4 Die Bergpredigt von Kampong Rou

Teil II Kapitel 4

Kampong Rou / Phnom Penh
Die Bergpredigt von Kampong Rou

Mittwoch 17.1.1990


Im Hotel gab es zum Frühstück Reisbrei. Dies ist ein sehr dickflüssiger Brei und beinhaltet neben einem Ei, Fleisch und Gemüse noch Koriander oder Ingwer. Hannes mochte dieses Frühstück. In Deutschland kennt man Frühstück mit Brot oder Brötchen. Was in Asien als Brot bezeichnet wird, ist eine Pampe aus Mehl, Salz und Wasser. Mit viel Phantasie konnte man den Geschmack von bekanntem Brot erahnen. Es gibt sogar Brot mit kleinen frittierten Streifen Schweinekrusten im Teig.
Wer auf ein solches Rezept kam, hatte definitiv keine Ahnung wie Brot in Deutschland oder Frankreich schmeckte. Dann doch lieber den leckeren Reisbrei der um ein vielfaches besser schmeckte.
Da Hannes den Küchenchef in der Kantine der UN bekniet hatte, war auch endlich guter Kaffee zum Frühstück kein Problem mehr.

Asgar, Bernhard, Hannes, Hattie und Patricia saßen beim Frühstück in dem kleinen klimatisierten Raum und besprachen, wie es nun weiter gehen sollte. Spät am Abend hatte Stephane noch Bernhard angerufen, um ihm wenigsten ein paar kleine Informationen zu geben. Es wäre eine Resolution für Kambodscha in arbeit, die United Nations Transitional Authority in Cambodia, kurz UNTAC genannt, mehr wüsste er bis jetzt noch nicht. Er würde aber diese Woche noch nach New York anrufen um genaueres zu erfahren. Mit dem UN World Food Programm in Rom hatte er schon telefoniert und würde auch dort mit den Verantwortlichen am nächsten Tag alles weitere besprechen. Mit schneller medizinischer Versorgung hätte Stephane noch keine Lösung. Viele Organisationen hätten in den letzten Jahre ihre Arbeit in Kambodscha völlig eingestellt. Die Gelder für ihren Einsatz in der Provinz Svay Rieng würden vom Französischen Staat bereitgestellt werden. Stephane könnte darüber auch erst im lauf des nächsten Tages genaueres sagen.
„Wow! Stephane kümmert sich. Ist doch schon mal gut. Hoffe nur, uns läuft die Zeit nicht davon. Ich würde sagen, Patricia fährt Hattie nach Phnom Penh und schaut was sie die nächsten Tage erreichen kann. Am Flughafen müssen noch de Groot und Bernasconi abgeholt werden. Asger und ich machen dort weiter, wo wir gestern aufgehört haben. Und was machst du, Bernhard?“ „Ich werde die Idee von Asgar aufgreifen und beim Militär in Svay Rieng anfragen. Mehr als ein nein kann ich nicht bekommen.“ „Wie und wer fährt zum Flughafen?“ Fragte Asger. „Patricia ist in Phnom Penh. Dann sollen die beiden eben eine Nacht in Phnom Penh schlafen. Ich denke das ist in der Kaserne der Blauhelm Soldaten kein Problem. Ansonsten gibt es auch Hotels in der Stadt. Es reißt uns nichts raus, ob die beiden heute oder morgen kommen. Wir alle haben Mobiltelefone. Die Kommunikation ist gesichert. Es würden auch Sinn machen den kleinen Bagger von der Baustelle mit nach Kampong Rou zu bringen. Hannes kann unglaublich viel mit dem Bagger arbeiten, aber für die kleinen Rohre zu verlegen, sind 26 Tonnen definitiv zu groß.“ Sagte Bernhard. „Eine Frage hätte ich noch, wie erkennt Patricia de Groot und Bernasconi?“ Patricia sah Asger an, als ob in diesem Moment eine Ufo landen würde „Asger, ich denke das ich auf einem asiatischen Flughafen zwei Europäer erkennen werde.“

Nach dem Frühstück machten sich Hattie und Patricia auf den Weg nach Phnom Penh. Sie hatte noch eine Tasche gepackt, denn sie wüsste nicht wie lange sie in der Stadt bleiben müsste um alles zu klären.
Asger und Hannes fuhr mit dem dritten Pickup zur Tankstelle noch 200 Liter Diesel kaufen, Hannes füllte in der Zeit, die Asger die zwei Fässer auf der Ladefläche tankte, drei Tonkrüge mit Wasser. Endlich kühles Wasser zum trinken. Er kaufte an einem Obststand gegenüber der Tankstelle noch vier große Wassermelonen.
Auf der Baustelle erklärte er dem anderen Baggerfahrer, wo er mit diesem hinfahren sollte. Der Caterpillar 215 brauchte dringend eine Wartung, die wahrscheinlich noch nie durchgeführt worden war. Der Ausleger war etwas ausgeschlagen und das Fahrwerk müsste gefettet werden.

Hannes rief nach Deutschland an. Sein Vater konnte ihm bestimmt ein paar Tipps zu diesem Bagger sagen. Durch die Zeitverschiebung von Kambodscha nach Deutschland war sein Vater noch nicht auf der Arbeit. Seine Mutter nahm sehr erschrocken das Gespräch an, so früh würde ja niemand bei ihnen anrufen. Hannes erklärte seinem Vater den Bagger, Typ und Baujahr. Während sein Vater ihm dies und jenes erklärte, schraubte er bereits an Motor-, Diesel- und Hydraulikpumpe. Nach gut einer Stunde Telefonat war Hannes schon etwas wohler. Es müssten an dem Bagger alle Öle getauscht werden. Solche Kleinigkeiten waren in Deutschland überall zu beziehen, in Kambodscha könnte es ein Abenteuer werden. Zwei Hydraulikschläuche machten ihm auch ein paar Sorgen.
Vibol, der Baggerfahrer, schaukelte den Kettenbagger von der Baustelle die 5 Kilometer bis nach Kampong Rou.

Patricia rief an und sagte, dass sie in Phnom Penh angekommen sei und würde nun beim Nachrichtendienst des US Militär die Fotos von Hattie entwickeln lassen. Anschließend würde sie sich mit Laureen Thompson treffen. „Meine Güte, Patricia! Du bist beim Geheimdienst?“ „Hast du eine bessere Idee?“ Hannes wusste nicht was er ihr antworten sollte.

Als Asger und Hannes nach Kampang Rou kamen, schauten sie sich die heutige Arbeit an. Es macht Sinn, wenn ich von der Kreuzung an in Richtung aufzuräumen. Sonst wird mir der Weg mit dem hin und her fahren zu weit.“ „Okay. Da brauchst du mich nicht dabei zu haben. Ich werde das Aufmaß von Bernhard mir anschauen und schon einige Vorarbeiten machen.“

Wo Hannes mit dem großen Baggerlöffel hin kam, zog er den Müll von den Hütten weg. Vibol war nicht gerade eine Unterstützung für ihn. Dieser Mann konnte oder wollte die Ratschläge von Hannes nicht annehmen. Nun war der Bagger eben schon mal da. Die Dorfbewohner waren fast alle in der Nähe der beiden Bagger. Sie schaufelten, trugen oder rechelten mit allen Gegenständen die sie hatten, oft sogar mit bloßen Händen den Müll und Unrat an die Straße. Nach und nach verwandelte sich diese Müllhalde in einen Zustand – der zwar immer noch Chaotisch, aber respektabel war. Mit dem riesengroßen Baggerlöffel planierte er hier und da den Boden vor und neben den Häuser, drückte Bäume zur Seite die umzustürzen drohten.
Er baggerte einen völlig versandeten Fischteich rechts der einen abgehenden Straße aus, zog mehrere Kubikmeter Schlamm und Dung von einer Kuhweide – soweit man ein Schlammfeld und verdorrtes Gras als „Weide“ bezeichnen konnte. Wo kam der Schlamm her? Bei 34° Celsius im Schatten, machte ihn der Schlamm stutzig.
Unter den Augen einer Herde Brahamrinder ging er über die „Weide“ in Richtung Wald den Hügel hinauf. Bei einer Backofen Temperatur war dies eine wirklich blöde Idee von ihm. Sein T-Shirt und Shorts klebten an ihm, wie auf die Haut getackert.

