20 Chanel’s le prochain top mode

Teil II Kapitel 20  

Chanel’s le prochain top mode

„Ma Chérie? Komm aufstehen“ Patricia küsste ihn auf die Stirn.
„Warum soll ich nach dieser schönen Nacht zu einer so unchristlichen Zeit aufstehen?“ „Du wolltest morgens an der Seine Kaffee trinken und Croissants essen.“ „Meine Güte, dies sagte ich vor vier Jahren, ich kann mich aber nicht erinnern, dass ich morgens um viertel vor vier sagte.“ „Wir haben jetzt kurz nach sechs.“ „Ist ja fast das gleiche.“ „Jetzt komm!“ Patricia boxte ihn in die rechte Seite. „Kannst du mich nicht mit einem Kuss und streicheln wecken?“ „Hab ich gemacht! Liegst aber immer noch im Bett.“

Gemeinsam gingen beide Hand in Hand von der 35 Rue Benjamin Franklin die wenigen Hundert Meter zum Jardins du Trocadéro Park, um von diesen wunderschönen Park an die Seine zu gelangen.
Mit dem Lunchpaket vom Hotel saßen sie unterhalb vom Jardins du Trocadéro auf einer Bank an der Seine Promenade, direkt gegenüber war der Eiffelturm.
Morgens um kurz vor sieben war es doch sehr frisch, so nah an Fluss zu sitzen. Patricia hatten ihren Kopf auf seiner linken Schulter und hielt seine Hand fest „Ma Chérie, was ich mit dir alles erlebe, ist so unglaublich schön. Ich dachte die Zeit in Fréjus wäre das höchste in meinem Leben, dann kam Kambodscha. Trotz den katastrophalen Umstände hast du alles für mich getan. Unser Haus in Thailand ist wunderschön. Was ich mit dir die letzten zwei Tage erlebt habe, geht nicht mehr zu toppen.“ „Die letzten zwei Tage war es eine Unbekannte Person und gestern Ivette. Vieles hat sich doch einfach so ergeben.“
„Non! Ma Chérie, es fing mit uns auf der Fahrt nach Fréjus an. Hätte ich dich nicht getroffen, hätte ich Volkswirtschaft studiert und dies alles nie erlebt. Selbst Bagger hätte ich noch nicht gefahren. Ich liebe dich, ma Chérie. Übrigens, dass Halsband für Sangkhum ist sehr chic. Auch dies ist ein Punkt der dich einmalig macht, wer hat schon eine Kuh als Haustier? Ich freue mich Morgen auf Claude. Nächste Woche siehst du ein Kind, für das auch du verantwortlich warst. Alles in meinem Umfeld hat sich durch dich verändert. Ich bin so stolz auf dich!“ „Danke. Natürlich konnte ich mir dies auch nie vorstellen. Für den Klassenkasper war der Schritt nach Kambodscha schon groß.“ „Ich möchte nicht, dass du dies sagst! Keiner aus deiner Schule kann dir im Ansatz das Wasser reichen. Du bist kein Kasper! Du bekommst den Nationalen Verdienstorden von Frankreich verliehen!“
„Erinnere mich daran! Es macht mir Angst, wenn ich nur an den Freitag denke. Komm, wir gehen zurück. Auf dem Balkon ist es angenehmer zu frühstücken, als hier am kühlen Ufer zu sitzen.“

