Waldschäden in Deutschland

Der Wald steht für Natur, Erholung und Freizeit. Der Wald steht für Kapital, Grundbesitz und Hochadel – letzteres ist völliger Unsinn.

Der Wald ist Arbeit, Geld-Vernichtungs-Ökologie und Krank. Der Wald hat einen Stressfaktor der an seiner Belastbarkeit angekommen ist. Dürre, Hitze, Stürme und Klimawandel schädigen den Wald.

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Ich schreibe nun aus der Schicht von einem Waldbesitzer, wie es um den Wald in Deutschland steht. Mit einem Wort: schlecht!

Zu Anfang eine kleine Einordnung über den Wald. Es  gibt Staatsforst und Privatforst.
In Deutschland gibt es circa 11 Millionen Hektar Wald, wovon 48 Prozent Privatwald sind. 29 Prozent des Waldes sind Eigentum der Länder, 19 Prozent in der Hand von Kommunen, Kirchen, sowie Stiftungen und 4 Prozent gehören dem Bund.
In Österreich ist über 80% des Waldes in privat Besitz. Polen hat eine Waldfläche von circa 30% der Landesfläche. 18,8 % sind in privat Besitz. In Belgien ist der Anteil an Staatswald und Privatforst ziemlich gleich aufgeteilt.
In Frankreich ist die Lage vom Wald anders als in anderen EU Ländern.
Da die Landwirtschaft zunehmend unprofitabel wird, breiten sich in Frankreich die Wälder aus – und verstärken somit ihren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel. Inzwischen ist Frankreich nach Deutschland und Schweden das EU-Land mit den drittgrößten Waldflächen. Die vorhandenen Bestände sind nun wieder auf dem Niveau des vorindustriellen 18. Jahrhunderts.
Doch die Situation ist nicht so rosig, wie auf den ersten Blick erscheinen mag: Die französischen Wälder sind nicht nur alt und sehr fragmentiert, sie werden aufgrund ihrer Dichte auch mehr schlecht als recht bewirtschaftet und genutzt.
Lediglich 30 bis 40 % der Wälder werden genutzt. Privatwälder, die einen Großteil der Waldflächen ausmachen, werden unzureichend bewirtschaftet – wenn überhaupt.

Soweit eine Einordnung über die Wälder in Deutschland und Europa.

Wald ist nicht nur Wald
Wald ist sehr viel Arbeit und man hat schon Milliarden an Euros mit Wald verloren.
Der Staatsverlust in Deutschland von 31,8 Milliarden Euro durch CumEx Betrug ist vielen bekannt. Der Schaden von weit über 2,5 Milliarden Euro am und mit dem Wald, ist weniger bekannt. Diese Zahl steht für Deutschland und auch nur für das Jahr 2019.

Die Feinde des Waldes sind klein

Der Weg vom Samenkorn zum erntereifen Stamm ist nicht nur lang, sondern für Bäume und Bestand auch gefährlich. Ganz besonders gefährdet sind Fichtenbestände.
Die Fichte ist vom Ursprung her kein Baum, der in Mitteleuropa heimisch war. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland und Europa sehr viel aufgeforstet und die Fichte ist ein schnell wachsender Baum und auch billig. So entanden sehr viele Fichtenwälder – ein heute gesehen fataler Fehler für das Ökosysteme.
Seit Jahren ist in Deutschland und Europa eine Plage an Borkenkäfer zu beobachten und dies nimmt mittlerweile dramatische Auswirkungen an. Weltweit gibt es etwa 6000 Borkenkäferarten wobei laufend noch neue Arten entdeckt und beschrieben werden. In der Paläarktis sind etwa 600, in Europa ungefähr 300 Arten und in Deutschland etwa 110 Arten heimisch.
Wenn man von „dem“ Borkenkäfer spricht, ist fast immer eine bestimmte Art gemeint, der Buchdrucker. Lateinischer Name: Ips typographus.
Der Buchdrucker und der Kupferstecher ( lat.Pityogenes chalcographus) können schon im April stehende Stämme befallen und alles Erreichbare unter der Borke auffressen. Der Rüsselkäfer ( lat. Hylobius abietis) schädigt kleinere Stämmchen und Triebe.
Die Gespinstblattwespe (lat. Pristiphora abietina )und die Nonne (lat. Lymantria monacha ) schädigen durch Kahlfraß der Nadeln. Die Holzwespe (lar. Sirex juvencus) und der Fichtenbockkäfer (lat. Tetropium castaneum) können bei Befall jeden Stamm so entwerten, dass er lediglich noch brennholztauglich ist.

