5 Am 10. Breitengrad entsteht eine neue Schule

Teil II Kapitel 5

Kampang Rou, Freitag 19.01.1990

Der „Europa Platz“ in Kampong Rou
Am 10. Breitengrad entsteht eine neue Schule


Rithisak wollte, dass Hannes und Patricia mit zu den Lkw gingen. Die Soldaten öffneten die Bordwände der drei Lkw. 2 Feldzelte, nicht so groß wie das von der UN – aber immerhin. 2 Stapel mit je 10 Feldbetten und sogar eine Feldküche war auf der Ladefläche von zwei Lkw verstaut.
Schaufeln, Rechen und große Boxen aus Blech mit Roten Kreuz Aufkleber waren auf den Ladeflächen des dritten Lkw. Bei dem Anblick all dieser Dinge, hatte Hannes keine Worte mehr. Überwältigt von so viel Unterstützung konnte er nur noch den Kopf schütteln. Die Soldaten luden, bis auf die Feldküche alles ab. Diese würde Hannes mit dem Bagger abladen. Eines der Militärzelte wurden links von dem UN Zelt aufgebaut. Das andere im Rechtenwinkel von dem einen Zelt in 5 Meter Entfernung. So war der Platz nun ausreichend belegt und immer noch genügend freie Fläche zwischen den Zelten. Diese Zelte hatten eine Größe von 6 x 6 Meter. Ein kleineres Zelt von 4 x 4 Meter war für die Feldküche vorgesehen. Nach dem die zwei Zelte standen, wurden die Aufgaben verteilt. 50 Soldaten zogen los um mit ihrer Arbeit zu beginnen. Rithisak wurde zur Verbindungsperson rekrutiert. Hannes ging mit ihm durch den Ort und sagte, was er wann wo brauchte. Der große Lkw sollte eine ganze Ladung an Faustdicken Steinen bringen, einer der kleinen Lkw sollte später eine Ladung Kies bringen, noch würde dieser hier gebraucht um Bäume weg zu fahren. Der dritte Lkw sollte den Müll aus dem Ort schaffen. Hannes zeichnete dem Lkw Fahrer auf dem Sandboden den Standort der Müllgrube auf.
Ein Soldat meldete sich und sagte, dass er Bagger fahren könnte. Dies war ein Information, die ihm gefiel. Hannes erklärte dem Soldat was er wo im Ort mit dem Bagger machen sollte. Die Planierraupe war hier im Ort eigentlich überflüssig, dem Fahrer der Raupe erklärte er, wo die Raupe besser zum Einsatz kommen konnte. Patricia sollte doch schnell mit dem Fahrer zu den Pisten fahren, die nach Kampang Rou links und rechts die Berge hoch führten. Der Grader Fahrer hatte schon so weit mitgedacht und die Piste von der 334 bis nach Kampang Rou geebnet. Mit den vielen Hebel in der Fahrerkabine kam der Soldat nicht ganz klar. Hannes erkältet ihm, was man mit diesem Gerät alles machen konnte. Der Soldat machte große Augen, als er sah wie sich der Rollendrehkranz bewegte, neigte oder senkte, damit die Schar einen Schwenkbereich von bis zu 90° erreichte. Auch das die Schar nach beiden Seiten vom Grader zwei Meter mit der Hydraulik auszufahren war, wusste der Soldat nicht. Der Soldat stelle sich als Chankrisna vor. „Okay, Chankrisna, dann zeige ich dir jetzt was diese Baumaschine alles kann.“ Mit Chankrisna fuhr er an die Kreuzung die in Richtung dem Ort Sama führte. Diese Strecke war fast 4 Kilometer lang. Hannes stelle den Grader nach der Kreuzung zu Sama ab. Bewegte die vier der sechs Hebel nach vorne oder zurück. Zeigte Chankrisna die Funktion aller sechs Hebel. Nur heben und senken von dem Frontschild und Schar kannte Chankrisna. Damit die Piste nun ordentlich wurde, verstelle Hannes über den Rollendrehkranz die Schar so, dass dies im 60° Winkel zum Grader stand. Er senkte die Schar auf den Boden, neigte die Schar rechst weiter herunter, damit die Piste ein Gefälle zum Graben bekam. Dann fuhren sie los in Richtung Sama. Immer wieder korrigierte er die Schar in der Mitte von dem Grader etwas nach recht oder veränderte die Neigung um ein paar Zentimeter. Chankrisna sah, wie die Piste hinter der Schar eben wurde. In Sama drehe er die 8 Meter lange Baumaschine an einem Feld. Stelle den Grader ab und ließ Chankrisna die Strecke zurück fahren. Der junge Mann lernte schnell. Hannes griff nur wenig in die Hebel ein. Mit der Diagonale von der Schar hatte Chankrisna noch etwas Problem. In Kampang Rou angekommen, klopfte er ihm auf die Schulter „Sehr gut! Sehr gute Arbeit. Nun bitte die ganze Pisten im Tal bis zur übernächsten Ortschaften. Wenn du irgendetwas nicht verstanden hast – fragen. Immer fragen.“ Chankrisna strahlte bei so viel Lob von dem Europäer.

Die erste Tour Müll fuhr den Ort durch zur Müllgrube. Patricia kam mit dem Fahrer von der Planierraupe zurück. Hannes ging den Bagger holen und lud die Feldküche ab und stelle diese im Abstand von 6 Meter links vor das UN Zelt.
An dem Wald der zwischen Kampang Rou und Svay Rieg lag, grub er 5 Bäume aus, legte diese vorsichtig auf den Lkw. Mit der Ladung Bäume ging es zurück in den Ort. An der zweiten Abzweigung fuhr der Lkw nach links in Richtung der Kuhweide. In dem ganzen Ort wurde mittlerweile überall etwas getan. Es war wie in einem Bienenstock. Kinder, Frauen, Männer und Soldaten waren im ganzen Ort auf den Beinen. Die Bewohner winkten ihm zu, als er mit dem Bagger zur Weide fuhr. Dort hatte der eine Soldat mit dem kleinen Bagger große Löcher entlang der Furt gegraben, so wie es ihm aufgetragen wurde. Nun pflanzte Hannes auf 200 Meter 5 Bäume im Zickzack die Weide hoch in Richtung der Wasserquelle. Auf ganz natürliche Weise, wurde nun das Wasser gebremst. Jetzt sollte der Lkw Fahrer den Kies besorgen.
.Beim zurück fahren, ging Hannes an den Fischteich. Er wollte sehen wie schnell das Wasser diesen füllte. Er ging durch den Graben in dem das Wasser lief. Es war eine Wohltat an den Füßen dieses kühle nass zu spüren. Noch 40 Zentimeter fehlte bis zur Deichkrone. Die Männer und Frauen, die ihn auf dem Weg begleiteten verbeugten sich immer wieder vor ihm. Sie sahen wie der Fischteich sich immer mehr mit klarem Wasser füllte. Banales Wasser und ihm kamen die Tränen. Bald könnten Fische in den Teich gesetzt werden.

