Die gute alte D-Mark

Die gute alte D-Mark

Immer gibt es unqualifizierte Kommentare in den Sozialen Netzwerken dazu

Autorin Naike Juchem

Ja, auch mir ist bewusst, dass sich das Leben verteuert hat, dies liegt aber nicht alleine bei der Währung.
Preissteigerungen sind die Folge von erhöhter Mehrwertsteuer, Lkw-Maut, Lohnnebenkosten, Gebühren und Angaben und und und.
Warum Menschen nicht in der Lage sind, jene Punkte von Preissteigerungen zu realisieren, ist mir nicht klar.

Vor 73 Jahren wurde die Deutsche Mark eingeführt. Noch immer gilt sie vielen als Sehnsuchtswährung – stark, sicher, unabhängig. Dabei stünde Deutschland mit der D-Mark deutlich schlechter da.

Manchmal kann einem der Euro fast leidtun, zumindest in Deutschland. Obwohl sie als große Profiteure der Gemeinschaftswährung gelten, wollen die Deutschen mit ihr nicht so recht warmwerden. Fast jeder zweite Bundesbürger sieht den Euro laut einer Umfrage der GfK kritisch. Ebenfalls knapp 50 Prozent rechnen Euro-Beträge nach wie vor in D-Mark um. Und, die stärkste der drei Zahlen, etwa 40 Prozent der Deutschen wünschen sich die Deutsche Mark zurück.

Die Mark ist für viele weit mehr als eine ausrangierte Währung, die am 21. Juni vor genau 70 Jahren eingeführt wurde. Sie ist eine Legende, ein Sehnsuchtsort aus einer besseren, überschaubareren Zeit. Sie steht für den Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg, für den deutschen Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder. Die Mark steht für Stabilität und Sicherheit. In einer Zeit, in der die Europäische Zentralbank die Märkte mit Geld überflutet, die Schuldenkrise im Süden des Kontinents sich nicht abschütteln lässt und nun auch noch ein internationaler Handelskrieg droht, klingt das verlockend.

Gäbe es heute Mark statt Euro, so die unausgesprochene Hoffnung, dann wäre auch Deutschlands Position in der Welt wieder stärker und sicherer. Das Problem ist nur, dass das ein Trugschluss ist. Mit der D-Mark würde Deutschland sich nicht stärken, sondern im Gegenteil wahrscheinlich sogar in eine handfeste Wirtschaftskrise rutschen. Das ist nicht die steile These eines Journalisten, sondern das Resultat ausführlicher Studien eines Experten.
Ansgar Belke lehrt als Professor an der Universität Duisburg-Essen über Makroökonomik und Geld- und Währungstheorie und gibt mehrere Finanz-Fachzeitschriften heraus. Eine seiner eigenen Publikationen hat ihm voriges Jahr eine Einladung ins italienische Parlament eingetragen. Das Thema des Papiers: Was würde passieren, wenn die Eurozone zerbricht? Belkes Antwort: Nichts Gutes, selbst für das vergleichsweise stark aufgestellte Deutschland. Sein Kollege Thomas Lux, Inhaber des Lehrstuhls für Geld, Währung und internationale Finanzmärkte an der Universität Kiel, sieht das ganz ähnlich: „Würde die D-Mark wieder eingeführt, kann man sich die kurzfristigen wirtschaftlichen Verwerfungen kaum dramatisch genug vorstellen.“

Ein grundsätzliches Problem liegt ausgerechnet in der erhofften Stärke der D-Mark. Wenn Deutschland aus der Eurozone austräte und die Mark wieder einführte, würde diese binnen kürzester Zeit aufwerten. Anleger würden ihr Geld aus der nunmehr geschwächten Eurozone abziehen und ins starke Deutschland bringen. Belkes Kollege Gustav Horn von der Hans-Böckler-Stiftung geht von einer Aufwertung von mindestens 30 bis 50 Prozent aus. Das würde die Importe günstiger machen, hätte jedoch für die Exporte dramatische Konsequenzen.

Schon als der Euro Anfang des Jahres gegenüber dem US-Dollar aufwertete, mussten manche Unternehmen ihre Umsatzprognose senken. Gäbe es eine Aufwertung nicht nur um fünf, sondern tatsächlich um 50 Prozent, wären deutsche Unternehmen im Ausland nicht mehr konkurrenzfähig.

