Zwangsheirat ist Vergewaltigung auf Lebenszeit

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Autorin Nila Khalil

Zwangsheirat ist Vergewaltigung auf Lebenszeit

Weltweit wird jede fünfte minderjährige Frau zwangsverheiratet. Nach Angaben von UNICEF gibt es 650 Millionen Mädchen und Frauen, die in einer Zwangsehen leben. Jährlich werden geschätzte 12 Millionen Mädchen zwangsverheiratet. Die Zahl ist in den letzten Jahren zwar auf 10 Millionen gesunken, trotzdem spricht diese Zahl eine eindeutige Sprache.
In den Zwangsehen ist Perversion sehr weit verbreitet, es gibt keinerlei Aufklärung in der Sexualität. Frauen haben nach der Meinung und Religion von dem Mann keine Rechte und werden dann auch so behandelt. Mädchen und Frauen haben in den muslimischen Ländern nicht die gleiche Stellung wie ein Mann und sind in deren Augen auch nichts wert.
Eine Zwangsheiratung ist Vergewaltigung auf Lebenszeit!
Die Perversion geht über das sexuelle noch weiter. Mädchen und Frauen werden wie Leibeigene behandelt und es ist völlig in Ordnung was der Mann mit „seiner“ Frau macht. Sklavenhaltung in einem Käfig, tägliche Vergewaltigung oder sogar Totschlag ist erlaubt. Hat ein Mann genügend Geld, kauft er sich für ein paar Hundert Euro, ein paar Schafe oder etwas Land wieder eine neue Frau.
Ich bin die Direktorin von einem Frauenhaus, in dem Zwangsverheiratete Mädchen Schutz bekommen und wir auch für diese Kinder die Scheidungen vorbringen. Oft dauert es Jahre, bis es zu einer Scheidung kommt und so lange leben diese Mädchen in ständiger Angst und Lebensgefahr.
Ich schreibe nun zwei Schicksale von Mädchen in unserer Einrichtung.  Die Geschichten beider Mädchen werden auch so in einem Buch stehen, das eine Freundin von mir schreibt.

