9 Die Party auf dem Europa Platz

Kapitel 9

Freitag, 23. März 90
Samstag, 24. März 90

Die Party auf dem Europa Platz

Um 17.30 Uhr waren sie endlich in Svay Rieng angekommen. Die Fahrt bei einem Sandsturm, war alles andere als Angenehm. In Svay Rieng fuhr Hannes noch zu der Werkstatt von Vaesna um sich nach den Hydraulikschläuche für den kleinen Bagger zu erkundigen. Im Januar wollte er diese Schläuche schon besorgen. Gut, Vaesna hatte nicht das Jahr genannt. Zeitangaben waren in diesem Land sowieso etwas, mit denen die wenigsten etwas anfangen konnten.
„Nung trauv ban thveu knong pel chab nih.“ War oft die Antwort auf Fragen: wird bald erledigt! Bald, fiel auch in eine doch sehr ungenaue Zeitangabe. Dieses oder jenes Hotelzimmer könnte bitte geputzt werde. „Nung trauv ban thveu knong pel chab nih.“ Dieser Satz war gleich zusetzten mit „Tsssss, tsssss, tsssss.“
Diese Kultur konnte er nicht verstehen.

Hannes wurde etwas ungehalten und gab Vaesna nun seine Zeitvorgabe und diese war nächste Woche Mittwoch. „Vaesna, ich fliege bald nach Europa zurück und bis dahin ist der Bagger fertig. Ein Ausfall von dem Bagger kostet uns am Tag mehrere hunderttausend Riel. Du willst doch nicht die Haftung für diesen Schaden übernehmen?“ Vaesna riss die Augen auf und wurde plötzlich sehr unrichtig. „Ich habe dir im Januar gesagt, dass wir zuverlässige Leute suchen und brauchen. Ich gab dir die Wartung von dem Bagger in Bauabschnitt II. Ich habe mein Wort gehalten. Du verdienst über uns Geld, wenn dies in Zukunft auch so bleiben soll, liegt es nun an dir. Habe ich mich klar ausgedrückt?“ „Ja, ja. Hast du. Es tut mir leid. Ich besorge die Schläuche und wechsle dies auch. Versprochen. Borsa mneak del mean ko, ich verspreche es dir.“ „Gut. Hier hast du zwei Millionen Riel. Dies wird für die Schläuche ausreichen sein. Du weißt, dass du von mir dein Geld bekommst.“ Vaesna nickte und versprach nochmals die Hydraulikschläuche in den nächsten Tagen zu wechseln.

Im Veal Yon Market kaufe Hannes schon mal 130 Dosen Bier und 70 Dosen Brause vom Klassfeind aus Übersee.
„Ist das nicht etwas viel, für uns paar Leute?“ Fragte Nolan ganz erstaunt, als sie durch den Markt ihre Einkaufswagen schoben. „Nolan, ich wollte nur ein Treffen mit den drei Teams machen. Ich habe nun eine bessere Idee. Morgen in Kampong Rou machte wir eine richtig coole Party. Was hältst du davon, wenn wir morgen grillen? So richtig. Spanferkel!“ „Toll, grillen wäre cool.“
Hannes rief Asger an und fragte, was er von dieser Idee halten würde. „Genial! Ich besorge das Schwein. Sieh zu, dass du bei Vaesna ein Gestell für das Schein geschweißt bekommst.“ „Vaesna? Für Morgen?“ „Stimmt. Ich sage Cees bescheid, er soll das Gestell bei Vaesna in der Werkstatt schweißen.“ „Wäre wohl besser. Sag auch bitte allen anderen Arbeiter bescheid. Ich möchte, dass alle kommen die jetzt bei uns im Team sind.“ „Reicht dafür ein Schwein?“ „Keine Ahnung. Kauf zwei. Frag die zwei Köche von der Feldküche, was sie noch an Essen machen können oder wollen. Dies kaufen wir dann alles noch morgen in der Stadt. Morgen machen wir eine Party am Wasserrad. Bis später“ Nolan schaute ihn beim Wort Wasserrad ungläubig an. „Siehst du morgen.“

Mit einer Lkw Ladung an Bier, Pepsi und anderen Softdrinks, fuhren beide wieder zu Vaesna. Hannes erklärte ihm was er an Material für eben jene Grillgestelle bräuchte und er sich nicht beeilen müsse, ein Kollege würde diese Gestelle schweißen. Vaesna wurde selbstverständlich auch auf diese Party eingeladen.

Im Hotel besorgte Hannes noch ein Zimmer für Nolan. Dieses kleine Hotel war bald nur mit Mitarbeiter und Freunde von ihm belegt. Er machte auch für Samstag schon die Zimmer für Arthur Vermeulen, Eliane Mayers, Ferdinand Gerber, Gust De Smeth, Hudson Rhys, Jonathan Pilcher und Roman Welter klar.

Hannes zeigte Nolan sein Zimmer im dritten Stock „Wenn du mich suchst, ich bin im Büro. Ich muss noch etwas Telefonieren.“ „Wie und wo soll ich das Büro finden?“ „Entschuldigung. Kannst du nicht wissen. Unser Büro ist im zweiten Stock die letzte Tür rechts.“

Im Büro lagen die Bauprotokolle von ihm und Asger auf dem Schreibtisch. Die Protokolle vom Arthur lagen noch im Faxgerät. Hannes las auch dessen Berichte und sah die gleiche Arbeitsgeschwindigkeit wie in ihrem Abschnitt. Er schaute nach links an die Wand, wo die riesigen Pläne von ihrem Bauabschnitt hingen. Auch ohne Maßstabschablone sah er die bereits verlegte Leitungen und die noch zu verlegte Länge. Zum anderen sah er aber auch die blauen Linien in Kampang Rou, Khum Nhour, Khsaetr, Sama, Samlei, Thmei, Tnaot.
Er schaute auf den Kalender an der Wand. 23. März 1990 stand dort. Wie schnell die Zeit verging und er hatte noch nicht viel erreicht.
Hannes rief nach Reims an und fragte, ob Stephane schon etwas mit den Bagger erreicht hatte. „Hallo Hannes, ja habe ich. Ich habe dir vor einer Minute ein Fax geschickt. Nun bist du am Telefon. Noch besser. Welche Größe an Bagger wäre die Richtige?“ „Stephane, dein Fax kommt gerade durch. Einen Moment bitte.“