Nach Endlosen 400 Meter konnte er es kaum fassen – Wasser! Aus dem Wald kam klares Wasser! Er grub mit den Händen an der Quelle, wo das Wasser aus der Erde kam, es war keine große Menge an Wasser – aber es lief stetig. Hannes freute sich wie ein kleines Kind an Weihnachten über diese Banalität. Er rief Bernhard an, dies musste er ihm unbedingt erzählen. Durch dieses Wasser gab es nun ganz andere Möglichkeiten für diesen Ort.
Hannes ging die 400 Meter zurück zum Bagger. Dort waren unterdessen Frauen und Männer beschäftigt den Müll von den Häusern weg zu tragen und alles was ging in die große Schaufel vom Bagger zu werfen. Er sprach mit den Männer aus dem Ort, ob sie wüssten bis wohin das Wasser lief. Ein Mann von wahrscheinlich 40 Jahren stellte sich ihm als Rangsey vor, er würde es ihm gerne zeigen. Von der Kuhweide an, gingen sie über die Piste auf die andere Seite. Dort sah er nun auch ein Betonrohr unter der Piste. Der Graben danach war nur noch Schlamm, bis zu dem Fischteich, den er vor einer Stunde entsandet hatte. Danach war es ein Rinnsal das nach 150 Meter nicht mehr zu erahnen war. Der Sand war das Problem! In den Jahren wurde vom Hügel her, immer mehr Sand ins Tal geschwemmt. Das Betonrohr war so voll, dass sich das Wasser auf die Weide zurück staute und dort versickerte. Der Graben bestand nur noch aus Schlamm und der Tropfen der im Fischteich angekommen war, brachte keinen Sauerstoff mehr, so waren irgendwann alle Fische verendet.

Hannes rief Asger an, er sollte mit Vibol und dem kleinen Bagger die zweite abgehende Piste nach links hoch fahren. Er bräuchte den anderen Bagger. Nach 15 Minuten war Asgar und Vibol an der Stelle, die Hannes ihm über das Telefon sagte. Mit dem Fahrwerk von dem kleinen Bagger fuhr Hannes über den ehemaligen Wassergraben bis zum Fischteich. Von dort an zog er mit dem Baggerlöffel den Schlamm und Dreck so weit rückwärts bis er an dem Betonrohr war. Mit Hacke und Schaufel hätten die Männer Tage, sogar Wochen dafür gebraucht, wofür er mit der Baumaschine eine halbestunde brauchte. „Wie willst du das Betonrohr frei bekommen. Man kann zwar darin knien, du kannst aber keinen Menschen daran stellen, der das Rohr leer zu schaufeln.“ „Asger, hast du schon mal etwas von „Abfluss-Frei“ gehört?“ Der Seebär nickte. Konnte Hannes aber nicht folgen was er damit meinte. „Das gleiche machen wir jetzt auch. Da vorne den Baum fällen wir jetzt, legen ihn hier an den kleinen Bagger und schwupps ist der Baum auf der anderen Seite.“ „Was immer du sagst – mach es. Ich kann es mir zwar vorstellen, nur weiß ich nicht, ob dies auch funktioniert.“

Mit dem großen Baggerlöffel machte Hannes rechts der Straße das Betonrohr so weit frei, dass der Sand im Rohr in die Senke rutscht, die er eben gebaggert hatte. 30 Meter vom Bagger stand ein Baum, den Hannes zuvor schon ausgesucht hatte.
Er fuhr den Bagger so nah wie möglich an den Baum, in 5 Meter Höhe schwenkte er den Baggerlöffel gegen den Baumstamm und drückte den Ausleger nach rechts. Der Baum neigte sich durch die unbändige Kraft von dem Bagger nach rechts. Es dauerte keine zwei Minuten da lag der Baum waagerecht auf der Erde. Die Männer aus dem Ort die dies sahen, waren von der schier endlosen Kraft von dem Bagger überwältigt. „Tsssss, tsssss, tsssss.“ Hörte Hannes immer wieder. Mit dem Baggerlöffel rollte er den Baum die 30 Meter zurück zum Betonrohr. Durch das ständige drehen über die Piste wurde die Wurzel und Äste immer kleiner. Trotzdem war am Betonrohr angekommen, die Wurzel und Ärzte noch zu groß. Mit dem großen Baggerlöffel drückte Hannes den Baum etwas fester auf den Boden, mit dem kleinen Bagger bearbeitete er die Wurzel, entfernte noch ein paar Äste am Stamm. Nun hatte die Wurzel den Umfang, wie er es sich wünschte. Mit dem großen Baggerlöffel legte er die Wurzel mit samt dem Baumstamm, vor den Ausgang von dem Betonrohr. Asger gab ihm Zeichen, wie weit nun die Wurzel links, rechts, hoch oder runter vor das Betonrohr musste. Dann legte Vibol den Baggerlöffel von dem kleinen Bagger leicht auf den Stamm, damit dieser nicht abbrach, wenn Hannes den Baum durch das Rohr drückt. Zentimeter für Zentimeter drückte er den Baum in das Rohr. Langsam und mit sehr viel Gefühl. Wenn der Stamm brechen würde, hätte er ein Problem dass er auf jeden Fall vermeiden wollte. Immer wieder stieg Hannes vom Bagger und schaute sich sein “Abfluss-Frei“ an. Die Hälfte war die Wurzel mit Baum schon im Rohr. Vibol bewegte den Ausleger so, wie Hannes es ihm zeigte. „Nur nicht durchbrechen! Nur nicht durchbrechen!“ Sagte er zu Vibol. Langsam merkte Hannes immer mehr Widerstand von dem vielen Sand im Rohr. Er drehte den Oberwagen um 180° und fuhr auf die andere Seite von dem Betonrohr. Dort kam schon Sand aus dem Rohr heraus. Er drückte den Sand, Schlamm und Matsch weg. Drehte den Oberwagen wieder zurück um den Baum weiter ganz vorsichtig Stück für Stück durch das 6 Meter lange Rohr zu drücken. Der Schweiß lief ihm in die Augen, was nicht unbedingt an der Hitze lag. Wenn seine Idee missglückte, hätte er nichts erreicht. Wieder den Oberwagen drehen und nochmals Schlamm auf der anderen Seite entfernen. Noch gute 2 Meter, dann wäre die Wurzel auf der anderen Seite.
Immer mehr Menschen standen um die Bagger herum und schauten sich dieses Spektakel an.
Der Baumstamm wurde nun auch immer dünner und Hannes musste sehr vorsichtig sein, um nicht mit den großen Zähnen vom Baggerlöffel den Baum zu spalten.
Die Männer, die um die zwei Bagger standen und dies alles Beobachteten, klatschten und jubelten, als der Sand auf der anderen Seite heraus kam. Die Wurzel war auf der anderen Seite angekommen.
Nun wollte er den Baumstamm noch einmal durch das 6 Meter lange Betonrohr zurück schieben. „Asger, dies hier war ein Kindergeburtstag. Nun muss der Stamm noch einmal durch. Ich nehme dem kleinen Bagger und du musst mir wieder genaue Angaben machen. Der Löffel ist gerade 25 Zentimeter schmälert als das Betonrohr. Ich muss so weit kommen, damit ich den Baumstamm auf der anderen Seite besser ziehen kann.“ Asger nickte.

