Lebensborn e.V.

Autorin: Naike Juchem

Die Menschenverachtende Meinung der Nazis sollte jedem längst bekannt sein und es wird allerhöchste Zeit sich täglich gegen den aufkommenden Rassismus entschieden dagegen zu stellen.
Immer mehr Menschen wünschen sich die „glorreiche deutsche Zeit“ zurück oder vergleichen sich mit Anne Frank oder Sophie Scholl. Dies an sich ist schon vermessen genug. Auf den sogenannten Querdenker Demos laufen Vollidioten einträgt neben Nazis. Eine gefühlte Meinung, man lebe in einer Diktatur, wird öffentlich kundgetan. Reichsflaggen werden neben Regenbogenfahnen geschwenkt und man fühlt sich solidarisch verbunden. Was für ein Schwachsinn!

Heute möchte ich über eine weitere Gräueltat des NS Regimes berichten, dem Lebensborn e.V.
Im Anschluss habe ich einen sehr interessanten Link der Deutschen Welle von 2001 gefunden.

„Lebensborn“ war weder eine karitative Einrichtung, wie es in dem Urteil eines US-Militägerichts steht, noch war er eine Züchtungsanstalt, in der ausgewählte Männer und Frauen Kinder zeugten. Diese Vorstellung wurde ausgelöst durch Aufrufe von Reichsführer-SS Heinrich Himmler und dem „Stellvertreter des Führers“ Rudolf Heß nach Kriegsbeginn Ende 1939: Soldaten sollten, bevor sie an die Front gingen, Kinder auch außerhalb der Ehe zeugen. Partei und „Lebensborn“ würden sich notfalls um Mutter und Kind kümmern. Auch wenn der „Lebensborn“ nicht für die Zeugung außerehelicher Kinder zur Verfügung stand, so diente er dennoch – ausgehend von der NS-Rassenideologie – auf spezifische Weise der nationalsozialistischen Bevölkerungs- und Rassenpolitik. Ziel war die Geburt möglichst vieler „rassisch wertvoller“ Kinder. Denn Hitler benötigte für seine Kriegs- und Eroberungspläne ein millionenfaches Heer an Soldaten und Arbeitskräften.

Geschätzte 700.000 jährlich durchgeführte Abtreibungen beeinträchtigten aber die gewünschte hohe Geburtenrate. Unverheiratete Frauen nahmen seinerzeit einen Schwangerschaftsabbruch vor, um einer Diffamierung und sozialen Ausgrenzung zu entgehen. Damit diese Kinder dem Deutschen Reich nicht „verloren gingen“ verfiel Heinrich Himmler auf die Idee, Möglichkeiten zur verschwiegenen Geburt zu schaffen. Er glaubte, damit würde der Grund für eine Abtreibung entfallen. Dies war die Geburtsstunde des „Lebensborn e. V.“ Der Verein wurde am 6. Dezember 1935 gegründet und war organisatorisch in die SS eingebunden. Im Deutschen Reich (einschließlich Österreich) besaß er neun Entbindungs- und zwei Kinderheime. Um im Krieg die unehelichen Kinder deutscher Besatzungstruppen unter deutschen Einfluss zu bringen, eröffnete er in Belgien, Frankreich, Luxemburg und Norwegen insgesamt 13 Entbindungs- und Kinderheime, davon zehn allein in Norwegen. Zwischen 1936 und 1945 kamen in seinen deutschen Heimen 8.000 bis 9.000 Kinder zur Welt, von denen knapp die Hälfte unehelich war. Außerdem wurden in Norwegen insgesamt 9.000 Kinder überwiegend unehelich geborenen.

Der „Lebensborn“ übernahm für jedes in einer seiner Einrichtungen unehelich geborenes Kind die Vormundschaft. Er war daran interessiert, dass die Kinder möglichst bei ihren Müttern aufwuchsen. Darum war er bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche behilflich. Konnten Kinder nicht bei ihren Müttern leben, nahm er sie für eine befristete Zeit in seine eigenen Kinderheime auf oder vermittelte sie in Pflegefamilien. Einer Adoption stimmte er nur in circa 100 Fällen zu. Der Beistand des „Lebensborn“ für Mutter und Kind war keine karitative Hilfeleistung, sondern die Ausnutzung der Notlage lediger werdender Mütter für politische Zwecke. Bewarben sich Frauen um eine Heimaufnahme, wurden sie anhand rassischer Kriterien ausgewählt, so wie es auch bei der SS üblich war. Während ihres Heimaufenthaltes wurde zudem ohne ihr Wissen ein rassisches Gutachten angefertigt. Auch wurden die Mütter dazu angehalten, ihre Kinder anstelle der Taufe einer „SS-Namensgebung“ zu unterziehen, um sie symbolisch in die „SS-Sippengemeinschaft“ aufzunehmen. Die Geheimhaltung der Geburten wurde durch Standesämter und polizeiliche Meldestellen in den Heimen gewährleistet. Diese unterdrückten die gesetzlich vorgeschriebene Weitermeldung der Beurkundungen.

