Im Jahr als die Freiheit am Hindukusch verloren ging

Taliban enter outskirts of Kabul as US begins embassy evacuation“

Autorin Nila Khalil

Am Sonntagnacht klingelte mein Notfall Telefon. „Kabul fällt!“  Dies waren die Worte von meiner Freundin und langjährige Weggefährtin Samira Ansary.
Mit einem Schlag war ich hellwach. Der Tag X traf mich am 15. August 2021 um 1.12 Uhr. „Ich komme“ ,war meine Antwort.

Ich rief meinen Bodyguard an – der in Schottland lebt und sagte ihm: „es geht los.“
Der schwerste Gang war an die Schlafzimmertür meiner Eltern. Sie leben seit einem Jahr bei mir im Haus in Den Haag. Ohne ein Wort zu sagen, sah meine Mutter mich mit Tränen in den Augen an. Sie wusste das es soweit war.

Die nächsten Anrufe galten jenen Personen die seit 6 Jahren auf einem Notfallplan stehen.

Um 2 Uhr fing in drei Länder auf drei Kontinenten und Australien eine Organisation an zu laufen, die 1000 mal durchgesprochen wurde. Gleichzeitig telefonierte ich mit Freunden in Afghanistan um überhaupt einen Überblick der Lage vor Ort zu bekommen. Mein Mailfach füllte sich in wenigen Minuten. Meine Eltern lasen die Mails und druckten die wichtigsten aus. Alle Mails wurden an die andere Personen weitergeleitet – sofern sie diese nicht schon hatten.

Gegen 5 Uhr kamen Erik, Linda, Marpe de Joost und meine Tochter in mein Haus, um sich einen Überblick via Internet in Afghanistan zu verschaffen. Im Fernsehen kamen auf den Afghanischen Sender fast die gleichen Meldungen. Egal welche Seiten wir im Internet sahen – sie zeigten fast alle das gleiche.

Um 6.17 Uhr kam die Nachricht von meinem Bodyguard: bin auf dem Weg.
Um 6.23 Uhr kam die Nachricht von einem, ich nenne ihn mal: Staatsminister, „bis heute vormittag hast du ein Flugzeug.“

Afghanistan Ende Juli

Die Meldungen von dem Vorrücken der Taliban in immer mehr Städte und Provinzen machte mir und meinem Team in Afghanistan große Angst. Mit meinem Team wurde beschlossen, dass wir alle Mädchen und Frauen aus unseren 6 Häuser ruhig und unauffällig zusammen ziehen. Bei knapp 300 Mädchen und Frauen, die an geheimen Orten leben, ist dies gar nicht so einfach.
Aus eben jenen Sicherheitsgründen der Gefahr der Taliban ausgeliefert zu sein, sind diese geschundenen und zwangsverheitaten Mädchen und junge Frauen räumlich getrennt. Diese nun alle an einem zentralen Ort, ist äußerst gefährlich. Zumal zwei unserer Frauenhäuser in einer Provinz sind, wo die Taliban seit Wochen sehr präsent ist.

Mein Team hatte es hinbekommen unauffällig die beiden Häuser zu räumen, um die Mädchen, Frauen und Mitarbeiterinnen in meine Heimatstadt zu bringen – wo unsere Zentrale, Schule und ein Frauenhaus ist.

Ab Mitte der ersten Woche im August
wurden mit allen Beteiligten der 40-seitige Notfallplan täglich via Telefon und Video besprochen. Alle wussten es passiert etwas – nur nicht wann.

Time to say goodbye

Im Mai 2020 schrieb ich nach einem Terroranschlag in meiner Heimatstadt, 5000 Kilometer entfernt mein Testament.
Am Sonntagmorgen legte ich den Schnellhefter mit meinem Willen – wenn mir etwas passieren sollte, auf den Esszimmertisch in meinem Haus. Es brauchte keine Diskussionen über meine Entscheidung, denn die gab es in letzten Monaten mehr als genug.


Um 7.30 Uhr fuhr Marpe mich die wenigen Kilometer zu dem kleinen Flugplatz „The Hague Airport“ nach Den Haag.
An einem abgesprochen Treffpunkt traf ich Joris, den Piloten, der mich in ein europäisches Land, welches ich hier nicht nennen werde, fliegen soll, um dort meinen Bodyguard und eben jenes Flugzeug für nach Afghanistan zu treffen.

Marpe war sehr gefasst, auch wenn wir beide Tränen in den Augen hatten. „Al het beste, mijn engel“, sagte sie unter Tränen.

Schweigend ging ich mit Joris zu seiner Cessna 172, die mich zu einer Militärbasis in einem europäischen Land fliegen soll.
Nach dem Check und Anmelden, rollte Joris los und wenig später spürte ich den Boden nicht mehr.

Kurs in einen Alptraum

Die Schönheit von meiner Wahlheimat nahm ich kaum wahr. Meine Gedanken waren klar und trotzdem lief vor meinen Augen ein Film ab, bei dem mir kalt wurde.
Ich musste mich irgendwie ablenken und scrollte auf meinem Smartphone herum.
Auf Facebook wurde mir ein Beitrag vom  „The Guardian“ angezeigt: Taliban enter outskirts of Kabul as US begins embassy evacuation.

Ihr Feiglinge! Versteckt euch in dem best abgesichertsten Gebäude in Afghanistan und packen die Koffer.

US Botschaft in Kabul

Der Flug über die Nordsee war sehr eintönig und mir gingen zig Wie- Warum-Wieso-Fragen durch den Kopf. Joris machte gar keine Anstalten für ein Gespräch – er wusste wohin ich fliegen muss.

Um kurz nach 10 Uhr war die kleine Cessna in der Nähe der Militärbasis. Ich sah ein riesengroßes Flugzeug auf dem Rollfeld stehen und sagte zu Joris: „Dit wordt waarschijnlijk mijn taxi.“
Joris bekam vom Tower die Landeposition mitgeteilt. Die kleine Cessna rollte auf einen Hanger zu, wo eine beachtliche Gruppe an Menschen stand.
Das Kleinflugzeug kam zum stehen, da kam auch schon ein kleine Gruppe von Menschen auf die Cessna zu. Drei der Leute kannte ich: meinen Bodyguard, den Staatsminister von dem Land, in dem ich jetzt war und der Außenminister.

Marcel umarmte mich fest und gab mir einen Kuss auf die Wange „Ich bin bei dir. Alles wird gut.“ Ich streichte sein schönes Gesicht „ich weiß.“
Der Staatsminister drückte mich fest an sich und wuschelt mir die Haare – macht er immer. Der Außenminister reichte mir die Hand und sah mich offen an „Sie wissen was sie tun?“ Ich nickte „Ja! Weiß ich. Jasper auch.“

In einem sehr großen Raum unterhalb vom Tower wurden mir noch einige Personen aus der Gruppe vorgestellt. Militärs, die drei Piloten, Leute vom Geheimdienst, Beamte und Politiker.
Neueste Bilder und Informationen aus Afghanistan wurden der Gruppe gezeigt und die aktuelle Lage analysiert.
Eine Frau aus dem Innenministerium hatte zwei Ordner mit den Namen bei sich, die Asyl in eben jenem Land bekommen werden, die als erste Gruppe einreisen werden. 107 Namen. Ich kenne von jedem dieser Namen den Lebenslauf.
Im zweite Ordner waren die Namen derer 87 Personen die als letztes eingeflogen würden. Wovon dieser Liste 17 Personen in Zukunft in den Niederlande leben werden. 90 Mädchen und junge Frauen und 10 Mitarbeiter aus meinem Team werden diese Woche Australien als neue Heimat haben.

