Colonia Dignidad

Deutsche Colonia Dignidad – Kolonie „Würde“ – ein Ort der Unwürde!

Autorin Anke Weber


Mit gleichem blinden Gehorsam , der Wandel von ehemaligen Naziakteuren zu Sektenanhängern am anderen Ende der Welt – Colonia Dignidad in Chile.
Erst folgten sie dem einen Führer dann in den 60ern dem nächsten selbsternannten Gott.


Überwachungsstaat in der Kolonie, Erniedrigungen, Gehirnwäsche, Misshandlungen, Kindesentzug, Ausbeutung durch Arbeit, Fanatismus und Kindesmissbrauch. Eine vom Pinochetregime und das Pinochetregime unterstützte /unterstützende Mikrodiktatur.

Stacheldraht, Wachtürme, Schießanlagen.

Sympathisanten unter der Bevölkerung erhält Schäfer beim Bau eines Krankenhauses wo besonders chilenische Kinder umsonst behandelt wurden.

Er entzog die Sektenkinder den Eltern und verbrachte sie in ein streng abgetrenntes Kinderhaus. Viele chilenische Kinder blieben in der Kolonie. Mit dem Krankenhaus wurde der Schein der Gemeinnützigkeit erreicht und man bekam Steuerfreiheit. Alles eine Fassade, um sich an den Kindern zu bedienen. 36 Jahre lang missbrauchte er Kinder.

Paul Schäfer, der selbsternannte Gott, behandelt gerade die Frauen auf unterirdischem Niveau.

Nachdem er in Deutschland mit einem Haftbefehl wegen Unsittlichkeit und Kindesmissbrauch gesucht wurde, setzt er sich ins Ausland mit der Vereinskasse ab. Er versucht in Israel, Jordanien, Ägypten etc. Kinderhäuser zu gründen, in denen er wie bereits in Deutschland wahrscheinlich Kinder missbraucht hätte.
Er schart eine Gruppe von Ex-Nazis, SS, Gestapo Mitgliedern um sich, sammelt Geld bei Sympathisanten für die Gründung einer Kolonie in Chile, wohin bereits andere Nazis sich abgesetzt hatten und in einem antisemitisch gestimmten Südamerika willkommen geheißen wurden. Schäfer kauft von der chilenischen Regierung 1961 Land. Hunderte Familien folgen seinem Ruhm.
Zu Schäfers Gästen gehörte auch Mengele und Perón.

Jegliche Form der Weiblichkeit wurde unterbunden: Kopftuch, kurze Haare, keine Behaarung, Wegbinden der Brüste, Separierung von den Männern, Trennung von den Familien, Entmenschlichung, Wegsperren der Frauen, Ersetzung der Vornamen durch Schimpfanreden, Entwürdigung, Peinigungen, Prügelstrafen, stundenlange Beichten, statt Schulbildung Kinderarbeit, religiöse Gehirnwäsche, religiöser Wahn, hörige Sektenmitglieder, selbst unter den missbrauchten Kindern (deutsche Kinder kannten nichts anderes und erkannten den Missbrauch nicht einmal)….



Durch die Trennung von den Eltern kennen viele Kinder nach einiger Zeit ihre Eltern nicht mehr. Sämtliche familiären Bindungen werden systematisch zerstört. Erzogen von Tanten.

Folter Einheimischer zu Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ oder deutschen Volksliedern für Pinochet.

Freundschaftliche Beziehungen zum ehemaligen SS Mitglied und Waffenhändler Gerhard Mertins, der im Auftrag der BRD weltweit Waffen lieferte. Waffenschmuggel, Waffenlieferungen an das Pinochetregime.

Na, erinnert euch das an etwas?

Erst in den 70er Jahren macht Amnesty auf die Folter von Chilenen aufmerksam!
In der Kolonie wurden Menschen zu Tode gefoltert, mit Napalm übergossen, verbrannt und im Fluß entsorgt. Massengräber. Opfer durch Hunde verstümmelt.

Was für Hunde besaß wohl Schäfer?

Anscheinend ganz wie sein „Vorbild“ Deutsche Schäferhunde!

Die deutsche Botschaft ließ sich mit Lebensmitteln beliefern und stellte dafür aus Gefälligkeit Lebendbescheinigungen für die Dt. Rentenversicherung aus, ohne die Sektenmitglieder überhaupt gesehen haben. Politisch sympathisierte die CSU und CDU mit dem Sektenfürst im Kampf gegen den Kommunismus…Strauß!

Erst Norbert Blüm brachte 1986 die Sektenkolonie wieder in die Kritik! Jahrzehntelang schaute die BRD weg!

1988 erste Anhörungen gefolterter Opfer und geflohener Sektenaussteiger. Die Staatsanwalt beginnt zu ermitteln.
Einer der ersten geflohenen missbrauchten Kinder Wolfgang Kneese kämpft seit 1966 jahrzehntelang in Deutschland für die Befreiung gefangener Kinder.
Deutsche Helfershelfer setzen sich nach Chile ab. Der Volksentscheid in Chile setzte Pinochet ab.
Helmut Kohl zieht sich aus der Affäre trotz der Warnungen von Amnesty und erklärt die Kolonie für eine reine chilenische Angelegenheit.

