Die Hilfsorganisationen Mercy Ships

Die „Global Mercy“ das größte zivile Hospitalschiff der Welt

Ärzte ohne Grenzen, Care, Plan, Word Vision kennen viele. Heute möchte ich eine Hilfsorganisationen vorstellen, die es bereits seit 43 Jahren gibt und kaum in der Weltöffentlichkeit auffällt.

Autorin Naike Juchem

Die NGO Mercy Ships ist mit ihren Hospitalschiffen auf der ganzen Welt unterwegs, um Hoffnung und Heilung zu den Ärmsten der Armen zu bringen.

Schätzungsweise 5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicheren, erschwinglichen und rechtzeitigen chirurgischen Eingriffen, und 93 Prozent von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara.

Die Geschichte beginnt mit einem Hurrikan

Man könnte tatsächlich einen Hurrikan als die Geburtsstunde von Mercy Ships nennen. 1964 verwüstete Hurrikan Cleo die Bahamas. In Nassau erlebte diesen Hurrikan der damals 18-jährige Don Stephens aus Colorado aus nächster Nähe. Mit einer Jugendgruppe des christlichen Missionswerks „Jugend mit einer Mission“ war er dort bei einem Sommereinsatz, als das Unwetter die ganze Gruppe unversehens um ihr Leben fürchten ließ. Eines der anwesenden Mädchen sagte: „Wäre es nicht wunderbar, wenn es ein Schiff mit Ärzten und Krankenschwestern gäbe, das nach einer solchen Katastrophe kommen würde, um zu helfen?” 
Der Hurrikan ebbte nach einiger Zeit wieder ab, aber Don konnte diese Frage nie vergessen.

Mutter Teresa gab den Anstoß für die Gründung

In den Siebzigern lebte Don mit seiner Frau Deyon als Mitarbeiter von „Jugend mit einer Mission“ in Lausanne, in der Schweiz. Nach zwei gesunden Kindern wurde 1976 ihr schwerstbehinderter Sohn John Paul geboren, der sowohl autistisch als auch körperlich und geistig behindert ist.
Dieses Ereignis erschütterte Don, es warf schwierige Fragen auf, und so nahm er ein Jahr später die von einem Bekannten vermittelte Einladung an, Mutter Teresa in Kalkutta zu besuchen. Überwältigt von dem Elend in der Millionenstadt, faszinierte ihn die berühmte Ordensleiterin, die ihrer Schwesternschaft einprägte, sich auf jeden Einzelnen zu fokussieren, als wäre er der einzige Mensch auf der Welt, der ihre Aufmerksamkeit und Fürsorge erhalten würde. 

Mutter Teresa half ihm, die Vision für sein Leben klarer herauszufeilen und sagte ihm: „Dein Sohn wird dir auf deinem Weg helfen, die Augen, die Ohren, der Mund und die Hände für die Armen zu werden.“

Zutiefst beeindruckt von dieser Begegnung verließ Don Stephens Kalkutta, entschlossen, seinen alten Traum von einem Hospitalschiff endlich Wirklichkeit werden zu lassen: „Die Vision konkreter Barmherzigkeit, die Idee eines Schiffes, die Vorstellung, auf diese Weise den Ärmsten der Armen moderne medizinische Versorgung anbieten zu können, das war zunehmend das, worüber ich nachdenken, reden, beten und träumen konnte.“

Und dies bewegte ihn auch, als er wieder zurück in Lausanne mit einem Schweizer Unternehmerehepaar zu Abend aß.
Henri und Francoise André hörten ihm eine Weile lang zu, dann schlug Henri vor: „Warum kommst du nicht mal in unser Büro? Ich stelle dir unseren Verantwortlichen für die technische Seite unserer Reederei vor.“
Don war perplex. Er hatte gar nicht gewusst, dass seine Gastgeber auch im Reedereigeschäft tätig waren.
Das Ehepaar André halfen ihm, ein Schiff zu finden und unterstützten ihn bei der Finanzierung. Am 5. Oktober 1978 wurde der Kaufvertrag für das 159 Meter lange italienische Passagierschiff „Victoria „
unterzeichnet, das sie später in 
Anastasis“ umbenannten. Dieses Schiff sollte das erste Mercy Ships Hospitalschiff werden.

Mercy Ships Deutschland

Seit der Gründung von Mercy Ships Deutschland haben Menschen aus dem ganzen Land die Hospitalschiffe mit über 25 Millionen Euro unterstützt und über 1000 mal selbst ehrenamtlich mitgearbeitet. 

Begonnen hat es, man kann es sich vorstellen, nicht am Rand der Alpen. Anfang der 90er Jahre legte das damalige Hospitalschiff von Mercy Ships, die MS Anastasis, regelmäßig in deutschen Häfen an. Der Amerikaner Don Stephens hatte die Hilfsorganisation 1978 gegründet und suchte auch hierzulande nach Unterstützern.