Die Piloten und ein Major gaben der Gruppe die Flugroute bekannt und das nach Anweisung des Militärs eine Landung in Usbekistan vorgenommen werde.
Ich erkläre den circa 50 Personen in dem Raum noch einmal den Notfallplan und wie der Status aktuell vor Ort sei.

Um 15.30 war alles analysiert, diskutiert und erklärt. Mit einem Bus fuhr mein Bodyguard, ich, 18 Soldaten, die Piloten und vier Männer vom Militärischen Geheimdienst an den Airbus A330.

An Bord zwischen dem Cockpit und der 1. Klasse standen eine Unmenge an Koffer und Taschen. Dies waren zweifellos die Waffen und Ausrüstung der Soldaten, vom Geheimdienst und von Marcel.

Das Flugzeug rollte um 16.17 Uhr zur Startbahn mit Ziel Afghanistan. Mit einem Schlag wurde mir klar, ich werden meine Heimatstadt wahrscheinlich nie wieder sehen werden.

Termez, Usbekistan

Termez Usbekistan

Auf dem Flug lenkte ich mich ab und sprach sehr viel mit Marcel. Er zeigte mir die neusten Foto von seiner Familie und wie stolz er auf seine beiden Söhne sei. Seine Frau eine wunderschöne Frau mit den wohl schönsten rötlichen Haaren, die ich je gesehen habe.
Die Erinnerungen an die Urlaube, oder Kurztrips, bei ihnen in Schottland taten mir gut und lenken etwas von meiner Angst ab.
Marcel ist ein eiskalter Killer und trotzdem ein Mensch mit einem sehr guten, herzlichen und fürsorglichen Charakter. Nur seine Frau kennt seinen „Beruf“.

Mittlerweile war ich schon 18 Stunden wach und fand keine Ruhe in mir. Ich nahm den Ordner mit dem Notfallplan und las wieder die Punkte durch. Mittlerweile könnte ich den Text auch rückwärts auswendig sagen. Marcel hielt meine Hand und sagte immer wieder, dass alles gut werde. Die 18 Soldaten seien ausgebildete Elite-Kampfsoldaten und Scharfschützen. Sie wären für meine und unsere Sicherheit abgestellt – immerhin ein kleiner Trost.

Die Bordküche war prall gefüllt und wir konnten Essen und Trinken was wir wollten. Es gab nur keinen Platzservice durch eine Stewardess – und so etwas nennt man dann 1. Klasse.
Also ging ich die drei Reihen nach vorne in die Bordküche und machte mir Hähnchenfleisch in pikanter Chili-Sojasauce mit Reis warm. Bis das Essen warm war, aß ich ein Stück Apfelstreuselkuchen und trank einen Kaffee dabei.

Zwei der Männer vom Militärischen Geheimdienst, die vor mir saßen, kamen auch an die Bordküche und schauten nach dem Menüplan. Einer der beiden nahm das gleiche wie ich und der andere machte sich Pasta mit Tomaten-Auberginensauce warm.
„Would you like a can of cola?“ Fragte mich der eine. „With pleasure.“ „I’m Mikkel and he’s Steen.“ Hello, i am Nila.“ „I know.“
Bei Kuchen und Kaffee standen wir in der Küche und Mikkel fragten mich sehr viel über Afghanistan. Ich sagte das, was ich schon mein Lebenlang kenne und weiß. Da meine Einschätzung und deren Analyse übereinstimmten, wurde ich von Steen gefragt, ob ich nicht besser das Ressort wechseln möchte. Ich schüttelte den Kopf und erzählte von den Frauenhäuser und meiner Arbeit in den letzten 14 Jahren in Afghanistan.

Nach und nach füllte sich der Bericht an der kleinen Bordküche. Wir hatten sehr angenehme Gespräche bei einem vorzüglichen Rotwein.

Der Landeanflug auf eine NATO Militärbasis in Usbekistan begann.
Das Flugzeug rollte zu einer Parkposition und wurde kurze Zeit später betankt.
Die Männer vom Militärischen Geheimdienst telefonierten wie wild und ich merkte, dass etwas nicht stimmte. Marcel sah mich wortlos an.

In der anderen Bordküche, hinter der 1. Klasse, und erste Reihe links und recht dahinter war ein Chaos an PC’s, Drucker und Kabel.
Ich stand in der Gruppe und sah Dokumente vom Geheimdienst. Uns wurde die chaotische Lage in Kabul aufgezeigt.
Nach deren Meldungen hätte die Armee keinen Widerstand geleistet und alle Flüge wären eingestellt.
Mikkel reichte mir zwei Seiten, auf denen ein Alptraum zu lesen war. Ich konnte dies nicht glauben. „I can’t believe this! Is that really true?“ „Yes. it’s true.“

Ich stehe einen Steinwurf von der Grenze zu Afghanistan und 450 Kilometer Luftlinie von meiner Heimatstadt entfernt, und muss solche Nachrichten erst einmal verarbeiten.
Was nun? Es gibt kein Vertrauen mehr zu Menschen, denen ich jahrelang vertraut hatte. Ranghohe Polizisten und Militärs könnten jetzt unsere Feinde sein.
Müssen wir so kurz vorm Ziel aufgeben?

Es wurden wieder aktuelle Satellitenbilder ausgewertet und die Nachricht, dass sich die Armee kampflos ergeben hätte, war nun der größte Risikofaktor. Mit einem Jumbojet auf einem Flughafen zu landen, der unter Kontrolle von Terroristen sein wird, wird dies ein Himmelfahrtskommando.
Ich rief Samira an und fragte nach dem aktuellen Status in der Stadt. „Die „Party“ ist in Kabul. Hier ist es noch ruhig. Wir haben alle Angst, aber noch ist es ruhig.“ Da Samira Englisch sprach, musste ich das Gespräch für die Gruppe nicht übersetzen. Es wurde nochmals wie wild telefoniert und niemand konnte oder wollte eine Entscheidung treffen.