Da Hannes vom Fahrerhaus das Rohr nicht sah, war er auf die Anweisungen von Asger angewiesen. Zentimeter für Zentimeter drückte er den Baumstamm zurück. Natürlich wollten die Dorfbewohner dies auch alles sehen und sprangen vor und neben dem Bagger herum. Die Anweisungen von Asger waren sehr präzise und so konnte Hannes bis auf zwei Zentimeter an das Betonrohr heran kommen.
Hannes ging auf die andere Straßenseite und schaute sich den Baumstamm an. Er war noch sehr dünn. Asger gab auch hier bis auf zwei Zentimeter die Anweisungen. Langsam zog Hannes den Baumstamm aus dem Rohr. Das Holz fing an sich zu spalten und Asger rief sofort zum Anhalten. Die großen Zähne am Baggerlöffel hinterließen ihre Spuren in dem Stamm. Nochmals bis auf zwei Zentimeter an das Betonrohr und langsam die Schaufel bewegen. Das Holz knirschte und der Stamm riss weiter ein. „STOP!“
Sofort lies Hannes die Hydraulikhebel los. Alle umstehenden Leute sahen zu Hannes in die Fahrerkabine und dann zum Baumstamm. Es war plötzlich eine Totenstille. „Asger, ich muss so nah wie möglich an das Betonrohr, um den Stamm zu packen. Ein Meter brauche ich, dann wird der Baumstamm dicker.“ „Versuch dein Glück“ Asger gab ihm Zeichen. Noch 10 Zentimeter, 5 Zentimeter, 2 Zentimeter. „Stopp!“ Behutsam bewegte Hannes den Hydraulikhebel für den Löffel. Zentimeter für Zentimeter schob er den Baumstamm zurück. Der Stamm wurde dicker und Hannes steuerte den Baggerlöffel wieder ganz nah an das Betonrohr. Nochmals gab Asger die Zeichen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam die Wurzel zum Vorschein. Nochmals den Baumstamm mit den Zähne packen und die Wurzel lag vor dem Betonrohr. Ein großes gejubelt brach aus.

„Ich bin beeindruckt! Ich hätte nie gedacht, dass dies funktioniert.“ „Ich auch nicht, Asger, ich auch nicht. Wäre der Baumstamm abgebrochen, hätten ich ein großes Problem gehabt.“ Asger, schlug Hannes seine rechte Bratpfannenhand auf die Schulter „Wenigstens bist du ehrlich.“ „Lass uns noch den Hügel hoch zur Quelle fahren, damit endlich wieder Wasser kommt.“

Beim hoch fahren zu der Quelle, machte Hannes eine Furt in leichten Schlangenlinien für das Wasser. Bei einer Löffelbreite von 1,80 Meter war es schon eher ein Bachlauf, als ein Furt. 20 Zentimeter machte er diese tief. Es sollte ja nur das Wasser in einer vernünftigen und vorgegebenen Richtung den Berg hinunter laufen. In regelmäßigen Abständen von 30 Meter hörte er auf mit der kleinen Furt auf und fing einen halben Meter danach wieder an. Da er nicht wusste, wie viel Wasser aus dieser Quelle kam und nicht in vier Wochen alles wieder von vorne gemacht werden müsste, baute er so natürliche Bremse für das Wasser. An der Quelle machte er einen größeren Auslauf, drückte die Erde so fest es mit der Hydraulik und dem Gewischt vom Baggerlöffel ging. Das Wasser lief über die Erde in einem Rinnsal schon am Löffel vorbei.
Hannes drehte den Oberwagen um 180° und fuhr den Hügel hinunter zur Piste.
Jeder aus dem Dorf war auf den Beinen. Kinder, Frauen, Männer, Alte. Alle schauten den Hügel hoch und warteten auf das Wasser. Die Kinder liefen am Bagger vorbei den Hügel hoch. Sie sprangen und hüpften in der Furt wo gerade das Wasser war. Bei den kleinen Erdbremsen, die er eingebaut hatte, staute sich das Wasser. Nach einiger Zeit sprangen die Kinder weiter den Hügel hinunter. Noch 200 Meter bis zum Betonrohr. Hannes schaute den hüpfenden Kinder in der Furt zu, die immer näher kamen. Er weinte. Asger nahm ihn in die Arme „Mein Freund, ist dir bewusst, was du getan hast? Du schenkst Leben! Wir schauen zu Berg und sehen Wasser kommen. Wasser für diese geplagten Menschen, für die Tiere, für die Fische, für diese Natur.“ „Amen! Das war die coolste Bergpredigt die ich gehört habe.“ Asger lachte laut auf und drückte ihn so fest an sich, dass er kaum noch Luft bekam. Die Menschen um sie herum weinten, klatschten und jeder gab den beiden Europäer die Hand oder verbeugte sich nach asiatischer Art vor ihnen.
Das Wasser kam! Gott im Himmel, was für ein Moment!

Bernhard kam um 14 Uhr in Begleitung mit einem Mann in Militäruniform auf die Menschengruppe zu. Asger sagte ihm, was schon alles geschafft wurde. Das mit dem „Abfluss-Frei“ konnte Bernhard gar nicht glauben. „Hannes mein Sohn, dir werden in der Humanitären Hilfe sehr bald viele Türen offen stehen! Ich bin unglaublich stolz auf dich! Was macht Patricia?“ „Danke für deine Worte. Bernhard, es war reiner Zufall. Ich hatte im Fischteich den ganzen Sand heraus gebaggert und machte auf der Weide den Schlamm weg. Ich hatte nur eine Eingebung in dem Moment: Bei 34° Celsius konnte ich mir Schlamm nicht erklären. Das war der ganze Zauber. Patricia war heute früh mit Hattie beim US Geheimdienst die Fotos entwickeln lassen. Ja – so habe ich auch geschaut! Deine Tochter rockt das Ding! Wer ist dein Begleiter?“ „Das ist Rithisak, er kommt aus diesem Ort und ist Offizier beim Militär in Svay Rieng.“ „Chomreabsuor rea Rithisak. Khnhom kuchea Hannes“ und reichte ihm die Hand.

Rithisak war sprachlos was er in seinem Heimatort an Veränderung sah. Bernhard hätte ihm nur die Hälfte erzählt. Mehr konnte Bernhard am Morgen auch noch nicht wissen. Rithisak ging mit ihnen und einem Pulk von Menschen durch den Ort. Er schüttelte oft den Kopf und konnte nicht glauben, was sich in so kurzer Zeit verändert hatte. Rithisak lud die Gruppe zu seinem Elternhaus ein.

