26 Das Machtwort im Rathaus von Svay Rieng

Kapitel 26

Das Machtwort im Rathaus von Svay Rieng
„Du solltest mit der Faust auf den Tisch schlagen, nicht mit dem Vorschlaghammer!“

Kampang Rou, Sonntag 4. Juli 1993

Um die Mittagszeit waren alles aus dem Hotel in Kampang Rou auf dem “Europa Platz“ zum Resteessen eingetroffen.
Das gewusel vom Vortag war erheblich weniger geworden. Einige Mitarbeiter und Dorfbewohner waren in dem Küchenzelt und an den Grills beschäftigt, andere räumten den Platz auf oder bauten die Cocktailbar ab.

Mit ihren Freunden saßen Patricia und Hannes im UN Zelt. Sraleanh lag vor dem Zelt – Sangkhum im Zelt in der Nähe von Hannes.
„Sach mol Hannes, ess die Kuow immer bei dir?“ „Ja. Melanie, du siehst wie dieses Tier sich verhält – irgendwie scheint bei ihr in der Genetik mehr Hund als Rind zu sein. Ich habe Sangkhum nun über drei Jahre und außer ihrer Größe, hat sie sich in ihrem Verhalten nicht geändert. Ich dachte, wenn das Rind ausgewachsen ist, wird sie keinen Kontakt mehr zu mir wollen oder suchen.“ „Dad es Unglaublich. Hübsch esse eh joh. Isch honn emmer gedengd das so eh Kouw eh annera Geruch hott, awwer isch rieche nix was jetzt anstoßend wär.“ Hannes grinste. „Clodette und ich achten schon sehr auf unsere Rinder. Wir schauen nach ihren Hufen, bürsten und waschen regelmäßig ihre Felle. Das Resultat sind zwei sehr gepflegte Tiere. Da ich aber die letzten Wochen in Europa war, konnte ich mich nicht so um Sangkhum kümmern, wie ich es gerne hätte. Sangkhum war die letzte Zeit bei einer Herde in Chong Kal, da ich nun für ein Jahr wieder in Kampang Rou bin, ließ ich sie vor vier Tagen hier her bringen. Es war schon etwas aufwendig, aber ich möchte sie in meiner Nähe haben.“ „Sach nuur, Sangkhum fährd Audo!“ „Natürlich! Am Anfang war es etwas schwierig und ungewohnt sie auf einen Pickup zu bekommen, mittlerweile kennt sie es und hat damit keine Probleme. Sangkhum und Sraleanh sind sogar Stubenrein. Man kann auch dies einem Rind beibringen.“
Melanie sah Clodette und Hannes an, als ob sie gerade vom Blitz getroffen wurde. „Ess ned zu fassen! Mit ihrem Halsband onn dähm karierde Schal sejht se richdisch goldig aus.“ „Danke. Das Zaumzeug habe ich im Mai im Allgäu gekauft. Ab und an mache ich sie auch chic – wenn wir spazieren gehen.“ „Warum awwa eh Kouw?“ Hannes zog die Schultern hoch „Warum eine Kuh? Melanie, was soll ich daruf antworten? Zufall, Glück oder Schicksal? Als wir vor dreieinhalb Jahren in dieser Gegend anfingen zu helfen, waren die Leute uns gegenüber sehr reserviert. Vielleicht war es Sangkhum, dass die Menschen anfingen uns zu vertrauen. Ob es bei einem Hund auch so gekommen wäre weiß ich nicht. Vielleicht schon, nur ob so schnell – kann ich nicht sagen. Das ich mich jemals in ein Rind verlieben würde, wusste ich auch nicht. Patricia und ich lernten Clodette im Frühjahr 1990 als eine mutlose, gemobbte und traurige Frau kennen, heute ist davon nicht mehr zu sehen. Den Augenblick, als ich mit Clodette damals das erstemal auf der Weide war und Sraleanh auf sie zu kam, werde ich nie vergessen! Sraleanh war damals genau so alt wie Sangkhum, aber mir nicht so zugetan wie eben Sangkhum. Bei Clodette und Sraleanh passte es sofort. Frag Clodette, warum sie eine Kuh hat.“
Clodette nickte. „Ich durfte in Frankreich noch nicht einmal einen Vogel in der Wohnung halten. Ich wollte ein Tier – ich brauchte ein Tier! In Thionville hatte Hannes  mir so viele von Sangkhum erzählt, dass ich dies nicht glauben wollte und konnte. Wer verliebt sich schon in eine Kuh? Oder das ein Rind mit spazieren geht, den Kopf auf deine Beine legt und einschläft. Ja, ich konnte dies nicht glauben. Nun habe auch ich eine Kuh und baue Sraleanh immer wieder in den Unterricht ein. Ich zeige meine Liebe zu Sraleanh den Kinder wie man mit Tieren umgehen sollte und das Tiere auch eine Seele und Gefühle haben. Es hat die Kinder in ihrem Denken verändert. Wir können vieles nur ändern, wenn wir es selbst vormachen. Da muss ich Hannes recht geben – unsere Kühe waren es, die Vertrauen schenkten.“

Nach dem Essen zeigte Hannes die Projekte, die damals diesen Ort veränderten. Chris, Coady, Melanie und Stacey waren begeistert. Stacey filmte, was Hannes zeigte und erzählte. Bei den Schilderungen über die vielen kranken Menschen, dem Gestank, den Müll und Chaos in dem Ort, schüttelten alle den Kopf.
„Ja Coady, dies wird uns bei den neuen Projekten auch bevorstehen! Wir hatten uns damals entschlossen diesen Weg zu gehen und nicht nach Plan die Wasserleitung zu verlegen. Die Klär- und Müllgruben waren vorrangig. Daher auch das Wasserrad. Wir sind jetzt noch nicht mit den Wasserleitungen in den Ortschaften. Da wir aber alles schon verlegt haben, kommt schon Wasser über das Wasserrad und wenn die Leitungen fertig sind, dann eben aus der Hauptwasserleitung. Was wir mit dem Wasserrad und Pumpe dann machen, wissen wir noch nicht. Wasser ist wichtig, aber die Gesundheit der Menschen auch! Wir haben alles zusammen geschafft, darauf können wir Stolz sein. Ihr habt gesehen, dass an der Schule eine kleine Krankenstation dabei ist. Mit Reto und seinem Team haben die Menschen in dieser Gegend die Möglichkeiten zum Arzt zu gehen. Die Kosten werden zum größten Teil von der WHO, von EcoMedSolidar Swiss, der Organisation bei der Reto beschäftigt ist und vom Französischen Gesundheitsministerium
übernommen, dafür war auch so einiges an Gesprächen nötig. Durch und mit Reto habe ich unglaublich viel gelernt, daher wollte ich ihn gestern auch bei dem Meeting dabei haben.“

Coady sah Hannes lange an, bevor er die richtige Worte fand. „Ich bin ehrlich, ich habe mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Da stehe ich vor dir, bin Ohnmächtig und lerne trotzdem noch dazu.“ „Woher willst du dies auch alles wissen? Es ist nicht dein Job. Ich bin aber auch sehr froh, dass du mir zuhörst. Wir beide können von einander noch sehr viel lernen. Du, ihr habt gestern und heute meine Mitarbeiter kennengelernt, mit diesen Menschen kann man sehr viel erreichen. Keiner hatte gemotzt wegen den neuen Projekten oder sich dagegen gestellt. Sie machen sich nun Gedanken und sind bereit zu helfen. Dieser Zusammenhalt bei ODHI ist es, was uns von so vielen Hilfsorganisationen unterscheidet.“
Coady nickte anerkennend. „Das hat jeder von uns gespürt und gesehen. Ich hatte Angst, wenn du mir eine Absage geben würdest und ich nicht weiß wie ich weiter machen sollte. Ich sah in dem Moment wirklich nur das Geld, jetzt auch die Menschen. ODHI wir die volle Unterstützung von der Weltbank hinter sich haben, dass verspreche ich dir.“

Chenda rief an und sagte, dass sie schon in Kampong Trach sei und heute noch anfangen würde zu recherchieren. Hannes erzählte in der Gruppe von dem Telefongespräch.
„Die Frau gibt ganz schön Gas“ sagte Coady voller Bewunderung in die Runde. Hannes nickte Coady zu. Innerlich hätte er vor Stolz platzen können. Von Chenda war er nach wenigen Stunden der gemeinsamen Arbeit begeistert und wusste, dass sie ihren Job gut machen wird.