Ellaha wurde von ihrem Vater vor vier Jahren verkauft. Ihr Preis waren Fünfzig Schafe und eine kleine Ackerfläche. Ihr Mann war schon alt, hatte graue Haare und vor ihr schon drei Frauen geheiratet und diese umgebracht. Sie wurde wie ein Hund an einer Kette gehalten und wurde auch schwanger von ihrem Mann. Eines Tages sei die Nachbarin vorbei gekommen und sie hätte ihr etwas zu trinken gegeben, später sei das Kind tot auf die Welt gekommen. Bei der zweiten Schwangerschaft hätte ihr Mann sie so fest in den Bauch getreten, dass sie sehr viel Blut verloren hatte und auch dieses Kind. Nach dem ihr Mann sie wieder vergewaltigte, hatte er vergessen die Tür von ihrem Raum richtig zu verriegeln. In dieser Nacht ist sie weggelaufen. Sie wusste nicht wo hin und lief mehrere Tage ohne Schuhe, nur mit ihrem Kleid und Umhang bekleidet durch die Berge. Es war Oktober. Der erste Schnee war gefallen. Als sie völlig erschöpft und unterkühlt an der Straße lag fand sie ein Mann mit einem Esel und nahm sie mit zu sich nach Hause. Aus Angst das er sie auch Missbrauchte oder noch schlimmer, zu ihrem Mann zurück bringen würde, denn er bekäme bestimmt Finderlohn für sie, sei sie trotz der Unterkühlung weglaufen und wollte lieber in den Bergen sterben. Ellaha machte eine Pause, zog ihre Socken aus und alle Anwesenden in dem Raum sahen Füße die schwarzbraun waren. Geschundenes Fleisch, zwei Zehen am linken und eine Zeh am rechten Fuß waren nicht mehr da. Blasen und Beulen bis weit über die Knöchel. Ellaha zog von ihrem Kleid den rechten Arm hoch und auch dort waren schwarze Flecken vom Kältebrannt auf der Haut.
„Mein Gott, was Menschen alles erleben können wir uns gar nicht vorstellen.“ Sagte Sabine leise zu Hannes.
Ellaha erzählt weiter, dass sie nur durch Zufall von Svea gefunden wurde sonst wäre sie in den Bergen an Unterkühlung gestorben. Svea hatte mit einem Anwalt nun schon den dritten Versuch unternommen, dass sie endlich geschieden wird, aber ihr Mann erscheine nie vor Gericht und auch die Gespräche mit den Stammesältesten haben bis heute nicht gebracht. Ihr Mann habe schließlich ein “Vermögen“ für sie bezahlt und will sie zurück haben. Solange sie nicht geschieden ist, kann sie auch das Haus nicht verlassen und wenn, dann nur mit einer Burka, damit sie nicht erkannt wird. Sie lebe zwar jetzt in Sicherheit aber trotzdem sei sie gefangen. Zu ihrer Familie will sie nicht zurück, weil ihr Vater in der Schuld von ihrem Mann stehe und sein Gesicht nicht verlieren möchte und Ellaha wieder ausliefern würde. Sie hoffe nur, dass sie bald geschieden würde oder ihr Mann stirbt damit sie dann endlich frei sei.
Hannes sah zu John und Gregory die neben ihm standen und die Geschichte von Ellaha filmten, alle waren fassungslos von dem, was dieses Mädchen erzählte.
Behar war neunzehn Jahre alt und sehr verschüchtert, auch sie möchte erzählen wie es ihr ergangen war. Sie wurde von ihrem Stiefvater für 30000 Afghani, 400 Euro, verkauft, weil der Vater keine Arbeit hatte und er für vier Frauen in seinem Haus sorgen musste, dies aber nicht konnte oder wollte.
Als Nila dies übersetzt hatte, stockte jedem der Atem. „In Afghanistan ist ein Mann, der keinen Sohn hat, nicht so viel wert. Daher werden oft die Mädchen verkauft.“ So Nila weiter.
Behars Schwester wurde ein Jahr vor ihr Verkauft und sie Überlebte die Misshandlungen von ihrem Mann nicht. Behars Mann war eigentlich ihr Schwager. Nach vier Jahren Ehe und schon einem Fluchtversuch, bei dem ihr Mann ihr später mit Benzin die Beine anzündete und sie lebendig verbrennen wollte, habe sie sich beim Löschen die Arme und Hände verbrannt. Nach langer Zeit mit allen Erniedrigungen, die folgten, floh sie das zweite mal aus dem Haus, als ihr Mann zu einer Stammesversammlung war. Auch sie sei tagelang unterwegs gewesen und wusste, wenn diese Flucht nicht gelinge, sie diese nicht überleben würde. Eine US Militär Kolonne habe sie abseits der Straße gefunden und in einem Hospital behandelt. Auf dem Stützpunkt war ein Arzt der von dem Frauenhaus wusste und so kam sie in dieses Haus und möchte eigentlich nur noch sterben. Denn sie habe trotz der Salbe immer viele Schmerzen und sie schäme sich für ihre Haut.

Soweit ein sehr kleiner Auszug aus dem Buch.

In Afghanistan ist es verboten Mädchen unter 12 Jahren zu verheiraten und trotzdem wird es getan. Oft sind die Mädchen erst 10 Jahre alt!
Viele Männer und Stammesälteste berufen sich bei einer Hochzeit, die gegen alle Menschenrechteverstößt, auf den Koran in dem steht, dass
Mohammed einst eine neun Jährigen geheiratet hat.
Mohammed lebte 571 bis 632 nach Christus. Wenn ich 600 nach Christus annehme, sind es immerhin 1419 Jahre bis zum Dezember 2019. Wer in diesen 1419 Jahren noch nicht begriffen hat, dass sich die Welt weiter gedreht hat, steht etwas weit in der Intelligenz zurück.

Zwangsehen gibt es nicht nur in der islamischen Welt. Auch in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika sind solche Ehen zu finden.
Selbst den deutschen Behörden sind Kinderehen bekannt!
In einer Zwangsehe dürfen Mädchen und Frauen keine Schule mehr besuchen, keine Ausbildung machen und auch sonst nicht am Gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Es ist ein Leben in ständiger Angst und Isolation. Den Mädchen wird alles verwehrt um ein Leben in Würde oder Selbstbestimmung zu führen. Sie sind in der Abhängigkeit von den Mann. Die Mädchen können nie richtig schreiben und lesen lernen und nur ihr bisschen Wissen an ihre Kinder weitergeben. So bleibt folglich auch die Bildung der Familie immer auf dem untersten Stand stehen. Bekommt die Frau ein oder zwei Mädchen, ist deren Leben auch schon vorprogrammiert.

Nila Khalil, Den Haag, 22. Dezember 2019