Die Morgensonne auf dem Balkon war um einiges angenehmer als das Ufer der Seine. Das Frühstück aus dem Hotel war schon sehr gut und alles war auch lecker, nur kam das Baguette nicht annähernd an das von Clément heran. Bei diesem herrlichen Anblick auf die Stadt sprachen sie über ihre Freunde in Frankreich, Kambodscha und Thailand.
„Ma Chérie, dir ist bewusst, dass uns in Kambodscha ein Fest erwartet, wogegen der Nationalfeiertag ein Schwarzweiß Foto ist!“
Hannes nickte stumm. Er konnte sich das, was auf sie kommen wird nicht im Ansatz vorstellen. Die Verrückten waren bestimmt schon bei den Vorbereitungen.
„Sollen wir Asger anrufen?“ „Nein. Wir lassen uns überraschen. Genauso so wie wir sie überraschen werden. Jeder von meinem ursprünglichen Team hat diese Auszeichnung mehr als verdient! Sie haben an dich geglaubt und werden mit einer Ehrennadel belohnt – sag jetzt nichts, jeder weiß wer der Motor ist, auch wenn du dies niemals siehst oder zugegeben wirst. Was hast du heute geplant?‘ „Nichts. Lass uns auf dem Balkon die Zeit genießen oder schauen, was uns einfällt.“ „Trés bien. Wir müssen heute mein Kleid abholen. Ich rufe Ivette an, wann sie uns fahren kann.“

Aus dem eigentlichen chauffieren wurde in nur zwei Tagen eine liebgewonnene Freundin.
Das Mobiltelefon von Hannes klingelte, es war Stephane. „Salut Hannes, so viel zu deiner Publicity.“ „Salut Stephane, du sprichst in Rätseln.“ „Dann geh dir mal die Zeitung kaufen.“ „Welche?“ „Egal! Hast du deinen Schockzustand von Montag überwunden?“ „Teilweise. Mich freut es sehr, dass die Organisation diese Auszeichnung bekommt. Ehrlich. Dies hast ganz alleine du erreicht!“ „Wow! Solche Worte von dir! Stehst du unter Drogen?“
„Nein. Meine geistige Schockstarre hat sich nach dem Besuch bei Coco Chanel wieder gelegt. Patricia hat sich ein rotes Kleid gekauft, welches Atemberaubend ist – auch der Preis!“ „Ich weiß.“
Hannes konnte den letzten Worte von Stephane noch einmal nicht folgen.

Alle Welt ist verrückt auf Paris und stürmt von einer Location zur nächsten. Patricia und Hannes lagen einen Steinwurf vom Eiffelturm entfernt auf ihrem Balkon in den Liegestühlen und genossen das herrliche Wetter an diesem Junitag.
Sie wurden wach, als es an der Tür klopfte. Ivette war schon da und Hannes sah sie fragen an. „Haben wir so lange geschlafen? Ich dachte Patricia hatte mit dir 16 Uhr ausgemacht.“ „Salut Hannes, schön das ihr geschlafen habt, in dieser Zeit hat sich die Welt gedreht.“ „Wobei wir wieder bei der Erdrotation wären. Komm mit auf den Balkon. Möchtest du noch Kaffee oder etwas anderes?“ „Champagner wäre gut.“ Frauen – kann kein Mann verstehen!
Ivette ging durch die Suite auf den Balkon und gab Patricia einen Kuss. „Salut, Chanel’s Topmodel oder Beauty Women im Louvre.“
Patricia sah Ratlos zu Hannes und dann zu Ivette. Um die fragenden Blicke beider aufzuklären, reichte Ivette jedem zwei  Zeitschriften.
In der France Soir war ein Foto von ihnen, als sie im Louvre waren. Der „Le Figaro“ titelte, „Chanel’s le prochain top model“. „Na, hab ich es nicht gesagt? Das ist erst der Anfang! Was…? Sprachlos, geschockt oder überwältigt?“ „Wow!“ War alles was Patricia sagen konnte.
„Jetzt verstehe ich, warum Stephane meinte, ich sollte mir eine Zeitung kaufen.“ Ivette sah beide fragend an. „Ihr habt davon nichts gewusst?“ „Liebes, wir waren heute Morgen an der Seine Promenade frühstücken und seit dem sind wir auf dem Balkon. Ja, die Welt hat sich offensichtlich weiter gedreht.“ „Ich bin verwundert über eure Reaktion! Andere würden sich jetzt überschlagen und ihr nehmt es einfach so hin, als ob es selbstverständlich sei im „Le Figaro“, „France Soir“ oder „Le Monde“ abgebildet zu sein. Diese Coolness hat nicht jeder!“ „Merci beaucoup. Liebes, wenn wir für unsere Arbeit abgebildet wären, würden wir uns freuen. Das ein Boulevardjournalist mich als Chanel’s nächstes Topmodel bezeichnet, zeigt doch, dass dieser Mensch keine Ahnung hat, was ich mache. Ganz ehrlich, es tut mir weh, dass ich auf mein Aussehen reduziert werde und nicht auf mein Können. Verstehst du dies?“
Ivette nickte. „Tut mir leid. Ich dachte ihr freut euch.“ „Das tun wir auch. Schon deine Idee mit dem Bodyguard werden wir niemals vergessen! Wir hatten gestern einen unglaublich schönen Tag mit dir erlebt. Dieser Tag ist mehr wert als jedes Foto in irgendeiner Zeitung.“
Nun lachte Ivette wieder. Patricia nahm den „Le Figaro“ vom Tisch und schaute zu Ivette. „Obwohl ich sagen muss, Hannes sieht in dem Smoking schon scharf aus.“