Am späten Nachmittag fuhr Coady mit seiner Frau und Chris zurück nach Phnom Penh. Stacey blieb bei Patricia in Kampang Rou. Sie wollte schon am Montag mit einer Dokumentation über die Schulen in dieser Gegend beginnen.

Gemeinsam saßen sie mit Freunden im Zelt und hörten Stacey zu, wo sie schon überall war um Reportagen zu drehen: Sudan, Nicaragua, Chile, Honduras, Philippinen und nun Kambodscha. Stacey war keine Sensationsjournalistin. Bei ihr standen die Menschen im Vordergrund. Die Geschichten hinter Folter, Terror, Krieg und Verfolgung.
Jeder im Zelt hörte ihr Fassungslos zu. Sie sprach von der Basis – von dem was kaum in den Nachrichten gezeigt wurde. Sie filmte die Geschichten die danach kamen und wie die Menschen damit leben mussten oder umzugehen lernten.

Stacey war drei Jahre älter als Patricia und Hannes und hatte schon das Hundertfache von beiden gesehen. Hannes dachte, er hätte vor drei Jahren Schlimmes gesehen – lächerlich.
„Stacey, bei allem was du uns erzählts, wie gehst du damit um? Ich habe schon Alpträume wegen zwei toten Kinder, kranken Menschen und die Angst beim baggern ein Massengrab zu finden.“ Stacey sah in die Runde und nickte. „Ich habe auch Alpträume – ncht nur du. Mein Schutz ist die Kamera. Natürlich kommt beim schneiden alles wieder hoch. Ich filme aber oft das Gute – das Positive. Dies überwiegt weit mehr und daran erinnere ich mich! Das neue Leben der Menschen ist interessanter als die zu oft gezeigten Abgründe. Ihr helft auch Menschen und das ist doch positiver als der Tod von zwei Kinder. So schlimm wie es ist, ihr helft Tausenden anderen Kinder, Frauen und Männern für ein besseres Leben. Tausend gegen Zwei ist doch besser – oder?“
„Natürlich. Trotzdem ist Zwei im Kopf.“

Stille im Zelt. Keiner wusste etwas zu sagen, diese Ohnmacht vor der Realität dieser Welt war beklemmend.

Patricia und Hannes lagen in ihrem Hotelzimmer in Svay Rieng auf dem Bett. Es war seit langer Zeit ein nicht all zu später Abend, wie sonst. Patricia lag eng neben ihm und streichelte seine Brust. Ihre Hand war so zart und weich. Jede Berührung von ihr war Balsam für die Seele. Was sie beide heute von Stacey hörten war schockierend. Wie naiv waren beide gewesen, als sie vor dreieinhalb Jahren in die Humanitäre Hilfe gingen. Zu jung? Nichts wissend? Oder Träumer? Hannes kamen die Tränen bei den Worten von Stacey. Was wusste er noch nicht von dieser Welt? Patricia wischte seine Tränen weg. Diese Geste in dem Moment war mehr als Liebe.
„Ma Chérie, weine nicht. Wir tun Großartiges und darauf sollten wir stolz sein. Ich weiß, welch weiches Herz du hast und spüre täglich seine Liebe. All deine Gedanken, Gefühle und Sorgen für andere Menschen macht dich zu einem der liebevollsten Menschen die ich kenne. Ich bin stolz deine Frau sein zu könnten. Ich bin stolz ein Teil von dir sein zu dürfen! Ich liebe dich auf immer und ewig.“
Hannes sah dieses wunderschöne Gesicht von ihr, ihren zarten Körper und spürte ihren Herzschlag. Mit ihr würde er an jeden Ort dieser Welt gehen – so sagte er es vor einigen Jahren. Würde er nach Honduras oder Nicaragua heute noch gehen wollen?

Patricia streichelte ihn immer mehr. Er wusste nur zu gut, dass sie ihm helfen wollte die Alpträume in seinem Kopf vergessen zu machen. Er wusste wie sehr sie sich bemühte ihm zu helfen.
„Ma Chérie, was kann ich nur tun?“ „Du tust genug. Das spüre ich bei jeder Berührung von dir. Mein Hirn läuft über und ich kann nichts dagegen tun. Ich versuche an das Gute zu denken und trotzdem holt mich die Dunkelheit ein. Dein Parfüm raubt mir den Verstand beim Einatmen und beim Ausatmen habe ich diesen leicht süßlich, fauligen und penetranten Geruch vom Tod im Kopf. Ich sehe die Mücken in jenem Haus, die Maden und Käfer auf dem Leichnam von diesem Kind und weiß nicht was ich dagegen machen kann. Ich sprach mit Nescha darüber, auch sie kennt diesen Geruch und bekommt ihn nicht mehr aus dem Kopf! Reto sagte mir vor dreieinhalb Jahren ich muss auch diese Seite der Medaille annehmen. Er sagte nichts von den Alpträumen! Lange hatte ich es verdrängt. Als ich miit Nescha in München im Kino war, konnte ich den Geruch vom Tod riechen! Es war nur ein Film! Patricia, ich habe Angst das ich nicht mehr weiter machen kann!“
Patricia kamen die Tränen. Was sollte sie sagen? Was konnte sie sagen? Sie schüttelte den Kopf. „Wir schaffen das! Ma Chérie, ich bin bei dir und wir arbeiten täglich an deinem Traum. Du hast eine Heerschar von Menschen um dich, die alle an dich glauben und täglich alles dafür geben. Gib du nicht auf! Morgen redest du mit Bourey über die Grundbesitze für dein Projekt. Melanie sprach gestern mit mir über dein Dossier und wie Coady beim lesen weinte. Du kannst deine Gefühle schreiben. Andere Menschen lesen diese und fühlen es genauso! Ich dachte, als ich es gelesen habe, es geht nur mir so, weil ich dich kenne. Wenn Fremde Leute genau so fühlen, lesen sie deine Liebe, deine Verzweiflung und deine Hoffnung! Hast du wegen den Alpträume schon mal mit Reto gesprochen?“ „Natürlich. Reto ist ein unglaublich guter Mediziner und auch wunderbarer Freund. Er ist doppelt so alt wie wir, vielleicht sieht man in dem Alter den Tod mit anderen Augen.“ „Bestimmt. Dann lass uns jetzt nicht mehr daran denken. Vielleicht sehen wir all diesen Tod, Elend und Armut auch einmal mit anderen Augen.“ „Ich wusste immer, deine Schönheit ist so atemberaubend wie deine Klugheit.“
Patricia gab ihm einen Kuss und flüsterte ihm ins Ohr „deine Schönheit und Klugheit braucht aber auch hin und wieder etwas für ihre körperliche, geistige und seelische Befriedigung.“ Bei ihren Worten drückte sie ihr Becken fest gegen seinen Oberschenkel und griff ihm in den Schritt.