In den 1990ern versuchte die chilenische Regierung die Kolonie zu schließen.

Schäfer mobilisiert die einheimische Bevölkerung gegen die Schließung des Krankenhauses. Schäfer öffnet die Kolonien für chilenische Kinder als Wochenendfreizeitheim. Er macht Werbung für ein „angebliches Jungenintensivinternat“ im chilenischen Fernsehen. Er beschenkt diese Kinder, während die deutschen Koloniekinder unter dürftigen Bedingungen aufwuchsen. Er missbraucht unzählige Kinder. Die chilenischen Kinder wehren sich. Schäfer und sein Rechtsanwalt Hopp sedieren die Jungen, quälen sie und vergewaltigen sie brutal.

Ein Junge kann entkommen. Die Mutter erstattet in der Hauptstadt Chiles Anzeige. Die Staatsanwaltschaft beginnt zu ermitteln. Die korrupte örtliche Polizei warnt Schäfer vor der Durchsuchung.

Schäfer entkommt immer wieder. In blindem Sektengehorsam werfen sich die Mitglieder den Polizisten entgegen.
Schäfer bedroht die chilenischen Kinder, dass die chilenische Polizei sie verschleppen und ermorden würde.

Luis Henriquez, der chilenische Ermittler lässt die Kolonie und die Villa Bavariez 7 mal erstürmen. Er ersucht die Regierung Kohl um Hilfe und stößt auf taube Ohren und Untätigkeit.

Hinter dem OP im Krankenhaus der Kolonie ein geheimer Raum als Versteck von Schäfer. Hopp operiert im OP damit die Hunde der Polizei nicht in den Raum können. Schäfer und Hopp beginnen die Kinder als potentielle Zeugen zu verstecken.
Schäfer beginnt die Beweise zu vernichten: Akten werden vernichtet, Waffen vergraben. Medienwirksam verschwindet Schäfer aus der Kolonie, eine Inszenierung für die Ermittler.
Er verschwindet in unterirdische Wohncontainern und lässt sich selbst dorthin noch Jungen bringen um sie zu missbrauchen.

1997 fliehen 2 Jungen verfolgt von Schäfers Häschern
Hilfesuchende Entflohene waren bisher von der deutschen Botschaft immer wieder in die Kolonie zurück gebracht wurden.
Schäfer flieht mit 5 Getreuen nach Argentinien.

Verblendete Kolonisten leben auch nach seiner Flucht in alten Mustern in der Kolonie weiter. Die Koloniemitglieder waren meist ohne Bildung aufgewachsen. Zwischenmenschliche Beziehungen galten als Sünde

2008 wird Schäfer in Argentinien verhaftet und an Chile ausgeliefert. Er wird lediglich wegen Kindesmissbrauch verurteilt. Der Mord der chilenischen Folteropfern wurde nicht geahndet, das wurde vom chilenischen Militär verhindert. 20 Jahre Haft. 2010 stirbt er.

Einer der Schäferbegleiter Schnellenkamp macht ein umfassendes Geständnis und wird inhaftiert. Er gesteht für Schäfer Waffenkäufe, Waffenlieferungen an den Irak, Waffenkäufe aus den USA, Käufe von chemischen und biologischen Waffen, Herstellung von Sarin organisiert zu haben…..

Erst 2016 räumte Steinmeier Fehler ein.

Hopp floh nach Deutschland und wurde auch hier nicht belangt. 2019 wurde das Verfahren eingestellt. Bis heute warten die chilenischen Opfer auf 10000 Euro Entschädigung für ihre gestohlenen Leben. In Deutschland wurden keine Schergen von Schäfer je verurteilt.

Heute die Villa Baviera.

Bilanz aus 36 Jahren Schäferdiktatur: Über 200 Jungen höchstpersönlich missbraucht; über 100 Koloniekinder gefoltert; mit Elektroschocks, sediert unter Drogen gesetzt und körperlich versehrt; über 500 Pinochetgegner gefoltert, verstümmelt und getötet; illegale Adoptionen.

Text: Anke Weber, 29.06.2021

Eine Dokumentationszusammenfassung der 4 teiligen ARTE Dokumentation, welche heute Abend ausgestrahlt wurde.

Ein Gedanke zu „Colonia Dignidad

  1. aloisweinzetl

    Ich hatte bisher keine Ahnung von der „Colonia Dignidad“ oder der Existenz eines Paul Schäfer und seinem Gefolge. Es ist unfassbar mit welchen geringem Strafausmaß diese „Menschen“ davongekommen sind. Hier zweifle ich an der Justiz.
    Und ich hoffe dass diese Gräueltaten ein Ende haben.

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