Archiv des Autors: evkefreyavonahlefeldt

Über evkefreyavonahlefeldt

Ich bin Evke Freya von Ahlefeldt, meine beiden Vornamen sind so alt wie mein Nachname. Sie gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Oft werden meine Vornamen der nordischen oder niederländischen Sprache zugeordnet. Dem ist nicht so. Es sind alte germanische Namen. Früher wünschte ich mir einen "normale" Namen. Ab der Teenager Zeit fand ich meine Namen richtig cool. Meine Freunde nennen mich Evke oder im französischen Ive. Frankreich ist ein gutes Stichwort. Nach meinem Abi an einem Gymnasium in Hildesheim, wollte ich erstmal die Welt entdecken. Hildesheim zählt nicht gerade zu den Metropolen dieser Welt - auch wenn es zu den ersten größeren Besiedelungen des Germanischen Reichs gehört und auf 5700 v Chr. datiert wird, ist es nicht der Nabel der Welt. Nun reiste ich mit dem Abi in der Tasche in die große weite Welt. Mit einem Pappschild stand ich an der Bundesstraße und lies mich überraschen wohin es mich treiben / fahren wird. Da mein Reiseziel mit "Ich will weg" doch sehr weit ausgelegt werden konnte, fuhr mich der Zufall in Gestalt von einem älteren und sehr charmanten Herrn nach Dänemark zu seiner Tochter. Es ging für mich nach vier Tagen weiter nach Schweden und dann nach Olso. Von Oslo brachte mich mein Pappschild nach Trondheim. Ich erlebte die Weite und eine unglaubliche Schönheit der Natur. Ich war in Norwegen verliebt und wollte dort sogar zum studieren bleiben. Da ich für die Einschreibung an der NTNU, der Norwegian University of Science and Technology, zu spät war, blieben mir noch ein paar wunderschöne Tage in einer grandiosen Stadt. Paris ruft Jede andere hätte bei der Zusage der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne - eine Universität für Rechts- und Politikwissenschaften, Wirtschafts- und Managementwissenschaften sowie Geisteswissenschaften, einen Luftsprung gemacht - ich kaufe mir einen Joint und ein 6er Pack Bier. Da es mit den Vorstellungen meiner Zukunft und dem daraus resultierenden Studium meiner Eltern und derer meinen Vorstellung doch erhebliche Differenz gab und ich keinen Bock auf Stress, Joints und Bier in den nächsten Jahren hatte, flog ich von paradiesischen Trondheim nach Hannover. Hildesheim hat selbst nach 7700 Jahren noch keinen Flugplatz - dafür alte Rosen. Dies nur am Rande. Drei Semester waren mir an der Uni schwer gefallen. Ob es am Gras, Alkohol oder diesem unglaublich trockenen Stoff von Politik- oder Wirtschaftswissenschaften lag, mag ich jetzt nicht zu beurteilen. Irgendwie würde ich das Studium beenden und dann ab nach Norwegen. Nun lebe ich schon seit 19 Jahren in Paris. Ich zeigte damals einen guten (Wider)-Willen und irgendwann hatte meine Eltern ein Einsehen, dass man mir auch mit dem Hammer den Lehrnstoff ins Hirn hätten schlagen können, ich hätte es nicht begriffen - oder gewollt. Ob jene Einsicht an dem doch erheblichen alkoholischen Leergut, dem süßlichen Geruch in meiner Studentenbude oder dem völligen Desinteresse für dieses Studium lag, mag ich nicht zu beurteilen. So studierte ich an der gleichen Uni dann Kunst und Archäologie. Ich schaffe sogar ohne Gras und Alkohol (manchmal) meinen Master Abschluss. An der Uni drückte mir jemand einen Flyer von "Action contre la faim" (Aktion gegen den Hunger) in die Hand und ich wurde auf diese Truppe neugierig. So klopfte ich ein paar Tage später bei denen an die Tür und wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Zwei Wochen später engagierte ich mich ehrenamtliche bei der coolen Gruppe. Nach dem Studium arbeitete ich als Kunstrestauratorin und mir gefiel diese Arbeit. Die Mischung aus Geschichte, Archäologie und Kunst war und ist faszinierend. Neben der Arbeit brachte ich mich bei Action contre la faim immer mehr ein und war auch mit einer Gruppe im Sudan, Kongo und Mali im Einsatz für humanitäre Hilfe. Durch Zufall las ich 2010 eine Stellenanzeige von UNICEF Paris. Noch während des Vorstellungsgespräch kündigte ich telefonisch meinen Job. UNICEF ist eine andere Welt Durch meine Erfahrung bei Action contre la faim konnte ich die neuen Aufgaben verknüpfen und sogar verbinden. Schließlich arbeiten wir alle für das gleiche Ziel. Bei UNICEF lag und liegt mein Einsatzgebiet in so gut wie allen Ländern westlich der Sahara. 2015 wurde mir die Leitung vom UNICEF Büro in Paris übertragen und so konnte und kann ich mit meinen ehemaligen Kollegen von Action contre la faim noch enger zusammenarbeiten. Das Wirtschaftsstudium hatte doch ein paar Vorteile. Wir sind in Paris 15 Mitarbeiter_innen und planen, organisieren alles um Hilfsprojeke von der UN / UNECA ( UN -Wirtschaftskommission für Afrika), für UNICEF, UNHCR oder andere Unterorganisationen. Dies hört sich jetzt alles sehr spektakulär und fantastisch an - ist es nicht! Die Realität ist gefährlich, erschütternd und oft ein Alptraum. Um irgendwie selbst psychisch damit klar zukommen, nehme ich mir die Auszeit um mit meinem Pferd einen oder mehrere Tage im Nirgendwo zu sein. Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 12. Juli 2021

Montmartre

Die Basilika Sacré-Cœur

Montmartre, zu deutsch Märtyrerhügel, ist der Name eines Hügels im Norden von Paris und eines dort gelegenen früheren Dorfes. Der 1860 durch Eingemeindung der Dörfer Montmartre, La Chapelle und Clignancourt entstandene 18. Pariser Arrondissement trägt ebenfalls diesen Namen.

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Seit nun 20 Jahren lebe ich in Frankreich. Eigentlich wollte ich nur zum studieren an die Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne. Dies ist eine Universität für Rechts- und Politikwissenschaften, Wirtschafts- und Managementwissenschaften sowie Geisteswissenschaften. Mit dem Studium der Wirtschaftswissenschaft tat ich mir sehr schwer und studiere nach drei Semester, an der gleichen Uni Kunst und Archäologie. Mein Ziel nach dem Studium war Norwegen. Es kam etwas anders und so habe ich mich in den letzten Jahren in Paris eingelebt.

Paris ist durchaus eine wunderschöne Stadt und mit den 20 Arrondissements aber auch schon das krasse Gegenteil.
Von einer kleiner Studentenbude im 14. Arrondissement, Observatoire, ging es in eine kleine Wohnung ins multikulturelle 13. Arrondissement, Gobelins. Dort ist eine bauliche Mischung zwischen klassische Gebäude und modernen Hochhäusern. Eine schöne Wohnung in einem der barocken Häuser war schon immer mein Traum. Leider sind die Mieten- bzw Kaufpreise ein Alptraum. So wurde es eine Wohnung in einem modernen Hochbau. Die Aussicht über die grandiose Stadt war im Mietpreis inklusive. Da aber das 13. Arrondissement mitunter auch sehr viel Kriminalität aufzuweisen hat und ich durch einen Stalker sogar Polizeischutz brauchte, zog ich einen Umzug in ein anderes Arrondissement vor. So wurde Montmartre meine Heimat.
Montmartre hat einen Flair, den es sonst wohl sonst kaum in Paris gibt. Auch wenn „La Butte“ im Zentrum von Paris liegt, ist es trotzdem irgendwie ein Dorf geblieben.

Meine Liebe zu diesem Dorf möchte ich euch gerne vorstellen.

Montmartre ist eines der schönsten und interessantesten Viertel Paris. Die kleinen Gassen, die ikonischen Treppen, die Straßencafés, die Künstler und natürliche der Ausblick von der höchsten natürlichen Erhebung von Paris. Das Dorf Montmartre war im 19. Jahrhundert eine künstlerische und literarische Hochburg und beliebtes Ausflugsziel. Heute ist Montmartre eines der meist besuchten Arrondissements von Touristen aus aller Welt.
Ich stelle nun mal ein paar der vielen Bauwerke, Restaurants und Plätze von Montmartre vor.

Basilika Sacré-Cœur

Von der weltberühmten Basilika Sacré-Cœur hat man einen unglaublichen Blick auf die Stadt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Wahrzeichen von Paris ist die Sacre Coeur überraschend jung – sie wurde erst im Jahr 1914 fertiggestellt.

Place du Tertre

Der Place du Tertre ist das Zentrum von Montmartre. Er befindet sich oben auf dem Hügel, wenige Meter von der Basilika Sacre Coeur entfernt. Der Platz ist berühmt für seine Porträtmaler die zwischen, vor oder neben den Restaurants und Cafés ihre kleine Stände haben.

Moulin Rouge

Das Moulin Rouge, die rote Windmühle, ist wohl mit Abstand das bekannteste Varieté der Welt. Die Filmversion von Moulin Rouge mit Nicole Kidman und Ewan McGregor gewannen sogar zwei Oscars. Ein Abend im Moulin Rouge fängt bei 70 € Eintritt an. Wer einmal dort war, ist von den Darbietung in den Bann gezogen und wird definitiv wieder kommen.

Le cimetière de Montmartre

Le cimetière de Montmartre – der Friedhof von Montmartre

Auch Friedhöfe sind in Paris Anziehungspunkte für Touristen oder Menschen die einfach mal abschalten möchten. Neben dem berühmten Friedhof Père Lachaise ist der Friedhof von Montmartre einen Besuch wert. Immerhin ist es der drittgrößte Friedhof von Paris und die letzte Ruhestätte von Heinrich Heine.

Le Mur des Je t’aime

Ganz in der Nähe der Basilika Sacré-Cœur befindet sich die: Le Mur des Je t’aime (zu deutsch die: Ich-liebe-Dich-Mauer)
Die Mauer ist ein Werk der beiden Künstler Frédéric Baron und Claire Kito und hat ein Fläche von 40 Quadratmetern. Auf diesen Kacheln steht 311 mal „Ich liebe dich“ in 250 Sprachen und Dialekten. So findet man auch den Berliner Dialekt mit einem schönen: Ick liebe dir.

La Maison Rose

Das kleine rosafarbene Häuschen mit den grünen Fensterläden, ist nur ein paar Schritte vom Montmartre Museum entfernt und gehört zu den meist fotografiertesten Gebäude in Montmartre. Dass La Maison Rose ist ein kleines gemütliches Restaurant.

Commanderie du Clos Montmartre,

Ein Weinberg in mitten von Paris, liegt in Montmartre. Der aus dem Künstlermilieu entstandene Gedanke über einen eigenen Wein wurde in Montmartre realisiert. Man muss schon ein Freud von diesem säuerlichen Wein sein, um einen solchen Wein zu lieben.

Nun noch etwas über die Entstehung von Montmartre.

Gallo-römische Epoche

In der gallo-römischen Epoche wurde Montmartre gegründet, und es erhoben sich auf dem Hügel zwei Tempel, die den Göttern Mars und Merkur geweiht waren. Dank seiner großen Vorkommen an Gips entwickelte sich der Montmartre zu einem der reichsten Gebiete im Umkreis von Paris. Daher fand man dort zu dieser Zeit viele Villen und Tempel. Die Steinbrüche, in denen der Gips abgebaut wurde, dienten später auch als Zufluchtsorte für die ersten Christen.

Um das Jahr 272 herum wurden der Bischof Dionysius, der Priester Rustikus und der Erzdiakon Eleutherius hier enthauptet. Deshalb war Montmartre im Mittelalter ein wichtiges, dem heiligen Denis geweihtes Wallfahrtszentrum. Der Legende nach nahm Saint Denis nach seiner Enthauptung seinen Kopf, wusch ihn in einer Quelle und marschierte ungefähr 6 Kilometer bis zum heutigen Ort Saint-Denis.

Mittelalter

Im 12. Jahrhundert errichtete der Orden der Benediktiner in Montmartre ein Kloster. Die ehemalige Abtei- und heutige Pfarrkirche Saint-Pierre de Montmartre ist eine der ältesten Sakralbauten von Paris und steht neben dem Place du Tertre. Sie wurde auf Geheiß Ludwig VI. auf dem Gelände eines ehemaligen Mars-Tempels (5. Jahrhundert) errichtet und am Ostermontag 1147 von Papst Eugen III. geweiht.

Evke Freya von Ahlefeldt, Montmartre, 28. April 2022

Die Obdachlosen von Paris

Obdachlose Menschen in Paris

Die Obdachlosen von Paris

Am 31. Januar 2022 wurden bei der „Nuit de la solidarité“ 3552 obdachlose Menschen auf den Straßen von Paris gezählt.

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Bei der jährlich stattfindenden „Nuit de la solidarité“ in Paris zwischen Januar und Februar, sind Ehrenamtliche für eine Nacht im Großraum Paris unterwegs, um obdachlose Personen zu zählen und so weit wie möglich die Obdachlosen zu ihrer Lebenssituation zu befragen. Organisiert wird dies von APUR (Atelier Parisien d’Urbanisme), einem Pariser Verein für Urbanistik, der1967 gegründet wurde. Der  Verein hat mittlerweile 29 Partnerorganisationen. Von APUR werden zukunftsorientierter und maßstabsübergreifender Studien erstellt, welche auch mit Behörden, Institutionen und Organisationen abgesprochen werden.
Durch die Dokumentationen und Analysen  von APUR konnten bereits viele
städtebauliche und gesellschaftliche Projekte in den 20 Arrondissement und  Großraum Paris entwickelt werden.

Nuit de la solidarité

Die „Nuit de la solidarité“ wurde 2018 ins Leben gerufen und erstellt die wichtigsten Referenzen über die Obdachlosigkeit in der französischen Hauptstadt. Neben der Zählung wird auch die Bedürfnisse und Hintergründe der Betroffenen dokumentiert, sowie deren Unterkünfte geografisch festzulegen. 
Nach der neuesten Zählung von APUR hat die „Nuit de la solidarité“ eine Zahl von 3641 Obdachlosen ergeben. Dabei wurden nicht nur Personen gezählt die auf der Straße übernachten, sondern auch Orte wie Bahnstationen und Parks einbezogen.
Zu den drei Parks gehörten: der Bois de Boulogne im Westen, der Bois de Vincennes im Osten und die „Colline“ im Norden von Paris.

Die Zahlen sind leider nicht definitiv, da die Zählung nur an einem Tag stattfindet. Die Ergebnisse können deshalb variieren und entsprechen nicht der absoluten Zahl obdachloser Menschen in Paris. Vor allem aber konnte nur an zugänglichen Orten gezählt werden. Gebiete der Petite Ceinture, kleinere Parkanlagen, Parkhäuser, Ruinen von Industrieanlagen oder leerstehenden Häuser sind somit nicht inbegriffen. Ebenfalls fallen aus den Zahlen heraus, alle Personen welche „Couchsurfen“ und durch solidarische Netzwerke, wie zum Beispiel kirchliche Obdachlosenheime, beherbergt werden.

Außerdem ist zu beachten, dass von den 3641 Gezählten nur etwa 1200 den Fragen der Helfer vollständige oder teilweise beantworten wollte oder konnten.

Der Obdachlosigkeit auf den Grund gehen

Die Studie stellt in erster Linie Geschlecht, Altersspannen und ob die Person einzeln oder in einer Gruppe angetroffen wurde.
Auch werden Punkte wie hin Schwangerschaft, Familienstand, Kindern und tierische Begleiter dokumentiert.
Bei den Befragten wurden auch die Hintergründe der Obdachlosigkeit dokumentiert, um die Lebenssituation der Menschen zu verstehen.
Gründe für die Obdachlosigkeit sei für die Befragten die Ankunft in der Hauptstadt ohne entsprechende Unterkunft. Auch Schicksalsschläge, wie zum Beispiel Trennungen und Räumungen.der Wohnungen bzw. Häuser.

Von den Befragten Obdachlosen waren
14% Frauen, wobei diese am stärksten in den Altersklassen unter 25 Jahren sowie über 55 Jahre vertreten sind. Sie sind es auch, welche in Gruppen übernachten, sowie öfters Schlafplätze wechseln und für welche es am gefährlichsten auf der Straße ist.

Insgesamt sind dabei 36 % der erfassten Personen seit weniger als einem Jahr obdachlos. Mit einem Anteil von 10 % an der Gesamtanzahl gehören Jugendliche >25 Jahren zu einer besonders schutzbedürftigen Personengruppe. Es sind zugleich diejenigen die die Leistungen der Sozialdienste (Notunterkünfte, Sozialleistungen, Begleitung oder Betreuung durch Sozialarbeiter) am wenigsten kennen, sowie ohne eine Unterkunft in Paris ankamen.

Nach der Auswertung der Fragebögen und Dokumentation ist eine temporäre Obdachlosigkeit im 18. Arrondissement mit den meisten Jugendliche zuverzeichnen. Sie gehören auch zu denjenigen, die tendenziell keine Gewohnheits-Schlafplätze haben. Im Gegensatz zu denen, welche seit Längerem auf der Straße leben.

Eine starke Konzentrierung im Nordosten

Außer von dem 15. Arrondissement
im Südwesten, fällt beim Blick auf die geografischen Verteilung der Obdachlosen Konzentrierung der Obdachlosigkeit auf den Nordosten auf. Am stärksten betroffen ist der 18. Arrondissement mit 507 Personen welche auf der Straße angetroffen worden sind, davon 105 Bewohner auf der „Colline, einem berüchtigten Hügel am Autobahnverteiler und bekanntes humanitäres Problem. Das Zeltdorf an der Porte de la Chapelle, wo Flüchtlinge und Crack-Abhängige konzentriert auf den Braunstreifen neben der Schnellstraße in Zelten hausen, wird regelmäßig geräumt. Zwecks fehlender Maßnahmen in Form einer Unterkunft und Perspektiven siedeln sich jedoch immer wieder neue Personen an. Die Auflösung des Camps der Crack-Süchtigen Obdachlosen im Herbst 2019 hatte zur Folge, dass es eine weitere Verteilung auf einem größeren Bereich gegeben hat.
So sind viele Obdachlose in den Norden wie den Canal de l’Ourcq oder den Jardin d’Éole, im 19.Arrondissement abgewandert, was zu Spannungen mit den dort lebenden „sesshaften“ Obdachlosen zu extreme Spannungen und Gewalt geführt hatte.

2017 / 2018 existierte außerdem ein riesiges Zeltlager, welches vom Kanal am Quai Valmy bis in die Vororte von Saint Denis reichte, sowie ein Sinti und Roma Camp auf der Petite Ceinture zwischen der Porte Clignancourt und Porte de la Chapelle. Diese beiden räumlichen Besetzungen wurden zwischenzeitlich geräumt und führte möglicherweise zu einer Umverteilung auf den Pariser Norden sowie die angrenzenden Vororte wie Bobigny, Pantin und La Courneuve.

Obdachlose am Quai Valmy

Die Verteilung der Obdachlosen

Im Süden an den 18. (Montmartre) Arrondissement angrenzend befinden sich das 9. (Opéra) und 10. (Entrepôt) Arrondissement mit einer Zählung von 110 sowie 359 Personen. Im 19. (Buttes-Chaumont) Arrondissement sind es 466 Personen. Im 11.(Popincourt) Arrondissement 176, im 20. (Ménilmontant) Arrondissement 156 und endet mit dem 12. (Reuilly) Arrondissement, wo 369 Personen auf der Straße leben. Letzteres weist dabei 167 zusätzliche Obdachlose auf, die im Wald von Vincennes ihre Unterkünfte aufgeschlagen haben. Die Konzentration eines großen Teils der Obdachlosigkeit korreliert dabei mit den sogenannten populären Vierteln, welche eine hohe kulturelle Diversität aufweisen, aber auch einen hohen Teil an Sozialwohnungen und Armut. Im Vergleich zum Vorjahr ist eine Abwanderung aus den 9. und 10. Arrondissement in den Norden zu beobachten.

So nahmen in diesen Vierteln die gezählten Obdachlosen ab, während im 18. und 19. (Buttes-Chaumont) Arrondissement ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen ist. In diesem Bereich wurden vermehrt Jugendliche Gruppen gezählt, welche in den beiden Gebieten am stärksten repräsentiert sind. 
Über das Zentrum zum Südwesten nimmt die Masse obdachloser Menschen ab und weist ein gemischtes Personenprofil auf. 
Das 16. (Passy) Arrondissement, welches als ein sehr bourgeoiser Bezirk gilt und an den ebenfalls reichen Vorort Boulogne angrenzt. So wurden einige Obdachlose in dem Wald von Boulogne gezählt, wobei diese verglichen zur „Colline“ oder dem Wald von Vincennes jedoch bei weitem geringer ist. Letzterer befindet sich im Osten und grenzt an das 13. (Gobelins) Arrondissement an, welches ebenfalls eine kleinere Zahl an Obdachlosen aufweist.

Die Nord-Süd Achse zum Westen und dem Gürtel im Zentrum vom 2.(Bourse, seit 2020 hat dieses Arrondissement keine eigene Verwaltung mehr, sondern bildet zusammen mit dem 1., 3. und 4. Arrondissement den Sektor Paris Centre.) und dem 8. (Élysée) Arrondissement fallen dabei durch eine geringe Obdachlosenzahl auf. Diese sind auch die sogenannte „Beaux Quartiers“ – die Nobel Arrondissements von Paris.

Evke Freya von Ahlefeldt, Mitglied bei Samusocial de Paris, Paris, 28. April 2022

Why

Refugees in March 2022 from Ukraine

Why?

All people have the same blood
All human beings have a homeland
All human beings have a right to peace
All people have a right to security

Why?
Why do people shoot at each other?
Why are people being deprived of their homes?
Why are people being deprived of peace?
Why are people being deprived of security?
Why?

Why?
Why do a few people bring so much suffering?
Why do a few people want war?
Why do a few people destroy the dreams of others?
Why do some people have to hate?
Why?

Evke Freya von Ahlefeldt, Tomaszów Lubelski, on 2 March 2020 at the Polish-Ukrainian Border

Die Restaurierung von Kunst

Ich möchte mit dem Artikel einen kleinen Einblick in die Restaurierung von Kunst und deren Alterungsschäden und Schwundrissen an Gemälden berichten.

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Man bewundert Kunst in Kirchen, Museen oder Galerien. Man taucht ein in den Moment auf dem Gemälde und sieht oft minimale Perfektion eines Kunstwerks.
Was man aber nicht sieht oder weiß, ist welche Arbeit hinter einem solchen Kunstgut steht.
Man denkt bei Kunststudenten und Studentinnen sehr oft an Hippies oder zartbesaitete Mädchen. Dem ist mal nicht so, denn für ein Studium zum Bachelor of Arts (B.A.) in der Restaurierung und Konservierung zu erwerben, ist eine geforderte Basisqualifikation für das Berufsfeld der Restauratorin bzw. des Restaurator, zwingend notwendig.
Kunstrestauratorinnen und Restauratoren sind wahre Spezialistinnen und Spezialisten, die sowohl handwerkliches Geschick als auch künstlerisches Einfühlungsvermögen besitzen, sowie über fundiertes theoretisches Wissen, ethische Vorgehensweisen, einen methodisch geschulten analytischen Verstand und eine gehörige Portion technisches Know-how verfügen.

Eine Reise in die Vergangenheit

Kunst oder auch die Restaurierung ist ein unglaublich großes Feld und sowohl das schaffen von Kunst, als auch der Erhalt von Kunstgut ist hochinteressant.
Die Kunstrestauration ist eine unglaublich spannende Reise in die Vergangenheit.  Man hat zum Beispiel ein Bild von einem Bekannten oder Unbekannten Künstler vor sich und sollte jenes Gemälde für die Nachwelt sichern. Man sieht unter einem Mikroskop Pinselstriche und Farbverläufe von Werken, die selbst der Künstler oftmals gar nicht kennt. Die Reise in die Vergangenheit beginnt im Kopf. Was hat den Künstler oder Künstlerin dazu bewogen dieses Bild genau so zu malen? Wie war sein Umfeld in jenem Jahr der Erschaffung? Woher hat sie oder er diese Pigmentfarbe? Man sieht sich plötzlich selbst in jener Zeit und begibt sich bei der Recherche auf eine Zeitreise in eine andere Epoche.

Wolfgang Heimbach: Selbstbildnis als Detail eines Bildes für Friedrich III. von Dänemark (1666)

Wie mit allen Dingen im Leben, nagt auch an großartigen Gemälden und Kunstgut der Zahn der Zeit.

Wo wäre die Wissenschaft, Philosophie oder Forschung heute, wenn über Tausend Jahre alte Schriften, Bauwerke oder Gemälde nicht mehr existieren würden? Der Mensch hat sich das aufzeichnen von Gedanken in Schriften und Bilder angeeignet und auf dieses Wissen von vor sehr langer Zeit, baut unsere Zivilisation auf.
Vieles an Kunst und Philosophie wurde und wird durch Kriege, Hass oder falsche Ideologien unwiederbringlich zerstört oder für viel Geld wieder aufgebau, hergestellt oder restauriert.

Wolfgang Heimbach (1613 ca. 1678)
Junger Mann mit Kerze
Öl auf Leinwand, 59 x 48 cm.

Schwundrisse an Gemälden

In den Jahren von 1750 bis 1850 ist in Europa ein Bruch mit einer langen maltechnischen Tradition zu erkennen, welcher dazu geführt hat, dass die Gemälde des 19. Jahrhunderts nicht nur eine Vielfalt an Maltechniken und -materialien zeigen, sondern auch ungewöhnliche Alterungsschäden: wie Frühschwundrisse, Farbschrumpfungen und -abplatzung, Borkenbildungen oder Nachdunkelungen bis hin zur Unlesbarkeit von Schriften, aufweisen.

Aufgrund von Schadensmuster an Gemälden, die ebenso von der englischen Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts bekannt sind, erfolgte eine Auseinandersetzung mit der maltechnischen Entwicklung dieser Zeit in den Restaurierungs- und auch
Kunstwissenschaften vor allem aus dem Blickwinkel der Schadensphänomene als Verfall, Verlust, Niedergang oder Überlieferungsschwund maltechnischer Kenntnisse jener Zeit.
Obwohl hierbei im Allgemeinen davon ausgegangen wird, dass die Mehrzahl der Technikdiskussionen und -experimente sowie ihre beklagenswerten Produkte in die zweite Hälfte des19. Jahrhunderts fallen, zeichnet sich der Beginn dieses Umwandlungsprozesses bereits um
1800 ab.

Frühschwundrisse auf Gemälde

Spätere restaurierungswissenschaftliche Forschungsaktivitäten zur Maltechnik des 19.Jahrhunderts zielten zumeist auf die Erklärung der Schadensphänomene, die ursächlich vor allem mit den verwendeten Malmaterialien und erst in zweiter Linie mit ihrer maltechnischen Verarbeitung in Verbindung gebracht werden. Durch die umfangreichen, empirisch orientierten Projekte des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft und von Leslie Carlyle konnte über die Auswertung maltechnischer Schriftquellen ein profunder Überblick über die beschriebenen Materialien und auch Maltechniken in den Schriften des 19. Jahrhunderts gewonnen werden, welcher zunächst vor allem der Naturwissenschaft in der Restaurierung und oder Konservierung eine verbesserte Grundlage für die chemische Analyse liefern sollte und konnte.