Patricia’s Liebe und Hunger nach Sex waren oft kaum zu stillen. Die Klimaanlage schaffte eine angenehme Frische im Raum und trotzdem waren beide nass geschwitzt. 
„Ist deine Befriedigung in allen Punkten erfüllt?“ Fragte es sie, als sie nach dem Sex mit ihren Kopf auf seiner Brust lag. Patricia küsste Hannes auf die Brust und streichelte sein Gesicht.
„Hmmm, der geistigen fehlt noch etwas, sonst war es wunderschön.“ Patricia setzte sich im Reitersitz auf seinen Schoß.

Noch vor dem Frühstück rief Patricia Levi an und bat, dass er sie mit nach Kampang Rou nehmen möchte.
Clodette und Levi hatten vor eineinhalb Jahren in Svay Rieng ein Haus gekauft.

Auf dem Weg zum Speisesaal trat Stacey auf den Flur. „Guten Morgen Liebes.“
„Guten Morgen Patricia und Hannes. Wenn ich euch gestern zu krass von meinem Beruf erzählt habe, tut es mir leid.“ „Ist schon in Ordnung. Du kannst nichts für diese Welt. Natürlich haben wir gestern Abend darüber gesprochen und wie wir versuchen damit umzugehen. Wer weiß was uns noch alles bevor steht. So haben wir wenigstens es schon mal gehört.“ „Ich bewunderte euch! Ihr packt an und helft den Menschen, ich filme und dokumentiere nur.“ Patricia schüttelte energisch den Kopf. „Nein Liebes. Deine Arbeit ist auch wichtig! Wir können nur in einem kleinen Gebiet helfen und die Menschen in unmittelbarer Nähe erreichen, deine Filme können Millionen Menschen erreichen und vielleicht dadurch uns unterstützen.“

Im Speisesaal war es nicht mehr so voll, wie damals als alles anfing. Viele Mitarbeiter waren in anderen Provinzen oder hatten Wohnungen odet Häuser in der Umgebung. Wie hatten sie sich alle verändern! Heimatlose, gebrochene Menschen und einige von ihnen ohne Perspektiven. Am 10. Breitengrad hatten sich Menschen Grundlegend verändert. In ihren Heimatländer als Versager, Spinner oder Glücksritter belächelt. In Kambodscha geachtete und respektierte Menschen, die weit über ihre persönlichen Grenzen hinaus gegangen sind.

Asger kam an den Frühstückstisch und setzte sich Hannes gegenüber.
„Guten Morgen Chef, was hast du heute geplant?“ „Guten Morgen Asger, ich fahre heute in die Kaserne zu Bourey um in den Landverhältnisse weiter zu kommen.“
„Okay. Ich habe mir in der Nacht das Buch über Trockenfeldanbau durchgelesen. Was du vor hast, ist ganz schön groß!“ „Siehst du eine andere Möglichkeit?“ „Nein. Ich werde dir helfen. Du hast an Liuns Wasserrad geglaubt, dann glaube ich jetzt auch an dich. Wo willst du anfangen?“ Hannes zog die Schultern hoch.
„Es gibt hier viele Brachliegende Felder. Wenn du heraus findest könntest, wem die gehören, wären wir einen Schritt weiter.“ Hannes nickte Asger zu. Dieser Gedanke hatte er schon länger im Kopf. „Daher muss ich mit Bourey reden. Mit Suoth möchte ich darüber nicht reden.“ „Verstehe ich. Hast du dir überlegt, was du machst, wenn die Felder verwaist sind?“ „Ja. Was hältst du davon, wenn die Bewohner aus den Ortschaften diese Felder kaufen und in einer Art Kollektiv die Felder bewirtschaften können?“
Asger nickte anerkennend. „Dieser Gedanken kam mir auch schon.“ Hannes lachte und schüttelte den Kopf. „Ein Seebär macht sich Gedanken um Ackerflächen! Dann lass uns zusammen zu Bourey fahren.“

Asger und Hannes fuhren in die Kaserne von Svay Rieng und wurden von vielen Soldaten gegrüßt, auch im Gebäude in dem das Büro vom Major war, kannten die Soldaten Asger und Hannes schon lange.

Bourey begrüßte Asger und Hannes noch vor seinem Büro. „Guten Morgen. Ihr seid aber schon früh da. Dann kommt mit ins Büro.“

Auf einem großen Tisch lagen mehrerer Karten in denen die Landverhältnisse nach dem Grundbuch mit Nummern beschriftet waren.
„Die Namen und Adressen müsstet ihr auf dem Amt erfragen. Darauf habe ich auch keinen Zugriff.“
Asger erzählte Bourey von seinen Gedanken bezüglich eines Kollektivs für die Ortschaften. Bourey sah beide nachdenklich an. „Die Idee ist gut. Nur wo sollen die Menschen das Geld herbekommen? Seit Jahren sind viele Flächen verwaist, die Gründe sind euch bekannt. Hin und wieder kauft jemand ein Stück Land – mehr auch nicht.“ „Es gibt sehr viele Hilfsorganisationen die solche Projekte für eben die Ärmsten unterstützen. Nur wenn diese Organisationen dies nicht wissen, können sie auch nicht helfen. Ich weiß auch erst durch Coady was es so alles an Organisationen gibt. Nur müssten wir uns jetzt die ganze Arbeit der Besitzverhältnisse machen um die Idee von Asger umzusetzen.“ „Und du bist dir sicher das dein Trockenfeldanbau auch funktioniert?“ „Nein. Daher kommt bald ein Freund und Geologe aus Frankreich um mir zu helfen. Bourey, ich kann auch nur in dem Buch lesen und Parallelen ziehen. Ich habe so etwas noch nie gemacht und hoffe auf einen Erfolg.“ „Ich werde dich unterstützen wie ich kann. Du solltest dir doch mal überlegen ob du nicht Gouverneur werden willst. Du hast ein ganz anderes Denken aus Europa. Hannes – die Menschen vertrauen dir! Du kannst mit deinem Wissen aus Europa neue Impulse setzen.“ „Bourey, ich bin nicht für die Politik. Ich bin lieber an der Basis und mache etwas Handfestes. Wie wäre es aber mit deiner Frau?“
Bourey riss die Augen auf. „Meiner Frau?“ „Ja! Deine Frau! Seit Samstag weiß ich von wem ich über Rithisak schon so oft die Informationen bekommen habe. Stimmts?“
Bourey sah zu Asger, dann zu Hannes und nickte stumm.
„Samnang ist eine selbstbewusste, starke und kluge Frau. Du ziehst doch sowieso die Fäden in dieser Provinz. Deine Frau hätte dich, Coady und mich im Hintergrund. Levi und Patricia wechseln nächstes Jahr zur Hälfte ins Bildungsministerium und dadurch hätte sie schon deren Unterstützung gewiss. Ich habe die Ausfertigung zu den nächsten freien Wahlen von UNTAC gelesen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gouverneur Phirun Suoth diesen Text kennt.“
Bourey legte den Kopf zur Seite und Hannes sah ihn denken.
„Deine Frau soll sich Rithisak in ihr Team holen und noch eine Handvoll guter Leute und dann selbst als Gouverneurin kandidieren. Bourey, ich kann dir die Ausfertigung von UNTAC gerne geben. Es ehrt mich, wenn du mich in der Politik sehen willst, du kennst aber auch meine Einstellung dazu. Lass deine Frau an die Front und uns im Hintergrund. Mehr Macht könnte die zukünftige Gouverneurin nicht haben.“
Bourey kratzte sich am Kinn und sah zu Asger und dann zu Hannes. Asger und Hannes nickten.
„Bourey, wir kennen uns nun schon so lange und du weißt was wir gemeinsam geschafft haben! In Zukunft muss dies nicht mehr geheim sein.“ „Eine Frau als Gouverneurin? Ich weiß nicht.“ „In welcher Welt lebst du? England hat eine Königin.
Island, Irland oder auch Nicaragua werden von Frauen regiert. Island bereits seit 13 Jahren. Wo steht geschrieben, dass eine Frau ein solches Amt nicht ausführen kann?“ „Nirgends. Was du gesagt hast ist gar nicht so falsch. Samnang redet oft mit mir über Politik und ja viele Informationen und Ideen an dich kamen von ihr.“
Hannes grinste breit. „Wenn sie sich jetzt für das Trockenfeld Projekt stark macht und wir ein Kollektiv schaffen können, hätte sie diese Wähler schon auf ihrer Seite. Lass uns den Gedanken von Asger mal planen und wie so etwas umzusetzen ist. Ich rede mit Coady über die Finanzierung. Ich habe bis jetzt eine halbe Million US-Dollar auf einem Treuhandkonto für dieses Projekt. Damit könnten auch ein paar Hektar Land gekauft werden. Wie groß und wo ich überhaupt anfange, weiß ich jetzt noch nicht. Da brauche ich erst Informationen über die Besitzer der Ackerflächen und jemanden der sich auch mit Landwirtschaft richtig auskennt.“