Der Effekt würde diesmal nicht nur den Handel in Dollar betreffen, sondern auch andere Währungen. Die Unternehmen müssten ihre Geschäftsmodelle umstellen und in der Übergangszeit wohl Zigtausende Menschen entlassen, vielleicht auch dauerhaft, sollten sie ihre Produktionsstätten ins nun deutlich günstigere Ausland verlagern. Hinzu kämen technischere Probleme wie die Neubewertung von Unternehmens-Assets oder Wertberichtigungen und Abschreibungen, die angesichts der neuen Währung angepasst werden müssten.

Und die Probleme gingen noch weit darüber hinaus, wie Belke skizziert. Da gibt es zum Beispiel die Forderungen der deutschen Bundesbank im sogenannten Target2-System. Wie unlängst bekannt wurde, ist der Target-Saldo der Bundesbank auf knapp eine Billion Euro angestiegen, genauer: auf 956.000.000.000 Euro. So viel Geld schulden die Notenbanken anderer europäischer Länder der Bundesrepublik. Star-Ökonom Hans-Werner Sinn spricht deshalb von einer „Kapitalflucht nach Deutschland“, die sich durch die Unruhen in Italien verschärft habe.

Das Problem: Tritt Deutschland aus der Währungsunion aus, kann es rein formal keine Forderungen gegenüber den alten Partnern geltend machen. Es würde dann allein vom Verhandlungsgeschick abhängen, ob und wie viel der ausstehenden Billion jemals ihren Weg nach Deutschland findet. Hinzu kommen die Hilfskredite für Krisenstaaten wie Griechenland oder Italien, die Deutschland zu mehr als einem Viertel garantiert. Belke hält es für mehr als fraglich, dass Deutschland dieses Geld jemals wiedersehen würde. Schließlich wäre die Eurozone ohne Deutschland empfindlich geschwächt, eine „Rumpf-Eurozone“, die für ausländisches Kapital kaum noch attraktiv wäre. Die ohnehin noch immer angeschlagenen Krisenstaaten könnten in Finanzierungsschwierigkeiten kommen – und ihre Schulden nicht begleichen können. „Garantien sind da im Zweifel nicht viel wert“, sagt Belke.

Hinzu kommt: Würde die neue Mark tatsächlich um 50 Prozent aufwerten, würde der Schuldenberg der anderen Länder auf das anderthalbfache seiner Größe anwachsen – und wäre umso schwieriger zu begleichen, müsste er in Mark zurückgezahlt werden. Würde hingegen in Euro gezahlt, würde Deutschland automatisch zwei Drittel seiner Forderungen einbüßen.

Würde die D-Mark wieder eingeführt, wäre eine Finanzkrise in Deutschland nicht auszuschließen, gepaart mit einem massiven Wirtschaftseinbruch“, warnt Belke. Ohnehin sei gerade ein denkbar schlechter Augenblick, einen solchen Schritt zu gehen. Belke beruft sich auf die sogenannte Optionstheorie, die sich eigentlich mit dem Kauf und Verkauf von Aktien beschäftigt. Demnach tue Deutschland gut daran, gerade in Zeiten globaler Unsicherheit nicht aus dem Euro auszusteigen. Schließlich seien die hohen Einstiegskosten in den Euro bereits alle geleistet und insofern „versunken“. Sie können also nicht rückgängig gemacht werden. Und die Austrittskosten wären, wie gezeigt, enorm.

Ausgerechnet in der größten Unsicherheit wäre die vermeintliche Sicherheit der Deutschen Mark also eine fatale Wahl.

