Wieso heißt unser ABC Alphabet

Alpha und Beta sind die ersten beiden Buchstaben des griechischen Alphabets. Es waren aber nicht die Griechen, die ihre Mitteilungen, Gebote und kurze Erzählungen schriftlich festgehalten hatten – sondern die Ägypter.

Autorin Naike Juchem

Vor 5000 Jahren schon ließen die Pharaonen die Tempelwände
mit Hieroglyphen modellieren oder in Grabwänden in den Pyramiden einritzen.
Eigentlich waren die Hieroglyphen noch keine Buchstaben, sondern Bildchen, fast eine Art Comics. Dazu muss man wissen,
dass die Ägypter damals für den Bau der Pyramiden vor allem Fremdarbeiter beschäftigten, die kein Altägyptisch verstanden. Bildergeschichten sind in allen Sprachen lesbar – heute noch.
Die Zeichnung eines Ochsenkopfes zum Beispiel war für jeden leicht verständlich. Nun sprachen viele der Immigranten semitisch. Sie wollten ihre Sprache schriftlich festhalten. Da Ochsenkopf auf Semitisch Aleph hieß, kamen sie überein, für den Laut A einen Ochsenkopf zu malen.
Dies sieht man unserem heutigen A immer noch an, wenn man es um 180° dreht.
Nun sehen die Füße grad aus wie die Hörner eines Ochsen. Fast alle unsere Buchstaben gehen auf alte Bildchen zurück: Das auf- und abwogende M stand früher für eine Wasserwelle, das B für den Grundriss eines Hauses und das N für eine Schlange…
Die älteste längere Geschichte, die mit Buchstaben aufgeschrieben wurde, ist das Gilgamesch-Epos. Dieser „Roman“ ist 4000 Jahre alt und wurde in Mesopotamien von den Sumerern aufgeschrieben, und zwar in Keilschrift.

Anders als bei den Ägyptern wurde nun in Buchstaben und nicht mehr in Bildern geschrieben. Jedes einzelne Zeichen stand für einen bestimmten Laut der Sprache.
Doch unsere heutige Schrift stammt nicht von den Sumerern aus Mesopotamien. Unsere Buchstaben kommen ursprünglich von der Halbinsel Sinai, zwischen Ägypten und Israel. Dort wurde vermutlich von Nomaden aus den ägyptischen
Hieroglyphen ein Alphabet mit zwanzig verschiedenen Buchstaben geformt.
Jenes Alphabet wurde dann von den Phöniziern übernommen. Denn diese Seefahrer und Kaufleute brauchten eine Schrift, mit der schnell und leicht lesbar geschrieben werden konnte. Die Schrift der Phönizier verbreitete sich schnell im Mittelmeerraum. Auch die alten Griechen fanden sie praktisch, änderten sie aber ein wenig um. Aus dem phönizischen Aleph wurde das Alpha, aus Beth wurde Beta, aus Gimel wurde Gamma und so weiter. Das griechische Alphabet, wie wir es noch heute in der Mathematik verwenden, war geboren.


Nach und nach wurden die Römer Beherrscher des Mittelmeerraums. Das begann vor etwa 2500 Jahren. Sie formten ein eigenes Alphabet, das sie aber den Griechen abschauten. Es entstand das lateinische Alphabet, das ursprünglich auch aus zwanzig Buchstaben bestand:
A, B, C, D, E, F, H, I, K, L, M, N, O, P, Q, R, S, T, V und X.

Heute haben wir 26 Buchstaben. Die fehlenden sechs, G, J, U, W, Y und Z kamen erst nach und nach dazu. Die Italiener nennen sie noch heute lettere straniere – fremde Buchstaben. Die jüngsten Buchstaben, das J und das W,
wurden vor etwa fünfhundert Jahren in unser Alphabet eingeführt.