Den halben Vormittag saßen die drei Männer im Büro vom Major. Sie diskutierten, planten und rechneten über eine Finanzierung und Umsetzung für ein
Agrarkollektiv. Nach Stunden stand ein Gerüst, mit dem Coady etwas anfangen könnte. Bourey wusste zum größten Teil welche Ackerflächen brach lagen, nur musste zuerst geprüft werden wer der Besitzer war, ob diese noch lebten, wer Nachfolger war oder dem Verkauf zustimmen musste. Also blieb nur der Weg ins Rathaus zu dem Wurm Suoth.

Im Rathaus von Svay Rieng waren über UNTAC eine Handvoll Franzosen abgestellt. Sehr gut! In einem Büro im dritten Stock erklärte Hannes zwei Beamte aus dem Stab von UNTAC sein Anliegen. Gerand Pompeur und Marc Gaston waren ein Gespann wie Dick und Doof. Gerand Pompeur war ein Untersetzer, Mittfünfziger Mann mit Glatze und wischte sich ständig mit einem Handtuch über den Kopf. Trotz Klimaanlage lief ihm der Schweiß. Marc Gaston war gute 15 Zentimeter größer, gute 10 Jahre jünger und viel schmaler als sein ständig schwitzender Kollege.

„Mit einem solchen Anliegen kann ja nicht jeder zu uns kommen!“ Waren die Worte von Gaston, als Hannes geendet hatte. Ruhig! Immer schön ruhig bleiben, dachte Hannes.
„Monsieur Gaston, als Projektleiter bei ODHI bin ich nicht jeder! Ich habe mit meinem Kollegen Ihnen Haarklein geschildert um was es geht. Wo liegt nun Ihr Problem?“ „Es kann ja nicht jeder kommen und Land kaufen!“
Hannes nahm tief Luft, verdrehte die Augen und schaute zu Asger. Dieser grinste breit und kratzte sich am Kopf.

„Monsieur Gaston, ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich Land kaufen will! Es geht lediglich nur um die Besitzrechte der Flächen südlich von Svay Rieng und westlich nach Kor An Doeuk.“ „Aber an privat Personen können wir doch keine Unterlagen heraus geben. Das müssen Sie doch verstehen.“
Gaston wischte sich wieder über die Glatze. Hannes schloss die Augen, blies die Luft hörbar aus und sah diesen schlaksigen Depp an. „Monsieur Gaston, für Sie nochmals langsam und von vorne.
Ich bin Träger des Ordre national du Mérite, bin School Project Manager bei UNICEF, in dieser Position bin ich für die Infrastruktur, von geförderten Mittel der UN,
in Kambodscha zuständig – also gleiche Organisation über die Sie für ein paar Monate in Kambodscha sind. Haben Sie dies endlich begriffen oder muss ich Ihnen eine Zeichnung machen? Greifen Sie zum Telefon und rufen bei ODHI in Reims, ins Französische Außenministerium oder die Botschaft in Phnom Penh, auch können Sie sehr gerne  bei die UN in New York nach mir fragen. Langsam wird mir dieser Kindergarten hier zu blöd!“

Pompeur schwitze immer mehr, je lauter Hannes wurde. Dick und Doof saßen in ihrem Büro und wussten nicht, was sie nun machen sollten. So ein Anliegen hätten beide ja noch nicht bearbeitet und sie nicht sicher seien, ob dies auch rechtlich alles in Ordnung wäre, wiederholte sich Gaston.

Hannes stand kurz vorm Kollaps mit diesen beiden Pfeifen. Er wählte die Nummer von Coady und erklärte ihm kurz die Situation, dann reichte er sein Mobiltelefon an Gaston weiter. Monsieur Doof nickte eifrig und sah im Gespräch immer wieder zu Hannes. Das Gespräch war noch nicht zu Ende, da kamen einige Faxe von Coady, die Hannes alle kannte – auch das Schreiben von Action contre la Faim über Hannes und sein Dossier.
Dick las die Faxe und schwitzte noch mehr. „Bin ich jetzt immer noch jeder? Können wir langsam mit der Recherche anfangen?“
„Entschuldigung. Natürlich. Natürlich bekommen Sie die Unterlagen. Ich begleite Sie selbstverständlich ins Archiv.“

Mit Gaston, einer jungen Frau aus der Verwaltung, die Hannes auf Ende zwanzig schätzte, und Asger machten sich die vier auf den Weg ins Archiv. Hannes erklärte der Frau was genau gesucht würde und aus welchem Grund.
„Sind Sie Borsa mneak del mean ko aus Kampang Rou?“ Fragte die Frau, als die kleine Gruppe die Treppen hinunter ins Archiv ging. Hannes nickte. Die Frau verbeugte sich mehrmals vor ihm.
„Es ist mir eine große Ehre Sie kennenzulernen. Sehr gerne helfe ich Ihnen alle Unterlagen zu suchen. Ich bin Yupa Ngampho.“ Wieder verbeugte sich Yupa vor ihm. „Lass nun gut sein, der Franzose versteht sowieso nichts von unserer Unterhaltung. Er hat schon ein schlechtes Gewissen.“ „Die sieben Franzosen im Rathaus sind mehr Last als Hilfe. Sie K
können nichts, verstehen die Sprache nicht und sind auch alle sehr dumm.“
Asger grinste und nickte wie wild mit dem Kopf.

Im Archiv standen sie vor Blechregale mit unzähligen Kartons. „Monsieur Gaston, wir suchen jetzt alle Namen zu den Nummern die auf dieser Karte stehen um die Besitztümer zu klären.“ „Natürlich, natürlich.“ „Dann suchen Sie doch bitte die Namen mit den Anfangsbuchstaben SCH, SH, SO und SU.“ Gaston sah Hannes regungslos an. „Tut mir leid, ich kann kein Khmer.“ „Warum überrascht mich dies jetzt nicht? Als ich die Resolution 745 im Herbst vor drei Jahren las, war mir schon klar, dass die UN eine Unsumme an Geld verbrennen wird. Geld das für andere und wichtigere Projekte gebraucht würde. Schade das Sie nicht begreifen um was es in Kambodscha geht! Sie können uns hier sowieso nicht helfen, also lassen Sie uns unsere Arbeit machen. Danke.“
Wie ein geprügelter Hund drehte sich Monsieur Doof um und schritt von dannen. Yupa grinste breit, sie konnte französisch.

