28 Willkommen im Club der Weltverbesserer

Kapitel 28
Die Grundlage der Agronomie Teil II
„Willkommen im Club der Weltverbesserer.

Zurück am Prototypenfeld saßen Sylvie und Hannes im Schatten und schauten auf die geleistete Arbeit von Kosal.
„Was bist du so nachdenklich?“ Hannes sah Sylvie an und zog die Schultern hoch. „Ich hoffe bei Gott, dass dieses Projekt gelingt.“ „Alles wird gut. Morgen säen wir ein. Lass uns später nach Svay Rieng fahren und den Weizen kaufen. Ich würde gerne noch ein Prototypenfeld anlegen um. dort Gerste einzusäen.“ „Du bist die Chefin. Dann lass uns in der Karte schauen, wo das nächste Herrenlose Feld ist.“

Einen Kilometer vom Standort entfernt in Richtung Kampang Rou war das ausgesuchte Feld.
Nochmal machten sie die gleiche Arbeit wie am Montag: Ausmessen, markieren, nivellieren.
Mit Bajao, Bopha, Odd und Sylvie ging diese Arbeit sehr zügig voran. Kosal fing schon an den Wall zur Piste herzustellen, da hatte Hannes die Länge noch gar nicht ermittelt, dieser Mann war gar nicht mehr zu bremsen. Nach der Flächenberechnung war dieses Feld 20 Hektar groß und Sylvie wollte für dieses Feld eine Furt mehr in Querrichtung haben.

Eine riesige Staubwolke kündigte sich an – die Planierraupe kam! Vibol, der Lkw Fahrer hielt bei Hannes an und fragte wer die Raupe Abladen würde. Verwundert sah er Vibol an. „Wo ist der Fahrer von der Raupe?“ „Er kommt mit dem Motorrad hier her.“ Hannes schüttelte den Kopf. „Wann?“ Vibol zog die Schultern hoch. „Keine Ahnung. Vielleicht morgen.“ „Das Motorrad hätte doch auf den Tieflader gepasst. Na gut, dann muss ich wohl das Ding fahren. Bleib hier stehen, wir können die Raupe hier an dem Feld gebrauchen.“

Beim anlassen vom Motor der Caterpillar D8N vibrierte der Boden unter den Füßen. Hannes fuhr die 36 Tonnen schwere Raupe vom Tieflader. Stacey und Sylvie standen vor Staunen die Münder offen.
„Sylvie, ich hatte dir doch gesagt, wir haben Maschinen.“ „Ja, hattest du. Du kannst dieses Monstrum fahren?“ „Ja. Ich kann alle Maschinen in unserer Firma fahren. Nun legen wir mal los. Wollt ihr mitfahren.?“
Sylvie nickte. Stacey wollte zuerst Filmaufnahmen von der Raupe bei der „Arbeit“ machen.

Sylvie setzte sich links neben Hannes auf einen Notsitz und kam aus dem Staunen nicht mehr raus, wie er diese Raupe bediente.
„Vibol bringt morgen noch einen großen Kettenbagger hier her. Da das Feld größer ist, als das erste, muss auch der Radlader geholt werden. Asger bringt diesen nachher von seiner Baustelle mit.“

Am oberen Rand von dem Feld drehte Hannes das Deltalaufwerk der Raupe nach links, legte das Mächtige – über vier Meter breite Planierschild ab und gab Vollgas.
Da er das Gelände nur etwas begradigte, schob die Raupe bei voller Geschwindigkeit die Erdmasse vor sich her. Bei 300 Meter merkte auch die 285 PS starke Raupe, dass etwas Widerstand da war. Das Automatikgetriebe schaltete zwei Gänge herunter und schob gute 7 Kubikmeter Erde vor sich her – als ob diese Masse Luft wäre. Bei 421 Meter war das Feld zu Ende und gute 9 Kubikmeter Erde türmte sich vor dem Schild auf.
„Steig mal bitte aus, ich möchte dir den Unterschied zeigen.“ „Wow! So willst du alle Felder machen?“ „Wenn machbar – ja. Zum einen habe ich dann die Gewissheit, dass auf unseren Felder keine Minen liegen und zum anderen wären die vielen Buckel und Senken weg. Wodurch sich die Felder viel besser bewirtschaften lassen würden und wir hätten gleichzeitig einen Schutz vor Winderosion.“ „Du willst also auch Maschinen kaufen?“ „Ja. Was mir dein Vater erzählt hatte, macht alles Sinn und da bin ich auch ganz bei ihm – nur mit einem Mähdrescher wird es schwierig. Ich möchte diese Genossenschaft, Kollektiv oder wie immer wir uns entscheiden, von Anfang an auf vernünftige Beine stellen.“
„Deine Gedanken sind gut. Nachhaltigkeit von Anbeginn.“ „Yep. Wenn du möchtest kannst du mit meinem Auto nach Svay Rieng fahren und den Weizen und Gerste ordern. Vibol ist könnte hinter dir herfahren und deine Bestellung gleich mit dem Tieflader bringen.“ „Mit dem Tieflader? Hannes! Du musst die Felder nicht mit Samen pflastern.“ „Okay. Ich habe keine Ahnung wie viel Tonnen Saatgut gebraucht wird.“„Du brauchst maximal 200 Kilo Saat pro Hektar. Zum anderen kann ich kein Khmer. Da wird es wahrscheinlich etwas schwierig werden für eine Bestellung.“
„Okay, daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Sylvie, was bin ich froh das du da bist. Ich wäre jetzt schon gescheitert.“

Hannes zog mit der D8N eine weitere Spur neben die andere, bis du den Linien, die Sylvie als Furche vorgesehen hatte. Mit richtigen Baumaschinen ging dies alles viel schneller, als es plante. Leider wurden die Kosten für die Maschinen auch höher –  da würde er aber mit Stephane eine Lösung finden. Bei der Hälfte von dem Feld, sah er Asger an der Piste stehen. Hannes stoppte die Raupe und stellte den Motor ab.
„Respekt mein Lieber, dies sieht schon ordentlich aus. Wir sind so weit mit dem markieren fertig.“ „Sehr gut. Könntest du mir Sylvie nach Svay Rieng fahren und schon mal nach der Saat schauen?“ „Na klar. Kommen Sie, schöne Frau, wir machen was der Chef sagt.“