Wolfgang Groß hatte ungefähr zur selben Zeit seine eigene Hilfsorganisation, Humedica, gegründet. Er hörte von Stephens Projekt und besuchte die Anastasis. Humedica half Mercy Ships in der Folge bei der Versorgung mit medizinischen Hilfsgütern. 1995 wurde Groß dann erster Vorsitzender des neu gegründeten Mercy Ships Deutschland e.V. In Kaufbeuren, dem Sitz des Vereins, liefen die logistischen Fäden zusammen.

Eine dramatische Lage für Millionen von Menschen

Laut dem Bericht der Lancet-Kommission „Weltweite Chirurgie 2030“ sterben jedes Jahr 16,9 Millionen Menschen, weil sie keine chirurgische Versorgung erhalten. Darüber hinaus haben mehr als 93% der in Subsahara-Afrika lebenden Bevölkerung keinen Zugang zu zuverlässigen chirurgischen Eingriffen.

Da die COVID-19-Krise die Stabilität der ohnehin schon fragilen Gesundheitssysteme weltweit bedroht, gewinnt die Notwendigkeit einer lebensrettenden, schnellen und zugänglichen chirurgischen Versorgung eine entscheidende Dimension, vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. 

Seit 1990 hat Mercy Ships mehr als 30 humanitäre Einsätze in 14 afrikanischen Ländern durchgeführt und dabei über 105 000 kostenlose chirurgische Eingriffe vorgenommen, über 49 000 einheimische Gesundheitsfachkräfte ausgebildet, über 100 Gesundheitseinrichtungen renoviert und über 1000 Gemeindeprojekte umgesetzt. Mit über 1.740.000.000 US-Dollar wurden in den letzten Jahren Hilfsleistungen erbracht.  Mehr als 1.100 landwirtschaftlichen und infrastrukturellen Entwicklungsprojekten, einschließlich Bau oder Renovierung von medizinischen und zahnmedizinischen Kliniken wurden voran gebracht.

Engel aus See

Zu den allgemeinen Operationen von Mercy Ships gehören  auch die Behandlungen von Tumoren, Verbrennungen, Sehstörungen, Frauenkrankheiten und orthopädischen Erkrankungen bei Kindern.

Die „Global Mercy“ ist für viele afrikanischen Ländern eine sichere medizinische Plattform, indem sie die Unterstützung und die Ressourcen von Gesundheitsteams bereitstellt, die zu den qualifiziertesten der Welt gehören. 

Neben sechs Operationssälen ist die „Global Mercy“ mit technischen Schulungsräumen ausgestattet, darunter ein Simulationslabor mit virtueller Realität und ein simulierter postoperativer Pflegebereich, die es den Schulungsleitern ermöglichen werden, Praktiken zu vermitteln, die für ressourcenarme Umgebungen geeignet sind.


Das OP-Team, das den 100.000sten chirurgischen Eingriff vorgenommen hat

Eine Organisation mit Hand und Fuß

Mercy Ships hat in 56 Entwicklungsländern lebensverändernde und lebensrettende medizinische Hilfe geleistet. Aber das ist nur ein Teil ihres Engagements im Kampf gegen die globale Operationskrise. Mercy Ships arbeitet einen Fünfjahresplan aus, um die Bedürfnisse jedes Landes vor, während und nach dem zehnmonatigen Aufenthalt des Krankenhausschiffs im Hafen zu erfüllen und eine nachhaltige Wirkung zu erzielen.

Dieser Fünfjahresplan beinhaltet erhebliche Investitionen in die Verbesserung des Gesundheitswesens der Gastländer durch die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal und die Modernisierung der örtlichen Einrichtungen. In ihrer 43-jährigen Geschichte hat Mercy Ships:

Naike Juchem, 5. Dezember 2021

Quelle:
– mercyships.org
-Reality Report Network

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein, Humanitäre Hilfe, Naike Juchem und getaggt mit , , , , am von .