Hannes nahm das Fax und überflog die vier Blätter „Sieht gut aus. Dann gehen wir die Typen nun gemeinsam durch. Fangen wir oben an. Zwei Knickgelenkte Radlader mit einem Einsatzgewicht von um die 10 Tonnen wären gut. Das ist die Nummer zwei auf deinem Fax.“ „Oui, habe ich.“ „Auf Position vier siehst du einen sogenannten Mehrzweckbagger.“ „Oui, Je vois aussi.“ „Gut, ein solcher Mehrzweckbagger für den Hochbau. Du siehst vorne eine Schaufel von einem Radlader und am Heck den Baggerarm. Die Dinger sind unglaublich vielseitig und du brauchst auf einigen Baustellen nur eine Baumaschine.“
„Leuchtet mir ein.“ „Gut. Dann würde ich bei den Bagger auf Mobilbagger gehen. Wir haben zu große Entfernungen zu fahren und mit Kettenbagger kannst du keine 4 Kilometer fahren. Da wirst du wahnsinnig und sie sind auch viel zu langsam.“ „Und warum haben wir dann nur Kettenbagger gekauft?“„Unwissenheit? Stephane, ein Kettenbagger ist ein Gerät mit dem du unglaublich viel Erde bewegen kannst oder auch noch da hinkommst, wo nichts mehr geht. Ein Kettenbagger hat einen festen Stand und wenn es richtig rauh wird, ist dies für eine solche Maschine auch kein Problem – sie sind dafür gebaut.“ „Okay. Du bist der Fachmann. Welche Anzahl an Bagger wäre die Richtige?“„Was soll ich dir darauf antworten? Es muss auch Finanzierbar sein.“ „Mach dir mal darüber keine Gedanken. Ich spreche mit dir darüber, weil du die Projekte jetzt kennst und auch den Bedarf am Baumaschine objektiv bewerten kannst.“ „Wow! Danke. Ich würde 8 Mobilbagger sagen.“ „Okay, diese Zahl hätte ich auch gewählt. Welche Marke sollen wir kaufen?“„Was richtiges! Hier in Kambodscha sehe ich Komatsu und Caterpillar, hier und da Hitachi oder Geräte aus China. Wobei ich letzteres für nicht geeignet halte. Ich würde Caterpillar bevorzugen. Die Komatsu Bagger die wir haben sind nicht verkehrt und Komatsu kann durchaus auch Baumaschinen bauen. Sie zählen immerhin mit zu den größten der Welt. Kauf du die Baumaschinen bei dem, der dir den besten Preis macht. Kauf den Größe Typ an Mobilbagger den du bekommen kannst, irgendwie müssen später die Pumpen in die Bauwerke gehoben werden. Daher lange Ausleger mit einer Stiellänge von mindestens 2,60 Meter.“ „Okay. Wars das?“
„Wenn du mich so fragst, mache ich mit den Zusatzteilen weiter. Die Bagger solllten ein Planierschild habe. Dann je Bagger ein Grabenräumlöffel in der Breite von 1,70 Meter, so können wir gleichzeitig alle Pisten in der Nähe der Bauabschnitte planieren. Je einen kleinen Tieflöffel von 60 Zentimeter und einen großen von 1 – 1,20 Meter Breite. Wenn wir schon dabei sind, hätte ich gerne einen Grabenräumlöffel für den großen Kettenbagger in 2 Meter Breite oder mehr…..bist du noch da?“ „Ja, ja. Ich bin am schreiben. Hast du Angst, dass ich bei deiner Bestellung umfalle?“ „Oui, Monsieur Dilbert. Der große Bagger kann schon viel, könnte aber mehr, wenn ich ein Grabenräumlöffel hätte. Ganz wichtig, als Zubehör Dieselpumpen zum tanken. Der große Bagger hat eine, da sind ganz schnell 200 Liter vom Fass im Tank. Wir können ja nicht täglich mit 20 Liter Kanister die Baumaschinen tanken..Dies dauer viel zu lange und ist eine schwere Arbeit die Kanister auf den Oberwagen zu heben. Sieh zu, dass wir Ersatzzähne für die Löffel bekommen, wenn die Felsen kommen werden wir so einiges an Verschleiß haben, selbst bei nur einer Grabentiefe von 1,20 bis 1,80 Meter. Die Fundamente für die Pumpenhäuser müssen 2 bis 2,5 Meter tief sein.“ „Verstehe ich.“ „Gut. Dann brauchen wie Filter für die Baumaschinen. Kauf gleich zwei Duzend Luft- und Dieselfilter für alle Geräte. Die Luft ist hier so voll mit Staub, da setzen sich die Filter sehr schnell zu. Die Ersatzteilversorgung ist hier doch sehr langsam. Ich habe keinen Bock auf Motorschäden durch den Staub.“ „Ist verständlich.“ „Stephane, wir wissen nicht was noch alles an Projekten kommt. Die Pumpen brauche auch Strom, wenn Fundamente für Starkstromleitungen gebaut weden müssen, hätten wir die Geräte dafür.“ „Ich sehe auch ein, dass man nur mit vernünftigen Geräten arbeiten kann. Hast du überhaupt Baggerfahrer?“
„Non Monsieur. Ich bräuchte noch gute Fahrer. Der eine Baggerfahrer von Bauabschnitt 3 habe ich von dem Ding geholt, der Mann konnte es nicht. Er hat kein Gefühl und Verständnis für seine Arbeit. Ich habe einen sehr guten Soldaten in Kampang Rou, er fährt klasse. Mittlerweile auch den großen. Ich bin schon am überlegen, ob ich ihn nicht abwerben kann. Nolan Desmet, hab ich auch schon so weit, dass er mit dem Bagger umgehen kann. Guter Mann. Ist ab heute in unserem Team in Svay Rieng. Ich muss den Jungen noch etwas aufbauen. Einem anderen Soldaten, habe ich das Grader fahren beigebracht. Auch ein guter Mann den ich gerne in unserem Team hätte. Sein Major hat ihn sogar schon zu einem anderen Distrikt zugewiesen, um auch dort die Pisten zu planieren. Der Soldat, der die Planierraupe vom Militär fährt ist auch gut. Einen großen Lkw haben wir noch vom Militär in Kampang Rou und Umgebung im Einsatz. Wir brauchen nicht nur Bagger, ab und an auch einen Lkw. Was in Kambodscha als Lkw deffiniert wird, ist nicht mehr als eine Schubkarre mit Motor oder alt und kaputt. Von daher bin ich über das Material vom Militär schon dankbar. Asger hat zwei Soldaten in seinem Team, Cees und Luan haben drei in ihrem Team. Stephane, hier sind Leute über sich hinaus gewachsen, dass glaubst du gar nicht! Wir haben jetzt noch 10 Soldaten, von anfänglich 50. Das große Chaos ist soweit aufgeräumt, für die ganzen Feinarbeiten brauchen wir jetzt nicht so viele Leute. Diese 10 Soldaten sind alle Top. Ich werde mit dem Verbindungsoffizier reden, wie wir diese Männer dauerhaft im Einsatz behalten können. Durch den Offizier haben wir zwei Baufirmen mit Bagger und Lkw bekommen können, wobei die beiden Firmen nur Schrott haben. Besorge uns Material und wir könnten in vier Jahren dieses Projekt abschließen. Pro Bauabschnitt vier Bagger. Je zwei für die Hauptleitungen und zwei für die Leitungen in die Ortschaften. Dann pro Bagger 5 Arbeiter. Ein Mann direkt am Bagger, der nur die Grabentiefe misst, vier Männer zum verlegen der Hauptleitungen. Dann können wir in der Ebene einen oder eineinhalb Kilometer am Tag verlegen – in eine Richtung! Der zweite Bagger an der Hauptleitung baggert in entgegen gesetzte Richtung. Die Hauptleitung wäre dieses Jahr verlegt – in der Ebene. Wenn das Truong-Son-Gebirge kommt, wird es hart werden. Bis dahin ist aber die Leitung von Kâmpóng Trâbêk bis kurz hinter Svay Rieng gelegt. Durch die vielen Pumpen die in dem Bauabschnitt 2 und 3 gebaut werden um die vielen Höhenmeter zu überwinden, gehen bestimmt 2 Jahre drauf. Alles was westlich von Svay Rieng zum Mekong liegt, ist ein Kinderkarussell.“ „Mein lieber Hannes, du willst ein ganz schönes Tempo vorlegen. Bedenke den Monsun, da ist nichts mit 2 Kilometer am Tag.“ „Ich weiß. Daher sollte auch so schnell wie möglich die Hauptleitung gelegt werden. Die Felder von Bauabschnitt 2 und 3 sind dann nicht mehr passierbar. Dann könnten die Zuleitungen aus den Ortschaften verlegt werden. Selbst wenn eine Woche mal nichts gearbeitet wird, sind wir mit neuen Geräten immer noch viel schneller.“ „Was du sagst ist alles richtig und ich stimme dir auch zu. Nur halte ich vier Jahre für Utopisch. Ich habe gestern das Bauprotokoll von Arthur bekommen. Da ist deine Tagesleistung aber weit davon entfernt.“ Hannes blies hörbar die Luft aus „Ich weiß. Unsere Tagesleistung entspricht fast der gleichen wie die bei Arthur und Bernhard. Jetzt ist es absolut Utopisch was ich sage, da gebe ich dir recht. Wir schaffen noch keine 300 Meter am Tag!“ „Ich weiß. Die Tagesleistung in allen Bauabschnitten ist erschreckend. Dann willst du die Leistung um das vierfache steigern? Respekt“