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Über naikejuchem

„Du entscheidest eines Tages oder Tag Eins.“ Mit diesem Satz hat sich am 29. August 2017 mein Leben gravierend geändert. Ich möchte gerne Einiges erklären, um mich nicht ständig zu wiederholen oder zu rechtfertigen. Ich wurde 1970 äußerlich als Junge geboren, innerlich hat die Biologie aber etwas durcheinander gebracht mit meinen Chromosomen. Heute weiß ich anhand von Blut,- und Gentests, dass es so ist. Es kommt halt nicht so oft vor, aber mich hat es erwischt. Ich habe eine Transidentität. Das ist nichts Schlimmes, es ist keine Krankheit – in welchem Sinne auch immer – das hat es schon immer gegeben. Selbst in der Bibel steht bei Paulus an die Korinther in 5,17 oder Galater 3,28 wie auch Epheser 4,23-24 schon etwas über Transgender. In Deutschland gibt es ungefähr 1 Mio. Menschen, denen es genauso geht wie mir. Die Natur geht manchmal kreative Wege und bringt unterschiedliche Menschen hervor: Männer, Frauen, welche, die homosexuell sind, welche, die beide Geschlechter in sich tragen (Intergeschlechtliche), Linkshänder, Rechtshänder, und eben auch welche, die transidentitär sind. Ich habe mir dies nicht ausgesucht, ich bin auf keinem „Trip“, oder laufe einem neuzeitlichen „Genderwahn“ hinterher. Bei einer Transidentität ist man im falschen Körper geboren worden, d.h. das äußere Geschlecht entspricht nicht dem selbst empfundenen Geschlecht – wobei sich dies nicht ausschließlich auf die Sexualität beschränkt, sondern eher dem sozialen Geschlecht und dessen Wahrnehmung entspricht. Wenn man im falschen Körper steckt und es nicht ändern kann, weil man es nicht weiß oder weil es nicht geht, fühlt man sich nicht nur falsch und unglücklich, es führt auch zu tiefen Depressionen, bei nicht wenigen Transidentitären sogar zum Suizid. Das ganze Leben stimmt einfach nicht.  Deshalb konnte ich die letzten Jahrzehnte auch nicht verstehen und einordnen, was mit mir los war, weshalb ich mich nicht richtig gefühlt habe: Ich wusste es nicht. Und in meiner Umgebung wusste auch keiner, dass ich eine Transidentität habe. Nicht nur die Bibel erwähnt transidentitäre Menschen, auch antike Geschichtsschreiber haben von der Existenz solcher Menschen berichtet. Aber erst mit der christlichen Kirche wurden transidentitäre Menschen mit einem absoluten Tabu belegt. Dies ist auch bis in die 70er/80er Jahre des letzten Jahrhunderts weitgehend gesellschaftlich so geblieben und hat die Betroffenen gezwungen, ihre tatsächliche Identität zu verbergen und die Rolle des geborenen Geschlechts anzunehmen. Nun mögen Viele meinen „Ja und? Dann macht man das eben, ist ja auch einfacher so!“. Ich habe über 40 Jahre eine Rolle gespielt, die ich nie war, und es war irgendwann nicht mehr auszuhalten. Ein Schauspieler kann das, solange die Kamera läuft, aber sobald der Film abgedreht ist, geht der Schauspieler nach Hause und ist wieder er selbst. Im echten Leben kann man nicht die ganze Zeit schauspielern, ohne daran zugrunde zu gehen. Es ist auch ein Betrug, ein Betrug an der Familie, an Freunde, an Kollegen ... und ganz besonders an sich selbst. Ich bin erst einmal den Weg der Rolle gegangen und hatte 1998 geheiratet, wurde nach einigen Jahren auch Vater und dachte, dass nun alles gut würde. Wurde es aber nicht. Im Gegenteil: Die Ehe wurde ab 2007 für mich zur Hölle, die 2012 in einer Scheidung endete und mich an den Rand der Existenz brachte. Da stand ich nun, wie man so sagt, vor den Trümmern meines Lebens. Die Ehe kaputt, das Kind weg, die berufliche Existenz im Eimer, Schulden und Probleme und wenig bis gar keine Unterstützung. Also was blieb mir noch? Mein Leben! Da ich von Natur aus eine Kämpferin bin, packte ich 2014 es endlich an, Antworten auf meine Fragen zu suchen. Ich fing an mich zu informieren, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt. Ich habe in dieser Zeit Fachtagungen und Freizeiten, sogar in Luxemburg im Ministerium eine Debatte für und mit Transgender besucht und stellte plötzlich fest, dass ich nicht alleine bin. Das war eine so unglaubliche Befreiung! Am 29. August 2017 wagte ich ein Outing im kleinen Rahmen, um endlich zu wissen, wie meine Freunde auf mich reagieren würden. Zu meiner großen Überraschung und unglaublicher Freude standen diese Menschen positiv zu mir und unterstützen mich bis heute, wie und wo es nur geht. Am 1. Oktober 2017 gab es dann kein Zurück mehr: es war der Tag, die Wahrheit zu sagen, bei meiner Familie und auch öffentlich. Natürlich hatte ich an diesem Tag unglaubliche Angst. Würde ich ab diesem Zeitpunkt nur noch alleine sein? Würde ich Zweifel, Fragen, Ablehnung, Verlust der Arbeit und noch mehr Probleme erfahren? Tausende Gedanken, Pro und Contra, all dies zerrte an meinem Verstand und meiner Seele. Mit diesem Tag wich ein unglaublicher Druck von mir. Meine Seele kam endlich zur Ruhe – ich hatte zu mir gefunden. Ich bin nun viel, viel ausgeglichener und aus heutiger Sicht betrachtet ist nichts von dem eingetroffen, worüber ich mir so viele Gedanken gemacht und befürchtet hatte.

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