Bei den nächsten Bahnen saß Stacey neben Hannes und filmte ihn bei der Arbeit.
Für die Dokumentation sollte er etwas über die Technik der Raupe sagen. O-Ton nennt man dies im Fachjagon.
Pich kam mit dem 926er Radlader an das Feld gefahren und Hannes sagte ihm, wo er die Erde von Kosal hinfahren sollte. Bajao und Bopha setzten die Messpunkte für Kosal und zogen die Schnur über das Feld.
Als er die Raupe erneut startete, schaute er sich das kleine gewusel auf dem Feld an. Stacey filmte dies von der mächtige Kette der Raupe aus.
„Vor drei Jahren saßen die Männer und Frauen im Schatten und wussten nichts von dem was sie taten oder machen sollten, nun begriffen sie sofort um was es geht. Stacey, du sieht mit eigenen Augen, wie fleißig diese Menschen sind. Nun haben sie eine Perspektive und sind motiviert. Dies ist Humanitäre Hilfe.“

Um 14 Uhr kam der Tankwagen von der Tankstelle in Svay Rieng. Auch dies klappte die letzten Jahre immer besser. Hannes handelte einen Vertrag mit dem Besitzer der Tankstelle aus, dass jeden Tag Diesel auf die Baustellen gebraucht wurde. Es war zu Mühsam, ständig 200 Liter Diesel von einem Fass in die Baumaschinen zu tanken.

An der Raupe war der Tankwagen etwas länger beschäftigt, als an den Bagger und Radlader. Bei über 500 Liter war der Tank der D8N voll. Mummy, der Fahrer von dem Tankwagen, fragte, wie groß der Tank von der Raupe sei. 630 Liter war die Antwort von Hannes. „Tsssss, tsssss, tsssss.“ Er hätte noch nie eine so große Baumaschine gesehen. „Mummy, Spielzeug ist etwas für Kinder – wir haben Maschinen.“ „Was machst du auf diesem Feld?“

Hannes erklärte Mummy, was für ein Projekt geplant war.
„Du tust so viel für uns – ihr alle tut so viel für uns. Wir sind euch auf ewig Dankbar dafür.“ „Danke. Es muss in diesem Land doch endlich wieder aufwärts gehen. Alleine schafft Kambodscha dies nicht mehr.“ „Ich weiß. Das Geld ist knapp, es reicht für ein paar Lebensmittel und für Investitionen ist nichts da. Mein Bruder hat ein paar Felder bei Preah Ponlea und kaum Erträge. Ich unterstütze ihn mit meinem Lohn.“ „Dein Bruder hat Felder bei Preah Ponlea? Östlich von der 334?“ „Ja.“ „Komm bitte mit zu meinem Auto.“

Auf der Motorhaube faltete Hannes die Karte aus und zeigte ihm das Gebiet östlich von der 334.
„Hier oben ist die Grenze von Svay Rieng, dann kommt Basak und hier ist Preah Ponlea. Wie heißt dein Bruder?“ „Serey Djamlah.“
Hannes nahm die Unterlagen von Yupa und suchte den Namen: Djamlah Serey, 58,59,61,77 stand in ihrer Liste. Hannes zeigte auf die Nummern auf der Karte „Sind dies die Felder von deinem Bruder?“ „Weiß ich nicht. Zwei erkenne ich, die liegen an der Piste. Die Nummer und diese Nummer.“
Hannes nickte bei den Zahlen 58 und 59. Mit der Maßstabsschablone rechnete er die Flächen der vier Grundstücke aus. 75 Hektar Ackerfläche hatte Serey.
„Wie hoch ist der Ertrag von ihm?“ „Ich fahre Lkw. Ich kann dir dies nicht sagen. Zumindest nicht hoch genug, sonst müsste ich ihm nicht unter die Arme greifen.“ „Verstehe ich. Dann ruf ihn bitte an und frag ihn.“ 
Mummy wusste nicht was Hannes von ihm wollte, so erklärte er ihm die Situation mit dem Ertrag von Weizen, Gerste und Mais.

Mummy sprach mit Serey und wusste gar nicht was er fragen sollte. „Gib mir bitte das Telefon.“
Hannes fragte Serey wie hoch die Ernte ausgefallen war und ob er ihm auch sagen könne, wie viel Saat er pro Hektar ausbrachte. Was Hannes hörte ließ in verzweifeln. 60 Tonnen Weizen Ertrag pro Feld und er würde 1.600 Kilo Saat pro Feld ausbringen.
„Serey, du brauchst doppelt so viel Saat für ein Feld!“ „Ich habe das Geld nicht dafür.“
„Ich weiß. Da wird auch das größte Problem an dem Mangel von Nahrungsmittel liegen. Komm bitte morgen nach Kampang Rou. Bring alle Bauern mit die du kennst. Um 18 Uhr treffen wir uns in der Schule von meiner Frau. Wir haben euch wichtiges zu sagen.“ „Borsa mneak del mean ko, ich verstehe nicht! Was mache ich falsch?“
„Alles! Serey, alles! Wir werden euch helfen, nur müsst ihr uns vertrauen. Bitte kommt morgen nach Kampang Rou.“

Nach dem Gespräch mit Serey schloss Hannes seine Augen. Es kamen neue Probleme auf ihn zu, die er noch gar nicht wusste, wie er sie lösen konnte. Kopfschütteln sah er Mummy an. „Was habe ich nur angefangen? Mummy, wenn du noch ein paar Bauern kennst, sag denen von dem Treffen.“ „Bei mir in Sala Rien wohnen welche.“ „Gut. Wer immer ein Feld hat und Getreide anbaut, soll morgen nach Kampang Rou kommen. Wir werden eine Genossenschaft gründen. Wir werden euch mit allem unterstützen, wie wir es können. Sag dies jedem. Tank noch bitte die Baumaschinen auf der Baustelle, ich muss telefonieren.“