Der Kapitän von dem Flugzeug sagte, dass es nicht besser werden würde, wenn wir noch länger warten. In Europa wurde heftig diskutiert. Der Staatsminister fragte mich, wie schnell alle Mädchen und Frauen am Flughafen sein können. Samira sagte in zweieinhalb Stunden. Ich fragte den Staatsminister nochmal: „hast du eben Alle gesagt?“ „Ja. Alle! Wir können für einen weiteren Flug nicht garantieren und ich lasse dich nicht in dem Land zurück.“

Notfallplan 2.0

Alles was in den letzten 6 Jahren geplant wurde, konnte ich jetzt in die Tonne treten.
„Ich habe zu lange gewartet. Wir hätten vor Wochen schon Evakuieren müssen.“
Mikkel wedelte mit den zwei Blätter, die ich kurz zuvor gelesen hatte. „Niemand konnte dies ahnen. Also gibt dir jetzt nicht die Schuld! Wir sind hier und es wird eine Lösung geben.“
In weniger als 10 Minuten war klar, dass es nur eine Landung geben wird.
„Wir müssen weit weg von der Aufmerksamkeit auf dem Flughafen diese Aktion durchführen“, sagte Marcel in einem militärischen Befehlston. „That means?“ Fragte der Kommandant der Spezialeinheit. „Hinten! Am Ende vom linken Rollfeld. Da ist Schutz für die Mädchen und niemand rechnet damit.“

Satellitenbilder vom Militärischen Geheimdienst wurden ausgedruckt und besprochen. Jeder Meter auf dem Flughafen wurde analysiert. Wo bleibt das Flugzeug stehen? Von wo müssen wir landen? Wie und wo kann man das Flugzeug drehen? Muss das Flugzeug bei der Evakuierung zuerst gedreht werden?
Wo ist Schutz für die Mädchen und Frauen bis wir da sind? Wie weit ist es von diesem oder jenem Punkt, bis zum Flugzeug, zum Flughafengebäude oder oder oder.
Es wurde gerechnet, skizziert, notiert und diskutiert.

Der Co-Pilot rechnete die Länge der Startbahn. Am Ende der beiden Rollbahnen war noch eine Querverdindung zur anderen Piste. Je nach Windverhältnisse werden Flughäfen aus verschiedenen Richtungen angeflogen. Es ist völlig normal, dass die Flugzeug drehen um zum Terminal oder eben Startbahn zu kommen. Wir werden unter diesen Umständen nicht ans Terminal können. Also bleibt eine Evakuierung nur über die Notfalltreppen am Flugzeug.
Der Kapitän sagte, „Wir kommen von der anderen Seite! So tief und kurz es geht. Rollen bis zum Ende der Startbahn, sammeln die Kinder ein und dann einmal links herum und Abflug.“
Es gab keine andere Option um – hoffentlich, sicher und schnell zu starten.

Termez, Usbekistan

Es wurde entschieden, dass wir drei der vier Notfalltüren auf der rechten Seite benutzen und wie ohne Chaos – aber sehr zügig das Flugzeug beladen wird. Ich schickte die Satellitenbilder und einen Sitzplan vom Flugzeug mit allen Skizzen und Notizen an Samiras Mail Adresse. Sie mussten dies den Mädchen und Frauen erklären – wie; war mir in diesem Moment egal. Die Mädchen haben noch nie ein Flugzeug gesehen und von innen schon gar nicht.

Die Piloten zeigten den Soldaten wo die Notfalltreppen am Flugzeug sind und wie diese funktionierten. Eine Hühnerleiter mit aufklappbarem Geländer trifft wohl besser zu.

Die Kampfsoldaten und Marcel besprachen ihren Einsatz bei der Landung, wie sie das Flugzeug absichern werden und wer außerhalb welche Aufgabe hatte.
9 Scharfschützen, 10 Elite-Soldaten und zwei Männer vom Militärischen Geheimdienst gegen eine unbekannte Zahl von Terroristen. Mikkel und Steen waren für das Filmen aus dem Flugzeug verantwortlich.

Marcel sprach ein weiteres Problem an. Wir waren nicht mehr genug Leute, um an den Türen und im Flugzeug für Ordnung zu sorgen. Einer der Piloten erklärten sich bereit, dass er an die zweite Türen gehen würden. Ich sollte an Tür 3. Mikkel würde an die vierte Tür gehen.

Die Scharfschützen würden das Flugzeug absichert. Ein Scharfschütze an der ersten Tür direkt hinter dem Cockpit. Dort war die 1.Klasse, da diese von uns schon besetzt war, konnte diese Tür auch nicht zur Evakuierung benutzt werden.
Vier Scharfschützen wären an den Türen vom Gepäckraum. Zwei außerhalb des Flugzeugs auf der rechten Seite um das Flugzeug nach hinten abzusichern. Der letze und Marcel draußen auf der linken Seite.
Da meine Mädchen und Mitarbeiterinnen von links kommen werden, waren sie abgesichert.
Ich sprach meine Angst in der Gruppe an, wenn es zu einem Schusswechsel kommen sollte, könnten die Kinder Panik bekommen.
„Nila, don’t worry, we are trained for this.“ Der Kommandant der Spezialeinheit erklärte mir noch einmal die Positionen der Scharfschützen und wer welche Aufgabe bei der Evakuierung hatte.

Die Internationale Flugbehörde in Kanada und für Europa, in Paris, waren schon seit Sonntagmorgen über diesen Flug – der keine offizielle Kennung hatte, informiert.
Der Flug wurde nun von Termez nach Multan in Pakistan, als Frachtflug registriert. Bei den afghanischen Behörden wurde eine Überfluggenehmigung beantragt und diese wurde auch bewilligt. Lediglich der Luftraum über Kabul sei gesperrt. Also muss das Flugzeug einen Bogen fliegen, und nah an dem chinesischen Luftraum bleiben.
Auf den Luftkarten zeigt uns der Co-Pilot die genannte Flugroute und grinste „A minute before we landing, they don’t know we’re coming.“

Wir standen schon fast 5 Stunden in Termez und die Zeit lief gegen uns. Ich rief Samira an und sie bestätigte, das in einer Stunde alle am Flugplatz seien. Dieses Gespräch hörte unter anderem auch der Staatsminister in Europa und er gab grünes Licht.

Der Kapitän sagte über die Lautsprecher, wie er anfliegen werden und das dies etwas unangenehm für den Magen werden könnte. Er würde dies nun beim Start schon mal vorführen.

45 Minuten bis zur Freiheit

Der A330 rollte an und mit einem unglaublichen Schub jagte die Maschine über die Startbahn. Es dauerte wirklich nur Sekunden und ich hatte das Gefühl als ob ich senkrecht in den Himmel geschossen werde. Wenige Augenblick später dachte ich, ich falle – trotz Sicherheitsgurt, nach rechts aus meinem Sitz. Jegliche Achterbahn ist ein Ponyhof gegen einen solchen Start.

„We’ll be landing in 45 minutes. Down, in, out. The pilots leave the engines on. Everything has to happen very quickly.“ Eine klare Ansage vom Kommandant der Spezialeinheit.
Die Männer zogen ihre Schutzwesten und Helme an. Die Waffen wurden klar gemacht und die Body-Cam’s gecheckt.
Die Koffer der Waffen und alles was nicht mehr gebraucht wurde, kam im Heck vom Flugzeug in einen Raum, wo die Kojen für die Crew sind. Jeder Sitzplatz wird bei diesem Flug gebrauch. Eigentlich sollte man meinen, dass ein so großes Flug eine ganze Ortschaft aufnehmen könnte, und jetzt zählte jeder Platz.

