Massaker in Myanmar

Die Militärregierung in Myanmar soll Berichten zufolge ein Massaker an Dorfbewohnern verübt haben. Mehr als 30 Menschen sollen getötet und verbrannt worden sein. Zwei Mitarbeiter der Organisation „Save The Children“ werden vermisst.

In Myanmar sind laut Berichten von Menschenrechtsaktivisten die verbrannten Leichen von mindestens 35 Menschen gefunden worden. Unter ihnen sollen auch Kinder sein. Bei den Opfern handele es sich um Zivilisten, die wegen Kämpfen aus ihren Dörfern fliehen wollten, sagte ein Mitglied der Menschenrechtsgruppe Karenni Human Rights Group der Nachrichtenagentur dpa. Sie seien von Soldaten der Militärjunta festgenommen und getötet worden.

Ein weiteres Mitglied der Gruppe sagte unter Berufung auf Einheimische, dass die Junta in der Nähe des Dorfes Mu So in der Gemeinde Hpruso verbrannte Leichen zurückgelassen habe. „Wir fanden einige verbrannte Leichen mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Unsere Leute wurden brutal getötet“, sagte ein Mitglied der lokalen Widerstandsgruppe. „Die Zivilisten wurden hier kollektiv verbrannt.“

Ein Dorfbewohner berichtete der Nachrichtenagentur AP, er habe den Moment der Tötung selbst nicht gesehen, doch zwischen den verbrannten Leichen seien auch Kleidungsstücke von Kindern gefunden worden. Sie hätten keiner Guerillatruppe angehört. Unabhängige Medien in Myanmar berichteten, dass zehn Dorfbewohner aus Mo So, darunter auch Kinder, festgenommen worden seien. Vier Mitglieder einer paramilitärischen Truppe hätten versucht, ihre Freilassung auszuhandeln, seien aber gefesselt und mit Kopfschüssen exekutiert worden.

Mitarbeiter von Hilfsorganisation vermisst

Die Hilfsorganisation „Save the Children“ teilte mit, zwei ihrer Mitarbeiter würden vermisst. „Wir haben die Bestätigung, dass ihr Privatfahrzeug angegriffen und in Brand gesetzt wurde“, erklärte die Organisation. Die beiden Helfer waren demnach auf dem Rückweg von einem humanitären Einsatz in der Region. Die NGO setzte nach eigenen Angaben ihre Arbeit in mehreren Regionen aus.

„Save the Children“ sprach von mindestens 38 Toten bei dem Vorfall. „Das Militär hat Berichten zufolge Menschen aus ihren Autos gezwungen, einige festgenommen, andere getötet und ihre Körper verbrannt“, hieß es. Sie verurteilte den Angriff als Bruch des humanitären Völkerrechts.

Laut der Beobachtungsstelle Myanmar Witness, die nach eigenen Angaben Beweise für Menschenrechtsverletzungen in dem Land sammelt, wurden „35 Menschen, darunter Kinder und Frauen, am 24. Dezember vom Militär verbrannt und getötet“.

Militärregierung bestätigt Zusammenstöße

Ein Sprecher der Junta sagte, dass es am Freitag Zusammenstöße mit Rebellen gegeben habe, nachdem Soldaten versucht hätten, sieben „verdächtige“ Autos anzuhalten. Die Lastwagen seien beschossen, mehrere Menschen getötet worden, sagte der Sprecher, ohne Einzelheiten zu nennen.

Bereits Anfang Dezember soll das myanmarische Militär mehrere Dorfbewohner nach einer Attacke auf einen Militärkonvoi getötet haben. Unter den Opfern vom 7. Dezember sollen ebenfalls Kinder gewesen sein. Am Samstag kam es auch zu neuen Kämpfen im benachbarten Kayin-Staat, wo Tausende Menschen Zuflucht vor Kämpfen gesucht haben. Örtliche Behörden berichteten von Luft- und Artillerieangriffen auf den Ort Lay Kay Kaw, der von Rebellen aus der Volksgruppe der Karen kontrolliert wird.

Das Land versinkt seit einem Putsch im Februar in Chaos und Gewalt. Das Militär hatte die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi entmachtet und regiert seitdem mit brutaler Härte. Es gab landesweit Proteste, bei deren Niederschlagung mehr als 1300 Menschen getötet und mehr als 10.000 festgenommen wurden. In vielen Teilen des südasiatischen Landes haben sich lokale bewaffnete Einheiten gebildet, um Widerstand gegen die Junta zu leisten. Immer wieder gibt es Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen. Informationen von Einheimischen sowie Medienberichte aus Myanmar können aktuell kaum unabhängig überprüft werden.

Quellen
– DPA
– Save the Children  East Asia
Holger Senzel, ARD Studio Singapur

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Humanitäre Hilfe, Naike Juchem, Südostasien und getaggt mit , , , , am von .