Auch das Reh- und Rotwild schädigen junge Fichten durch Knospenverbiss. Dadurch wird der Fichtenbestand klein gehalten. Durch den Wildschade können Pilzen Eindringen und geben dem Baum somit den Todesstoß.

Pilzbefall an Bäumen ist eine der größten Bedrohungen des Waldes

Die Gefahr durch Pilze

Die größten Feinde des Waldes sind Pilze. Pilze, wie der Hallimasch, schädigen einen Baum durch Wurzelschwamm und Weißfäule. Dabei kann die weitverbreitete und unbeliebte Rotfäule entstehen. Diese  Fäule verfärbt das Holz. Dies führt zu einem Faul- und Morschwerden des Baumes. Einen wirksamen Schutz oder Heilmittel gegen Rotfäule gibt es noch nicht.
Man kann waldbauplanerisch vorbeugen, indem man die typischen Fichtenstandortansprüche bei der Bewirtschaftung des Waldes einbezieht und stattdessen Mischwälder anstatt Monokulturen anlegt.
Ein weiterer Pilz, der gefälltes und gelagertes Nadelholz schädigt, ist der Rostreif. Er ruft einen hohen Qualitätsverlust des Holzes und somit auch finanziellen Schaden hervor. Schutz hiervor bietet: eine luftige und sachgemäße Lagerung sowie der schnelle Abtransport des Holzes aus dem Wald.

Borkenkäfer

Der Fichtenborkenkäfer oder auch Buchdrucker Ips typographus befällt normalerweise geschwächte Bäume und vermehrt sich in ihnen. In Monokulturen besteht die Gefahr eines besonders großen Insektenbefalles, da dort eine große Auswahl an Brut- und Futterbäumen im näheren Umkreis vorhanden ist. Die aktiven Monate des Buchdruckers sind April und Mai. Bei einer starken Massenvermehrung befällt er auch gesunde Bäume und kann sogar ganze Wälder vernichten. Der Käfer bohrt sich in die Rinde und frisst zwischen Rinde und Holz einen senkrechten Gang. Dort legt er zu beiden Seiten seine Eier ab. Die geschlüpften Larven legen weitere breitere horizontale Gänge an. Dadurch zerstören sie die Bastschicht des Baumes und der Käferbaum stirbt ab. Zeichen eines Befalles können braunes Bohrmehl am Stammfuß, Bohrmehl auf Rindenschuppen und braun bzw. rot gefärbte Kronen sein. Die ausgeflogenen Jungkäfer befallen im Juli und August andere Bäume. Dort vermehren sie sich dann weiter und die Zerstörung weiterer Bäume beginnt.

In Niedersachsen sind regelmäßig mit 100.000 bis 200.000 Festmeter Schadholzanfall pro Jahr im Wald durch Wind und Borkenkäfer zu rechnen. Das entspricht einem Anteil von 20- 40% an der gesamten Fichtennutzung.