Die Fahrt ins 1. Arrondissement von Paris war erheblich lustiger als noch am Dienstagnachmittag. Es wurde viel gelacht über das Auftreten der „VIP’s“ im Louvre, Panthéon oder am Triumphbogen.
Ivette parkte einige Meter weiter vor der Boutique in der 31 Rue Combon.

Gemeinsam gingen sie zwei Straßen zurück zur Boutique von Coco Chanel. Patricia hakte sich bei Ivette unter und hielt Hannes die Hand. Wieder wurden alle drei von der Verkäuferin sehr herzlich empfangen.
Im zweiten Stock brachte eine Mitarbeiterin den Mitternachtsblauen Traum von Kleid. Als Patricia aus der Umkleidekabine kam, wurden nochmals Kleinigkeiten abgesteckt, die es noch zu verändern gab. Der Saum auf der rechten Seite war höher eingeschnitten als noch am Dienstag – noch mehr Eleganz!

Ivette schaute sich in der Boutique um, Hannes schüttelte den Kopf. „Non. Ivette, dein letzter Rundgang war teuer genug für mich.“ „Sorry, ich bin eine Frau. Da muss man shoppen.“ „Dann tu dies bei C&A.“

Hannes folgte Ivette an Kleiderständer vorbei und schaute sich mit ihr Kleider, Kostüme und Anzüge an. Ohne Frage waren einige wunderschöne Kleidungsstücke dabei. Andere waren an Hässlichkeit nicht mehr zu übertreffen. Ein weißes Kleid fiel ihm ins Auge, das eine Mischung aus Patricia’s Minikleid und dem Mitternachtsblauen Abendkleid war.
„Sehr chic. Wäre ein tolles Brautkleid.“
Er sah Ivette an und nickte stumm. „Hannes, was ist los mit dir? Patricia kauft ein Kleid für 21000 France und du bist ganz entspannt, jetzt stehst du vor einem Märchenkleid und kannst nicht dazu sagen. Ich denke, du würdest Patricia jeden Wunsch erfüllen. Eure Liebe ist so wundervoll, dies wünscht sich jede Frau.“ Bei diesen Worten sah er zu Boden und dann zu Ivette.
„Wie lange ist unsere Liebe so wundervoll?“ „Ich verstehe nicht.“
Hannes sah Ivette lange an. Er wusste nicht was er ihr jetzt sagt sollte.
„Patricia hat Leukämie…“ „Mein Gott!“ Hannes erzählte Ivette von seiner täglichen Achterbahnfahrt im Kopf. „Für diese Liebe von dir, würde ich euren Freund in Barcelona abholen fahren. Lass uns nach Patricia schauen, nicht dass sie noch ein Kleid kauft. Möchte nicht, dass ihr beide noch Obdachlos werdet.“