Diese Untersuchung von Schriftquellen erhielt durch die Erschließung von Firmenarchiven, Auswertung von Katalogen englischer und französischer Farbenhändler sowie durch naturwissenschaftliche Materialanalysen überbrachter Rohstoffe, Farbkästen oder Paletten eine Ergänzung hinsichtlich der Erkenntnisse zum tatsächlichen Handel und Gebrauch von Malmaterialien.
Studien zu spezifischen Rohstoffen, Bindemittel- und Firnissystemen, denen bereits von den historischen Künstlern ein besonderes Schadenspotenzial zugesprochen wurde.
Mittels der Auswertung von Rekonstruktionsversuchen von historischen Rezepten und der künstlichen Alterung von Probetafeln, teilweise im
Verbund mit der chemischen Analytik, versucht man bis heute, die Schadensphänomene zu erklären.

Darüber hinaus sind restauratorische und naturwissenschaftliche Einzeluntersuchungen zur Maltechnik vor allem englischer und französischer Künstler zu nennen; zur deutschen Malerei zwischen 1750 – 1850 liegen nur vereinzelt Untersuchungen vor.

Den Ergebnissen dieser zahlreichen, überwiegend quellenschriftlich oder naturwissenschaftlich orientierten Studien kann leider nicht im Detail nachgegangen werden. Insgesamt zeigen die Untersuchungen, dass vielfältige und darunter auch neuartige Materialien und
Techniken im Gebrauch waren. Sie belegen, dass keine einfachen Verknüpfungen zwischen der Terminologie eines Materials und seiner chemischen Zusammensetzung oder somit auch zwischen den kunsttechnischen Schriftquellen und den faktisch eingesetzten Techniken möglich sind, da die Variabilität der Materialien in Abhängigkeit von Region, Zeit und den beteiligten Akteuren zu groß ist.

Als Erklärungen für das Verlust-Phänomen wird auf den Einsatz spezifischer Materialien wie beispielsweise Asphalt als Farbmittel, der Malbutter als Bindemittel für Lasuren, diverser Metallsalze als Sikkative für Malöle durch die Künstler ebenso wie auf die stillschweigende Verfälschung
oder den Ersatz spezifischer Materialien mit Surrogaten durch die Farbenhändler hingewiesen.

Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 6. Februar 2022


Quellen:
– Annik Pietsch: Material, Technik, Ästhetik und Wissenschaft der Farbe 1750-1850
(ISBN 9783422072602)

Schwarz als Farbe der Radikalität

Ist Schwarz die Farbe der Radikalität schlechthin? Wenn man die Bericht von Demonstrationen oder Randalen in den Medien sieht, fallen schwarz gekleidete Hooligans immer auf.

Autoren Evke Freya von Ahlefeldt und Naike Juchem

Die schwarze Flagge der Piraten soll erstmals im Jahr 1700 vor der Küste von Santiago de Cuba am Mast eines von einem Franzosen geführten Bootes aufgetaucht sein. Die schwarzen Flagge sollte die angegriffenen Schiffe auffordern, sich kampflos zu ergeben, andernfalls wurde die rote Flagge gehisst, die „kein Pardon“ bedeutete.
Um den Tatendrang der schwarze Flagge zu bekräftigen, um noch mehr Angst zu verbreiten, wurden Symbole wie zum Beispiel: ein Schädel mit gekreuzte Knochen oder Säbel benutzt. Zeitweise wurden auch Flaggen mit einem Skelett und einer Sanduhr darstellen, was auf die kurze Zeit des Lebens anspielen sollte.

Die Kraft der Farben

Es ist psychologisch bewiesen, dass Farben eine besondere Gemütsstimmungen geben – dies wusste schon Goethe. Farben lösen Stimmungen und Emotionen aus. Kalte Farben wie beispielsweise Blau wirken beruhigend, warme Farben wie Rot, Gelb oder Orange anregend. Das paradoxe Schwarz hingegen ist sowohl Zeichen der Trauer als auch der Revolte oder des krassen Gegenteils, der etablierten Ordnung. Schwarz ist die Farbe der Soutane des Pfarrers, der Robe des Anwalts und der Richter. In der Mode steht das Kleid (das kleine Schwarze) für Eleganz und Chic. Macht wird in der Politik u.a. mit schwarzen Limousinen zum Ausdruck gebracht.

Bis heute ist mit dem Deutschen Bauernkrieg, der zwischen 1524 und 1526 Teile des Reiches in Aufruhr versetzte, der Name Florian Geyer und seines Schwarzen Haufens verbunden. Der Reichsritter aus dem fränkischen Adelsgeschlecht Geyer von Giebelstadt rüstete zu Beginn der Unruhen 100 bis 200 Mann auf eigenen Kosten aus. Ihre schwarze Kleidung gab seinem Heerhaufen fortan den Namen. Mit der Zeit stießen weitere Trupps zu Geyer und seinen Männern und so schwoll ihre Zahl auf bis zu 10.000 Aufständischen an.

Die schwarze Fahne der Revolution

Der Rückgriff auf schwarze Fahnen geht in Deutschland bis ins Mittelalter zurück.
Mit schwarzen Fahnen hatte man nach dem Ersten Weltkrieg schon gegen den Versailler Vertrag und die Ruhrbesetzung protestiert. Aber stärker noch wirkt der Mythos der „Fahne von 1525“. Die Vorstellung einer schwarzen Fahne des Großen Bauernkriegs ist zwar historisch falsch, aber im kollektiven Bildgedächtnis der Deutschen offensichtlich noch tief verankert.

Seit im Mai 1832 zum ersten Mal die schwarz-rot-goldene Fahne auf dem Kastanienberg bei Neustadt an der Weinstraße wehte, gilt das Hambacher Schloss als Wiege der deutschen Demokratie. 
Doch erst einmal muss man17 Jahre zurück in die Zeit nach den Befreiungskriegen in Europa blicken.
Als im Juni 1815 elf Studenten die Jenaer Urburschenschaft gründeten, um mit ihrem Ziel, die „Freiheit und Selbständigkeit des Vaterlandes“ zu erkämpfen, wählten sie für ihre Fahne die Farben wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold. Diese Farben wurden zum Symbol für den Wunsch nach einem freien und geeinten Deutschland.

In Frankreich hingegen symbolisierte die schwarze Fahne, die Trauer und Revolte gleichzeitig. Als sich am 18. März 1871 die Nationalgarde und die Arbeiterschaft von Paris gegen die antinationale und antisoziale Haltung der bürgerlichen Regierung Frankreichs beim Friedensschluss mit Deutschland nach dem Deutsch-Französischen Krieg, erhob, wehten schwarze Flaggen.
Elf Jahre später, im Jahre 1882, nannte die französische anarchistische Bewegung ihre Zeitung „Le Drapeau Noir“ (Die schwarze Fahne), während die feministische Schriftstellerin und libertäre Aktivistin Louise Michel mit einem schwarzen Unterrock an einem Besenstiel marschierte, als Zeichen der „Trauer um unsere Toten und unsere Illusionen“

Das schwarze Banner gelangte 1910 nach Mexiko, wo der Revolutionär Emiliano Zapata es sich in Verbindung mit dem Slogan „Land und Freiheit“ zu eigen machte.
In der Ukraine machte sich der Anarchist Nestor Machno zwischen 1918 und 1921 einen Namen, als er unter der schwarzen Fahne eine 50.000 Mann starke Aufstandsarmee aufstellte, die bereit war, sich sowohl mit den Weißrussen als auch mit der Roten Armee der Sowjets anzulegen. Die ukrainischen Truppen wurden jedoch zerschlagen und Nestor Machno flüchtete nach Frankreich ins Exil.

Das Grab von Nestor Machno kann auf dem Pariser Cimetière du Père-Lachaise besichtigt werden.

In Mussolinis Italien tauchten 1919 die „Schwarzhemden“ auf, die das genaue Gegenteil des Anarchismus auf dem politischen Schachbrett waren. Die Milizionäre der „Fasci Italiani di Combattimento“, ein Begriff aus dem antiken Rom, gaben dem Faschismus ihren Namen. Die paramilitärische Organisation vertrat die Meinung und Glaube an einen „neuen Menschen“ und Autoritarismus, der den liberalen Werten der Aufklärung entgegengesetzt war.
Mussolinis faschistische Ideologie war der Grundgedanke des Nationalsozialismus in Deutschland, der die Farbe Braun bevorzugte.

Schwarz in der Religion

Die Farbe Schwarz ist ein Symbol der Revolte gegen das Kastensystem in Indien und wurde in den 1940er Jahren von der Bewegung für Selbstachtung geprägt.

In Anlehnung an die Kaaba in Mekka, dem heiligsten Ort des Islam, ist Schwarz in der Hälfte der 22 Flaggen der Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga zu finden. Das mit Kiswa, einem schwarzen Seidenstoff, verhüllte vorislamische Gebäude wurde von seinen Götzenbildern befreit, als Mohammed Mekka im Jahr 630 eroberte, hatte eine schwarzen Banner – die Raya, auch „Adlerfahne“ genannt, auf dem Schlachtfeld. Seitdem symbolisiert  Schwarz das Fehlen von Anbetungsfiguren und Gottesdarstellungen in der islamischen Religion.

Die Farbe Schwarz wird im Islam in den letzten beiden Jahrzehnten von Radikalen, Extremisten und anderen Fundamentalisten aufgegriffen und ist eine der Farben der Kaftane und Turbane der Ayatollahs im Iran und die Farbe der Flagge des Islamischen Staat (IS) im Irak, in Syrien, im Jemen und in Somalia.

Die schwarze Flagge geht im Islam bis ins 8. Jahrhundert in das Abbasiden-Kalifat zurück, als sie vom Revolutionsführer der Abbasiden verwendet wurde, der einen Aufstand gegen den Clan und das Kalifat der Umayyaden anführte. Seitdem steht die schwarzen Flagge für religiöse Revolution und Dschihad. Wodurch die Islamisten dies zum Nachteil der Mehrheit der Muslime missbraucht, indem der Anfang der Schahada (Glaubensbekenntnisses der Muslime), in weißer Schrift auf schwarzem Grund geschrieben wurde.

Mai-Demonstrationen in Paris, 1968

Das Schwarz der Neuzeit

Die schwarze Fahne der Anarchisten von 1871 tauchte im Mai 1968 auf dem Boulevard Saint-Michel in Paris wieder auf.
Die Unruhen, die nach Studentenprotesten zunächst durch die Räumung einer Fakultät der Pariser Universität Sorbonne 
ausgelöst wurden, führten zu einem wochenlangen Generalstreik, der das ganze Land lahmlegte. Langfristig zog diese Revolte kulturelle, politische und ökonomische Reformen in Frankreich nach sich.

Schwarz wird zu einem der Erkennungszeichen von Rockern aller Art, von den Chaussettes Noires (Frankreich, 1960) über Hard Rock und Post-Punk bis hin zu den Black Keys (USA, 2001), wie auch bei den Anhängern des Gothic-Looks, der aus der Punk- und New-Wave-Bewegung zu Beginn der 80er Jahre entstand.
Der Autor Hervé Fischer erklärt in seinem Buch „Les couleurs en Occident, de la préhistoire au XXIe siècle“, dass dies eine soziologische Entwicklung sei und von einer langen christlichen Tradition abgelehnte Schwarz wird nicht mehr als Farblosigkeit des puritanischen Bourgeois betrachtet, sondern als Farbe.

Das Schwarz der „Schwarzen“

Schwarz ist schließlich auch das unumgängliche Symbol der Kampfbewegungen von Afrikanern und Afro-Deszendenten, wo immer sie segregiert wurden und werden.
Die schwarze Linie auf der bunten Flagge Südafrikas steht so für die afrikanische Mehrheitsgemeinschaft, die vom ehemaligen rassistischen Apartheidregime als „schwarze“ bezeichnet wurde.

Die Black Panther Party for Self-Defense, eine afroamerikanische revolutionäre Partei, die sich 1966 in Oakland, Kalifornien, von Huey P. Newton und Bobby Seale, gründete, hatten eine schwarze Flagge mit einer springende Raubkatze mit ausgefahrenen Krallen.
Der ursprüngliche Zweck der Partei bestand darin, Patrouillen in afroamerikanischen Vierteln durchzuführen, um die Bewohner vor der willkürlichen Polizeigewalt zu schützen. Die Panthers entwickelten sich schließlich zu einer marxistischen revolutionären Gruppe, die die Bewaffnung aller Afroamerikaner, die Befreiung der Afroamerikaner von der Wehrpflicht und von allen Sanktionen des so genannten „weißen“ Amerikas, die Entlassung aller Afroamerikaner aus den Gefängnissen und die Zahlung von Entschädigungen an Afroamerikaner für die jahrhundertelange Ausbeutung durch „weiße“ Amerikaner forderte. Auf ihrem Höhepunkt in den späten 1960er Jahren hatten die Panther mehr als 2.000 Mitglieder, und die Organisation unterhielt Ortsgruppen in mehreren amerikanischen Großstädten

In Südafrika ist eine entschlossen geballte schwarze Faust ein weit verbreitetes Zeichen für den Kampfes und der Mobilisierung für das Black Consciousness Movement, welches von Steve Biko im Jahr 1968 gegründet wurde. Die schwarze Faust taucht in Brasilien wieder auf, wo sie von der „Schwarzen“ Bewegung hochgehalten wird.

Die Black Lives Matter Bewegung wurde 2013 von den drei afroamerikanischen Frauen: Alicia Garza, Opal Tometi und 
Patrisse Cullors gegründet, nachdem es für George Zimmerman einen Freispruch gab, der am 26. Februar 2012 in Sanford
im US-Bundesstaat Florida, den 17-jährigen afroamerikanischen Highschool-Schüler Trayvon Martin erschoss.


Die Südafrikanische Black Consciousness Movement hat das Kunststück vollbracht, die Bedeutung des Wortes „schwarz“ in Südafrika zu verändern, indem sie es von seiner rassischen Bedeutung befreit und in eine befreiende politische Entscheidung umgewandelt hat. So können sich viele Mischlinge oder Südafrikaner indischer Abstammung, die nicht in die alte Apartheid-Rassengruppe „schwarz“ fallen, sehr wohl als „schwarz“ bezeichnen, ohne dass jemand etwas dagegen einzuwenden hätte.
„Schwarz“ zu sein ist ein Manifest und eine Haltung des Freiheitskampfes und erst recht keine Frage der Hautfarbe.


Evke Freya von Ahlefeldt und Naike Juchem, 25. Januar 2022

Quellen

Auszug aus dem Begleitbuch zur Ausstellung im Hambacher Schloss; 
Hinauf, hinauf zum Schloss!, ISBN: 978-3-00-026772-7, 2008)

Abdelasiem El Difraoui: „Al-Qaida par l’image.“

Britannica History: Black Panther Party

http://www.jungefreiheit.de

http://www.rft.fr/Culture/ Le noir, étendard de la radicalité

https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://artsandculture.google.com/exhibit/steve-biko-das-black-consciousness-movement-steve-biko-foundation/AQp2i2l5%3Fhl%3Dde&ved=2ahUKEwiRm9CTys31AhWEg_0HHe5nANgQFnoECCQQAQ&usg=AOvVaw066PVjuiXsME-EpAvlV-WE

Fotos by: AFP, dpa, Reuters, Google

50 Jahre Klimaschutz und kaum einen Schritt weiter

50 Jahre Klimaschutz und kaum einen Schritt weiter

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Die erste wissenschaftliche Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt fand bereits im Juni 1972 in Stockholm statt. Auf dieser Konferenz wurde eine Grundsatzerklärung verabschiedet und ein Aktionsplan mit Empfehlungen für die Erhaltung und Verbesserung der Umwelt angenommen – führte zur Gründung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP).

Seitdem stehen Umweltfragen und die Klimaentwicklung ganz oben auf der globalen Agenda, doch die Zusagen zum Schutz der Umwelt und zur Reduzierung der Emissionen werden nicht eingehalten.  Ohne einen internationalen Durchsetzungsmechanismus sind die Regierungen rechtlich nicht verpflichtet, ihre Zusagen einzuhalten, z. B. die Treibhausgasemissionen bis 2040 um die Hälfte zu reduzieren, was der jetzige US-Präsident Biden für die USA zugesagt hat.

Ebenso bemerkenswert ist, dass die Umweltgesetzgebung, die darauf abzielt, strafrechtliche Sanktionen gegen Unternehmen und deren Vorstände und Mitarbeiter zu verhängen, nach wie vor schwach sind und  oder in einigen Ländern gar nicht existiert. In den USA, wo das Gesetz über saubere Luft (Clean Air Act) mehrere Arten von Straftaten vorsieht und dessen Definition von Luftschadstoffen nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA aus dem Jahr 2007 auch Treibhausgasemissionen einschließt, schauen viele US Bundesstaaten großzügig weg, wenn es darum geht, die öffentliche Gesundheit und die Umwelt vor illegaler Luftverschmutzung durch Ölraffinerien oder Chemieanlagen zu schützen.
Der US Bundesstaat Texas zum Beispiel hat es zwischen 2011 und 2016 versäumt, 97 Prozent der illegalen Verschmutzer zu bestrafen. Es überrascht vielleicht nicht, dass die beiden Unternehmen mit den höchsten Treibhausgasemissionen in den USA, die in der neuen Ausgabe des Greenhouse 100 Polluters Index Report von Forschern des renommierten Political Economy Research Institute (PERI) der University of Massachusetts-Amherst aufgeführt sind, ihren Sitz in Texas haben. Vista Energy und Duke Energy haben 2019 zusammen 194 Millionen Tonnen CO2-äquivalente Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre abgegeben, wobei in dieser Zahl biogene Kohlendioxidemissionen (Emissionen, die von einer stationären Anlage durch die Verbrennung oder Zersetzung von biologisch basierten Materialien, die keine fossilen Brennstoffe sind, freigesetzt werden) nicht enthalten sind.

Unter der Trump Regierung hatten Umweltverschmutzer wie Chevron, ExxonMobile, Peabody Energy oder auch  Conoco, mehr Freiheiten als je zuvor in den letzten Jahrzehnten, um die Umwelt zu zerstören. Mehr als 125 Umweltvorschriften wurden während Trumps alptraumhafter Regierungszeit zurückgenommen. 

Das Londoner Unternehmen Trucost, welches für die Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP FI) arbeitet, schätzt die Umweltschäden durch die 3000 größten börsennotierten Unternehmen auf 2,15 Billionen US-Dollar. Dabei wurde festgestellt, dass die Kohlenstoffreduktionsziele, die sich die weltweit führenden Unternehmen im Jahr 2016 gesetzt haben, zwar recht hoch erscheinen, tatsächlich aber nur 16 % der Reduktion ausmachen, die erforderlich ist, um den Anstieg der globalen Temperaturen auf 2 Grad Celsius zu verhindern. Über 90 % der Unternehmen im Jahr 2018 haben aktive Ziele für die Kohlenstoffberichterstattung, aber nur 14 % haben wissenschaftlich fundierte Ziele angenommen.

Das US Militär mit seiner gigantischen Kriegsmaschinerie verschlingt jährlich 700 Milliarden Dollar als Budget und hat dadurch einen höheren CO2-Ausstoss als 170 Ländern auf der Welt. 2017 verbrauchte das US Militär täglich rund 269’000 Barrel Öl und stiess durch die Verbrennung dieser Brennstoffe mehr als 25’000 Kilotonnen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre. Diese Daten zeigt eine Untersuchung von Forschern der Universitäten Durham und Lancaster, die in der Fachzeitschrift „Transactions of the Institute of British Geographers“ 2019
veröffentlicht wurde.

China ist derzeit auf Platz 1 der weltweit größten Verursacher von Treibhausgasemissionen. In China wird 60 Prozent des Stroms aus Kohle gewonnen, obwohl das Land bei den Pro-Kopf-Emissionen noch weit hinter den USA liegt.

Saudi-Arabien wird in der Globalen Verschmutzung oft gar nicht gesehen.
Zwar gint es seit Jahren gute Ansätze und auch Ergebnis bei den erneuerbaren Energien. Diese werden jedoch von miserablen Emissionswerten beim Energieverbrauch zunichte gemacht.

Auf Platz 3 der Umweltzerstörung liegt der Iran. Dort gibt es so gut wie überhaupt keine Ansätze in Klimapolitik zu investieren.

Selbst das Naturverbundene Kanada liegt im Verbrauch von Kohlendioxidemissionen auf Platz 4.

Es seien noch Ländern wie: Taiwan, Malaysia, Kasachstan, Australien, Südkorea, Russland, Indien und Brasilien zu nennen, die einen massiven Anteil an den größten Kohlendioxidemissionen der Welt beitragen.

Illegale Waldrodung in Kambodscha

50 Jahre „wir-wollen-was-tun“, aber jeder schaut weg

Die meisten Umweltprobleme haben sich in den letzten 50 Jahren durch die immer schneller wachsende Wirtschaft und Industrie verschlimmert statt gebessert.
Die Natur und Klima stehen kurz vor dem Kollaps und es wird so getan, als ob alles gut ist. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass das Artensterben immer schneller voranschreitet, und dass der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle und Erdöl unaufhaltsam ansteigt, was zu einem Temperaturanstieg führt und das Phänomen der globalen Erwärmung bewirkt. Bereits jetzt stellen Wissenschaftler einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 1,0 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau fest. Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach ersten Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert.

Der globale Klimawandel hat bereits spürbare Auswirkungen auf die Umwelt. Die Gletscher sind geschrumpft, das Eis auf Flüssen und Seen bricht früher ab, die Verbreitungsgebiete von Pflanzen und Tieren haben sich verschoben und die Bäume blühen früher. Diese Auswirkungen von Wissenschaftler_innen, die in der Vergangenheit als Folge des globalen Klimawandels vorausgesagt hatten, treten nun ein: Verlust von Meereis, beschleunigter Anstieg des Meeresspiegels und längere, intensivere Hitzewellen oder Überschwemmungen.

Wissenschaftler_innen auf der ganzen Welt gehen davon aus, dass die globale Temperatur in den kommenden Jahrzehnten weiter ansteigen wird
Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC), dem mehr als 1300 Wissenschaftler_innen angehören, prognostiziert für das nächste Jahrhundert einen Temperaturanstieg  von 1,5 Grad Celsius. Dem IPCC zufolge wird das Ausmaß der Auswirkungen des Klimawandels auf einzelne Regionen im Laufe der Zeit und je nach der Fähigkeit der verschiedenen Gesellschafts- und Umweltsysteme, den Wandel abzumildern oder sich an diesem anzupassen sehr unterschiedlich sein.

Im Wesentlichen handelt es sich um eine kausale Beziehung zwischen dem vom Menschen verursachten Klimawandel und dem Artensterben. Höhere Temperaturen führen zu einer Kettenreaktion anderer Veränderungen rund um den Globus, mit enormen Auswirkungen nicht nur auf die Menschen, sondern auch auf die Tierwelt und die biologische Vielfalt. Das Artensterben schreitet heute schneller voran als je zuvor: Rund eine Million Arten sind bereits vom Aussterben bedroht, „viele davon innerhalb von Jahrzehnten“, so ein wichtiger Bericht der Vereinten Nationen für 2019.

Umweltverschmutzung als Straftatbestand

Nach Völkerstrafrecht kann man nach § 7 – Verbrechen gegen die Menschlichkeit, bei Konzernen, Staaten und Regime auch in Schuldfragen gegen die Umweltzerstörung dies anwenden.
In Absatz 2 steht folgende geschrieben:
in der Absicht, eine Bevölkerung ganz oder teilweise zu zerstören, diese oder Teile hiervon unter Lebensbedingungen stellt, die geeignet sind, deren Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen.

Zu diesem Punkt wären die Abholzung der Regenwälder in Amazonien, Kongobecken, Sundaland (Südostasien), Tumbes-Chocó-Magdalena (Südamerika), Molukken und Sulawesi (Indonesien) oder die Wälder auf dem Südostasiatisches Festland zu nennen.

Auch steht der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé seit Jahren in der Kritik Wasserrechte von staatlichen Wasserbehörden zu kaufen. Dies vornehmlich in ohnehin schon Regionen wo kaum Niederschlag fällt. So zum Beispiel im Süden von Afrika, Pakistan und Äthiopien.

Die Verschmutzung und Ausbeutung
der Umwelt ist somit ein Verbrechen nach dem Völkerstrafrecht. Die globalen Umweltverbrecher werden fast nie strafrechtlich verfolgt, denn Umweltkriminalität gilt immer noch als „Wirtschaftskriminalität“ und dies wird meist nur zivilrechtlich verfolgt und mit Geldstrafen belegt.

Bußgelder reichen sicherlich nicht aus, um gierige und rücksichtslose Kapitalisten von der Zerstörung der Umwelt abzuhalten, selbst wenn die Bußgelder so hoch sind wie im historischen Fall der Durchsetzung von Treibhausgasvorschriften zwischen der US-Umweltschutzbehörde (EPA) und Hyundai und Kia, der die Autohersteller zur Zahlung von 100 Millionen Dollar Zivilstrafe zwang, weil sie unter anderem mehr Treibhausgase ausgestoßen hatten, als sie der EPA gemeldet hatten, oder, noch aktueller, die scheinbar gigantische Geldstrafe von 1 Milliarde Dollar, die die Europäische Union gegen die deutschen Autohersteller Volkswagen und BMW verhängt hatte. Beide Autohersteller wurden wegen Absprachen zur den Einsatze von bewusst fehlerhaften Abgasreinigungstechnologien bestraft.

Volkswagen hat eine lange Geschichte von Abgasbetrügereien hinter sich, kam aber immer noch glimpflich davon. Der Grund dafür ist, dass es in Deutschland noch nicht einmal eine strafrechtliche Haftung für Unternehmen gibt, und erst vor kurzem gab es einen Vorstoß zur Einführung eines solchen Rechtsrahmens. Selbst in Europa gibt es nach Aussage von dem EU-Umweltkommissar, Virginijus Sinkevicius, keine Strafe für Umweltverbrechen.

Ein weiterer Grund, warum Geldstrafen nicht abschreckend wirken, ist, dass die Kosten solcher Strafen auf die Aktionäre und oft sogar auf die Verbraucher abgewälzt werden, anstatt von den schuldigen Personen getragen zu werden.

Gefängnisstrafen müssen für Umweltverbrechen eingeführt werden, obwohl es klar ist, dass Umweltverbrechen nicht in einer einzigen Kategorie zusammengefasst werden können. Schwere Umweltverbrechen (jedes Verbrechen, das zu einer Veränderung der globalen Gemeingüter oder des ökologischen Systems der Erde führt, wie z. B. die Zerstörung des Amazonaswaldes unter der Regierung Bolsonaro) sollten mit schweren Haftstrafen einhergehen.

Diese von Kapitalismus geprägte Zerstörung der Umwelt muss endlich als Verbrechen angesehen werden und in die Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag fallen.  
Wenn wir die Erde retten wollen gibt es keinen Weg, denn offensichtlich sind auf Papier festgeschriebene Grundsütze nichts wert.