Es war eine Hütte mit Betonpfosten an den Seiten und in der Mitte vom Haus. Zwei Wände waren mit dünnen Zement Steinen gemauert, die anderen zwei Wände mit Holzbretter die nicht auf breite gesägt waren. So konnte man durch die Ritzen in der Wand nach draußen in Richtung Wald schauen. Der Dach war aus Wellblech. Die wenigen Fenster mit Holzrahmen und dünnem Glas. Ein Raum war das Schlafzimmer. Auf einer Erhöhung aus Holz lagen Decken. Der Kleiderschrank war eine gespannte Leine quer durch den Raum. Das Bad hatte immerhin eine typische französische Hocktoilette und einen riesengroßen Tonkrug gefüllt mit Regenwasser. Dies war das Wasser zum duschen und zur Toilettenspülung. Der andere Raum war die Küche. Ein Gaskocher, einen Topf und einen Küchenschrank aus zwei Millimetern starken Aluminium Profile. Der Schrank hatte sechs Türen die oberen drei Türen Glasscheiben. Der Boden in der Hütte war gestampfter Lehm. Strohmatten lagen auf dem Boden um dem Schmutz etwas zu entkommen.
Rithisaks Eltern konnten 40 oder 70 Jahre alt sein. Es war unglaublich wie verbraucht und ausgezehrt diese Menschen waren. Die Mutter von Rithisak macht für die Gäste Klebereis und Omelett mit Hähnchenfleisch.
Es brannte Hannes auf der Zunge, nach dem Alter seiner Eltern zu fragen. Dürfte er diese Frage stellen? Beim Essen wurde über die Veränderung in dem Ort gesprochen und was noch geplant sei. In Kampang Rou, wie auch in den fünf umliegenden Dörfer.

Das sich nun durch das Wasser eine neue Lebensqualität einstellen wird und es dadurch die Möglichkeit gäbe, einen Platz anzulegen, wo die Bewohner Wasser entnehmen könnten, sei ein wichtiger Schritt in der Versorgung der Menschen. Der andere Punkt war das erhebliche Probleme mit dem Müll. Dieser sollte nun in die davon gesehene Grube am Ortsrand kommen. Auch wurde die Planung für einen Abwasserkanal vorgestellt und sobald es dafür Gelder gäbe, würde dies auch so schnell wie möglich realisiert werden. Ein Lkw wäre auch sehr gut, so könnte viel mehr geschaffen werde, als nur mit dem Bagger. Auch wurde angesprochen, was Patricia zur Zeit in Phnom Penh an Anstrengungen unternahm, für medizinische Versorgung und das hier in der Region eine,- oder sogar mehrere Schulen geplant seien, diese Federführend unter der Leitung von Patricia.

Rithisak hörte allen Punkten aufmerksam zu und nickte immer wieder betätigend. Er erklärte den drei Europäer warum es in diesem Distrikt so schlimm sei und warum es kaum Hilfe gibt. „Wir sind hier an der Grenze zu Vietnam. In all dem Chaos unter der Roten Khmer Herrschaft kam es immer wieder zu Gebietsansprüche von Vietnam. Zu oft wurden Waffen eingesetzt, Dörfer verwüstet und viele Menschen erschossen. Im Westen war Thailand viele Jahre der Feind. Kambodscha war und ist immer noch der Spielball dieser Staaten. Es wurde vor zwei Jahren in Paris ein Abkommen von Vietnam und der UN unterzeichnet, dass eine Waffenruhe einzuhalten sei und Vietnam alle Truppen aus Kambodscha abziehen sollte. Dies ist erst vor einem Jahr auch umgesetzt worden. Trotzdem kommt es immer wieder zu Überfällen von der Roten Khmer, die von Vietnam aus operieren. Das ganze Land liegt am Boden und der Genozid von vor 12 Jahren brennt immer noch nach. Wer will Kambodscha schon helfen, wenn es fast nur noch ungebildete Menschen gibt? Wer will einem Land helfen, in dem es politisch keine Stabilität gibt?“ Darauf konnte Bernhard gleich Antworten „Ich weiß, dass es eine UN Resolution für Kambodscha geben wird. Wie diese aussieht, kann ich jetzt noch nicht sagen. Die Bemühungen der westlichen Welt werden aber bald konkret. Vor zwei Wochen gab es eine Sitzung des UN Sicherheitsrats. Es wird mit Hochdruck an Pläne für Hilfe und Aufbau gearbeitet. Rithisak, was ich dir eben gesagt habe, ist alles noch geheim und nicht spruchreif. Meine Tochter tut was sie kann um so schnell wie möglich Ärzte in dieses Gebiet zu bringen. Wir alle tun was in unserer Macht steht. Wir sind aber nur eine Handvoll Leute.“ Rithisak nickte „Ich habe es gesehen und auch von den Leuten gehört.“ „Heute hatten wir von vielen Leuten aus dem Dorf Unterstützung. Mit bloßen Händen haben die Frauen und Männer den Müll von ihren Häuser weg gemacht, sodass ich mit dem Bagger diesen greifen konnte. Rithisak, was du sagtest, dass keine Hilfe kommt, ist wirklich ein Umstand der abgeschafft werden muss. Nur sind diese Menschen auch krank durch Müll, Unrat und Fäkalien. Daran arbeiten wir. Wir brauchen aber auch Hilfe – nicht nur ihr. Gemeinsam können wir vieles schaffen. Aber eben nur gemeinsam. Du hast gesehen, was sich in ein paar Tagen mit nur drei Männer und einem Bagger ändern kann! Andere Orte brauchen auch Hilfe. Wenn wir Kampang Rou helfen, aufzuwerten und verbessern, bringt es in den anderen Ortschaften vielleicht ein Umdenken und mehr Hilfe zur Selbsthilfe.“ „Hannes, dass ist alles richtig was du sagst. Ich habe gesehen was ihr gearbeitet habt, ich möchte euch unterstützen, nur kann ich dies nicht allein entscheiden. Ich werde mit dem Hauptmann reden, wenn es sein muss auch mit dem Major. Es gibt Hoffnung für diese Region, dann sollten wir diese jetzt auch alle nutzen.“ „Dankeschön. Noch etwas: wir brauchen eine Verbindungsperson zur Koordination, wir brauchen Steine für die Gräben, damit beim nächsten Monsun nicht wieder der ganze Sand im Tal liegt. Wir brauchen Baumaschinen für die Straßen. Der Bagger kann schon einiges, aber nicht alles. Wenn diese Infrastruktur gegeben ist, können Fahrzeuge diese Ortschaften viel besser erreichen. Meine Frau will wieder Schulen einführen, dafür brauchen wir Unterkünfte, in welcher Art auch immer. Du hast es schon angesprochen, dass die Menschen kaum noch Bildung haben. Die Rote Khmer hat dieses Land ins Mittelalter katapultiert, wir müssen anfangen den Analphabetismus zu stoppen. Das wichtigste ist aber, dass wir Leute bekommen, die auch anpacken können und mit an der Veränderung und Zukunft für Kambodscha stehen.“

Asger, Bernhard und Hannes fuhren Rithisak um 18 Uhr zurück nach Svay Rieng in die Kaserne. Hannes bat um eine Führung durch die Kaserne. Wenn das Militär bereit wäre zu helfen, wollte er vorab wenigstens sehen, welche Geräte überhaupt zur Verfügung stehen würden. In einem Bereich der Kaserne standen Lkw, Radlader und sogar zwei Planierraupen aus ostdeutscher und russischer Produktion. Es war nicht gerade das, was man unter richtigen Baumaschinen verstehen konnte – aber besser als gar nichts.