Nolan kam zu ihm ins Büro „Darf ich mich zu dir setzten?“ „Natürlich. Ich bin gleich fertig. Stephane ist am Telefon. Ist dein Zimmer sauber?“ „Ja, ist es.“ „Okay, Stephane, ich bin wieder da. Mit richtigem Material ist dies zu schaffen. Die Berge kommen noch, da braucht es richtige Maschinen! An Bauabschnitt 2 war letzte Woche der eine Bagger kaputt, da ging nichts vorran. Die Maschinen sind einfach viel zu alt, marode und haben kaum Leistung. Ich hatte im Januar mit dem großen Bagger in zwei Stunden mehr Graben ausgehoben, als der Schrottbagger an einem Tag! Die Männer sind auf der Baustelle und können nicht tun, weil es an Material fehlt oder kaputt ist. Die Gründe warum wir unsere Bagger abgezogen haben, sind dir bekannt. Für die Pumpenhäuser zu bauen, brauchen wir ordentliches Schalmaterial, Werkzeuge, mit denen auch gearbeitet werden kann. Motorsägen sollten an den Bauabschnitten vorhanden sein. Für das Wasserrad zu bauen, kaufte Asgar, Cees und Luan Werkzeuge mit dem man auch arbeiten konnte. Wie ein solches Wasserbau Projekt mit so wenig Leuten und schlechtem Material überhaupt geplant wurde, ist mir unbegreiflich.“ „Ich weiß. Hannes, glaub mir, ich tue was ich kann, damit es voran geht. Wir hatten uns bei dieser Ausschreibung schlichtweg übernommen. Dies gebe ich zu. Wir habe aber nun angefangen und wollen uns dieses Projekt nicht wegnehmen lassen. Jean ist schon seit Wochen über Gelder am verhandeln. Hannes, es gibt jetzt nur zwei Möglichkeiten für uns. Entweder wir bekommen das gebacken oder es bricht uns das Genick.“
Hannes wusste jetzt nicht mehr was er sagen sollte. Dies alles wusste er nicht. „Hannes, nun mach dir keine Sorgen. Wir stehen finanziell gut da. Wir haben den Zuschlag für dieses Projekt bekommen und haben auch keine Zeitvorgabe. Du weißt aber selbst wie es ist: Zeit ist Geld. Und wir reden hier von verdammt viel Geld.“ „Okay“,sagte Hannes kurz angebunden. „Ich höre deine Angst heraus. Nochmal: du musst dir keine Gedanken um deinen Job machen. Wir alle sind froh, dass du da bist und von Anfang an sehr vieles gemacht hast und dich auch durchgesetzt hast. Ich hatte ja auch zugestimmt, als Bernhard im Januar mich anrief. Hätte ich nicht zugestimmt, hättest du es sowieso gemacht!“ „Willst du jetzt darauf eine Antwort haben?“ „Non Monsieur, ich kenne deine Antwort.“ „Gut. Trotzdem danke für deine Unterstützung.“
„Nun etwas anderes. Was ist mit Nolan?“ Hannes nahm tief Luft und erzählte Stephane auf englisch, was Nolan ihm vor dreieinhalb Stunden sagte. „Mou Dieu! Ist er jetzt bei dir in der Nähe?“ „Ja. Er ist hier im Büro. Hätte ich es nur früher gewusst. Asger, Cees und Luan bleiben sowieso hier und machen weiter. Also ist er gut versorgt in der Zeit, die wir in Europa sind.“ „Es ist sehr gut, dass du bei uns bist. Es geht baulich und auch menschlich voran.“
„Merci beaucoup. Morgen machen wir mit den Teams und allen die geholfen haben, in Kampang Rou eine große Party. Ich möchte damit meinen Dank zum Ausdruck bringen.“ „Dann viel Spaß. Wann kommt ihr überhaupt zurück?“ „Irgendwann in der zweiten Woche im April. Bernhard möchte an Ostern bei Franziska sein. Ich wollte mich in Deutschland mit dem Ingenieur der Pumpenfirma treffen. Ich danke dir für diesen Kontakt. Herr Möller rief mich an und wir konnten schon vieles abklären.“
„Ich weiß. Monsieur Möller hatte heute mit mir telefoniert.“ „Okay. Dann gehe mal davon aus, dass diese Firma gleich noch eine zweite Pumpen in diesem Baustil bauen könnte.“ „Warum?“ „Weil in einer anderen Ortschaften fast gleiches Verhältniss ist wie in Kampang Rou. Cees und Luan haben schon alles vermessen. Stephane, ich kenne Wasserräder aus meiner Heimat an Achatschleifereien, was die Jungs hier gebaut haben, habe ich noch nicht gesehen! Ordentlich verarbeitet, Maßgenau gebaut und präzise ausgelotet. Das Wasserrad läuft wie ein Uhrwerk. Es dreht sich mit dem wenigen Wasser – welches trotz dieser Trockenheit vorhanden ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Rad weitaus mehr Leistung bringen kann, als die Ausgangsleistung die ich für die Pumpe angegeben habe. Ich hab gar keine Möglichkeit den Newtonmeter in der Umdrehung der Welle zu messen. Ich habe den Radius der Welle und den des Rades für meine Berechnung angenommen. Mehr kann ich nicht berechnen. Ich bin kein Ingenieur. Die Kraft, also die Energie in Newtonmeter konnte ich nur schätzen. Auf eine Schätzung kann ich keine Energie berechnen. Es kann durchaus sein, dass dieses Rad eine Pumpe von 50 KW schaffen würde, dann könnten wir das Wasser in den kleinen 0,27 Zoll Rohre zum Mond pumpen. Wir bräuchten irgend einen alten Motor um dies zu testen. Es muss nur ein Aggregat sein, an das Cees eine Welle schweißen kann, diese mit der Radwelle verbinden und dann sehen wir, ob der Motor Leistung hat um zum Beispiel eine Batterie zu laden für Licht.“ „Okay. Monsieur Möller hat die Zeichnungen von Luan und auch deine Berechnung. Alles von euch ist nicht aus den Sternen gegriffen. Ihr wisst was ihr tut und darauf bin ich stolz.“ „Wow! Dankeschön für solch großes Lob. Au revoir Stephane. Wir sehen uns in vier Wochen.“

Hannes rief Rithisak an und lud ihn, wie auch den Major auf die Party ein. Dann sagte er noch Arthur und Bernhard bescheid, wo gefeiert wurde. Zum Schluss rief er noch Hattie und Laureen an und lud auch sie beide zu der Party ein.

„So, Nolan, nun hab ich alles erledigt. Jetzt habe ich Zeit für dich. Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Möchtest du ein Bier?“ „Gerne. Ich sehe, du hast sehr viel zu tun, als Ch…“ „Sprich es nicht aus! Wenn – ist Bernhard der Chef.“

Beim Angkor Beer saßen sie im klimatisierten Büro und sprachen über die Baupläne oder geographischen Karten an den Wänden.
„Nolan, willst du länger in Kambodscha bleiben oder auf Heimaturlaub gehen?“ „Was soll ich in Belgien?“ Hannes nickte „War mir irgendwie schon klar gewesen. Ich muss nach Hause. Ich muss nach Reims in die Firma, dann noch ein Treffen mit einer Pumpenfirma in Deutschland und noch so ein paar  Kleinigkeiten erledigen. Ich denke, dass wir nur einige Wochen in Europa sind. Patricia wird schon nach der ersten Woche drängeln, dass wir wieder nach Kambodscha fliegen. Sie setzt meinen Traum von Bildung so gut um, wie ich es nie gekonnt hätte. Asger, Cees und Luan bleiben hier, du bist in guten Händen. Wenn du irgend ein Problem hast, dich etwas bedrückt oder du nicht weiter weißt, rede mit uns! Wir alle sind ein Team. Auch Arthur und Gust sind nette Menschen. Ich verstehe dich aber auch, wenn du lieber mit jemand anderen reden willst, als mit deinem Teamleiter.“ „Danke. Du bist so nett.“