Obdachlos, dass war das Stichwort. Hannes erzälte Ivette wer diese fünf Personen sind oder waren, die in einer Woche eine Ehrennadel von Frankreich erhalten werden. „Weiß der Präsident dies?“ „Kann ich mir nicht vorstellen. Ohne Frage ist diese Auszeichnung für jene fünf Personen ein Ritterschlag. Auf jeden einzelnen von unseren Teams bin ich sehr stolz.“ „Jetzt verstehe ich auch, was Patricia vorhin mit der Arbeit meinte.“

Frau Lefévre hatte das Pfirsichfarbene Kleid an das Hannes am Dienstag schon aufgefallen war. „Et?“ „Wow! Das ist… Wow!“ „Ich bekomme auch einen Sonderpreis!“  „Okay. Dir ist bewusst, dass nun in deinem Schrank mehr Geld hängt, als unserer Haus gekostet hat?“
„Beschränke es auf die Küche, das Bad und die Treppe.“ Somit wurde jegliche weitere Diskussion über dieses Kleid überflüssig. „Ich brauche nur noch High Heels in dieser Farbe.“
Ivette grinste breit, Hannes winkte ab.
„Ich fahre euch noch zu einem Schuhgeschäft. Keine Angst Hannes, dort sind normale Preise, du kannst deine Schnappatmung wieder einstellen.“ „Ich hoffe doch sehr, dass heute dein Abendkleid fertig ist und wir nicht noch einmal in zwei Tagen in diese Boutique müssen.“ „Merci, ma Chérie.“
Die überaus nette und charmante Verkäuferin sagte, dass das Abendkleid morgen ins Hotel geliefert würde.

Ivette fuhr außerhalb vom Zentrum in eine Einkaufsmeile. Schuhe, Kleider, Handtaschen, Schuhe, Kleider und nochmals Schuhe. Ein Paradies für Frauen –  ein Folterkeller für Männer.
Dem Anstand willen folgte er den beiden Frauen. Im zweiten Schuhgeschäft klingelte das Mobiltelefon von Patricia, es war Cosima. Sie sah die Fotos von ihnen und fragte nach dem Grund des Aufenthalts in Paris. Patricia erzählte ihr so gut es eben zwischen Schuhe aussuchen, anprobieren und laufen, eben ging. Nach Minuten des Gesprächs reichte sie das Telefon an Hannes weiter. „Rede du mit ihr. Ich muss Schuhe kaufen.“ „Ich dachte bis eben, Frauen sind Multitasking.“ Zack, schon bekam er eine geboxt.
Hannes erläuterte Cosima was sie noch nicht wusste. Sie fragte, ob sie einen Artikel schreiben dürfte, der auch ihre Arbeit in Kambodscha und die damit bevorstehende Auszeichnung würdigt. „Cosima, ich vertraue dir. Du kennst uns schließlich lange genug.“ „Merci beaucoup, Hannes. Ich kann dir den Artikel vorab faxen oder per E-Mail zukommen lassen.“
„Nicht nötig. Wir vertrauen dir.“ „Danke. Du bist richtig sexy in dem Smoking.“ „Bei Patricia war es wuschig! Au revoir Engel aus dem Orient.“

Nach dem fünften Schuhgeschäft wurde Madame Lefévre endlich fündig und so konnte die Rückfahrt angetreten werden.
„Ich möchte euch heute zum Essen einladen. Ihr beide seid dermaßen cool, dass ich mich auch gerne erkenntlich zeigen möchte. Da ihr beide gerne Fisch esst, würde ich das Calife empfehlen. Es ist ein Restaurant auf einem Schiff in der Nähe von Pont Neuf. Ist das in Ordnung für euch?“ Beide nickten.

Das Calife war ein Ehemaliger Binnenfrachter mit einem wunderschönen Ambiente. Alte Holzplanken auf dem Boden, gemütliche kleine Tische direkt an den Außenseiten von dem Schiff an denen man einen herrlichen Blick auf die Seine und die Barocken Gebäude der Stadt hatte. Ivette war wirklich eine sehr angenehme Person, so gab es wieder sehr gute Themen an diesem Abend.

