Impfungen sind wichtig

Impfungen sind eine effiziente Maßnahme zur Prävention von Infektionskrankheiten und deren möglichen Folgekrankheiten, sie gelten damit als eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin.

Autorin Dr. rer. nat.Patricia Lefèvre

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“

Mal ganz ehrlich, wer fragt bei R-C9H11N2O4S oder C₉H₈O₄ schon seinen Arzt oder Apotheker?

R-C9H11N2O4S, wobei „R“ für eine variable Seitenkette steht, ist eines der ältesten Antibiotika überhaup und ist nichts anderes als Penicillin. Auch C₉H₈O₄ hat so gut wie jeder Mensch schon zu sich genommen und kaum einer kann mit Acetylsalicylsäure etwas anfangen. Der gängige Begriff Aspirin kennt aber jeder.

Der Bundestrainer von einst, ist heute der Virologe

Menschen die meinen alles besser zu wissen – und zu können, gab es schon immer. Was bei jedem Fußball Länderspiel der Bundestrainer ist, ist seit eineinhalb Jahren der Virologe und Corona-Fachmann schlechthin. In letzter Zeit kreisen unglaublich viele Fachbezeichnungen über Impfstoffe durchs Internet und so mancher Hobbyvirologe fühlt sich genötigt, sein Halbwissen unter das Volk zu bringen. Nun möchte ich jenen „Fachleuten“ zwei Begriffe erklären, um deren Halbwissen etwas zu erhellen.

Zum Einstieg fange ich mit einem simplen Beispiel an: einem Kuchenrezept

Wer am Wochenende eine Torte backen möchte, nimmt verschiede Zutaten. Eier, Zucker und Mehl sind die Bestandteile von fast allen Torten – so auch von Impfstoffe.

Die Varianten mit Vanillezucker, Backpulver oder Natron benutz man um einen Kuchen zu backen, der von dem Standart Rezept abweicht – so auch die Impfstoffe.

Es gibt Milliarden Viren und Bakterien auf der Welt, die entweder nützlich oder schädlich für den Menschen sind. Aus diesem Grund gibt es auch verschiedene Medikamente und Impfstoffe. Scheint eigentlich ganz logisch zu sein. Leider kommt diese einfachste Logik der Medizin nicht bei allen an.

Gefahr durch multiresistente Bakterien

Abstract

Bakterien zählen zu den Lebewesen, Viren nicht. Bakterien als auch Viren können uns krank machen. Das ist eine der wenigen Gemeinsamkeiten dieser Krankheitserreger.

– Bakterien (z. B. Milchsäurebakterien) sind mikroskopisch kleine Lebewesen, die man mit dem bloßen Auge nicht sehen kann. Sie bestehen aus einer Zelle mit eigenem Stoffwechsel. Sie benötigen Nahrung und vermehren sich durch Zellteilung. Viele Bakterien werden durch eine Zellwand stabilisiert. Das Aussehen der Bakterien ist dabei recht verschieden, es gibt u. a. stäbchenförmige, runde, spiralförmige oder fadenförmige Bakterienarten.

– Viren (z. B. Corona-Viren) sind im Gegensatz zu Bakterien keine Lebewesen. Viren können nicht eigenständig leben, weil sie keinen eigenen Stoffwechsel zur Energiegewinnung haben. Sie benötigen eine andere Zelle, eine sogenannte Wirtszelle, um zu leben und sich vermehren zu können. Nur mit Hilfe dieser Wirtszelle können sich Viren vervielfältigen und verbreiten.

Seit der Entdeckung der antibiotischen Wirksamkeit von Penicillin durch Alexander Fleming (1929) hat man viele durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheiten, wie z.B. Cholera oder Syphilis, durch Antibiotika unter Kontrolle bekommen. Leider haben aber viele Bakterien im Laufe der Jahre Resistenzen gegen ein oder mehrere Antibiotika entwickelt. Dies liegt unter anderem am häufig verantwortungslosen Umgang mit Antibiotika, z.B. beim präventiven Einsatz in der Tierhaltung, als Medikament gegen Viren oder bei vorzeitigem Abbruch der Einnahme. Um multiresistente Bakterien bekämpfen zu können, braucht man vollkommen neue Antibiotika, die jedoch immer seltener auf den Markt kommen. Gleiches erleben wir nun mit den Mutationen des Coronavirus.