Hannes hörte schon Patricia vorfahren. So schnell wie sie fuhr keiner durch diese enge Straße um dann mit Karacho auf den Hof des Hotelparkplatz zu fahren.
Es dauerte auch nicht lange, da kam sie mit Asger, Cees und Luan durch die Tür vom Büro auf ihn zu gestürmt. Sprang ihm auf den Schoß, drehte kurz den Kopf zu Nolan „Bonsoir Monsieur“ und küsste Hannes, wuschelte ihm die Haare, küsste und boxte ihn. „Hallo Prinzessin, ich hab dich auch lieb. Darf ich dir Nolan Desmet vorstellen.“ „Bonne journée, Nolan“ sie gab Hannes wieder einen Kuss. „Darf ich an deiner Glückseligkeit teilhaben?“ „Oui, ma Chérie. Ich bekomme Verstärkung! Ich – bekomme – Verstärkung! ….Was?… Sag was!“ „Aha!“ „Aha? Ist das alles was Monsieur Hannes zu sagen hat? Aha!“ „Ja ja.“ Sie boxte ihn „Boeuf stupide.“ „Patricia Lefèvre, ich konnte Ihnen bis: ich – bekomme – Verstärkung, folgen. Ja, ich höre dir zu, nur solltest du dann auch deinen Satz zu Ende sprechen. Verstärkung wird mit aller Wahrscheinlichkeit ein Lehrer sein. Wann – steht noch aus.“ „Klugscheißer. Laureen rief mich heute an, meine Nachrichten vom Januar haben so einige Organisationen auf dem Plan gerufen. Über das UN Büro in Genf hat sich, Action contre la Faim und Terre des hommes gemeldet. Es hätten fünf Lehrer Interesse. Hannes, FÜNF! Mit nur einem würde ich weiter kommen. Laureen versucht in den nächsten Tagen mit denen in Kontakt zu kommen. Ma Chérie, dein Traum geht weiter! Wir bekommen Unterstützung!“ „Wow! Prinzessin, noch sind sie nicht da. Mit fünf Lehrer könnten wir so einiges Bewegen! Alleine in der Region um Kampang Rou könnten drei Schulen entstehen. Dann hätten wir ein Gebiet von 20 Quadratkilometer abgedeckt. Über 100 Kinder hätten die Möglichkeit in eine Schule zu gehen!“ „Oui, oui ma Chérie!“

In all der Glückseligkeit von Patricia stellte Nolan sich zwischenzeitlich selbst bei Cees und Luan vor.

Gegen 19 Uhr waren alle aus Kampang Rou im Hotel. Beim Abendessen war diese Neuigkeit das Thema überhaupt. Asgar, Cees und Luan machten schon Pläne, wie und in welcher Ortschaft ein Schulgebäude mit wenig Mittel gebaut werden konnte. Vom einfachen Wasserleitungen verlegen, ging es nun in den Hochbau. Wenn dies alles Wirklichkeit werden würde, hätte Hannes sein Ziel erreicht! Der Klassenkasper aus der Schule baute nun selbst Schulen. Wenn dies sein Ehemaliger Lehrer wüsste. Wie würde er wohl reagieren? In Erinnerungen schwelgend fiel ihm so mancher Unsinn ein, den er einst machte. Die Konsequenz war so mancher Klassenbucheintrag. Der Klassenkasper vom Naheland befehligt ein paar Jahre später 50 Arbeiter, Entscheidet bei einem 24 Millionen Dollar Projekt mit und gibt einer ganzen Region mal eben so nebenher neue Perspektiven. Ob er dafür ein paar Fleißsternchen in sein Heft bekommen würde? „ Ma Chérie…?“
„Hmm.“ „Du beteiligst dich gar nicht am Tisch. An was denkst du?“ „Och, an Fleißsternchen.“ Dieser Blick! Hannes liebte diesen Blick von Patricia. Es war eine Mischung aus: Aha-geht’s noch? Jetzt ist er völlig irre! Du tust mir leid – Blick. Wie liebte er diese kleine quirlige Frau doch so sehr.

Nolan fühlte sich in dieser Gruppe richtig wohl. Liun, Luan und Mareile waren im selben Alter wie er. Mit Liun hatte er sich sehr gut unterhalten. Sie lachten viel und waren sich von Anfang an Sympathisch. Mareile hatte ein Auge auf Nolan geworfen. Hannes würde es nicht unterschreiben, aber sein Gefühl sagte ihm so etwas. Er würde nachher Patricia fragen. Frauen haben dafür einen besseren Blick, Gespür oder Instinkt. Er selbst versaute schon ein Rendezvous.

„Leute, bevor ich es vergessen: Morgen machen wir auf dem “Europa Platz“ eine große Party.“ „Ach! Bis du kommst, wissen wir dies schon lange!“ Winkte Nescha mit einer lässigen Handbewegung ab. „So, Frau Hefti, wissen Sie dies schon? Dann wird sich meine Frage an Asger bezüglich dem Grillgut erübrigen, oder können Sie mir darüber eine Auskunft geben?“ Nescha boxte ihn. „Fängst du schon genau so an, wie Patricia? Ich denke, ihr beide verbringt zu viel Zeit zusammen.“ Zack hatte er auch eine von Patricia bekommen. Schon hatten die beiden Frauen wieder die Köpfe zusammen.

Hannes ging zu Cees und fragte ihn, ob er einen solchen Grill schweißen könnte. „Sicher kann ich das. Wie willst du die Ferkel grillen? Es gibt die Möglichkeit mit einem Spieß zu drehen. In einem Fass, so ähnlich wie in einem Backofen oder in der Glut vom Feuer.“ „Ist mir völlig egal Hauptsache das Fleisch wird gar. Die Frage ist, wie willst du ein Ferkel in dem Fass drehen oder heraus nehmen?“ „Mit einem Spieß. Dieser muss nur doppelt so lang wie das Fass sein.“ „Leuchtet mir ein. Bei einem Fass muss nicht ständig jemand am Feuer sitzen und Stundenlang drehen.“ Cees hatte bei dem gesagten von Hannes einen merkwürdigen Blick. „Okay, ich sehe schon, dass ich etwas nicht weiß.“ Cees nickte. „Ich gehe davon aus, dass euer Wasserrad der Antrieb ist“ Cees nickte „Lass dich Überraschen. Ich muss Morgen nur noch ein paar Kleinigkeiten dafür besorgen.“ „Wahrscheinlich Keilriemen.“ Cees nickte. „Habt ihr ein Getriebe gebaut?“ Cees nickte. „Godverdomme, nun lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen!“ „Laat je verrassen“  kam es von Cees. Hannes nickte. Eine Unterhaltung zu diesem Thema würde weiter sehr Einseitig verlaufen und so beschoss Hannes es dabei zu belassen. Der Käseroller würde sowieso nur einsilbig antworten.

„Ich hatte vorhin mit Stephane über euer Wasserrad gesprochen und ihm gesagt, dass ich den Drehmoment für den Antrieb nicht berechnen kann und wir es mit einem alten Motor oder Aggregat versuchen sollten.“ Cees nickte „In Khsaetr steht ein alter Pickup, der Motor würde noch laufen, lediglich das Getriebe und Achse wären kaputt.“ „Wenn es ja mehr nicht ist, als diese zwei unwichtigen Bauteile“ ,sagte Hannes sarkastisch. „Hannes, nächste Woche bauen wir diesen Motor an das Wasserrad. Dann kannst du rechnen bis dir dein Hirn qualmt, dann hast du deinen Drehmoment.“ „Wenn dieses Wasserrad wirklich mehr als 12 KW Leistung bringen sollte, könnten wir sogar das Wasser weiter pumpen als nur in Kampang Rou.“ Cees nickte. Sollten die Niederländer statt: tsssss, tsssss, tsssss, zu sagen, nicken als gleichen Gebrauch haben? Diese Kultur konnte er auch nicht verstehen. Wer Klompen trägt und Käse über die Straßen rollt, kann man nicht verstehen.

Es war schon wieder ein sehr langer Tag, als Hannes im Bett lag. Patricia war noch bei Nescha auf dem Zimmer. Die beiden verstanden sich wirklich sehr gut. Überhaupt war es ein harmonischer Umgang. Trotz oder wegen diesen vielen Kulturen. Es war schon eine coole Truppe, die sich am 10. Breitengrad gefunden hatte.