Ab 1942 beteiligte sich der „Lebensborn“ an der Eindeutschung mehrerer hundert Kinder und Jugendlichen im Alter von wenigen Monaten bis 17 Jahren. Sie waren aus dem damaligen Jugoslawien, aus Norwegen, Polen oder der früheren Tschechoslowakei gegen den Willen oder ohne Wissen ihrer Eltern oder Erziehungsberechtigten nach Deutschland verschleppt worden. Der „Lebensborn“ gab ihnen deutsche Namen, erzog sie in seinen Heimen zu vermeintlich deutscher Lebensweise oder vermittelte sie in deutsche Pflegefamilien zum Zwecke einer späteren Adoption. Gleichzeitig stellte er ihnen neue Geburtsurkunden mit deutscher Nationalität aus.

Nach den rassenideologischen Vorstellungen der „Lebensborn“-Verantwortlichen sollte die Auslese der werdenden Mütter „minderwertigen“ Nachwuchs verhindern. Dennoch wurden in den „Lebensborn“-Heimen Kinder mit schweren Behinderungen geboren. Sie wurden sofort in sogenannte Kinderfachabteilungen überwiesen. Dort wurden sie im Rahmen der „Kindereuthanasie“ ermordet. Bislang sind 17 getötete „Lebensborn“-Kinder bekannt.

Die Schicksale der unehelichen „Lebensborn“-Kinder waren sehr unterschiedlich. Die meisten blieben für mehrere Monate, manche für ein bis zwei Jahre in einem „Lebensborn“-Heim. Ein Teil von ihnen wurde von Heim zu Heim, von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben, bis sie, häufig erst nach dem Krieg, von einem kinderlosen Ehepaar auf Dauer aufgenommen wurden. Andere Kinder kehrten nach unterschiedlich langer Zeit der Trennung von ihren Müttern zu ihnen zurück, nachdem sich deren Lebenssituation stabilisiert hatte. Fast allen unehelich geborenen „Lebensborn“-Kindern ist gemeinsam, dass ihnen von ihren Müttern oder ihren Adoptiveltern die Herkunft verschwiegen wurde.

Es gibt daher „Lebensborn“-Kinder, die überhaupt keine Kenntnis über ihre familiären Wurzeln haben, zumal die vom „Lebensborn“ geführten Standesamtsunterlagen bei Kriegsende vernichtet wurden. Diese Kinder suchen teilweise bis heute nach ihren leiblichen Eltern. Ähnlich erging oder ergeht es den aus dem Ausland nach Deutschland verschleppten Kindern. Aufgrund ihrer eingedeutschten Namen und der gezielten Vernichtung von Akten konnten sie nach dem Krieg nicht alle identifiziert und in ihre Heimatländer zu ihren Familien zurückgebracht werden. So lebt von ihnen eine unbekannte Anzahl noch heute in der Bundesrepublik, ohne zu wissen, dass ihre Eltern eine andere Nationalität besaßen. Initiativen wie der Verein Lebensspuren kümmern sich seit Jahren um die Interessen der Lebensbornkinder und die geschichtliche Aufarbeitung des „Lebensborn e.V.“

Text : Georg Lilienthal
© Deutsches Historisches Museum, Berlin. 29. April 2020

https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://m.dw.com/de/kinder-der-schande-norwegens-dunkle-geschichte/a-329043-0&ved=2ahUKEwi9mZnZ9crvAhVDPOwKHQEvBKMQFjAhegQIKRAC&usg=AOvVaw2L7AUUjfWgEpUA4rLwRUsA