An dem Platz angekommen, wo die vier Zelte standen, hatte Rithisak ein circa zweieinhalb Quadratmetern großes Schild
gemalt. „Europa Platz“ stand dort mit großem schwarzen Buchstaben auf Latein
geschrieben. Wow! Was für eine Ehre.

Mareile und Patricia gaben die Anweisungen wie die Zelte eingerichtet wurden. Zwei riesige Planen waren übrig geblieben. Rithisak wollte diese zum Schutz vor Sonne und Regen über zwei Zelte spannen. Super Idee! Niemand hatte an eine Leiter gedacht. Der Bagger. Hannes ging an die Kreuzung wo der Lkw wartete den Müll weg zu fahren. Mit der großen Schaufel war die Ladefläche sehr schnell geladen. Noch eine Tour Müll weg. Er fuhr den Bagger auf dem „Europa
Platz“ ganz dicht an das erste Feldzelt vom Militär. „Schatz, komm bitte, du musst nun den Bagger bedienen.“ Hannes ging mit einem dicken Seil in die riesige Schaufel und sagte Patricia, welchen Hebel sie wie bedienen musste. Langsam wurde er von Patricia in die Höhe gehoben. „Weiter nach rechts. ….gut… etwas nach vorne…… weiter hoch …. noch ein Stück. Super!“ Nun konnte er das dicke Seil um den Ast von dem Baum legen. „Lass mich runter.“ Mareile, Nescha, Männer, Frauen und Soldaten staunten nicht schlecht, wie die kleine Patricia den Bagger bediente. Nun nestelten zwei Soldaten das Seil durch die Ösen der Plane. Hannes nahm wieder das Seil und Patricia machte das gleiche zwei Bäume weiter auf der linken Seite. Gleiches wurde auch auf der gegenüberliegenden Seite gemacht. Mit Vereinten Kräften wurde eine 25 x 25 Meter große Plane 4 Meter in die Höhe gezogen. Der „Europa Platz“ nahm Gestalt an.
Asger kam endlich mit dem Pickup vorgefahren. Auf der Bordwand saßen Cees und Luan. Außer einem Diesel Fass und zwei Tonkrüge, die in einem Wirrwarr von gefühlten hundert Kilometer Seil auf dem Pickup verzurrt waren, war nichts auf der Ladefläche. Die Krüge hatten bestimmt ein Volumen für 500 Liter Wasser. „Kommt noch etwas“ war die kurze Antwort von Asger, als er den fragenden Blick von Hannes sah. „Kannst du dir vorstellen, wie lustig es ist, eineinhalb Stunde zwei rohe Eier gegen einander zu schlagen und die dürfen nicht kaputt gehen? Wenn du mir noch einmal einen solchen Auftrag gibst, entziehe ich dir die Freundschaft! So, hallo, mein Lieber. Ihr habt ganz schön was gearbeitet, während wird diesen Eiertanz machten.“ Mit sechs Mann wurden die zwei Tonkrüge abgeladen. In den Krügen waren noch 30 Plastikeimer. Wasser brauchte man nun auch. Also ein Fass wieder auf den Pickup und mit zehn Personen an die Weide um Wasser zu schöpfen. Zwei Soldaten machten sich mit Sägen, Hämmer und Nägel an die arbeit ein Podest für die Fässer zu bauen.

„Rithisak, es geht auf Mittag zu, schau bitte, dass du für alle Leute etwas zu Essen besorgen kannst. Fahrt mit zwei Autos, wenn es sein muss. Besorgt alles, was man braucht um die Feldküche in Betrieb zu nehmen.“ „Nicht nötig, Hannes, ein Versorgungsauto ist auf dem Weg. In der Kaserne wurde heute morgen schon mit allen Vorbereitungen begonnen. Auch werden zwei Soldaten die nächste Zeit hier sein und sich um die Feldküche kümmern.“ „Danke mein Freund.“

Reto kam mit dem Pickup auf den „Europa Platz“ gefahren. Hinter ihm fuhr ein Krankenwagen. Kurze Zeit später kamen noch zwei Autos. Das eine war das Versorgungsauto vom Militär, da hinter ein Lkw mit Hellblauen Plastikleitungen, Wellbleche , Kanthölzer, Bretter, Dielen und 4 Hocktoiletten. Stühle und Tische in hellblau, rot und grün. Von Kindergröße bis für Erwachsene. Hannes sah Asgar mit großen Augen an. „Ich sagte doch, es kommt noch etwas. Es ist schön, dass ihr so großzügig die Betten verteilt habt, deine Frau bräuchte auch ein Zelt und Inventar für ihre Schule. Toiletten bräuchten wir auch.“ Jeder der konnte, half den großen Lkw abzuladen. Die Rohre wurden im Ort auf vier Stellen verteilt abgeladen.

Reto kam auf Asger und Hannes zu. „Respekt Leute. Mehr kann ich nicht sagen.“ In seinem Befehlston gab der den Sanitäter klare Anweisungen, welche Personen heute noch ins Krankenhaus mussten „Ihr werdet so oft fahren, wie ich es sage. Jeden Tag möchte ich fünf Fahrten ins Krankenhaus haben. Wenn ihr mehrere Personen mitnehmen könnt, um so besser. Alle Dokumente von der Einlieferung kommen als Kopie zu mir. Die Kollegen im Krankenhaus wissen dies auch.“ 20 Minuten später war der Krankenwagen mit zwei Personen auf dem Weg nach Svay Rieng.