Samstag 24. März 1990

Am Samstag morgen um 8.07 Uhr saßen alle im Frühstücksraum, als Hannes und Patricia kamen. Der fragende Blick von Nescha sprach Bände. „Guten Morgen Nescha, bevor du auf weitere Spekulationen kommst, ja, wir hatten eine angenehme Nacht.“ „Uhh. Eine solche Äußerung von dir, ist ja ganz was neues.“ „Patricia wird es dir sowieso erzählen.“ Nescha grinste breit. Soll mal einer die Frauen verstehen!
Liun, Luan, Mareile und Nolan saßen mit am Tisch. Er grüßte die vier „Guten Morgen Nolan, du hast dich ja schon gut eingelebt. Wir sind den ganzen Tag über ein Team, beim Frühstück hat es sich irgendwie so ergeben, dass die Jugend und die Alten getrennt sitzen. Mach dir bitte keine Gedanken, dies ist über den Tag nicht so.“ „Guten Morgen Hannes, dass habe ich schon mitbekommen, ihr seid schon eine coole Truppe. Gestern Abend die Gespräche mit euch waren super. So etwas haben wir bei uns im Hotel nicht. Da wird immer nur von der Arbeit gesprochen.“ „Hatten wir auch schon, wir arbeiten aber so viel, da sollte dann auch mal platz für anderes sein. Mareile, wann packt ihr hier eure Sachen?“
Mareile zog die Schultern hoch „Da musst du Reto fragen. Wir haben hier so weit alles im Griff. Weg möchte eigentlich keiner von uns. Der ganze Umgang miteinander ist etwas anderes als in Siam Reap. Zumal wir dort auch bei weitem nicht diese Infrastruktur haben wie in Kampang Rou. Dort sind wir zwar in einem Dorfgemeinschaftshaus, aber dies kommt selbst an die zwei Zelte nicht annähernd heran. Wie lange bist du und Patricia noch hier?“ „In der zweiten Woche vom April wollen wir fliegen. Wobei wollen es nicht ist“ er sah zu Patricia hinüber. Die Gedanken um ihre Leukämie waren immer in seinem Kopf. In seinem Herzen hatte er Angst vor jeder neuen Blutabnahme bei ihr. Er wollte ihr dies nie sagen. Verdrängen, ausblenden, vergessen – wenn dies alles so einfach wäre. „Ich muss nach Reims zum Projektleiter für Südostasien und habe in Deutschland ein Gespräche, bezüglich der Pumpe für das Wasserrad. Patricia müsste sich mit den Bewerber treffen. Ich denke das persönliche Gespräche die fünf Leute mehr motivieren könnten, als wenn es über die große UNICEF geht.“ Patricia hörte diese Unterhaltung und nickte „Dies habe ich Laureen auch so gesagt.“ „Ihr beide rockt das Ding! Was sich in der ganzen Umgebung geändert hat, ist schon unglaublich.“ „Danke Mareile, da habt ihr vier aber auch einen sehr großen Beitrag dazu gegeben. Ohne euch wären die Menschen immer noch krank oder noch mehr gestorben.“

Cees kam an den Tisch der „Jugend“. „Ich fahr mal kaufen und schaue nach dem Grill. Wir sehen uns später.“ „Okay, ich hatte gestern Vaesna auch eingeladen, frag ihn, ob er mit dir fährt oder mit seinem Moped nach Kampang Rou kommt.“

Patricia fuhr den Pickup von Svay Rieng nach Kampang Rou. Hannes saß auf dem Beifahrersitz, Luan und Nolan auf der Rückbank. Asger und Cees waren schon vorher los gefahren. „Ich bin auf euer Getriebe gespannt. Luan, ich bin unglaublich stolz auf euch! Wie ihr dieses Wasserrad gebaut habt, allen Respekt davor. Du bist ein guter Handwerker. Eigentlich bräuchte ich dich an der einen Baustelle für das Pumpenhaus, ich habe Angst, dass dort am Ende nichts zusammen passt.“ „Tut mir leid, Chef.“ „Muss dir nicht leid tun. Ich weiß auch, dass Wasser den Vorrang hat. Ich  möchte dich und Cees, wenn ihr das andere Wasserrad  baut auch nicht trennen. Ich hatte gestern mit Stephane telefoniert und ihm eine Bestellung von 8 Bagger, zwei Radlader und Mehrzweckbagger aufgegeben. Pro Bauabschnitt wollte ich 4 Bagger haben, dann könnten wir in vier Jahren dieses Projekt abschließen. Schatz fahr bitte keine Rallye, du hast 200 Dosen Bier und Cola auf der Ladefläche stehen.“ „So viele Bagger? Wer soll die fahren?“ Hannes blickte über die Schulter zu Luan und Nolan und zog die Schultern hoch „Ich muss mit Chankrisna und Nhean reden. Wenn sie ihren Dienst beim Militär kündigen würden, hätten wir zwei gute Männer. Ich weiß nicht, ob dies so einfach geht und ob sie es auch wollten. Wir brauchen Leute, Leute, Leute. Ihr habt gute in eurem Team, Asger auch. Noch 30 davon und wir könnten die ganze Region viel schneller mit Wasser versorgen. Daher auch die 8 neuen Bagger. Es muss endlich richtig voran gehen.“ „Chef, ich bleibe hier. Asger und Cees bleiben ja auch hier. Mach dir keine Sorgen, wir schaffen schon einiges, bist du wieder da bist.“ Hannes nickte und sah Luan mit einem fragenden Blick an „Ihr hatten sechs Wochen an dem Wasserrad gebaut.“ „Tut mir leid es gi…“ „Luan, es ist und war kein Vorwurf! Wir haben auch alle eine andere Arbeit gemacht, als die für die wir eigentlich hier sind. Das Stephane dem zugestimmt hatte, lag auch viel an Bernhard. Ich will Wasser in diese Region schaffen und zwar so schnell wir möglich. Nur sind wir viel zu wenig Leute. Pumpenhäuser können nicht gebaut werden, weil Bagger und Leute fehlen. Die Leitungen zu verlegen ist das wenigste. Ich habe die größten Mobilbagger bestellt, die es von Caterpillar oder Komatsu gibt, also Teile, die baggern können. Es liegt an Stephane für welche Marke er sich entscheidet. Um unseren Zeitplan irgendwie einhalten zu können, müssten wir 2 Kilometer Hauptwasserleitung am Tag verlegen. Jetzt wird noch nicht einmal 300 Meter am Tag geschafft.“ Nolan riss die Augen auf „Vier Jahre! Wow! Ich dachte, ich könnte hier alt werden.“ „Kannst du auch! Es gibt noch so viel aufzubauen in diesem Land, dass wir dies alles in unserem Leben nicht schaffen werden. Wir müssten ein Gebiet von 180 Quadratkilometer mit Wasser versorgen, dass ist nur das Gebiet östlich der N1.“ „Dies alles willst du in vier Jahren schaffen?“ Fragte Luan. „Ja. Die Hauptleitungen und die Pumpenhäuser auf dieser Strecke sind in zwei Jahren realisierbar. Die Zuleitungen werden wahrscheinlich auch zwei Jahre dauern.“ „Ich habe deine Arbeit nie so gesehen. Ich merke jetzt erst, über was du dir alles Gedanken machen musst.“ „Luan, dies wäre eigentlich die Aufgabe von Asger. Er ist der Projekt- und Teamleiter von Bauabschnitt 3. Ihr alle habt mich stillschweigend zum Chef gemacht. Nun muss ich mich auch darum kümmern. Wenn ihr alle zu Asger sagt, dass er im Grunde der Chef ist, bin ich raus und fahre Bagger.“ Patricia sah ihn böse an. Luan schüttelte den Kopf und Nolan sagte „Nein!“ „Hannes, du bist der coolste Chef den ich jemals hatte, mach du bitte diesen Job weiter.“ „Ja, bitte. Du hast mir so vieles beigebracht, bitte mach du den Job.“
„Nolan, du redest, als ob ich dir anderst nichts mehr beibringen würde. Schatz, fahr bitte da vorne rechts ab, ich möchte an die Baustelle vom Pumpenhaus.“ „Oui, Monsieur Commandant.“  Hannes verdrehte die Augen „Fängst du auch schon so an.“