Hannes saß im Auto und ihm war zum heulen. Zuerst rief er Yupa an und sagte ihr, sie solle morgen auch zu dem Treffen kommen. Dann sprach er mit Bourey und als letztes mit Coady. Ihm sagte er was Serey vor zwanzig Minuten ihm mitteilte. „Coady, ich brauche Geld für die Saat, für die Felder und die Maschinen.“ „Deine Gedanken mit den Maschinen sind sehr gut. Lass mich da mal etwas telefonieren, auch dafür gibt es irgendwo Geld her. British Nutrition Foundation hat eine viertel Million Dollar überwiesen. Global Food Foundation 200.000 Dollar, Plan 150.000 Dollar. Dein Kontostand wächst. Du hast schon über eine Million US-Dollar. Wer ist diese Sylvie Morel?“
Hannes sagte ihm das, was er von Sylvie wusste.
„Ich habe es immer gewusst, dir folgen so unglaublich viele und gute Menschen. Mit dieser Frau in deinem Team, wird sich so einiges tun. Ich freue mich sie am Samstag zu treffen. Melanie freut sich auf deinen Schwängker.“ Hannes musste grinsen. „Für dich mache ich Fisch. Da ist kein w und e im Wort. Bis Samstag mein Freund.“

Asger und Sylvie fuhren vor. Auf der Ladefläche türmten sich die Säcke mit Weizensamen.
Asger reichte ihm die Lieferscheine. „800 Kilo? Der Pickup ist etwas überladen!“ „Ich habe das aufgeladen, was nicht mehr auf den kleinen Lkw ging.“ „Was? Wie Lkw?“
„Äha ja. Dann schau doch mal genauer
auf den Lieferscheine.“ „Ihr habt 7 Tonnen Saat gekauft?“ „Ja. Sylvie hat noch 100 Tonnen bestellt.“
Bei Hannes setzt für einen Augenblick der Herzschlag aus. „Sylvie!? Du hast 100 Tonnen Weizen bestellt? Das ist ein Schiff voll! Oh mein Gott! Wenn ich die bezahlen muss, sind wir pleite!“ „Nun mach mal ein Punkt und komm auf die Erde zurück. Hannes – ich habe gesagt, dass ich dir helfen werde. Auf dem Weg nach Svay Rieng rief ich nach Paris an und habe die Situation geschildert. Die 100 Tonnen werden von „Action contre la Faim“ bezahlt. Mein Chef kümmert sich auch noch um weitere Geldgeber für unser Projekt.“
Er nahm Sylvie in die Arme und fing an zu weinen.
„Du bist kein Einzelkämpfer mehr! Ich sagte dir, dein Dossier geht um die Welt und so ist es auch. FIAN International, hat sich in Paris über dich erkundigt. Ich habe von Françoise Giroud die Telefonnummer von FIAN in Genf bekommen und werde heute noch dort anrufen. Ich wollte aber erst mit dir reden.“ „Was ist FIAN?“
„FoodFirst Information- and Actions-Network – die tun das gleiche wie wir. Die Organisation wurde erst vor sieben Jahren gegründet, daher wollen die bestimmt erst wissen wer du bist.“ „Wir. Liebe Sylvie. Wer wir sind. Du bist die Chefin.“ „Ich weiß. Du bist nur der Baggerfahrer.“ 

Asger lud mit den Mitarbeiter den Pickup an dem ersten Feld ab. Der kleine Lkw von dem Agrarhandel kam auch schon über die Piste geholpert.
Sylvie wählte die Nummer von dem FIAN Büro in Genf. Sie erklärte kurz ihr Anliegen und wurde weiter verbunden. Eine Louanne Jeanneret meldete sich am anderen Ende der Leitung. Sylvie sagte auch ihr den Grund für den Anruf. Louanne wollte etwas mehr über das Projekt erfahren und auch über Hannes. Da Sylvie erzählte, dass sie vor Ort sei, war es schon ein großer Pluspunkt. „Ich kann Ihnen auch gerne den Initiator von diesem Projekt ans Telefon geben, er sitzt neben mir.“
Sylvie reichte ihm das Telefon. „Bonjour et bonne journée Madame Jeanneret. Hannes au téléphone.“ „Bonne journée Monsieur, es freut mich sehr, mit Ihnen zu reden. Wir haben Ihr Dossier bekommen und wollten uns im Vorfeld etwas über Sie erkundigen. Da Sie nun persönlich am Telefon sind, ist mir eine noch größere Ehre. Ihr Name schallt wie Donnerhall durch die Welt. Meinen herzlichen Glückwunsch zum Ordre national du Mérite. Wir möchten gerne noch einiges über die Finanzierung zu Ihrem Projekt wissen.“

Hannes erklärte Frau Jeanneret wie die Finanzierung bis jetzt ist und über wen das Treuhandkonto lief.
„Stephane Dillbert ist der Treuhänder? Na da sind Sie aber gut aufgestellt! Ich kenne Stephane schon einige Jahre. Wir lernten uns Mitte der 80er im Sudan kennen. Was macht er zur Zeit?“ „Stephane ist jetzt Direktor bei ODHI.“ „Sie kennen ihn gut?“
„Er war mein Trauzeuge. Ja, ich kenne Stephane sehr gut. Ich habe durch ihn so einiges an Freiheiten bei ODHI.“ „Ich werde mich mit Stephane heute noch in Verbindung setzten. FIAN wird Sie unterstützen.“ „Danke. Ich bin dies nicht alleine. Frau Diplom-Agraringenieurin Sylvie Morel leitet dieses Projekt mit mir.“
„Auch da sind Sie gut aufgestellt. Schade, dass sie bei einer anderen Organisation arbeitet, solche Kapazitäten bräuchten wir auch. Dürfte ich sie wieder ans Telefon bekommen?“ „Natürlich. Au revoir Madame Jeanneret.“ 
Hannes gab Sylvie das Telefon zurück und stieg aus dem Wagen.