Um kurz vor Mitternacht saßen beide beim Weißwein auf den Balkon und betrachtete den Eiffelturm in seinem leicht weißen Licht.
„Ma Chérie?“ „Hmmm?“ „Wir haben ein so schönes Haus in Thailand aber keinen Balkon.“ „Wir haben auch nicht dieses Panorama.“ „Cees und Luan…?“ Hannes riss vor Entsetzen die Augen auf. „Sag das denen noch! Wir können froh sein, dass wir kein Wasserrad oder Windmühle im Garten stehen haben. Die Verrückten bauen uns noch den Eiffelturm in den Garten.“
Patricia grinste und gab ihm einen Kuss. „Wir haben so viel in Kambodscha erreicht und sind nun alle weit verstreut.“ „Ja, Prinzessin. Dies ist der Nachteil von unserer Arbeit. Back to the roots. Daher auch einmal im Jahr unser Fest in Kampong Rou. Dort sind die Wurzeln von uns allen. Wo wird uns diese Arbeit an Menschen noch hinführen? Wir haben mit unseren 23 Jahren mehr erreicht, als andere in ihrem ganzen Leben nicht.“ „Ja. Und das sogar ohne Abitur. Siehst du, niemand hat in all den Jahren nach deiner Schulbildung gefragt. Komm, lass uns ins Bett gehen, heute wird es bestimmt wieder spät.“

Am Samstagmorgen rief Patricia zu Hause an und erzählte von den letzten zwei Tage. Zu ihrem Erstaunen hörte sie, dass jeder in Thionville die Zeitungen gekauft hatte. In der Stadt gäbe es nur ein Thema.

Um 11 Uhr brachte ein Page das mitternachtsblaue Kleid in die Suite. Nun hing dieses sündhaft teure Kleid an einem Kleiderbügel am Schrank. Mit diesem Kleid wird Patricia der First Lady, Danielle Mitterrand, beim Staatsbankett den Rang ablaufen.
Es dauerte nicht lange als es wieder klopfte, hämmerte und bollerte. Es konnte nur Claude sein. Hannes öffnete die Tür einen Millimeter und in Bruchteilen von Millisekunden war diese Sperrangelweit aufgeschlagen. Claude packte Hannes und in gleicher Millisekunde spürte Hannes den Boden nicht mehr unter sich. „Du verrückte Deutsche Kartoffel! Von wegen Taxi! Ich sah euch im „Le Figaro“! Mein Freund Hannes bekommt den Ordre national du Mérite! Du deutsche Kartoffel.“ „Ja. Limousine ist auch ein Taxi. Ja und ja. Würdest du mich bitte runter lassen und aufhören dich zu drehen, dann könnte ich in ganzen Sätzen antworten.“

Ivette stand in der Tür und war am Grinsen. Nach dieser Claude typischen Begrüßung war nun Patricia an der Reihe.
Claude machte einen Kniefall vor ihr und gab Patricia einen Handkuss. „Ich hab´s immer gewusst, du bist die Beste aus unserer Klasse. Du bist die Königin!“ Claude sah nach rechts an den Kleiderschrank. „Ist dies dein Kleid für nächste Woche?“ „Hallo Claude, ja ist es. Schön das du da bist. Wir wollen gleich das Mittagessen bestellen, was möchtest du essen?“
Knödel und Gulasch konnte die Küche auf Anhieb nicht anbieten, so wurde es Rumpsteak und Pommes. „Dann sagst du Deutsche Kartoffel zu mir? Du isst mehr Kartoffeln als ich. Du bist ne Marke. Ich denke, dass ich dir Ivette nicht mehr vorstellen brauche.“
„Non. Claude hat so viel von sich und euch erzählt, wenn die Fahrt länger gewesen wäre, wären wir wahrscheinlich in eurer Kindheit angelangt.“
Hannes zog die Schultern hoch. „Claude eben. Trotzdem mag ich diesen Verrückten. Kommt, wir gehen auf den Balkon.“

