Photo-Workshop

Diese Foto hat ein 6-jähriges Mädchen aufgenommen. Dieses Mädchen stammt aus dem Irak und hatte vor zwei Jahren auf der Flucht nach Europa seine Eltern verloren. Die Pusteblume steht für die Gedanken an seine Eltern und dass eines der Samen doch irgendwann seine Eltern erreicht.

Ich habe in meinem ersten Blog über den Photo-Workshop geschrieben und wie wir in der Einrichtung mit diesen Kindern umgehen und welche Möglichkeiten wir ihnen auch bieten. Nun möchte ich auf einige Fotos näher Eingehen, die wir im Psychologen-Team analysieren hatten und dann im nächsten Schritt mit den Kinder über das Warum gesprochen haben.

Wir analysieren, bewerten und dokumentieren alle drei Monate die Kinder und Jugendliche – ohne das sie dies merken. Es gibt für die Bewertung keine speziellen Tage, Workshops oder Themen. Eine Kollegin von mir kann sich morgen schon ein Foto, Bild, Bastelei oder Werkstück von einem beliebigen Kind oder Jugendlichen nehmen und dies im Team besprechen, was sie sehen oder denken.

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass die ersten Arbeiten der Kinder und Jugendlichen düster, traurig, chaotisch oder sinnfrei waren. So waren – und sind zum Teil auch die Gedanken und Gefühle der Kinder und Jugendlichen.

Mit der Zeit ändern sich alle Arbeiten der Kinder und Jugendlichen ins positive. Natürlich gibt es auch mal wieder Durchhänger und wenn wir einen solchen „Durchhänger“ in Form von einem Bild, Foto oder Werkstück sehen, können wir gezielt auf jenes Kind oder Jugendlichen eingehen.

Diese Foto hat ein heute 17-jähriges Mädchen aufgenommen. Das Foto zeigt seine Tränen, weil es in Syrien nicht mehr zur Schule durfte.

Diese Foto hat ein 16-jähriger Junge aus Eritrea aufgenommen. Er hatte in seiner Heimat kaum genügend Lebensmittel und dadurch auch Mangelernährung erlitten. Das Foto zeigt ein Kohlblatt und soll als Stammbaum für das Leben stehen. Für ihn ist Lebensmittel sehr Kostbar und er hat uns auch schon Des öfteren zum Nachdenken gebracht. Er möchte im nächsten Jahr eine Ausbildung als Koch anfangen. Seit Juli macht er ein Praktikum bei uns in der Einrichtung und ist gar nicht zu bremsen. Das Ursprüngliche Praktikum von drei Wochen ist schon lange vorbei und trotzdem ist er jede freie Minute in der Küche. Da man für Koch auch Französisch können muss, und er diese Sprache aus seiner Heimat her schon kennt, wird er wohl seine Berufung gefunden haben.

Das Leben teilt sich. Diese Aufnahme stammt von einem 15-jährigen ebenfalls aus Eritrea. Er musste mit bereits 11 Jahren anfangen zu arbeiten, um die Familie miternähren zu können. Als es in Eritrea immer schlimmer wurd, floh er mit anderen Jugendlichen. Er sieht sich als der Zeig, der in eine Zukunft wächst (geht), während der anderen Zeit (seine Familie) sich nicht bewegen und somit die Spinnen ihr Netz spannen könnne.

Regenbogenfarben. Dieses Foto ist von einem Mädchen aus Syrien. Die Farben sollen den Regenbogen darstellen. Am Ende des Regenbogens wäre das Paradies. Auch sollen die Farben für das Graue in Krieg und der Zerstörung stehen.

Der Tod auf dem Meer, ist ein Trauma einer 21-jährigen, die mit einem Schauchboot von Libyen nach Europa über das Mittelmeer kam. 8 Menschen sind bei dieser Überfahrt uns Leben gekommen. Die Kerze in der Mitte symbolisiert den Tod ihrer Mutter.

Der Weitblick

Dieses Foto hat ein 18-jähriges Mädchen aus Afghanistan aufgenommen. Es zeigt das Auge meiner Mutter. Arifah kam mit 11 Jahren in eines der Frauenhäuser von meiner Mutter. Durch ihr Diabetes Typ-1 veranlasste das Team von meiner Mama in Afghanistan und das Team von Dr. Erik de Joost aus den Niederlanden, dass Arifah in die Niederlande kommen konnte.
Im August diesen Jahres begann sie bei uns in der Einrichtung eine Ausbildung als Erzieherin.
Nun noch die Erklärung zu ihrem Foto: Arifah wollte den Weitblick fotografisch darstellen. Also Weitblick wollte sie aber kein Panorama fotografieren, sondern diesen aus Sicht von einem Menschen.