Über naikejuchem

„Du entscheidest eines Tages oder Tag Eins.“ Mit diesem Satz hat sich am 29. August 2017 mein Leben gravierend geändert. Ich möchte gerne Einiges erklären, um mich nicht ständig zu wiederholen oder zu rechtfertigen. Ich wurde 1970 äußerlich als Junge geboren, innerlich hat die Biologie aber etwas durcheinander gebracht mit meinen Chromosomen. Heute weiß ich anhand von Blut,- und Gentests, dass es so ist. Es kommt halt nicht so oft vor, aber mich hat es erwischt. Ich habe eine Transidentität. Das ist nichts Schlimmes, es ist keine Krankheit – in welchem Sinne auch immer – das hat es schon immer gegeben. Selbst in der Bibel steht bei Paulus an die Korinther in 5,17 oder Galater 3,28 wie auch Epheser 4,23-24 schon etwas über Transgender. In Deutschland gibt es ungefähr 1 Mio. Menschen, denen es genauso geht wie mir. Die Natur geht manchmal kreative Wege und bringt unterschiedliche Menschen hervor: Männer, Frauen, welche, die homosexuell sind, welche, die beide Geschlechter in sich tragen (Intergeschlechtliche), Linkshänder, Rechtshänder, und eben auch welche, die transidentitär sind. Ich habe mir dies nicht ausgesucht, ich bin auf keinem „Trip“, oder laufe einem neuzeitlichen „Genderwahn“ hinterher. Bei einer Transidentität ist man im falschen Körper geboren worden, d.h. das äußere Geschlecht entspricht nicht dem selbst empfundenen Geschlecht – wobei sich dies nicht ausschließlich auf die Sexualität beschränkt, sondern eher dem sozialen Geschlecht und dessen Wahrnehmung entspricht. Wenn man im falschen Körper steckt und es nicht ändern kann, weil man es nicht weiß oder weil es nicht geht, fühlt man sich nicht nur falsch und unglücklich, es führt auch zu tiefen Depressionen, bei nicht wenigen Transidentitären sogar zum Suizid. Das ganze Leben stimmt einfach nicht.  Deshalb konnte ich die letzten Jahrzehnte auch nicht verstehen und einordnen, was mit mir los war, weshalb ich mich nicht richtig gefühlt habe: Ich wusste es nicht. Und in meiner Umgebung wusste auch keiner, dass ich eine Transidentität habe. Nicht nur die Bibel erwähnt transidentitäre Menschen, auch antike Geschichtsschreiber haben von der Existenz solcher Menschen berichtet. Aber erst mit der christlichen Kirche wurden transidentitäre Menschen mit einem absoluten Tabu belegt. Dies ist auch bis in die 70er/80er Jahre des letzten Jahrhunderts weitgehend gesellschaftlich so geblieben und hat die Betroffenen gezwungen, ihre tatsächliche Identität zu verbergen und die Rolle des geborenen Geschlechts anzunehmen. Nun mögen Viele meinen „Ja und? Dann macht man das eben, ist ja auch einfacher so!“. Ich habe über 40 Jahre eine Rolle gespielt, die ich nie war, und es war irgendwann nicht mehr auszuhalten. Ein Schauspieler kann das, solange die Kamera läuft, aber sobald der Film abgedreht ist, geht der Schauspieler nach Hause und ist wieder er selbst. Im echten Leben kann man nicht die ganze Zeit schauspielern, ohne daran zugrunde zu gehen. Es ist auch ein Betrug, ein Betrug an der Familie, an Freunde, an Kollegen ... und ganz besonders an sich selbst. Ich bin erst einmal den Weg der Rolle gegangen und hatte 1998 geheiratet, wurde nach einigen Jahren auch Vater und dachte, dass nun alles gut würde. Wurde es aber nicht. Im Gegenteil: Die Ehe wurde ab 2007 für mich zur Hölle, die 2012 in einer Scheidung endete und mich an den Rand der Existenz brachte. Da stand ich nun, wie man so sagt, vor den Trümmern meines Lebens. Die Ehe kaputt, das Kind weg, die berufliche Existenz im Eimer, Schulden und Probleme und wenig bis gar keine Unterstützung. Also was blieb mir noch? Mein Leben! Da ich von Natur aus eine Kämpferin bin, packte ich 2014 es endlich an, Antworten auf meine Fragen zu suchen. Ich fing an mich zu informieren, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt. Ich habe in dieser Zeit Fachtagungen und Freizeiten, sogar in Luxemburg im Ministerium eine Debatte für und mit Transgender besucht und stellte plötzlich fest, dass ich nicht alleine bin. Das war eine so unglaubliche Befreiung! Am 29. August 2017 wagte ich ein Outing im kleinen Rahmen, um endlich zu wissen, wie meine Freunde auf mich reagieren würden. Zu meiner großen Überraschung und unglaublicher Freude standen diese Menschen positiv zu mir und unterstützen mich bis heute, wie und wo es nur geht. Am 1. Oktober 2017 gab es dann kein Zurück mehr: es war der Tag, die Wahrheit zu sagen, bei meiner Familie und auch öffentlich. Natürlich hatte ich an diesem Tag unglaubliche Angst. Würde ich ab diesem Zeitpunkt nur noch alleine sein? Würde ich Zweifel, Fragen, Ablehnung, Verlust der Arbeit und noch mehr Probleme erfahren? Tausende Gedanken, Pro und Contra, all dies zerrte an meinem Verstand und meiner Seele. Mit diesem Tag wich ein unglaublicher Druck von mir. Meine Seele kam endlich zur Ruhe – ich hatte zu mir gefunden. Ich bin nun viel, viel ausgeglichener und aus heutiger Sicht betrachtet ist nichts von dem eingetroffen, worüber ich mir so viele Gedanken gemacht und befürchtet hatte.

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