Hannes half den Mitarbeiter beim Abladen der Saatsäcke vom Lkw. Nach einer Viertelstunde kam Sylvie auf ihn zu. „Warum bist du nicht im Auto geblieben?“
„Ich hatte mit dieser Frau doch alles besprochen.“ „Irgend etwas hast du doch. Was ist los?“ „Ich hatte vorhin mit einem Mann gesprochen, dessen Bruder vier Felder in Preah Ponlea hat. Sylvie, wir haben nicht nur die Trockenheit als Gegner, sondern auch den Kapitalismus, die Politik der Weltgemeinschaft und einige Vollidioten. Warum auf den Feldern so wenig wächst liegt auch daran, dass die Bauern nicht genügend Geld für ihre Saat haben. Serey kann weniger als 100 Kilo Saat pro Hektar aussäen. Wir können uns hier die Beine ausreißen für bessere Felder, wenn die Menschen nicht das Geld für die Saat haben.“ „Ich habe mir bei dem Bewuchs der Felder schon so etwas gedacht, nun kann ich dies alles besser einordnen.“ „Schön, dann ordne morgen schon mal eine Info Veranstaltung ein. Ich denke viele Bauern haben zu wenig Ahnung über den richtigen Feldanbau. Es wurde oder wird das Wissen immer nur weiter getragen – ob richtig oder falsch, kann doch keiner sagen. Was ich in zwei Tagen von dir alles gelernt haben, wissen die  Bauern bestimmt nicht. Wenn sie es wissen, fehlt es eben an dem Kapital. Da UNTAC in Kambodscha auch den Staatshaushalt kontrolliert und du gesehen hast, welche Vollidioten zum Teil bei oder über UNTAC in dem Land sind, wird es immer schwerer für die Menschen. Dies habe ich schon gewusst, da war die Resolution der UN noch nicht in Kraft getreten. Du kannst gerne meinen Direktor fragen, ihm hatte ich damals das Dossier zu UNTAC zugeschickt und ihm es auch genau so gesagt, wie dir jetzt.“ „ Zum einen glaube ich dir, dass du jenes Dossier gelesen hast, zum anderen kann ich immer noch kein Khmer.“ „Letzteres ist das kleinste Problem. Du kannst Zeichnungen oder Grafiken verwenden, Patricia und ich sind da zum Übersetzten. Französisch verstehen auch einige. Das größte Problem sehe ich im Kapital. Sylvie, ich muss dir die Politische Lage in dem Land und in der Provinz Svay Rieng mal erklären. Diese ist wahrscheinlich genau so kompliziert wie dein Studium. Nur muss ich dir dies an einem Ort sagen, wo wir alleine sind. Komm, wir fahren nach Kampang Rou.

Beide gingen mit Sangkhum und Sraleanh spazieren. Als sie aus Kampang Rou raus gegangen waren, erzählte Hannes die Verbindung zu Major Bourey Duong, dem Gouverneur von Prey Veng, Sakngea Khin und dem Gouverneur von Oddar Meanchey, Rangsey Choem.
Sylvie hörte ihm Aufmerksam und oft Fassungslos zu.
„Diese ganzen Verbindungen laufen alle an UNTAC vorbei, die ganzen Mitarbeiter von der UN wissen bis heute nicht, wer wo wie welche Fäden zieht! Sylvie, wir sind in Lebensgefahr wenn dies raus kommt! Da nützt mir mein Diplomatenpass aus nichts mehr. Ich weiß das ich Feinde in diesem Land habe – aber auch welche Militärische Macht hinter uns steht. Der kleine Hannes hat ein Netzwerk von Menschen aufgebaut, da ist die UN ein Fliegenschiss dagegen“ „Hannes, ich verstehe dich nicht! Du bist auch bei der UN angestellt, dann wird es Zeit, dass du auch mal dort auf den Tisch haust.“ „Die UN? Ich wollte und werde niemals ganz zu dieser Organisation gehen. Stephane las damals meinen Vertrag von UNICEF und er hatte ihn für mich zum Vorteil abgeändert. Schweren Herzens stimmte Laureen Thompson, die Leiterin von UNICEF in Kambodscha, diesem Vertrag zu. Ich mache diesen Job nur aus Liebe für Patricia. Ich ärgere mich mit Menschen herum, die zu blöd für alles sind und habe fast immer Streit mit irgend einem Mitarbeiter von denen. Ich habe diesem Connar Lennhardt nichts getan und er zerreißt mich. Warum? Falscher Stolz weil ich die Idee mit dem Trockenfeldanbau hatte oder weil ich Deutscher bin? Der nächste Punkt: Wo soll ich auf den Tisch schlagen? In Phnom Penh, Genf oder New York? Wo?“
Sylvie sah ihn ratlos an.
„Die UN mit ihren unzähligen Sonderorganisationen, einschließlich der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds beschäftigt etwa 53.000 Tausend Menschen weltweit. Soll ich denen alle sagen, dass die Hälfe von denen keinen Plan von ihrer Arbeit hat? Wer bin ich denn? Ein dummer Junge aus einem Dorf im Naheland, der Bagger fährt und irgendwie für UNICEF ein paar Schulen baut. Du hast selbst gesagt, dass ich bei UNTAC nicht bekannt bin. Komisch ist nur, dass private Hilfsorganisationen mich kennen. Woran liegt das? Jeder von der UN oder auch UNTAC kann meine Personalakte anfordern, die Weltbank weiß sehr genau über mich bescheid. Liegt es daran, dass Coady seinen Job richtig macht? Er wäre der erste, der mit Steine in den Weg legen könnte. Tut er nicht! Er hilft mir sehr viel und unterstützt mich. Er hat in meinem Namen Hilfsorganisationen angeschrieben, die ich gar nicht kenne und die unglaublich viel Geld für dieses Projekt gaben. Sylvie, ich habe diesen Kampf nun begonnen und ich werde ihn weiter führen. Über eine Million Dollar sind auf meinem Konto und ich werde den letzten Cent für die Menschen ausgeben! Ich werde dieses Projekt durchziehen! Kinder starben, weil sie krank durch fehlendes oder schlechtes Wasser waren, oder an nicht vorhandenen Medikamente und schlechter Hygiene. Dagegen habe ich schon sehr Erfolgreich gekämpft. Nun sind es Nahrungsmittel und niemand hält mich auf, diesen Menschen eine Perspektive zu geben! Kein Connar Lennhardt, kein Gerand Pompeur, Marc Gaston oder Philippe Durand und schon gar nicht der korrupte Wurm Phirun Suoth.“ „Ich bin bei dir. Ich werde mit dir kämpfen! Du hast jetzt schon so viele Organisationen hinter dir stehen, die Geld gaben und es werden mehr werden! Unsere beider Namen werden noch viele Menschen hören und lesen. Wir stehen erst am Anfang von etwas ganz Großem.“