Doch auch wenn Zweifel an der abschreckenden Wirkung harter Haftstrafen für systematische Umweltschäden und Zerstörung
bestehen, ist eines sicher: Wenn die zur Zeit bestehenden halbherzige rechtliche Reaktionen auf Umweltverbrechen beibehalten werden, ist der Planet dem Untergang geweiht.

Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 8. Januar 2022

Quellen:
– Institue de la Biodiversité et des Aires marines Protégées
– Jahresbericht der Panafrikanischen Medienallianz zum Klimawandel – PAMAC
-Mediaterre.com des Institut de la Francophonie
– NASA Climate Protection Report 2021
– UVED:Université virtuelle de l’environnement et du développement durable

Weltbevölkerung

Heute schreibe ich über ein Thema, welches uns als Menschheit vor Herausforderungen stellen wird, für welches wir kaum eine Lösung haben: die Weltbevölkerung

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Die Weltbevölkerung wächst pro Sekunde um zwei Erdenbürger, und  dies vor allem in Afrika. Woran dies lieg möchte ich in diesem Beitrag  erklären.

Nach Angaben des United Nations Population Fund (UNFPA), bekommen Frauen in Uganda im Durchschnitt 5,3 Kinder. Im Nachbarland der Demokratischen Republik Kongo liegt die Zahl bei 5,8. In Angola waren es im vergangenen Jahr 5,5 – und im bitterarmen Niger lag die Geburtenrate sogar bei 7,1

Bei der UNFPA werden alle Daten gesammelt, die von mehr als 235 Länder und Territorien an Geburts- und Sterbestatistiken geliefert werden. Die Angaben werden qualitätsgeprüft – so weit dies möglich ist, verifiziert und homogenisiert.
Nach der letzten Veröffentlichung der Statistik aus dem Jahr 2019 liegt die  Zahl der Bevölkerung auf der Erde derzeit bei fast 7,8 Milliarden Menschen. 2030 werden es in bereits 8,5 Milliarden sein, 2050 dann schon 9,7 Milliarden und ein halbes Jahrhundert später schier unfassbare elf Milliarden Menschen. Der Planet ist schon am Limit angekommen und besser wird es für Resourcen und Lebensraum sowieso nicht.


Die komplementäre Menge einer Gleichung

Während auf den afrikanischen Kontinenten die Geburtenrate stark zunimmt, fällt diese in den Industrieländer ab. Um die Bevölkerungszahl in den Industrieländer stabil halten zu können, müsste die Geburtenrate bei 2,1 liegen. Unter dieses Reproduktionsniveau sind laut UNFPA bereits fast die Hälfte aller Länder gesunken. Selbst auf dem asiatischen Kontinent liegt die Rate bereits bei 2,1.

Weltweit gebären Frauen im Schnitt 2,47 Kinder. In der Subsahara-Region sind es 4,8. Bis 2050 sagt das UNFPA für Afrika eine Verdoppelung der Bevölkerung auf dann 2,5 Milliarden Menschen voraus. Am Ende des Jahrhunderts wird mit rund vier Milliarden kalkuliert. Ein solches Bevölkerungswachstum würde auch Industrienationen wie Deutschland und Frankreich überfordern. Für über dreiviertel der Länder Afrikas, wo es an medizinischer Grundversorgung, Schulen und Wohnungen fehlt. Bereits jezt haben weltweit 768 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Über 40 Prozent von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara. Hinzu kommt die desolate Situation von Arbeitsplätze in fast allen Ländern von Afrika. Auch ist seit Jahren eine gewaltig überstrapazierten der natürlichen Ressourcen zusehen, bei denen schon jetzt auch der Klimawandel  für exorbitante Probleme sorgt.

Der Wachstum der Bevölkerung in Afrika lässt einerseits den Migrationsdruck Richtung Europa steigen, es führt aber vor allem dazu, dass afrikanische Städte wuchern. Millionen von jungen Menschen fliehen bereits jetzt in die heimischen Metropolen auf der Suche nach Jobs und in der trügerischen Hoffnung auf ein besseres Leben.

Die Wissenschaftlerinnen Julia Bello-Schünemann und Ciara Aucoin vom Institute for Security Studies in Südafrika schreiben in ihrem „African Urban Futures“ Bericht: „Die Geschwindigkeit der Urbanisierung Afrikas sei unvergleichlich in der Geschichte.“

Bereits jetzt lebt die Mehrheit der Stadtbewohner in Slums oder illegalen Siedlungen mit oft katastrophaler Infrastruktur. Und vor allem die werden sich mit der zusehends wachsenden
Bevölkerung weiter ausdehnen, prognostiziert die African Development Bank in ihrerm Bericht des Vorjahres

Der US-Stadtforscher Mike Davis hat bereits 2006 In seinem Buch „Planet der Slums“  auf diese Entwicklung hingewiesen und schrieb von einer Urbanisierung und Urbanität der Städte. Anders als vor Jahrzehnten in Europa wachsen afrikanische Städte unkontrolliert ohne jegliche Infrastruktur und weitgehendst auch ohne Industrialisierung. Die Beschäftigungskrise in den Städten, so Davis, sei eine ähnlich massive Bedrohung wie der Klimawandel.

Der Kollaps ist unausweichlich

Die fehlende Bildung in sehr vielen Teilen von Afrika ist eines der größten Probleme im Kampf um die Geburtenkontrolle. Hinzukommt, dass durch Traditionen und Religion oft der Mann über die Frau entscheidet. So gilt dies zum einen für die Auswahl der Frauen – denn all zu oft entscheidet nicht die Liebe, sondern der Status des Mannes über eine Heirat und die Familienplanung. Was Schlussendlich auch zu Frühehen (Ehen mit Minderjährigen) führt.

Die Armut vieler Menschen spielt bei dem Bevölkerungswachstum auch eine sehr große Rolle. Die Armut führt zwangsläufig in die Abhängigkeit andere Menschen. So ist nicht verwunderlich wenn quasi Mädchen an „Ehemänner“ verkauft werden.
Nach vorliegenden Angaben von UNICEF sind Schwangerschaften die Haupttodesursache in der Altersgruppe zwischen 15 und 19 Jahren. 50.000 junge Frauen kommen so jedes Jahr ums Leben.
Mehr als 200 Millionen Frauen weltweit würden gerne verhüten, es fehlt ihnen aber an den Möglichkeiten. Beinahe jede vierte verheiratete Frau in Entwicklungsländern nutzt keine Verhütungsmittel, obwohl sie eine Schwangerschaft vermeiden wollen.

Der nächste Faktor sind uralte Traditionen.
Der Druck auf kinderlose Frauen ist nirgends größer als in Afrika. Besonders auf dem Land sehen viele Afrikaner eine hohe Kinderzahl als Zeichen von Reichtum. In Abwesenheit von ausreichend stabilen Sozialsystemen gelten Kinder zudem als Absicherung für das Alter.

Auch die Religion hat in vielen Ländern Afrikas einen großen Einfluss auf die Gesellschaft. So kommt es immer wieder zu Auseinandersetzung zwischen Hilfsorganisationen und  politisch- religiösen Ansichten, die der eingeschränkte Zugang zu Verhütungsmitteln auch auf den Widerstand von religiösen und kulturellen Führern zurückzuführen.

Bereits 2012 wurde einen Plan erarbeitet, wie man bis 2020 den Bevölkerungswachstum eindämmen kann. So wurde sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren, zu den bereits 260 Millionen Frauen die in den ärmsten Ländern schon verhüten, weitere 120 Millionen Frauen den Zugang zu Verhütungsmitteln zu sichern. Für dieses Vorhaben wären rund drei Milliarden Euro nötig. 1,87 Milliarden Euro wurden 2012 auf dem Londoner Gipfel zur Familienplanung zugesagt, den Englands Regierung in Zusammenarbeit mit der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung und dem Bevölkerungsfonds der UN veranstaltete.

Zu den weiteren Negativen Punkte des Bevölkerungswachstums gehören die Auswirkungen des Klimawandel, die immer mehr zunehmenden Konflikte zwischen Milizen und Regierungen. Bei letzt genannten könnte ein Staat wie Ruanda die Hälfte der Bevölkerung in Zentralafrika ernähren, wenn aus dem vor bereits 30 Jahren begonnenen Bürgerkrieg nicht so viele Landflächen vermint wären.

Experten beziffern die Zahl von verlegten  Anti-Personen-Minen in 18 Ländern auf dem afrikanischen Kontinent auf 30 Millionen. Demnach ist Afrika die am stärksten verminte Region der Welt. Allein in Ägypten liegen etwa 17 Millionen Minen, zum Großteil aus dem Zweiten Weltkrieg, zum Teil aus dem Krieg 1967 mit Israel.
2007 galten 2,4 Millionen Angolaner in ihren Wohngebieten als gefährdet – dies sind 17 Prozent der Bevölkerung, also fast jeder Fünfte. Seit dem Beginn des angolanischen Bürgerkriegs 1975 wurden über 80.000 Angolaner durch Landminen getötet oder körperbehindert. Auch Mosambik ist durch Minen sehr stark betroffen, denn jeden Monat sterben 40 Menschen durch Explosionen in Bezug auf Minen – und all zu oft betrifft es Kinder.

Die weltweite Beseitigung von Minen belaufen sich nach UN Angaben auf über eineinhalb Billion Dollar. Seit 1999 stellt Deutschland für die Beseitigung von Minen in Afrika über humanitäre Hilfsprogramme jährlich 15 Millionen Euro zur Verfügung.

Alleine duch diesen Faktor jener heimtückischen Waffe können geschätzte 3,5 Millionen Menschen nicht in und für die Landwirtschaft arbeiten, womit auch das Bruttosozialprodukt der Länder auf einem sehr niedrigen Niveau liegt.

Positive Entwicklungen

In Ländern der Subsahara gibt es bereits kleine Erfolge, wie eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zeigt. Äthiopien, nach Nigeria das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung, gehört dazu. Dort ist seit Mitte der 1990er Jahre die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von rund sieben auf jetzt etwa vier gesunken. Eine rasante Entwicklung, die ihresgleichen sucht.

Grund für diesen Sprung ist eine Strategie, die die Regierung in Addis Abeba seit 1995 verfolgt. Hier wird ganz klar auf die Förderung der Landwirtschaft, der Ausbau des Gesundheitssystems und Investitionen in die Bildung gesetzt. Gemeinsam mit internationalen Partnern errichtete die Regierung in jeder Gemeinde eine Gesundheitsstation und bildete mehr als 40 000 Frauen zu Gesundheitshelferinnen aus. Diese betreuen seither Mütter vor und während der Schwangerschaft und behalten auch die Kleinkinder im Auge.

Alleine dieser positive Effekt zeigt ab 2000, dass sich die schwangerschaftsbedingte Sterblichkeit bei Frauen halbierte, so auch bei der Säuglingessterblichkeit. Da nun mehr Kinder überleben, wünschen sich Paare nun im Schnitt weniger Nachwuchs – und können sich darüber hinaus in jeder
Gesundheitsstation zu Verhütungsmethoden beraten lassen. Die Nutzungsrate von Kontrazeptiva hat sich seit Beginn der 2000er Jahre verfünffacht. Ergebnis der nationalen Strategie zur Bevölkerungspolitik Äthiopiens ist auch, dass heute fünf Mal mehr Mädchen eingeschult werden als noch 1995 und der Anteil der Frauen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen, stark gestiegen ist.

Auch Länder wie Ruanda, Botswana, Senegal oder Ghana setzen auf ähnliche Strategien. Nach der Studie von Alisa Kaps, Expertin für internationale Demografie beim Berlin-Institut, entscheiden die Menschen sich selbst für kleinere Familien. „Es braucht also ein gewisses Maß an Entwicklung, damit die Kinderzahlen zurückgehen und daraus wieder Möglichkeiten für neuen Fortschritt entstehen,“ so Kaps.

Bei der demografische Dividende, welche man beispielweise in Südkorea, Thailand oder Singapur sehen kann, wo aufgrund sinkender Geburtenraten trotzdem das BIP stieg. Der Anteil der Menschen, die einer Arbeit nachgehen können, wächst gegenüber den Alten und Kindern, die versorgt werden müssen.

Die meisten afrikanischen Staaten sind vom dieser demografische Dividende noch sehr weit entfernt. Ökonomen gehen von einem solchen Entwicklungsschub erst aus, wenn auf jede abhängige Person 1,7 Erwerbsfähige im Alter zwischen 15 und 64 kommen. Die UN prognostiziert, dass die Subsahara-Staaten frühestens im Jahr 2035 so weit sein werden, manche sogar erst 2060. Ob es dann gelingt, diese günstige Altersstruktur in einen wirtschaftlichen Aufschwung umzumünzen, der dem Staat dann idealerweise auch höhere Einnahmen beschert, die wiederum in soziale Infrastruktur investiert werden können, um den Lebensstandard der gesamten 
Bevölkerung zu heben – hängt vor allem davon ab, in wieweit eine möglichst gut ausgebildete Jugend reguläre und produktive Arbeit findet.

Wie groß die Herausforderung ist, zeigen Zahlen der International Labour Organization (ILO): So waren im Jahr 2018 von den 737 Millionen Afrikanern im Alter von 15 bis 64 Jahren nur 16,8 Prozent regulär beschäftigt. Die große Mehrheit schlägt sich mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs ohne jede Absicherung durch oder ackert auf einem kleinen Stück Feld, um zu überleben. Von diesen prekären Verhältnissen sind laut ILO vor allem junge Erwerbsfähige und Frauen betroffen.

Es braucht Investitionen

Das deutsche Sozialunternehmen Africa Greentec AG aus Hainburg setzt seit Jahren in Mali und im Niger auf eine ganzheitlichen Systemlösung, in denen ganze Dorfgemeinschaften in ländlichen Regionen mit Strom und nachhaltigen Technologien ausgestattet werden. Die Energie, die Africa Greentec liefert, kommt aus Containern, kleinen kompakten Photovoltaik-Kraftwerken, die sauberen Strom produzieren und speichern, Trinkwasser aufbereiten und eine Internetverbindung ermöglichen.
Durch den Strom dieser Photovoltaik-Kraftwerken ist möglich, dass die Menschen Lebensmittel kühlen oder herstellen können, womit sich ein kleiner Wirtschaftskreislauf aufbaut.

Von Leapfrogging sprechen Forscherinnen wie Alisa Kaps, wenn regional angepasste Innovationen ineffiziente, umweltschädliche und kostspielige Zwischenstufen der Entwicklung überspringen und somit das Leben der Menschen verbessern und oder gar vereinfachen.

Viel afrikanische Länder machen dies etwa mit der direkten Einführung der mobilen Telefonie. Handys und Smartphones sind mittlerweile sprichwörtlich selbst im Busch verbreitet und ermöglichen so die Gesundheitsvorsorge. So trägt zum Beispiel MomConnect, eine Initiative des südafrikanischen Gesundheitsministeriums
dazu bei, dass schwanger Frauen sich per Mobilfunk bei freiwilligen Helfer und Ärztinnen kostenlos melden können. Somit sind auch diese kleine Schritte um die Überlebenschancen von Müttern und Neugeborenen zu erhöhen.

Nach Angaben von Michael Hilbig vom
Institut für Integrierte Naturwissenschaften, könnenLänder diese Chance aber auch weitgehend verstreichen lassen, wie es sich in Tunesien oder Ägypten zeigt. Diese Länder hatten demografisch bereits die besten Voraussetzungen. Dort investierte die Regierung zwar stark in den Bildungssektor, verpasste es jedoch, den Arbeitsmarkt massiv auszubauen. Nach den Worten von Michael Hilbig ließe sich mit den richtigen Politiken zumindest noch eine kleine demografische Dividende abschöpfen.

Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 1. Januar 2022

Quellen:

– Africa GreenTec AG
Außenliegend 19
63512 Hainburg
https://www.africagreentec.com

– Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Studienmitautorin Alisa Kaps.
Schillerstr. 59,10627 Berlin
info@berlin-institut.org

– Christian Putsch, Afrika-Korrespondent u.a. für WELT, NZZ
https://christianputsch.com

– Michael Hilbig MSc, Universität Koblenz-Landau hilbig@uni-koblenz.de

– National Department Of Health South Africa
Dr AB Xuma Buildung,
1112 Voortrekker Road, Pretoria,  Südafrika
https://www.health.gov.za/

– Population Division, United Nations, 2 United Nations Plaza, Room DC2-1950, New York, NY 10017, USA.
population@un.org

Kindesmissbrauch: Wie kann das passieren?

Warum sexueller Kindesmissbrauch jahrelang unbemerkt bleibt, Behörden versagen und Ermittlungen in jedem zehnten Fall scheitern: Drei Punkte für ein vielschichtiges Problem.

Autoren Evke Freya von Ahlefeldt und Naike Juchem

Bei Missbrauchsfälle wie in Münster oder Bergisch-Gladbach kommen immer dieselbe Frage auf: Wie kann das passieren?
Wir haben nur drei Punkte ausgewählt, wohlwissend das dieses Thema ins astronomische geht.

Punkt 1: Die Täter

Die Täter in allen Missbrauchsfällen nutzen die emotionale Bindung zu den Opfer aus. Jahrelang wird im Fall Münster ein Zehnjähriger von seinem Stiefvater sexuell missbraucht – kein Einzelfall, wie die Statistik des BKA zeigt.
„Der Täter ist meist eine Bezugsperson, zu der eine emotionale Bindung besteht, hat häufig eine positiv konnotierte Bindung“, so Astrid Helling-Bakki, Kinderärztin und Geschäftsführerin der Childhood-Stiftung, einer Anlaufstelle für Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs.
Die Täter – meist männlich – machten sich die enge Bindung zum Opfer zunutze. Mit Drohungen und Erpressung verhindern sie, dass sich das Kind jemandem anvertraut.
Oft sind die Täter keine Fremden: Bekannte, Verwandte, Nachbarn und sogar Eltern. In den wenigsten Missbrauchsfälle kommen zur Anzeige und dementsprechend auch zu keinem juristischen Verfahren.

„Die Mangelnde Zusammenarbeit von Behörden sind ein Grund, warum Täter oft nicht auffliegen, die Transparenz zwischen den Institutionen Jugendämter, Polizei und Gerichte fehlt. Wie kann es sein, dass die eine Institution von der und der Sache weiß und die andere nicht?“, fragt Helling-Bakki. „Auch müsse der Prozess kinderfreundlicher gestaltet werden. Letztendlich ist es ganz gravierend für das Kindeswohl. Bislang werden Kinder auf dem Polizeirevier verhört oder müssen vor Gericht aussagen – manchmal gar im Beisein des Täters. Wer erwartet, dass ein Kind bei so etwas auch nur ansatzweise eine verlässliche Aussage macht und das Kind gleichzeitig nicht geschädigt wird? Das ist hochgradig traumatisierend.“ So Helling-Bakki. „Das Childhood-Haus bringt alle Institutionen sowie Psychologen und Kinderärzte unter einem Dach zusammen. Befragungen werden per Video aufgezeichnet, eine Re-Traumatisierung für das Kind würde somit weitgehend vermieden.“ so weiter Helling-Bakki. „Es fehlt all zu oft an zentralen Anlaufstelle und an fachlich kompetenten Mitarbeiter in Jugendämter.“

Die Childhood-Häuser in Berlin, Heidelberg und Leipzig sind in Deutschland eine bislang einzigartige Einrichtung. Zentrale Anlaufstellen in jedem Bundesland – wie auf Bundesebene mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs – würden helfen, Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch schneller und kindgerechter aufzuklären.

Punkt 2: Die Beweise und Datensicherung

Im Fall Bergisch Gladbach sind die Ermittler auf weit über 30.000 Spuren gestoßen. Sie beschlagnahmten 30 Terabyte an Daten. „Immense Berge von Durchsuchungsbeschlüssen liegen auf Halde. Wir haben derzeit massiv Personalnot im Bereich der Sachbearbeitung, bei der Bearbeitung von Missbrauchsdarstellungen und auch bei der Bearbeitung des sexuellen Missbrauchs.“ So
Dirk Peglow, stellvertretender Bundesvorsitzender vom Bund Deutscher Kriminalbeamter und Landesvorsitzender in Hessen.

Vielfach können Ermittler
vorliegende Durchsuchungsbeschlüsse gar nicht durchführen, weil sie aufgrund von nicht vorhandenem Personal schlichtweg nicht dazu kommen. Die steigende Zahl der
Datenmengen und der immense
Auswerteaufwand von sichergestellten Missbrauchsabbildungen
verschärfen den Personalmangel.
Aufgrund teils professioneller Verschlüsselung ist speziell ausgebildetes Personal nötig. Um aber Experten aus der Privatwirtschaft dafür zu bekommen, muss das Berufsumfeld attraktiv genug sein.

Das Ausmaß an sexualisierter Gewalt gegen Kinder ist gewaltig hoch. Die WHO geht in einer Untersuchung von 2017 alleine für Deutschland von einer Million betroffener Mädchen und Jungen aus, die sexuelle Gewalt erlebt haben oder erleben. Das sind pro Schulklasse ein bis zwei betroffene Kinder.

Im Jahr 2017 wurden 11.547 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch bundesweit
erfasst; 6.384 Jugendliche
wurden Opfer sexueller Straftaten. Bei 647 Fällen ging es um den Missbrauch Schutzbefohlener, also unter Ausnutzung von (auch beruflicher) Stellung und Vertrauensverhältnis. 6.512 mal wurden die Straftatbestände der Verbreitung, des Erwerbs und Besitzes oder der Herstellung von Kinderpornografie aktenkundig.

Die traurige Realität in den vielen Missbrauchsfällen zeigt, dass jeder zehnte Fall an fehlenden Daten und Beweise scheitert.
62.000 Hinweise auf sexuellen Kindesmissbrauch in Deutschland bekam das Bundeskriminalamt im Jahr 2019. In bislang 21.600 Fällen begann man zu ermitteln.
„In jedem zehnten Fall konnten allerdings keine weiteren Ermittlungen zur Identifizierung durchgeführt werden, weil die Daten bei den Providern nicht vorhanden waren. Mit der
Vorratsdatenspeicherung könnten mehr Täter überführt
werden.“ So Peglow.
Im besten Fall ertappen die Ermittler die Täter auf frischer Tat vor dem PC, um an die Beweisdaten zu kommen.

Punkt 3: Die Urteil der Justiz und wie mit Pädophilen umgehen.

Viele Straftaten werden zum Leid der Opfer und deren Angehörigen auf Bewährung ausgesetzt und stoßen bei der Bevölkerung zunehmend auf Unverständnis.
Hinzukommt das viele Opfer sich erst nach Jahren trauen über ihren Missbrauch zu sprechen. Da leider auch für sexualisierte Gewalt eine Verjährungsfrist besteht, haben Opfer kaum ein Anrecht auf eine Anklage, geschweige auf eine Verurteilung ihrer Peiniger. In diesem Fall ist der Gesetzgeber gefordert. Je schwerer ein Delikt mit Strafe bedroht ist, desto länger kann es im Strafrecht geahndet werden. Für Straftaten aus dem Bereich des sexuellen Kindesmissbrauchs kommen Verjährungsfristen zwischen fünf und 20 Jahren (bei Missbrauch mit Todesfolge 30 Jahre) in Betracht.

Für gewöhnlich beginnt im Strafrecht die Verjährung mit der Beendigung der Tat. Eine Ausnahme stellt der Beginn der Verjährung von schweren Sexualstraftaten dar. Dort ruht die Verjährung nach der Gesetzesänderung vom Januar 2015 bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres, § 78b Abs. 1 Nr. 1 StGB. Dies gilt auch für Taten, die vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Gesetzesänderung begangen wurden, jedoch nur dann, wenn diese noch nicht nach der alten Rechtslage verjährt waren. Im deutschen Recht kann für eine Tat, die einmal verjährt ist, die Verjährungsfrist nicht mehr rückwirkend wieder aufleben.

Die rechtsverbindliche Ermittlung der Verjährungsfrist von sexuellem Missbrauch ist nur im Einzelfall möglich. Die Entscheidung trifft die jeweilige Staatsanwaltschaft oder das Strafgericht.

Im Fall Münster waren den Behörden die pädophilen Neigungen des Hauptbeschuldigten bekannt. Er war bereits zweimal auf Bewährung verurteilt worden.
„Erfahrungsgemäß ist es häufig so, dass nicht der komplette, vorhandene Handlungsspielraum ausgenutzt wird, rein rechtlich gesehen“, antwortet die psychologische Psychotherapeutin Sarah Allard, auf die Frage nach härteren Strafen. Sie ist therapeutische Leiterin der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW), behandelt Menschen mit pädophilen Neigungen und erstellt Gutachten.
„Bei verurteilten Straftätern müssten Therapiemaßnahmen bereits während der Haft und nicht erst danach angeboten werden, meint Allard. „Natürlich möchten sie nicht wieder in Haft und werden sich hüten, in der ersten Zeit nochmal eine Straftat zu begehen. Aber das Problem, diese Störung, bleibt bestehen.
Pädophilie muss nicht zwingend zu einer Tat führen. 80 Prozent der Täter empfänden sexuelle Befriedigung auch mit Erwachsenen, könnten aber keine Beziehungen zu Erwachsenen aufbauen.“ So Allard.
Diese Tätergruppe sei gut behandelbar. Die anderen 20 Prozent der Täter sind „kernpädophil“. Eine Therapie ist schwieriger, kann Betroffenen jedoch Bewältigungsstrategien aufzeigen. Das Problem: Die meisten Betroffenen suchen erst dann Hilfe, wenn sie aufgeflogen sind oder die Polizei schon ermittelt. Bis dahin vergehen oft Jahre. Teils ist die Scham zu groß, teils werden sie selbst von Therapeuten abgewiesen.

Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet deutschlandweit ein kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die therapeutische Hilfe suchen, weil sie sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und darunter leiden.

Im Rahmen der Therapie erhalten die betroffenen Personen Unterstützung, um mit ihrer pädophilen oder hebephilen Neigung leben zu lernen, diese zu akzeptieren und in ihr Selbstbild zu integrieren. Ziel ist es, sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen im Internet (sogenannte Kinderpornografie) zu verhindern.

Evke Freya von Ahlefeldt und
Naike Juchem, 31. Oktober 2020

Quelle: Alexandra Hawlin, BKA, BIOS-BW, BMJV, Caritas, Childhood-Stiftung, UBSKM, weisser-ring, WHO

http://www.childhood-haus.de
http://www.weisser-ring.de
http://www.hilfe-missbrauch.de
http://www.save-me-online.de

Waldschäden in Deutschland

Der Wald steht für Natur, Erholung und Freizeit. Der Wald steht für Kapital, Grundbesitz und Hochadel – letzteres ist völliger Unsinn.

Der Wald ist Arbeit, Geld-Vernichtungs-Ökologie und Krank. Der Wald hat einen Stressfaktor der an seiner Belastbarkeit angekommen ist. Dürre, Hitze, Stürme und Klimawandel schädigen den Wald.

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Ich schreibe nun aus der Schicht von einem Waldbesitzer, wie es um den Wald in Deutschland steht. Mit einem Wort: schlecht!