Die Feldbetten wurden nun auf das Militär Zelt und UN Zelt verteilt. Mit den vielen Stühlen und Tische füllte sich der „Europa Platz“ sehr schnell. Noch ein Pickup kam auf das Gelände. Asgar rief Patricia zu sich. Auf der Ladefläche waren zwei große Tafeln, zwei Alu Schränke, wie einer im Haus der Eltern von Rithisak stand und Kisten mit Bücher. Kreide, Bunt- und Bleistifte. Patricia weinte bei dieser Lieferung. „Medizinische Hilfe ist wichtig, schulische aber auch. Bis UNICEF in die Gänge kommt, hast du den Kinder schon vieles beigebracht.“ „Wo hast du dies alles her?“ Fragte sie mit Tränen in den Augen „Wir waren in den Schulen fragen. Haben hier und da etwas bekommen. Die Tafeln sind von der Uni. Die Schwänke, Tische und Stühle habe ich mit dem Geld von Stephane gekauft.“ Der Bär von Asger nahm die kleine zierliche Patricia in die Arme, die gar nicht mehr aufhörte zu weinen. Die erste Schule seit über 10 Jahren in Kampang Rou wurde mit grünen Plastikstühle und roten Tischen eingerichtet. Die ersten Kinder hüpften in ihrer Schule herum und suchten sich schon ihren Platz aus.

Das Mittagessen war fertig. Es gab Reissuppe mit Koriander. Papaya, Ananas, Mango und Durian. Wobei es bei Durian nur zwei Möglichkeiten gab: Entweder man mochte diese Frucht oder man verteufelt sie. Viele schätzen sie aufgrund ihres vielschichtigen Geschmacks außerordentlich, während andere sie durch ihren Geschmack und Geruch abstoßend fanden. Der „Europa Platz “ war mit über 80 Personen gefüllt. Es war den ganzen Vormittag ein reges Treiben auf dem Platz. Nun kehrte für kurze Zeit Ruhe ein.

Die Schule war bis auf den letzten Platz mit Kinder und Menschen besetzt. Die zwei Hospital Zelte waren auch belegt.

Am Zelteingang zur Schule stand Hannes. Er hatte Patricia im Arm und schauten in die vollbesetzte Schule. „Euer Traum steht nun vor euch“ sagte Bernhard, als er auf sie beide zukam. Er umarmte Patricia und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Solche Momente musste man erst einmal auf sich wirken lassen. Vor vier Tagen überall nur Müll und Chaos, nun standen vier große Zelte auf einer Fläche, die es vor einem Tag noch gar nicht gab.

Nach dem Mittagessen wollten die Bewohner und Soldaten mit ihrer Arbeit weiter machen. Hannes zog Patricia auf die Ladefläche von dem Pickup. Er musste jetzt etwas sagen: „Bewohner von Kampang Rou, Soldaten, Freunde. Ich möchte mich bedanken für alles was in den letzten Tagen an und in diesem Ort passierte. Meine Frau und ich hatten vor sechs Monaten einen Traum. Einen Traum für Bildung an Kinder. Nun stehen wir am 10. Breitengrad dieser Erde und sehen unseren Traum vor uns in einem Militär Zelt. Ärzte die wir bis vor zwei Tagen nicht kannten, haben eine Infrastruktur aufgebaut die in dieser Geschwindigkeit wahrscheinlich einmalig auf der Welt ist! Soldaten helfen wie und wo sie können. Wir danke dem Offizier Rithisak Duy für seine Zusage an Hilfe. Wir danken allen Freunde, für das Vertrauen in uns. Kinder von Kampang Rou, neben mir steht eure zukünftige Lehrerin. Sie möchte euch Bildung und Wissen vermitteln, damit ihr eine gute Zukunft haben.“
Großer Beifall von über 80 Personen machten es Patricia und Hannes schwer, nun die Tränen zurück zu halten. Nescha kam auf Patricia zu und nahm sie in ihre Arme „Patricia, wenn du Hilfe brauchst, sag mir bescheid. Meine Mutter ist Lehrerin, ich kann dich unterstützen.“ „Sehr lieb von dir. Meine Mutter ist auch Lehrerin. Ich sollte eigentlich Humanwissenschaft und Volkswirtschaft studieren, dies wollte ich nicht. Nun werde ich Lehrerin in den tropischen Wäldern von Kambodscha.“ „Ich dachte bis eben, Hannes fährt nur Bagger. Tut mir leid.“ „Nescha, er ist der Grund warum ich hier bin. Mein Schatz macht sich nur immer so klein. Alles was ich nach dem Abitur gelernt habe, weiß ich von ihm. Glaub mir, dies ist wichtiger im Leben, als Latein zu büffeln.“
Reto kam auf dem Hospital Zelt auf sie zu „Tolle Rede, nur hast du eines vergessen, die Ärzte sind so schnell, weil du die Infrastruktur geschaffen hast. Du bist der Motor von diesem Ort und bemerkst es nicht.“ „Reto, wird er nie zugeben. Ich kenne ihn nicht anders. Trotzdem liebe ich den Klassenkasper vom Naheland.“ „Das hast du jetzt gesagt!“ „Nein, dies sagt er ständig.“ „Da ihr nun weiter über meine Person diskutiert, werde ich mal wieder an die Arbeit gehen.“ Er drückte Patricia und verabschiedete sich von Nescha und Reto.