Sie spazierten mit den beiden Rinder weiter Richtung Sama. Sylvie streichelte oft Sraleanh und sprach mit ihr. Noch eine Verrückte, die mit einer Kuh spazieren ging.
An den Felder die links und rechts der Piste standen, zeigte Sylvie ihm die Weizenkörner und erklärte ihm einiges über dieses Getreide. „Hier dies ist Triticum turgidum × polonicum, Khorasan-Weizen – oder auch Kamut genannt. Es ist eine alte Sorte des Sommerweizens, die nach genetischen Untersuchungen eine natürliche Hybride aus dem Triticum durum – dem Hartweizen und Triticum polonicum – einer Weizen-Wildform ist. Wie der Name schon andeutet, wird nach dem gegenwärtigen Stand der genetischen Forschung von einem Ursprung in Chorasan, einem historischen Gebiet aus der gleichnamigen Nordostprovinz des Irans und dem heutigen Afghanistan ausgegangen.“ „Wow. Triticum konnte ich mir noch behalten. Was du mir über Pflanzen und Getreide sagst, ist hoch interessant.“ „Ja, ein paar Körner können Wände voll mir Bücher füllen. Getreide in seiner Entstehung zu begreifen, ist faszinierend.“ „Ich weiß dass um etwa 10000 v. Chr. in Mesopotamien, welches man auch Fruchtbaren Halbmond nennt, heute auf dem Gebiet von Irak, Syrien und Türkei, die ersten Menschen mit dem Ackerbau begonnen hatten. Von dort aus breitete sich allmählich der Ackerbau über ganz Europa aus. Unabhängig davon hast sich der Ackerbau auch in anderen Teilen der Welt entwickelt, so in Amerika, Afrika und in Südostasien. Die Landwirtschaft ermöglichte es den Menschen, ihre Versorgung mit Nahrung zu sichern. Erstmals konnten sie das ganze Jahr über am selben Ort bleiben. Siedlungen, Dörfer und Städte begannen sich zu entwickeln, wo wir nun wieder bei Angkor Wat wären. Den Sumerern, dem ersten Volk das sich ca. 5.000 v. Chr. in dem Gebiet Mesopotamien niederließ machte so einige Erfindungen, die wir heute als selbstverständlich ansehen- so etwa 3.200 v. Chr. das Rad. Nach diesem Tausend Jahren alten Gedanken ist auch unser Wasserrad in Kampang Rou entstanden. Liun kam damals mit einer Zeichnung zu mir und wollte unbedingt ein Wasserrad bauen. Cees und Liun haben eine fünf Tausend Jahre alte Erfindung in einer Präzision gebaut, auf die man Stolz sein kann.“

Sylvie grinste breit. „Dein Allgemeinwissen ist sehr Ordentlich! Wir beide können noch so einige gute Gespräche über ein paar Körnen führen.“ „Gerne doch. Geschichte kann unglaublich spannend sein. Mit Levi habe ich darüber oft wunderbare Gespräche. Dieser Mann hat eine Allgemeinbildung, dagegen bin ich ein ganz kleines Licht. Keine Sekunde bereue ich es, diesem Mann damals eine Chance auf ein neues Leben geben zu haben.“
Sylvie sah ihn fragend an.

So erzählte Hannes von dem ersten Gespräch mit Levi, von dem furchtbaren Zimmer in dem Obdachlosenheim in der Schweiz und das Levi im neuen Jahr mit Patricia zur Hälfte für das Bildungsministerium in Phnom Penh arbeiten werde und er jetzt schon Reformen für das neue Bildungssytem einbringt.“ „Deine Menschlichkeit ist Grenzenlos!“ „Ach was. Ich habe nur ein Helfer-Gen in mir. Vielleicht war es auch alles nur Zufall das wir die Menschen getroffen hatten, die im Mai 1990 mit uns nach Kambodscha gingen. Wir waren ein zusammen gewürfelter Haufen von Menschen die es oft nicht leicht im Leben hatten, vielleicht ist dies auch der Grund das wir heute eine Einheit, ein Team und Freunde auf ewig sind. Du wirst noch einige dieser Freunde kennenlernen.“

Im Büro in Svay Rieng saß Sylvie am Computer und schrieb Informationen für den morgigen Abend. Hannes schrieb am anderen Tisch den jetzigen Stand des Projektes und verteilte die Mail an Ludgar, das Französische Präsidentenamt und die Botschaft in Phnom Penh, an ODHI und an Coady. Er las die Nachricht von Sylvies Vater und schmunzelte. Théo Morel ging davon aus, dass sie beide eine Beziehung hatten. Hannes schrieb ihm zurück, dass dies nicht so sei und erklärte Théo die Zusammenarbeit mit seiner Tochter.

Théo hatte sogar Telefonnummern von Landwirtschaftlichen Maschinen Hersteller aufgelistet. Hannes rief bei die Firma Claas in Deutschland an und brachte sein Anliegen vor. Die Frau am Telefon, konnte ihm nur im Ansatz weiterhelfen. Hannes hatte das Gefühl, dass diese Frau ihn nicht für ernst nahm.
Nach mehrmaligen Durchstellen sprach er mit einem Klaus Wiedmann. Herr Wiedmann hörte ihm aufmerksam zu und sah auch die Probleme vor denen Hannes stand.
„Meine Güte! Dies können wir uns in Deutschland gar nicht vorstellen. Ich würde Ihnen sehr gerne helfen, Gebrauchte Geräte haben wir. Ich würde Ihnen aber auch gerne Neue Geräte und Maschinen verkaufen.“ „Herr Wiedmann, ich werde am Ende diesen Monates über ein Vermögen von eineinhalb Millionen US-Dollar verfügen, ich könnte ohne Probleme alles Neu kaufen, nur möchte ich dieses dringend benötigte Geld nicht ausschließlich für Maschinen ausgeben. Die Menschen brauchen Nahrungsmittel! In Kambodscha kann ich solche Geräte nicht kaufen, hier ist alles nur Schrott oder kommt aus China – was auf das gleiche hinausläuft. Das nächste Problem mit einem Mähdrescher sehe ich in der Geografie der Felder. Zu klein oder zu schräg. Über unsere Organisation habe ich sehr große Kettenbagger und Planierraupen von Caterpillar vor Ort, ich kann aber keine Million Hektar begradigen, damit mit einem Mähdrescher die Felder abgeerntet werden können.“ „Müssen Sie auch nicht! Ein Mähdrescher kann bis zu zwölf Prozent Neigung immer noch Ernten.“ „Dies wusste ich nicht. Danke. So schräg sind die Felder nicht. Herr Wiedmann, ich habe wenig Zeit um mich mit anderen Firmen auseinander zu setzten. Könnten Sie mir Angebote über die Erwähnten Geräte schicken? Ich habe soweit volle Prokura um dies alles alleine zu Entscheiden, was ich wo kaufe und bin bereit für all dies 300.000 Mark zu bezahlen. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie bis zum Wochenende mit dies zukommen lassen könnten, dann treffe ich mich mit dem Chef der Weltbank und könnte ihm schon sehr konkrete Zahlen geben.“ „Wie würde das Geld bezahlt werden?“ „Per sofort von einem Treuhandkonto bei der National Bank of Cambodia. Da ich die Verantwortung für dieses Projekt trage und auf dem Dossier zu diesem Trockenfeldanbau-Projekt mein Name steht, habe ich ein Treuhandkonto eingerichtet. Der Treuhänder ist der Direktor von ODHI in Reims und Co-Treuhänder ist der Chef der Weltbank in Kambodscha. Sie haben schneller Ihr Geld, als Sie die Maschinen verladen können.“
„Das ist mal eine Ansage! Wo wäre der Zielhafen?“ „In Krong Preah Sihanouk. Dies ist der einzige Internationale Großhafen von Kambodscha.“ „Wie sieht es mit Kaufverträge aus?“ „Ich bin zur Zeit in Kambodscha und kann auch nicht sagen, wann ich in Deutschland bin. Da werden sich aber schon Personen finden, die in meinem Namen die Verträge unterzeichnen können. Ansonsten bleibt Fax oder Mail als Alternative. Ich werde Ihnen auch einiges über mich schrieben, damit Sie wissen wer ich bin.“ „Ich glaube Ihnen schon.“ „Danke. Noch eine Frage, Traktoren baut Claas noch keine.“ „Noch nicht. Wir haben aber in unserem Angebot auch Gebrauchte Traktoren. Gerne lasse ich Ihnen auch dafür Angebote zukommen.“ „Sehr gerne. Nur kein Schrott! Richtige Traktoren. Fendt oder John Deere.“ „Sie wissen was Sie wollen.“ „Ja. Daher habe ich auch bei der Firma Claas angerufen und nicht bei irgendwem. Ich habe wenig mit der Landwirtschaft zu tun, weiß aber schon wer Qualität baut.“ „Danke für dieses Lob.“