Zu Anfang eine kleine Einordnung über den Wald. Es  gibt Staatsforst und Privatforst.
In Deutschland gibt es circa 11 Millionen Hektar Wald, wovon 48 Prozent Privatwald sind. 29 Prozent des Waldes sind Eigentum der Länder, 19 Prozent in der Hand von Kommunen, Kirchen, sowie Stiftungen und 4 Prozent gehören dem Bund.
In Österreich ist über 80% des Waldes in privat Besitz. Polen hat eine Waldfläche von circa 30% der Landesfläche. 18,8 % sind in privat Besitz. In Belgien ist der Anteil an Staatswald und Privatforst ziemlich gleich aufgeteilt.
In Frankreich ist die Lage vom Wald anders als in anderen EU Ländern.
Da die Landwirtschaft zunehmend unprofitabel wird, breiten sich in Frankreich die Wälder aus – und verstärken somit ihren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel. Inzwischen ist Frankreich nach Deutschland und Schweden das EU-Land mit den drittgrößten Waldflächen. Die vorhandenen Bestände sind nun wieder auf dem Niveau des vorindustriellen 18. Jahrhunderts.
Doch die Situation ist nicht so rosig, wie auf den ersten Blick erscheinen mag: Die französischen Wälder sind nicht nur alt und sehr fragmentiert, sie werden aufgrund ihrer Dichte auch mehr schlecht als recht bewirtschaftet und genutzt.
Lediglich 30 bis 40 % der Wälder werden genutzt. Privatwälder, die einen Großteil der Waldflächen ausmachen, werden unzureichend bewirtschaftet – wenn überhaupt.

Soweit eine Einordnung über die Wälder in Deutschland und Europa.

Wald ist nicht nur Wald
Wald ist sehr viel Arbeit und man hat schon Milliarden an Euros mit Wald verloren.
Der Staatsverlust in Deutschland von 31,8 Milliarden Euro durch CumEx Betrug ist vielen bekannt. Der Schaden von weit über 2,5 Milliarden Euro am und mit dem Wald, ist weniger bekannt. Diese Zahl steht für Deutschland und auch nur für das Jahr 2019.

Die Feinde des Waldes sind klein

Der Weg vom Samenkorn zum erntereifen Stamm ist nicht nur lang, sondern für Bäume und Bestand auch gefährlich. Ganz besonders gefährdet sind Fichtenbestände.
Die Fichte ist vom Ursprung her kein Baum, der in Mitteleuropa heimisch war. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland und Europa sehr viel aufgeforstet und die Fichte ist ein schnell wachsender Baum und auch billig. So entanden sehr viele Fichtenwälder – ein heute gesehen fataler Fehler für das Ökosysteme.
Seit Jahren ist in Deutschland und Europa eine Plage an Borkenkäfer zu beobachten und dies nimmt mittlerweile dramatische Auswirkungen an. Weltweit gibt es etwa 6000 Borkenkäferarten wobei laufend noch neue Arten entdeckt und beschrieben werden. In der Paläarktis sind etwa 600, in Europa ungefähr 300 Arten und in Deutschland etwa 110 Arten heimisch.
Wenn man von „dem“ Borkenkäfer spricht, ist fast immer eine bestimmte Art gemeint, der Buchdrucker. Lateinischer Name: Ips typographus.
Der Buchdrucker und der Kupferstecher ( lat.Pityogenes chalcographus) können schon im April stehende Stämme befallen und alles Erreichbare unter der Borke auffressen. Der Rüsselkäfer ( lat. Hylobius abietis) schädigt kleinere Stämmchen und Triebe.
Die Gespinstblattwespe (lat. Pristiphora abietina )und die Nonne (lat. Lymantria monacha ) schädigen durch Kahlfraß der Nadeln. Die Holzwespe (lar. Sirex juvencus) und der Fichtenbockkäfer (lat. Tetropium castaneum) können bei Befall jeden Stamm so entwerten, dass er lediglich noch brennholztauglich ist.

Auch das Reh- und Rotwild schädigen junge Fichten durch Knospenverbiss. Dadurch wird der Fichtenbestand klein gehalten. Durch den Wildschade können Pilzen Eindringen und geben dem Baum somit den Todesstoß.

Pilzbefall an Bäumen ist eine der größten Bedrohungen des Waldes

Die Gefahr durch Pilze

Die größten Feinde des Waldes sind Pilze. Pilze, wie der Hallimasch, schädigen einen Baum durch Wurzelschwamm und Weißfäule. Dabei kann die weitverbreitete und unbeliebte Rotfäule entstehen. Diese  Fäule verfärbt das Holz. Dies führt zu einem Faul- und Morschwerden des Baumes. Einen wirksamen Schutz oder Heilmittel gegen Rotfäule gibt es noch nicht.
Man kann waldbauplanerisch vorbeugen, indem man die typischen Fichtenstandortansprüche bei der Bewirtschaftung des Waldes einbezieht und stattdessen Mischwälder anstatt Monokulturen anlegt.
Ein weiterer Pilz, der gefälltes und gelagertes Nadelholz schädigt, ist der Rostreif. Er ruft einen hohen Qualitätsverlust des Holzes und somit auch finanziellen Schaden hervor. Schutz hiervor bietet: eine luftige und sachgemäße Lagerung sowie der schnelle Abtransport des Holzes aus dem Wald.

Borkenkäfer

Der Fichtenborkenkäfer oder auch Buchdrucker Ips typographus befällt normalerweise geschwächte Bäume und vermehrt sich in ihnen. In Monokulturen besteht die Gefahr eines besonders großen Insektenbefalles, da dort eine große Auswahl an Brut- und Futterbäumen im näheren Umkreis vorhanden ist. Die aktiven Monate des Buchdruckers sind April und Mai. Bei einer starken Massenvermehrung befällt er auch gesunde Bäume und kann sogar ganze Wälder vernichten. Der Käfer bohrt sich in die Rinde und frisst zwischen Rinde und Holz einen senkrechten Gang. Dort legt er zu beiden Seiten seine Eier ab. Die geschlüpften Larven legen weitere breitere horizontale Gänge an. Dadurch zerstören sie die Bastschicht des Baumes und der Käferbaum stirbt ab. Zeichen eines Befalles können braunes Bohrmehl am Stammfuß, Bohrmehl auf Rindenschuppen und braun bzw. rot gefärbte Kronen sein. Die ausgeflogenen Jungkäfer befallen im Juli und August andere Bäume. Dort vermehren sie sich dann weiter und die Zerstörung weiterer Bäume beginnt.

In Niedersachsen sind regelmäßig mit 100.000 bis 200.000 Festmeter Schadholzanfall pro Jahr im Wald durch Wind und Borkenkäfer zu rechnen. Das entspricht einem Anteil von 20- 40% an der gesamten Fichtennutzung.

2019 wurden rund 31,7 Millionen Kubikmeter Wald aufgrund von Insektenschäden eingeschlagen. Zwei Jahre zuvor waren „nur“ 6 Millionen Kubikmeter gewesen.
Zur Bekämpfung des Borkenkäfers gibt es zwar sogenannte Lockstofffallen, die die Aussagen über Anzahl und Verbreitung der Käfer geben, mehr kann man aber dem Borkenkäfer nicht entgegen setzten.
Aus diesem Grund müssen kranke und befallene Bäume so schnell wie möglich aus dem Forst geschafft werden, um den Käfern die Nahrungsgrundlage zu entziehen.
Bei und sofort nach der Ernte werden Kronen und Rindenreste verbrannt, um auch schon geschlüpfte Jungkäfer oder Larven zu vernichten. Wiederrum ist auch hier die schnelle Holzabfuhr aus dem Wald notwendig, um größere Schäden zu vermeiden.
In der Forstwirtschaft wird über die sogenannte Naturschutzgebiete sehr kontrovers diskutiert. Man möchte auf der einen Seite dem Wald seinen Ursprung zurückgeben, indem man in diesem Gebiet kein Holzeinschlag mehr vornimmt, gibt aber mit dem Todholz im Forst Insekten und Pilzen genügend Grundlage um den Wald weiter zu schädigen.
Da der Bund nicht über genügend Finanzielle Mittel und Mitarbeiter_innen verfügt, geht man den einfachsten Weg und schafft ein Naturschutzgebiet – mit fatalen Folgen!

Emmissionsschäden am Wald

Die Abgase von Autos, das ablassen von Kerosin aus Flugzeugen – hier ist der Pfälzer Wald sehr stark betroffen und die SO2 Ausstöße von Heizung und Industrie  haben in Verbindung mit Niederschlägen zu schweren Schäden an Nadeln und Wurzeln geführt. Dies war zu Beginn der 80er im Schwarzwald sehr deutlich zu sehen. Auch wenn auf den ersten Blick sich der Wald erholt hat, täucht dies sehr.
Schwefel und Stickstoffe wirken direkt über die Nadeln oder indirekt durch Boden und Wasser über die Wurzeln. Diese zusätzlichen Belastungen können zum Absterben ganzer Bestände führen. Bei der Waldzustandserfassung im Jahr 2000 wiesen 25 % der Fichten in Deutschland mindestens starke Schäden auf.

Fazit
Die Lunte am Pulverfass brennt
Der Wald hat Stress undniemand merkt es.
Die Politik setzt auf Klimaschutzprogramme die nicht mehr als ein Stohfreuer sind. Wer meint, den Wald sich selbst überlassen zu müssen um die Klimaziele von Paris zu erreichen, der irrt gewaltig. Der Mensch muss in die Natur eingreifen – dies aber in einer gesunden Ökologie. Ohne Wälder kann kein lebenswichtiger Sauerstoff entstehen und ohne Forst kann keine Ökologie entstehen.
Die Zeiten von brachialer Abholzung  – siehe Lüneburger Heide, sind längst vorbei. Ein Forstwirt muss die Ökobilanz genau so im Auge haben, wie die Erträge und Kosten für den Wald.

Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 28. Juni 2021

Die Arrondissement von Paris

Paris besteht aus mehreren Stadtbezirken, den Arrondissements. Die spiralförmig angeordneten Bezirke beginnen im Zentrum der Stadt und setzen sich im Uhrzeigersinn bis nach außen hin in die Vororte fort. Ende des 19. Jahrhunderts weitete Napoleon III. die ursprünglichen zwölf zu insgesamt zwanzig Arrondissements aus.

Erstes Arrondissement (Louvre)

Das an der Seine gelegene Erste Arrondissement begeistert mit einer schönen Architektur, luxuriösen Geschäften und natürlich vielen bedeutenden Sehenswürdigkeiten. Neben der Fußgängerbrücke Pont des Art, dem Stadtpalast Palais Royal und den Tuilerien befinden sich hier auch die Rue de Rivoli und der Louvre. In diesem Bezirk können Besucher der Stadt wahrhaft malerische, postkartenähnliche Motive genießen. Das historische Erste Arrondissement gehört zu den ältesten der Stadt, und einige Teile auf der rechten Seite der Seine gab es sogar bereits im frühen Mittelalter. Das Palais Royal gilt als atemberaubendes Beispiel der Architektur des 17. Jahrhunderts und bietet mit seinem Garten inmitten der bei Touristen beliebten Stadt einen wunderbaren Rückzugsort, in dem Besucher die Ruhe genießen können. Im Herzen der Stadt befindet sich auch der Jardin des Tuileries, eine öffentliche Parkanlage neben dem Louvre. Die Grünanlage begeistert mit ihrer schönen Architektur aus der Zeit der Renaissance, mit Statuen im Park als Ausdruck einstiger gälischer Pracht und mit hübschen Cafés. Die bekannte französische Rue de Rivoli, die auf Anweisung von Napoleon Bonaparte einst in der Nähe des nördlichen Teils des Louvres angelegt wurde, verläuft mitten durch das Erste Arrondissement. In der historischen Straße spiegelt sich die Entwicklung der Stadt von historischen Bauwerken über imposante Plätze bis hin zu einer modernen Stadtplanung wider. Mittlerweile ist sie von luxuriösen Modeboutiquen gesäumt. Ihren Namen verdankt sie übrigens der Schlacht von Rivoli, aus der die Armee Napoleons siegreich hervorging.

Zweites Arrondissement (Bourse)

Auf der rechten Uferseite der Seine befindet sich mit dem Zweiten Arrondissement der kleinste Bezirk der Stadt. Nichts desto trotz hat er viel zu bieten: die Pariser Oper und viele Ladenpassagen sind nur einige der prachtvollen Attraktionen. Heraus sticht vor allem auch die Passage des Panoramas aus dem 19. Jahrhundert, die ursprünglich dazu dienen sollte, den wohlhabenderen Teil der Bevölkerung von den dunklen, schmutzigen Bürgersteigen fernzuhalten, als es noch keine Gaslaternen gab. Das Zweite Arrondissement ist auch für seine Textilindustrie bekannt. Für Modebegeisterte, die diese hautnah erleben möchten, lohnt sich ein Besuch der Gegend am frühen Morgen.

Drittes und Viertes Arrondissement (Marais)

Der Marais wird oft mit dem schillernden SoHo in Manhattan verglichen, versprüht aber dennoch ein unvergleichliches Pariser Flair. Zu den Attraktionen der Gegend zählen exklusive Boutiquen, kleine, luxuriöse und kostspielige Hotels und jede Menge Galerien. Nach ihrer Trockenlegung wandelte sich die einstige Sumpflandschaft zu einem schicken und beliebten Pariser Stadtteil. Noch immer befinden sich dort einige hohe, edle Stadthäuser aus dem 17. Jahrhundert sowie verschiedene, für die Gegend typische Gassen. Im 19. Jahrhundert wurde der Marais zu einem Zentrum des jüdischen Lebens in Paris. Mittlerweile ist dieses zwar etwas verblasst, doch einige Läden mit hebräischen Schriftzügen sowie einige kleine jüdische Museen lassen sich nach wie vor entdecken. Der Marais kann auch mit besonders innovativen kulinarischen Kreationen aufwarten – so lassen sich auf dem wunderbaren Marché des Enfants Rouges sowie in den kleinen umgebenden Straßen in der Nähe der Place de la République verschiedene Köstlichkeiten erstehen.

Sechstes Arrondissement (Saint-Germain des Prés)

Das kultige Saint-Germain des Prés ist Inbegriff der Pariser Bourgeoisie. Hier reihen sich vornehme Wohnblöcke an moderne Kunstgalerien, Patisserien, Bäckereien, Antiquitätenläden, lebendige Cafés und bürgerliche Restaurants. Noch immer erinnert in der Gegend einiges an die einstige Blütezeit in den Fünfzigerjahren, als in den Boulevards Jazzklänge vernommen werden konnten und sich die Intellektuellen im berühmten Café de Flore trafen, um gemeinsame Diskussionsrunden zum Thema Philosophie abzuhalten.

Siebentes Arrondissement (Palais-Bourbon)

Das kleine Siebente Arrondissement auf der linken Uferseite der Seine lockt mit zahlreichen berühmten Sehenswürdigkeiten wie dem Eiffelturm, dem Hôtel des Invalides, dem Musée d’Orsay und dem Musée Rodin. Der zentral gelegene Bezirk galt bereits im 17. Jahrhundert als Mittelpunkt des Pariser Adels und umfasst unter anderem den einst besonders bei der aristokratischen Gesellschaft beliebten Stadtteil Faubourg Saint-Germain. Im Siebenten Arrondissement befinden sich auch der Sitz der französischen Nationalversammlung sowie verschiedene ausländische diplomatische Vertretungen.

Achtes Arrondissement (Elysée)
Das Achte Arrondissement begeistert mit der Prachtstraße Champs-Elysées. Die wahrscheinlich berühmteste Straße der Welt führt von der Place de la Concorde bis zum Triumphbogen. Auch Attraktionen wie der hübsche Parc Monceau und die Kirche La Madeleine sind einen Besuch wert. Südlich der Champs-Elysées befinden sich das imposante Grand Palais – Ausstellungsgebäude und Museum in einem – und das Petit Palais, welches das städtische Museum der schönen Künste beherbergt. Der Élysée-Palast, seit 1848 offizieller Amtssitz des Staatspräsidenten der Französischen Republik, liegt nördlich der Prachtstraße.

Neuntes Arrondissement (Opéra)

Das Neunte Arrondissement ist durch Gegensätze geprägt. Im Süden befinden sich prestigeträchtige Boulevards, im Norden hingegen liegt das berühmte Pariser Rotlichtviertel Pigalle. In den letzten Jahren hat sich die Gegend um den Süden von Pigalle gewandelt und mit der Entstehung junger Boutiquen und einer Kaffeehauskultur den hippen Spitznamen „SoPi“ (kurz für „South Pigalle“) erhalten. Die Opéra Garnier, die Galeries Lafayette und die Kirche La Trinité sind nur einige bekannte Attraktionen der Gegend.

Im Zehnten Arrondissement befindet sich der Bahnhof Gare du Nord. Besucher sollten hier sehr auf ihr Gepäck achtgeben und aufpassen, dass sie auf den langen Rolltreppen nicht angerempelt und bestohlen werden. Unweit des Bahnhofs liegt der Canal Saint-Martin, an dem sich im Sommer gern die Pariser Jugend versammelt. Auf beiden Seiten ist der hübsche Kanal von Bars und Restaurants wie Chez Prune gesäumt, die mit nostalgischem Schick begeistern. Entlang des im 19. Jahrhundert errichteten Kanals lassen sich Bouleplätze entdecken und schöne Radwege erkunden. Der nicht weit entfernte Schiffahrtskanal Canal de l’Ourcq ist von Hochhäusern aus den Siebzigerjahren und zwei Programmkinos umgeben und lockt im Sommer vor allem Wassersportbegeisterte an.

Elftes Arrondissement (Popincourt)

Das Elfte Arrondissement ist vor allem für das Szeneviertel Oberkampf berühmt, das mit seinem pulsierenden Nachtleben mitten in einer doch eher ruhigeren Stadt Besucher anzieht. Die weltoffene Gegend ist bei Studenten und Künstlern beliebt, und auf Hinterhöfen hinter günstigen Lebensmittelläden und Discountern versteckt befinden sich einige Studios. Durch ihr junges, unkonventionelles Flair ist die Gegend ein guter Ausgangspunkt für alle, die die Stadt unter einem jugendlich-fortschrittlichen Gesichtspunkt erkunden möchten.

Zwölftes Arrondissement (Reuilly)

Zu den Attraktionen des Zwölften Arrondissements zählt die Place de la Bastille mit der Opéra Bastille. Als einer der größeren Bezirke bietet dieses Arrondissement bezahlbaren Wohnraum sowie durch öffentliche Verkehrsmittel eine gute Anbindung an den restlichen Teil der Stadt.

Dreizehntes Arrondissement (Gobelins)

Im Dreizehnten Arrondissement leben chinesische, vietnamesische, kambodschanische und laotische Bevölkerungsgruppen. Mit seinen Hochhäusern aus den Sechzigerjahren und weitläufigen Boulevards versprüht dieser Teil von Paris ein deutlich anderes Flair als der Rest der Stadt. Die Avenue d’Ivry, die Avenue de Choisy and der Boulevard Masséna treffen an einem Knotenpunkt dreiecksförmig aufeinander. In den Straßen reihen sich fernöstliche Lebensmittelgeschäfte, Bars mit vietnamesischen Nudelspezialitäten und chinesische Konditoreien aneinander und der Duft exotischer Gewürze liegt in der Luft. Um den Hügel Butte-aux-Cailles herum befinden sich einige sehenswerte Bars und Restaurants, und ein kleiner buddhistischer Tempel, der versteckt in einer Tiefgarage an der Avenue d’Ivry liegt, ist ebenfalls sehenswert. Ein Besuch der Gegend lohnt sich vor allem, wenn das chinesische Neujahrsfest gefeiert wird und sich Drachentänze sowie Kampfsportvorführungen bewundern lassen.

Vierzehntes Arrondissement (Observatoire)

Obwohl sich im Vierzehnten Arrondissement das vielseitige Viertel Montparnasse befindet, in dem vor allem in den Zwanzigerjahren die Kunst- und Literaturszene der Stadt aufblühte, ist in den Bezirk mittlerweile eher etwas Ruhe eingekehrt. Sehenswert sind vor allem der Friedhof Montparnasse, auf dem französische Berühmtheiten begraben sind, und die Katakomben, die von der Place Denfert-Rochereau aus zugänglich sind.

Fünfzehntes Arrondissement (Vaugirard)

Das Fünfzehnte Arrondissement ist unter allen zwanzig Pariser Arrondissements das größte und bevölkerungsreichste, doch es ist touristisch noch nicht besonders gut erschlossen. Eine dicht besiedelte Wohngegend und ein Geschäftsviertel prägen den Bezirk auf der linken Uferseite der Seine im südwestlichen Teil der Stadt. Der Parc André Citroën sticht hervor, denn er gilt als besonders innovativer und interessanter Park unter den modernen Pariser Grünanlagen.

Sechzehntes Arrondissement (Passy)

Neben dem exklusiven Siebenten Arrondissement gilt auch das Sechzehnte Arrondissment – und insbesondere der Stadtteil Passy – als bevorzugte Wohngegend der wohlhabenderen Pariser Bevölkerung. Die von der Place de Costa Rica bis zur Chaussée de la Muette reichende Rue de Passy ist von exklusiven, luxuriösen Boutiquen und eleganten Ladenketten gesäumt. In den Geschäften lassen sich oft amerikanische Akzente vernehmen, immerhin ist die Gegend bei Geschäftsleuten, die mit ihren Familien aus Nordamerika hergezogen sind, sehr beliebt. Im Palais de Tokyo können Besucher, die sich für moderne Kunst interessieren, viele kostenlose Ausstellungen besuchen. Ebenfalls sehenswert sind der Friedhof Cimetiere de Passy sowie das Maison de Balzac. Mittlerweile wurde das Haus des berühmten französischen Schriftstellers Honoré de Balzac in ein Museum umgewandelt.

Siebzehntes Arrondissement (Batignolles-Monceau)

Ebenso wie die Gegend „SoPi“ erfährt auch das Siebzehnte Arrondissement einen Wandel. Der Bezirk, in dem immer mehr Bars und Bistros entstehen, erfreut sich bei den sogenannten „Bobos“ (abgeleitet von „bourgeois-bohémien“; Bezeichnung für meist jüngere, liberale, gebildete und wohlhabende Bürger mit nichtkonformistischen Werten) immer größerer Beliebtheit. Das Viertel Batignolles bietet neben günstigen Mieten auch eine gute Anbindung an Sehenswürdigkeiten wie die Champ-Elysées und den Parc Monceau. Es liegt zwar etwas abseits der Touristenpfade nördlich des Triumphbogens, der nordöstliche Teil des Viertels wird aber immer belebter. Das Siebzehnte Arrondissement ist besonders für seine Architektur im Haussmann-Stil berühmt, und die ruhigen, typischen Pariser Straßen lassen sich wunderbar bei einem Spaziergang erkunden.

Achtzehntes Arrondissement (Butte-Montmartre)

Das Achtzehnte Arrondissement beherbergt das berühmte historische Viertel Montmartre. Es ist vor allem für die Basilika Sacré-Cœur mit ihrer weißen Kuppel bekannt, die sich auf dem Hügel Montmartre befindet. Von oben wird ein herrlicher Ausblick geboten. Kleine Kopfsteinpflasterstraßen führen hinauf auf den Hügel mit kleinen Bars und Cafés, von deren winzigen Terrassen aus eine wunderbare Aussicht genossen werden kann. Sehenswert sind auch das kleine Museum Espace Dali, in dem sich Werke des bekannten Künstlers des Surrealismus, Salvador Dali, bewundern lassen. Auch ein Weinberg, der Friedhof Cimietiere de Montmartre, auf dem viele bekannte Künstler begraben wurden sowie eine Standseilbahn, die den Berg hinauf fährt, zählen zu den Attraktionen der Umgebung. Das Viertel Montmartre konnte einen großen Teil seines historischen Charakters bewahren und auch wenn es im Sommer manchmal etwas voller wird, lohnt sich ein Besuch durchaus, um in das wahre Pariser Leben einzutauchen.

Neunzehntes Arrondissement (Buttes-Chaumont)

Der unter Napoleon III. nach einem britischen Entwurf errichtete Parc des Buttes-Chaumont ist ein beliebtes Ziel im Neunzehnten Arrondissement im Norden von Paris. Der Hauptkonstrukteur Baron Haussmann nutzte Dynamit, um durch Sprengungen besonders dramatische, sich voneinander abgrenzende Landschaften zu schaffen. So befinden sich in dem Park unter anderem ein Felsen, ein romantischer Wasserfall, ein kleiner Tempel, der einem alten römischen Relikt nachempfunden wurde, eine Grotte sowie über 24 Hektar große Grünflächen und Blumenbeete. Auch die Straßen, die zu dem Park führen, lassen sich gut erkunden und bieten einen Einblick in einen älteren, originelleren Teil von Paris.

Zwanzigstes Arrondissement (Menilmontant)

Das Zwanzigste Arrondissement besteht vor allem aus Wohngebieten, bietet jedoch mit dem Cimitiere du Pere-Lachaise auch eine äußerst bekannte Attraktion. Auf dem scheinbar meistbesuchten Friedhof der Welt sind bekannte Pariser Schriftsteller, Künstler und Politiker sowie Berühmtheiten wie Oscar Wilde und Jim Morrison begraben.

Die Situation in der Demokratischen Republik Kongo ist verheerend

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo folgen seit 20 Jahren bewaffnete Konflikte und Bürgerkriege aufeinander. In 10 von 26 Provinzen des Landes kämpfen rund 50 bewaffnete Gruppen um Einfluss und Macht. Allein 2017 wurden 1,7 Millionen Menschen vertrieben – das Land zählt mehr als 5 Millionen Binnenflüchtlinge.

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Mehr als fünf Millionen Menschen wurden in den letzten zwei Jahren durch Unsicherheit und Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo entwurzelt, wobei nach Schätzungen der UNO allein in der Provinz Nord-Kivu fast zwei Millionen Menschen vertrieben wurden. UNHCR braucht für die Unterstützung der Binnenvertriebenen dringend die Hilfe der internationalen Gemeinschaft. Bislang sind nur sechs Prozent der 195 Millionen US-Dollar, die UNHCR für seine lebenswichtigen Operationen in der DRK benötigt, finanziert worden.

59 Jahre nach der Unabhängigkeit von Juni 1960 steht die Demokratische Republik Kongo allerdings vor einem Scherbenhaufen. Die Sicherheitslage ist prekär angesichts der kaum funktionierenden staatlichen Strukturen und mehrerer Dutzend Rebellengruppen, die schwer bewaffnet sind.

Nach dem Machtwechsel im Januar 2019 zieht der ehemalige Präsident Kabila weiterhin die Fäden. Der neue Präsident Tshisekedi, der nur durch die Manipulation der Wahlergebnisse an die Macht kam, versucht sich von Kabila zu emanzipieren und auf politische Reformen hinzuarbeiten.
Kabila hatte Neuwahlen über Monate verschleppt, doch der immense Druck der internationalen Gemeinschaft gegen eine dritte Kandidatur Kabilas haben einen demokratischen Wandel eingefädelt.

Im Januar 2019 wurde der neue kongolesische Präsident Félix Tshisekedi in seinem Amt vereidigt. Dies stellte die erste friedliche Machtübernahme seit der Unabhängigkeit Kongos dar. Dennoch bestehen Zweifel an der Integrität des Prozesses und des Wahlausgangs. Der Wahl am 30. Dezember 2018 vorausgegangen waren zwei Jahre voller Ungewissheit, Proteste und Instabilität. Der vorangegangene Präsident Joseph Kabila hätte offiziell am Ende seiner Amtszeit am 19. Dezember 2016 abtreten müssen. Er hatte jedoch wiederholt Anläufe unternommen, die Verfassung zu seinen Gunsten zu ändern, um für eine weitere Amtszeit kandidieren zu können. Diese Versuche führten immer wieder zu massiven Protesten der Opposition in Kinshasa und anderen größeren Städten.

