Wurde Deutschland je von Einwanderer, oder Flüchtlingen zerstört?

Autorin Naike Juchem

Immer wieder liest man von AfDlern, das die Flüchtlinge und Asylbewerber, Deutschland kaputt machen, Deutschland abschaffen, Deutschland wird islamisiert und noch so einiges weitere an Unsinn.

Die Anzahl der Muslime in Deutschland wurde 2015 auf etwa 4,4 bis 4,7 Millionen Menschen geschätzt, was 5,4 bis 5,7 % der Bevölkerung entspricht. Knapp 6% von 100! Ich sehe da mal keine islamisierung!
Dann gab die AfD auch ihr bestes im diesjährigen Wahlkampf  man soll sich sogar sein Land zurück holen! Als ob die Flüchtlinge es einem genommen haben. Doch stimmt das? Machen Flüchtlinge ein Land kaputt?

Zu Zeiten der Industrialisierung kamen rund 4 Millionen, überwiegend Polen, nach Deutschland. Haben diese Deutschland zerstört? Nein im Gegenteil. Diese Einwanderer halfen das Ruhrgebiet zu dem zu machen was es war und ist.Anfang des 19. Jahrhunderts, als das Ruhrgebiet noch ländlich geprägt ist, wohnen in den größten Städten wie Dortmund und Duisburg gerade einmal 5000 Menschen. Mülheim an der Ruhr bildet mit 11.000 Einwohnern zu dieser Zeit eine absolute Ausnahme. Dörfer wie Gelsenkirchen und Herne verzeichnen zu dieser Zeit nur einige Hundert Einwohner. Doch durch die wirtschaftliche Expansion müssen zahlreiche Arbeitskräfte angeworben werden. Um diese unterbringen zu können, werden im gesamten Ruhrgebiet um die Zechen neue Siedlungen gebaut. So steigt die Bevölkerungszahl zwischen 1850 und 1925 explosionsartig von 400.000 auf 3.800.000. Die Städte erlebten einen neuen Aufschwung und Dörfer entwickelten sich zu Städten. Zusätzlich entstehen ganze Städte neu, quasi aus dem Nichts.

Um 1914 gab es rund 1,4 Millionen Leih- und Wanderarbeiter in Deutschland. Natürlich am meisten im Ruhrgebiet den diese Boombranche jener Zeit war die Montanindustrie: Im Ruhrgebiet wurde Kohle gefunden, zunächst oft nur wenige Meter unter der Oberfläche. Bald eröffnete eine Zeche nach der nächsten. Hunderttausende fanden alleine in den Kohlegruben Arbeit. Der enorme Arbeitskräftebedarf konnte NUR mit ausländischen Arbeitern gedeckt werden – Deutschland wurde nach 1890 zum zweitgrößten Einwanderungsland der Welt, übertroffen nur noch von den USA. Auch sie zerstörten Deutschland nicht. Sie wurden gebraucht.

Während der Russischen Revolution flohen ca. 1 Millionen Russen nach Deutschland. Doch das Land genommen haben diese nicht.

Nach dem 2 Weltkrieg, eine Zeit, wo jeder zu sehen musste, das er selbst über die Runden kam, hat Deutschland rund 14 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene auf. Eine schwere Zeit und sicher auch eine Last. Kaputt gemacht haben sie Deutschland aber nicht.

  • Das Wirtschaftswunder konnte nur Gelingen, weil Deutschland bis 1973 rund 14 Millionen Gastarbeiter angeworben hat. Deutschland veränderte sich, aber kaputt ging es nicht.

Im Zuge der Wiedervereinigung sind rund 4 Millionen Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Grade die Jungen Russen, taten sich schwer wirklich in Deutschland anzukommen. Aber sie stahlen nicht unser Land und zerstörten es nicht.
Die Geschichte zeigt etwas auf, was Deutschland wirklich zerstörte und zwar der Nationalismus.

Um 1900 grassierte der Nationalismus überall in Europa, doch im Deutschen Reich traf dieser mit einer eigenartigen „Underdog“-Mentalität zusammen und bekam eine spezielle, trotzige Ausprägung. Von Bühlow brachte den nationalismus der Zeit auf den Punkt: „Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne!“
Trump würde es so sagen America first.

Dieser Nationalstolz führte zum Attentat auf Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie und letztlich zum 1 Weltkrieg.

1933 erlangt Adolf Hitler die Macht. Wohin der Nationalismus dieser Deutschen, Deutschland dann führte, ist allgemein bekannt.
Da Deutschland als eine begeisterte Fussball Nation gilt, noch ein paar Sätze.