Patricia war noch 50 Meter von der Baustelle entfernt, Hannes sah aus dieser Entfernung schon genug. Sie sah ihn an und biss sich auf die Lippen, sie wusste was er dachte. 1500 Meter hatte Asger vor sechs Tagen abgesteckt. 1200 Meter waren immer noch so wie vor eben jenen sechs Tage. „Fahr links neben das Pumpenhaus. Luan, gib mir bitte die Tasche links neben dir, dort sind die Baupläne und ein Maßband drin.“

Hannes faltete den Bauplan von dem Pumpenhaus auseinander und bat Luan und Nolan die Wände von der Schalung in der Länge zu messen.
Luan und Nolan waren in der Baugrube an dem Fundament. „4,88 Meter.“ Hannes nickte „Andere Seite bitte.“ „4,87 Meter.“ „Das Loch für den Ausgang an der Ostseite müsste bei 2,77 Länge und von der Bodenplatte bei 1,25 Meter Höhe sein.“ „Passt.“ „Super. Messt bitte noch die Höhe von der Schalung.“ „2,90 Meter.“ „ Um den 1 und die 10 Zentimeter, die fehlen mach ich mir keine Gedanken. Kommt hoch. Der Graben für die Rohre müsste schon lange an dem Punkt sein, den Asger vermessen hatte.
„Kruengobanleasa khauch“  sagte der Baggerfahrer: Die Hydraulikpumpe sei defekt. „Ja, sehe ich, dass der Bagger kaputt ist. Bei dem Schrott auch kein Wunder. Wann läuft das Ding wieder?“ Hannes musste bei diesen Worten seine Wut und Enttäuschung zurückhalten.
Diesen letzten Satz hätte er sich sparen können, denn im war die Antwort schon bekannt, da hatte es den Satz noch nicht zu Ende gesprochen. „Nung trauv ban thveu knong pel chab nih.“ Wir bald erledigt.
Hannes schaute sich den Schrott mit Dieselmotor genauer an. Die Fahrerkabine war dreckig, der Sitz kaputt, die Hydraulikanschlüsse mit Klebeband umwickelt. Der Ausleger war so ausgeschlagen, dass er den Bolzen von Hand hin und her bewegen konnte. Am Drehkranz fehlten Schrauben, die rechte Kette hing mehr durch als die linke. Wahrscheinlich ist der Kettenspanner kaputt. Der Motorraum stand voll mit Öl. „Am Öl kann es nicht liegen, ist genügend da“ und gab den Baggerfahrer ein Petzauge.
„Du weißt das am Drehkranz Schrauben fehlen?“  Der Baggerfahrer nickte. Dies wüsste er. Er würde den Oberwagen auch aus diesem Grund langsam drehen. Hannes schüttelte den Kopf „Genau. Dreh den Oberwagen langsam, dann fällte er auch langsam vom Fahrwerk.“
Der Baggerfahrer konnte nichts für den Schrott, dem sein Chef ihm zur Verfügung stellte. Wenn das Klebeband sich auflöste und das über 70°C heiße Hydrauliköl dem Mann gegen die Beine und Arme spritzt, hätte er in Sekunden Verbrennungen 3. Grades: also schwarzweiße Blasen und vielleicht die Nervenendungen zerstört, die irreversibel geschädigt sein könnten. Zu beneiden war der Mann nicht.
Hannes schüttelte immer wieder den Kopf und war mal wieder ratlos „Wie lange fährst du schon Bagger?“ „Seit15 Jahre.“
„Kannst du einen neuen Bagger fahren?“ „Weiß ich nicht. Ich fahre diesen Bagger schon seit 15 Jahre.“ „Kosal, ich habe gestern eine Bestellung für 8 neue Bagger aufgegeben. 19 Tonnen Mobilbagger, wenn du Bagger fahren kannst, hast du bald einen neuen Job und einen ganz neuen Bagger.“ „Pitchea?“ „Ja, wirklich. Caterpillar 215LC oder Komatsu. Kommt steigt ein, ihr könnte ohne Bagger auf der Baustelle sowieso nicht machen. Wir machen heute ein Fest in Kampang Rou. Du bist auch eingeladen. In Kampang Rou steht ein neuer Bagger, ich möchte sehen, wie du fahren kannst.“

Patricia fuhr ausnahmesweiße mal langsam die vier Kilometer nach Kampang Rou. Die Ladefläche war mit sechs Mann und Getränke voll ausgefüllt.
Auf dem “Europa Platz“ wurden gleich die Getränke ins Wasser gestellt.
„Ich schau mir später dein Getriebe an, ich geh mal Bagger fahren. Nolan und Kosal
kommt bitte mit.“

Mit Kosal und Nolan ging er zu dem großen Bagger. Hannes fuhr den Bagger 200 Meter an der Kuhweide vorbei, dort war genügend Platz zum Üben. Dann rief er Sangkhum zu sich. Das Rind kam auf ihn zugelaufen und sprang mit den Vorderbeine 20 Zentimeter in die Luft. Hannes knuddelte Sangkhum. Die Männer wussten nicht was sie sagen sollten. „Das ist meine Kuh Sangkhum.“ Nolan schüttelte den Kopf „Wie jetzt?“ „Ja, meine Kuh. Ich habe Sangkhum im Januar gekauft, du sieht ja, wie dieses Rind sich freut, wenn ich es rufe.“
Voller Ehrfurcht fragte Kosal „Bist du Borsa mneak del mean ko?“ „Ja, der bin ich. Ich weiß, wir beide sind schon sehr bekannt – nicht wahr meine liebe Maus?“ Hannes gab Sangkhum einen Kuss auf die Blesse. „So, hier steht der Bagger. Die neuen sind eine Nummer kleiner und wie schon gesagt: Mobilbagger. Kosal, komm, setzt dich in die Fahrerkabine, ich erkläre dir alles.“
Natürlich waren tsssss, tsssss, tsssss die häufigsten Worte der ersten 10 Minuten.

Zu seinem großen Erstaunen hatte Sangkhum keine Angst mehr vor der großen Baumaschine. Sie stand nur ein paar Meter weiter im Schatten. Hannes lies den Bagger laufen und zeigte Kosal die Bedienung der Hebel. Dies war natürlich mit dem Schrott, den er kannte gar nicht zu vergleichen. Die ganze Hydraulik arbeitete präziser und leichter.
Der Bagger schaukelte am Anfang bei Kosal, wie damals bei Patricia. Hannes lag unter dem Baum, Sangkhum neben ihm und hatte ihren großen Kopf auf seinen Beinen liegen. „Der Bagger schaukelt bei dem aber ganz schön“, sagte Nolan. „Ja, er kennt dies alles nicht, lass ihn mal machen. Wir sind ja in Sicherheit. Wenn er Bagger fahren kann, hat er in einer Halben Stunde das Gefühl für dieses Teil – wenn nicht, muss ich einen neuen Fahrer suchen.“ „Darf ich die Kuh streicheln?“
„Natürlich, sie beißt nicht, Kühe treten. Tut mitunter mehr weh als ein Biss von einem Hund.“ Nolan zog sofort die Hand zurück.
Hannes grinste „Sangkhum tut dir nichts. Sie ist eine ganz liebe Maus.“
Hannes erzählte Nolan wie sie sich gefunden hatten.
„Du bist voll cool. Ich habe noch nie eine Kuh gestreichelt. Ihr Fell fühlt sich so weich an.“ „Es wird mit der Zeit etwas borstiger und härter. Kannst du dann mit einem Pferd vergleichen. Noch ist es ein Kalb.“ „Was ist er Unterschied zu einer Kuh?“

Auch diese Frage beantwortete Hannes ihm. „Was du alles weißt.“ „Wenn du mit den Finger sie unterhalb vom Ansatz des Ohres streichelst, wird sie bald schlafen. Sangkhum ist wie ein Hund, nur ist ihr Kopf schwerer als ein ausgewachsener Bernhardiner. Da tun mir schon die Beine weh, wenn sie so auf mir liegt.“