Kabila gab schließlich dem Druck der Bevölkerung sowie regionaler Organisationen und internationaler Geldgeber nach und ernannte Emmanuel Ramazani Shadary als Nachfolger. Shadary kandidierte für das Parteienbündnis „Front commun pour le Congo“ (FCC), in dem auch Kabilas „Parti du Peuple pour la Reconstruction et la Démocratie“ (PPRD) repräsentiert ist. Die wichtigsten Gegenkandidaten waren Félix Tshisekedi von der Koalitionspartei „Cap pour le Changement“ (CACH) sowie der populäre Martin Fayulu von der Oppositionspartei „Engagement pour la citoyenneté et le développement“ (ECiDé).

Wahlbeobachter aus dem In- und Ausland sehen die Wahl als manipuliert an. Der Rat der Kirchen des Kongos (Conférence Episcopale Nationale du Congo – CENCO) sowie Wahlergebnisse, die den Medien zugespielt wurden, bestätigten Fayulu als Gewinner. Doch die Nationale Wahlkommission (Commission electorale nationale et independante – CENI) gab Tshisekedi als Wahlsieger bekannt.

Trotzdem akzeptierte die Bevölkerung in einer Mischung aus Resignation und Hoffnung das Ergebnis. Nach dem jahrelangen Konflikt um den Machterhalt Kabilas gab wohl die Tatsache den Ausschlag, dass eben nicht Kabila selbst oder der von ihm ausgewählte Nachfolger, sondern ein anderer Kandidat das Präsidentenamt übernahm.
Indes waren Sondergesandte der Afrikanischen Union im Kongo, die ebenfalls Zweifel an der Richtigkeit der Wahlergebnisse hegten. Hinzu kommt, dass wegen Unruhen und einer Ebola-Epidemie in einigen Regionen die Wahl nicht stattfand. Dort konnten 1,25 Millionen Stimmberechtigte ihr Votum nicht abgeben. Sie sollen nun im März 2019 die Möglichkeit der Wahl erhalten. Inzwischen hat die EU als wichtiger Partner des Kongo die Wahlergebnisse anerkannt, zudem die Nachbarstaaten Uganda, Tansania und Kenia.

Politisch ist die DR Kongo sehr instabil

Die kongolesische Polizei und das kongolesische Militär gingen zuletzt Mitte 2018 teilweise gewaltsam und brutal gegen Regierungskritiker vor. Zu Jahresbeginn 2018 spricht die UN-Mission in dem zentralafrikanischen Land von mehreren Toten.
Das Internet wurde 2018 mehrmals „aus Gründen der staatlichen Sicherheit“ abgeschaltet. Vor allem in Kinshasa und der Provinzhauptstadt Kananga in der Provinz Kasaï eskaliert weiterhin die Gewalt. Hier kämpfen Rebellen und Sicherheitskräfte mit erneuter Härte gegeneinander. Tausende Menschen sind auf der Flucht.

Bewaffnete Konflikte und die langwährende politische Instabilität haben in der DR Kongo zu einer humanitären Langzeitkrise geführt.13 Millionen Menschen sind mittlerweile auf humanitäre Hilfe angewiesen. Viereinhalb Millionen Menschen mussten aufgrund der Gewalt ihre Heimat verlassen und sind innerhalb des Kongo auf der Flucht. Das sind so viele wie in keinem anderen afrikanischen Land. Mit mehr als 744.000 Binnenvertriebenen ist die Provinz Nord-Kivu im Osten des Landes am stärksten betroffen.

Auf dem Entwicklungsindex der UN steht das Land trotz seines Reichtums an Bodenschätzen auf Platz 176 von 188 Ländern. Die UN hab alleine im Jahr 2017  6.500 Menschenrechtsverletzungen registriert, ein Anstieg um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr!

Akute Unterernährung  und eine zunehmende wachsende Ernährungskrise zeichnen sich seit April 2021 ab.

Neben dem Schutz vor Menschenrechtsverletzungen benötigen diese Menschen vor allem Unterstützung im Bereich Gesundheit und Ernährung: 7,7 Millionen sind von einer Ernährungskrise betroffen, 2,2 Millionen Menschen sind stark unterernährt. Die ständigen Vertreibungen, die generelle Unsicherheit und die militärischen Auseinandersetzungen ermöglichen es den Bewohnern nördlich von Goma nur unregelmäßig, ihre Felder zu bearbeiten. Über 2 Millionen Kinder sind landesweit von akutem Hunger betroffen und es werden monatlich mehr. Allein in der Region Birambizo im Ostkongo leiden knapp 12 Prozent der Bevölkerung unter akuter Unterernährung, wobei die meisten Kinder sind.


Evke Freya von Ahlefeldt, UNICEF Paris.
19. Juni 2021

Wenn humanitäre Hilfe zur Lebensgefahr wird.

Brunnen bohren, Lebensmittel verteilen, Schulen bauen und dabei glücklichen Menschen in die Augen sehen. Dies ist oft das Bild von Menschen, wie sie Mitarbeiter*innen von Hilfsorganisationen sehen – die Realität ist eine andere, denn es gibt Gruppierungen ob nun Terroristen, Milizen oder Regierungstruppen die humanitäre Helfer*innen als Bedrohung ihres Glaubens, Politik oder Ansichten sehen.

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Entführungen und Angriffe auf Mitarbeitende von Hilfsorganisationen in Entwicklungsländern haben in den letzten 10 Jahren zugenommen.
Seit dem Bürgerkrieg in Syrien werden Entwicklungshelfer*innen bewusst zum Ziel von Angriffen verschiedener Gruppierungen.

Wenn die Sicherheit von Mitarbeitenden NGO’s nicht mehr garantiert ist, stellen viele Hilfsorganisationen ihre Arbeit in den entsprechenden Ländern ein. In Afghanistan, im Sudan, in Somalia und in Pakistan passiert dies am häufigsten. Auch Äthiopien, Jemen, Jordanien, Mali, Nigeria und Philippinen sind Länder, in denen es Angriffe gab und gibt.

Vor 2010 ließ sich der Großteil der Zwischenfälle auf kriminelle Ursprünge zurückführen. Entwicklungshelfer*innen wurden überfallen, weil die Angreifenden hofften, Geld oder Wertgegenstände zu erbeuten. Inzwischen sind viele Gewaltakte politisch / religiös motiviert. Entwicklungshelfer*innen werden entführt oder getötet, um Gefangene freizupressen oder politische Entscheidungen durchzusetzen.

Damit Übergriffe erst gar nicht passieren sollen, greifen Hilfsorganisationen auf bewaffneten Begleitschutz zurück oder statten Mitarbeitende mit Waffen aus. Dies ist aber erst durch die EU Verordnung  Nr 230/ 2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. März 2014  möglich. Diese Verordnung ist eines der Instrumente, mit denen die auswärtige Politik der EU direkt unterstützt wird.
Sie folgt der Verordnung (EG) Nr. 1717/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates nach, die am 31. Dezember 2013 außer Kraft getreten ist.
Zu den wichtigsten der unter anderem in Artikel 21 des Vertrags über die Europäische Union (EUV) dargelegten Zielen des auswärtigen Handelns der Union gehört es, den Frieden zu erhalten, Konflikte zu verhüten, die internationale Sicherheit zu stärken und den Völkern, Ländern und Regionen, die von Naturkatastrophen oder von vom Menschen verursachten Katastrophen betroffen sind, zu helfen. Krisen und Konflikte, die Länder und Regionen
betreffen, und andere Faktoren wie Terrorismus, organisierte Kriminalität, geschlechtsbezogene Gewalt, Klimawandel, Herausforderungen im Bereich der Computer- und Netzsicherheit und Sicherheitsbedrohungen infolge
von Naturkatastrophen stellen eine Gefahr für Stabilität und Sicherheit dar. Zur wirksamen und rechtzeitigen
Bewältigung dieser Probleme sind spezifische Finanzmittel und Finanzierungsinstrumente erforderlich, die die humanitäre Hilfe und die Instrumente der langfristigen Zusammenarbeit ergänzen.

Artikel 4 der Verordnung Nr. 230/201

Hilfe für Konfliktverhütung, Friedenskonsolidierung und
Krisenvorsorge

(1) Zur Verfolgung der in Artikel 1 Absatz 4 Buchstabe b genannten Einzelziele leistet die Union technische und finanzielle Hilfe. Diese Hilfe umfasst die Unterstützung von Maßnahmen zum Aufbau und zur Stärkung der Kapazitäten der Union und ihrer Partner für die Verhütung von Konflikten, die Konsolidierung des Friedens und die Deckung des Bedarfs in Vor- und
Nachkrisensituationen in enger Koordinierung mit den Vereinten
Nationen und anderen internationalen, regionalen und subregionalen Organisationen sowie staatlichen Akteuren und Akteuren der Zivilgesellschaft bei ihren Anstrengungen in folgenden Bereichen:
a) die Frühwarnung und die konfliktsensible Risikoanalyse bei
der politischen Gestaltung und bei der Umsetzung von Politiken zu fördern;
b) Vertrauensbildung, Schlichtung, Dialog und Versöhnung unter besonderer Berücksichtigung entstehender Spannungen zwischen Gemeinschaften zu erleichtern und entsprechende
Kapazitäten aufzubauen.

Absatz 3 c: bei der Hilfe für Behörden, die am Kampf gegen den Terrorismus beteiligt sind, wird unterstützenden Maßnahmen, die Folgendes betreffen, Vorrang eingeräumt: die Entwicklung und Stärkung von Rechtsvorschriften zur Terrorismusbe-
kämpfung, die Umsetzung und Durchsetzung von Finanzrecht, Zollvorschriften und Einwanderungsrecht, die Entwicklung von Verfahren zum Rechtsvollzug, die höchsten interna-
tionalen Standards entsprechen und die im Einklang mit dem Völkerrecht stehen, die Stärkung der Mechanismen für demo-
kratische Kontrolle und institutionelle Aufsicht sowie die Verhütung gewalttätiger Radikalisierung.

Soweit einen Einblick in die Gesetzesvorlage der EU für humanitäre Helfer*innen.

Wie gefährlich unsere Arbeit vor Ort ist, möchte ich anhand eines Schreibens der UN aus Dezember 2020 zeigen.

Am Dienstag, den 27. Oktober 2020
wurden zwei somalische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Mogadischus Hauptstadt Somalias von mutmaßlichen Al-Shabab-Terroristen getötet. Sie arbeiteten an einer Polio-Impfkampagne für Kinder, die von UNICEF, der WHO und dem somalischen Gesundheitsministerium organisiert wurde.

Im Südsudan wurden in gleicher Woche zwei südsudanesische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bei zwei separaten Angriffen im östlichen Bundesstaat Jonglei getötet.

Am Donnerstag, den 29. Oktober, wurde ein Team der NGO „Plan Internationa“  in der Nähe der Stadt Pibor angegriffen. Das Team hatte Kindern und jungen Müttern, die von der Gewalt und den Überschwemmungen betroffen waren, Ernährungshilfe geleistet. Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation wurde bei dem Angriff getötet. 

Am nächsten Tag wurde ein weiterer Mitarbeiter der südsudanesischen NGO „Nile Hope“, das ebenfalls Nahrungsmittelhilfe für die Zivilbevölkerung leistet, von bewaffneten Jugendlichen im Bezirk Canal/Pigi getötet.

In Syrien wurden am Mittwoch, den 4. November 2020, zwei syrische Mitarbeiter von UNICEF in Idlib getötet. Sie waren auf dem Weg zu einem von der UN-Agentur unterstützten Kinderschutzraum, als sie unter Beschuss gerieten.

Der UN-Untergeneralsekretär und Nothilfekoordinator für humanitäre Angelegenheiten, Mark Lowcock, prangerte eine Situation an, die „nicht toleriert werden kann. Angriffe auf humanitäre Helfer sind eine Verletzung des humanitären Völkerrechts und ein unanständiger Akt gegen Menschen, die hart und oft unter schwierigen Umständen arbeiten, um bedürftigen Menschen zu helfen.“

Die sechs in Somalia, Südsudan und Syrien getöteten Entwicklungshelfer waren alle lokale Mitarbeiter von humanitären Organisationen. Viele Entwicklungshelfer kommen aus den Gemeinden, denen sie dienen. In einigen Fällen haben sie bereits unter den Auswirkungen von Konflikten, Klimawandel und Naturkatastrophen gelitten, genau wie die Menschen, denen sie helfen.“

Laut der Datenbank zur Sicherheit von Mitarbeitern von Hilfsorganisationen, die von der unabhängigen Forschungsorganisation Humanitarian Outcomes geführt wird, übertrafen die schweren Angriffe auf humanitäre Mitarbeiter im Jahr 2019 alle bisherigen Jahre in der Aufzeichnung. Mindestens 483 humanitäre Helfer wurden angegriffen und 125 von ihnen wurden getötet.

Evke Freya von Ahlefeldt, 14. Juni 2020

Wassermangel infolge der Klimaveränderung Die weltweite Situation ist alarmierend

Ein Bericht von Evke Freya von Ahlefeldt

„Der nächste Krieg im Nahen Osten wird ums Wasser geführt“, prophezeite bereits 1985 der damalige UN-Generalsekretär Boutros Ghali. 

Es werden noch keine Panzer zum Schutz oder Verteidigung von Brunnen aufgefahren, aber internationale Konflikte um Wasser um gibt es schon lange. So ringen Indien und Pakistan  am Indus um Wasserrechte. Irak und Türkei streiten um das Wasser von Tigris und Euphrat. Auch Ägypten und Äthiopien streiten im Becken des Blauen Nils um Wasser.

In 17 Ländern ist jetzt schon ein Wassermangel festzustellen. Darunter sind die arabischen Golfstaaten, Israel, Jordanien, der Libanon, Libyen, Botswana und Eritrea. Aber auch der kleine Mittelmeerstaat San Marino, Turkmenistan sowie Indien und Pakistan und Afghanistan gehören dazu.
Auch in Europa sind in Italien, Portugal, Spanien und Griechenland die Folgen spürbar. Auch in einige Balkanstaaten und erstaunlicherweise in Belgien sehen Forscher des World Resources Institute der Entwicklung an Wassermangel mit Sorge.

Der Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene ist essentiell für Überleben und Entwicklung – ganz besonders für kleine Kinder. „Wasser und Sanitärversorgung für alle“ lautet demnach das sechste der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Nachfolgend 10 Punkt die die Auswirkungen der Klimaveränderungen deutlich zeigen.

1. Die Wasserkrise geschieht jetzt!

2,2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. Eine unfassbare Zahl. Rund 785 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Trinkwasser. Betroffen sind vor allem Menschen oder Familien in den ärmeren Regionen der Welt – und dort vor allem in den ländlichen Gebieten.

Dabei sind mehr als zwei Drittel der Erde von Wasser bedeckt, allerdings sind nur weniger als drei Prozent davon trinkbar. Und dieses Trinkwasser ist zudem sehr ungleich verteilt. Besonders in Afrika, Lateinamerika und Asien herrscht vielerorts dramatische Wasserknappheit. Schätzungsweise 3,6 Milliarden Menschen leben heute in Gebieten, die mindestens einen Monat pro Jahr extrem wasserarm sind. Laut einer aktuellen Untersuchung von UNICEF leben weltweit mehr als 1,42 Milliarden Menschen in Gebieten mit insgesamt hoher oder extrem hoher Wasserunsicherheit, darunter 450 Millionen Kinder.

Eine Besserung ist momentan nicht in Sicht. Der UN-Weltwasserbericht aus dem Jahr 2019 plädierte für „grüne“ Lösungen – etwa natürliche Wasserkreisläufe, die für die Wasserversorgung genutzt werden sollten. Wann findet ein echtes Umdenken statt?

2. Wasser muss nicht nur sauber, es muss „sicher“ sein.

Hier bei UNICEF wird von „sicherem“ Wasser gesprochen, wenn es für die Menschen in der Nähe ihres Zuhauses zugänglich, bei Bedarf verfügbar und natürlich frei von Verunreinigungen ist.

Nur dann können sich Familien darauf verlassen, dass ihre Gesundheit nicht gefährdet ist. Was nützt es, wenn es zwar Wasser in der Nähe gibt, es aber aus einem verschmutzten Fluss kommt und voller Krankheitserreger steckt?

So ist die Situation etwa für Baraka aus dem Südsudan. Mit seiner Mutter und seinen Geschwistern lebt der Fünfjährige am Stadtrand der Hauptstadt Juba. Im Bürgerkrieg wurden Wasserstellen und Brunnen gezielt beschädigt und zerstört. Die einzige Alternative für die Familie: Wasser aus einem nahegelegenen Fluss holen. Verschmutztes Wasser, das mit Keimen und Bakterien verunreinigt sein und zu Krankheiten führen kann.

3. Ohne Wasser und Hygiene verbreiten sich Krankheiten besonders schnell.

Spätestens seit Auftreten des Coronavirus sind auch wir hier noch stärker dafür sensibilisiert, dass Hygiene äußerst wichtig ist für die Vermeidung von Krankheiten. Speziell in den ärmeren Regionen der Erde ist verschmutztes Wasser aus Flüssen ein Problem – ein weiteres ist mangelnde Hygiene. Rund zwei Milliarden Menschen nutzen keine sicheren Sanitäranlagen. Dazu gehört etwa eine Toilette, die dafür sorgt, dass Menschen nicht in Kontakt mit den Ausscheidungen kommen, und ein System, das die Ausscheidungen sicher entsorgt.

Krankheiten können sich so schnell ausbreiten – eine tödliche Gefahr für kleine Kinder. Auch hier ist der Südsudan ein mahnendes Beispiel: Ein Cholera-Ausbruch hatte dort seit dem Sommer 2016 über 400 Todesopfer gefordert.

In der Regenzeit drohen weitere Ausbrüche: Überflutungen verschmutzen die Wasserquellen, viele sanitäre Anlagen sind in schlechtem Zustand – oder gar nicht erst vorhanden. 

4. „Open defecation“ ist weiter verbreitet, als man denkt.

Hierzulande praktisch undenkbar, in vielen Regionen der Welt Alltag: Rund 673 Millionen Menschen praktizieren den Stuhlgang im Freien. Sie verfügen also noch nicht einmal über eine einfache Toilette, sondern verrichten ihre Notdurft am Straßenrand, auf Feldern oder im Gebüsch.

Wie kann man das ändern? Unter anderem durch Aufklärung: UNICEF kümmert sich beispielsweise in ländlichen Dorfgemeinschaften nicht nur um Ausbau und Wartung der Wassersysteme oder den Bau von Latrinen, sondern schult auch so genannte „Wasserkomitees“.

Die Mitglieder der Komitees informieren andere Dorfbewohner dann beispielsweise über einfache Hygienepraktiken oder die Gefahr von Krankheiten. Oder sie überprüfen die Qualität des vorhandenen Trinkwassers.

Mali im August 2021

5. Wie immer: Die Kinder sind am meisten gefährdet.

Noch immer gehören der Mangel an sauberem Wasser und Hygiene zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Jeden Tag sterben mehr als 700 Kinder an vermeidbaren Krankheiten wie etwa Durchfall, die durch verunreinigtes Wasser oder mangelnde Hygiene hervorgerufen wurden.

Dabei ist Hygiene einer der einfachsten und kostengünstigsten Wege, um lebensgefährliche Krankheiten zu verhindern. Die Kinder auf den Philippinen haben nach dem großen Taifun 2013 gelernt, beim Händewaschen mit Seife zweimal „Happy Birthday“ zu singen – das ist genau die richtige Zeit, um gefährliche Krankheitserreger zu beseitigen. Ein wichtiger Hinweis, denn in einigen der ärmsten Regionen der Erde ist Händewaschen nicht selbstverständlich.

Das gründliche Händewaschen mit Seife ist, wenn es richtig gemacht wird, auch im Kampf gegen das Coronavirus ein wichtiger Faktor – das haben wir im vergangenen Jahr immer wieder gehört. Das Problem: Milliarden von Menschen weltweit haben keinen ständigen, einfachen Zugang zu einem Ort, an dem sie sich die Hände waschen können.

6. Unzählige Babys werden unter unhygienischen Bedingungen geboren.

Laut UN verfügte 2019 jedes vierte Krankenhaus weltweit nicht über fließendes Wasser und Seife zum Händewaschen. 21% hatten keine einfachen Toiletten. Unter solchen Umständen sind sichere Geburten kaum möglich. Und Hygiene ist rund um die Geburt lebenswichtig. Wird beispielsweise die Nabelschnur mit einem nicht sterilen Gegenstand durchtrennt, kann das Baby Gefahr laufen, sich mit einer lebensbedrohlichen Krankheit wie Tetanus zu infizieren.

In Notsituationen ist die Lage besonders dramatisch: Als zum Beispiel 2015 zwei schwere Erdbeben Nepal erschütterten, wurden unter anderem viele Krankenhäuser und Geburtszentren zerstört – in einigen Regionen sogar rund 70 Prozent der Geburtszentren. UNICEF richtete Gesundheitsstationen und Notunterkünfte ein, wo Mütter ihre Babys sicher und unter hygienischen Bedingungen auf die Welt bringen konnten.

7. Wassermangel verhindert Schulbildung.

Wenn Kinder täglich lange Wege gehen müssen, um Wasser für die Familie zu holen, verpassen sie oft die Chance, zur Schule zu gehen. Gerade für Kinder ist dies wertvolle Zeit, in der sie nicht Kind sein und nicht lernen können. So ergeht es zum Beispiel Aysha aus Äthiopien. Dies ist ein Tag in ihrem Leben…

Hinzu kommt: Wenn Schulen kein sicheres Trinkwasser und keine Toiletten haben, können Kinder nicht in einer angemessenen Umgebung lernen. Und Mädchen bleiben während ihrer Menstruation häufig lieber zu Hause.

2019 hatten nur etwa 69% der Schulen weltweit grundlegenden Zugang zu Trinkwasser, und nur 66% hatten sanitäre Anlagen. Rund 900 Millionen Kinder haben an ihrer Schule keinen Zugang zu Hygiene. Besonders betroffen sind die afrikanischen Länder südlich der Sahara.

8. Der Klimawandel macht es noch schlimmer.

Das sich verändernde Klima wirkt sich unter anderem auf Niederschläge aus: Intensität, Dauer und Verteilung über die Jahreszeiten hinweg verändern sich. Dies wiederum beeinflusst die Menge und Qualität des Trinkwassers. Der Klimawandel verschärft insgesamt die Wasserknappheit und kann die Konkurrenz um die begrenzten Wasserressourcen noch verstärken. Zahlreiche Menschen werden in Zukunft gezwungen sein, in andere Gebiete zu ziehen.

Extreme Wetterereignisse können zudem Wassersysteme und Infrastruktur beschädigen, die insbesondere Kinder für ihr Überleben und ihre Entwicklung benötigen, wie z.B. sanitäre Einrichtungen und Wasserleitungen in Schulen und Gesundheitseinrichtungen.

Das globale Wetterphänomen El Niño hat uns in den vergangenen Jahren vorgeführt, welche Auswirkungen der Klimawandel haben kann. Insbesondere die Länder des östlichen und südlichen Afrika wurden mit voller Wucht getroffen: Extreme Trockenheit und Dürre wechselten sich mit sintflutartigen Regenfällen ab.

Wohin führen uns die düsteren Prognosen des Klimawandels? Bereits jetzt leben rund 500 Millionen Kinder in Gebieten, die aufgrund extremer Wetterereignisse wie Zyklone, Hurrikane und Stürme sowie des steigenden Meeresspiegels einem extrem hohen Überschwemmungsrisiko ausgesetzt sind. 450 Millionen Kinder leben in Gebieten mit hoher oder extrem hoher Wasserunsicherheit. Bis 2040 wird fast jedes vierte Kind auf der Welt in einem Gebiet leben, das von extremer Trockenheit betroffen ist – wenn wir nicht bald handeln.

9. In Konflikten und Krisen haben Kinder doppelt so häufig keinen Zugang zu Wasser.

Weltweit benötigen Millionen Menschen in Notsituationen dringend sauberes Wasser. Ein besonders eindringliches Beispiel ist der Bürgerkrieg in Syrien, der mittlerweile seit 10 Jahren andauert. Die Kämpfe haben dort tiefe Spuren hinterlassen: Die Wasserversorgung ist in vielen Orten immer wieder zusammengebrochen, Millionen Menschen waren in den vergangenen Jahren betroffen.

UNICEF bekämpft den Wassermangel in Syrien mit Notlieferungen auf Trucks sowie dem Bau und der Reparatur von Brunnen und Infrastruktur. Tagtäglich versorgen unsere Kollegen die Kinder in den zerstörten Städten und Flüchtlingsunterkünften mit sauberem Wasser. Ein besonderes Anliegen ist der Wiederaufbau der dauerhaften Wasserversorgung von Schulen.

10. Wir müssen mehr tun!

Die Zahlen und Fakten machen deutlich: Die Welt ist noch nicht auf dem richtigen Weg, um das sechste der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen: „Wasser und Sanitärversorgung für alle“.

UNICEF arbeitet bereits auf höchster politischer Ebene und fordert Regierungen dazu auf, ihre Verpflichtungen zur Verbesserung des Zugangs zu Wasser und Hygiene einzuhalten und daran zu arbeiten, die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen. Außerdem sollte die Zusammenarbeit von Regierungen und nationalen Statistikämtern gestärkt werden, um die Erhebung, Analyse und Verbreitung von Daten zu verbessern.

Vor dem Hintergrund der globalen Wasserkrise hat UNICEF die Initiative „Water Security for All“ gestartet, um langfristig zu erreichen, dass jedes Kind Zugang zu einer nachhaltigen und klimaresistenten Wasserversorgung hat. Die Initiative soll Ressourcen, Partnerschaften und Innovationen bündeln und Unterstützung für die „Hotspots“ mobilisieren, in denen Investitionen in die Wasser- und Sanitärversorgung sowie Hygiene am dringendsten sind. 

Technische Entwicklungen und Innovationen könnten weiterhelfen, wie dieses Beispiel aus Malawi zeigt: In einem Dorf nahe der Stadt Blantyre hat UNICEF eine solarbetriebene Pumpe installiert, die der Gemeinde hilft, sich auf zukünftige Notsituationen vorzubereiten.

Die Solarpumpe reicht tiefer in den Boden als eine Handpumpe. Das bedeutet, dass die Menschen auch während einer Dürre, wenn der Grundwasserspiegel sinkt, Zugang zu Wasser haben. Zudem ist die Pumpe wartungsarm, und Solarstrom ist billiger, umweltfreundlicher und nachhaltiger als teure Dieselgeneratoren.