Am Abend rief Patricia an und sagte, dass sie Bernasconi und de Groot abgeholt hätte und diese nun in einem Hotel in Phnom Penh wären. „Ma Chérie, ich habe heute sehr viel erreicht! Laureen war von den Fotos sehr geschockt, sie hatte einige Telefonate geführt und mir ein Treffen mit einer Schweizer Organisation ermöglicht. Nach der Fahrt vom Flughafen traf ich mich beim Ministry of Civil Service mit den beiden schweizer Ärzte. Sie sind mit ihrem Team in der Provinz Siam Reap eingesetzt. Zum Glück waren sie noch nicht weg gefahren. Sie sahen die Fotos und haben beschlossen sofort zu kommen. Schatz, die haben den Pickup voll gepackt mit Medikamenten und Notfallversorgung. Bei mir auf dem Autodach ist ein Schnellbauzelt der UN und sechs Feldbetten. Mit dem Gepäck von Bernasconi und de Groot ist das Auto voll bis unters Dach. Wie gut, dass die Waschmaschine schon im Auto war. Wir kläre Morgen mit UNICEF ab, in wieweit ich Unterstützung durch Lehrer bekommen kann. Wir werden diese Nacht noch mit UNHCR in Genf telefonieren. Wir hatten heute über den Tag keinen Ansprechpartner bekommen. Morgen früh um 9 Uhr haben wir eine Telefonkonferenz. Und bei euch so?“

Hannes erzählte was heute gearbeitet wurde, dass ihr Vater einen Militär Offizier gefunden hatte, der Morgen abklären wird, wie konkret Unterstützung geleistet werden könnte. Die Frage nach der Waschmaschine ersparte er sich. Patricia hatte schon einen Grund dafür. „Schön, ich bin stolz auf dich. Muss Schluss machen, habe gleich ein Treffen mit einem sehr netten Offizier von der DIA.“ „Du hast was…!?“ „Ma Chérie, wer kann Nachrichten und Fotos schneller um die Welt schicken als der Geheimdienst? Wie war das mit Bitten und Betteln? Wir haben alle Hilfsorganisationen, jede Unterorganisation der UN, die ich kenne, angeschrieben. Salut mein Schatz, je t’aime.“

Am Donnerstag gegen 11 Uhr klingelte das Mobiltelefon von Hannes. Es war Patricia „Salut mein Engel, wo bist du?“ „In Kampong Rou. Dein Vater ist auch hier.“ „Wunderbar, wir fahre jetzt in Phnom Penh los. Schatz, sieh zu das du bis ich komme eine gerade Fläche von 1500 Quadratmeter hinbekommst. Wichtig ist erst einmal nur 12×14 Meter. Bis gleich. Au revoir, mon bien-aimé.“

Hannes konnte sich denken, für was diese Fläche sein sollte. Nur für 1500 Quadratmeter Fläche zu bearbeiten brauchte es doch etwas mehr, als zweieinhalb Stunden. Also suchte er eine Fläche in der Nähe der Straße mit Schatten und Zugang zu Wasser. Es kam eigentlich nur ein Gelände unterhalb vom Fischteich in Frage. Dieses war mitunter auch schon fast eben.

Der Bagger quietschte die Piste Richtung Ortsmitte, mittlerweile hatten sich die Hunde an den Bagger gewöhnt – oder gaben es auf das Monstrum anzubellen. Nach der vierten Hütte drehte er das Fahrwerk nach rechts und fuhr zwischen zwei Hütten durch. Er wollte noch ein paar Bambusbäume auf der Fläche umknicken, als ihm die Idee kam, den ganzen Bambushein auszugraben um diese an einer anderen Stelle zu platzieren.
Mit dem riesigen Löffel stellte der zwei Quadratmeter große Bewuchs kein Hindernis dar. Das unebene Gelände Querfeldein in Richtung Fischteich waren für den 26 Tonnen Bagger kein Problem. Hannes legte den Bambushain gegen die Böschung, stach mit dem großen Baggerlöffel hinter den Damm in die Erde und drückte diese etwas zurück. Dann griff er den Bambushain und setzte ihn ins Wasser, drückte mit dem Baggerlöffel die Erde noch etwas fest. Nun konnte der Bambus wachsen und bald wäre auch genügend Schatten für die Fische in dem Teich vorhanden.
Das frische Wasser aus der Quelle floss langsam durch dem Graben in den Fischteich. Mit dem Baggerlöffel schaufelte Hannes noch gute 100 Kubikmeter altes brack Wasser aus dem Teich. Drückte auf der Krone die Erde etwas ein, damit das Wasser später vernünftiger abfließt konnte. Beim zurück fahren zu der Fläche die er noch zu bearbeiten hatte, zog er mit aufgelegten Baggerlöffel eine vernünftige Sohle für den Ablauf von dem Wasser und schuf so noch einen Bachlauf.

Nun müsste er noch die gewünschte Fläche für Patricia vorbereiten. Er rief Bernhard an, dass dieser mit Asger die Fläche abstecken und vermessen sollte. Die Fläche sollte schließlich plan sein.
An dem unteren Stück der Fläche was sehr uneben, dort fingen sie an, die gewünschte Fläche für Frau Lefèvre vorzubereiten und zu begradigen. Die Erde die auf dieser Fläche zu viel war, schaufelte Hannes an die Böschung zwischen diesem Platz und dem Fischteich.
Die Hälfte der Fläche war bearbeiten, als er Patricia bei ihrem Vater stehen sah. Hannes ging zu ihr und gab ihr einen Kuss. Sie boxte ihn gegen den Oberarm „Warum noch nicht fertig? Salut mein Süßer.“
„Prinzessin, auch wenn es hier wie ein Sandkasten aussieht, es braucht doch etwas mehr Zeit. Ich hab dich auch lieb.“
Eine Gruppe von sechs Leuten kam auf sie zu. Patricia stelle ihnen die Leute vor. Die beiden Ärzte waren: Liun Schneider und Reto Lamesch. Sie hatten sogar zwei Krankenschwestern dabei: Mareile Iten und Nescha Hefti.
Liun war 26 Jahre, war von Typ her wie Hannes. 1,76 Meter groß, normale Figur und hellbraune kurze Haare. Reto war 46, hatte gleich Größe wie Bernhard, schlank und schwarze mittellange Haare. Mareile war 28 Jahre, rötliche lange Haare. Große, schmale Figur und Sommersprossen. Sie sah irgendwie wie die Rote Zora aus. Nescha war gleich alt wie Patricia und Hannes. Sie war etwas größer als Patricia, hatte fast gleiche Figur. Ihre hellblonden Haare waren zu einem Pagenschnitt geschnitten.
Nun lernte Hannes auch Cees de Groot und Luan Bernasconi kennen. Cees war ein richtiger Niederländer, blonde Haare, groß und etwas Übergewichtig. Luan hätte mit seinen Rastazöpfe und Hautfarbe der Zwilling von Bob Marley sein können. Alle sechs Leute konnten deutsch. Da heißt es immer englisch sei die Weltsprache.

Patricia machte sich mit den vier Schweizer sofort auf den Weg zu den Menschen, die am schnellsten Hilfe brauchten. Ihre Dokumentation war jetzt genau richtig und ersparte den Ärzten und Krankenschwestern sehr viel Zeit.
Cees und Luan luden das Zelt vom Dach des Pickup’s ab. Feldbetten, Planen, Gaskocher, Töpfe und noch so einiges mehr war unter dem Planegestell des Pickup’s verstaut. Hannes war beeindruckend, was die kleine Patricia alles in dieses Fahrzeug gestopft hatte! Mit fünf Mann stand das große weiße Zelt von der UN sehr schnell. Das Zelt war riesig! 8 x 12 Meter. Asger und Cees teilten mit den Planen das Zelt in drei Teile. Vier Feldbetten kamen in einen größeren Teil, zwei in den kleineren. Mehr konnte man jetzt nicht tun.

