Eine kleine Geschichte über die Kassette

Auch ich muss mich als Kind jener Technologie outen und habe so einige schöne Erinnerungen an die Kassette.
Die ersten Lebensjahre von mir waren nicht gerade die musikalischen Highlights der Welt. Es war mehr Benjamin Blümchen, die Schlümpfe und Tabaluga. Im heranwachsen kamen Hörspiele von TKKG oder Die drei ??? in das
répertoire von klein Evke.
Ich hatte damals ein rotes Sony Kassette-Radio mit einem gelb blauen Mikrofon. Ich schleppe dieses Teil fast überall mit hin- zum Leidwesen vieler Menschen. Evke hatte den Traum Popstar zu werden und sang in sein buntes Mikrofon.

Mit ungefähr 10 Jahren bekam ich zum Geburtstag eine mega Stereoanlage mit CD Spieler und alles was es an Technik gab – so gar Equalizer! Ich war stolz auf meine Anlage, die sogar noch zwei Kassette-Decks hatte. CD’s konnte man zu jener Zeit noch nicht selbst bespielen, so nahm ich weiterhin Musik von CD oder Radio auf meine geliebten Musik Kassetten auf.

Nun ein Nachruf an einen großen Ingenieur dessen Erfindung jeder kennt, aber den Namen nicht: Lou Ottens.

Der Niederländer Lou Ottens gilt als der Vater des Tonbandes. Er starb am 6. März 2021 im Alter von 94 Jahren. Seit seiner Erfindung im Jahr 1962 wurden weltweit über hundert Milliarden Kassetten verkauft.

Seine Erfindung veränderte das Leben von Generationen an Musikfans. Die Erfindung von Lou Ottens machte Musik zum ersten Mal wirklich tragbar und ermöglichte den Musikfans die Zusammenstellung ihrer Lieblingslieder. Von den 1960er bis 1980er Jahren wurden weltweit mehr als 100 Milliarden Kassetten hergestellt. „Es hat uns alle traurig gemacht, vom Tod von Lou Ottens zu erfahren“, sagte Olga Coolen, Direktorin des Philips-Museums in Eindhoven, in einer AFP Erklärung. „Lou war ein außergewöhnlicher Mann, der Technologie liebte, obwohl seine Erfindungen bescheidene Anfänge hatten.“
Der Niederländer aus Bellingwolde zeigte schon in jungen Jahren, als die Niederlande im Zweiten Weltkrieg von Nazideutschland besetzt waren, sein Interesse an Technologie. Er baute insbesondere ein Radio, das es ihm ermöglichte, das „freie niederländische“ Radio Oranje zu empfangen, dank einer speziellen Antenne, die er „Germanenfilter“ nannte, weil es damit möglich war, den Nazi-Störsendern auszuweichen.
Lou Ottens kam nach seinem Ingenieurstudium zu Philips, wo er und sein Team das weltweit erste tragbare Tonbandgerät entwickelten. Aber er war schnell frustriert über das sperrige Spulensystem, das manuelles Aufziehen erforderte, und so erfand er 1962 die Kassette. „Die Kassette wurde aus Ärger mit dem bereits existierenden Tonbandgerät erfunden, so einfach ist das“, sagte  einst Lou Ottens in einem Interview.