Die Medizin setzt auf Natur. Gift ist nicht gleich Gift

Aussage wie zum Beispiel: ich lass mir kein Gift spritzen; zeigt eine doch hohe fehlende Intelligenz so mancher Zeitgenosse.

Zur Erklärung von Gift: Als Gift, in der Fachsprache auch Toxikum genannt, bezeichnet man Stoffe, der Lebewesen über ihre Stoffwechselvorgänge, durch Eindringen in den Organismus ab einer geringen oder hohen Dosis einen Schaden zufügen kann. Die Medizin wurde dahingehend entwickelt um den Menschlichen Körper zu schützen, und nicht umzubringen! Die Basis von heutigen Medikamenten geht bis in die Antike zurück. Bekannt ist auch das Sprichwort: gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen. Daher verwenden die Menschen seit jeher Naturstoffe zur Herstellung von Medikamenten.

Hildegard von Bingen hat dies bereits im 11. Jahrhundert erkannt und in „Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum“ niedergeschrieben.

Zur Entdeckung neuer Antibiotika, macht man sich Gifte – keine für den Menschen tödliche oder schädliche, zu Nutze, die von Bakterien und Pilzen zur Abwehr gegen andere Bakterienstämme produziert werden. Um diese Wirkstoffe nicht umständlich aus Pflanzen oder Bakterien gewinnen zu müssen, wurden molekulare Struktur der Wirkstoffe entschlüsseln. Die Strukturaufklärung von kleinen Molekülen ist ein aufwendiger und kostenintensiver Prozess, der mittels bioinformatischer Methoden heutzutage beschleunigt wird.

LEGO Bausteine der Forschung

Für Sars-CoV-2 werden zwei Linien genutzt, um einen Impfstoff herzustellen. Es ist einmal der mRNA und der Vektor-Impfstoff.

Die Forscher_innnen erfinden das Rad nicht neu, sie bauen auf bekannt Stoffe (Bausteine) auf. Es gibt Datenbanke, in denen Milliarden von „Bausteine“ gespeichert sind und darauf zugegriffen werden kann.

LEGO Bausteine kennt jeder und nach diesem Prinzip sind alle molekularen Stoffe für Schmerzmittel und auch Impfstoffe aufgebaut. Wenn ein Pharma Unternehmen die Grundplatte für zum Beispiel Vektor-Viren schon in seinem Programm hat, baut es natürlich auf diese Grundplatte auf. Nun kommen nur noch ein paar rote, gelbe oder blaue Bausteine hinzu. Diese können von einem „zweier-Stein“ bis hin zu einem „achter-Stein“ (Menge des Inhaltsstoff) reichen.

Was ist eine mRNA?

Um zu verstehen, was eine mRNA ist, muss man in das Innere einer menschlichen Zelle eintauchen. Denn mRNAs spielen bei der Produktion von Eiweissen, also Proteinen, im Körper eine wichtige Rolle. Die Baupläne der körpereigenen Proteine sind im Erbgut – in der DNA im Zellkern – gespeichert. Sie werden dort in mRNA umgeschrieben. Ist die mRNA mit dem Bauplan für ein Protein gebildet, verlässt sie den Zellkern. Ausserhalb des Zellkerns lesen dann sogenannte Ribosomen diesen Bauplan ab und stellen das entsprechende Protein her.

Die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. „m“ steht für messenger (Bote), „RNA“ für Ribonukleinsäure. Hier ist die mRNA die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers (das Spikeprotein). Die Boten-RNA gelangt mit Hilfe winziger Fettteilchen in die Körperzellen. Diese stellen dann ebenfalls das Viruseiweiß her, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.

Vektor-Impfstoff

Die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson sind sogenannte Vektorimpfstoffe. Sie brauchen als Grundlage ein Virus, um Informationen in den Körper zu schleusen. Als „Träger-Virus“ (Vektor-Virus) wird ein unschädlich gemachtes Erkältungsvirus (Adenovirus) verwendet. Bei Johnson&Johnson ist es ein verändertes menschliches Erkältungsvirus (Adenovirus 26), bei AstraZeneca ein Adenovirus, welches bei Schimpansen Atemwegsinfekte hervorrufen kann, für den Menschen aber ungefährlich ist (Adenovirus ChAdOx1). Die genetisch veränderten Vektor-Viren können sich nicht im menschlichen Körper vermehren. Sie enthalten das Gen, also Erbgut, für die Herstellung der Spike-Proteine. Die Vektor-Viren werden vom menschlichen Immunsystem nach kurzer Zeit abgebaut. Vektor-Impfstoffe kommen auch bei anderen Impfungen (zum Beispiel bei Ebola) bereits zum Einsatz.