Die Gruppen für den Außeneinsatz setzte sich im Flugzeug in den Bereich der Türen. Ich setzte mich in die zweite Reihe an meiner Tür. Marcel setzte sich neben mich.
Wenn man 1.Klasse gewöhnt ist, kommt einem die Economy Claas wie ein Hühnerkäfig vor.

Es waren noch 28 Minuten bis zur Landung. Mir schlug das Herz bis zum Hals. Marcel hatte sein Gewehr auf dem Schoß liegen. Mir gingen Bilder von der Erstürmung der Landshut durch den Kopf und sah die Panzer auf dem Rollfeld stehen. Ich sprach meine Gedanken laut aus. „Nila, niemand weiß das wir kommen. Es gibt keinen Flugverkehr. Warum sollen die Panzer auf das Rollfeld stellen?“ Wo er recht hatte, hatte er recht.

17 Minute bis zur Landung.

Über die Lautsprecher wurde nochmals gesagt, wie wir meine Mädchen und Mitarbeiterinnen ins Flugzeug schaffen müssen. Ich zählte die Reihen, die für mich zuständig waren. Von Reihe 25 bis 32.
Wie kann ich dies Kenntlich machen? Wenn 300 Menschen in Panik in ein Flugzeug stürmen, wird der sowieso schon enge Raum noch kleiner.
In dieser Sekunde kam mir die Idee: die Gepäckklappen über den Sitzen.
Ich schnallte mich ab, zwängte mich an Marcel vorbei und öffnete die Klappen hinter unserer Sitzreihe. Dann lief ich den Gang richtig Cockpit. Bei Reihe 25 öffnete ich links und recht die Klappen. Das gleiche auf dem anderen Gang der Mittleren Sitzgruppe. Ich lief den Gang hoch zu Mikkel und tat bei Reihe  32 das gleiche. „Was machst du?“ Fragte Mikkel. Ich erkläre ihm mein Vorhaben. „Sehr gut. So könnten wir vielleicht ohne größeres Chaos das Flugzeug laden.“

Noch 12 Minuten bis zur Landung.

Ich setze mich neben Marcel und er gab mit einen Kuss „Klasse Idee.“
„10 minutes until landing“, kam es über die Lautsprecher.
„Stellen Sie den Sitz in eine aufrechte position, klappen Sie den Tisch nach unten, wir wünschen Ihnen….“ auf diese Ansage einer Stewardess wartete man bei diesem Flug vergebens. Jeder wusste was er zu tun hatte. Mein Puls war extrem hoch und ich hatte Angst. Im Flugzeug waren Männer die wussten was sie taten. Dies gab mir dann doch etwas Sicherheit.

Anflug auf Gardez

„5 minutes until landing.“

Bei einem normalen Linienflug sieht man schon lange die Landschaft durch die Fenster – hier war immer noch der Himmel zu sehen. Wir waren so kurz vorm Ziel immer noch über den Wolken.
„3 minutes to landing. Now it gets uncomfortable.“
Das Flugzeug legte sich wie beim Start in eine Steilkurve nach links und gleichzeitig nach unten. Ich dachte, mir schlägt jemand die Faust in den Magen.
Es ging in einer gefühlten Schallgeschwindigkeit durch die Wolken.
Jetzt erst sah ich den Hindukusch. „Die Freiheit wird am Hindukusch verteidig…“ sagte einst ein deutscher Politiker. Welche Freiheit?

Der Boden kam unglaublich schnell näher und die Bremsklappen zeigten ihre Wirkung. Durch mein Fenster sah ich meine Heimatstadt näher kommen und mit einem Ruck setzte das Flugzeug auf und sofort bremsten die Reifen diese gewaltige Masse ab.
Nun waren wir im Taliban-Land gelandet und die Zielscheibe meiner Feinde.

Aus meinem Fenster sah ich Häuser und Bauten weit vom Flugfeld entfernt. Ich versuchte jeden Zentimeter zu erfassen. Von wo kommen die Taliban? Schießen sie schon? Wo ist Samira und die Kinder?
Das Flugzeug rollte und rollte immer weiter vom Flughafengebäude weg.
Ich presse mein Gesicht gegen das Fenster um nach vorne zu schauen. Von rechts müssen die Kinder bald kommen. Wie weit ist diese verdammte Rollbahn?
Das Flugzeug bremsten sehr stark ab.
Im Augenwinkel sah ich Menschen laufen.
„Stop!“ Brüllte ich durch das Flugzeug. „Stop!“
Das Flugzeug stand noch nicht, da wurden schon die Türen aufgemacht. Noch im rollen betätigte ein Soldat den Schalter um die Treppe auszufahren.

Das Flugzeug stand

Ab jetzt ging alles in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit. Die Spezialeinheit stürmte mit Marcel aus dem Flugzeug. Ich sah wie die Scharfschützen unter dem Flugzeug auf die anderen Seite liefen.
Die anderen Soldaten liefen den Kinder entgegen. Im laufen zeigen die Soldaten auf die drei Notleitern. Hand in Hand rannten zwei Kinder oder Erwachsene auf das Flugzeug zu. Diese Maßnahme haben wir schon 1000 mal durchgeführt. Seit Jahren machen wir so einen Teil von Bewegungsport. Jetzt wissen die älteren Frauen und Kinder – die schon länger bei uns sind, warum wir dies immer und immer wieder trainiert haben.
Wenn Menschen in Panik sind, und dann stürzen, kann es sein, dass die Person die auf dem Boden liegt, es gar nicht mehr auf die Füße schafft oder sogar tot getreten wird.

Ich hörte Schüsse. Wusste nicht wo und von wem. Die ersten Mädchen hatten die Leiter erreicht. „Hoch, hoch, hoch!“ Brülte ich. Die Frauen und Mädchen kannten eine solche Leiter gar nicht. Ängstlich bewegte sich Marwa die Stufen hoch. „Komm hoch! Schau nicht nach unten! Sieh mich an! Kommt hoch! Schneller!“ Ich zog Marwa ins Flugzeug und sagte, wo sie sich hinzusetzen sollte.
Nach und nach kamen die Mädchen und Frauen die Leiter hoch. „Rein, rein, rein“, schrie ich gegen den Lärm der Turbinen an.
Ich hörte wieder das geschossen wurde. Ich zog zwei weite Mädchen ins Flugzeug, die bei der Höhe der Leiter Angst bekam. „Kommt rein! Ihr braucht keine Angst. Sofort nach links auf die andere Seite. Los, los, los.“

Ich hörte meinen Namen rufen und sah Ava mit einem Kind auf dem Arm. Sie hatte zwei große Taschen links und rechts an sich hängen, und noch das Kind auf dem Arm! Ich lief die steile Treppe herunter und packte das Kind.
Janina hatten einen großen Rucksack auf dem Rücken und ein Kind an der Hand. Der Rucksack schien sehr schwer zu sein, denn sie kam kaum die Treppe hoch. „Lass das Kind los! Lass das Kind los!“ Brüllte ich.
Ich packte das Kind am rechten Arm und zog es die Treppe hoch. „Janina, schmeiß den Rucksack in die Bordküche und schaff Ordnung im Flugzeug! Alle Sitze von außen nach innen besetzen.“