2019 wurden rund 31,7 Millionen Kubikmeter Wald aufgrund von Insektenschäden eingeschlagen. Zwei Jahre zuvor waren „nur“ 6 Millionen Kubikmeter gewesen.
Zur Bekämpfung des Borkenkäfers gibt es zwar sogenannte Lockstofffallen, die die Aussagen über Anzahl und Verbreitung der Käfer geben, mehr kann man aber dem Borkenkäfer nicht entgegen setzten.
Aus diesem Grund müssen kranke und befallene Bäume so schnell wie möglich aus dem Forst geschafft werden, um den Käfern die Nahrungsgrundlage zu entziehen.
Bei und sofort nach der Ernte werden Kronen und Rindenreste verbrannt, um auch schon geschlüpfte Jungkäfer oder Larven zu vernichten. Wiederrum ist auch hier die schnelle Holzabfuhr aus dem Wald notwendig, um größere Schäden zu vermeiden.
In der Forstwirtschaft wird über die sogenannte Naturschutzgebiete sehr kontrovers diskutiert. Man möchte auf der einen Seite dem Wald seinen Ursprung zurückgeben, indem man in diesem Gebiet kein Holzeinschlag mehr vornimmt, gibt aber mit dem Todholz im Forst Insekten und Pilzen genügend Grundlage um den Wald weiter zu schädigen.
Da der Bund nicht über genügend Finanzielle Mittel und Mitarbeiter_innen verfügt, geht man den einfachsten Weg und schafft ein Naturschutzgebiet – mit fatalen Folgen!

Immissionsschäden am Wald

Die Abgase von Autos, das ablassen von Kerosin aus Flugzeugen – hier ist der Pfälzer Wald sehr stark betroffen und die SO2 Ausstöße von Heizung und Industrie  haben in Verbindung mit Niederschlägen zu schweren Schäden an Nadeln und Wurzeln geführt. Dies war zu Beginn der 80er im Schwarzwald sehr deutlich zu sehen. Auch wenn auf den ersten Blick sich der Wald erholt hat, täucht dies sehr.
Schwefel und Stickstoffe wirken direkt über die Nadeln oder indirekt durch Boden und Wasser über die Wurzeln. Diese zusätzlichen Belastungen können zum Absterben ganzer Bestände führen. Bei der Waldzustandserfassung im Jahr 2000 wiesen 25 % der Fichten in Deutschland mindestens starke Schäden auf.

Fazit
Die Lunte am Pulverfass brennt
Der Wald hat Stress undniemand merkt es.
Die Politik setzt auf Klimaschutzprogramme die nicht mehr als ein Stohfreuer sind. Wer meint, den Wald sich selbst überlassen zu müssen um die Klimaziele von Paris zu erreichen, der irrt gewaltig. Der Mensch muss in die Natur eingreifen – dies aber in einer gesunden Ökologie. Ohne Wälder kann kein lebenswichtiger Sauerstoff entstehen und ohne Forst kann keine Ökologie entstehen.
Die Zeiten von brachialer Abholzung  – siehe Lüneburger Heide, sind längst vorbei. Ein Forstwirt muss die Ökobilanz genau so im Auge haben, wie die Erträge und Kosten für den Wald.

Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 28. Juni 2021

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Über evkefreyavonahlefeldt

Ich bin Evke Freya von Ahlefeldt, meine beiden Vornamen sind so alt wie mein Nachname. Sie gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Oft werden meine Vornamen der nordischen oder niederländischen Sprache zugeordnet. Dem ist nicht so. Es sind alte germanische Namen. Früher wünschte ich mir einen "normale" Namen. Ab der Teenager Zeit fand ich meine Namen richtig cool. Meine Freunde nennen mich Evke oder im französischen Ive. Frankreich ist ein gutes Stichwort. Nach meinem Abi an einem Gymnasium in Hildesheim, wollte ich erstmal die Welt entdecken. Hildesheim zählt nicht gerade zu den Metropolen dieser Welt - auch wenn es zu den ersten größeren Besiedelungen des Germanischen Reichs gehört und auf 5700 v Chr. datiert wird, ist es nicht der Nabel der Welt. Nun reiste ich mit dem Abi in der Tasche in die große weite Welt. Mit einem Pappschild stand ich an der Bundesstraße und lies mich überraschen wohin es mich treiben / fahren wird. Da mein Reiseziel mit "Ich will weg" doch sehr weit ausgelegt werden konnte, fuhr mich der Zufall in Gestalt von einem älteren und sehr charmanten Herrn nach Dänemark zu seiner Tochter. Es ging für mich nach vier Tagen weiter nach Schweden und dann nach Olso. Von Oslo brachte mich mein Pappschild nach Trondheim. Ich erlebte die Weite und eine unglaubliche Schönheit der Natur. Ich war in Norwegen verliebt und wollte dort sogar zum studieren bleiben. Da ich für die Einschreibung an der NTNU, der Norwegian University of Science and Technology, zu spät war, blieben mir noch ein paar wunderschöne Tage in einer grandiosen Stadt. Paris ruft Jede andere hätte bei der Zusage der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne - eine Universität für Rechts- und Politikwissenschaften, Wirtschafts- und Managementwissenschaften sowie Geisteswissenschaften, einen Luftsprung gemacht - ich kaufe mir einen Joint und ein 6er Pack Bier. Da es mit den Vorstellungen meiner Zukunft und dem daraus resultierenden Studium meiner Eltern und derer meinen Vorstellung doch erhebliche Differenz gab und ich keinen Bock auf Stress, Joints und Bier in den nächsten Jahren hatte, flog ich von paradiesischen Trondheim nach Hannover. Hildesheim hat selbst nach 7700 Jahren noch keinen Flugplatz - dafür alte Rosen. Dies nur am Rande. Drei Semester waren mir an der Uni schwer gefallen. Ob es am Gras, Alkohol oder diesem unglaublich trockenen Stoff von Politik- oder Wirtschaftswissenschaften lag, mag ich jetzt nicht zu beurteilen. Irgendwie würde ich das Studium beenden und dann ab nach Norwegen. Nun lebe ich schon seit 19 Jahren in Paris. Ich zeigte damals einen guten (Wider)-Willen und irgendwann hatte meine Eltern ein Einsehen, dass man mir auch mit dem Hammer den Lehrnstoff ins Hirn hätten schlagen können, ich hätte es nicht begriffen - oder gewollt. Ob jene Einsicht an dem doch erheblichen alkoholischen Leergut, dem süßlichen Geruch in meiner Studentenbude oder dem völligen Desinteresse für dieses Studium lag, mag ich nicht zu beurteilen. So studierte ich an der gleichen Uni dann Kunst und Archäologie. Ich schaffe sogar ohne Gras und Alkohol (manchmal) meinen Master Abschluss. An der Uni drückte mir jemand einen Flyer von "Action contre la faim" (Aktion gegen den Hunger) in die Hand und ich wurde auf diese Truppe neugierig. So klopfte ich ein paar Tage später bei denen an die Tür und wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Zwei Wochen später engagierte ich mich ehrenamtliche bei der coolen Gruppe. Nach dem Studium arbeitete ich als Kunstrestauratorin und mir gefiel diese Arbeit. Die Mischung aus Geschichte, Archäologie und Kunst war und ist faszinierend. Neben der Arbeit brachte ich mich bei Action contre la faim immer mehr ein und war auch mit einer Gruppe im Sudan, Kongo und Mali im Einsatz für humanitäre Hilfe. Durch Zufall las ich 2010 eine Stellenanzeige von UNICEF Paris. Noch während des Vorstellungsgespräch kündigte ich telefonisch meinen Job. UNICEF ist eine andere Welt Durch meine Erfahrung bei Action contre la faim konnte ich die neuen Aufgaben verknüpfen und sogar verbinden. Schließlich arbeiten wir alle für das gleiche Ziel. Bei UNICEF lag und liegt mein Einsatzgebiet in so gut wie allen Ländern westlich der Sahara. 2015 wurde mir die Leitung vom UNICEF Büro in Paris übertragen und so konnte und kann ich mit meinen ehemaligen Kollegen von Action contre la faim noch enger zusammenarbeiten. Das Wirtschaftsstudium hatte doch ein paar Vorteile. Wir sind in Paris 15 Mitarbeiter_innen und planen, organisieren alles um Hilfsprojeke von der UN / UNECA ( UN -Wirtschaftskommission für Afrika), für UNICEF, UNHCR oder andere Unterorganisationen. Dies hört sich jetzt alles sehr spektakulär und fantastisch an - ist es nicht! Die Realität ist gefährlich, erschütternd und oft ein Alptraum. Um irgendwie selbst psychisch damit klar zukommen, nehme ich mir die Auszeit um mit meinem Pferd einen oder mehrere Tage im Nirgendwo zu sein. Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 12. Juli 2021

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