Es tat Patricia und Hannes sehr gut, dass Claude bei ihnen war, auch wenn er so einige Peinlichkeiten von Hannes Ivette erzählte.
Ivette legte noch einen Stapel Magazin auf den Tisch, in denen sie beide abgebildet waren. Claude kannte von jedem Magazin die Überschrift von dem Foto oder sogar Fotos.
„Ich bin sehr sehr stolz auf euch! Habt ihr schon den Artikel von Cosima gelesen?“ Beide schüttelten den Kopf. Claude erzählte Ivette auch ihre Freundschaft und Verbindung zu Cosima Schayani.
Patricia las den überaus sehr guten Artikel von Cosima über die Arbeit von Hannes bei der ODHI in Kambodscha, den Aufbau der Schulen und ihre beider Arbeit bei UNICEF.
Sie reichte die Zeitung an Ivette. „Dies hatte ich gestern gemeint. Auf einen solchen Artikel bin ich stolz. Nicht weil sie eine Schulfreundin von mir ist, sondern weil der Artikel unsere Arbeit in den Vordergrund stellt. Nun können wir Champagner bestellen.“

Claude und Hannes konnten Champagner nichts abgewinnen, so wurden zwei Flaschen Rosé Wein bestellt. Nun musste Patricia doch noch diese Peinlichkeit der beiden Herren, von Weihnachten 89 im Super Marché in Yutz sehr detailliert erzählen. Danach lachten alle am Tisch. Mit guten Gesprächen, Claude und Ivette am Tisch verging der Nachmittag wie im Flug.

Um 19 Uhr fuhr Ivette von der 35 Rue Benjamin Franklin ins 11. Arrondissement von Paris zum Favela Chic, einem Lounge-Club mit mexikanischer Küche. Bei Burritos und Enchilada kam Patricia auf die südostasiatische Küche und sie diese doch weit vor der mexikanischen Küche bevorzuge.
Am Abend wurden Cocktails getrunken und Billard gespielt. Später am Abend wurde es im Favela Chic so voll, dass man sich entschlossen hatte ins Hotel zufahren und lieber gemütlich auf dem Balkon die gemeinsame Zeit verbringen möchte.

Da es von Samstag auf Sonntag doch wieder sehr spät wurde, kam Claude erst gegen 10 Uhr zu ihnen in die Suite. Zu dritt frühstücken sie auf dem eleganten Balkon und alle drei waren der Meinung, dass das Baguette von Clément Weltklasse sei. „Backst du noch Brot in Thailand?“
„Natürlich! Mittlerweile sind wir jedes Wochenende in Khorat, so bleibt auch Zeit zum backen. Patricia macht in die Hälfte vom Teig Kräuter hinein. Dies ist auch eine sehr leckere Variante. Nur die Croissants bekommen ich nicht so hin, wie Clément. Diese macht aber Patricia mittlerweile sehr gut.“
„Was machst du nun nach deinem Studium?“ Fragte Patricia. „Ich bleibe an der Uni. Mal schauen wie es weitergeht. Eigentlich hatte ich Geologie unter einem ganz anderen Vorwand angefangen zu studieren, die Deutsche Kartoffel hatte mir damals einen anderen Blickwinkel gezeigt.“ Patricia nickte Claude zu und gab Hannes einen Kuss. „So ist er eben. Yvonne kommt am Montag uns besuchen, auch ihr zeigte Hannes einen anderen Blickwinkel.“ „Cool. Yvonne würde ich auch gerne wieder sehen.“ „Dann bleib noch eine Nacht hier.“ „Patricia, dass ist lieb von dir. Ich möchte dies nicht. Das Zimmer für mich kostet euch schon genug Geld.“
Hannes schüttelte den Kopf. „Es ist nicht so teuer – ehrlich. Ich hatte mich auch auf einen exorbitanten Preis eingestellt. Bleib noch bei uns. Wir sind Freunde und sehen uns so selten.“