Die Arbeit mit der Namenszuordnung war doch erheblich schwieriger als Hannes es plante. Nach vier Stunden in dem muffigen Keller mit Neonlicht verlor er langsam die Geduld mit Akten lesen, Grundbücher studieren und Notizen machen. Asger markierte schon alle Flächen deren Urkunde auf dem Beistelltisch lagen. Ein viertel der Karte war erst markiert. Wie immer im Leben waren kaum zusammen liegende Flächen auf der Karte markiert. Asger sah den Blick von Hannes und zog die Schultern hoch.
„Asger, Yupa, wir machen Schluss für heute. Morgen ist auch noch ein Tag. Es geht eben nicht schneller.“

Im Büro von Dick und Doof sagte Hannes welche Unterlagen er nun hatte und das man am nächsten Tag weiter machen werde. Frau Ngampho sei eine sehr gute Hilfe und sie  würde auch morgen wieder gebracht.

In dem kleinen Büro von Yupa tranken sie kühles Wasser mit Pitahaya.
Pitahaya wird wegen ihrer Schale, die mit großen Schuppen versetzt ist, umgangssprachlich auch Drachenfrucht genannt. Das Fruchtfleisch der bekanntesten Sorte ist weiß und mit kleinen schwarzen Kernen durchzogen. Schmeckt sehr frisch und in Kombination mit Vanilleeis gigantisch lecker.

Yupa fragte viel über das geplante Projekt und hörte aufmerksam zu. „Jeder in der Region kennt Ihren Namen und weiß was ihr Europäer in Kampang Rou, Khsaetr, Kor An Doeuk, Shheu Teal und all den anderen Ortschaften geleistet habt. Natürlich ist auch die Schule von Ihrer Frau bekannt. Wir alle haben sehr großen Respekt vor Ihnen! Daher ist es mir eine Ehre für Sie zu arbeiten.“ „Das freut uns zu hören. Lass das Sie weg. Ich bin Hannes und er, Asger.“ Yupa verbeugte sich erneut.
„Yupa, wir brauchen deine Hilfe für dieses Projekt. Zum ersten müssen wir alle Besitzer nach den Urkunden suchen und zum zweiten alle Besitzer vor Ort aufsuchen und ihnen mitteilen was wir vor haben. Da wäre ein Infoabend in einem Haus, Dorfmitte oder wo auch immer ratsam. Uns läuft die Zeit davon! Sie Saat für nächstes Jahr muss ausgebracht werden, wir können aber die Felder nur bedingt aussäen, weil die Bagger sonst alles wieder kaputt machen. Wie können wir schnellstmöglich die Menschen erreichen?“ „Ich kann im Rathaus ein Rundschreiben verteilen. Die Kollegen könnten dann in ihren Dörfer schon anfangen die Leute zu informieren.“ „Ein Rundschreiben wäre gut. Problem hier sehe ich bei Suoth.“ 
Bei diesem Namen sah Yupa zu Asger und Hannes. „Suoth. Er hält nicht viel von Ihnen. Tut mir leid.“ Yupa senkte den Kopf bei ihrem letzten Satz.
„Siehst du falsch. Suoth hält zu gerne die Hand auf. Da ich ihm vor drei Jahren nicht entgegen kam, sind wir bis heute nicht auf einer Linie. Das ich ihm damals nicht die Zähne einschlug, war sein Glück.“
Yupa sah Hannes mit großen Augen an. So erzählte er ihr von den damaligen Verhandlungen mit den Grundstücken für die Schulen in Kampang Rou und Khsaetr.

„Mir gehören beide Grundstücke! Keiner Stiftung, Organisation oder der Allgemeinheit. Suoth hat bis heute den Kaufvertrag nicht geändert.“ „Phirun Suoth muss weg! Er ist kein guter Gouverneur.“ Bei den Worten von Yupa kreuzten sich die Blicke von Asger und Hannes, beide dachten in diesem Moment das gleiche. „Yupa, ich denke, dass es da eine Möglichkeit gibt. Komm bitte heute Abend zu uns ins Hotel. Was Asger weiß, möchte ich nicht mit dir in diesem Haus besprechen. Wir wissen längst, wer hier in der Provinz die Fäden zieht.“
Yupa sah zwischen Asger und Hannes hin und her.
„Ich sage es dir heute Abend an einem neutralen Ort. Vertraue mir.“

Im Büro von ODHI, im zweiten Stock des Hotels in Svay Rieng, saßen Asger und Hannes über der Karte und den Urkunden  Sie sortieren alle Urkunden nach Ortschaften. Eine Puzzlearbeit die nochmals viel Zeit brauchte. Da beide mittlerweile die Provinz sehr gut kannten, war jetzt schon abzusehen, dass viele Treffen geplant werden müssten. Wieder sah Hannes die Zeit davon laufen. Mit einem Baubeginn in drei Wochen rückte sein Plan immer weiter weg.
„Chef, ich weiß was du denkst! Ich bin da. Mein ganzes Team werde ich für dein Projekt abstellen, dann kommt das Wasserbau Projekt eben nochmal etwas zurück. Dein Zeitplan für das neue Projekt ist vorrangig! Wir müssen uns aufteilen für die Gespräche. Cees sollte so schnell wie möglich hier her kommen. Er kennt deinen Plan und kann auch mit den Leuten reden.“ „Du hast recht. Wasser läuft ja in der Region. Ruf du Cees an. Ich war vielleicht zu naiv um zu glauben, dass es nur ein paar Leute sind oder höchstens drei Infoabende sein würden. Wir haben bis jetzt zu viele ungeklärte Grundstücke. Wo, wann und wie sollten wir die Besitzer suchen?“ „Wenn sie überhaupt noch leben.“ Hannes schloss die Augen bei den Worten von Asger. Dieser Gedanke quälte ihn schon seit Ende Juni.
„Tut mir leid, Chef. Ich weiß es doch auch nicht. Wenn du nur ein viertel von der Fläche für dein Projekt planst?“
Hannes faltete wortlos die Karte an der Wand zusammen auf eben angesprochene Größe.
„Sorry, so weit hab ich nicht gedacht.“ „Kein Problem. Selbst bei einem Viertel fehlen uns Unmengen von Namen. Aber du hast recht, ich muss viel kleiner denken. Sollen wir dann nur ab Bauabschnitt 3 nach Osten gehen und die Felder in und um Kampang Rou in Betracht ziehen?“
Asger sah zu Boden, er hörte die Traurigkeit von seinem Chef. „Hast du eine andere Wahl?“
Hannes schloss die Augen. Er würde sein Projekt finanzieren bekommen, nun lag es an zu vielen unklaren Grundstücksrechte und an einem Wettlauf gegen die Zeit! Es müsste schnell begonnen werden um im Frühjahr zu ernten. Die Lebensmittelknappheit in Kambodscha sah er seit drei Jahren immer mehr.
„Ich schreibe eine Mail an Coady, wie er zu unserer Idee mit einem Agrarkollektiv steht.“