Patricia kam mit den vier Schweizern zurück und war sehr erfreut, als sie sah, dass ihr Zelt stand und auch schon soweit eingerichtet war „Männer, ich bin stolz auf euch! So hatte ich es mir vorgestellt. Nun noch das andere Auto ausräumen und dann geht’s los.“ „Jawohl Frau Lefévre, wir eilen!“ Als Hannes an ihr vorbei ging um an den anderen Pickup zu gehen, boxte sie ihn „Komm her mein Schatz, bekommst auch einen Kuss.“

Reto und Liun entluden den Pickup und sagten, wo sie was im Zelt haben möchten. Sie hatten sogar eine Camping Toilette dabei!
Mareile war für den Operationsbereich zuständig und half mit, ihre Geräte, Boxen und Materialien so zu stellen, wie es für sie günstig war. Es wurde unglaublich schnell gearbeitet. Alle die anpackten, waren Profis! Hannes dachte an einen Wohnungsumzug von einem Freund vor einigen Jahren. Zwischen dem hier und jetzt und dem was mal war, lagen Welten dazwischen. Niemand wusste damals wo welche Kisten oder Möbel hingehörten. 12 Personen standen sich oft im Weg, weil sie keinen Plan hatten, wohin was kommen sollte oder einige der Helfer noch nie einen Umzug gemacht hatten. Hier wusste jeder wie es ging! Jeder Handgriffen sitzte. In einer Dreiviertelstunde war das Zelt voll eingerichtet. Nun waren 8 x 12 Meter gar nicht mehr so riesig. Hannes sah die 6 Betten und schüttelte den Kopf. 6 Betten, für all die kranken Menschen war wie eine Flasche Wasser für eine Fußballmannschaft.

Hannes sah das professionelle arbeiten von Reto und seinem Team. Reto hatte auf der Liste von Patricia schon viele Notizen gemacht und Nummern zu den Namen geschrieben. Eine Stunde nach dem Aufbau wurden die ersten 6 Personen abgeholt und auf dem neu entstandenen Gelände medizinisch Versorgt.

Hier konnte Hannes nicht mehr viel ausrichten, so machte er das, was er konnte – baggern und Müll einsammeln. Sein Mobiltelefon klingelte. Es war Bernhard, er sollte doch bitte zum Zelt kommen. Hannes sah Rithisak auf dem Platz vor dem Zelt stehen und winkte ihm zu. Ein kräftiger Mann in Uniform stand bei Patricia und Reto. Es war der Major der Kaserne von Svay Rieng. Die beiden Militärs konnten diese Atemberaubende Geschwindigkeit nicht fassen. Einige Dorfbewohner, darunter auch der Vater von Rithisak, erklärten zum Xten mal, dass vor zwei Stunden auf dieser Fläche nur Wiese war. Reto konnte ein fast perfektes khmer, er gab in diesem Moment auch die Richtung vor. Der Major hatte noch nicht einmal die Chance für einen Widerspruch.

Mit Asgar, Bernhard, den beiden Militärs, Patricia an der Hand von Hannes und einige Dorfbewohner, ging eine Gruppe von Menschen durch den Ort. Bernhard sagte und zeigte den Militärs, was bis jetzt in Kampong Rou schon alles erreicht wurde. Bernhard oder Hannes erklärten, was noch an Material für welche Projekte gebraucht würde und hofften auf die Unterstützung vom Militär. Nach zwei Stunden Rundgang, war die Gruppe wieder am Zelt. Reto erklärte dem Major den Gesundheitszustand von den sechs Personen, wovon vier in einem äußerst kritischen Zustand seien und diese eigentlich sofort auf eine Intensivstation in ein Krankenhaus müssten! Er gab dem Major auch eine Liste an Medikamenten die er in den nächsten zwei Tagen bräuchte, sonst würden Menschen sterben. Der Major nickte und nickte. Verabschiedete sich und versprach, dass Morgen schon Unterstützung kommen werde. Rithisak sollte noch zwei Vertrauenspersonen aus dem Ort für die Betreuung der Patienten in der Nacht suchen.

Es war kurz vor 19 Uhr, als der ganze Tross nach Svay Rieng aufbrach. Im Hotel wurden noch sechs zusätzliche Zimmer verteilt. Nach einer Stunde traf man sich zum Essen. Nun war auch mehr Zeit um sich kennenzulernen.
Reto hatte bis vor drei Jahren eine eigene Praxis in Zürich gehabt, dann kam die Scheidung. Seine Frau wollte zu viel und er hatte alles verloren. So ging er für ein halbes Jahr zu Ärzte ohne Grenzen, seit zwei Jahren arbeite er für eine Schweizer Organisation und seit dieser Zeit auch in Kambodscha. „Reto, warst du bei Ärzten ohne Grenzen in Kriegsgebieten?“
„Warum fragst du dies? Ich habe noch nicht erzählt wo ich war. Ja, Hannes, ich war in Kriegsgebieten: Nigeria und Sudan um genau zu sein. Trotzdem erstaunt mich deine Frage.“ „Wer so arbeitet, so schnell organisiert und sich in einer verdammt kurzen Zeit einen Überblick der Lage zu verschaffen, hat unter Hochdruck gearbeitet. Respekt für dein unglaublich schnelles Denken und Handeln.“ „Danke.“

Liun hatte sein Medizinstudium im letzten Jahr abgeschlossen und fand in der Schweiz keine Anstellung als Arzt – oder nicht in seinem Fachgebiet. Durch einen Studienkollegen kam er zu der Organisation und kam letzten Oktober zu Reto in sein Team. „Ich habe in der kurzen Zeit bei Reto mehr gelernt als andere in ihrem Leben nicht lernen werden“ sagte er in die kleine Internationale Runde.
Mareile war im OP- Bereich eines Berner Krankenhauses und musste aus allem einfach mal weg. Ihr Verlobter hatte zahlreiche Affären neben ihr gehabt und ihr einen Berg Schulden hinterlassen. Über Liun kam sie zu der Organisation und ist mit ihm im Oktober nach Kambodscha gekommen.
Nescha kommt aus der Schweiz und möchte in München Medizin studieren und warte auf einen freien Studienplatz. Da dies an den Unis Jahre dauern kann, wollte sie schon Vorkenntnisse sammeln. Reto sei dafür der beste Lehrer.
Cees hatte mit Anfang 30 die Nase voll von der Spießigkeit der Gesellschaft. Er ging vor fünf Jahren nach Marokko und hatte dort für ein dreiviertel Jahr als Handwerker hier und da gearbeitet. Es ging für ihn weiter nach Algerien, Mali bis schließlich Nigeria. In Nigeria traf er vor zweieinhalb Jahren Mitarbeiter von ODHI. Seit Juli letzten Jahres ist er mit Bernhard zusammen in Kambodscha. Mit dem Projekt in Cău Strung Melch hatte er auch zum ersten Mal asiatischen Boden betreten.
Luan ist mit 20 aus der Schweiz nach Griechenland gereist, dort über die Türkei, Iran, Pakistan bis nach Indien. Er hatte immer mal als Tagelöhner gearbeitet und wollte die Welt umrunden. In Neu Delhi hörte von ODHI in Reims und deren Projekte. Er bewarb sich im Oktober letzten Jahres und nun sei er hier.
Patricia, Hannes, Bernhard und Asger stellten sich auch der Gruppe vor.
Zehn Lebensläufe von dem jeder einzelne großen Respekt verdiente. Sie alle waren keine Träumer, die mal eben das Abenteuer suchten. Sie alle standen für humanität.