Am Montag um 9.36 Uhr rollte der Regionalexpress Lyria 9210 von Dijon im Gare du Nord auf Bahnsteig 17 ein.
Claude, Patricia und Hannes warteten auf Yvonne und Louise. Yvonne fiel Patricia sofort um den Hals und hatte Tränen der Freunde in den Augen. „Mein Gott, bist du chic!“ Waren die ersten Worte von Yvonne, als sie sich von Patricia löste.
Patricia hatte das pfirsichfarbene Kleid an. „Salut Claude. Schön dich wieder zu sehen. Warum bist du in Paris?“ „Salut Yvonne, frag die verrückte Deutsche Kartoffel.“
Yvonne sah zu Hannes und nickte. Sie kam zwei Schritte auf ihn zu, umarmte ihn fest und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Salut Hannes, lange nicht gesehen. Schau, dies ist Louise.“
Hannes betrachtete diese schöne kleine Mädchen in dem Sportbuggy und nahm es auf den Arm. Er gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Hannes hatte Tränen in den Augen. „Bereust du es?“ „Keine Sekunde! Hannes, keine Sekunde! Danke für alles. Es ist nicht leicht mit Studium und Kind – aber es geht. Du hattest so recht, was du damals an der Saarschleife sagtest.“

Die kleine Gruppe ging zu den Bahnsteigen für die Metro und fuhren ins 7. Arrondissement, dort wo der Eiffelturm steht, und spazierten durch den Champ de Mars.
Yvonne war die ganze Zeit über am reden, wie ihr Leben sich mit und durch Louise veränderte hatte.
Am Monument des Droits de l’Homme –  Monument der Menschenrechte, saßen sie auf einer Parkbank.
„Monument des Droits de l’Homme. Wie passend! Hannes, ist es Absicht das wir hier sitzen?“ „Nein, Yvonne. Zufall. Natürlich bin ich über deine Entscheidung für Louise dankbar.“ „Wäre ich doofe Kuh nur schon früher zu euch gekommen, ich hätte mir viel Kummer erspart.“ „Liebes, es ist doch alles gut. Als Hannes mir in jener Nacht von eurer Unterhaltung erzählt hatte, weinte ich. Ich weinte vor Freude über deine Entscheidung und über einen wunderbaren Menschen. Oft denke ich, wie wäre mein Leben geworden, wenn wir uns damals nicht am den Bostalsee getroffen hätten.“ „Du hättest Hannes nicht getroffen und ich wahrscheinlich Louise nicht.“ „Und ich nicht eine so coole Deutsche Kartoffel als Freund.“ „Genau! Jeder ist zufrieden. Ich bin auch glücklich über diese Freundschaften zu euch. Sollen wir ein Restaurant suchen oder im Hotel zu Mittag essen?“ Alle waren für das Hotel.
Hannes trug Louise auf dem Arm. Er wünschte sich so sehr ein Kind.

„Wow! Das ist chic!“ Waren die Worte, als Yvonne das Mitternachtsblaue Kleid in der Suite hängen sah. „Ist das wirklich von Coco Chanel? Darf ich fragen was es gekostet hat?“ „38000 France.“ Yvonne riss die Augen auf. „Patricia! Du gibt so viel Geld für ein Kleid aus?“ „Nein! Das Kleid wurde bezahlt. Wir wissen nicht von wem.“ Das Erstaunen bei Claude und Yvonne stand ihnen ins Gesicht geschrieben. „Das ist nicht dein ernst?“ „Doch, Liebes, ist es. Ich habe mir zwei Kleider gekauft die schon teuer waren, aber so etwas wie dieses Kleid würde ich mir nicht leisten. Wir wissen nur den Preis, aber nicht wer es bezahlt hat. Ich tippe auf meine Eltern. Nur weiß ich nicht, ob sie wirklich so viel Geld ausgeben würden. Irgendwann werden wir wissen, wer dieses Kleid bezahlt hat.“
„Unglaublich. Zieh es bitte an.“ „Ja, bitte. Ich möchte dich auch in diesem mega Kleid sehen. Die Deutsche Kartoffel kann auch den Smoking anziehen. Wenn wir schon bei euch sind, wollen wir euch auch als erstes damit sehen.“ „Claude, schau in den Magazinen. Da siehst du mich.“
Beide hörten nicht auf zu nerven, bis Patricia und Hannes nachgaben.