Buchstaben haben die Geschichte der Menschheit beeinflusst und vorangetrieben wie kaum eine andere Entdeckung/Entwicklung.
Wo wären wir ohne das niedergeschriebene Wissen eines Aristoteles, Galileo Galilei oder Nikolaus Kopernikus?
Die Schrift hat es ermöglicht Wissen weiter zu geben und auf Erkenntnisse aufzubauen. Johannes Gutenberg brachte den Durchbruch in eine völlig neue Ära um Wissen in gedruckter Form weiter zu tragen.
Die wohl älteste Schrift der Welt wurde in Henan gefundenen. Diese chinesischen Zeichen, die auf ungefähr 6600 v. Chr. datiert und als Jiahu-Schrift gedeutet werden, werden von einigen Forschern als die älteste Schrift überhaupt angesehen. Dies ist jedoch recht umstritten, da diese Zeichen isoliert existieren, d. h. anscheinend ohne hochkulturellen
Kontext. Dazu aber später mehr.

Ähnliches gilt für die Vinča-Schrift in Südosteuropa. Es handelt sich dabei um beschriftete Objekte aus Kulturstätten früher Siedlungen wie einerseits Skulpturen und Kulturgegenstände, die mit geometrischen Mustern verziert wurden. Eine eigene Gruppe von Gegenständen sind solche mit Sequenzen eingeritzter Zeichen, die als Inschriften erkennbar sind und nicht mit Ornamenten verwechselt werden können. Das würde bedeuten, dass die Verwendung der Schrift zeitlich betrachtet auf ca. 5500 v. Chr. datiert werden kann. Die Tontafeln von
Tărtăria (Rumänien) können beispielsweise auf ca. 5300 v. Chr. datiert werden.

Sumerische Alphabet

Im Bereich des Fruchtbaren Halbmondes, auch Mesopotamien genannt, sind die ersten allgemein anerkannten 
Schriftsysteme der Welt in einem Stadtstaat (ab dem 4. Jahrtausend v. Chr.) zu finden. Man nimmt heute an, dass die erste Schrift im alten  Mesopotamien
(Sumerische Sprache) mit der 
Buchführung ihren Anfang nahm.
Es wird angenommen, dass das arabische Alphabet ursprünglich vom nabatäischen entlehnt wurde, einer Variante der aramäischen (oder vielleicht der syrischen)
Schrift, welches aus dem phönizischen Alphabet entstanden ist. Also um 4000 vor. Chr.

Das wir heute viele Sprachen beherrschen ist auch einer der größten Meilensteine der Menschheit. Wir können uns als homo sapiens austauschen und wissen oft nicht, welche Macht Buchstaben oder auch Schriften haben. Wir können positive und auch negative Verbreitung von Schriften nutzen – Beispiele gibt es seit der Entstehung der Schriften genügend.