Ich sah auf den letzten 300 Meter zum Flugzeug niemand mehr laufen, also scheinen alle am Flugzeug zu sein. Ich hörte im Flugzeug wie Ava und Zoja die Kinder zählten. „Rein, rein, rein!“ schrie ich nach draußen. An meiner Treppe waren noch etwa 20 Mädchen und Frauen, als die Turbinen hochliefen. Hinter den Mädchen und Frauen sicherten die Soldaten ab. Es fielen wieder Schüsse.
5 Mädchen standen noch an der Treppe. Marcel kam gelaufen und schoss links am Flugzeug vorbei. Hinter uns hörte ich Schüsse.
Bei Mikkel waren noch 5 Frauen an der Treppe. Ich schrie: „hier her. Komm zu mir!“
Wieder fielen Schüsse. Mina stand wie angewurzelt auf der vierten Stufe. „Komm hoch! Komm hoch!“ Schrie ich. Ein Soldaten hinter ihr drückte sie die Leiter hoch. Ich griff nach der Hand von Mina und zerrte sie ins Flugzeug. Marcel kam mit einem Soldaten als letztes die steile Leiter hoch und packte im gleichen Augenblick die schwere Tür und zog sie zu sich. Die Leiter bewegt sich hoch, als das Flugzeug rollte.
Ich hörte im Flugzeug das Kommando „Go, go, go.“

Das Flugzeug fuhr die wenigen Meter auf der Querverdindung und beschleunigte in Richtung Flughafengebäude.
„Ready for take off“ , kam es durch die Lautsprecher. Die Soldaten und meine Mitarbeiterinnen schnallten noch Kinder und Frauen an. Ich war in der Mitte der Sitzreihen fertig. Noch drei Reihen am Fenster musste ich machen. Das Flugzeug wurde immer schneller.
„Attention, attention. We take off, we take off“, war die Durchsage über die Lautsprecher.

Marcel zog mich am Arm zu sich und  schubste mich in eine Sitzreihe links von mir. „Auf den Boden! Halte dich fest.“
In diesem Moment war das Flugzeug in der Luft. Der Geräuchspegel im Flugzeug war sehr laut. Die Kinder und Erwachsene hatte Angst. Mit vollem Schub ging es fast senkrecht in den Himmel. Der Druck im Kopf und Ohren war gewaltig.
„Nila, Nila!“ Schrieen die drei Mädchen in deren Sitzreihe ich auf dem Boden lag. „Alles ist gut. Habt keine Angst.“
Es ging immer weiter nach oben. Ich lag mit dem Bauch auf dem Boden und packte mit beiden Händen die Sitzhalterung der vorderen Reihe.
Das Flugzeug schoss immer weiter in den Himmel und mir schnitt das Aluminium von der Sitzhalterung in die Hand. Links drücken mir die Beine von zwei Mädchen in die Rippen.

Nach ein paar Minuten hörte ich „Save. We are over the airspace of Pakistan“ über die Lautsprecher. Ich fing an zu weinen. Wir haben es tatsächlich geschafft. Wir sind in Sicherheit. „Nila, come into the cockpit, please“ , sagte der Flugkapitän.
Ich quetschte mich vom Boden auf den Knien aus der Sitzreihe.
Auf dem Weg nach vorne sah ich verängstigte Kinder und Frauen. Mein Team und die Soldaten an Bord kümmerten sich um sie. Samira kam auf mich zu und weinte „Wir haben es geschafft.“ Ich umarmte meine Freundin „Ja.Wir haben es geschafft. Danke für alles.“

Im Cockpit wurde mir ein Telefonhörer gereicht. Am Telefon war der Staatsminister und langjähriger Freund von mir. Ich sagte ihm, „alles ist gut. Wir sind auf dem Heimweg. Drei Kleinkinder die nicht auf den Listen stehen, sind noch an Bord. Ich kann dir erst mehr sagen, wenn ich einen Überblick in dem Chaos habe.“

Ordnung schaffen im Chaos

Um nun Ruhe in das Flugzeug zubekommen, bat ich nach dem Mikrofon für die Lautsprecher. Steen zeigte mir den Hörer, den die Stewardessen immer benutzten um zu erklären, wo die Schwimmwesten sind und was man alles beachten muss.

Ich erkläre den Mädchen und Frauen, wo dieser Flug hingehen wird und wir non Stop fliegen werden. Wo die Toiletten im Flugzeug sind und wie man diese benutzt. Wir haben schließlich einen langen Flug vor uns. Wer Schmerzen oder Übelkeit hat, sollte sich bitte melden.

Elite-Soldaten als „Saftschubse“

Nach zwei Stunden hatten wir das Chaos und die Angst der Mädchen und Frauen im Griff und sie mit Getränken versorgt. Da wir vor dem Start eine kurze Einweisung in das bedienen der Bordküchen bekamen, konnten wir auch das Essen warm machen. Wie die Flugbegleiter_innen dies gleichzeitig für alle Passagiere hinbekommen, ist mir ein Rätsel. Wir machten es so gut es ging. Mein Team und einige Soldaten verteilen das Essen.

In der 1.Klasse saß ich direkt hinter dem Cockpit mit Ava, Janina, Samira und Zoja auf dem Boden. Vor uns die Männer vom Militärischen Geheimdienst, Marcel und der Kommandant der Spezialeinheit.
Wir besprachen jetzt den Einsatz. Steen wollte uns „Mädels“ die Filmaufnahmen nicht zeigen. Janina sagte ihm die passende Antwort: „Die „Mädels“ haben schon schlimmeres gesehen.“
Was wir sahen, werde ich nicht schreiben, denn dies sind Aufnahmen vom Geheimdienst. Die Auswertungen werden nun wahrscheinlich noch einige Tage dauern.

Janina öffnete ihren Rucksack, zog drei Festplatten heraus und sagte trocken: „diese Auswertungen werden Jahre brauchen.“ Ich sah Janina fragend an. „Nila, du glaubst doch nicht, dass wir all unsere Daten zurücklassen. Wir haben sämtliche Festplatten ausgebaut und alles andere verbrannt oder zerstört.“ Ihr kamen die Tränen. „Alles wofür wir gelebt haben, existiert nicht mehr.“

Das Fazit der Freiheit

Es mag sein, dass ich als Heldin gefeiert werde – dies bin ich nicht!
Ich habe durch jahrelange Freundschaften und Zusammenarbeit ein unglaublich starkes Team an meiner Seite. Auch habe ich vor vielen Jahren durch Zufälle die vielleicht richtigen Menschen getroffen, um aus einer alten Schule und einem heruntergekommen Haus, einen Grundstein für mein Leben zu legen.

Vieles habe ich mit wunderbaren Menschen in den letzten Jahren geschafft und aufgebaut. Immerhin hatten wir ein Netzwerk von 46 Frauenhäuser in Afghanistan und Pakistan.

Vor 31 Jahren wurde ein 10-jähriges Mädchen gezwungen seine Heimat und Eltern zu verlassen. Eine Flucht in Angst, Gewalt, Entbehrungen und Tod zu erleben, wünscht man niemand.