Hannes ging durch den Ort und sah viele Veränderungen bei fast allen Hütte. Der Müll wurde weniger. Bernhard und Asger setzten mit einem Heer an Menschen Messpunkte im Ort.
Der erste Lkw mit dem Kies kam. Hannes ging zurück zum „Europa Platz“, wies den Fahrer ein, wo er kippen sollte. Der Kieshaufen war nicht mehr als vier Baggerlöffel voll. Der Fahrer müsste bestimmt noch dreimal eine solche Ladung bringen. Hannes machte den Bagger an und verteilte in wenigen Minuten den Kieshaufen. Die Fläche vor dem UN Zelt war nun bis zu der Stelle, wo die Feldküche stand ,mit kleinem weißen Kies bedeckt. Er drückte noch mit der Schaufel den Kies fester in den Boden. Dies sah doch ganz ordentlich aus. Eine halbe Schaufel brachte er an die Seite des Platzes, wo Cees und Luan mit einigen Soldaten dabei waren ein Toilettenhaus zu bauen. Keine Toilette wie man es aus Deutschland gewöhnt war, aber alles war besser als nichts.
Menschen aus sechs verschiedenen Ländern aus zwei Kontinenten arbeiteten Hand in Hand. So viele verschiedene Sprachen und trotzdem verstand man sich. Der große Lkw kam vorgefahren und Hannes sagte dem Fahrer wo er die Steine abkippen sollte. Auch dieser Lkw sollte noch einmal das gleiche an Material bringen.
Der Fahrer, der den ganze Tag den Müll zur Grube fuhr, kam zu ihm. Die Grube wäre jetzt voll. Dies dachte Hannes am Vormittag schon, dass die Kapazität der Müllgrube bald erschöpft sei. Er fuhr mit dem Bagger zur Müllgrube und hatte einen geschätzten 6-jährigen Jungen auf dem Schoß sitzen. Er ließ ihn mal diesen oder jenen Hebel ziehen oder drücken. Baggerfahren machte jedem Jungen Spaß. Er war damals im gleichen Alter, als er zum ersten mal Bagger fuhr: Einen Weserhütte Seilbagger W160.
An der Müllgrube angekommen, half er dem Jungen den Ausleger und Baggerlöffel zu bewegen um den Müll zu verdichten. Da er nun schon einmal da war, baggerte er die 40 Kubikmeter Erde aus der Grube zu einem Wall. An drei Seiten der Grube machte er diesen gute 2 Meter hoch. Den Löffel etwas schräg über den Boden ziehend, entfernte er das trockene Gras im Umkreis von 7 Meter. Wenn der Müll mal brennen sollte, hatte er Angst, dass auf einmal ganz Kambodscha brennen würde Die Bäume waren von der Müllgrube weit genug weg.
Im Ort kam ihm der Müll Lkw entgegen. Er sagte dem Fahrer, dass nun wieder Platz in der Grube sei.
Nun wollte ein andere Junge mit dem Bagger mitfahren. Also gut, wurde auch dieser Junge glücklich gemacht.
Die Ladung mit den großen Steinen verteilte Hannes mit dem Jungen auf seinem Schoß auf die Weide. Der erste Löffel machen sie auf einer Fläche von circa 10 Quadratmetern vor den Einlauf von dem Betonrohr. Der nächste Löffel kam an die ersten zwei Bäume auf der Weide. So gab es noch mehr Schutz um den Sand zurückzuhalten. Noch einen Löffel machten sie an die zwei letzten Bäume vor der Quelle. Hannes stieg mit dem Jungen vom Bagger und beide ging an die Furt und tranken dieses köstliche Quellwasser, dass keine 100 Meter weiter von ihnen aus dem Berg floss. Von diesem Punkt schauten beide ins Tal. Es waren nicht so viele Höhenmeter, aber trotzdem sah alles gut aus. Die Bäume und Steine auf der Weide gefielen ihm. Hannes wuschelte dem Jungen die Haare.

Die Kühe tranken 30 Meter unterhalb von ihnen oder lagen in dem bisschen Schatten der Bäume.
Zwei Jungtiere aus der Herde trauten sich zu ihnen. Der Junge ging ein paar Schritte zurück. „Du brauchst keine Angst zu haben. Die Kälber tun dir nichts.“

Die beiden weißgraue Kälber hatten ein paar hellbraunen Flecken auf dem Fell. Diese asiatischen Brahman Kühe waren ein Kreuzung mit dem Zebus. Sie sind viel dünner als Kühe in Deutschland. Sie haben lange Ohren, so ähnlich wie ein Basset und einen längeren Kopf. Die zwei Kälber kamen immer näher zu ihm. Hannes streichelte die Tiere, deren Schultermaß gute 80 Zentimeter sein konnte. „Du schenkst Leben für diese Natur“ sagte Asger am Vortag.Hannes wuschelte den beiden Kälber den Kopf und gab beiden einen Kuss auf die Blesse.

Nun kam der Graben zum Fischteich dran. Dort schüttete er langsam die Steine in den Graben und drückte die Steine gegen die Böschung. Nach zwanzig Metern waren die Fuhre der Steine alle. Nun konnte auch hier der Sand versickern. Bis zum Teich waren es noch gute 200 Meter und bei den bisherigen Maßnahmen war es kaum vorstellbar, dass der Sand noch in den Fischteich kam. Er sah den „Europa Platz“ von hinten und war stolz auf diesen Platz und das treiben was er aus der Entfernung sah und hörte.

Als Hannes auf dem „Europa Platz“ ankam
wurde dort immer noch gearbeitet. Reto und sein Team hatten in kürzester Zeit Ordnung in dem Chaos von ihren zwei Zelten geschaffen. Der Krankenwagen war das zweite Mal dagewesen und hatte noch drei Kisten mit Medikamente mitgebracht. Vier jüngere Frauen aus Kampang Rou wurden als Krankenschwestern rekrutiert und sie machten ihre ausgetragenen Arbeiten sehr gewissenhaft. Sie waren stolz arbeiten zu dürfen.

Zwei Soldaten hatten von der Oberirdischen Stromleitung Kabel an die Zelte gelegt. Wo auch immer die Soldaten das Kabel herkommen hatten, blieb ungeklärt. Morgen wäre in den Zelten und auf dem Platz Licht.

Patricia war in ihrer Schule und in ihrem Element. An der Tafel standen die ersten Buchstaben aus dem Alphabet. Die Khmerschrift ist von der Indischen Schrift abgeleitet. Die Schrift benutzt 33 Konsonanten, 24 Vokale und 14 Initialvokale. Die Kinder waren so eifrig beim lernen und hatten Spaß an dem Unterricht. Spielerisch und mit den Lernbücher von Asger machte Patricia einen Job, den sie nie gelernt hatte.
Hannes war so stolz auf Patricia. Bildung für Kinder konnte schon mal Tränen in die Augen bringen.