Sylvie sah vom anderen Schreibtisch zu ihm und nickte ihm zu. „300.000 Mark weniger.“ „Noch habe ich nichts gekauft.“
„Ich verstehe dich sehr gut. Wir können nicht nur Saat kaufen, wenn die Menschen auch einen höheren Ertrag erwirtschaften, muss es auch vernünftig geerntet werden.“
„Richtig. Über die Baumaschinen muss ich noch mit Stephane reden, Sorge machen mir auch die Brachliegenden Flächen. Ich rufe Gerand Pompeur an, er soll mir eine Nummer von jemand aus der UNTAC geben, der die Finanzen in diesem Land kontrolliert.“

„Bonjour, le bureau de l‘ UNTAC à Svay Rieng. Gerand Pompeur au téléphone.“
„Bonjour Monsieur Pompeur, ich möchte mich für Ihre Ausarbeitung vom Montag bei Ihnen bedanken. Nun möchte ich Sie bitten, mir einen Namen und Telefonnummer von einem Mitarbeiter der UNTAC zu suchen, der für die Finanzen zuständig ist. Im konkreten Fall geht es um Landerwerb für Ihre Ausarbeitung zu einem Agrarkollektiv. Ich bin den ganzen Abend noch in Svay Rieng im Büro zu erreichen. Vielen Dank.“

Hannes schrieb an seiner Nachricht für Herr Wiedmann, als das Telefon klingelte. „Monsieur Pompeur, ich höre.“  Pompeur gab ihm den Namen und Telefonnummer von der Person die er wollte. „Merci beaucoup, Monsieur Pompeur.“

Sylvie grinste, als er auflegte. „Geht aber sehr zügig.“ „Ab und an ein Machtwort und es läuft. Ich rufe diesen Paolo de Santis mal an. Hört sich Italienisch an. Kannst du Italienisch?“ „Nein. Tut mir leid.“ „Hoffe dieser de Santis kann Englisch.“

Nach dem das Telefon über eine Minute ein Freizeichen gab, wollte Hannes schon auflegen, er hörte gerade noch, wie eine Männliche Stimme sich vorstelle. „Buona sera, ufficio UNTAC di Phnom Penh. Stai parlando con Paolo de Santis.“ „Ciao e buona giornata Signor de Santis. Meine erste Frage: in welcher Sprache können wir uns Unterhalten?“ „Wir können uns in Englisch unterhalten.“  Hannes verdrehte die Augen bei dieser Antwort, noch jemand der diesem Land helfen will und nicht fähig ist die Landessprache zu sprechen.
Er stellte sich vor und sagte auch den Grund für seinen Anruf.
„Tut mir leid, dafür bin ich nicht zuständig.“ „Wer denn?“ „Meine Kollegin, Frau Ilaria de Rosa, ich verbinde Sie weiter.“ „Grazie.“ „Ilaria de Rosa, UNTAC Büro Phnom Penh.“ Die Frau sprach in Englisch. Hannes stellte sich erneut vor und auch sein Anliegen.
„Schön, dass ich Sie sprechen kann, ich kenne Sie. Wow, dass ist aber eine harte Nuss, was Sie vor haben.“ „Eigentlich nicht. Wir sind hier in Svay Rieng am Auswerten wem die Felder gehören und werden auch alle Besitzer informieren. Da die Brachliegenden Flächen noch nicht zugeordnet werden können und ich, wir, nicht möchten, dass diese Grundstücke über weitere Spekulanten in die Höhe getrieben werden, bin ich bereit pro Hektar Tausend Riel zu bezahlen. Dies werde ich im Auftrag von einem noch nicht existierenden Agrarkollektiv tun und persönlich von meinem Treuhandkonto an das Rathaus in Svay Rieng überweisen. Dieses Geld wird dann ausschließlich für die Krol Kor Salarien Bathamseksaea Grundschule in Svay Rieng eingesetzt.“
„Sie stellen aber ganz schöne Forderungen.
Warum gehen Sie mit Ihrem Anliegen nicht direkt zum Gouverneur dieser Provinz?“
Er sah hilfesuchend zu Sylvie und wusste nicht was er Frau de Rosa sagen konnte oder durfte. Sylvie zog die Schultern hoch.