14 Jahre lebte dieses verängstigtes Kind in einem fremden Land bei einer fremden Tante und Onkel. Mir wurde von beiden sehr viel mit auf den Weg gegeben, wofür ich meinen heutigen Eltern für immer dankbar sein werde.

In den letzten 16 Jahren verlief mein Leben nicht gerade lustig. 2005 kam mein Vater bei einem Autobombenanschlag ums Leben. Ich flog damals von Deutschland zurück ins Chaos aus Krieg und Terror.

Eineinhalb Jahre nach dem Tod von meinem Vater, fand ich eines morgens meine Mutter tot in ihrem Bett – sie hatte sich das Leben genommen. Ihr Trauma von diesem Heimtückischen Anschlag hatte sie nicht verkraften.
Die Taliban nahm mir das zweimal meine Eltern.

Die Taliban wollten mich schon 2017 töten. Feige aus dem Hinterhalt hatten sie auf mein Auto geschossen. Die Quittung waren 4 erschossen Kämpfer der selbst ernannten Gotteskrieger.

Meine Tochter schaffte ich wegen diesen Terroristen 5000 Kilometer weit in Sicherheit  – ich kam zurück und stellte mich dem Terror entgegen.

Nun habt ihr Gotteskäpfer wieder ein ganzen Land als Geisel und eure Worte sind nur Lügen.

Ihr zeigt dieser Welt euren menschenverachtenden „Glauben“ und seid nur mir euren Waffen stark.
Auch diesmal habe ich aus privater Rache gegen euch, meine Stärke gezeigt!

Das kleine Flüchtlingskind von einst, kam mit Kampfsoldaten und einem Flugzeug mitten in euer Reich um wenigstens ein paar Zeitzeugen eurer Grausamkeit zu retten.

Durch euch habe ich meine Heimat, meine Kindheit und Eltern verloren.
Durch mich haben wieder einmal ein paar von euch das Leben verloren.