Das Toilettenhaus war fast fertiggestellt. Der Abfluss war fertig und auch schon einige Meter verlegt worden.

Die Bewohner aus den umliegenden Ortschaften hatten schon mitbekommen, dass sich in Kampang Rou etwas tat. Rithisak erklärte den Leuten, dass auch ihnen geholfen wird. Sie könnten diese oder jene Vorbereitungen schon treffen.

Hannes ging vom „Europa Platz“ nach links die Hauptstraße hoch. So weit er schauen konnte war die Piste in einem ordentlichen Zustand. Es war kein Vergleich mehr zu vorher.
Der Grader kam aus der Ortschaft Khum Nhor auf Hannes zu. Er winkte Chankrisna zum anhalten. Hannes zeigte Chankrisna, wie er die Schar von der Baumaschine noch schräger stellen konnte – soweit dies baulich möglich war. Nun sollte Chankrisna mit der rechten Seite ganz nah an den Rand der Piste fahren. Hannes zog mit der Schar eine Rinne auf den drei Kilometer zum Wald in Richtung Svay Rieng und erklärte Chankrisna auch den Grund für diese Maßnahme. Chankrisna verstand den Sinn und nickte. „Sehr schön. Diese arbeit machst du Morgen in die andere Richtung nach Khum Nhor, Khsaetr und Sama. Bei Monsun schwemmt sonst alles an Sand über die Pisten und in kürzester Zeit ist deine ganze Arbeit kaputt. Dies möchtest du doch nicht.“ „Nein, dies möchte ich nicht. Leider sind in Kambodscha viele Straßen so kaputt wie hier diese.“ „Ich weiß. Der Sand, die Hitze und der Regen sind drei große Probleme in diesem Land.“
Dieser Sand war schon eine Plage. Überall war Sand. Sand in der Luft, Sand in der Nase, Sand in den Augen und sogar in der Unterhose war dieser feine rotbraune Sand.
Am Beginn vom dem Wald drehte Hannes den Grader und ließ Chankrisna die 3 Kilometer nach Kampang Rou zurück fahren.Hannes fragen Chankrisna nach der Funktion der einzelnen Hebel und er zeigte es ihm, wofür jener oder welcher Hebel war. Der Junge lernte wirklich schnell und Hannes klopfte ihm anerkennend auf die Schulter „Sehr Chankrisna. Nun fahr zurück nach Kampang Rou.“ Hannes stand links neben ihm in der Fahrerkabine und griff bewusst nicht mehr ein. Chankrisna schaute ihn immer wieder an, wenn er dachte etwas falsch gemacht zu haben.
„Es ist alles gut. Du kannst mit der Baumaschine umgehen. Du lernst sehr schnell und hast Gefühl für die Hydraulik.“ Chankrisna strahlte und nickte leicht mit dem Kopf.

Die ersten Hütten von Kampong Rou kamen in Sicht und Chankrisna hob die Schar hoch. Mit den Hydraulikhebel stellte er die Schar quer zum Fahrzeug. „Sehr gut. Fahr den Grader die nächsten Straße links rein. Wir machen für heute Schluss.“ Hannes bedankte sich erneut bei ihm für diese gute Arbeit. Wieder strahlte der Soldat. Lob war die beste Anerkennung und gleichzeitig Motivation.
Der Tag ging so langsam zu Ende. Es würde Zeit für Feierabend zu machen. Er fuhr den Bagger von oberhalb dem Fischteich noch bis zur Kreuzung und stelle diesen hinter den Grader.

Zu Fuß ging er zum „Europa Platz“ bei der Einfahrt sah er noch die eine Ladung Kies liegen. Zurück zum Bagger, wurde er von fünf Jungen begleitet. Der nächste Junge kam auf seinen Schoß. Der kleine saß wie ein König in dem Führerhaus und war ganz stolz, dass er die Hebel bewegen durfte. Die paar Tonnen Kies waren schnell verteilen und ein anderer Junge fuhr mit Hannes zurück an die Abbiegung. Der Junge legte den großen Ausleger die letzten Zentimeter so ab, wie Hannes ihm es ihm sagte. „So, Feierabend für heute.“

Der „Europa Platz“ sah mit dem weißen Kies, der riesigen Plane als Dach und dem Toilettenhaus auf der linken Seite schon sehr ordentlich aus! Die 50 Quadratmetern große Plane sorgte für viel Schatten. Mit dem Kies vor den Zelten, war es ein völlig anderes Bild, als immer nur roter Sandboden. So wurde der Staub gebunden und bei Regen wäre nicht alles eine große Schlammfläche.

Die Kinder hüpften und liefen immer noch auf dem Platz herum, sie wollten gar nicht mehr nach Hause. Er ging in die Schule. Dort saßen immer noch ein paar ältere Kinder und konnten gar nicht genug lernen.
Auf einen der letzten Stühle setzte er sich an die Zeltwand und beobachtete seine große Liebe. Mit welcher Hingabe Patricia lehrte war schon faszinierend. Rithisak stand neben ihm, auch er schaute Patricia bei ihrer Arbeit zu „Deine Frau ist ein Engel.“ „Ich weiß. Schau sie dir an! Schau dir die Kinder an, wie glücklich sie alle sind. Rithisak, von einem solchen Moment habe ich seit Jahren geträumt. Ich danke dir für deine Hilfe.“ „ Ich habe zu danken, die Kinder, Frauen und Männer, ganze Ortschaften haben zu danken. Was ihr Europäer hier leistet, hat es in der Geschichte von Kambodscha noch nicht gegeben.“ „Dann lass uns die Geschichte neu schreiben, mein Freund.“
Hannes stand von seinem blauen Plastikstuhl auf und ging auf Patricia zu
Er klatschte in die Hände „Kinder, schluss für heute. Morgen geht es weiter. Schatz, hör auf für heute. Es gibt noch so viele Tage, an denen du all dein Wissen weiter geben kannst.“ Er nahm sie in den Arm und die Kinder klatschten ihnen zu. Mit der typisch asiatischen Verbeugung bedankten sich beide bei den Kinder.