mRNA-Impfstoffe verändert nicht das Erdgut

Bei mRNA-Vakzinen handelt es sich um ein neuartiges Prinzip, bei dem nicht ein virales Antigen verimpft wird, sondern quasi die Bauanleitung dafür. Professor Dr. Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut widerspricht der These, die gerne von Impf-Skeptikern anführt werden, dass jener Impfstoff das Erbgut schädigt oder verändert. Diese Aussagen entsprechen nicht dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand.Die oft angeführte Aussage, dass es nochkeinerlei humanmedizinische Erfahrungswerte mit demCorona-Impfstoff gäbe ist faktisch falsch. Es gibt schon seit Jahren Erfahrungen mit mRNA-Impfstoffen beim Menschen, im Rahmen von therapeutischen Tumorimpfstoffe.

Dr.rer. nat. Patricia Lefevre, Dijon, 31. Juli 2021

Quellen

– Epidemiologisches Bulletin, RKI, 2015

– Infanrix Fachinformation

– Professor Dr. Klaus Cichutek, Paul-Ehrlich-Institut

– PubChem

– SCNAT, Forum Genforschung, Bern

– Searching molecular structure database

– Td- Mérieux Fachinformation

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Über drpatricialefevre

Mein Name ist Patricia Lefèvre,  ich bin deutsch-französin. Meine Eltern sind deutsche und ich bin in Frankreich geboren. Mein Vater ist Ingenieur für Fahrzeugbau, meine Mutter Apothekerin. Da beide in frühen Jahren die Liebe zu Frankreich entdecken und nicht nur um dort Urlaub zu machen, gingen sie Anfang der 70er nach Frankreich. Mein Vater arbeitete bei Citroën in der Getriebeentwicklung im Werk in Metz und meine Mutter als Apothekerin in Metz. Ende der 70er wurde in Trèmery, bei Metz, ein neues Motorenwerk von Citroën und Peugeot gebaut, welches heute das größte Dieselmotorenwerk der Welt ist. Da die kleine Gemeide Trèmery in kürzester Zeit wuchs, beschlossen meine Eltern sich mit einer Apotheke selbständig zu machen. So wurde mir von beiden der Grundstock von Wissenschaft von Kindheit an mitgegeben. Da ich immer wissen wollte wie was und warun funktioniert oder so ist, studierte ich in Paris an der Universität Pierre et Marie Curie, nach Pierre und Marie Skłodowska Curie benannt, Physik und Mathematik. Nach dem Studium blieb ich an der Uni, wechselte dort zu ISIR - Institute of Intelligent Systems and Robotics. 2005 ging ich aus privaten Gründen zu meinen Großeltern nach Reutlingen und studierte an der Uni Tübingen Nanotechnologie. 2008 wurde ich Dozentin für Angewandte Physik. 2010 wurde meine Tochter und 2013 mein Sohn in Reutlingen geboren. In dieser Zeit schrieb ich auch meine Dissertation. Im Herbst 2019 ging ich mit meiner Familie nach Frankreich und bin seit dieser Zeit an der UBFC - Université Bourgogne Franche-Comté, in der Forschung der Nanotechnologie. Da die UBFC eng mit der ESA - European Space Agency,  im Bereich Nanotechnologie zusammen arbeitet, ist dies für mich nochmals eine Herausforderung in der unglaublichen Weite dieser Technologie. Ich bin ein Naturmensch und diese erlebe ich zu Fuß, mit dem Rad oder Kanu. Wann immer es die Zeit zulässt, gehe ich mit der Familie, oder auch eine Woche alleine mit meinem Hund campen und dies nicht nur im Juli oder August. Rucksack, Zelt und ne Flasche Wein - mehr brauche ich für ein Wochenende nicht. Ich habe einen Jagdschein und besorge das Abendessen selbst. Ich weiß, dass dieses Thema sehr kontrovers diskutiert wird und gerade jene am lautesten schreien, die die wenigste Ahnung von Naturschutz haben.

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