Quellen:
– UNICEF Report  Save the Water  
World Resources Institute

Eine kleine Geschichte über die Kassette

Auch ich muss mich als Kind jener Technologie outen und habe so einige schöne Erinnerungen an die Kassette.
Die ersten Lebensjahre von mir waren nicht gerade die musikalischen Highlights der Welt. Es war mehr Benjamin Blümchen, die Schlümpfe und Tabaluga. Im heranwachsen kamen Hörspiele von TKKG oder Die drei ??? in das
répertoire von klein Evke.
Ich hatte damals ein rotes Sony Kassette-Radio mit einem gelb blauen Mikrofon. Ich schleppe dieses Teil fast überall mit hin- zum Leidwesen vieler Menschen. Evke hatte den Traum Popstar zu werden und sang in sein buntes Mikrofon.

Mit ungefähr 10 Jahren bekam ich zum Geburtstag eine mega Stereoanlage mit CD Spieler und alles was es an Technik gab – so gar Equalizer! Ich war stolz auf meine Anlage, die sogar noch zwei Kassette-Decks hatte. CD’s konnte man zu jener Zeit noch nicht selbst bespielen, so nahm ich weiterhin Musik von CD oder Radio auf meine geliebten Musik Kassetten auf.

Nun ein Nachruf an einen großen Ingenieur dessen Erfindung jeder kennt, aber den Namen nicht: Lou Ottens.

Der Niederländer Lou Ottens gilt als der Vater des Tonbandes. Er starb am 6. März 2021 im Alter von 94 Jahren. Seit seiner Erfindung im Jahr 1962 wurden weltweit über hundert Milliarden Kassetten verkauft.

Seine Erfindung veränderte das Leben von Generationen an Musikfans. Die Erfindung von Lou Ottens machte Musik zum ersten Mal wirklich tragbar und ermöglichte den Musikfans die Zusammenstellung ihrer Lieblingslieder. Von den 1960er bis 1980er Jahren wurden weltweit mehr als 100 Milliarden Kassetten hergestellt. „Es hat uns alle traurig gemacht, vom Tod von Lou Ottens zu erfahren“, sagte Olga Coolen, Direktorin des Philips-Museums in Eindhoven, in einer AFP Erklärung. „Lou war ein außergewöhnlicher Mann, der Technologie liebte, obwohl seine Erfindungen bescheidene Anfänge hatten.“
Der Niederländer aus Bellingwolde zeigte schon in jungen Jahren, als die Niederlande im Zweiten Weltkrieg von Nazideutschland besetzt waren, sein Interesse an Technologie. Er baute insbesondere ein Radio, das es ihm ermöglichte, das „freie niederländische“ Radio Oranje zu empfangen, dank einer speziellen Antenne, die er „Germanenfilter“ nannte, weil es damit möglich war, den Nazi-Störsendern auszuweichen.
Lou Ottens kam nach seinem Ingenieurstudium zu Philips, wo er und sein Team das weltweit erste tragbare Tonbandgerät entwickelten. Aber er war schnell frustriert über das sperrige Spulensystem, das manuelles Aufziehen erforderte, und so erfand er 1962 die Kassette. „Die Kassette wurde aus Ärger mit dem bereits existierenden Tonbandgerät erfunden, so einfach ist das“, sagte  einst Lou Ottens in einem Interview.

Der Wald dieser Erde könnte zu einem Bumerang des Lebens werden

Autorin: Evke Freya von Ahlefeldt

Mit der globalen Erwärmung nimmt auch das Wachstum der Bäume tendenziell ab und ihre Sterblichkeitsrate zu. Die Bäume speichern dadurch weniger Kohlenstoff. 

Gleichzeitig gilt: Je höher die Temperatur steigt, desto mehr atmet die Flora (denn nicht nur Bäume produzieren den lebenswichtigen Sauerstoff für das Leben auf der Erde) auf und setzen Kohlenstoff frei. Langfristig kann die globale Erwärmung daher die wesentliche Rolle der Wälder als CO2-Speicher in Frage stellen. Dies ist ein Teufelskreis, an dem viele Forscher sich Gedanken um Lösungen zu machen.

Zur Zeit bleibt der in Wäldern enthaltene Kohlenstoffvorrat bis zu einer Tagestemperatur von 32°C stabil. Jenseits dieser Schwelle wird dieser Vorrat auf ein Minimum reduziert. Oberhalb dieser Schwelle nimmt der Bestand sehr stark ab. Das Risiko ist immens. Die Forscher am französischen Forschungszentrum CIRAD in Montpellier errechneten, dass die Tropenwälder, die vor allem in Lateinamerika, Afrika und Asien zu finden sind, derzeit das Äquivalent von einem Vierteljahrhundert Kohlendioxid-Emissionen speichern.

Nach den Ozeanen sind die Wälder der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher der Welt. Doch die entscheidende Rolle, die sie bisher gespielt haben, ist der globalen Erwärmung ausgeliefert. Wenn die globale Erwärmung nicht unter 2°C gehalten wird, wie im Pariser Klimaabkommen festgelegt, wird die Tagestemperatur in dreiviertel der Tropenwälder 32°C überschreiten. Dies ist die Grenze, die diese Wälder aushalten können.

Zig Milliarden Tonnen CO2

Forscher an den Universitäten von Leeds und Manchester warnt, dass jeder weitere Temperaturanstieg zu schnellen Verlusten von Waldkohlenstoff in den Tropen führen wird. Wird diese Grenze überschritten, besteht die Gefahr, dass die Wälder ihrerseits zu Kohlenstoff-Emittenten, also wie Industriebetriebe welche für den Ausstoß der Emissionen mit verantwortlich sind, umgewandelt. Die grüne Lunge unserer Erde kann sich zu einem Bumerang für alles Leben auf dieser Welt entwickeln.

Jedes weitere Grad an Temperaturanstieg würde 51 Milliarden Tonnen CO2 aus den Tropenwäldern in die Atmosphäre freisetzen.  Zum Vergleich: Im Jahr 2019 wurden die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen laut Global Carbon Project an der Stanford Universität auf 43,1 Milliarden Tonnen Kohlendioxid geschätzt.

Für diese Studie wurden mehr als eine halbe Million Bäume von zehntausend verschiedenen Arten in 813 tropischen Wäldern in vierundzwanzig Ländern auf der ganzen Welt gemessen.
Die Beobachtung und Ergebnisse dieser Forschung gehen auf die letzten vierzig Jahre zurück.

Das im Mai 2020 von der UNO anlässlich des Welttages der Biodiversität veröffentlichtes Dokument: THE STATE OF THE WORLD, macht auf den Rückgang der weltweiten Wälder aufmerksam.

Seit 1990 sind fast 420 Millionen Hektar Wald verloren gegangen um die Flächen für
andere Nutzungen zu gewinnen.
Obwohl sich die Abholzung in den letzten drei Jahrzehnten verlangsamt hat, gehen immer noch jedes Jahr fast 10 Millionen Hektar für landwirtschaftliche Flächen verloren.
Wissenschaftler bestätigen, dass die Waldzerstörung in einem alarmierenden Tempo fortschreitet und wesentlich zum Verlust der biologischen Vielfalt beiträgt.

Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 29. Juni 2021


Quellen:
– Bruno Hérault, Forscher für Tropenwälder am französischen Forschungszentrum CIRAD, Montpellier
– Global Carbon Project (GCP) der Universität Stanford
– UN Bericht von Mai 2020: THE STATE OF THE WORLD

Was hat der Klimawandel mit dem Hunger in der Welt zu tun

Es ist Zeit zum Handeln

Was hat der Klimawandel mit dem Hunger in der Welt zu tun

Ein Bericht von Evke Freya von Ahlefeldt

In den letzten Jahren haben die Ereignisse und Katastrophen im Zusammenhang mit der Klimakrise die Bevölkerung in bereits gefährdeten Länder in West- und Zentralafrika, sowie in Zentralasien und Südostasien in immer prekärere Situationen gedrängt und die Ernährungssicherheit der Menschen gefährdet. Die Klimakrise ist einer der Hauptfaktoren für die Zunahme des Hungers in der Welt. Laut dem jüngsten
Weltbank Bericht könnte der Klimawandel bis 2030 die Zahl der in Armut lebenden Menschen auf weitere 122 Millionen erhöhen.

Wenn sich nichts ändert, ist die kollektive Fähigkeit, diese Menschen in Zukunft zu ernähren bedroht.

Der gesamte Planet hat mit steigenden Temperaturen, jahreszeitlichen Veränderungen der Niederschläge, längeren Dürreperioden und zunehmender Häufigkeit von Naturkatastrophen zu kämpfen.

Diese Ereignisse können physische und wirtschaftliche Zugangsschwierigkeiten zu den Produktionsmitteln und Wassermangel (für Pflanzen und Vieh) verursachen, haben aber auch Auswirkungen auf den anbau von Nahrungsmittel in ausreichender Menge und Qualität zu produzieren. Dadurch werden Kultivierungszeiten verkürzt und unterliegen einer zunehmenden Unberechenbarkeit und Bodensterilisation. Schätzungsweise 3,6 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt leben mindestens einen Monat im Jahr in Gebieten, in denen Wasser eine potenziell knappe Ressource ist.

Die Unterbrechung der Anbauzyklen hat dann direkte und negative Auswirkungen auf die Essbarkeit: Abnahme des Nährstoffgehalts von Lebensmitteln, Abnahme der Erträge und des Einkommens und Abnahme des pro Kopf verfügbaren Obst- und Gemüseangebots.

Frühehen / Kinderehen

Der Begriff Kinderehe ist in Früh- und Kinderehe definiert.

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Der Begriff Frühehe bezieht sich sowohl auf die formelle als auch auf die informelle Ehe, die ein Mädchen mit einem Partner eingeht, ob diese noch nicht das 18. Lebensjahr erreicht hat und somit physisch, psychologisch und soziologisch die Verantwortung für Ehe und Geburt nicht übernehmen kann.

Bei einer Kinderehe hingegen habe entweder einer oder beide Ehepartner das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht und solche „Ehen“ findet mit oder ohne formelle Registrierung von irgendwelchen Behörden statt.

Frühehen in Afrika
Frühe Eheschließungen sind in Afrika seit Jahrzehnten zur Norm geworden und die Mädchen werden immer jünger verheiratet. Einige Beobachter von Internationalen Hilfsorganisationen gehen mittlerweile von sogar schon 8-jährigen „Ehefrauen“ aus.

Während die meisten Frauen in
Industrieländer zu einem späteren Zeitpunkt heiraten, heiraten in Afrika viele aufgrund einiger kultureller und traditioneller Implikation zu einem frühen Zeitpunkt. Zwanzig bis fünfzig Prozent der Frauen in Entwicklungsländern sind im Alter von 16 Jahren bereits verheiratet, wobei der höchste Prozentsatz in Afrika südlich der Sahara, in Süd- und Zentralasien zu verzeichnen ist.
Im Norden Nigerias, ziehen es viele Eltern aus kulturellen und wirtschaftlichen Gründen vor, ihre Töchter in einem Alter vom 10 oder noch jüngeren Jahren zu heiraten. Die Analphabetenrate unter Frauen ist im Norden von Nigeria um dreiviertel höher als im Süden.


Zwar wurde auf Druck von UNICEF der Aufbau von Schulen und Präventivmaßnahmen die Einschulungsquote für Mädchen verbessert, trotzdem ist die Quote der Schulabbrüche immer noch emens hoch, weil wahrscheinlich die Mädchen in eine Frühehe gezwungen werden.
Auch werden viele Mädchen erst gar nicht in Schulen eingeschrieben, da die Familien zum einen kein Schulgeld haben und zum anderen der Glaube vorherrscht, dass Mädchen sowieso verheiratet werden und somit keine Bildung brauchen.

Die negativen Folgen von Frühehen

Es besteht tendenziell ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Eheschließung,
dem Bildungsniveau, der Armut und der Gesundheit.
Weniger gebildete Mädchen neigen dazu, früher zu heiraten, und führen daher oft zu gesundheitlichen Problemen wie zum Beispiel: Frühgeburten und oder ungewollte Schwangerschaften.
Junge Mädchen werden meist gezwungen einen viel älteren Mann zu heiraten und somit auch zum Geschlechtsverkehr. Schwangerschaften, Schwangerschaftsabbrüche und Fehlgeburten von Mädchen die gerade in die Pubertät kommen, sind mittlerweile an der Tagesordnung. Dies hat schwerwiegende gesundheitliche Folgen, da die Mädchen psychisch, körperlich und sexuell noch gar nicht reif sind.
Ein weiterer schwerwiegender Punkt ist die häusliche Gewalt, sowie der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen.
Die extrem hohe Morbidität und Mortalität von Müttern steigt seit Jahren an.


2019 lag die HIV-Prävalenz in Nigeria bei 1,4% der Erwachsenen im Alter von 15 bis 49 Jahren. Frühere Schätzungen hatten eine nationale HIV-Prävalenz von 2,8% angegeben. UNAIDS und die National Agency for the Control of AIDS schätzen, dass mittlerweile mehr als ein Zehntel der Menschen in Nigeria mit HIV infiziert sind – Tendenz steigend.

Prävention und Aufklärung fängt an zu greifen

In den letzten Jahren haben die nördlichen Provinzen Niger und Bauchi Gesetze erlassen, die den Abbruch von Kindern aus der Schule für Verheiratete verbieten. Dies wird jedoch nicht durchgesetzt. Die nigerianische Bundesregierung und die 19 nördlichen Provinzen haben eine Initiative eingeleitet, um die frühe Heirat und ihre Auswirkungen auf die Bildung zu überprüfen (z. B. Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die reproduktive Gesundheit und die Rechte von Mädchen sowie die Bedeutung, Mädchen den Abschluss von weiterführenden Schulen zu ermöglichen und die Verbindungen zwischen Schule und Gemeinde zu stärken) Verbesserungen der Mädchen für Bildung und mehr Schulen nur für Mädchen und Frauen. Einige dieser Initiativen haben zu positiven Ergebnissen geführt. Verheiratete Mädchen und Mütter, die die Schule abgebrochen hatten, haben die Schule wieder aufgenommen, und die Eltern haben damit begonnen, den Mädchen eine Sekundarschule vor der Heirat abzuschließen oder sogar eine höhere Schule zu besuchen.

Auswirkungen der Frühehe auf die Ausbildung der Mädchen

Die Schule ist die wichtigste Einrichtung außerhalb der Familie, die sich mit der Sozialisierung junger Menschen in allen Dimensionen der Rolle und Verantwortung von Erwachsenen befasst.
Die Frühehe hingegen verweigert Kindern im schulpflichtigen Alter, ihrem Recht auf Bildung, der Notwendigkeit ihrer persönlichen Entwicklung für das Erwachsenenalter und ihren wirksamen Beiträgen zum Wachstum ihrer Zukunft, Gesellschaft und Familie.


Das Recht auf Bildung und Gesundheit besteht im Wesentlichen darin, dass sie die wirksame Wahrnehmung der Menschenrechte erleichtern und auch verbessern.
Für sehr viele ärmerer Familien ist die potenzielle Bildung für die Erziehung eines weiblichen Kindes zu weit entfernt, weshalb ihre Erziehung nicht als Investition anerkannt wird. Familien behaupten, dass die Bildung von Mädchen nur dem Haushalt des Mannes zugute kommt, nicht ihren Eltern. Einige Eltern glauben, dass Mädchen keine Bildung für ihre Rolle als Ehefrau und Mutter brauchen, dass Bildung kulturelle Praktiken untergräbt und dass Bildung die Mädchen lehrt, Traditionen abzulehnen.


Bei Bildung selbst auf der Basisebene geht es jedoch nicht nur um Lebensunterhalt und technische Fähigkeiten, sondern vor allem darum, soziale Verbindungen zu schaffen, die es einem ermöglichen, auf wichtige Ressourcen zuzugreifen, um die Armut zu lindern.
Die Bildung kann auch das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen der Mädchen entwickeln, um ihre Meinung zu äußern oder die Kontrolle über ihre eigenen Handlungen, ihr Leben und ihren Körper zu übernehmen.
Ein weiterer positiver Vorteil der Bildung ist die Verbesserung der reproduktiven Gesundheit und des Überlebens der Kinder.


Gebildete Frauen können dann auch über ein Mitspracherecht bei der Entscheidungsfindung in Bezug auf die Größe ihrer Familien und den Abstand der Kinder einbringen. Es wäre auch ein weiterer positiver Schritt zu Informationen und Kenntnisse über Empfängnisverhütung und den Gesundheitsbedarf ihrer Kinder.

Fazit
Bildung ist das wichtigste was die Menschen im 21. Jahrhundert braucht um aus der Spirale der Armut und Abhängigkeit zu kommen.
Wer seine Menschenrechte kennt, kann diese auch verteidigen.

Evke Freya von Ahlefeldt, UNICEF Paris, 26. Mai 2021

Distanzreiten

Reiten ist nicht zwangsläufig Tierquälerei

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt


Wenn es nach den Worten von einigen (recht vielen) unwissenden Menschen geht, ist reiten reinste Tierquälerei und das Reiten, wie auch Reitsport, verboten werden müsste. Dann dürfte nach dieser Logik auch kein Mensch ein Tier besitzen! Selbst der putzige Kanarienvogel in der Reihenhaussiedlung Önkelsieg, ist in seinem kleinen Käfig Tierquälerei

Wie bei allen Tier-Mensch-Beziehungen geht es auch beim Reiten um Vertrauen.
Nicht jedes Pferd lässt sich Ausreiten, genauso wie nicht jeder Hund ein Such- oder Schutzhund ist. Es kommt auf den Charakter von dem Tier an. Es gibt Pferde, die lassen sich durchs nichts im Gelände erschüttern. Ob nun Hunde, Kühe, auffliegende Vögel, ratternde Traktoren und wackelige Brücken – sie bleiben entspannt.
Und dann gibt es Pferde, die bei einem Jogger in einem Kilometer Entfernung bereits nervös werden. Mit ihnen wird schon der kürzeste Ausritt eine Herausforderung. Wenn man dann noch unerfahren ist oder sich nicht mit dem Pferd verbinden kann, scheut das Pferd und kann den Reiter abwerfen. Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter und wenn man diesen kennt, und auch auf einen Jogger oder Hund  in weiter Entfernung reagieren kann, bekommt das Pferd das Vertrauen  – es ist alles gut.

Pferde brauchen Bewegung
Pferde leben in freier Wildbahn in Steppen und bewegen sich circa 15–16 Stunden am Tag. Sie grasen auch während sie gehen. Schnellere Gangarten sind daher eher selten. In der restlichen Zeit liegen sie oder pflegen soziale Kontakte. Das langsame mehrstündige Vorwärtsgehen des Pferdes ist ein Grundbedürfnis und wenn man dies mit einem Pferd tut, ist alles gut.
Es spricht nichts gegen einen Ritt auf einem Pferd.

Der Schutz des Pferdes

Es gibt heute mehr als nur Sattel und Hufeisen für Pferde.
Eine regelrechte Industrie ist in den letzten Jahrzehnten entstanden, die sich mit allerlei nützlichen und unnützen Dingen rund um das Pferd entwickeln hat.
Ich lieste nur ein paar Punkte auf, die für die Gesundheit und Wohlbefinden des Pferdes wichtig sind.

Der Sattel

Der Sattel ist ein wichtiger Ausrüstungsgegenstand für das Pferd. Ähnlich wie ein Schuh beim Menschen, muss er wirklich passen, damit nichts zwickt oder reibt. Ein Sattel kostet zwischen 300 und 4500€ nach oben gibt es natürlich keine Grenzen. Der Sattel muss auch zum Reiter und für den Zweck passen.

Zaumzeug und Zügel

Grundsätzlich ist hier ebenso wie beim Sattel die Passform des Zaumes sehr wichtig, um dem Pferd beim Reiten keine Schmerzen oder Verletzungen zu zufügen. Elementare Bestandteile des Zaumes sind das Halfter und Kandare oder Trense – allerdings gibt es auch gebisslose Zäume wie das Hackamore. An dem Kopfgestell sind die Zügel befestigt. Bei der Bodenarbeit nennt man diese Lenkhilfen Longenleine, beim Fahrsport werden sie als Leinen bezeichnet. Über die Zügel oder Leinen können Druckpunkte im Maul, am Kinn und im Genick angesteuert und das Pferd entsprechend navigiert werden.

Der Hufschuh

Unter einem Hufschuh versteht man einen nicht permanent mit dem Huf verbundenen Hufschutz. Der Hufschuh wird über den Huf eines Pferdes gezogen und befestigt. Eingesetzt werden Hufschuhe bei Hufen, die aus Krankheitsgründen nicht mit einem traditionell aufgenagelten oder auch verklebten Hufbeschlag beschlagen werden können, weil ein Schutz der Hufe nur temporär benötigt wird, z. B. Wanderritten mit wechselnden Untergründen oder Ausritten auf hartem Boden, oder das Pferd auf natürlichen Barhuf umgestellt wird.

Hufglocken und Gamaschen

Die Hufglocken sind auch eine Art Gamaschen, die jedoch nur um den Huf bzw. Ballen gelegt werden. Sie schützen die der Pferde vor Verletzungen, so wird vermieden, dass sich das Pferd selber mit seinen Hinterhufen in die Fesseln und den Ballen treten kann. Außerdem  wird ein runtertreten der Hufeisen beim Laufen oder Galopp verhindert. Sie sind äußerst strapazierfähig und reißfest.
Auch die Gamaschen schützen die Beine der Pferde vor Schlägen und Stößen. Vor allem Pferde mit Hufeisen können sich beim Springen, Reiten oder Freilaufen leicht mit den Eisen gegen die eigenen Beine schlagen.

Hufeisen

Warum muss man Pferd beschlagen ?

Bei Pferden in freier Wildbahn oder auch bei den früheren Wildpferden, wird so viel Horn beim Laufen und Galoppieren abgerieben. Dadurch, dass sich Pferde heute kaum noch wild, sondern vielmehr mit dem Reiter auf dem Rücken bewegen, ist der Huf ganz anderen Anforderungen ausgesetzt. Gerade wenn Pferde viel auf hartem, steinigem Untergrund laufen, nutzt sich die Hornschicht schneller ab. Pflaster oder asphaltierte Straßen sind Gift für den Huf. Durch den Beschlag oder kleben mit Hufeisen wird der Huf vor der zu schnellen Abnutzung und vor Verletzungen geschützt.
Das Beschlagen tut dem Pferd nicht weh! Der Mensch schneidet sich ja auch die Finger- und Fußnägel.

Soweit mal einen Minimalen in Dinge die man braucht um überhaupt reiten zu können.

Reiten

Man kann einem Pferd mit Gewalt und Machtdemonstration, hier vor allem im Dressureiten aufzwingen, oder man lässt Pferd auch Pferd sein.
Ich halte von Dressureiten überhaupt nichts, denn dies ist gegen die Natur von einem Pferd.

Auch das bekannte Westernreiten ist nicht unbedingt Tierfreundlich da es um Geschwindigkeit und Wendigkeit geht. Das Pferd muss aus dem Stand angaloppieren, sich schnell um die eigene Achse drehen oder Vollbremsungen machen. Hier kommt es auch sehr oft zu Verletzungen der Sehnen oder Bänder.

Der Freizeitritt ist eigentlich die beste Art der Bewegung für das Pferd.
Beim sogenannten Wanderreiten hält man die Zügel locker und das Pferd entscheidet selbst ob es über Bäumen oder Büsche Springen will oder gemütlich über die Flure schlendern. Ein versierter Reiter merkt wie sein Pferd auf Hindernisse reagiert oder ob es mal an Zeit ist einen Zahn zuzulegen.

Ich reite oft mehrere Tage und lasse mein Pferd auch galoppieren oder über herausfordernde Strecken reiten. Dafür muss aber ein Bedingungsloses Vertrauen zwischen beiden sein und man muss das Tagespensum der Kondition des Pferdes angepassten.

Ich reite mein Lebenlang

Ich reite seit 36 Jahren. Also, ich konnte noch nicht richtig laufen, da saß ich schon auf einem Pferd.
Mit ungefähr 10 Jahren fing ich intensiv mit dem Reitsport an. Voltigieren machte ich vier Jahre, mir gab dieser Sport nichts, denn dies ist für mich ein „Mädchensport“.

Mit 14 fing ich mit dem Springreiten an

Beim Springen muss man schnellstmöglichst ein Parcours von Hindernissen ohne Abwürfe überwinden. Dafür braucht es Schnelligkeit, Gefühl für das Pferd, Balance und auch etwas Mut.
Beim Springreiten muss man das  Pferd so an den Sprung heran reiten, damit das Pferd beim Absprung eine optimale Flugkurve entwickeln kann. Man muss sehr präzise reiten, und mit dem Pferd über die Hindernissen reiten.

Beim Sprungreiten muss der Reiter merken, wenn das Pferd nicht will oder kann. Es gibt viele Faktoren die einen Sprung versauen können. Man ist zu nah an das Hinderniss geritten oder zieht das Pferd zu früh hoch.
Ab und an mache ich mit meiner Wyke auch Springreiten. Wenn sie den Sprung aus welchen Gründen auch immer abbricht, ist dies völlig in Ordnung. Wenn ich merke, der Sprung kann meinem Pferd die Hölzer gegen die Beine schlagen, ziehe ich das Pferd zurück.

Im Studium in Frankreich kam ich an den Distanzritt.
Das Distanzreiten ist in Deutschland nicht so sehr bekannt, in Frankreich schon eher. Dies reite ich heute noch und macht mir auch mehr Spaß als im Kreis zu reiten.

Der Distanzritt ist die ursprünglichste Form den reiten von Mensch und Pferd.

Beim Distanzreiten geht es darum, mit dem Pferd eine vorgegebene Distanz in schnellstmöglicher Zeit zu reiten.
Wer bei solchen Wettkämpfen seinem Pferd die „Sporen“ gibt und meint das Tier bis ans Limit laufen zu lassen, kann schon an dem ersten oder zweiten Vet-Gates ausgeschieden sein.
Diese sogenannten Vet-Gates sind Haltestadionen auf dem Ritt und dort werden die Pferde tierärztlich untersucht. Nur Pferde, die ohne Beanstandung die tierärztlichen Untersuchungen durchlaufen, dürfen den Distanzritt fortsetzen.

Bei diesem Sport kommt es nicht darauf an, wer als erstes im Ziel ist, sondern wie Puls, Atmung, Bewegungsablauf und Gesundheitszustand des Pferdes ist. Nach jedem Wettkampf muss das Pferd in einer vorgegeben Zeit einem Tierarzt vorgeführt werden und erst wenn dieser einen einwandfreien Zustand vom Pferd bescheinigt, ist der eigentliche Wettkampf beendet. Ich hatte bei den Vet-Gates noch nie Probleme gehabt. Ich merke schon, wenn Wyke eine Pause – langsamenTrab braucht oder will.

Der Distanzritt ist schon cool, weil man das Pferd nach seiner Laune laufen lassen kann. Pferde brauchen Bewegung und wenn das Pferd selbst die Geschwindigkeit geben kann, ist dies noch viel besser. Ähnlich wie bei Hunden, die spielen, laufen oder schnuppern wollen, hat auch ein Pferd sein „Macken“. Beim Distanzreiten gibt es auch den Vorteil, dass man in Gruppen reiten kann und so ziehen sich die Pferd gegenseitig an oder schnaufen im langsamen Trab durch.

Die Königsdistanz beim Distanzreiten in der Marathon: der „100-Meiler“.
Reiter und Pferd legen bei disem Wettkampf an einem Tag 160 Kilometer zurück. Bis Pferd und Reiter soweit sind, dauert es Jahre.
Internationale Ritte werden ab einer Länge von 80 Kilometern ausgeschrieben, und dies ist schon sehr sehr ansteckend.