Nach und nach kamen alle Arbeiter und Soldaten auf den „Europa Platz“. Rithisak sollte all die Soldaten in die Schule bitten, die an diesem Tag eine führende Aufgabe übernommen hatten. Asger, Bernhard, Cees und Luan nahmen auch Platz. Hannes zeichnete auf eine der beiden Tafeln den Ort auf. Er schrieb die Projekte, die an diesem Tag umgesetzt wurden auf und markiert diese auf seiner gemalten Ortskarte. Er bedankte sich bei allen für diese Arbeit. Nun sprach er noch an, was geplant war. Das Toilettenhaus war niedriger als die Klärgrube auf der anderen Straßenseite. Hier müssten Betonrohre hinter dem Toilettenhaus in die Erde, um dort vernünftige Klärgruben zu bauen. Rithisak sollte sich morgen darum kümmern. Die Soldaten, die heute das Kabel für Licht verlegt hatten, sollen morgen das dreifache an Kabel verlegen. Licht und Kabel besorgen, fiel wieder Rithisak zu. Der Lkw Fahrer mit dem kleinen Lkw sollte morgen dreimal Kies bringen. Der Fahrer von dem großen Lkw noch zwei Ladungen große Steine. Die Böschung hinter diesem Platz müsste gesichert werden. Personen zur Nachtwache für die Müllgrube sollten sich melden. Der Müll würde später angezündet werden. Die Feldküche sollte für die nächste Zeit genügend an Mahlzeiten für mehr Personen einplanen. Da der Fischteich nun in einem annehmbaren Zustand sei und das Wasser morgen über die Deichkrone trat, könnten nun Fische eingesetzt werden. Hannes sah Rithisak an, dieser nickte im zu. „Ich danke euch allen für die geleistete Arbeit.“ Er Verbeugte sich vor den Männer und Frauen, die in der Schule anwesend waren.