Nach 20 Minuten schaukelte der Bagger kaum noch. Kosal hatte den Bogen raus. Hannes sagte ihm, er soll ein Loch graben und die Erde 180° hinter den Bagger ablegen.
Nach fünfmaligen drehen vom Oberwagen, ging dies auch schneller. „Wie ich gesagt habe, nach einer Halben Stunde kann er es. Nolan, du hast einen neuen Kollegen. Willst du nun das Loch wieder zu machen?“
„Ich weiß nicht. So ein großer Bagger. Der ist noch neu.“ „Ach Nolan, trau dich einfach. Weist du überhaupt wer Liun ist?“ „Nein. Er kommt aus der Schweiz.“
„Richtig. Er ist Arzt und hat ein gutes Medizinstudium abgeschlossen. Er fand keine Arbeit in seinem Fachgebiet. Nun arbeitet er in einem Zelt am 10. Breitengrad.“ „Er ist Doktor?“ Fragte Nolan ganz erstaunt. „Ja, jung und verdammt gut! Du hast dich so gut mit ihm unterhalten, ohne das du Zweifel an dir hattest. Also fahr den großen Bagger. Der Fahrer der mit mir diesen Bagger hier in Kampang Rou fährt, kommt am Montag für dich an Bauabschnitt 2. Wenn ich in Frankreich bin, brauche ich einen Fahrer der den Bagger fahren kann und wird.“

Kosal setzte sich zu Hannes und Sangkhum in den Schatten.
„Sehr gut, Kosal. Möchtest du für mich arbeiten?“ „Yeang khlang. Sehr gerne.“
Per Handschlag wurde der Arbeitsvertrag besiegelt. „Kennst du noch ein paar Baggerfahrer?“ Kosal nickte. Sein Schwager und ein anderer Kollege von ihm. „Gut, sie sollen nächste Woche vorbei kommen.“
Hannes erklärte Kosal das ganze Projekt, dass die Arbeit und der Lohn auf die nächsten Jahre gesichert sei, auch die Arbeitszeiten und den freien Tag in der Woche. „Tsssss, tsssss, tsssss.“ Hannes nickte.

Nolan fuhr den Bagger zurück an die Kreuzung. Sangkhum ging  mit ihnen auf dem “Europa Platz“. Sie ging zuerst an das Zelt der Feldküche, sie wusste wo es Mangos gab – vonwegen dumme Kuh. Tiere sind auf ihre Art schon sehr intelligent. Einige Leute die schon auf dem Platz waren, um zu den Ärzte zu gehen oder Bauarbeiter die auf den Beginn der Party warteten, kannten Sangkhun schon, die die es noch nicht wussten, schauten etwas verwundert. Ihnen wurde sofort erklärt wer er sei und was dieses Rind auf diesem Platz machte. „Tsssss, tssss, tssss.“

„Nun schau ich mir dein Getriebe an.“ Luan zeigte Hannes die angeflanschte Welle an das Wasserrad und das “Getriebe“. Ein konisch zulaufender Holzpfosten der vier Meter lang war und in einem Lager ähnlich des von dem Wasserrad lag und von oben mit dicken Kanthölzer gesichert wurde. An der Stelle wo die Getriebewelle lief waren die Sicherungen halbrund ausgesägt. Die Welle am Wasserrad war in entgegen gesetzte Richtung konisch. Zwischen den beiden Wellen war ein 20 Zentimeter breiter und 3 Zentimeter dicker Lederriemen gespannt. „Wo ist der Riemen her?“ Luan schaute auf Sangkhum. „Ist mir schon klar, nur fällt so etwas nicht vom Himmel.“ „Einige Leute in der Umgebung können so einiges.“
Luan drückte mit einer Art überdimensionaler Gabel den Riemen nach links und die untere Welle drehte sich langsam. Je weiter er oben nach links drückte um so schneller wurde unten die Welle. Auf die eineinhalb Meter Höhendifferenz wackelte der Riemen hin und her. „Das wackeln könnte ich noch in den Griff bekommen.“ „Nee, lass mal. Zu stramm ist nicht gut. Mir ist bewusst, das der Riemen auf dieser Länge wackelt. Ich kenne eine solche Konstruktionen aus einem alten Sägewerk im Siegerland. Ich bin begeistert was ihr gebaut habt. Warum will Cees noch Keilriemen kaufen“ „Für den Ausgang von dem Getriebe auf das was später angeschlossen werden soll.“
Wenn Hannes diese Konstruktion jemand in Europa erzählte, es würde ihm niemand glauben.

Es war erst kurz nach 12 Uhr, was noch so lange machen? Asger und Cees war noch nicht da. Das schweißen von dem Grill oder besorgen von dem Fass, schien doch länger zu dauern als geplant. Nescha hatte er auch noch nicht gesehen. Wie würde sie nach Kampang Rou kommen?

Hannes ging mit Nolan und Kosal durch den Ort. Er zeigte ihnen die Arbeiten in den letzten zweieinhalb Monate. Im Fischteich schwammen mittlerweile hunderte Fische. Als er im Januar nach Kampang Rou kam, war kein Fisch in dem Wasser. Überall vor den Hütten waren sechs bis acht Hühner und pickten im Sand nach essbarem oder scharrten in der Böschung am Zulauf vom Fischteich im sprießenden Gras. Große schwere Hähne stolzierten über die Pisten. Die Furt von der Quelle über die Weide war links und rechst auf über einen Meter breite grün mit frischem Gras.

Am Waldrand vom Hügel, neben der Quelle saßen Hannes und Nolan im Schatten. Von dieser Stelle hatte man einen schönen Blick auf den Ort, die Landschaft mit ihren schroffen Felsen auf der rechten Seite Richtung Osten und nach Westen war der große Wald am Anfang vom Ort. Hätten die Hütten nicht einen solch chaotischen Baustil wäre es eine Bild für jede Postkarte. Dieses unglaubliche grün der Bäume, hatte eine andere Farbe als der Wald in Europa. Hannes fing an dieses Land zu lieben und wusste gar nicht warum. Die Menschen in diesem Gebiet grüßten ihn freundlich, wenn er mit Sangkhum unterwegs war, boten ihnen Wasser oder Früchte an. Was hatte er oft Angst in diesem Gebiet gehabt. Die Rote Khmer sei gefährlich und immer noch bewaffnet. Auch war der Waffenstillstand mit Vietnam noch sehr brüchig. Er sah Menschen mit verstümmelten oder ganz abgerissenen Beine oder Armen. Diese  Menschen wurden Ofer durch und von Landminen.
Leichtsinnig war Patricia und er über Pisten gefahren, die nicht im Ansatz als Wege galten. Sie wussten nicht, ob ein paar Zentimeter neben dem Rad eine Mine lag? Lagen Minen in dem Feld, rechst der Piste nach Samlei das daher nicht abgeerntet wurde? Wie würde er reagieren, wenn er beim baggern auf ein Massengrab stoßen würde? Was wäre, wenn ein Mitarbeiter durch eine Mine getötet wird?
Über solche Fragen hatte sich der Klassenkasper früher nie Gedanken gemacht. In der Schule lernte er über Pygmäen in Zentralafrika, über Indigene Völker in Brasilien, Menschen aus Polynesien oder Aborigines in Australien. Nichts wurde über Landminen, illegale Waldrodung oder Genozid gelehrt.