Asger wählte die Nummer von Cees und sagte ihm vor welchen Problemen beide standen.
„Gib mir bis zum Wochenende Zeit, heute kam meine Vertretung von Arthur. Ich arbeite den Mann noch ein und komme am Freitag oder Samstag zu euch. Wo ist der Chef?“ „Sitzt mir gegenüber und hört dich über Lautsprecher. Er schreibt eine Mail an die Weltbank.“ „Hannes – Morten hat in zwei Wochen in Poipet einen Mobilbagger frei, Rasmus kann dir auch einen aus dem Hochbau geben, er ist in eineinhalb Woche mit den Fundamenten soweit fertig, dann hättest du vier Bagger. Ich kenne deine Gedanken, nur was willst du machen? Sparen oder Gas geben?“
Was sollte Hannes darauf antworten?
„Ich habe dir gesagt, die Jungs sind da und wir ziehen dein Trockenfeld-Projekt gemeinsam durch. Ich lasse noch einen Personenkorb schweißen. Habt ihr bei euch im Bauabschnitt einen Poclain Kranbagger?“ „Ja, haben wir.“ „Gut. Wenn wir das alles richtig machen wollen, müssen wir hoch. Mit Nivelliergerät und Lasermesser kommen wir auf dem Boden nicht weiter. Eure Idee mit einem Kollektiv finde ich gar nicht verkehrt. Dadurch könnten viele Brachflächen genutzt werden.“ „Richtig. Nur kann ich die Leute nicht Enteignen, bei denen die Besitzverhältnisse nicht zugeordnet sind! Asger und ich sitzen an einem Puzzle das gar nicht so leicht ist. Wir hatten heute eine sehr engagierte Frau aus der Verwaltung zur Hilfe, trotzdem dauert alles viel zu lange“ sagte Hannes in den Lautsprecher. „Was ist mit UNTAC? Die haben Tausende Männer und Frauen in Kambodscha.“ „Asger, erzähl Cees von Dick und Doof.“

Cees brüllte vor lachen, als Asger geendet hatte. „Hannes, du bist auch bei der UN angestellt, dann schlag doch mal mit der Faust auf den Tisch! Du hast Menschen hinter dir, da kommen die alle nicht ran! Die sollen mal etwas tun für ihr Geld.“
Asger nickte zustimmend auf die Worte von Cees. „Chef, Cees hat recht.“ „Leute, die meisten von UNTAC können noch nicht einmal die Sprache, was sollen die mir helfen?“ „Asger sagte doch eben, dass du diesen zwei Pfeifen ganz klar gesagt hast, dass Frau Ngampho euch wieder helfen wird. Dann müssen eben die aus dem Rathaus ran.“ „Cees, Phirun Suoth ist das Problem. Er ist der Gouverneur in der Provinz Svay Rieng und ich will ihn soweit wie möglich von dem Projekt fernhalten. Angenommen wir kaufen  Felder die brach liegen für einen Preis, der im Rahmen liegt. Suoth bekommt dies heraus und setzt auf einmal die Grundstückspreise viel höher an. Bei den zwei Grundstücken für die Schulen war das schon ein größeres Problem, hier könnten es Hunderte Grundstücke werden! Lasst mich morgen mit Coady reden. Ich schreibe ihm auch diese Gedanken in die Mail. Cees, danke.“ „Dafür sind wir ein Team. Wir sehen uns am Wochenende.“

Patricia kam mit Yupa ins Büro.
„Salut Asger, Salut ma Chérie, ihr habe Besuch“ Patricia gab Hannes einen Kuss und schaute auf die Karte an der Wand. „Neue Probleme?“ Hannes nickte und erzählte Patricia von dem heutigen Tag.

„Phu, mal wieder ein Berg an Problemen. Ich werde Morgen den Kindern sagen, sie sollen ihren Eltern ausrichtet, dass diese am Mittwoch Abend nach Kampang Rou in die Schule kommen sollten. Ein Kollektiv finde ich in Anbetracht der Situation für gut. Wer wäre bei einem Kollektiv im Grundbuch eingetragen?“ „Prinzessin, mach erst einen Schritt nach dem anderen, bis jetzt ist es nur eine Idee. Ich habe noch keine Finanzierung dafür und weiß nicht welche Felder in Frage kommen. Sorgen macht mir die Ebene südlich von Svay Rieng.“

Nun wusste Yupa auch über die Idee mit dem Kollektiv bescheid und wer eben jene Person war, die in der Provinz Svay Rieng schon seit Jahren die Fäden zog. Hannes erzählte Patricia und Yupa seine Gedanken bezüglich eines neuen Gouverneurs in dieser Provinz. Yupa konnte dies alles nicht glauben.
„Yupa, dies alles ist streng Gemeint! Durch UNTAC hat sich die politische Lage etwas entspannt, trotzdem besteht für uns alle Lebensgefahr – wenn dies raus kommt, was du eben mitbekommen hast! Daher wollte ich dir die Verbindung zwischen Bourey und mir nicht im Rathaus sagen. Alle Infrastruktur in dieser Provinz ist in den letzten Jahren mit Hilfe von Bourey Duong entstanden. Suoth ist korrupt und zieht nur seinen Vorteil aus der Provinz. Ich möchte dich gerne mit einigen Personen bekannt machen, von denen ich weiß wie engagierte diese sind und denen wir alle vertrauen. Ich sagte Bourey auch, dass ich die Ausfertigung für die nächsten Wahlen zu Hause habe. Ihr alle hättet einen unglaublichen Vorteil durch uns.“

Yupa sah in die Runde und wusste nicht was sie nun sagen sollte. Patricia erklärte Yupa auch ihre Arbeit im Ministerium und die Arbeit von Hannes bei der UN.
„Sollte ich mich politisch engagieren? Ich kenne mich doch damit gar nicht aus. Ich hatte es heute Nachmittag schon gesagt, jeder in dieser Region weiß was ihr Europäer leistet und jeder hat vor euch sehr viel Respekt. Ich wusste bis heute nicht, welche Probleme ihr habt und wie schwer eure Arbeit ist. Ich dachte immer, Kambodscha ist froh über eure Hilfe.“
„Leider gibt es Menschen die nicht so froh mit uns sind und uns dafür auch viele Steine in den Weg legen. Die Bevölkerung kann oft soweit nicht denken, weil sie die Zusammenhänge nicht versteht. Wir könnten viel mehr Schulen bauen, wenn wir mehr Unterstützung hätten. Ich, wir hatten früher auch nie an Politik gedacht. Helfen den Menschen, Gutes tun und jedem ist geholfen – ist leider nicht so. Wir werden zu oft durch Politik blockiert! Wenn Samnang Duong Gouverneurin wäre, ging es in dieser Provinz aufwärts.“

Hannes sein Mobiltelefon klingelte, es war Bourey Duong. „Hallo Hannes, wir müssten reden, wo bist du?“ „Im Büro in Svay Rieng. Dann komm vorbei.“

Keine Zwanzig Minuten später war Bourey mit seiner Frau im Büro. Bourey und Samnang grüßten alle im Raum.
Bourey sah mit vollem Blick auf die Karte an der Wand. „Nicht so einfach – oder?“
„Nee, gar nicht einfach.“ „Ich hatte heute nach eurem Besuch in der Kaserne mit Samnang gesprochen, sie glaubt mir nicht was du sagtest.“
Hannes grinste und erklärte nochmals seine Gedanken. Patricia saß auf dem Schreibtisch. Sie hatte ihre Beine übereinander geschlagen und hörte sehr aufmerksam zu.
Samnang nickte, nachdem Hannes seine Gedanken sagte. „Es muss sich vieles ändern, da gebe ich dir recht! Ich werde kandidieren um dieser Provinz helfen. Ich denke die Zeit wird nie besser als jetzt.“

Alle in dem kleinen Büro nickten Samnang zu. „Dann begrüße Yupa in deiner Partei. In spätestens zwei Wochen hast du die Original Ausfertigung zur Wahl. Bourey hat uns in den letzten dreieinhalb Jahren unterstützt – dann tun wir dies nun auch.“ Asger und Patricia nickten zustimmend.