Als die Bundesliga in der Saison 1963/64 gegründet wurde, kamen nur sieben der insgesamt 300 Spieler nicht aus Deutschland. In der Saison 2015/16 sah das Verhältnis schon ganz anders aus. Von insgesamt 429 Fußballprofis in der 1. Bundesliga hatten nur 194 die deutsche Staatsbürgerschaft, 235 spielten mit einem ausländischen Pass. Zum Ende der Saison 2015/2016 waren Spieler aus Deutschland und insgesamt 54 anderen Ländern in der 1. Bundesliega vertreten.
Im Dezember 2013 gab das Bundesinnenministerium (BMI) bekannt, dass das BKA und Landespolizeibehörden bei dieser Überprüfung in 746 Fällen mit 849 Todesopfern zwischen 1990 und 2011 Anhaltspunkte für eine mögliche politische rechte Tatmotivation entdeckt hatten.

Nachfolgend habe ich nur einmal vier Fälle aufgelistet bei denen Menschen durch Neanazis ums Leben gekommen sind. Diese Liste lässt sich noch sehr leicht unglaulich lange fortsetzen. Denke aber das diese vier Fälle ausreichen um das kranke Denken von Nazis zu verdeutlichen.

Am 30. Juni 1986 starb der 23-jährige mosambikanische Vertragsarbeiter Manuel Antonio Diogo während einer Zugfahrt von Ost-Berlin nach Coswig. Diogo begegnete im Zug einer Gruppe Neonazis, diese fesselten ihn und seilten seinen Körper bei voller Fahrt aus dem Zug ab. Noch in derselben Nacht wurde der schwer verstümmelte Leichnam von Diogo zwischen zwei Haltepunkten aufgefunden.

Am 19. August 1987 wurde der 20-jährige iranische Flüchtling Kiomars Javadi in Tübingen nach einem vermeintlichen Diebstahl von Angestellten eines Supermarktes festgehalten und misshandelt. Der 18-jährige Lehrling Andreas U. nahm ihn für 18 Minuten in einen Würgegriff. Laut Gerichtsmedizinern war Kiomars bereits nach vier bis sechs Minuten tot.

In der Nacht vom 19. auf den 20. September 1987 gegen 23 Uhr wurde in  Magdeburg der mosambikanische Lehrling Carlos Conceicao durch einen rassistischen Mob getötet.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1988 steckte der 19-jährige Auszubildende Josef Saller, Mitglied einer Neonazi-Organisation aus rassistischen Gründen in der Schwandorfer Innenstadt ein Haus in Brand, in dem vorwiegend Türken wohnten. Vor Gericht sagte der 19-jährige Täter: „Ich hasse Ausländer.“ Durch den Brandanschlag verloren vier Menschen ihr Leben. Der Arbeiter Osman Can  seine Ehefrau Fatma, sein Sohn Mehmet und der Akustiker Jürgen Hübener  verbrannten bzw. erstickten
Dieser Text zeigt, nicht Flüchtlinge machen ein Land kaputt, sondern falsch gelebter und verstandener Nationalstolz.
Heute haben wir in Deutschland eine Partei, die AfD, die genau da weitermacht, wo wir eigentlich dachten das es 1945 aufgehört hatte. Nationalismus predigen, das zeigt die Geschichte, führt zu verderben. In diesem Sinne ein Zitat von Heinrich Heine

Fatal ist mir das Lumpenpack,
das, um die Herzen zu rühren,
den Patriotismus trägt zur Schau,
mit allen seinen Geschwüren.