„Frau de Rosa, wie lange sind Sie schon in Kambodscha?“ „Seit Januar diesen Jahres.“ „Entschuldigung, ich kann Ihre Frage nicht so einfach beantworten, da Sie viele Zusammenhänge nicht wissen. Bitte verstehen Sie mich, dass ich mein Wissen auch nur weiter geben werde, an Personen denen ich vertrauen kann.“ „Natürlich. Ist am Telefon wirklich blöd. Kann es sein, dass Ihre Gedanken diesbezüglich sich um Korruption handelt?“ Hannes nickte wie wild zu Sylvie und zeigte mit dem Daumen nach oben. „Ja. Korruption und noch so einiges mehr, was die Sicherheit meiner Person und auch andere Personen betrifft.“ „Wäre ein persönliches Treffen nicht von Vorteil?“ „Natürlich, nur läuft mir die Zeit davon. Ich bin erst am Wochenende in der Nähe von Phnom Penh. Morgen wird eine Agraringenieurin mit mir die Gedanken über die Gründung eines Agrarkollektiv vorstellen, da hätte ich eben gerne noch etwas in der Hand, was ich diesen Menschen sagen kann.“
„Verstehe ich. Ich werde mit meinem Kollegen zu Ihnen kommen. Wäre dies in Ihrem Sinn?“ „Sehr.“ „Wäre morgen 10 Uhr in Ordnung?“ „Absolut. Dann kann ich Ihnen auch alles zeigen, wie weit wir mit den Grundbesitz sind. Ich bitte Sie um Stillschweigen unserer Unterhaltung.“
„Selbstverständlich. Wir sehen uns morgen in Svay Rieng. Ciao.“

Mittwoch 7. Juli 1993

Sylvie und Hannes waren nach dem Frühstück schon im Büro und besprachen, wie der Abend geplant sei. „Deine Grafiken sind super. Damit können wir den Bauern doch viel mehr zeigen und erklären. Ich schreibe deine Infos auf Khmer.“ „Tut mir leid, dass ich dir diese Arbeit mache.“ „Das ist keine Arbeit. Du machst das was ich nicht kann und ich was du nicht kannst. Wir sind schon ein cooles Team.“

Kosal rief an und sagte ihm das am Vortag gegen Abend der Fahrer von der Raupe angekommen sei und er nicht wüsste was er heute machen sollte.
„Kosal, ich werde erst nach Mittag auf die Baustelle kommen. Das erste Feld müsste im unten drittel noch begradigt werden. Wenn dies gemacht ist, soll er die Piste nach Basak planieren.“ „Was ist mit anderen Felder?“ „So weit sind wir noch nicht, lass uns heute Abend doch erst einmal mit den Bauern reden. Wir sehen uns später.“

Eines der Telefone im Büro klingelte. „Buongiorno, Ilaria de Rosa, wir sind am Hotel.“ „Buongiorno, ich komme Sie abholen.“ 
Hannes begrüßte in der Halle vom Hotel die zwei Italiener. Ilaria de Rosa war eine sehr schmale große Frau und konnte Mitte dreißig sein. Paolo de Santis hatte gleiche Größe und Figur wie Hannes. Er konnte auch in seinem Alter sein. De Santis wirkte wie ein Praktikant auf ihn.
In Büro stelle er beiden Sylvie Morel vor und entschuldigte sich für das Chaos in dem kleinen Büro.
An der Wand zeigte er beiden die Karten mit den Grundstücken und Sylvie stelle das Trockenfeld Projekt vor, wie er es besser hätte nicht machen können. Auch wurde über die Finanzierung gesprochen und das was erreicht werden sollte. Zum Schluss las Ilaria noch sein Dossier zu dem Trockenfeldanbau auf Computer.

„Ich bin seit zehn Jahren bei der UN und habe eine solche Ausarbeitung zu einem Projekt noch nicht gelesen!“ „Danke. Dies ist nur die Einleitung mit einer kleinen Zusammenfassung.“
Hannes nahm zwei Ordner aus dem Regal und legte diese auf den Tisch. „Hier ist alles drin, was wir Ihnen gesagt haben. Was Sie nun gelesen haben, ist eigentlich ausreichend. Nun möchte ich Ihnen die Politische Lage in dieser Provinz erklären. Darf ich fragen, was Sie, Herr de Santis in Kambodscha für eine Aufgabe haben?“
„Ich habe Finanzwissenschaft studiert und bin nach dem Studium über die UNI an UNTAC gekommen. Ich möchte mein Studium nicht ausschließlich mit der Analyse vom Staat oder Provinzen in Italien benutzen, es gibt Länder wo mehr Hilfe gebraucht wird, als ein Steuerrecht neu zu schreiben. Die Mikro- und Makroökonomie praktisch und vor Ort verbessern. Dies sind so meine Gedanken, Wunsch oder auch Zukunftspläne.“
Bei seinen Worten nickte Sylvie anerkennend vom anderen Schreibtisch Hannes zu.
„Willkommen im Club der Weltverbesserer. Ihre Einstellung gefällt mir. Nun werde ich Ihnen die Verbindungen der Humanitären Hilfe und Politik in Kambodscha erklären. Was ich Ihnen sagen werde, weiß niemand von UNTAC. Ich hatte es gestern schon zu Frau de Rosa gesagt und werde es noch einmal wiederholen, wenn diese Verbindungen bekannt werden, bin ich und viele andere Menschen in Lebensgefahr! Da hilft uns dann auch keine Friedensmission. Ist Ihnen dies bewusst?“ Die Italiener sahen sich an und dann zu Sylvie und Hannes. „Wir danken Ihnen jetzt schon für dieses Vertrauen, um überhaupt ein Gespräch zu führen. Natürlich wird unsere Unterhaltung diesen Raum nicht verlassen.“ Hannes reichte auf die Worte von Ilaria ihr die Hand.

Hannes fing im Januar 1990 an und erzählte den beiden von den vielen Problemen, vor denen sie damals standen, die Unterstützung vom Militär, die Ablehnende Haltung von Phirun Suoth, das nicht ausgehandelte Waffenstillstandsabkommen mit Vietnam, die Unterstützung von Frankreich und der Weltbank in den letzten Jahren. Die Korruption von drei Dutzend Politiker – die er auch Namentlich benannte, bis zu den Strukturen der Roten Khmer in den Provinzen Kratie, Ratanakkiri und Strung Treng. Als er geendet hatte war langes schweigen im Büro.