In ihrem Zimmer saßen beide im Sessel und schauten eine unsinnige Fernsehshow aus Kambodscha. Patricia hatte ihre Beine auf seinen Oberschenkel liegen und hielt seine Hand.
„Ma Chérie, ist dir bewusst, dass du vorhin eine Partei gegründet und Ideen für einen Wahlkampf gegeben hast?“ „Ja. Ich kann nicht alles machen. Wir brauchen Hilfe um endlich voran zu kommen und wenn wir Menschen einsetzten, denen wir vertrauen klappt es noch besser. Morgen werde ich im Rathaus einen Rundumschlag machen. Die Typen von UNTAC sollen sich endlich bewegen.“ „Ich bin stolz auf dich! Komm, wir gehen in die Stadt noch etwas Essen.“

Im Boeng Meas Restaurant am Preaek Kampong Chamlang See bestellte Patricia frittierten Fisch mit Gemüsesuppe und zwei Flaschen Angkor Beer.
Der Wind brachte eine angenehme kühle über den großen See auf die Terrasse vom Boeng Meas.
Patricia sprach von Levi und Clodette, wie Clodette den Unterricht aufbaute und wie stolz sie auf Clodette sei. Levi und Clodette waren ein herrliches Liebespaar. Hannes hatte dieses furchtbare hellgrüne Zimmer von dem Obdachlosenheim vor Augen und war froh, nicht eine Sekunde an Levi gezweifelt zu haben.

„Ma Chérie, an was denkst du?“ „An Levi. Wie habe ich diesen Mann in mein Herz geschlossen. Vielleicht könnte er uns bei der Idee mit diesem Kollektiv helfen. Er ist sehr intelligent und hat bestimmt eine Idee, wie wir dies praktisch umgesetzt könnten. Wie schaffen wir Marxismus so umsetzten, dass es gerecht für alle ist?“
„Ich rede Morgen mit ihm. Ma Chérie, was wir beide nur aus der Schule kennen, versuchen wir real umzusetzen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir über Marxismus so ernsthaft Gedanken machen würde. Willst du noch ein Bier?“ „Nee, lass uns nach Hause fahren. Morgen wird es wieder anstrengend. Diese Puzzlearbeit im Rathaus macht mich wahnsinnig. Bald kommt Claude und ich habe noch nichts erreicht. Ich bräuchte einen Agronomen für die Berechnung der Felder und Saatgut. Ich muss bei der UN anfragen ob so jemand über UNTAC hier ist. Es können ja nicht nur Pfeifen wie Gaston und Pompeur in diesem Land sein.“

Dienstag 6. Juli 1993

Nach dem Frühstück fuhr Asger und Hannes zum Rathaus, um an diesem nicht endenden Puzzle weiter zu kommen. Im dritten Stock begrüßten beide Yupa, bevor Hannes zum Rundumschlag ausholte.

„Guten Morgen Asger und Hannes, ich hatte gestern Abend noch mit ein paar Freunde gesprochen, die auch politisch etwas verändern wollen. Danke für alles. Danke für dein Vertrauen.“ „Gemeinsam geht es besser. Ich habe euch drei nur vorgestell – macht etwas daraus. Wie schon gesagt, wir sind im Hintergrund und helfen euch auf die Beine. Kommst du mit zu Dick und Doof?“ „Nein. Ich werde es wohl hier im Büro hören. Oder soll ich mit Asger ins Archiv gehen?“ „Wir gehen gleich gemeinsam ins Archiv.“

Hannes ging im dritten Stock von Rathaus  in Svay Rieng den Gang hinunter zu dem Büro von Gaston und Pompeur. Je näher er der Tür kam, um so höher ging sein Puls. Sehr beherzt schug er einmal mit der flachen Hand gegen die Tür und riss im gleichem Augenblick diese auf.
Im Büro waren noch zwei weitere Personen anwesend. Ein kleiner, schmaler Mann um die Vierzig stellte sich schüchtern als Philippe Durand vor. Hannes grüßte freundlich zurück. Eine Anfang 30-jährige, schmale Frau mit schwarzen Haaren und einem Pferdeschwanz der ihr bis weit über die Hälfte des Rückens ging, reichte ihm die Hand und senkte leicht den Kopf. „Ich freue mich Sie endlich persönlich zu treffen. Sylvie Morel – hallo.“ Hannes nickte ihr zu und dachte –  wird sich noch herausstellen, ob du dich freust.

„Madame, Monsieurs, da ich mich gestern schon vorgestellt habe, wissen Monsieur Gaston und Monsieur Pompeur wer ich bin. Madame Morel, Monsieur Durand, Sie werden mich nicht kennen – wird sich aber gleich ändern! Ich bin seit drei Jahren der Gesamtprojektleiter für Wasserbau und Chef von fast siebenhundert Mitarbeitern bei ODHI in Kambodscha. Mit einem Internationalen Team planen, organisieren und bauen wir Infrastruktur in zur Zeit fünf Provinzen auf! Nächsten Monat kommen noch zwei Provinzen hinzu! Ganz nebenbei bin ich der Infrastruktur Manager für UNICEF in Kambodscha. Für UNICEF bin ich für den Bau von Schulen verantwortlich, die zum Teil von Frankreich finanziert wurden und werden. Nun plane ich ein noch nie dagewesenes Trockenfeldanbau-Projekt in Kambodscha. Die Finanzierung steht mittlerweile bei einer dreiviertel Million US-Dollar! Monsieur Gaston und Monsieur Pompeur hatten gestern schon das unliebsame Vergnügen mit dem Chef der Weltbank in Kambodscha zu telefonieren um Fragen bezüglich meiner Person zu klären. Gestern Abend habe ich eine Mail an das Französische Außenministerium, an die französische Botschaft in Phnom Penh und an das Hauptbüro der UN in New York
geschrieben und Ihrer beide Unkooperatives Verhalten geschildert. Sind Sie sich sicher, dass ich mittlerweile ein gutes Gehör im Außenministerium habe und Ihre mangelnde Unterstützung Konsequenzen habe wir!“
Wie zu erwarten schwitze Pompeur am frühen Morgen schon – oder jetzt um so mehr. „In zwei Wochen landet ein Geologe und Freund von mir in Bangkok. Ende diesen Monats werde ich mit ihm dieses Trockenfeldanbau-Projekt beginnen. Da mir die Zeit davon läuft und sie nicht gerade in Arbeit erstickten, gibt es nun von mir eine ganz klare Ansage! Kann von Ihnen jemand Khmer?“
Sylvie Morel nickte sofort. Überraschte Hannes nicht. „Sehr gut. Das schweigen der Herren, deute ich als Nein. Was zum Teufel wollen Sie in diesem Land helfen, wenn Sie noch nicht einmal die Sprache können? Urlaub auf Staatskosten machen?“
Die Lautstärke von Hannes war bei 120 Dezibel angelangt.
„Bis heute Nachmittag 16 Uhr habe ich von Ihnen die Kontaktdaten von einem Agronomen in Kambodscha und eine ausführliche Ausarbeitung über die Gründung eins Agrarkollektiv in der Provinz Svay Rieng. Dies explizit für die Ortschaften um Kampang Rou, sowie die Ortschaften um Kor An Doeuk auf dem Tisch von Frau Yupa Ngampho liegen! Wenn nicht – ist für Sie drei Herren, am Wochenende der UNTAC Einsatz Geschichte, dass verspreche ich Ihnen!“

Sein Mobiltelefon klingelte, es war die Nummer von Coady.
„Coady, einen Moment. Ich bin gleich für dich da.“
Hannes knallte seinen Diplomatenpass so fest auf den Tisch, dass Pompeur seine Kaffeetasse wackelte. Er nahm nochmals tief Luft und sah in die Gesichter der drei Männer und brüllte in noch höherer Dezibel Lautstärke weiter.
„Haben ich mich Ihnen gegenüber klar genug ausgedrückt? Machen Sie endlich Ihren Job! Wenn Sie nicht wissen was dieser beinhaltet, dann lesen Sie die UN Resolution für diesen Einsatz in dem Kapitel 23 Absatz 7, sowie Kapitel 26 Absatz 2 und Folgend durch! Ich könnte Sie drei heute noch aus diesem Land verweisen! Kam dies endlich bei ihnen an?“
Er sah zu Sylvie Morel und im lockeren Plauderton bat er sie mit ihm zu kommen. Hannes griff nach seinen Ausweis auf dem Schreibtisch, drehte sich um und verließ das Büro ohne die Tür zu schließen.