Der Mohn
Dieses Foto hat ein 17-jähriger Junge aus Afghanistan aufgenommen. Mit 11 Jahren wurde er von seinem Vater gegen 5 Jerib (1 Hektar) Land, bei der Taliban eingetauscht. Er wurde von der Taliban unterrichtet und auch für deren Kampf rekrutiert. Rahim lebte zwei Jahre „Inside Taliban“, bis ihm 2016 die Flucht in den Iran gelangte. Über die Hilfsorganisation Dutch Relief Alliance kam er im Frühjahr 2018 in die Niederlande. Im August diesen Jahres begann er eine Ausbildung als Schreiner in Nootdorp (bei Den Haag).

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Über Amira Khalil

Mein Name ist Amira, ich bin 1995 in Afghanistan geboren und seit 2016 lebe und arbeite ich in Den Haag für eine Organisation die sich um Flüchtlingskinder, Migranten und Kinder aus Sozialschwachen Familien kümmert. Ich habe in den Niederlanden eine Ausbildung als Erzieherin gemacht  und bin in meinen Beruf sehr glücklich. Zum einen habe ich sehr viele Freiheiten bei dem wie ich Unterricht gestalte oder mich in unserm psychologischen Team einbringe. Auch kann ich in mehreren Schichten arbeiten und habe so andere Aufgaben bei der Nachtschicht. Wenn die Kinder Nachts Alpträume bekommen, ist die etwas völlig anderes als wenn ich am Vormittag das Alphabet lerne. Meine Aufgaben in der Einrichtung sind sehr vielseitig. So betreue und lernen ich die Kinder die Sprache. Auch kann ich mich therapeutisch und psychologisch einbringen. So leite ich einen Photoworkshop und bin mit einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen in vielen Orten und Regionen der Niederlande unterwegs. Durch oder wegen der Flucht der Kinder haben sie viele Traumata die wir in einem Team aus Erziehern, Lehrer und Psychologen aufarbeiten. Meine Mutter hatte bis zum 16. August (an dem Tag hat das Militär vor der Taliban kapituliert) in Afghanistan eine Mädchenschule und sechs eigene Frauenhäuser für zwangsverheiratete und misshandelte Mädchen. Seit April 2020 ist sie die Leiterin unsere Einrichtung und somit auch meine Chefin - was nicht immer von Vorteil ist. Da auch ich einen eigenen Wille habe, rasseln wir beide hin und wieder schon mal zusammen. Nila wurde 2007 meine Mutter und ich kann mir keinen besseren Menschen als Mama wünschen. Ob meine leiblichen Eltern noch leben, ist mir ziemlich egal. Sie hatten mich mit 10 Jahren verheiratet und ich erlitt zwei Jahre die Hölle in dieser "Ehe". Ich bin damals mit letzter Kraft weggelaufen und mir war klar, dass es meine Freiheit oder mein Tod werden könnte. Nach den offiziellen Unterlagen stab ich im März 2007. Diesen Schritt musste Nila (und ein paar andere Mensch) gehen, damit ich leben konnte. Mir wurde ab 2007 mit der Arbeit, Engagement und Weitblick, vieles mit auf den Weg gegeben. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Im August 2016 wurde meine Mama zur direkten Zielscheibe der Taliban und hätte sie keinen Bodyguard und gepanzertes Auto gehabt, wäre ich Vollwaise. Drei Tage nach diesem Anschlag sind wir im Stuttgart bei meinen Großeltern (ist ja auch nicht wahr) gelandet.  Einen Tag später war ich in den Niederlanden. Wir sind eine nicht verwandte Familie und trotzdem sind wir diese. Mein Opa und Oma sind die liebsten Menschen auf dieser Welt und seit März 2020 leben sie auch in den Niederlanden. Bildung ist für mich sehr wichtig, denn nur mit Bildung können wir diese Welt verbessern / verändern. Bildung ist der Schlüssel um aus Armut und Abhängigkeit zu kommen. Die Spirale der Armut und Analphabetismus geht im 21. Jahrhundert weiter nach unten und führt somit zu immer größeren Konflikten. Um nun Irritationen entgegenzuwirken, warum ich so gut Deutsch kann, möchte ich dies noch erklären. Nila lebte 15 Jahre in Deutschland und so wurde ich von ihr in / auf deutsch unterrichtet. Durch die Arbeit von meiner Mutter und deren Freundinnen / Kolleginnen lernte ich auch in frühen Jahren schon Englisch. Groeten uit het mooie Den Haag Amira

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