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Über naikejuchem

„Du entscheidest eines Tages oder Tag Eins.“ Mit diesem Satz hat sich am 29. August 2017 mein Leben gravierend geändert. Ich möchte gerne Einiges erklären, um mich nicht ständig zu wiederholen oder zu rechtfertigen. Ich wurde 1970 äußerlich als Junge geboren, innerlich hat die Biologie aber etwas durcheinander gebracht mit meinen Chromosomen. Heute weiß ich anhand von Blut,- und Gentests, dass es so ist. Es kommt halt nicht so oft vor, aber mich hat es erwischt. Ich habe eine Transidentität. Das ist nichts Schlimmes, es ist keine Krankheit – in welchem Sinne auch immer – das hat es schon immer gegeben. Selbst in der Bibel steht bei Paulus an die Korinther in 5,17 oder Galater 3,28 wie auch Epheser 4,23-24 schon etwas über Transgender. In Deutschland gibt es ungefähr 1 Mio. Menschen, denen es genauso geht wie mir. Die Natur geht manchmal kreative Wege und bringt unterschiedliche Menschen hervor: Männer, Frauen, welche, die homosexuell sind, welche, die beide Geschlechter in sich tragen (Intergeschlechtliche), Linkshänder, Rechtshänder, und eben auch welche, die transidentitär sind. Ich habe mir dies nicht ausgesucht, ich bin auf keinem „Trip“, oder laufe einem neuzeitlichen „Genderwahn“ hinterher. Bei einer Transidentität ist man im falschen Körper geboren worden, d.h. das äußere Geschlecht entspricht nicht dem selbst empfundenen Geschlecht – wobei sich dies nicht ausschließlich auf die Sexualität beschränkt, sondern eher dem sozialen Geschlecht und dessen Wahrnehmung entspricht. Wenn man im falschen Körper steckt und es nicht ändern kann, weil man es nicht weiß oder weil es nicht geht, fühlt man sich nicht nur falsch und unglücklich, es führt auch zu tiefen Depressionen, bei nicht wenigen Transidentitären sogar zum Suizid. Das ganze Leben stimmt einfach nicht.  Deshalb konnte ich die letzten Jahrzehnte auch nicht verstehen und einordnen, was mit mir los war, weshalb ich mich nicht richtig gefühlt habe: Ich wusste es nicht. Und in meiner Umgebung wusste auch keiner, dass ich eine Transidentität habe. Nicht nur die Bibel erwähnt transidentitäre Menschen, auch antike Geschichtsschreiber haben von der Existenz solcher Menschen berichtet. Aber erst mit der christlichen Kirche wurden transidentitäre Menschen mit einem absoluten Tabu belegt. Dies ist auch bis in die 70er/80er Jahre des letzten Jahrhunderts weitgehend gesellschaftlich so geblieben und hat die Betroffenen gezwungen, ihre tatsächliche Identität zu verbergen und die Rolle des geborenen Geschlechts anzunehmen. Nun mögen Viele meinen „Ja und? Dann macht man das eben, ist ja auch einfacher so!“. Ich habe über 40 Jahre eine Rolle gespielt, die ich nie war, und es war irgendwann nicht mehr auszuhalten. Ein Schauspieler kann das, solange die Kamera läuft, aber sobald der Film abgedreht ist, geht der Schauspieler nach Hause und ist wieder er selbst. Im echten Leben kann man nicht die ganze Zeit schauspielern, ohne daran zugrunde zu gehen. Es ist auch ein Betrug, ein Betrug an der Familie, an Freunde, an Kollegen ... und ganz besonders an sich selbst. Ich bin erst einmal den Weg der Rolle gegangen und hatte 1998 geheiratet, wurde nach einigen Jahren auch Vater und dachte, dass nun alles gut würde. Wurde es aber nicht. Im Gegenteil: Die Ehe wurde ab 2007 für mich zur Hölle, die 2012 in einer Scheidung endete und mich an den Rand der Existenz brachte. Da stand ich nun, wie man so sagt, vor den Trümmern meines Lebens. Die Ehe kaputt, das Kind weg, die berufliche Existenz im Eimer, Schulden und Probleme und wenig bis gar keine Unterstützung. Also was blieb mir noch? Mein Leben! Da ich von Natur aus eine Kämpferin bin, packte ich 2014 es endlich an, Antworten auf meine Fragen zu suchen. Ich fing an mich zu informieren, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt. Ich habe in dieser Zeit Fachtagungen und Freizeiten, sogar in Luxemburg im Ministerium eine Debatte für und mit Transgender besucht und stellte plötzlich fest, dass ich nicht alleine bin. Das war eine so unglaubliche Befreiung! Am 29. August 2017 wagte ich ein Outing im kleinen Rahmen, um endlich zu wissen, wie meine Freunde auf mich reagieren würden. Zu meiner großen Überraschung und unglaublicher Freude standen diese Menschen positiv zu mir und unterstützen mich bis heute, wie und wo es nur geht. Am 1. Oktober 2017 gab es dann kein Zurück mehr: es war der Tag, die Wahrheit zu sagen, bei meiner Familie und auch öffentlich. Natürlich hatte ich an diesem Tag unglaubliche Angst. Würde ich ab diesem Zeitpunkt nur noch alleine sein? Würde ich Zweifel, Fragen, Ablehnung, Verlust der Arbeit und noch mehr Probleme erfahren? Tausende Gedanken, Pro und Contra, all dies zerrte an meinem Verstand und meiner Seele. Mit diesem Tag wich ein unglaublicher Druck von mir. Meine Seele kam endlich zur Ruhe – ich hatte zu mir gefunden. Ich bin nun viel, viel ausgeglichener und aus heutiger Sicht betrachtet ist nichts von dem eingetroffen, worüber ich mir so viele Gedanken gemacht und befürchtet hatte.

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