf keinem „Trip“, oder laufe einem neuzeitlichen „Genderwahn“ hinterher. Bei einer Transidentität ist man im falschen Körper geboren worden, d.h. das äußere Geschlecht entspricht nicht dem selbst empfundenen Geschlecht – wobei sich dies nicht ausschließlich auf die Sexualität beschränkt, sondern eher dem sozialen Geschlecht und dessen Wahrnehmung entspricht. Wenn man im falschen Körper steckt und es nicht ändern kann, weil man es nicht weiß oder weil es nicht geht, fühlt man sich nicht nur falsch und unglücklich, es führt auch zu tiefen Depressionen, bei nicht wenigen Transidentitären sogar zum Suizid. Das ganze Leben stimmt einfach nicht.  Deshalb konnte ich die letzten Jahrzehnte auch nicht verstehen und einordnen, was mit mir los war, weshalb ich mich nicht richtig gefühlt habe: Ich wusste es nicht. Und in meiner Umgebung wusste auch keiner, dass ich eine Transidentität habe. Nicht nur die Bibel erwähnt transidentitäre Menschen, auch antike Geschichtsschreiber haben von der Existenz solcher Menschen berichtet. Aber erst mit der christlichen Kirche wurden transidentitäre Menschen mit einem absoluten Tabu belegt. Dies ist auch bis in die 70er/80er Jahre des letzten Jahrhunderts weitgehend gesellschaftlich so geblieben und hat die Betroffenen gezwungen, ihre tatsächliche Identität zu verbergen und die Rolle des geborenen Geschlechts anzunehmen. Nun mögen Viele meinen „Ja und? Dann macht man das eben, ist ja auch einfacher so!“. Ich habe über 40 Jahre eine Rolle gespielt, die ich nie war, und es war irgendwann nicht mehr auszuhalten. Ein Schauspieler kann das, solange die Kamera läuft, aber sobald der Film abgedreht ist, geht der Schauspieler nach Hause und ist wieder er selbst. Im echten Leben kann man nicht die ganze Zeit schauspielern, ohne daran zugrunde zu gehen. Es ist auch ein Betrug, ein Betrug an der Familie, an Freunde, an Kollegen ... und ganz besonders an sich selbst. Ich bin erst einmal den Weg der Rolle gegangen und hatte 1998 geheiratet, wurde nach einigen Jahren auch Vater und dachte, dass nun alles gut würde. Wurde es aber nicht. Im Gegenteil: Die Ehe wurde ab 2007 für mich zur Hölle, die 2012 in einer Scheidung endete und mich an den Rand der Existenz brachte. Da stand ich nun, wie man so sagt, vor den Trümmern meines Lebens. Die Ehe kaputt, das Kind weg, die berufliche Existenz im Eimer, Schulden und Probleme und wenig bis gar keine Unterstützung. Also was blieb mir noch? Mein Leben! Da ich von Natur aus eine Kämpferin bin, packte ich 2014 es endlich an, Antworten auf meine Fragen zu suchen. Ich fing an mich zu informieren, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt. Ich habe in dieser Zeit Fachtagungen und Freizeiten, sogar in Luxemburg im Ministerium eine Debatte für und mit Transgender besucht und stellte plötzlich fest, dass ich nicht alleine bin. Das war eine so unglaubliche Befreiung! Am 29. August 2017 wagte ich ein Outing im kleinen Rahmen, um endlich zu wissen, wie meine Freunde auf mich reagieren würden. Zu meiner großen Überraschung und unglaublicher Freude standen diese Menschen positiv zu mir und unterstützen mich bis heute, wie und wo es nur geht. Am 1. Oktober 2017 gab es dann kein Zurück mehr: es war der Tag, die Wahrheit zu sagen, bei meiner Familie und auch öffentlich. Natürlich hatte ich an diesem Tag unglaubliche Angst. Würde ich ab diesem Zeitpunkt nur noch alleine sein? Würde ich Zweifel, Fragen, Ablehnung, Verlust der Arbeit und noch mehr Probleme erfahren? Tausende Gedanken, Pro und Contra, all dies zerrte an meinem Verstand und meiner Seele. Mit diesem Tag wich ein unglaublicher Druck von mir. Meine Seele kam endlich zur Ruhe – ich hatte zu mir gefunden. Ich bin nun viel, viel ausgeglichener und aus heutiger Sicht betrachtet ist nichts von dem eingetroffen, worüber ich mir so viele Gedanken gemacht und befürchtet hatte.

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