„Bei all dem Chaos vorhin in Kampong Rou, hätte ich eine Frage: Dort wo jetzt das Zelt der UN steht, war dieser Platz vorher nicht vorhanden?“ „Nein. Reto, der Platz war nicht vorhanden. Patricia rief mich heute vormittag an, als sie in Phnom Penh los fuhr. Ich sollte einen Platz von 1500 Quadratmeter planieren. Wichtig wäre aber erst einmal 12 x 14 Meter. Ich konnte mir aber denken, was sie vor hatte. So suchte ich einen Platz mit Schatten und Wasser. Das Wasser wird wahrscheinlich in zwei oder drei Tagen über die Krone vom Fischteich treten und dann hinter dem Zelt in 4 Meter Entfernung vorbei fließen. Bernhard und Asger hatten das Gelände nivelliert. Hätte ich nicht noch einen Bambushain umgesetzt, wäre ich fertig geworden. Ich habe ja von der Chefin schon meine Abmahnung bekommen.“ Jeder in der Runde grinste bei dem letzten Satz von Hannes. „Meine Güte, ihr seid der Hammer.“
Asger musste die Aktion „Abfluss-Frei“ der Runde noch erzählen. Dafür bekam Hannes sehr ungläubige Blicke.

„Wie du vorhin mit dem Major umgesprungen bist, da gehört schon einige dazu“ sagte Bernhard respektvoll an Reto gerichtet. Jeder in der Runde nickte anerkennend. „Wir alle in dieser Runde sind Europäer. Wir Denken und Handeln europäisch. Unsere ganze Infrastruktur funktioniert nur aus diesem Grund. Ja, ich gab dem Major noch nicht einmal Zeit zum Denken! So läuft es aber. Wir helfen diesem Land auf die Beine, dafür bestimmen wir aber auch die Richtung und Geschwindigkeit. Natürlich hat den Major die Infrastruktur von dem Ort, dies in einer unglaublich kurzen Zeit, beeindruckt. Ich hatte lediglich darauf noch etwas Druck gemacht. Handeln jetzt hier und sofort. Nicht erst einmal schauen und überlegen. Nein. Gleich die Marschgeschwindigkeit vorgeben. Ihr habt die Vorarbeit geleistet und so geht es jetzt auch weiter.“ Hannes brachte nun seine Gedanken über die Ethnologie und Anthropologie vor. „Hannes, stimmt alles was du sagst, nur muss man auch bei der Anthropologie schon mal mit der Faust auf den Tisch schlagen. Verwechsle bitte nicht Infrastruktur mit Kultur.“ Reto wusste von allen am besten, wie es zu laufen hatte. Dies gefiel Hannes, bei ihm konnte er noch vieles lernen.

Es wurde mal wieder sehr spät, bis alle im Bett waren, diese Gruppe passte hundert prozentig zusammen. Mit diesen Leuten konnte etwas bewegt werden. Patricia sprach im Bett noch über die Telefonkonferenz mit dem UNHCR in Genf. „Warum mit UNHCR? Die Bewohner in den Ortschaften sind doch keine Flüchtlinge.“ „Diese Frage stelle ich auch Laureen. Es ist eine Politik die wir nicht immer verstehen. Unter dem Status als Flüchtlinge sind andere Gelder möglich. Ich hoffe, dass die Fotos und Dokumentationen etwas bewirken. Ich habe in dem Text die Situation so gut geschildert wie es ging. Hannes, wir brauchen Hilfe!“ „Ich weiß. Jeder tut was er kann. Dein Vater, Asger, du, Hattie, wir alle leisten unglaublich viel. Ich hoffe bei Gott, dass dies nicht wie ein Kartenhaus in sich zusammen bricht. Reto scheint mir sehr kompetent zu sein. Solche Leute mal zehn, dann könnten wir diesen Distrikt um 180° drehen. Nun mal etwas ganz anderes. Konntest du dir vor fünf Monate vorstellen eine solche Aufgabe überhaupt in Betracht zu ziehen?“ „Non, non ma Chérie, konnte ich mir nicht vorstellen.“ „Was haben deine Freundinnen an deinem Geburtstag geprahlt, was sie wo studieren werden. Du hast in dieser kurzen Zeit mehr erreicht, als die es wahrscheinlich jemals in ihrem Leben nicht schaffen werden.“ „Ist richtig. Nur hast du eines vergessen…“ er sah sie fragend an „…dich! Was du geschafft hast, ist um vieles mehr.“ „Was hab ich geschafft? Außer gebaggert hab ich nichts getan.“ „Genau. Du könntest mich ja auch mal wieder anbaggern.“ Diese direkte Art von ihr, war schon gewöhnungsbedürftig.

Die Runde beim Frühstück konnte kaum internationaler sein. Aus fünf europäischen Länder hatten diese zehn Personen nur ein Ziel: Helfen.
Beim Frühstück fanden alle zu Gruppen zusammen: die „Jugend“ und die „Alten“. Es war eine unglaubliche Stimmung an diesem Morgen, die Motivation jetzt und hier etwas für die Zukunft zu gestalten, war spürbar. Es gab Gespräche über internationale Zusammenarbeit, über Gelder von Organisationen, die Hannes noch nie gehört hatte. Reto kannte sich mit der Struktur der UN sehr gut aus. Bernhard klebte förmlich an seinen Lippen. Dies hier war bei weitem eine Nummer größer als eben mal 170 Kilometer Wasserleitungen zu verlegen.

Asger hatte Cees und Luan in seinem Auto. Sie fuhren zur Tankstelle ein Fass Diesel kaufen. Sie sollten auch noch zwei der größten Tonkrüge kaufen, die sie finden konnten. Zwanzig Plastikstühle und sechs Tische gehörten auch noch zur Bestellung. Wenn Asger oder den beiden anderen noch etwas einfallen sollte, was gebraucht würde, sollten sie es kaufen.

Stephane Dilbert hatte am Donnerstag einen sehr ansehnlichen Betrag auf die National Bank of Cambodia überwiesen.
Bernhard fuhr bei Reto und Liun im Auto mit. Ihr Ziel war an diesem Morgen das Svay Rieng Provincial Hospital. In der Nacht kamen einige Faxe vom französischen Außenminister ins Hotel. Diese Faxe waren eine Vollmacht über sämtliche medizinische Versorgung von Menschen aus der Provinz Kampang Rou, sowie allen zur Verfügung stehenden Mitteln der medizinischen Notfallversorgung. Diese würden von Frankreich bezahlt werden. Als Reto diese Vollmacht sah, schaute er Bernhard ungläubige an „Respekt! Eine solche Vollmacht vom Außenminister zu bekommen, da gehört schon ein guter Name der Organisation dazu.“

Reto machte im Krankenhaus alles klar. Er schaute sich die Stationen, Apotheke und OP- Bereich an. Fragte nach der Anzahl freier Betten, Intensivstation und Fachärztliche Kollegen.