Am Freitag Abend 20.00 Uhr
Zum Abendessen gab es Amok – das National Gericht in Kambodscha. Viele Sorten Gemüse, Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchten, mit Kokosmilch und Curry im Wok gekocht. Asger, Bernhard, Cees, Hannes, Luan und Patricia saßen in der klimatisierten Halle. Die Frische tat sehr gut. Endlich mal ein paar Stunden keinen Staub im Essen, Nase oder Augen. Die Moskitostiche waren schon eine Qual, der feine rote Staub um ein vielfaches schlimmer. Hannes konnte sich nun denken, warum die Menschen in diesem Land fast immer nur lange Kleider oder sogar Wollmützen trugen.
Beim Essen hing jeder seinen Gedanken über diesen Tag nach. Es wurde in den Stunden sehr viel Erreicht. Mit welch einer Geschwindigkeit der “Europa Platz“ entstand, war schon atemberaubend. Der Ort sah schon besser aus, als noch vor Tagen und dies alleine durch die abfuhr von dem Müll. Wobei dieser in Kambodscha endlos erschien. Es gab kaum einen Quadratmeter wo kein Müll lag. Dies ist wahrscheinlich der Preis der Zivilisation. Selbst in Svay Rieng lag überall Müll. Was an Müll abgefahren wurde, schien ein mikroskopisch kleiner Teil zu sein. Gegenüber der Hauptstraße, der N1, war ein kleiner Bach, dass es in diesem Wasser noch Lebewesen, außer Ratten, gab, bezweifelte Hannes. Müll soweit das Auge schauen konnte. Bei Monsun schwamm der Müll weg. Die Menschen verschandelten sich dieses Land selbst. An die negativen Umweltfolgen dachte niemand. Was müsste man diesen Menschen noch alles beibringen? „Ma Chérie, an was denkst du schon wieder?“ Er sah dieses wunderschöne Gesicht von Patricia, streichelte ihre Wange. „An Umweltschutz. Bildung durch lesen und schreiben reicht nicht. Wir müssen die Kinder erreichen um ein Umdenken in dem Bewusstsein von Umweltverschmutzung zu sensibilisieren. Die Alten können wir vielleicht noch zum Umdenken bewegen, wenn diese mal sehen, wie Kampang Rou aussehen kann. Mit tut das Herz weh, wenn ich überall diesen Müll sehe.“ „Du hast recht. Dies ist wirklich ein sehr großes Problem. Es gib noch viel zu tun, packen wir es an!“ „Oui Madame.“
Luan fragte Bernhard wer von diesem Team überhaupt der Chef sei. „Er!“ Kam es zeitgleich von Asger, Bernhard und Patricia, sie schauten dabei Hannes an. „Nee! Leute, lasst mal gut sein. Ich bin nur ein kleines Licht, dass vor ein paar Tagen anfing etwas gutes zu tun. Ich bin kein Chef! Wir sind ein Team und das ein verdammt gutes! Luan, Patricia und ich waren im selben Monat in Reims zum Vorstellungsgespräch wie du. Ich bin nicht mehr wie du auch. Du und Cees könnt doch handwerklich so einiges. Wäre es möglich, irgendwie das Wasser aus der Quelle einzusetzen? Nicht nur für den Fischteich. Ich hab das Wasser getrunken und kann nicht sagen, dass es schlecht schmeckt. Morgen wird das Wasser über die Deichkrone treten. Dann läuft es hinter dem “Europa Platz“ vorbei. Es wäre eine reine Verschwendung, wenn es einfach so weiter Richtung Svay Rieng läuft. Ich kann mit dem Bagger noch ein Loch graben und große Steine hinein legen. Wie eine Art Brunnen. Nur fällt dann Müll und Dreck hinein, macht der Brunnen oder Wasserstelle wenig Sinn.“ „Wie viel Wasser läuft von der Quelle?“ „Luan, kann ich dir nicht sagen. Ich habe durch Zufall die Quelle gefunden. Es kann auch sein, dass in sechs Wochen kein Wasser mehr fließt. Wie sieht es mit Wasser in den anderen Ortschaften aus? Wenn dort die gleiche Situation wäre, wie in Kampong Rou, könnten wir dort ein Wasserbau Projekt starten, was in diesem Distrikt Einmalig wäre.“ Bernhard nickte „Darum werde ich mich kümmern. Das Militär hat bestimmt geographische Karten von diesem Distrikt. Ansonsten bleibt die Erkundung vor Ort. Jemand wird schon wissen wo es eine Wasserader gibt oder gab.“ „Ich schau mir morgen den Graben genau an. Wie weit kannst du mit dem Bagger zum Fischteich fahren?“ Fragte Luan. „Von vorne ist das kein Problem. Den Platz schaffe ich mir über die Böschung. Ich müsste sowieso irgendwie dort hin um die Steine gegen die Böschung zu bauen. Wenn in einem halben Jahr der Monsun kommt, kann es sein, dass das Wasser die Böschung ausspült und unsere Zelt im Wasser liegen.“ „Ich hätte da eine Idee. Wir bauen ein Wasserrad.“ „Ein Wasserrad?“ Kam es fast gleichzeitig aus allen Münder und jeder schaute zu Luan. „Was soll dieses Wasserrad, außer drehen machen?“
„Hannes, was kann ein Wasserrad antreiben?“ „Mühlsteine, Schleifsteine oder Mahlsteine. Ich wüsste nicht für was eines dieser drei in Kampang Rou gebraucht wird.“ „Wie wäre es mit Strom?“ Jeder am Tisch sah fragend zu Luan. „Strom? Du hast schon gesehen, dass Strom dort vorhanden ist“ sagte Asger. Luan nickte „Habe ich mitbekommen. Wenn wir es schaffen, dass Wasser über oder an dem Fischteich vorbei zu benutzen, wobei vorbei eine bessere Qualität hätte, und dieses Wasser über die Rohre zu den Häuser verlegen, hätten die Menschen schneller Wasser, als wir von Kâmpóng Trâbêk bis nach Svay Rieng es jemals verlegen könnten. Mit einer Pumpe könnten wir das Wasser vom “Europa Platz“ in jedes Haus bringen. Ich gehe mal stark davon aus, wenn wir eine Pumpe an das jetzt vorhanden Stromnetz anschließen, wird keine Funzel in irgend einer Hütte noch brennen“ Luan sah Bernhard an „du bist doch Ingenieur. Du kannst doch ausrechnen welche Pumpe gebraucht wird um das Wasser bis zum Dorfende zu pumpen.“ Asger meldete sich zu Wort „Luan, ich denke, jeder am Tisch kann dir nun folgen. Nur braucht eine Pumpe auch genügend Strom um eben jene Leistung auch zu schaffen die gebraucht wird. Jeder weiß, das eine Pumpe, die Starkstrom braucht, bei 220 Volt noch nicht einmal zuckt.“ „Getriebe oder Umlenkrollen können auch Kraft übertragen. Noch kurz zum Verständnis. Mit einem Motor kannst du eine Schwungscheibe bewegen und damit einen Generator antreiben. Dann macht eben Diesel oder Benzin Strom. Unser Motor wäre das Wasser.“ Alle am Tisch schauten zu Hannes, er sollte etwas sagen. „Was? Was schaut ihr mich alle an?“
„Sag was“ kam es fordernd von Asger. „Ich weiß nicht was. Luan hat sich schon seine Gedanken gemacht, sonst würde er dies nicht so Selbstsicher vortragen. Ich kenne durchaus die Kraft von Wasser. Nur weis ich nicht, ob das Wasser von diese Quelle dafür ausreicht? Wir können nicht ein Projekt bauen, dass viel Geld kostet und am Ende Sprichwörtlich im Sand verläuft. Luan, bist du dir sicher dies bauen zu können?“ „Ja. Im Iran war ich ein halbes Jahr bei einem solchen Projekt dabei. Dort wurde alles auf einfachste Weise gebaut. Hier haben wir Maschinen, wir haben viele Leute. Mit Cees hat das arbeiten am Toilettenhaus wunderbar funktioniert. Warum sollten wir uns nicht an ein solches Projekt wagen?“ Jeder am Tisch nickte Luan zu.

Die Schweizer kamen aus dem Krankenhaus. Den Patienten würde es schon besser gehen. Es könnte sein, dass Reto in zwei Tagen eine Operation an einem Kind durchführen müsste. Fast alle am Tisch wussten, welches Kind gemeint war. Im Auto wären für morgen auch wieder vier große Kisten mit Medikamente. „Ich habe vom Krankenhaus ein Fax an die WHO nach Genf geschickt. Wir sollten Anfangen diese Menschen zu impfen. Auch habe ich gleiches Fax an das WHO Büro für Südostasien, nach Neu Delhi, geschickt. In der Region Siam Rep hatten wir die Menschen geimpft. Hier in der Region ist eine höhere Dringlichkeit gefordert. Patricia, du warst auch noch in anderen Orten, wie ist dort die Lage der Menschen?“ Sie schüttelte den Kopf „Nicht besser als in Kampang Rou.“ „Hast du schon eine Nachricht von UNICEF bekommen?“ „Noch nicht. Am Mittwoch früh hatten wir mit Genf telefoniert, Laureen Thompson ist die Chefin von UNICEF in Kambodscha, ihr Wort hat schon einiges an Gewicht, sie erklärte die Situation, die Hattie und ich schilderten und eben auch anhand der Fotos von Hattie. Es geht einfach alles viel zu langsam. Hätte Stephane am Donnerstag nicht dieses Geld überwiesen, wären wir nur einen kleinen Schritt weiter gekommen. Hannes fuhr heute morgen für euch schon Stühle und Tische einsammeln, sonst hätten die Patienten noch nicht einmal eine Gelegenheit zum sitzen gehabt.“