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Über evkefreyavonahlefeldt

Ich bin Evke Freya von Ahlefeldt, meine beiden Vornamen sind so alt wie mein Nachname. Sie gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Oft werden meine Vornamen der nordischen oder niederländischen Sprache zugeordnet. Dem ist nicht so. Es sind alte germanische Namen. Früher wünschte ich mir einen "normale" Namen. Ab der Teenager Zeit fand ich meine Namen richtig cool. Meine Freunde nennen mich Evke oder im französischen Ive. Frankreich ist ein gutes Stichwort. Nach meinem Abi an einem Gymnasium in Hildesheim, wollte ich erstmal die Welt entdecken. Hildesheim zählt nicht gerade zu den Metropolen dieser Welt - auch wenn es zu den ersten größeren Besiedelungen des Germanischen Reichs gehört und auf 5700 v Chr. datiert wird, ist es nicht der Nabel der Welt. Nun reiste ich mit dem Abi in der Tasche in die große weite Welt. Mit einem Pappschild stand ich an der Bundesstraße und lies mich überraschen wohin es mich treiben / fahren wird. Da mein Reiseziel mit "Ich will weg" doch sehr weit ausgelegt werden konnte, fuhr mich der Zufall in Gestalt von einem älteren und sehr charmanten Herrn nach Dänemark zu seiner Tochter. Es ging für mich nach vier Tagen weiter nach Schweden und dann nach Olso. Von Oslo brachte mich mein Pappschild nach Trondheim. Ich erlebte die Weite und eine unglaubliche Schönheit der Natur. Ich war in Norwegen verliebt und wollte dort sogar zum studieren bleiben. Da ich für die Einschreibung an der NTNU, der Norwegian University of Science and Technology, zu spät war, blieben mir noch ein paar wunderschöne Tage in einer grandiosen Stadt. Paris ruft Jede andere hätte bei der Zusage der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne - eine Universität für Rechts- und Politikwissenschaften, Wirtschafts- und Managementwissenschaften sowie Geisteswissenschaften, einen Luftsprung gemacht - ich kaufe mir einen Joint und ein 6er Pack Bier. Da es mit den Vorstellungen meiner Zukunft und dem daraus resultierenden Studium meiner Eltern und derer meinen Vorstellung doch erhebliche Differenz gab und ich keinen Bock auf Stress, Joints und Bier in den nächsten Jahren hatte, flog ich von paradiesischen Trondheim nach Hannover. Hildesheim hat selbst nach 7700 Jahren noch keinen Flugplatz - dafür alte Rosen. Dies nur am Rande. Drei Semester waren mir an der Uni schwer gefallen. Ob es am Gras, Alkohol oder diesem unglaublich trockenen Stoff von Politik- oder Wirtschaftswissenschaften lag, mag ich jetzt nicht zu beurteilen. Irgendwie würde ich das Studium beenden und dann ab nach Norwegen. Nun lebe ich schon seit 19 Jahren in Paris. Ich zeigte damals einen guten (Wider)-Willen und irgendwann hatte meine Eltern ein Einsehen, dass man mir auch mit dem Hammer den Lehrnstoff ins Hirn hätten schlagen können, ich hätte es nicht begriffen - oder gewollt. Ob jene Einsicht an dem doch erheblichen alkoholischen Leergut, dem süßlichen Geruch in meiner Studentenbude oder dem völligen Desinteresse für dieses Studium lag, mag ich nicht zu beurteilen. So studierte ich an der gleichen Uni dann Kunst und Archäologie. Ich schaffe sogar ohne Gras und Alkohol (manchmal) meinen Master Abschluss. An der Uni drückte mir jemand einen Flyer von "Action contre la faim" (Aktion gegen den Hunger) in die Hand und ich wurde auf diese Truppe neugierig. So klopfte ich ein paar Tage später bei denen an die Tür und wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Zwei Wochen später engagierte ich mich ehrenamtliche bei der coolen Gruppe. Nach dem Studium arbeitete ich als Kunstrestauratorin und mir gefiel diese Arbeit. Die Mischung aus Geschichte, Archäologie und Kunst war und ist faszinierend. Neben der Arbeit brachte ich mich bei Action contre la faim immer mehr ein und war auch mit einer Gruppe im Sudan, Kongo und Mali im Einsatz für humanitäre Hilfe. Durch Zufall las ich 2010 eine Stellenanzeige von UNICEF Paris. Noch während des Vorstellungsgespräch kündigte ich telefonisch meinen Job. UNICEF ist eine andere Welt Durch meine Erfahrung bei Action contre la faim konnte ich die neuen Aufgaben verknüpfen und sogar verbinden. Schließlich arbeiten wir alle für das gleiche Ziel. Bei UNICEF lag und liegt mein Einsatzgebiet in so gut wie allen Ländern westlich der Sahara. 2015 wurde mir die Leitung vom UNICEF Büro in Paris übertragen und so konnte und kann ich mit meinen ehemaligen Kollegen von Action contre la faim noch enger zusammenarbeiten. Das Wirtschaftsstudium hatte doch ein paar Vorteile. Wir sind in Paris 15 Mitarbeiter_innen und planen, organisieren alles um Hilfsprojeke von der UN / UNECA ( UN -Wirtschaftskommission für Afrika), für UNICEF, UNHCR oder andere Unterorganisationen. Dies hört sich jetzt alles sehr spektakulär und fantastisch an - ist es nicht! Die Realität ist gefährlich, erschütternd und oft ein Alptraum. Um irgendwie selbst psychisch damit klar zukommen, nehme ich mir die Auszeit um mit meinem Pferd einen oder mehrere Tage im Nirgendwo zu sein. Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 12. Juli 2021

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