Frau Lefèvre – Mouton fuhr den Pickup. Hannes saß mit Nescha auf der Rückbank. Mit welcher Geschwindigkeit und Sicherheit sie fuhr, war schon bemerkenswert. Lediglich Mareile hatte auf dem Beifahrersitz etwas Angst, wenn der Zuckerrohr oder Mais links und rechts gegen das Fahrzeug schlug. Als sie die Hälfte der Strecke auf der 334 fuhren, sah sie zweihundert Meter vor sich einen Militär Konvoi „Schatz, die Kavallerie rückt an“ sagte Patricia an Hannes gerichtet, mit Blick über ihre linke Schulter. Zum Überholen von LKW war die 334 eigentlich zu schmal. Bei Patricia hatte diese Straße auf einmal Autobahnbreite Fahrspuren – sie fuhr vorbei. Der Pickup holperte auf der linken Seite die Böschung entlang. Ob die Böschung nun aufsteigend oder absteigend war, war Patricia egal. Zum Glück fuhr der Konvoi nicht all zu schnell und Patricia konnte zügig Überholen. Mareile und Nescha hatten große Panik bei diesem Fahrstil. „Mädels bleibt locker, Patricia kann Auto fahren. Schatz, beim ersten Auto vom Konvoi machst du langsamer, es könnte sein, dass Rithisak dort drinnen sitzt.“

Der Konvoi bestand aus: einem Jeep, drei Lkw, zwei Busse und einem Grader. Der Dreiachser Lkw war russischer Produktion und auf dem Tieflader stand eine Planierraupe. Die beiden Zweiachser Allrad- Lkw kamen aus ostdeutscher Produktion. Die beiden Omnibusse waren ebenfalls ostdeutscher Produktion. Am Ende von dem Konvoi fuhr einen Dreiachser Grader. Diese Baumaschine wird auch Planierer, Erdhobel oder Straßenhobel genannt. Sie ist eine Baumaschine zum Herstellen von großen ebenen Flächen. Vor dem Dreiachser fuhr ein Militär Jeep aus chinesischer Produktion. Als Patricia links neben dem Tieflader fuhr, sah sie den vorausfahrenden Jeep. Sie hupte und signalisierte durch Lichtzeichen dem Fahrer, dass er anhalten sollte. Der Konvoi stoppte nach einigen Meter, als Patricia längs neben dem Jeep herfuhr und immer noch hupte.

Als Hannes von der Rückbank aus dem Pickup kletterte, sah er Rithisak auf sich zukommen. In Asien ist es nicht üblich, einen Menschen bei der Begrüßung die Hand zu reichen, also machte Hannes es ganz nach der asiatisch Art: mit gefalteten Händen vor der Brust und einer leichter Verbeugung. Bei dem Anblick der vielen Soldaten, den Baumaschinen und Lkw überkam ihm so viel Freude, dass er Rithisak in die Arme nahm und ihm auf den Rücken klopfte „Danke mein Freund. Rithisak, ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich ich bin.“

Eigentlich wollte Hannes mit Rithisak nach Kampang Rou fahren um ihm während der Fahrt zu sagen, wo nun angefangen werden sollte und welche Aufgaben die Soldaten dann hätten. Dies machte aber wenig Sinn, denn bis der Konvoi in Kampang Rou sei, wäre der Krieg schon vorbei. Also fuhr er doch mit der Rallye Fahrerin Lefèvre – Mouton mit.

Als Patricia mit dem Pickup in Kampang Rou angekommen waren, standen schon die ersten Dorfbewohner am Zelt und warteten auf medizinische Hilfe. Mareile und Nescha machten sich sofort an die Arbeit um nach den 6 Patienten zu schauen, die seit gestern Abend in dem Zelt schon versorgt wurden. Es wurden Verbände gewechselt und verschiedene Medikamente verabreicht oder gespritzt. Patricia half den beiden Frauen wie sie konnte. Unter den Anweisungen von Mareile ging dies alles sehr schnell und zügig. Jenes Medikament in der blauen Box zweite Schublade auf der linken Seite.Jene Infusion in der roten Box, dritte Schublade auf der rechten Seite im zweiten Fach und so weiter. Mareile war Profi durch und durch. Schnelles, zügiges und konzentriertes arbeiten war sie gewöhnt. Reto hatte die Liste von Patricia im „Büro“, eine silberne Alubox, hinterlegt. Patricia fragte nach dieser Liste ob jene Personen mit diesem Nummer schon anwesend seien. Eine Frau und ein Mann meldeten sich. Mareile schaute, was sie schon an Sofortmaßnahmen machten konnte.
Hannes sah dem geordneten Treiben zu und sah, dass Stühle fehlen! Die Dorfbewohner die keine medizinische Versorgung brauchten, sollten Stühle oder Tische von zu Hause bringen. Hannes fuhr fünf Minuten später mit dem Pickup durch den Ort um diese einzusammeln. Er fing an den ersten Hütten an, Stühle und Tische auf die Ladefläche zu stellen. Er fuhr langsam durch den Ort nach Osten und sammelte hier ein Stuhl, da ein Hocker und dort ein Tisch ein. Am Ende der Hauptstraße war die Ladefläche ausreichend gefüllt und so fuhr er zurück zum Zelt.

Nun konnte wenigstens die Bewohner die zum Arzt mussten vernünftig sitzen und Patricia hatte einen Schreibtisch um Notizen der Personen vernünftige zu dokumentieren.

Nach einer knappen Stunde waren soweit jene Menschen registriert und versorgt, die vor Ort waren. Es wurde nun etwas ruhiger und so war auch Zeit für Gespräche. „Ihr beide seid ein cooles Team…“ sagte Mareile zu Patricia und Hannes „…wie schnell ihr organisiert und dies alles ohne Hektik, ist schon sehr bemerkenswert.“ Hannes lachte „Es gibt bei Patricia keine Hektik. Nur jetzt, hier, gleich und sofort. Wenn man dies verstanden hat, läuft alles gut.“ Patricia boxte ihn.
Endlich hörte er die Militärfahrzeuge die Hauptstraße hoch fahren. Der Jeep mit Rithisak hielt nach der Einfahrt zum Zelt an. Bis die ganzen Fahrzeuge standen, die Soldaten absaßen dauerte es fast 10 Minuten. Rithisak gab das Kommando zur Aufstellung. Patricia und Hannes standen neben Rithisak. Hannes sprach mit ihm, dass er nun gerne das Kommando hätte.

„Soldaten, wir sind Ärzte, Ingenieure und Lehrer aus fünf verschiedenen Staaten von Europa. Wir sind zum helfen, zum aufbauen und zum lehren hier. Unser Ziel ist es den fünf Umliegenden Ortschaften die gleiche Hilfe zukommen zu lassen, wie hier in Kampong Rou. Alleine schaffen wir dies nicht. Wir brauchen euch! Wir sind nicht beim Militär, also zählt für uns kein Dienstgrad. Wer welche Aufgabe übernehmen kann, bestimmt euer Können. Das Kommando haben meine Frau und ich. Wir arbeiten nicht unter Zeitdruck, wir arbeiten zügig. Wenn jemand eine Pause macht, macht er eben eine Pause. Wenn Fragen sind, bitte diese auch ansprechen. Soldaten, ihr fangt heute an, Geschichte für euer Land zu schreiben! Ich bin jetzt schon stolz auf euch. Rührt euch. Danke.“ Patricia sah nach der Ansprache von Hannes zu ihm auf und sagte leise „Mon dieu, du kannst noch General werden, bei einer solchen Ansprache.“

Hannes stellte nun die Arbeit vor, die gemacht werden musste und es sollten die Vortreten die diese Arbeit ausführen können.

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