Über naikejuchem

„Du entscheidest eines Tages oder Tag Eins.“ Mit diesem Satz hat sich am 29. August 2017 mein Leben gravierend geändert. Ich möchte gerne Einiges erklären, um mich nicht ständig zu wiederholen oder zu rechtfertigen. Ich wurde 1970 äußerlich als Junge geboren, innerlich hat die Biologie aber etwas durcheinander gebracht mit meinen Chromosomen. Heute weiß ich anhand von Blut,- und Gentests, dass es so ist. Es kommt halt nicht so oft vor, aber mich hat es erwischt. Ich habe eine Transidentität. Das ist nichts Schlimmes, es ist keine Krankheit – in welchem Sinne auch immer – das hat es schon immer gegeben. Selbst in der Bibel steht bei Paulus an die Korinther in 5,17 oder Galater 3,28 wie auch Epheser 4,23-24 schon etwas über Transgender. In Deutschland gibt es ungefähr 1 Mio. Menschen, denen es genauso geht wie mir. Die Natur geht manchmal kreative Wege und bringt unterschiedliche Menschen hervor: Männer, Frauen, welche, die homosexuell sind, welche, die beide Geschlechter in sich tragen (Intergeschlechtliche), Linkshänder, Rechtshänder, und eben auch welche, die transidentitär sind. Ich habe mir dies nicht ausgesucht, ich bin auf keinem „Trip“, oder laufe einem neuzeitlichen „Genderwahn“ hinterher. Bei einer Transidentität ist man im falschen Körper geboren worden, d.h. das äußere Geschlecht entspricht nicht dem selbst empfundenen Geschlecht – wobei sich dies nicht ausschließlich auf die Sexualität beschränkt, sondern eher dem sozialen Geschlecht und dessen Wahrnehmung entspricht. Wenn man im falschen Körper steckt und es nicht ändern kann, weil man es nicht weiß oder weil es nicht geht, fühlt man sich nicht nur falsch und unglücklich, es führt auch zu tiefen Depressionen, bei nicht wenigen Transidentitären sogar zum Suizid. Das ganze Leben stimmt einfach nicht.  Deshalb konnte ich die letzten Jahrzehnte auch nicht verstehen und einordnen, was mit mir los war, weshalb ich mich nicht richtig gefühlt habe: Ich wusste es nicht. Und in meiner Umgebung wusste auch keiner, dass ich eine Transidentität habe. Nicht nur die Bibel erwähnt transidentitäre Menschen, auch antike Geschichtsschreiber haben von der Existenz solcher Menschen berichtet. Aber erst mit der christlichen Kirche wurden transidentitäre Menschen mit einem absoluten Tabu belegt. Dies ist auch bis in die 70er/80er Jahre des letzten Jahrhunderts weitgehend gesellschaftlich so geblieben und hat die Betroffenen gezwungen, ihre tatsächliche Identität zu verbergen und die Rolle des geborenen Geschlechts anzunehmen. Nun mögen Viele meinen „Ja und? Dann macht man das eben, ist ja auch einfacher so!“. Ich habe über 40 Jahre eine Rolle gespielt, die ich nie war, und es war irgendwann nicht mehr auszuhalten. Ein Schauspieler kann das, solange die Kamera läuft, aber sobald der Film abgedreht ist, geht der Schauspieler nach Hause und ist wieder er selbst. Im echten Leben kann man nicht die ganze Zeit schauspielern, ohne daran zugrunde zu gehen. Es ist auch ein Betrug, ein Betrug an der Familie, an Freunde, an Kollegen ... und ganz besonders an sich selbst. Ich bin erst einmal den Weg der Rolle gegangen und hatte 1998 geheiratet, wurde nach einigen Jahren auch Vater und dachte, dass nun alles gut würde. Wurde es aber nicht. Im Gegenteil: Die Ehe wurde ab 2007 für mich zur Hölle, die 2012 in einer Scheidung endete und mich an den Rand der Existenz brachte. Da stand ich nun, wie man so sagt, vor den Trümmern meines Lebens. Die Ehe kaputt, das Kind weg, die berufliche Existenz im Eimer, Schulden und Probleme und wenig bis gar keine Unterstützung. Also was blieb mir noch? Mein Leben! Da ich von Natur aus eine Kämpferin bin, packte ich 2014 es endlich an, Antworten auf meine Fragen zu suchen. Ich fing an mich zu informieren, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt. Ich habe in dieser Zeit Fachtagungen und Freizeiten, sogar in Luxemburg im Ministerium eine Debatte für und mit Transgender besucht und stellte plötzlich fest, dass ich nicht alleine bin. Das war eine so unglaubliche Befreiung! Am 29. August 2017 wagte ich ein Outing im kleinen Rahmen, um endlich zu wissen, wie meine Freunde auf mich reagieren würden. Zu meiner großen Überraschung und unglaublicher Freude standen diese Menschen positiv zu mir und unterstützen mich bis heute, wie und wo es nur geht. Am 1. Oktober 2017 gab es dann kein Zurück mehr: es war der Tag, die Wahrheit zu sagen, bei meiner Familie und auch öffentlich. Natürlich hatte ich an diesem Tag unglaubliche Angst. Würde ich ab diesem Zeitpunkt nur noch alleine sein? Würde ich Zweifel, Fragen, Ablehnung, Verlust der Arbeit und noch mehr Probleme erfahren? Tausende Gedanken, Pro und Contra, all dies zerrte an meinem Verstand und meiner Seele. Mit diesem Tag wich ein unglaublicher Druck von mir. Meine Seele kam endlich zur Ruhe – ich hatte zu mir gefunden. Ich bin nun viel, viel ausgeglichener und aus heutiger Sicht betrachtet ist nichts von dem eingetroffen, worüber ich mir so viele Gedanken gemacht und befürchtet hatte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s