„Coady? Jetzt bin ich für dich da. Entschuldige.“ „Dicke Luft?“ „Nö, ich hab nur mal klar gestellt wer ich bin. Du hast meine Mail bekommen?“ „Deine Idee ist super. Mach dir um Suoth keine Gedanken, ich kann genau so laut wie du. Ich habe dir eine neue Mail zu deinem Dossier geschrieben. Wenn Suoth immer noch zicken sollte, komme ich persönlich vorbei. Steht auch so in meiner Mail. Kannst du ihm mit freundlichen Grüßen überreichen. Hast du schon etwas von Chenda gehört?“
„Noch nicht – zum Glück. Ich habe zur Zeit genug Probleme mit der Zuordnung der Grundstücke. Lass uns heute Abend telefonieren. Sag liebe Grüße an Melanie.“

Asger und Yupa grinste breit, als er mit Sylvie Morel in das kleine Büro trat.
„Chef, so kenne ich dich ja gar nicht! Du solltest mit der Faust auf den Tisch schlagen, nicht mit dem Vorschlaghammer!“
Hannes zog die Schultern hoch.
„Guten Tag schöne Frau, Asger Joergensen. Projektleiter bei ODHI.“ „Sylvie Morel, Diplom Agraringenieurin bei Action contre la Faim, Paris.“
Als sie dies sagte, setzte bei Hannes für einen Augenblick der Herzschlag aus. Sie sah zu Hannes und nickte. „Ich sagte doch, dass ich mich freue Sie persönlich zu treffen. Sie sehen etwas geschockt aus.“
„Ja. Entschuldigung. Ich hatte bis vor ein paar Tagen noch nie etwas von „Aktion gegen den Hunger“ gehört. Mein Chef hat mir eine Laudatio von Françoise Giroud geschickt, für die ich mich geehrt fühle und nun treffe ich eine Mitarbeiterin von dieser Organisation. Bitte hilf mir nun die Verbindung zwischen, Action contre la Faim, UNTAC und dem Rathaus in Svay Rieng zusammen zu bekommen.“ „Chef, ich geh mit Yupa ins Archiv. Du hast jetzt ein Meeting.“
Damit verabschiedete sich Asger und Yupa von den beiden und verließen das Büro.

Sylvie setzte sich zu Hannes an den kleinen Schreibtisch von Yupa.
„Ich fange mal von vorne an.“ „Bitte.“ „Ich weiß wer du bist. Herzlichen Glückwunsch zum Nationalen Verdienstorden.“ „Danke.“
„Wer in der Humanitären Hilfe tätig ist stolpert irgendwann über deinen Namen – auch natürlich den deiner Frau. Zum anderen sind über UNTAC nicht nur Soldaten in Kambodscha.“
Hannes nickte resigniert. „Ist mir bekannt. Entwicklungshelfer, Verwaltungsfachangestellte, Vollidioten, ein paar Ingenieure und Ärzte. Letzteres zu wenig und Lehrer fehlen ganz.“ „Ja. Den Mangel habe ich seit Mai mit Schrecken festgestellt. Ich bin seit Mitte Mai über das UN Mandat in Kambodscha. Da auch wir eine Hilfsorganisationen sind, ist dieser Weg für uns billiger. Nun zurück auf deine Frage. Da ich weiß wer du bist, wollte ich dich in Kambodscha treffen. Bei UNTAC bist du nicht bekannt – warum erklärt sich mir nicht. Erst bei UNICEF wurde mir gesagt, dass du zur Zeit in Europa seist. Ende Juni bekam ich dein Dossier über Trockenfeldanbau in die Hände und wusste, du bist wieder in Asien. Gestern las ich im Französischen Stab der UNTAC eine Verteilermail in der dein Name stand. Durch die Mail wusste ich endlich, dass du in Svay Rieng bist. Heute Morgen bin ich in Phnom Penh losgefahren und wollte mich bei den Französischen Kollegen in Svay Rieng über dich erkundigen. In diesem Moment hast du die Tür aufgerissen. Deine etwas laute Arbeitsanweisung gab mit keine Chance mich diesen Herren vorzustellen.“ „Sylvie, ich suche verzweifelt nach einem Agronomen! Du bist die Frau die ich brauche!“ Sylvie grinste breit. „Das weißt du jetzt – aber die nicht. Lass sie ruhig etwas schwitzen. Hannes, ich las dein Dossier über diesen Trockenfeldanbau, du bist in deinem ganzen Denken und Handeln voll in unserem Programm! Alles was du tust, dafür steht auch „Action contre la Faim“.“ „Aha.“ „Dein „Aha“ sagt mir, dass du keine Ahnung hast.“ „Richtig. Woher auch? Ich bin im Wasserbau tätig.“ „Dann erklärte ich dir, wer und was wir sind. „Aktion gegen den Hunger“ wurde 1979 von einer Gruppe Intellektueller als Reaktion auf die Notlage in Afghanistan gegründet. Zu dieser Gruppe gehörten Françoise Giroud – der auch dein Dossier kennt, Bernard-Henri Lévy, Marek Halter, Alfred Kastler, Jacques Attali sowie weitere Männer und Frauen im Medizinischen, Journalistischen und Künstlerischen Bereich. Während der Kampf gegen den Hunger zuvor lediglich ein Element der allumfassenden humanitären Hilfe war, wurde mit „Action contre la Faim“ eine Organisation gegründet, deren ausschließliches Ziel es ist, den Hunger weltweit zu beenden! Nun bin ich wieder bei deinem Dossier.“ „Das glaub ich alles nicht.“ „Wenn dein Projekt erfolgreich ist, können wir dies auf der ganzen Welt in Gebieten an der agronomischen Trockengrenze einsetzen! Deine Idee kann Millionen Menschen retten! Ist dir dies überhaupt bewusst?“ Hannes bewegte in Zeitlupe seine Kopf hin und her. Er stand immer noch etwas neben sich.

Im Archiv war ein gewusel von einem Dutzend Frauen und Männern um die Urkunden zu den Nummern der Karte zu suchen. Hannes sah ungläubig zu Asger. „Yupa machte den Franzosen klar, dass sie Unterstützung brauchte. Ich schaute nur böse und nahm einmal tief Luft. Das Resultat siehst du. Dein Machtwort zeigt Wirkung.“ „Cool. Ich fahre mit Sylvie nach Kampang Rou. Wir kommen voran. Wenn etwas sein sollte ruf mich an.“ „Oder ich gucke wieder böse! Mach du deine Arbeit, ich bin hier.“ „Danke mein großer Seebär.“

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