„All die Bemühungen der UNTAC mit ihrer Friedensmission sind zwecklos, wenn die Menschen keine Perspektive haben und dadurch die Rote Khmer immer noch Anhänger findet. Durch die Infrastruktur die wir als ODHI oder ich über die UNICEF aufbauen, habe ich – und auch einige Gouverneure, wie auch Ranghohe Militärs – Feinde in diesem Land. Was ich Ihnen sagte, weiß zum großen Teil meine Frau nicht!“
De Santis hatte einen Gesichtsausdruck als ob er eine Leiche sah. De Rosa saß immer noch Bewegungslos auf ihrem Stuhl.
„Ich denke, dies alles hat Ihnen von der UN noch niemand gesagt.“ Beide schüttelten den Kopf.
„Ich bin etwas länger in dem Land als die Mitarbeiter von UNTAC und habe vielleicht auch etwas mehr Erfahrung, leider wurde meinem Dossier über die Resolution 745 kaum Beachtung geschenkt. Ich bekomme schon mit, was über UNTAC läuft und was an die Wand gefahren wird.“
Ilaria nickte bei dem letzten Satz von Hannes. „Wir bekommen dies auch mit! Daher bin ich sehr froh, mit Ihnen sprechen zu können. Sie haben allen Anschein nach um Welten mehr Erfahrung über diesen Einsatz als viele Beamte die nun in Kambodscha sind.“ „Was soll ich Ihnen darauf antworten? Es hat seinen guten Grund, warum ich nicht für die UN arbeite.“ „Verstehe ich jetzt nicht. Sie sind doch School Project Manager für Kambodscha bei UNICEF.“ „Das mache ich nur neben her. Würden über UNICEF mehr Lehrer nach Kambodscha kommen, müsste ich mich dann natürlich dort mehr einbringen. Zur Zeit habe ich genügend andere Baustellen. Nun aber zu dem Grund warum Sie beide hier sind. Sehen Sie eine Möglichkeit diesen Flächen für den angesprochenen Preis zu kaufen?“ „Ich denke schon. Frau Morel hat dieses Konzept klar erläutert und ich -wir, sehen auch die Notwendigkeit für die Bauern. Mehr bewirtschafte Flächen kann nur von Vorteil für die Bevölkerung sein. Ich verstehe nun auch, warum Sie mit dem Gouverneur nicht verhandeln wollen. Wobei Tausend Riel – also einen Dollar, pro Hektar wirklich nur einen Symbolischen Charakter haben.“ „Richtig. Nur wenn wir mehr Geld bezahlen machen andere sich die Taschen voll. Im übrigen geht es noch um Wahlkampf für diese Provinz. Da uns in den letzten Jahren sehr viel geholfen wurde, helfe ich nun auch anderen Personen. Dies ist geheim und ich kann Ihnen darüber zur Zeit auch nicht mehr sagen. Signor de Santis, was Sie an der UNI studiert haben, setzten eine Schar von Menschen in dieser Provinz seit Jahren praktisch um. Wenn Sie möchten könnte ich Ihre Hilfe bei der Gründung eines Kollektives gebrauchen.“ „Gerne. Ich merke schon, dass Sie gewaltig anpacken und auch so einige Verbindungen haben.“  „Sie lernen schnell. Signorina de Rosa, Sie sind auch herzlich eingeladen. Wir werden uns am Samstagmorgen im Hauptbüro von ODHI in Kâmpóng Trâbêk treffen. Am Abend werden ich noch grillen.“ „Danke für die Einladung. Ich komme sehr gerne vorbei. Könnten Sie bitte die Gründung zu diesem Kollektive erläutern?“

Hannes sagte beiden seine Gedanken für die Bauern in der Region und auch das es ihm ein sehr großes Anliegen sei, die Menschen Gleichzustellen. Er sprach auch die Gedanken von Marx an, aber diese nicht in der gedachten Form umsetzten möchte. Die Italiener nickten oft zustimmen bei seinen Worten. „Sehr gute Idee. Woher kommt das Grundkapital?“ Frage de Santis. „Ich habe bis jetzt über eine Million Dollar auf einem Konto für dieses Projekt. Natürlich muss ich von diesem Geld die Baumaschinen von ODHI, den Grundbesitzerwerb, die Saat, die Landwirtschaftlichen Maschinen für eben jene Bauern und die Löhne der Mitarbeiter bezahlen. Trotzdem wird ein beachtlicher Betrag als Grundstock für dieses Kollektiv festgeschrieben sein. Die Menschen bekommen Hilfe von uns – müssen aber auch wissen, dass dies nicht umsonst ist! Sie müssen dafür arbeiten, Leistung erbringen und Geld in dieses Kollektiv einzahlen. Humanitäre Hilfe ist wichtig, aber nur geben und helfen ohne Gegenleistung ist nicht Zielführend. Wobei ich nun wieder bei so einigen Projekten von UNTAC in den Provinzen Banteay Meanchey, Battambang oder Koh Kong wäre.“
Ilaria de Rosa sah Hannes mit großen Augen an. „Sie kennen die Projekte in den besagten Provinzen?“ „Ja. Mir ist auch bekannt, wieviel Geld dort in den Sand gesetzt wurde! Belgien ist mit zwei Kontingenten von Beamten in den Provinzen Battambang und Koh Kong im Einsatz. Ich weiß nicht wie begeistert Jean-Luc Dehaene, der Premierminister von Belgien, gewesen wäre, wenn ich ihm dies vor drei Wochen beim Staatsbankett im Élysée-Palast gesagt hätte.“
Für diese Aussage erntete Hannes misstrauische Blicke von de Rosa und de Santis. Hannes zog eine Schublade von seinem Schreibtisch auf und legte die Visitenkarte von Dehaene mit seiner handgeschriebenen Mobilfunknummer auf den Tisch. „Wenn ich Monsieur Dehaene sagen würde, was ich weiß – brennt hier der Baum! Signorina de Rosa, ich dachte Sie würden mich kennen?“ „Ich weiß das Sie bei UNICEF sind und für die Infrastruktur für Schulen zuständig sind.“
„Ich habe schon erklärt, dass dies nur ein Nebenjob ist. Sie werden noch erfahren, wer Ihnen gegenüber sitzt. Lassen Sie uns nun auf eine Baustelle fahren, damit Sie sich von allem noch ein besseres Bild machen können.“

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