„Ihr beide seid das Traumpaar! Meine Güte, seid ihr chic!“ Sagte Yvonne vor lauter Bewunderung. „Schade, dass wir euch am Freitag nicht so sehen können. Patricia, du musst dir für den Freitag die Haare noch richtig schön machen.“ „Quatscht. Die Haare sind doch in Ordnung.“
Yvonne kramte in ihrer Handtasche und steckte Patricia die Haare hoch. Mit der Bürste hier und da noch etwas gekämmt und gezupft. „Schau dich an. Du bist in diesem Kleid die Göttin. Deine Haare müssen dann auch perfekt sein. Patricia, ich komme am Wochenende zu euch und style dich.“ „Yvonne…“ „Nein! Wir sind Freunde. Ich komme am Freitagmorgen wieder nach Paris. Ein Zimmer im Hotel wird für Louise und mich bestimmt frei sein. Patricia, dies ist das mindeste was ich für euch tun kann!“
Yvonne fing an zu weinen. Patricia sah Ratlos zu Hannes, er zog die Schultern hoch. „Okay. Wir sind Freunde und auf den Ordre national du Mérite hin werden wir am Samstag feiern. Claude, komm auch am Freitag. Hannes kann sich um die Zimmer kümmern. Nein, Claude, du musst nicht mit dem Kopf schütteln, ich möchte auch dir etwas zurückgeben. Du und Hannes seid so gute Freunde, dies macht mich stolz! Ich möchte die Jahre in der Schule nun nachholen und dir auch etwas gutes tun. Es war der Wunsch von Hannes dich nach Paris einzuladen und mit einer Limousine abzuholen, ohne auch nur daran zu denken was es kostet stimmte ich zu.“

Yvonne ließ sich nicht davon abhalten, ihr Zimmer selbst zu bezahlen. Na gut, dachte Hannes, als sie an der Rezeption die Zimmer buchten. Ihr Vater hatte schließlich genug Geld. Auf dem Weg zu Suite 421 nahm Yvonne die Hand von Hannes und hielt ihn fest. Sie sah ihn lange an bevor sie sprach.
„Du bist ein wunderbarer Mann, Patricia kann sehr stolz auf dich sein! Ich habe leider zu lange gebraucht um dich wahrzunehmen. Sei mir nicht böse. Seid unserem Gespräch an der Saarschleife sehe ich dich mit ganz anderen Augen.“
„Ich bin nicht böse auf dich. Ich hätte dich damals vorm Haus Lefévre einfach ignorieren können, was hätte dies gebracht? Nun ist alles so lange her und was war ist vergessen. Ich bin froh, dass du dich für Louise entschieden hast. Deine damaligen Gedanken hätte ich dir nie verziehen! Patricia ist froh, dass du da bist, Claude und ich auch. Meine Freunde kamen vor drei Jahren noch nicht einmal zu meinem Geburtstag nach Frankreich. Das du am Wochenende wieder kommst, zeigt mir unsere Freundschaft.“ „Ich finde es toll, wie ihr euch um Claude kümmert.“
„Danke. Vielleicht sind wir heute so gute Freunde, weil ihr mich damals nicht beachtet habt oder mit mir nicht zurecht gekommen seid – obwohl wir kaum ein Wort zusammen gesprochen hatten. Claude wollte sich selbst ein Bild von mir machen, dass Resultat ist eine wunderbare Freundschaft.“
Yvonne sah zu Boden. „Ich weiß. Ich bin heute auch froh auf unsere Freundschaft.“ Hannnes streichelte ihre Wange. „Ich auch.“

Gegen Abend fuhren die Freunde nach Hause und Patricia saß mit Hannes auf dem Balkon. Zum Abendessen bestellten sie Fisch und Weißwein auf Suite 421.

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