„Houston, we’ve had a problem.“

„Houston, we’ve had a problem.“

Dies waren die Worte eines der wohl bekanntesten Funksprüche, die der Astronaut und Kommandant der Apollo 13 Mission, John „Jack“ Swigert, am 13. April 1970 an das Mission Control Center der NASA funkte.

Damals waren des drei Astronauten in Weltall, heute haben 7,7 Milliarden Menschen ein Problem mit einem mikroskopisch kleinen Virus.

Autorin Dr.rer.nat. Patricia Lefèvre

Um nun den „Fach-Virologen“ eine kleine Einordnung in die Arbeit der Forscher_innen zu geben, erklärte ich der YouTube- und Facebook-Fachwelt, wie sich die genomische Überwachung zusammensetzt.

Jenes Netzwerk, welches für die genomische Überwachung in Südafrika zuständig ist, arbeitet mit vielen Universitäten zusammen.

Das Network for Genomics Surveillance in South Africa, dem das Nationale Institut für übertragbare Krankheiten (NICD), das KRISP an der Universität von KwaZulu-Natal (UKZN), die Universität Kapstadt (UCT), die Universität Stellenbosch (SUN), die Universität des Freien Staates (UFS), die Universität Pretoria, die Universität Witwatersrand (WITS) und der Nationale Gesundheitslaboratoriumsdienst (NHLS) angehören, überwachen seit März 2020 Veränderungen bei SARS-CoV-2. Also jenem Virus welches COVID-19 verursacht.
(Anm.: in einem  Beitrag vom 30. Juni 2021 bin ich auf die Linien der Virus Veränderungen schon eingegangen.)

Was ist die B.1.1.529-Linie?

Am 22. November 2021 haben Forscher in Südafrika eine Gruppe verwandter SARS-CoV-2-Viren mit der Bezeichnung B.1.1.529 entdeckt. Die Virus-Variante B.1.1.529 wurde in der Provinz Gauteng, besser ist Pretoria bekannt, relativ häufig nachgewiesen, wobei >70 % der sequenzierten Genome von Proben, die zwischen dem 14. und 23. November 2021 gesammelt wurden, zu dieser Linie gehören. Diese Linie weist eine große Anzahl von Mutationen auf, die bereits in anderen SARS-CoV-2- variant of interest 
( zu deutsch: VOI =Varianten von Interesse) oder variant of concern (VOC), also: besorgniserregenden Varianten, beobachtet wurden.
Auch wurde an der Universität Pretoria eine andere- und somit neuartige Mutationen in genomische Überwachung von Sequenzen gefunden.
Eine dieser Veränderungen kann durch Standarddiagnosetests, die auf das S-Gen abzielen, nachgewiesen werden, so dass diese Linie in Südafrika ohne Sequenzierungsdaten nachgewiesen werden kann.

Die WHO und das südafrikanische Gesundheitsministerium wurden Anfang dieser Woche auf diese neue Linie ( Mutation des SARS-CoV-2 Stamm) aufmerksam gemacht. Die NGS-SA überwacht weiterhin die Häufigkeit dieser Linie, und Labortests zur Bewertung der funktionellen Auswirkungen dieser Mutationen laufen unter hochdruck.

Bis zum 27. November 2021 erfüllt die neu montierte B.1.1.529 Linie noch nicht die WHO-Kriterien für VOC oder VOI.
Also: bis jetzt ist noch nicht klar, wie sich diese notierte SARS-CoV-2 Linie auf den menschlichen Organismus auswirken.
Wie schnell sich die neue Variante ausbreitet und die genomische Veränderung eintritt, muss zum jetzigen Zeitpunkt untersucht werden. Dafür braucht es nun Daten, die bei neuinfektionen gesammelt werden.

Wie unterscheiden sich die Varianten C.1.2, Beta oder Delta von der Linie B.1.1.529?

Die B.1.1.529-Linie weist zwar einige gemeinsame Mutationen mit den C.1.2-, Beta- und Delta-Varianten auf, hat aber auch eine Reihe zusätzlicher Mutationen. Gegenwärtig unterscheidet sich die B.1.1.529-Linie relativ deutlich von den C.1.2-, Beta- und Delta-Varianten und weist einen anderen Evolutionspfad auf. Zur Zeit gibt keine Erkenntnisse über ungewöhnlichen Symptome, als nach einer Infektion mit der Variante B.1.1.529. Gesichert ist nur, dass es wie bei anderen Varianten zu sehr asymptomatischen Verläufte der Krankheit kommt. Auch sind die bisherigen Impfstoffe für die bekannten Virus-Variante bei der neusten Sars-CoV-2 Variante noch nicht geprüft.