Naike Juchem, 17. Februar 2021

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Über naikejuchem

„Du entscheidest eines Tages oder Tag Eins.“ Mit diesem Satz hat sich am 29. August 2017 mein Leben gravierend geändert. Ich möchte gerne Einiges erklären, um mich nicht ständig zu wiederholen oder zu rechtfertigen. Ich wurde 1970 äußerlich als Junge geboren, innerlich hat die Biologie aber etwas durcheinander gebracht mit meinen Chromosomen. Heute weiß ich anhand von Blut,- und Gentests, dass es so ist. Es kommt halt nicht so oft vor, aber mich hat es erwischt. Ich habe eine Transidentität. Das ist nichts Schlimmes, es ist keine Krankheit – in welchem Sinne auch immer – das hat es schon immer gegeben. Selbst in der Bibel steht bei Paulus an die Korinther in 5,17 oder Galater 3,28 wie auch Epheser 4,23-24 schon etwas über Transgender. In Deutschland gibt es ungefähr 1 Mio. Menschen, denen es genauso geht wie mir. Die Natur geht manchmal kreative Wege und bringt unterschiedliche Menschen hervor: Männer, Frauen, welche, die homosexuell sind, welche, die beide Geschlechter in sich tragen (Intergeschlechtliche), Linkshänder, Rechtshänder, und eben auch welche, die transidentitär sind. Ich habe mir dies nicht ausgesucht, ich bin auf keinem „Trip“, oder laufe einem neuzeitlichen „Genderwahn“ hinterher. Bei einer Transidentität ist man im falschen Körper geboren worden, d.h. das äußere Geschlecht entspricht nicht dem selbst empfundenen Geschlecht – wobei sich dies nicht ausschließlich auf die Sexualität beschränkt, sondern eher dem sozialen Geschlecht und dessen Wahrnehmung entspricht. Wenn man im falschen Körper steckt und es nicht ändern kann, weil man es nicht weiß oder weil es nicht geht, fühlt man sich nicht nur falsch und unglücklich, es führt auch zu tiefen Depressionen, bei nicht wenigen Transidentitären sogar zum Suizid. Das ganze Leben stimmt einfach nicht.  Deshalb konnte ich die letzten Jahrzehnte auch nicht verstehen und einordnen, was mit mir los war, weshalb ich mich nicht richtig gefühlt habe: Ich wusste es nicht. Und in meiner Umgebung wusste auch keiner, dass ich eine Transidentität habe. Nicht nur die Bibel erwähnt transidentitäre Menschen, auch antike Geschichtsschreiber haben von der Existenz solcher Menschen berichtet. Aber erst mit der christlichen Kirche wurden transidentitäre Menschen mit einem absoluten Tabu belegt. Dies ist auch bis in die 70er/80er Jahre des letzten Jahrhunderts weitgehend gesellschaftlich so geblieben und hat die Betroffenen gezwungen, ihre tatsächliche Identität zu verbergen und die Rolle des geborenen Geschlechts anzunehmen. Nun mögen Viele meinen „Ja und? Dann macht man das eben, ist ja auch einfacher so!“. Ich habe über 40 Jahre eine Rolle gespielt, die ich nie war, und es war irgendwann nicht mehr auszuhalten. Ein Schauspieler kann das, solange die Kamera läuft, aber sobald der Film abgedreht ist, geht der Schauspieler nach Hause und ist wieder er selbst. Im echten Leben kann man nicht die ganze Zeit schauspielern, ohne daran zugrunde zu gehen. Es ist auch ein Betrug, ein Betrug an der Familie, an Freunde, an Kollegen ... und ganz besonders an sich selbst. Ich bin erst einmal den Weg der Rolle gegangen und hatte 1998 geheiratet, wurde nach einigen Jahren auch Vater und dachte, dass nun alles gut würde. Wurde es aber nicht. Im Gegenteil: Die Ehe wurde ab 2007 für mich zur Hölle, die 2012 in einer Scheidung endete und mich an den Rand der Existenz brachte. Da stand ich nun, wie man so sagt, vor den Trümmern meines Lebens. Die Ehe kaputt, das Kind weg, die berufliche Existenz im Eimer, Schulden und Probleme und wenig bis gar keine Unterstützung. Also was blieb mir noch? Mein Leben! Da ich von Natur aus eine Kämpferin bin, packte ich 2014 es endlich an, Antworten auf meine Fragen zu suchen. Ich fing an mich zu informieren, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt. Ich habe in dieser Zeit Fachtagungen und Freizeiten, sogar in Luxemburg im Ministerium eine Debatte für und mit Transgender besucht und stellte plötzlich fest, dass ich nicht alleine bin. Das war eine so unglaubliche Befreiung! Am 29. August 2017 wagte ich ein Outing im kleinen Rahmen, um endlich zu wissen, wie meine Freunde auf mich reagieren würden. Zu meiner großen Überraschung und unglaublicher Freude standen diese Menschen positiv zu mir und unterstützen mich bis heute, wie und wo es nur geht. Am 1. Oktober 2017 gab es dann kein Zurück mehr: es war der Tag, die Wahrheit zu sagen, bei meiner Familie und auch öffentlich. Natürlich hatte ich an diesem Tag unglaubliche Angst. Würde ich ab diesem Zeitpunkt nur noch alleine sein? Würde ich Zweifel, Fragen, Ablehnung, Verlust der Arbeit und noch mehr Probleme erfahren? Tausende Gedanken, Pro und Contra, all dies zerrte an meinem Verstand und meiner Seele. Mit diesem Tag wich ein unglaublicher Druck von mir. Meine Seele kam endlich zur Ruhe – ich hatte zu mir gefunden. Ich bin nun viel, viel ausgeglichener und aus heutiger Sicht betrachtet ist nichts von dem eingetroffen, worüber ich mir so viele Gedanken gemacht und befürchtet hatte.

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