Ich denke, dass ich nun ausführlich erklärt habe, wie ich mit Pferden umgehe und bestimmt keine Tierquälerin bin, nur weil ich reite.

Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 10. Oktober 2021

Banlieues

Krawalle in den Banlieues in Paris

Trostlosigkeit, Armut, Gewalt und keine Perspektive – dies sind die Schlagwörter für die Vororte von Paris.

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Einleitung
Wer in einem Banlieues wohnt oder aufwächst, hat den Ausschluss an die Gesellschaft verloren.
Die Schulen in den Banlieues gleichen Gebäude in einem Kriegsgebiet. Es gibt kaum jemand der freiwillig in die Banlieues will und schon gar nicht als Lehrer.
Gewalt ist an der Tagesordnung. Dies geht von banalem Diebstahl über Körperverletzung bis Mord.
Es kommt auch hin und wieder vor, dass man dein Auto anzündet.

Die Problematik in den Banlieues besteht seit über 50 Jahren und es scheint auch keine Besserung in Sicht zu sein.

Ich bin Ehrenamtliches Mitglied bei Le Samusocial de Paris und Hauptberuflich im Kriseninterventionsteam der UN mit Stützpunkt Frankreich, werde aber auch schon mal gerufen, wenn es brennt – im wahrsten Sinn des Wortes. Wenn mal wieder der Mob in einem der berüchtigten Banlieues seine Aggressionen auslässt, rücken zuerst Hundterschaften von Polizisten und Feuerwehrleute an. Wenn die Krawallen unter Kontrolle sind, kommen Ärzte, Psychologen, Seelsorger, Sozialarbeiter und eben Krisen erprobte Fachleute zu den Brennpunkten.
Nach dem Chaos müssen viele Menschen medizinisch und psychologisch betreut werden, denn es werden schon mal Wohnung, Kioske und Läden durch die Krawalle zerstört. Manche Menschen verlieren an einem Abend oder Nacht ihren Besitz oder Existenz.

Wenn ich zum Einsatzort komme, werden ich von Männern der Einsatzpolizei (SEK) begleitet. Auch habe ich immer eine Schutzweste an, denn es kann schon mal vorkommen, dass eine Person ein Messer oder Waffe zieht.
Wie schon geschrieben, wächst man in den Banlieues mit einer alltäglichen Gewalt auf und Selbstjustiz gehört zum Alltag wie der morgentlichen Gang zum Bäcker.

Ich könnte tagelang schreiben, was ich in den letzten Jahren in den Banlieues erlebt habe, der Unfall in Beirut, im August 2020, kommt nicht annähernd an das was ich an Elend, Armut, Krankheiten und Hoffnungslosigkeit in den Vororten von Paris sah.

Seit ein paar Monaten sind Street-Art Künstler im 13. Arrondissement und geben einigen der Häuser etwas Farbe oder malen Bilder auf die Fassaden. Farbe löst aber die Probleme nicht.

Die Politik hat seit Jahrzehnten die Menschen im Stich gelassen und für eine Rückkehr in die Normalität ist es schon lange zu spät. Die Kriminalität hat schon lange die Banlieues im Griff und durch die vielen Banden, Drogen und Prostitution sind die Vororte ein Mikrokosmos mit eigenen Gesetze in einer Millionen Metropole.

Die Banlieues von Paris

Der Großteil der Banlieues in Frankreich entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als massive Wohnungsnot zum Bau neuer Hochhaussiedlungen in die Nähe der Industriestandorte führte. Sollte die moderne Architektur der Großwohnsiedlungen ursprünglich Symbol des wirtschaftlichen Aufschwungs und eines neuen Lebensstils sein, so verlor sie jedoch schnell an Attraktivität. Infrastrukturelle Mängel infolge einer strikten Trennung von Wohnen und Arbeiten sowie bauliche Missstände wurden schnell sichtbar. Wer es sich leisten konnte, zog in die Einfamilienhausgebiete im suburbanen Raum oder in die Innenstadt.

Größtenteils bezogen Einwanderer insbesondere aus den ehemaligen französischen Kolonien in Nordafrika die leer stehenden Wohnungen. In den 1970er Jahren führten Wirtschaftskrise und Desindustrialisierung zu hoher Arbeitslosigkeit unter den Vorstadtbewohnern. So entwickelten sich die Banlieues rasch zu einem Auffangbecken für die sogenannte Problembevölkerung. Sozialräumliche Ausgrenzung, infrastrukturelle Mängel und politische Vernachlässigung bilden seither eine explosive Mischung, die sich regelmäßig in kollektiver Gewalt entlädt.

Chronische Unruhen

Die Debatte über die Lebensumstände in den Banlieues begann mit den ersten offiziell registrierten Unruhen im Sommer 1981. In Folge einer Verfolgungsjagd zwischen Jugendlichen und der Polizei in einem Vorort von Lyon waren mehrere hundert Fahrzeuge in der Umgebung von Lyon, Paris und Marseille in Brand gesetzt worden. Seither sind Ausschreitungen in den Banlieues zu einem chronischen Phänomen in Frankreich geworden. Im Herbst 2005 erreichten die Unruhen schließlich ein Ausmaß, das in seiner Dauer und geographischer Ausbreitung selbst Experten überraschte. Zwischen dem 27. Oktober und dem 17. November 2005 lieferten sich jugendliche Vorstadtbewohner in ganz Frankreich Straßenschlachten mit der Polizei. Im Verlauf brannten mehr als 10.000 Fahrzeuge. Hunderte öffentliche Gebäude wurden zerstört, darunter Schulen, Kindergärten, Sporthallen, Postämter, Rathäuser und Polizeidienststellen.

Auslöser der Gewalt war der Tod zweier Jugendlicher mit maghrebinischem Migrationshintergrund, die in einem Trafohäuschen Zuflucht vor einer Polizeikontrolle gesucht hatten und an einem Stromschlag starben. Am 8. November ließ die Regierung erstmals seit dem Algerienkrieg den Ausnahmezustand ausrufen, der bis Januar 2006 anhielt. Die Reaktionen der Regierenden wurden vielfach kritisiert, insbesondere die Äußerungen des damaligen Innenministers Nicolas Sarkozy, der gleich zu Beginn der Unruhen Öl ins Feuer goss, indem er die Jugendlichen als „Abschaum“ abstempelte und ankündigte, die Vororte mit einem „Hochdruckreiniger“ säubern zu wollen.

Seit 2005 hat es viele weitere Ausschreitungen in Frankreich gegeben, die jedoch kein vergleichbares Ausmaß erlangt haben. Gleichwohl zeugen die Ausschreitungen der letzten Jahre, beispielsweise 2007 in Villier-le-Bel, 2010 in Grenoble oder zuletzt 2012 in Amiens, von einer sehr viel höheren Gewaltbereitschaft der Jugendlichen. Die Erklärungsansätze in Wissenschaft und Politik für die Ursachen der Unruhen sind vielfältig: sie reichen von einer sich verschärfenden sozialräumlichen Ausgrenzung, einer Krise des republikanischen Integrationsmodells, einer postkolonialen Krise, mangelhafter Stadtpolitik, extremer Repression durch die Polizei über eine zunehmende Islamisierung und Kriminalität unter Jugendlichen bis hin zu negativem Einfluss der Medien.

Ausgrenzung auf allen Ebenen

Die Konzentration sozioökonomischer und städtebaulicher Probleme bleibt trotz massiver staatlicher Maßnahmen charakteristisch für die Situation der Banlieues, in denen knapp fünf Millionen Franzosen leben. Neben einer defizitären Ausstattung des Wohnumfeldes, einer schlechten Anbindung an die Innenstädte und desolaten Wohnverhältnissen liegen auch viele andere soziale Indikatoren seit Jahren deutlich unter dem nationalen Durchschnitt. Laut dem letzen Bericht der Nationalen Beobachtungsstelle kritischer Stadtteile  war die Arbeitslosenquote in den von der Politik als Problemgebiete ausgewiesenen Vierteln im Jahr 2010 mit 20,9 Prozent doppelt so hoch wie im nationalen Durchschnitt. Die durchschnittliche Jugendarbeitslosenquote lag im selben Jahr bei 41,7 Prozent (23,2 Prozent im nationalen Durchschnitt). Ein Drittel der Bevölkerung lebte 2009 unter der Armutsgrenze und auch das Bildungsniveau liegt deutlich unter dem nationalen Level. 53 Prozent der beschäftigten Jugendlichen besaßen im Jahr 2010 nur den niedrigsten Schulabschluss.

Die Stigmatisierung der Banlieue als ’sozialer Brennpunkt’ oder ‚Ghetto’ hat darüber hinaus dazu geführt, dass die räumliche Konzentration sozialer Probleme selbst zur Ursache für Ausgrenzung und Benachteiligung geworden ist. So haben viele Studien gezeigt, dass die Bewohner der Problemgebiete aufgrund ihres Wohnortes beim Eintritt in das Berufsleben sowie bei der Wohnungssuche außerhalb der Problemviertel diskriminiert werden. Diese Diskriminierungen betreffen in besonderem Maße Migranten, die mehr als die Hälfte aller Vorstadtbewohner stellen.

Aufgrund des hohen Migrantenanteils und weil an den Ausschreitungen vor allem maghrebinische Einwanderer der zweiten Generation beteiligt waren, sind die Vororte auch zu einem Synonym für gescheiterte Integration geworden. Nach den Unruhen von 2005 standen das französische Integrationsmodell und sein republikanischer Gleichheitsanspruch überall zur Debatte. Das Integrationsversprechen Frankreichs besteht darin, die Gleichheit aller französischen Bürger im Staatsbürgerschaftsrecht und den staatlichen Institutionen zu garantieren – unabhängig von sozialen, religiösen, ethnischen oder territorialen Unterschieden.

Angesichts der Diskriminierungen, Stigmatisierung und sozialräumlichen Ausgrenzung in den Banlieues kann der Staat dieses Versprechen jedoch nicht einlösen. Frustration und Aggression erscheinen als logische Konsequenz der Diskrepanz zwischen den versprochenen Werten und der täglich erlebten Ausgrenzung. Dies erklärt auch, warum sich die Gewalt der Jugendlichen bei den Ausschreitungen insbesondere gegen staatliche Institutionen wie Schule oder Polizei richtet. Hinzu kommt, dass neben der generellen Stigmatisierung auch eine Ethnisierung des Banlieue-Diskurses stattfindet. Dabei wird die Krise der Vorstädte in der Öffentlichkeit oft auf die ethnische Herkunft oder Religiosität der Bewohner und damit verbundene Problemlagen zurückgeführt, so dass das soziale Stigma vom ethnischen nicht mehr zu trennen ist. Konsequenz dieser doppelten Stigmatisierung sind wiederum weitere Diskriminierungen, Rassismus, aber auch das Erstarken islamischer Subkulturen.

Neben der sozialräumlichen und ethnisch-religiösen Ausgrenzung sind die Banlieues auch von politischen Entfremdungsprozessen betroffen. Die Wahlbeteiligung ist trotz steigender Tendenz seit Jahren sehr gering. Die Gründung des Bürgerrechtskollektiv ACLEFEU (der Name bedeutet so viel wie „Genug vom Feuer“) nach den Unruhen von 2005 und das Schreiben von Beschwerdebriefen an die Regierung verdeutlichen die Unzufriedenheit der Bewohner mit ihrem mangelnden Einfluss und der unzureichenden politischen Aufmerksamkeit für ihre Probleme. Mit dem Niedergang der gesellschaftlichen Bedeutung der Industriearbeiterschaft und ihrer gewerkschaftlichen Organisation, hoher Arbeitslosigkeit und ethnischer Vielfalt haben die Banlieues zudem an sozialem Zusammenhalt verloren, was eine gemeinsame Interessenartikulation und -durchsetzung erschwert.

Zwischen Stadtpolitik und Sicherheitspolitik

Das staatliche Vorgehen in den Banlieues wird von zwei Hauptpolitiken geprägt: der Stadtpolitik und der Sicherheitspolitik. Die Stadtpolitik wurde Anfang der 1980er Jahre als Reaktion auf die ersten Unruhen etabliert, es existiert ein entsprechendes Ministerium. Ihr Ziel ist nicht nur die Sanierung der mittlerweile 751 Problemgebiete sondern auch die Verbesserung der schulischen, sozialen und kulturellen Versorgung, Kriminalitätsbekämpfung sowie die Stärkung lokaler Ökonomien. So soll beispielsweise die Ansiedlung von Unternehmen durch Steuererleichterungen gefördert werden. Zusätzliche finanzielle Mittel und eine spezielle Lehrerausbildung sollen zur Verbesserung des Bildungssystems beitragen.

Im Jahr 2008 wurde zudem vom damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ein „Marshall-Plan“ mit dem Titel Espoir Banlieue initiiert, dessen Hauptziel die Etablierung von Chancengleichheit und die Verringerung struktureller Unterschiede zwischen den Vierteln ist. Die anhaltenden Unruhen und die aktuelle soziale Situation verdeutlichen jedoch, dass die bisherigen Maßnahmen keine Lösung für die komplexen gesellschaftlichen Problemlagen bieten. Insbesondere in Bezug auf die Bekämpfung von Diskriminierung und Rassismus bleibt die Stadtpolitik machtlos angesichts der Unmöglichkeit einer expliziten Minderheitenförderung aufgrund des republikanischen Gleichheitsprinzips.

Die Stigmatisierung der Banlieue als desorganisierter krimineller Raum sowie die tatsächliche Zunahme von Kriminalität und Gewalt haben zudem zur Etablierung einer umfangreichen Sicherheitspolitik mit speziellen Polizeieinheiten für städtische Gewalt geführt. Die konkreten Zielsetzungen dieser Politik variieren je nach Regierung. Während die linken Regierungen ihren Fokus auf eine Polizeistrategie der Nähe setzten, etablierten die rechten Regierungen eine Politik des law and order mit einer extremen Präsenz von Sicherheitskräften. Exemplarisch sind hier die repressiven Maßnahmen Nicolas Sarkozys nach den Unruhen von 2005. Das Resultat ist jedoch kein Rückgang der Gewalt sondern vielmehr ein extrem konfliktbelastetes Verhältnis zwischen Polizei und Jugendlichen, welches nach Meinung vieler Experten Unruhen provoziert.

Im August 2012 hat die französische Regierung ein neues Sicherheitskonzept vorgestellt, welches die Schaffung von jährlich 500 zusätzlichen Stellen bei der Polizei ebenso vorsieht wie die Einrichtung von 15 prioritären Sicherheitszonen in den sozialen Brennpunkten ausgewählter Städte. Ob diese Maßnahmen greifen, bleibt abzuwarten. Einer weiteren Stigmatisierung der Banlieue wirken sie jedenfalls nicht entgegen.

Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 10. Oktober 2021

Die Lage in Mali ist sehr desolat

Was sich Außenpolitisch von China und Russland langsam und leise in West- und Zwntralafrika entwickelt, könnte bald fatale Folgen haben

Autorin Evke Freya von Ahlefeldt

Mali liegt im Übergangsbereich zwischen Nord- und Westafrika und hat eine lange und bewegte Geschichte. 

Bereits im Mittelalter bestanden auf dem Gebiet des heutigen Staates Mali verschiedene Großreiche. Eines von ihnen diente nach der Unabhängigkeit als Namensgeber für die heutige Republik Mali. Mali ist ein Vielvölkerstaat und dadurch kulturellen und sprachlichen sehr geprägt.

Das Land stand 20 Jahre lang für eine afrikanische Erfolgsgeschichte. Nach dem Ende der Militärdiktatur im Jahr 1991 wurde ein friedlicher Demokratisierungsprozess eingeleitet. Mali gab sich eine neue Verfassung und hielt freie Wahlen ab.

Anfang 2012 kam es zu einer schweren politischen Krise, bei der der Präsident gestürzt wurde. Dadurch brachten Tuareg-Rebellen und islamistische Extremisten, die unter der Führung von al-Qaida standen und somit weite Teile der nördlichen Regionen des Landes unter ihre Kontrolle brachten. Zusätzlich verschärft wurde die Situation durch eine Ernährungskrise aufgrund schlechter Ernten in der gesamten Sahelzone. Insgesamt mussten mehr als 500.000 Menschen aus ihren Heimatorten fliehen und in anderen Regionen Malis oder außerhalb des Landes Zuflucht suchen.

Im Jahr 2013 konnte die akute politische Krise in Mali überwunden werden. Von besonderer Bedeutung waren dabei die Bildung einer Übergangsregierung, demokratische Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sowie die Unterstützung des Landes durch seine Nachbarstaaten, die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS), die Afrikanische Union, die Vereinten Nationen und Frankreich.

Schon im Juni 2019 – vor dem Umsturz gegen den gewählten Präsidenten – war ein Militärhilfeabkommen zwischen Russland und Mali unterzeichnet worden. Diese Unterzeichnung stellt den MINUSMA (UN-Einstz) vor neue Herausforderungen zum Schutz und zur Stabilisierung der Bevölkerung und Regierung.

Im August 2020 kam es wieder zu einem Militärputsch, die Regierung von Staatspräsident Keita wurde abgesetzt. Im Oktober 2020 wurde eine Übergangsregierung ernannt, die auf 18 Monate angelegt ist. Derzeit ist noch nicht absehbar, in welche Richtung sich die politische Situation in Mali weiterentwickelt. Durch diese innenpolitische Zerrissenheit und der kaum vorhandene Schutz durch Polizei, haben die Terrorgruppen freies Spiel. Hinzukommt, dass seit geraumer Zeit Russische Söldner in Mali agieren.  Die Auftraggeber jeder Söldner ist nicht so einfach zu durchschauen, denn es sind mal die Machthaber von Militär und mal al-Qaida, IS oder Tuareg-Rebellen. Die Sicherheitslage in den drei nördlichen Regionen: Timbuktu, Kidal und Gao ist sehr kritisch. Immer wieder sieht sich die malische Regierung gezwungen, nach Terroranschläge den Ausnahmezustand auszurufen bzw. zu verlängern.

Das Volk leidet – wie immer

Etwa die Hälfte der malischen Bevölkerung lebt in extremer Armut. Von 1.000 Neugeborenen sterben im Durchschnitt 106 vor ihrem fünften Geburtstag. Ein großer Teil der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und etwa 80 Prozent der Bevölkerung verfügt über keine angemessene Medizinische- und Sanitäre Versorgung. Nach Zahlen der UN betätige die Lebenserwartung der Landbevölkerung bei unter 58 Jahren. Das Bevölkerungswachstum in Mali liegt bei jährlich um die drei Prozent. Nach Angaben von UNHCR sind 48 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Malis jünger als 15 Jahre.

Das Bildungswesen in Mali liegt fast auf der Nulllinie und ist in einem sehr schlechten Zustand. Nur etwas mehr als die Hälfte der schulpflichtigen Kinder besucht eine Grundschule – lediglich etwa 50 Prozent schließen die Grundschule ab. Zwei Drittel der knapp 20 Millionen Malierinnen und Malier sind Analphabeten. Etwa 60 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land und betreiben Ackerbau und Viehwirtschaft. Die Verstädterung durch Bevölkerungswachstum und Landflucht nimmt aber rasant zu. Der Staat steht vor der schwierigen Aufgabe, Beschäftigungsperspektiven für die stark wachsende junge Bevölkerung zu schaffen und den Zugang zu Basisdienstleistungen für alle Einwohner zu gewährleisten.

Russland verfolgt keine Humanitäre Ziele in Afrika

Russland ist längst nicht das einzige Land, das Afrika als lukrativen Zukunftsmarkt erkannt hat. Während es vielen anderen Ländern wie etwa China vor allem um Afrika als Rohstofflieferant und Absatzmarkt für zivile Produkte geht, hat Russland bei letzterem wenig zu bieten. Anders in puncto Sicherheit: Die berühmt-berüchtigten AK-47-Gewehre kommen aus Russland. Ebenso Kampfhubschrauber, Panzer und andere Fahrzeuge.

Erstes größeres Ziel der neuen Afrika-Politik Moskaus war 2018 die Zentralafrikanische Republik (ZAR). Russland sorgte dafür, dass das UN-Sanktionskomitee eine Ausnahme machte und Waffen für die Regierungsarmee in das vom Krieg und Terror gebeutelte Land ließ. Die privaten Wagner-Kämpfer kamen gleich mit, ein paar hundert sollen es gewesen sein. Noch heute sind die Russen im Land. Ohne ihre Hilfe wäre die zum Jahreswechsel neu gewählte alte Regierung womöglich nicht mehr im Amt.

Frankreich reagiert immer gereizter auf die Außenpolitik von Russland. Paris warf Moskau in den vergangenen Wochen mehrfach vor, den Ruf Frankreichs in Afrika zu schädigen, um den eigenen Einfluss auszudehnen. Moskau wies dies einsilbig zurück und macht weiter wie bisher.

Im umkämpften Norden Mosambiks waren auf Regierungsseite zeitweise Wagner-Söldner gesichtet worden, in Libyen sollen zwischen 2019 und 2020 etwa 1000 dieser Söldner aktiv gewesen sein.

Da Russland seit Jahren auch Soldaten des Militärs aus Mali in Russland ausgebildet hat, wird der Spagat zwischen Freund und Feind immer größer – und gefährlicher für die ganze Region.

Laut dem Friedensforschungsinstitut SIPRI in Stockholm, ist Russland mittlerweile für fast die Hälfte aller Waffeneinfuhren auf den Afrikanische Kontinent verantwortlich – vor Frankreich, den USA und China. Es ist  ein Milliarden Dollar Geschäft für Russland. Da die Staaten in Afrika seit Jahrzehnten mit dem Rücken an der Wand stehen und somit Staatsvertäge in Form von Devisen an Länder wie Frankreich und Deutschland kaum zurück bezahlen könnne, ist Russland mit der Rückzahlung von Rohstoffe sehr entgegenkommen. Sprich Gold und andere Edelmetall. In Mali könnte es sogar um Uran gehen, mit dem auch französische Atomkraftwerke betrieben werden. Zugute kommen könnte das neben der russischen Staatskasse auch dem mutmaßlichen Wagner-Unternehmer Yevgeny Prigozhin.

Evke Freya von Ahlefeldt, Accra 30. September 2021

Ist Nutzhanf der Retter des Klimas?

Seit ein paar Monaten wird in den Sozialen Netzwerken ein Foto geteilt, dass den Nutzhanf als den Heilsbringer des Klimawandels beschwört. Ist dies wirklich so?

Autorinnen Evke Freya von Ahlefeldt und Naike Juchem

Alles hat zwei Seiten, die betrachtet werden müssen, so auch die Vor- und Nachteile von Nutzhanf.

Zu Beginn möchte ich gleich mit einer Falschbehauptung beginnen: Die „Bill of Rights“der USA sei auf Hanf geschrieben.

Das National Constitution Center in Philadelphia widerleg diese skurrile Behauptung. Die Unabhängigkeitserklärung, wie auch die Verfassung wurden auf Pergament, also auf Tierhaut, geschrieben.

Das Constitution Center räumt jedoch ein, dass erste Entwürfe dieser Dokumente auf Hanfpapier erstellt worden sein könnten, da die Pflanze damals häufig in Nordamerika für die Herstellung von Seilen und Segeln angebaut wurde. Der Gründervater der USA, Thomas Jefferson, und auch der erste Präsident des Landes, George Washington, bauten beide Hanf an.

Ohne Frage zählt Nutzhanf seit mehreren Tausend Jahren zu den Nutzpflanzen schlechthin. Baustoffe aus Nutzhanf sind seit der Antike bekannt.

Aus Hanf kann man Papier, Kleidung, Seile, Lebensmittel (Hanfkerne), Kosmetik und sogar Biodiesel herstellen.

Nach Angaben von „Hemp Benefits“ liefert ein Hektar Hanf 3.785 Liter Kraftstoff.

Klimaschutz fängt mit dem Umdenken an

Aufgrund seiner Größe, bis zu 4 Meter Höhe, und des Blätterwerks eignet sich frischer Hanf nicht für den Transport. Nachhaltig ist der Anbau also vor allem dann, wenn vor Ort oder in der Nähe eine Anlage zur Verarbeitung bereit steht.

Holz ist auf der anderen Seite sehr vielseitig und wird seit Millionen Jahren vom Mensch als Wärmequelle und Baumaterial genutzt. Da wir uns von der Paläolithikum mittlerweile sehr weit entfernt haben, sollten wir, auch bedingt durch den unaufhaltsamen Klimawandel, neue Gedanken über die unsere, und der Welt Zukunft machen. Der Mensch im 21. Jahrhundert verbraucht gegenwärtig 1,7 Erden pro Jahr. Das dies in naher Zukunft zu einem Kollaps führen wird, sollte jedem klar sein. Wir müssen neue Wege gehen und diese hätten schon vor Jahrzehnten in Angriff genommen werden müssen – leider ist bis jetzt nicht all zu viel passiert.

Gerade Deutschland sieht sich als Vorreiter für Klimaschutz – nur ist Deutschland viel zu klein, um überhaupt eine Messbare Auswirkung auf den Temperaturanstieg zu sein. Globale Veränderungen müssen her und diese sollten dann auch endlich zügig umgesetzt werden.

Die Arroganz der Dummheit

„Ich möchte auch der geliebten Frau Angela Merkel eine Nachricht hinterlassen: Nehmen Sie diese Knete und forsten Sie Deutschland wieder auf, ok? Dort ist es viel nötiger als hier“, sagte Bolsonaro laut Medienberichten im August 2019 auf die Reaktion, weil Deutschland Fördergelder in Millionen Höhe an Brasilien streichte.

In Brasilien wird mehr lebenswichtiger Regenwald abgeholzt, als Deutschland überhaupt an Waldfläche zur Verfügung hat. Nach Prognosen wird 2030 gut 55% des Regenwald abgeholzt sein.

Auch der 45. Präsident der USA hat durch seine Arroganz und Dummheit einen Beitrag zu weiterer Umweltzerstörung beigetragen.

Verbot vom Anbau von Hanf

In vielen westlichen Ländern wurde Hanf verboten, weil THC wie auch CBD wichtige Bestandteile der Cannabispflanze sind. Tetrahydrocannabinol ist die Substanz, die für die psychoaktive Wirkung von verschiedenen Hanfprodukten verantwortlich ist.

CBD – also Cannabidiol, steht für den Inhaltsstoff der aus den Blüten der weiblichen Cannabispflanze gewonnen wird, dieser hat jedoch keine psychoaktive Wirkung, da er nur mit geringer Rezeptoraktivität an bestimmte Cannabinoid-Rezeptoren bindet.

In Deutschland war der Hanfanbau zwischen 1982 und 1995 durch das Betäubungsmittelgesetz vollständig verboten, um die illegale Nutzung von Cannabis als Rauschmittel zu unterbinden. In Frankreich wurde Nutzhanf für die Herstellung von Zigarettenpapier weiterhin verwendet.

Auch in den USA wurde 1937 die Produktion von Hanf unter dem „Marihuana Tax Act“ verboten.

Im Rahmen eines neuen Agrargesetzes hat die US-Regierung die Produktion von Nutzhanf 2018 wieder erlaubt, so dass die Pflanze wieder großflächig angebaut werden kann.