Wie alle Viren verändert sich auch SARS-CoV-2 mit der Zeit, wobei Mutationen, die dem Virus einen Vorteil verschaffen, bei neueren Infektionen bevorzugt werden. Zwar sind einige der Mutationen in der B.1.1.529-Linie auch in anderen SARS-CoV-2-Varianten aufgetreten, die Anlass zur Sorge geben. Es ist wahrscheinlich, dass Impfstoffe immer noch ein hohes Maß an Schutz vor Krankenhausaufenthalten und Tod bieten werden. Es wird bereits geforscht, wie sich das Immun-Escape-Potenzial von B.1.1.529 im Labor verhält. Genaue Daten und Prognosen kann zur Zeit niemand geben. Solange es aber keine verlässlichen Daten gibt, sollte man weiterhin vorsichtig sein und sich an die Regeln zur Eindämmung der Pandemie halten.

Bis jetzt gehen Forscher_innen davon aus, dass überall dort, wo sich das Virus ausbreitet, weiterhin neue Varianten auftauchen werden. Die Impfung ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung, um diejenigen in der Gemeinschaft zu schützen, die einem hohen Risiko von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen ausgesetzt sind, um die Belastung des Gesundheitssystems zu verringern und um vor allem die Übertragung zu verlangsamen.

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Dr. rer.nat. Patricia Lefèvre
Laboratoire Interdisciplinaire Carnot de
Bourgogne, Dijon, 27. November 2021

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Über drpatricialefevre

Mein Name ist Patricia Lefèvre,  ich bin deutsch-französin. Meine Eltern sind deutsche und ich bin in Frankreich geboren. Mein Vater ist Ingenieur für Fahrzeugbau, meine Mutter Apothekerin. Da beide in frühen Jahren die Liebe zu Frankreich entdecken und nicht nur um dort Urlaub zu machen, gingen sie Anfang der 70er nach Frankreich. Mein Vater arbeitete bei Citroën in der Getriebeentwicklung im Werk in Metz und meine Mutter als Apothekerin in Metz. Ende der 70er wurde in Trèmery, bei Metz, ein neues Motorenwerk von Citroën und Peugeot gebaut, welches heute das größte Dieselmotorenwerk der Welt ist. Da die kleine Gemeide Trèmery in kürzester Zeit wuchs, beschlossen meine Eltern sich mit einer Apotheke selbständig zu machen. So wurde mir von beiden der Grundstock von Wissenschaft von Kindheit an mitgegeben. Da ich immer wissen wollte wie was und warun funktioniert oder so ist, studierte ich in Paris an der Universität Pierre et Marie Curie, nach Pierre und Marie Skłodowska Curie benannt, Physik und Mathematik. Nach dem Studium blieb ich an der Uni, wechselte dort zu ISIR - Institute of Intelligent Systems and Robotics. 2005 ging ich aus privaten Gründen zu meinen Großeltern nach Reutlingen und studierte an der Uni Tübingen Nanotechnologie. 2008 wurde ich Dozentin für Angewandte Physik. 2010 wurde meine Tochter und 2013 mein Sohn in Reutlingen geboren. In dieser Zeit schrieb ich auch meine Dissertation. Im Herbst 2019 ging ich mit meiner Familie nach Frankreich und bin seit dieser Zeit an der UBFC - Université Bourgogne Franche-Comté, in der Forschung der Nanotechnologie. Da die UBFC eng mit der ESA - European Space Agency,  im Bereich Nanotechnologie zusammen arbeitet, ist dies für mich nochmals eine Herausforderung in der unglaublichen Weite dieser Technologie. Ich bin ein Naturmensch und diese erlebe ich zu Fuß, mit dem Rad oder Kanu. Wann immer es die Zeit zulässt, gehe ich mit der Familie, oder auch eine Woche alleine mit meinem Hund campen und dies nicht nur im Juli oder August. Rucksack, Zelt und ne Flasche Wein - mehr brauche ich für ein Wochenende nicht. Ich habe einen Jagdschein und besorge das Abendessen selbst. Ich weiß, dass dieses Thema sehr kontrovers diskutiert wird und gerade jene am lautesten schreien, die die wenigste Ahnung von Naturschutz haben.

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