Naike Juchem, 10. Dezember 2017

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Über naikejuchem

„Du entscheidest eines Tages oder Tag Eins.“ Mit diesem Satz hat sich am 29. August 2017 mein Leben gravierend geändert. Ich möchte gerne Einiges erklären, um mich nicht ständig zu wiederholen oder zu rechtfertigen. Ich wurde 1970 äußerlich als Junge geboren, innerlich hat die Biologie aber etwas durcheinander gebracht mit meinen Chromosomen. Heute weiß ich anhand von Blut,- und Gentests, dass es so ist. Es kommt halt nicht so oft vor, aber mich hat es erwischt. Ich habe eine Transidentität. Das ist nichts Schlimmes, es ist keine Krankheit – in welchem Sinne auch immer – das hat es schon immer gegeben. Selbst in der Bibel steht bei Paulus an die Korinther in 5,17 oder Galater 3,28 wie auch Epheser 4,23-24 schon etwas über Transgender. In Deutschland gibt es ungefähr 1 Mio. Menschen, denen es genauso geht wie mir. Die Natur geht manchmal kreative Wege und bringt unterschiedliche Menschen hervor: Männer, Frauen, welche, die homosexuell sind, welche, die beide Geschlechter in sich tragen (Intergeschlechtliche), Linkshänder, Rechtshänder, und eben auch welche, die transidentitär sind. Ich habe mir dies nicht ausgesucht, ich bin auf keinem „Trip“, oder laufe einem neuzeitlichen „Genderwahn“ hinterher. Bei einer Transidentität ist man im falschen Körper geboren worden, d.h. das äußere Geschlecht entspricht nicht dem selbst empfundenen Geschlecht – wobei sich dies nicht ausschließlich auf die Sexualität beschränkt, sondern eher dem sozialen Geschlecht und dessen Wahrnehmung entspricht. Wenn man im falschen Körper steckt und es nicht ändern kann, weil man es nicht weiß oder weil es nicht geht, fühlt man sich nicht nur falsch und unglücklich, es führt auch zu tiefen Depressionen, bei nicht wenigen Transidentitären sogar zum Suizid. Das ganze Leben stimmt einfach nicht.  Deshalb konnte ich die letzten Jahrzehnte auch nicht verstehen und einordnen, was mit mir los war, weshalb ich mich nicht richtig gefühlt habe: Ich wusste es nicht. Und in meiner Umgebung wusste auch keiner, dass ich eine Transidentität habe. Nicht nur die Bibel erwähnt transidentitäre Menschen, auch antike Geschichtsschreiber haben von der Existenz solcher Menschen berichtet. Aber erst mit der christlichen Kirche wurden transidentitäre Menschen mit einem absoluten Tabu belegt. Dies ist auch bis in die 70er/80er Jahre des letzten Jahrhunderts weitgehend gesellschaftlich so geblieben und hat die Betroffenen gezwungen, ihre tatsächliche Identität zu verbergen und die Rolle des geborenen Geschlechts anzunehmen. Nun mögen Viele meinen „Ja und? Dann macht man das eben, ist ja auch einfacher so!“. Ich habe über 40 Jahre eine Rolle gespielt, die ich nie war, und es war irgendwann nicht mehr auszuhalten. Ein Schauspieler kann das, solange die Kamera läuft, aber sobald der Film abgedreht ist, geht der Schauspieler nach Hause und ist wieder er selbst. Im echten Leben kann man nicht die ganze Zeit schauspielern, ohne daran zugrunde zu gehen. Es ist auch ein Betrug, ein Betrug an der Familie, an Freunde, an Kollegen ... und ganz besonders an sich selbst. Ich bin erst einmal den Weg der Rolle gegangen und hatte 1998 geheiratet, wurde nach einigen Jahren auch Vater und dachte, dass nun alles gut würde. Wurde es aber nicht. Im Gegenteil: Die Ehe wurde ab 2007 für mich zur Hölle, die 2012 in einer Scheidung endete und mich an den Rand der Existenz brachte. Da stand ich nun, wie man so sagt, vor den Trümmern meines Lebens. Die Ehe kaputt, das Kind weg, die berufliche Existenz im Eimer, Schulden und Probleme und wenig bis gar keine Unterstützung. Also was blieb mir noch? Mein Leben! Da ich von Natur aus eine Kämpferin bin, packte ich 2014 es endlich an, Antworten auf meine Fragen zu suchen. Ich fing an mich zu informieren, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt. Ich habe in dieser Zeit Fachtagungen und Freizeiten, sogar in Luxemburg im Ministerium eine Debatte für und mit Transgender besucht und stellte plötzlich fest, dass ich nicht alleine bin. Das war eine so unglaubliche Befreiung! Am 29. August 2017 wagte ich ein Outing im kleinen Rahmen, um endlich zu wissen, wie meine Freunde auf mich reagieren würden. Zu meiner großen Überraschung und unglaublicher Freude standen diese Menschen positiv zu mir und unterstützen mich bis heute, wie und wo es nur geht. Am 1. Oktober 2017 gab es dann kein Zurück mehr: es war der Tag, die Wahrheit zu sagen, bei meiner Familie und auch öffentlich. Natürlich hatte ich an diesem Tag unglaubliche Angst. Würde ich ab diesem Zeitpunkt nur noch alleine sein? Würde ich Zweifel, Fragen, Ablehnung, Verlust der Arbeit und noch mehr Probleme erfahren? Tausende Gedanken, Pro und Contra, all dies zerrte an meinem Verstand und meiner Seele. Mit diesem Tag wich ein unglaublicher Druck von mir. Meine Seele kam endlich zur Ruhe – ich hatte zu mir gefunden. Ich bin nun viel, viel ausgeglichener und aus heutiger Sicht betrachtet ist nichts von dem eingetroffen, worüber ich mir so viele Gedanken gemacht und befürchtet hatte.

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