Quid pro quo

Nila Khalil, im Jahr als die Freiheit am Hindukusch verloren ging

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Über Nilakhalil

Mein Name ist Nila. Ich wurde 1980 in Afghanistan geboren. Als der Krieg der Sowjets bereits 10 Jahre dauerte und die Lebensverhältnisse immer schlechter wurden, bin ich im Frühjahr 1990 mit Verwandten, ohne meine Eltern, sie hatten das Geld für ihre Flucht nicht, nach Deutschland geflohen. Die Flucht ging über den Iran, Türkei, Bulgarien, Rumänien, Österreich bis schließlich nach Deutschland. Ich erlebte als Kind Tod, Gewalt, Hass, Hunger und Angst. Zu Beginn unserer Flucht trat mein Cousin auf eine Landmine und wurde buchstäblich wenige Meter neben mir zerfetzt. Der Krieg und aufkommende Terror der links und rechts von uns tobte, ließ uns nur Nachts wandern. Die Gefahr aufgegriffen zu werden, war zu groß. Flüchtigslager im Iran Im Iran lebten wir zwei Wochen in einem Flüchtigslager mit vielen anderen Afghanen. Zu viel Gewalt und zuwenig Toiletten war eine unerträglich Situation. Meine Onkel beschloss, dass es keine Sinn machen würde im Iran auf irgend eine Besserung zu warten. Ein Fahrer mit einem Pickup sollte unsere kleine sieben köpfige Gruppe an die Grenze der Türkei bringen. Nach wenigen Stunden ging das Auto "kaputt" und wir mussten wieder laufen. Heute weiß ich, es war Absicht von dem Fahrer, denn Geld bekam mein Onkel nicht mehr zurück. Humanitäre Hilfe in der Türkei In der Türkei bekamen wir in einer Einrichtung vom Roten Halbmond Lebensmittel und neue Kleider. Meine Tante, dessen Sohn auf die Landmine trat, bekam fürchterliche Bauchschmerzen und musste ins Krankenhaus. Die Blinddarm Operation musste mein Onkel bezahlen. Nach der zweiwöchigen Zwangspause ging es weiter nach Bulgarien. Mal mit dem Bus und wieder weite Strecken zu Fuß. Ich hatte überhaupt kein Zeitgefühl mehr. Schmerzen in den Beinen und Sonnenbrand auf der Haut. In Bulgarien In der Nähe von Sofa wurden wir in ein Gefängnis eingesperrt. Ein feuchtes Kellerloch beschreibt es besser. Mein Onkel bezahlte "Lösegeld" und nach zwei Tagen wurden wir endlich entlassen. Gingen wir durch Ortschaften,  wurden wir beschimpft oder sogar mit Steinen beworfen. Also gingen wir wieder nur Nachts. In Rumänien Rumänien war 1990 das Armenhaus von Europa und das brutale Regime von Ceaușescu war noch überall spürbar. Am Tag hatten wir uns vor der Polizei und Bevölkerung versteckt und fast jede Nacht sind wir gelaufen. Immer auf der Hut vor der Polizei oder anderen Autos. In Österreich Im September sind wir in Österreich angekommen und ich musste völlig entkräftet und abgemagert in ein Spital. Ich hatte selbst zum weinen keine Kraft mehr. Ich konnte nicht mehr und wollte auch nicht mehr weiter. Mein Onkel und seine Frau hatte in Afghanistan studiert und konnten mehrer Sprachen. Mit dem Behörden wurde verhandelt, dass wir nach Deutschland zu unseren Verwandten durften. Unsere Verwandten die ich gar nicht kannte, kamen aus Stuttgart, Bochum und Oberhausen uns abholen. Ich sollte zu Mila und Milad Faani  nach Stuttgart. Beide sind 1980 mit mitte 20 schon geflohen. Als wir in Salzburg über die Grenze fuhren und Mila mir sagte, dass ich nun in Deutschland und in Sicherheit sei, fing ich an zu weinen. In Stuttgart Wangen in der Nätherstraße begann mein neues Leben. Am Nachmittag saßen alle im Haus bei Mila und Milad und sprachen sehr viel. Ich hörte den Gesprächen bei warmen Kakao und Käsekuchen zu. Vieles konnte ich damals nicht begreifen, oder wollte es auch nicht. Die erste Nacht im eigenen Bett war für mich eine Wohltat. Mila schlief bei mir und hielt mich fest. "Ich bin nicht deine Mutter, werde aber mein Bestes geben. Dies verspreche ich dir." Mila hatte in Afghanistan BWL studiert und arbeitete seit 1981 bei Mercedes-Benz in der Verwaltung. Milad hatte Maschinenbau studiert und war bei Mercedes-Benz Vorarbeiter. Milad hatte bei Mercedes als Fließbandarbeiter angefangen und Ende der 80er seinen Meisterbrief gemacht. Beide erzogen mich in einem freien, liberalen und weltoffen Denken, wofür ich ihnen heute noch sehr dankbar bin. Mila und eine pensionierte Lehrerin aus der Nachbarschaft unterrichteten mich in deutsch. Ich musste eine völlig neue Schrift, Sprache und Kultur lernen. Im Frühjahr 1991 musste ich bei der Jugendbehörde einen Eignungstest machen, um festzustellen für welche Schule ich geeignet sei. Ich konnte auf die Realschule. Dort blieb ich auch und machte meine Mittlere Reife. Nach der Schule lernte ich Bürokauffrau und arbeitete auch in diesem Beruf. Ich sparte Geld um meine Eltern nach Deutschland zu holen. Ich hatte bereits den deutschen Pass und wollte über die Familiezuführung dies erreichen. Der Alptraum Im Sommer 2005 kam ein Anruf aus Afghanistan und Milad wurde mitgeteilt, dass mein Vater bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen war. 12 Personen seien bei diesem Terroranschlag getötet worden. Die Leiche von meinem Vater sei bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Als mir Mila und Milad dies mitteilten, schrie und heulte ich: "Ich muss zurück nach Afghanistan! Ich muss!" Alles reden von den beiden brachte nichts. Am nächsten Morgen rief ich meine Chefin an und sagte ihr von meinem Entschluss. Drei Tage später saß ich im Flugzeug auf dem Weg nach Kabul. Raus aus dem Paradies, hinein in den Krieg. Da stand ich nun mit meinen 25 Jahren in einem Land, dass nicht meine Heimat war. Meine Mutter überlebte schwerst traumatisiert diesen Anschlag und ich kümmerte mich um sie so gut es unter den Umständen möglich war. Durch Zufall traf ich Shabnam, meine ehemalige Lehrerin, in der Stadt und sie hatte nach unserem Gespräch die absurde Idee, dass ich Lehrerin werden sollte. "Du bist ein kluges Mädchen und so etwas braucht diese Stadt." Mein Beruf war schon besiegelt ohne das ich gefragt wurde. Shabnam hatte Anfang der 70er in Deutschland Lehramt studiert und sie brachte mir all ihr Wissen bei. So wurde ich im Herbst 2005 Lehrerin an einer Mädchenschule in dem Land, aus dem ich 15 Jahre zuvor geflohen war. Von einer Freundin hörte ich von einem Frauenhaus in den Bergen zu Pakistan und fuhr eines Tages mit meinem alten Datsun dieses Haus suchen. Was ich vorfand war mehr ein großes Gebäude das irgendwie nach einem Haus aussah. Tristesse auf dem gesamten Gelände und Mädchen die durch Zwangsheirat traumatisiert waren, vegetierten vor sich hin. Der Leiterin des Frauenhauses erzählte ich von meiner Wunsch, den Mädchen und jungen Frauen etwas Bildung beizubringen. Svea war von der Idee begeistert und so fuhr ich alle zwei Wochen die fast 100 Kilometer zu dem Frauenhaus um den Mädchen die Grundformen von lesen und schreiben beizubringen. Im Sommer 2006 wurde ich von meinen Lehrerkolleginnen als Direktorin der Schule einstimmig vorgeschlagen und so nahm ich die neuen Herausforderungen an. Neben all dem pflegte ich noch meine Mutter und wusste oft nicht, wie ich überhaupt noch an sie ran kommen könnte. Sie war oft sehr apathisch und starrte ins Leere. Oft weinten wir zusammen und ich wusste keinen Rat mehr. Im Herbst 2006 fand ich sie eines Morgens tot im Bett - sie hatte den Freitod gewählt. Nun war ich ganz alleine. Mein Geld in einer Keksdose und den deutschen Pass vor mir auf dem Tisch, brachten mich zum zweifeln. Ich hatte das Privileg um in wenigen Stunden das Land verlassen zu können. Mein Verstand schrie: geh. Mein Herz sagte: bleib. Ich hatte plötzlich eine Verantwortung die ich nie wollte. Ich hatte Kolleginnen die an mich glaubten. Ich unterrichtete Kinden in der Schule und im Frauenhaus, die an mich glaubten. Die Zufälle im Leben Im Frühjahr 2007 traf ich in meiner Stadt einen deutschen, der sich die Projekte von Deutschland anschauen wollte, die ab 1968 in Gardez gebaut wurden. Unter anderem auch meine Schule. Mit ihm, einem Kamerateam aus Australien und einer Journalistin aus den USA fuhr ich in das Frauenhaus in die Berge in der Nähe von Pakistan. Er war der Mann, der den Stein ins rollen brachte. Seine Kontakte aus früheren Jahren in der Humanitären Hilfe in Kambodscha und Thailand waren der Grundstein für eine Hilfsorganisationen die in meinem Beisein in Istanbul gegründet wurde. In vier Tagen wurde etwas geschaffen, von dem ich nie zu träumen gewagt hätte. Ich wurde die Direktorin einer Stiftung, die sich um zwangsverheiratete und misshandelte Mädchen kümmert und von Anfang an über eine unglaubliche Summe Geld verfügte. Durch Zufall trafen wir einen Major der US Armee im PRT ( Provincial Reconstruction Teams) Khost und in ihm fand ich und wir einen Menschen der an das Frauenhaus glaubte. Major Roger Juarez stellte Soldaten für uns ab, die halfen das Frauenhaus etwas bewohnbarer zu machen. Roger schickte zwei Militär Ärztinnen an das Frauenhaus und sorge auch dafür, dass dringende Operationen von den Mädchen im Camphospital durchgeführt wurden. Mit dem unglaublich vielen Geld der neuen Stiftung wurde ein Frauenhaus nach meinen Vorstellungen an einem geheimen Ort gebaut. Auch da war Roger der Chef und nach seinem Architekten Plan wurde das erste Frauenhaus unserer Stiftung quasi aus dem Boden gestampft. Wir wurden auf drängen von Roger auch vom PRT in Gardez mit sehr viel Hilfe unterstützt. Ich kann sagen, dass mir die US Armee in vielen vielen Bereichen tatkräftige Unterstützung gab und ich lernte Menschen und keine Soldaten kennen. Im April 2007 wurde ich auf nicht gerade legalen Weg Mutter von einem 12-jährigen Mädchen. Mit ihr hatte ich viele Probleme durch ihre traumatische Erlebnisse. Die ersten Schritte in die Politik Ab 2010 ging es für mich in die Lokalpolitik. Ich wollte mich nie politisch engagieren, sah aber ein, dass ich diesen Schritt gehen musste um voran zukommen. Mit einem jungen und engagierten Team in der Schule in Gardez ging es nun auch auf politischer Ebene voran. Wir wurden als die Speerspitze der neuen Frauenbewegung in Afghanistan gesehen. Schnell sprach sich in den Kreise von Dr. Sima Samar herum, was wir bewegten. Sima brachte mich zu UNAMA und plötzlich war ich bei der größten Institution der Welt: der UNO. Ich schaffte mich vom einfachen Mitglied der UNAMA hoch bis zur Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf. Als ehemaliges Flüchtlingskind zur Bürokauffrau und dann Lehrerin bis hin zur Menschenrechtlerin ist ein Weg, den ich nie zu träumen gewagt hätte. Durch meinen Ehrgeiz und mein Auftreten selbst vor der Regierung in Afghanistan machte ich mir nicht nur Freunde. Es war zum Teil Lebensgefährlich was ich tat. So entschloss ich mich der Vernunft zu beugen und wurde bei Veranstaltungen oder Fahrten zu anderen Terminen von einem Bodyguard begleitet. Neben meinem Bodyguard gehörte die Beschusshemmende Weste zum Alltag wie der Lippenstift oder die High Heels. Da ich nun eine Tochter hatte, wurde ich von meinen Team aus der Schusslinie geholt und war nur noch bei Veranstaltungen die räumlich gesichert wurden. Der Terror kam sehr nah Im August 2016 wurde ich zum Ziel der Taliban. Mein Fahrer fuhr in einen Hinterhalt der Taliban und wenn ich kein gepanzertes Auto gehabt hätte, wären wir im Kugelhagel gestorben. Mein Freund und Bodyguard tat das, wofür er ausgebildet wurde und so verloren vier Kämpfer der Taliban an jenem Tag ihr Leben. Die Sicherheit von meiner Tochter stand immer an oberster Stelle und so schaffte ich sie wenige Tage später nach Europa. Amira kam in eine Einrichtung in der Flüchtlingskinder ohne Eltern untergebracht sind und machte in den Niederlande ihre Ausbildung als Erzieherin. In den letzten Jahren war ich mit meiner Tochter immer wieder auf Urlaub in Deutschland bei meinen Eltern (Mila und Milad) oder in dem Niederlande. Da ich und Amira den Gründer jener Einrichtung seit 2007 kennen und wir auch sehr eng zusammen arbeiten, war es ein logischer Schritt, dass meine Tochter in die Niederlande ging. In meinem drei Monate "Urlaub" im Frühjahr und wieder im Herbst, arbeitete ich dann auch in und von den Niederlande aus. Dr. Erik de Joost wollte mir 2016 schon die Leitung seiner Einrichtung übertragen. Ich lernte ab. Meine Arbeit war in Afghanistan. Dort wurde ich gebraucht. Trotz des Terror gegen mich, ging ich zurück um das zu tun was ich kann: kämpfen. Das Leben geht andere Wege Im Dezember 2019 kam ich wieder auf "Urlaub" in die Niederlande und wollte nur drei Monate bleiben. Mein Leben war für die Rechte der Mädchen in Afghanistan zu kämpfen vorgesehen. Also ging es am 4. März 2020 mit einem Linienflug von Schiphol über Istanbul zurück nach Kabul. Das ich 48 Stunden später mit einem Mädchen das lebendig verbrannt werden sollte, mit einem Ambulanzjet in Rotterdam wieder landen würde, war mir am 4. März nicht bewusst. Vom Ministerie van Volksgezondheid wurde mir am 9. März per sofort die Vormundschaft für jenes Kind übertragen. Ich musste über Operationen, Leben oder Tod entscheiden. Der März war für mich der Alptraum. Meine Eltern kamen am 13. März von Stuttgart nach Den Haag und ich bin ihnen für die wohl schwerste Zeit in meinem Leben sehr dankbar. Zurück nach Afghanistan war nicht mehr möglich. Ich hatte die Verantwortung für ein Kind, dass ab dem 6. März bis zum 13. August im künstlichen Koma lag. Meine Heimat im Herzen war immer Stuttgart gewesen. In Gardez hatte ich 14 Jahre nur gewohnt und gearbeitet. Wo ist also meine Heimat? Durch die Umstände von Lenara bin ich die nächsten Jahre an die Niederlande und die Klinik gebunden. So kaufte ich mir an Ostern ein Haus in der Nähe von Den Haag. Dr. Erik de Joost und seine Tochter Marpe wollten, dass ich nun endlich die Leitung der Einrichtung übernehmen sollte. In langen Gesprächen mit meinen Eltern, mit Erik, Linda und Marpe de Joost und meinem Team in Afghanistan gab ich nach. Und so bin ich seit dem 1. April die Leiterin einer seit 27 Jahren bestehenden Einrichtung für traumatisierte und sozialschwache Kinder in der Nähe von Den Haag. Meine Arbeitstage haben in der Regel 16 bis 18 Stunden und all die vielen Probleme in Afghanistan, mit Lenara und die Bürokratie in den Niederlanden und Europa sind ungleiche Gegner für mich. Mit schwerem Herzen gab ich zum 1. April die Leitung der Mädchenschule in Gardez und der Frauenhäuser ab. In 13 Jahren hat sich ein Netzwerk von 46 Frauenhäuser gebildet. 6 dieser Häuser sind in meinem Privatbesitz und drei aus Sicherheitsgründen außerhalb von Afghanistan. Ich gab mein Lebenswerk an Freunde ab. Ich bin immer noch die Chefin, wenn ich auch die Leitung nur noch kommissarisch habe. Das Corona Jahr Das Jahr 2020 hätte turbulenter nicht sein können. In meinem Leben passte auf einmal nichts mehr zusammen und die Arbeit und Sorgen wurde nicht weniger,  auch wenn ich 36 Stunden arbeiten würde. Auf einer Freizeit mit 20 Jugendlichen aus unserer Einrichtung, traf ich in Juli auf dem Ijsselmeer eine weiter persönliche Veränderung - ich gab die Leitung und den Ersten Vorsitz des Netzwerkes Afghan Women's zum 1. September 2020 ab. Meine ganze Kraft gilt meinen beiden Töchter und mit der Leitung der Kinder- und Jugendeinrichtung habe ich mehr als genügend Aufgaben, was meinen Arbeitstag nicht gerade weniger macht. Noch eine Anmerkung: Ich bin zwar in einem muslimischen Land geboren, habe aber sonst mit dem Islam nichts zu tun. Ich mag Weihnachten und Käsespätzle sehr. Nila Khalil, Den Haag, 17. November 2020