Die pro und contra Punkte für Nutzhanf

Hanf ist das Reinigungsmittel der Natur. Die Pflanze bindet auf einem Hektar viermal mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre als Bäume auf gleicher Fläche. Für jede Tonne Nutzhanf, die produziert wird, werden 1,63 Tonnen Kohlenstoff aus der Luft absorbiert.

Wenn es nach der Hanf-Lobby geht, wären mit dieser Pflanze mehr als 25.000 Artikel, die wir heute täglich gebrauchen und kennen, aus und mit Nutzhanf herzustellen.

Ein oft angeführtes Argument ist Hanfplastik. Dies sei das ultimative Material der Zukunft. Unternehmen wie Zeoform in Australien und Kanesis in Italien stellen Bioplastik aus Hanf in geringen Mengen her. Derzeit ist die Herstellung jedoch kompliziert, energieintensiv und teuer, so dass Hanfplastik in naher Zukunft noch keine Alternative zu den auf Erdöl basierenden Kunststoffen sein wird.

Auch wird oft die gute Ökobilanz zwischen Baumwolle und Nutzhanf angeführt. Demnach braucht Nutzhanf nur halb so viel Anbaufläche wie Baumwolle und produziert dabei doppelt so viel Faser pro Viertel Hektar. Für ein Kilo Baumwollfaser benötigt man knapp 10 Liter Wasser, für die gleiche Menge an Hanf benötigt man lediglich etwas über 2 Liter Wasser.

Da Nutzhanf ohne Pestizide auskommt, gelangen dementsprechend auch viel weniger Pestizide und Herbizide ins Grundwasser.

Aktuelle Vergleichsstudien für Baumwolle und Hanf sind schwer zu finden. Das Stockholmer Umweltinstitut veröffentlichte 2005 einen der umfangreichsten Berichte und verglich die beiden Naturfasern mit der synthetischen Faser Polyester.

Die Studie ergab, dass Baumwolle innerhalb einer Anbausaison rund 50 Prozent mehr Wasser benötigt als Hanf. Im Gegensatz zu Hanf muss Baumwolle viel mehr bewässert werden und wird häufig in wasserarmen Regionen wie Usbekistan angebaut.

Trotzdem kann man nicht einfach eine Faserpflanze durch eine andere ersetzen. Hanf ist zwar extrem strapazierfähig, es ist jedoch ein teurer und energieintensiver Verarbeitungsprozess nötig bis ein weicher, tragbarer Stoff daraus entsteht.

Nutzhanf braucht keine Herbizide

Diese Behauptung kann man so nicht stehen lassen, denn der großflächige Anbau von Hanf gibt es noch gar nicht, um dies wissenschaftlich zu belegen.

Im Labor für Agraranalytik der Pennsylvania State University, haben die Forscher auch Blattläuse, Schimmel und Schnecken gefunden, die den Nutzhanf schädigen sowie einige Krankheiten, darunter neue Pilzarten, die derzeit untersucht werden.

Bei der Industrielle und Monokultur Landwirtschaft – egal mit welcher Pflanze, führe zwangsläufig zu Umweltproblemen.

Hanf wird bis zu 4 Meter hoch und entwickelt viele Wurzeln. Zudem ist sein Blätterwerk spätestens im Juli so dicht, dass Beikräuter im Feld dadurch zu wenig Licht bekommen und eingehen. Daher muss Hanf nicht mit Herbiziden gespritzt werden. Aber – durch eben jene Höhe und Dichtstand der Pflanzen ist der Untergrund feucht und der ideale Nährboden von Pilzen und Sporen. Ähnliches kennt man beim Mais und Zuckerrohr.

Das Terpene-Argument

Ein weitverbreitetes Argument besagt, dass allein der Anbau von Nutzhanf die Terpene ersetzen kann, die von den durch Abholzung verloren gegangenen Bäumen freigesetzt wurden.

Terpene sind natürliche Verbindungen, die in Pflanzen und Insekten vorkommen. Sie haben eine gemeinsame chemische Grundstruktur, sehen aber doch sehr unterschiedlich aus. Daher können sie so unterschiedlich riechen wie zum Beispiel Lavendel und Minze. Und so unterschiedlich ist auch die Wirkung von Terpenen in der Natur.

Wenn Monoterpene freigesetzt werden, steigen sie zur Stratosphäre auf – wobei sie von Konvektionsströmen getragen werden, gehen Oxidationsreaktionen mit Ozon, OH und NO3 in der Atmosphäre ein und erzeugen dabei eine Reihe von Nebenprodukten.

Zwar ist es natürlich richtig, dass Nutzhanf Monoterpene freisetzt, doch die freigesetzten Mengen und Typen sind noch nicht eindeutig nachgewiesen worden. Auch ist die spezifische Wirkungsweise bei der Regulierung der Atmosphäre nicht bekannt. Es gibt also offenbar keine Grundlage für die Annahme, dass Nutzhanf mehr Monoterpene als alle anderen Anbaupflanzen freisetzt.

Da die Abholzung der bewaldeten Regionen der Erde, hier vorbehaltlich Brasilien, die Demokratische Republik Kongo und Indonesien, weiter fortschreitet, ist der Anteil des Baumbestands drastisch gesunken. Man nimmt an, dass allein die Abholzung in den letzten Jahrzehnten für einen Teil des allgemeinen Anstiegs der globalen Temperaturen verantwortlich ist, da sie einen CO2-Anstieg zwischen 12 % und 20 % verursacht hat, unabhängig vom CO2-Anstieg durch die Industrie und andere Ursachen der Verschmutzung der Atmosphäre.

Fazit

Es keinen Grund, warum Nutzhanf nicht als Teil einer nachhaltigen Strategie für Kohlendioxidbindung angebaut werden sollten. Doch die Frage, ob eine Pflanze eine bessere Kohlendioxidsenke oder Monoterpen-Emissionsquelle ist als eine andere, sollte sich gar nicht stellen, wenn es um das Problem der Lösung des anthropogenen Klimawandels geht.

Der Verlust der Biodiversität ist einer der wichtigsten Faktoren, die sich auf das langfristige Überleben unserer eigenen Spezies und das anderer Arten, von denen wir abhängig sind, negativ auswirken können. Somit kann es keine Lösung sein, sich zur Bekämpfung des Klimawandels ausschließlich auf einzelne Pflanzen zu konzentrieren.

Es braucht endlich ganzheitliche Maßnahmen um unser Ökosystem zu schützen und diese sollten dann auch zügig umgesetzt werden. Die Mittel sind da, es fehlt wie immer an den Umsetzung und den Willen den Blickwinkel zu ändern.

Evke Freya von Ahlefeldt und Naike Juchem, Paris, 5. August 2021

Quellen

  • ifeu-Institut Heidelberg, Deutschland
  • National Constitution Center in Philadelphia, USA
  • seeds.com
  • Umweltinstitut Stockholm, Schweden
  • Utopia.de
  • vaay.com

Ich bin Evke

Ich bin Evke Freya von Ahlefeldt, meine beiden Vornamen sind so alt wie mein Nachname. Sie geht bis ins 12. Jahrhundert zurück.
Oft werden meine Vornamen der nordischen oder niederländischen Sprache zugeordnet — dem ist nicht so. Es sind alte germanische Namen.
Früher wünschte ich mir einen „normalen“ Namen. Ab der Teenager Zeit fand ich meine Namen richtig cool. Meine Freunde nennen mich Evke oder im französischen Ive.


Frankreich ist ein gutes Stichwort.
Nach meinem Abi an einem Gymnasium in Hildesheim, wollte ich erstmal die Welt entdecken. Hildesheim zählt nicht gerade zu den Metropolen dieser Welt, auch wenn es zu den ersten größeren Besiedelungen des Germanischen Reichs gehört und auf 5700 v Chr. datiert wird, ist es nicht der Nabel der Welt.
Nun reiste ich mit dem Abi in der Tasche in die große weite Welt. Mit einem Pappschild stand ich an der Bundesstraße und lies mich überraschen wohin es mich treiben / fahren wird. Da mein Reiseziel mit “ Ich will weg“ doch sehr weit ausgelegt werden konnte, fuhr mich der Zufall in Gestalt von einem älteren und sehr charmanten Herrn nach Dänemark zu seiner Tochter.
Es ging für mich nach vier Tagen weiter nach Schweden und dann nach Olso.
Von Oslo brachte mich mein Pappschild nach Trondheim. Ich erlebte die Weite und eine unglaubliche Schönheit der Natur. Ich war in Norwegen verliebt und wollte dort sogar zum studieren bleiben. Da ich für die Einschreibung an der NTNU, der Norwegian University of Science and Technology, zu spät war, blieben mir noch ein paar wunderschöne Tage in einer grandiosen Stadt.

Paris ruft

Jede andere hätte bei der Zusage der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne, eine Universität für Rechts- und Politikwissenschaften, Wirtschafts- und Managementwissenschaften sowie Geisteswissenschaften, einen Luftsprung gemacht  – ich kaufe mir einen Joint und ein 6er Pack Bier.


Da es mit den Vorstellungen meiner Zukunft und dem daraus resultierenden Studium meiner Eltern und derer meinen Vorstellung doch erhebliche Defizite gab und ich keinen Bock auf Stress, Joints und Bier in den nächsten Jahren hatte, flog ich von dem paradiesischen Trondheim nach Hannover. Hildesheim hat selbst nach 7700 Jahren noch keinen Flugplatz – dafür alte Rosen. Dies nur am Rande.

Die drei Semester sind mir an der Uni schwer gefallen. Ob es am Gras, Alkohol oder diesem unglaublich trockenen Stoff von Politik- oder Wirtschaftswissenschaften lag, mag ich jetzt nicht zu beurteilen. Irgendwie würde ich das Studium beenden und dann ab nach Norwegen. Nun lebe ich schon seit 19 Jahren in Paris.

Ich zeigte damals einen guten (Wider)-Willen und irgendwann hatten meine Eltern ein Einsehen, dass man mir mit dem Hammer den Lehrstoff ins Hirn hätten schlagen können – ich hätte es nicht begriffen oder gewollt.
Ob jene Einsicht an dem doch erheblichen alkoholischen Leergut, dem süßlichen Geruch in meiner Studentenbude oder dem völligen Desinteresse für dieses Studium lag, mag ich nicht zu beurteilen. So studierte ich an der gleichen Uni dann Kunst und Archäologie. Ich schaffe sogar ohne Gras und Alkohol meinen Master.

An der Uni drückte mir jemand einen Flyer von „Action contre la faim“ (Aktion gegen den Hunger) in die Hand und ich wurde auf diese Truppe neugierig. Ich klopfte ein paar Tage später bei denen an die Tür und wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Zwei Wochen später engagierte ich mich ehrenamtliche bei der coolen Gruppe.

Nach dem Studium arbeitete ich als Kunstrestauratorin und mir gefiel diese Arbeit. Die Mischung aus Geschichte, Archäologie und Kunst war und ist faszinierend.

Neben der Arbeit brachte ich mich bei Action contre la faim immer mehr ein und war auch mit einer Gruppe im Sudan,  Kongo und Mali im Einsatz für humanitäre Hilfe.
Durch Zufall las ich 2010 eine Stellenanzeige von UNICEF Paris. Noch während des Vorstellungsgespräch kündigte ich telefonisch meinen Job.

Beim Einsatz in Mali August/September 2021

UNICEF ist eine andere Welt

Durch meine Erfahrung bei Action contre la faim konnte ich die neuen Aufgaben verknüpfen und sogar verbinden. Schließlich arbeiten wir alle für das gleiche Ziel.
Bei UNICEF lag und liegt mein Einsatzgebiet in so gut wie allen Ländern westlich der Sahara.
2015 wurde mir die Leitung vom UNICEF Büro In Paris übertragen und so konnte und kann ich mit meinen ehemaligen Kollegen von Action contre la faim noch enger zusammenarbeiten. Das Wirtschaftsstudium hatte doch ein paar Vorteile.

Wir sind in Paris 15 Mitarbeiter_innen und planen, organisieren alles um Hilfsprojeke von der UN / UNECA ( UN -Wirtschaftskommission für Afrika) für UNICEF, UNHCR oder andere Unterorganisationen.

Dies hört sich jetzt alles sehr spektakulär und fantastisch an – ist es nicht! Die Realität ist gefährlich, erschütternd und oft ein Alptraum.

Um irgendwie selbst psychisch damit klar zukommen, nehme ich mir die Auszeit um mit meinem Pferd einen oder mehrere Tage im Nirgendwo zu sein.

Evke Freya von Ahlefeldt, Paris, 12. Juli 2021

The forest of this earth could become a boomerang of life

The forest of this earth could become a boomerang of life

Author: Evke Freya von Ahlefeldt

With global warming, the growth of trees also tends to decrease and their mortality rate to increase. As a result, trees store less carbon

At the same time, the higher the temperature rises, the more the flora (because it is not only trees that produce the vital oxygen for life on earth) breathes up and releases carbon. In the long term, therefore, global warming may challenge the essential role of forests as CO2 reservoirs. This is a vicious circle that many researchers are struggling to find solutions to Currently, the carbon stock contained in forests remains stable up to a daily temperature of 32°C. Beyond this threshold, this stock is reduced to a minimum. Above this threshold, the stock decreases very sharply. The risk is immense. Researchers at the French research centre CIRAD in Montpellier calculated that tropical forests, found mainly in Latin America, Africa and Asia, currently store the equivalent of a quarter of a century of carbon dioxide emissions.

After the oceans, forests are the world’s second largest carbon store. But the crucial role they have played so far is at the mercy of global warming. If global warming is not kept below 2°C, as set out in the Paris Climate Agreement, the daily temperature in three-quarters of tropical forests will exceed 32°C. This is the limit that these forests can withstand.

Tens of billions of tonnes of CO2

Researchers at the Universities of Leeds and Manchester warn that any further temperature rise will lead to rapid losses of forest carbon in the tropics. If this limit is exceeded, there is a danger that the forests will in turn be converted into carbon emitters, i.e. like industrial plants which are partly responsible for the emissions. The green lungs of our earth could become a boomerang for all life on this earth.

Each additional degree of temperature increase would release 51 billion tonnes of CO2 from the tropical forests into the atmosphere.  By comparison, global carbon dioxide emissions in 2019 were estimated at 43.1 billion tonnes of carbon dioxide, according to the Global Carbon Project at Stanford University.

For this study, more than half a million trees of ten thousand different species were measured in 813 tropical forests in twenty-four countries around the world. The observation and results of this research date back to the last forty years.

Published by the UN in May 2020 to mark World Biodiversity Day: THE STATE OF THE WORLD, draws attention to the decline of the world’s forests.

Since 1990, almost 420 million hectares of forest have been lost in order to reclaim the land for other uses. Although deforestation has slowed over the last three decades, nearly 10 million hectares are still lost to agricultural land every year. Scientists confirm that forest destruction is proceeding at an alarming rate and is a major contributor to biodiversity loss.

Sources:

– Bruno Hérault, tropical forests researcher at the French research centre CIRAD, Montpellier.

– Global Carbon Project (GCP) of Stanford University – UN report from May 2020: THE STATE OF THE WORLD

Early Marriages / Child Marriages

Early Marriages / Child Marriages

The term child marriage is defined into early marriage and child marriage.

A report by Evke Freya von Ahlefeldt

The term early marriage refers to both formal and informal marriages that a girl enters into with a partner whether or not she has reached the age of 18 and thus cannot physically, psychologically and sociologically take on the responsibilities of marriage and childbirth. In a child marriage, on the other hand, either one or both spouses have not yet reached the age of 18 and such „marriages“ take place with or without formal registration by any authorities.

Early marriages in Africa

Early marriages have become the norm in Africa for decades and girls are being married off younger and younger. Some observers from international aid agencies now estimate that „wives“ are as young as 8 years old.

While most women in developed countries marry at a later age, in Africa many marry at an early age due to some cultural and traditional implication. Twenty to fifty percent of women in developing countries are already married by the age of 16, with the highest percentage in sub-Saharan Africa, South Asia and Central Asia. In northern Nigeria, many parents prefer to marry their daughters at the age of 10 or younger for cultural and economic reasons. The illiteracy rate among women is three-quarters higher in northern Nigeria than in the south. Although pressure from UNICEF to build schools and preventive measures has improved the school enrolment rate for girls, the rate of school dropouts is still extremely high, probably because girls are forced into early marriage.

Also, many girls are not enrolled in schools in the first place because, on the one hand, families do not have school fees and, on the other hand, the belief prevails that girls will be married off anyway and thus do not need an education.

The negative consequences of early marriages

There tends to be a correlation between the age of marriage, level of education, poverty and health. Less educated girls tend to marry earlier and therefore often lead to health problems such as: premature births and or unwanted pregnancies. Young girls are usually forced to marry a much older man and thus have sexual intercourse. Pregnancies, abortions and miscarriages of girls just entering puberty are now commonplace. This has serious health consequences, as the girls are not yet psychologically, physically and sexually mature. Another serious issue is domestic violence, as well as sexual abuse of minors. The extremely high morbidity and mortality of mothers has been increasing for years.

In 2019, HIV prevalence in Nigeria was 1.4% of adults aged 15 to 49. Earlier estimates had given a national HIV prevalence of 2.8%. UNAIDS and the National Agency for the Control of AIDS estimate that more than one-tenth of people in Nigeria are now infected with HIV – and the trend is rising.

Prevention and education is starting to take hold

In recent years, the northern provinces of Niger and Bauchi have passed laws banning the withdrawal of children from school for married couples. However, this is not enforced. The Federal Government of Nigeria and the 19 northern provinces have embarked on an initiative to review early marriage and its impact on education (e.g. raising public awareness on reproductive health and girls‘ rights and the importance of enabling girls to complete secondary school and strengthening school-community linkages) Girls‘ Education Improvements and More Schools for Girls and Women Only. Some of these initiatives have produced positive results. Married girls and mothers who had dropped out of school have resumed school, and parents have begun to help girls complete secondary school before marriage or even attend higher education.

Impact of early marriage on girls‘ education.

School is the main institution outside the family that deals with the socialisation of young people in all dimensions of adult roles and responsibilities. Early marriage, on the other hand, denies children of school age, their right to education, the need for their personal development for adulthood and their effective contributions to the growth of their future, society and family. The right to education and health is essentially about facilitating and also enhancing the effective enjoyment of human rights. For very many poorer families, the potential education for raising a female child is too far away, so their education is not recognised as an investment. Families claim that girls‘ education only benefits the man’s household, not their parents. Some parents believe that girls do not need education for their role as wives and mothers, that education undermines cultural practices and that education teaches girls to reject traditions. However, education even at the grassroots level is not just about livelihoods and technical skills, but more importantly about creating social connections that enable one to access important resources to alleviate poverty. Education can also develop girls‘ self-esteem and confidence to express their opinions or take control of their own actions, lives and bodies. Another positive benefit of education is improved reproductive health and child survival. Educated women can then also have a say in decision-making regarding the size of their families and the spacing of children. It would also be another positive step towards information and knowledge about contraception and the health needs of their children.

Conclusion

Education is the most important thing people need in the 21st century to get out of the spiral of poverty and dependence. Those who know their human rights can also defend them.

Evke Freya von Ahlefeldt, UNICEF Paris 26 May 2021

Water shortage

Water shortage due to climate change The global situation is alarming

A report by Evke Freya von Ahlefeldt

„The next war in the Middle East will be fought over water,“ predicted the then UN Secretary General Boutros Ghali as early as 1985.

Tanks to protect or defend wells have not yet been deployed, but international conflicts over water have been around for a long time. India and Pakistan are fighting for water rights on the Indus. Iraq and Turkey are fighting over the Tigris and Euphrates waters. Egypt and Ethiopia are also fighting over water in the basin of the Blue Nile. There is already a lack of water in 17 countries.

These include the Arab Gulf States, Israel, Jordan, Lebanon, Libya, Botswana and Eritrea. But also the small Mediterranean state of San Marino, Turkmenistan as well as India and Pakistan and Afghanistan belong to it. In Europe, too, the consequences can be felt in Italy, Portugal, Spain and Greece. Researchers from the World Resources Institute are also seeing in some Balkan countries and, surprisingly, in Belgium the development of water shortages with concern.

Access to clean water and hygiene is essential for survival and development – especially for young children. „Water and sanitation for all“ is therefore the sixth of the UN Sustainable Development Goals.

A late 10 points die clearly showing the effects of climate change.

1. The water crisis is happening now! 2.2 billion people worldwide do not have regular access to clean water. An incredible number. Around 785 million people do not even have a basic supply of drinking water. People or families in the poorer regions of the world are particularly affected – and there especially in rural areas. More than two thirds of the earth is covered by water, but only less than three percent of it is drinkable. And this drinking water is also very unevenly distributed. In Africa, Latin America and Asia in particular, there is dramatic water shortage in many places. An estimated 3.6 billion people now live in areas that are extremely arid for at least one month a year. According to a recent study by UNICEF, more than 1.42 billion people worldwide live in areas with overall high or extremely high water insecurity, including 450 million children. There is currently no improvement in sight. The UN World Water Report from 2019 advocated „green“ solutions – such as natural water cycles that should be used for water supply. When does a real rethink take place?

2. Water not only has to be clean, it has to be „safe“. Here at UNICEF we speak of „safe“ water when it is accessible to people close to their home, available when needed and, of course, free from contamination. Only then can families be sure that their health is not at risk. What good is it if there is water nearby, but it comes from a polluted river and is full of pathogens? This is the situation for Baraka from South Sudan, for example. The five-year-old lives with his mother and siblings on the outskirts of the capital Juba. During the civil war, water points and wells were deliberately damaged and destroyed. The only alternative for the family: fetch water from a nearby river. Polluted water that can be contaminated with germs and bacteria and lead to disease.

3. Diseases spread particularly quickly without water and hygiene. Since the appearance of the coronavirus at the latest, we have also been even more aware of the fact that hygiene is extremely important in order to avoid diseases. In the poorer regions of the world in particular, polluted water from rivers is a problem – another is poor hygiene. Around two billion people do not use safe sanitary facilities. This includes, for example, a toilet that ensures that people do not come into contact with the excrement and a system that safely removes the excrement. Diseases can spread so quickly – a deadly threat to young children. Here, too, South Sudan is a cautionary example: a cholera outbreak there had claimed over 400 lives there since the summer of 2016. In the rainy season, further outbreaks threaten: floods pollute the water sources, many sanitary facilities are in poor condition – or even nonexistent.

4. „Open defecation“ is more common than you think. Practically inconceivable in this country, everyday life in many regions of the world: Around 673 million people practice bowel movements outdoors. So they do not even have a simple toilet, but relieve themselves on the roadside, in fields or in the bushes. How can you change that? Among other things through education: UNICEF not only takes care of the expansion and maintenance of the water systems or the construction of latrines in rural village communities, but also trains so-called „water committees“. The members of the committees then inform other villagers about simple hygiene practices or the risk of illness, for example. Or they check the quality of the drinking water available.

5. As always, the children are most at risk. The lack of clean water and hygiene are still the leading causes of death in children under five. More than 700 children die every day from preventable diseases such as diarrhea caused by contaminated water or poor hygiene. Hygiene is one of the easiest and cheapest ways to prevent life-threatening diseases. After the great typhoon in 2013, the children in the Philippines learned to sing „Happy Birthday“ twice while washing their hands with soap – this is exactly the right time to get rid of dangerous pathogens. An important note, because in some of the poorest regions of the world hand washing is not a matter of course. Thoroughly washing hands with soap, if done correctly, is also an important factor in the fight against the coronavirus – we have heard that over and over again over the past year. The problem: billions of people around the world don’t have constant, easy access to a place to wash their hands.

6. Countless babies are born in unsanitary conditions. According to the UN, one in four hospitals worldwide did not have running water and soap for hand washing in 2019. 21% did not have simple toilets. In such circumstances, safe births are hardly possible. And hygiene is vital around childbirth. For example, if the umbilical cord is cut with a non-sterile object, the baby can be at risk of contracting a life-threatening disease such as tetanus. The situation is particularly dramatic in emergency situations: when, for example, two severe earthquakes struck Nepal in 2015, many hospitals and birth centers were destroyed – in some regions even around 70 percent of the birth centers. UNICEF set up health stations and emergency shelters where mothers could give birth to their babies safely and under hygienic conditions.

7. Water shortage prevents schooling. When children have to walk long distances every day to fetch water for the family, they often miss the chance to go to school. This is valuable time, especially for children, in which they cannot be children and cannot learn. This is what happens to Aysha from Ethiopia, for example. This is a day in her life … In addition, if schools do not have safe drinking water and toilets, children cannot study in an appropriate environment. And girls often prefer to stay at home during their menstruation. In 2019, only about 69% of schools worldwide had basic access to drinking water, and only 66% had sanitation. Around 900 million children have no access to hygiene at their school. The African countries south of the Sahara are particularly affected.

8. Climate change makes it worse. The changing climate affects precipitation, among other things: intensity, duration and distribution over the seasons change. This in turn affects the quantity and quality of the drinking water. Overall, climate change exacerbates water scarcity and can intensify competition for limited water resources. Many people will be forced to move to other areas in the future. Extreme weather events can also damage water systems and infrastructure that children in particular need for their survival and development, such as sanitary facilities and water pipes in schools and health facilities. The global weather phenomenon El Niño has shown us in recent years what effects climate change can have. The countries of eastern and southern Africa in particular were hit with full force: Extreme drought and drought alternated with torrential rains. Where are the gloomy prognoses of climate change leading us? Around 500 million children are already living in areas that are exposed to an extremely high risk of flooding due to extreme weather events such as cyclones, hurricanes and storms as well as rising sea levels. 450 million children live in areas with high or extremely high water insecurity. By 2040, almost every fourth child in the world will be living in an area affected by extreme drought – if we don’t act soon.

9. In conflicts and crises, children are twice as likely to have no access to water. Millions of people around the world urgently need clean water in emergency situations. A particularly striking example is the civil war in Syria, which has now been going on for 10 years. The fighting has left deep marks there: the water supply has repeatedly collapsed in many places, and millions of people have been affected in recent years. UNICEF is fighting the water shortage in Syria with emergency deliveries on trucks and the construction and repair of wells and infrastructure. Every day our colleagues provide the children in the destroyed cities and refugee shelters with clean water. A particular concern is the rebuilding of permanent water supplies for schools.

10. We have to do more! The facts and figures make it clear that the world is not yet on the right track to achieve the sixth of the UN Sustainable Development Goals: „Water and sanitation for all“. UNICEF is already working at the highest political levels, calling on governments to meet their commitments to improve access to water and sanitation and to work to contain the effects of climate change. Cooperation between governments and national statistical offices should also be strengthened to improve the collection, analysis and dissemination of data. Against the background of the global water crisis, UNICEF started the „Water Security for All“ initiative in order to ensure that every child has access to a sustainable and climate-resistant water supply in the long term. The initiative aims to bundle resources, partnerships and innovations and mobilize support for the „hotspots“ where investments in water, sanitation and hygiene are most urgent. Technical developments and innovations could help, as this example from Malawi shows: UNICEF has installed a solar-powered pump in a village near the city of Blantyre, which helps the community to prepare for future emergencies. The solar pump goes deeper into the ground than a hand pump. This means that people can still access water during a drought when the water table is falling. In addition, the pump requires little maintenance and solar power is cheaper, more environmentally friendly and more sustainable than expensive diesel generators.

Swell: UNICEF Report Save the Water

World Resources Institute