Patricia lag im Bett und hatte ihren Kopf auf seiner Brust liegen. Sie sprachen noch über den Tag, als es klopfte. „Wer will so spät noch etwas von uns?“ „Tut mir leid, Chérie, durch die Tür kann ich nicht hindurch schauen.“ „Mit anderen Worten: geh mal die Tür aufmachen.“ „Oui, ma Chérie.“ Es war Nescha. „Entschuldigt bitte die Störung, ich möchte kurz mit euch sprechen und wollte dies nicht in der Runde im Hotel vorbringen.“ „Kein Problem. Komm doch herein“ rief Patricia. Auf den Blick von Hannes, der an der Zimmertür stand, antwortet sie weiter „ich denke, du musst dir keine Gedanken machen. Nescha wird schon ein Mann in T-Shirt und Unterhose gesehen haben. Komm, setzt dich doch.“
Patricia und Nescha setzten sich an den kleinen Tisch, der in ihrem Zimmer stand.
„Schön habt ihr es hier. Mein Zimmer sieht nicht so aus.“ „Ich geh mal davon aus, dass dieses Zimmer im gleichem Zustand war, wie deines. Ich habe fünf Stunden geputzt, um es in das zu bringen, was du nun siehst. Mit den Vorhängen, Bilder und neuer Bettwäsche sieht es schon ordentlich aus. Wenn du Kleider waschen möchtest, unten in dem Raum neben der Küche steht eine neue Waschmaschine. Die hatte ich am Mittwoch in Phnom Penh gekauft.“ „Das wollte ich euch eigentlich sagen. Ihr beide seid so unglaublich schnell mit allem. Ich bin das erste mal in einem solchen Einsatz. Was ihr hier in der Provinz Svay Rieng abzieht, da sind die in Siam Rep um Lichtjahre entfernt!“ „Wow. Danke. Ich bin eben so. Hannes musste mich schon öfter bremsen. Da seine Kraft schwächer ist, als meine Bremen, ziehe ich ihn eben mit. Nicht wahr mein Schatz?“ Er nickte stumm und verdrehte die Augen „Kaum zu glauben, dass ihr euch erst seit Sommer letzten Jahres kennt.“ „Ja, kaum zu glauben! Es hatte am Anfang auch ganz schön geholpert. Der werte Herr war der Meinung, ich sei ein verwöhntes Töchterchen, dass in einer Villa wohnt und nur Luxus möchte oder kennt.“ Nescha zog die Augenbrauen hoch. Patricia erzählte ihr vom zelten am Stausee im Saarland, ihrem Elternhaus, von Fréjus und noch so einiges aus den letzten sechs Monaten. „Wow! Respekt für eure Liebe! So etwas wünscht sich wirklich jede Frau. Mein Ex Freund kam nur zu mir wenn er Sex wollte.“ „Och, dafür kam meiner jedes Wochenende nach Frankreich gefahren. Nur ließ ich ihn danach nicht mehr nach Hause fahren.“
„Prinzessin, ist jetzt gut. So im Detail möchte Nescha dies gar nicht wissen!“
„Warum nicht?“ War die Antwort von Nescha. „Das mag er nicht!“ Sagte Patricia leise. „Ihr beide seid wirklich voll cool. Hier macht das arbeiten richtig Spaß. In Siam Rep haben wir so gar keinen Kontakt zu anderen. Dort arbeiten auch ein paar Ausländer. Die sind mit euch nicht zu vergleichen! Jeder macht seine Arbeit und nur nicht zu viel und schon gar nichts für andere. Glaubt mir, dort hätte uns niemand das Auto ausgeladen oder Stühle und Tische eingesammelt.“ „Dein Vater ist schon ein cooler Chef.“ „Ist er nicht“ kam sofort die Antwort von Patricia „Sondern?“
„Er sitzt in Unterhosen neben dir.“ „Schatz, ich glaube ich hab ein Déjà-vu. Lass bitte gut sein.“ „Das mag er auch nicht!“ Sagte Patricia und hatte dabei ihren bissigen Unterton in der Stimme. Nescha grinste breit „Wie lange wollt ihr hier in Kambodscha bleiben?“ „So lange es geht. Hannes hatte mir von seinem Traum an Bildung für Kinder erzählt. Nun steht ein Zelt als Schule in einem Gebiet, nah der Grenze zu Vietnam. Ich möchten Bildung für Kinder, genau so wie er. Wir möchten Menschen eine Zukunft geben. Der Anfang wurde vor einer Woche in Kampang Rou gemacht. Nur gibt es hier in dem Land kaum noch gebildete Menschen. Lehrer schon gar nicht mehr. Nach Aussage von UNICEF fehlen in Kambodscha hunderttausend Lehrer. So lange ich diese Arbeit machen kann, mache ich es auch. Hannes hat versprochen auf mich aufzupassen und daran glaube ich.“
„Entschuldigung, ich konnte dem Schluss nicht folgen.“ Patricia sah Hannes an, er nickte ihr zu. „Ich habe Leukämie…“ Nescha entglitten bei diesen Worten von Patricia sämtliche Gesichtszüge. Sie schaute zu ihm und wieder zu ihr. „Jep. Natürlich hatte ich ihm dies nicht gesagt, als wir uns kennen lernten. Ich hatte auch später Angst es ihm zu sagen. Angst ihn zu verlieren. Meine Eltern waren dagegen, dass ich jetzt hier bin. An meinem Geburtstag hatte er den größten Liebesbeweis mir, meinen Eltern, Thionville und Lothringen gezeigt – dies wirkte.“ Patricia erzählte Nescha die Aktion mit dem Feuerwehrauto. „Wahnsinn. Das ist Liebe! Euch beiden gehört der allergrößte Respekt. Patricia, Hannes, ich verbeuge mich vor euch. Da bin ich auf einem anderen Kontinent, 9200 Kilometer von zu Hause weg und lerne euch beide kennen. Euch wird noch ein Denkmal gebaut. So, ihr Lieben, nun möchte ich euch nicht länger wach halten. Die Nacht ist bald vorbei. Ich wünsche euch eine angenehme Nacht.“ „Gute Nacht, Nescha.“

Beide lagen endlich im Bett. „Schatz? Sie sagte auch angenehme Nacht…“ „Mon dieu! Fängst du schon wieder damit an!“ Und in diesem Augenblick setzte sich Patricia im Reitersitz auf ihn und fing ihn an zu küssen.


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