6 Gedanken zu „Im Jahr als die Freiheit am Hindukusch verloren ging

  1. Christine Schütte-Ernst

    Danke für diesen ausführlichen Bericht!
    Wie viele andere, habe auch ich während dieser Wahnsinnsaktion sozusagen die Luft angehalten bis deine Nachricht kam, dass alle in Sicherheit sind.

    Was wirklich passiert war und wie diese Rettung tatsächlich verlief, ist der reinste Krimi … und ich habe beim Lesen wieder die Luft angehalten.
    Nur gut, dass ich das glückliche Ende bereits kannte.

    Was für eine äußerst mutige Heldentat von dir und deinem Team. Danke an euch alle, dass ihr die Frauen und Kinder gerettet habt.

    Ich habe den Bericht für eine FB-Freundin, die wegen Augen-Problemen keine längeren Texte lesen kann, gelesen und eine Tonaufnahme (fast wie ein Hörbuch 😉 von ca. 35 Minuten) davon gemacht und mir versagte dabei immer wieder die Stimme, so dass ich die Pausentaste betätigen musste.
    Nila, du hast es so ergreifend geschrieben, mir liefen beim lauten Vorlesen die Tränen vor Anspannung und schließlich vor Erleichterung und Freude über das glückliche Ende.
    DANKE!♥️
    Liebe Grüße Christel Schütte

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