„Es ist schön hier, so friedlich. Die Menschen sind alle nett.“ „Ja, Nolan, dass sind sie.“ Sollte er ihm seine Gedanken mit der Roten Khmer und Landmienen sagen? Nolan war noch nicht so weit. Auch wenn er 6 Jahre älter war als Hannes, war er im Herzen ein Kind geblieben. Ein Kind das Halt suchte und auch brauchte. „Ist deine Kuh immer bei dir?“ „Ja. Wenn ich mal weg bin, ist sie schon bei der Herde, aber wenn ich hier im Ort bin – du siehst es ja. Wo ich bin ist Sangkhum.“ „Ich danke dir, dass ich dies alles sehen kann. Du erzählst so viel und du weist so vieles. Ich habe bei dir in dieser kurzen Zeit mehr gelernt als in der Schule.“ „Komisch, dass gleiche sagte mir Patricia auch und sie hat Abitur mit hervorragenden Noten. Was hätte sie in Frankreich Chancen auf einen guten Job, stattdessen unterrichtet sie in einem Zelt im Dschungel Kinder, die kaum lesen und schreiben können.“ „Sind das alles dumme Kinder?“ „Nein! Nein, Nolan, dass sind keine dumme Kinder, sie hatten nur nie die Chance in eine Schule zu gehen.“ Nolan sah ihn fragend an, also erzählte Hannes ihm von dem Genozid an über 2, 5 Millionen Menschen seitens der Roten Khmer.
„Ja, Nolan, Kambodscha hatte sich in kürzester Zeit ins Mittelalter katapultiert. Darum ist es so schlimm in diesem Land. Es gibt Machthaber die wollen kein intelligentes Volk. Dumme Menschen kann man führen, dumme Menschen fragen nicht.“ Nolan hatte auf einmal einen konsternierten Blick. Ups, was hatte er gesagt! „In deiner Firma in Belgien haben sie dich doch auch nur die Arbeiten machen lassen, die deine Kollegen nicht wollten. Du wurdest dumm gehalten, damit sie nicht diese Arbeit machen mussten.“ Nolen nickte leicht. „Sie haben mit dir das gleiche gemacht, wie die Rote Khmer hier. Nur haben die Lehrer, Schriftsteller, Wissenschaftler, Intellektuelle und Oppositionelle umgebracht. Ich möchte dir helfen das du dein Selbstvertrauen und Rückgrat zurück bekommst. Du bist nicht dumm, nur wurde dir dies immer gesagt: Tu´dies nicht, tu´das nicht, dafür bist zu dumm. So etwas habe und werde ich nie zu dir sagen! Niemand ist geholfen, wenn du unglücklich so weit weg von deiner Heimat bist. Dann doch lieber einen Nolan, der sich in Mareile verliebt hat.“ Nolan sah ihn mit offenem Mund an „Ist das schlimm?“ „Quatsch! Du bist alt genug und Mareile auch. Ich würde mal sagen, Mareile hat sich auch in dich verliebt.“
„Mareile ist eine schöne Frau.“ „Oh ja, dass ist sie. Sie hatte es auch nicht leicht mit ihrem Freund. Er hatte sie oft Betrogen und am Ende einen Berg Schulden hinterlassen. Sie war im OP-Bereich in einem Krankenhaus in Bern. Mareile ist eine verdammt gute Assistenzärztin, auch wenn sie “nur“ Krankenschwester ist.“
„Was du alles weißt.“ „Wir sind ein Team, auch wenn sie für ein andere Organisation arbeitet. Wir arbeiten zusammen und helfen uns auch gegenseitig.“

Durch den Wald sah er eine Staubwolke kommen. Dies war bestimmt Asger und Cees.
„Lass uns zurück gehen, ich glaube der Grill kommt.“ „Okay. Warum sagt ihr alle “Europa Platz“?“ „Der Offizier, Rithisak Duy, dem wir hier in der Region sehr viel zu verdanken haben, hatte im Januar, als meine Frau das Zelt der UN brachte und ich mit dem Bagger den Platz dafür machen musste, ein Schild gemalt auf dem “Europa Platz“ stand. Da wir alle Europäer sind, wurde dieser Platz zum “Europa Platz.“ Heute ist dies ein Treffpunkt für eine ganze Region. Kannitha fragte mich, ob sie an ihrem Haus, welches auf der Ecke der Einfahrt steht, einen kleinen Laden eröffnen dürfte. So hat der Platz noch eine kleine Aufwertung bekommen. Die Ärzte aus der Schweiz behandeln mehr Menschen im den zwei Zelten, als die Ärzte in Svay Rieng im Krankenhaus. Wenn das Ärzteteam abrückt, wird meine Frau in das große Zelt ihre Schule machen – dafür war es auch gedacht. Nur mussten erst die Menschen medizinisch versorgt werden. Rithisak brachte die anderen zwei Zelte vom Militär aus Svay Rieng mit. Das Wasserrad ist natürlich das Highlight in der Region. Wenn die Pumpe an dem Rad ist und alles läuft, wie ich es theoretisch berechnet habe, haben Cees, Luan und ihr Team etwas gebaut, was es in Kambodscha noch nie gab.“ „Monsieur Dilbert, hatte mir beim Vorstellungsgespräch etwas ganz anderes von der Arbeit in Kambodscha erzählt.“ Hannes nickte „Es war auch nicht so geplant. Im Team hatten wir entschieden, dass wir von hinten Anfangen. Die Leute waren alle sehr krank. Drei sind schon gestorben, zwei Kinder und eine Frau.“ „Oh, mein Gott.“ Nolan bekreuzigte sich bei dem was es eben hörte. „Patricia und ich fuhren in unserer ersten Woche zur UN nach Phnom Penh um denen zu zeigen, wie es hier aussah und wie krank die Menschen waren. Zwei Tage später war Patricia wieder in Phnom Penh. Sie hat alles nur erdenkliche getan, um Hilfe zu bekommt. Reto und sein Team sind eigentlich in dem Distrikt Siam Reap eingesetzt, durch Zufall waren die noch in Phnom Penh. Einen Tag später waren sie in Kampang Rou. Hätte Patricia nicht mit UNHCR in Genf telefoniert, wären alle einen Tag früher gekommen. Durch die Zeitverschiebung ging es nicht anderst. Nolan, hier brannte die Luft! Ein Krankenwagen fuhr am Tag bis zu fünfmal ins Krankenhaus nach Svay Rieng. Liun, Mareile und Reto operierten die Leute, die einen oder zwei Tage zuvor ins Krankenhaus kamen. Die vier Schweizer hatten oft einen 16 Stunden Tag. Patricia
half den Schweizer wir sie konnte. Sie legte Infusionen an oder half bei der Versorgung von Wunden. Was du jetzt siehst, ist mit dem vom Anfang nicht mehr zu vergleichen! Ich bin schon am überlegen, wie wir noch nachhaltige Projekte in diese Gegend bekommen könnten. Der Fischteich ist nur eines. Das Gebiet zwischen dem Wald und Svay Rieng ist dermaßen trocken, dass dort kaum etwas wächst. Der Mais müsste viel höher stehen. Durch die Trockenheit verdorren zu viele Pflanzen oder der Mais, der geerntet wird ist so klein, dass kaum ein Ertrag da ist.“ „Ich habe mir über all solche Dinge noch nie Gedanken gemacht.“ „Tja, ich auch nicht. Bis ich dies alles selbst gesehen habe.“

Asger und Cees luden zwei Grills ab. Das eine war ein 200 Liter Blechfass und das andere ein geschweißtes Gestell, auf dem ein langer Spieß darauf lag. Durch angeschweißte Halterungen konnte das Ferkel besser eingespannt werden.
„Wow. Da soll mal einer sagen, die Niederländer können nur Käse! Sieht richtig gut aus, mein lieber Cees. Richtig gut.“ „Danke. Das Fass kommt auch auf ein Gestell. In die Wanne kommt das Feuer und später das Fass drauf. Ich hatte nur zwei gute Fässer gefunden. Das eine sind die zwei halbrunden Wannen für das Feuer und das andere unser Backofen. Ich habe noch ein Auflager in das Fass geschweißt, so können wir ganz locker den Deckel abnehmen und sehen, wie gar das Grillgut ist. Nun noch alles mit der Welle vom Wasserrad verbinden und alles dreht sich von selbst.“

Luan hatte auch schon eine zweite Welle gebaut, damit zwischen den beiden Grills dreieinhalb Meter Platz war. Hannes sah zu Nolan und schüttelte den Kopf „Auf was die Jungs kommen, wenn man sie einfach mal machen lässt.“
Nescha war auch da. Sollte sie mit Asger und Cees gekommen sein? Soldaten installierten noch mehr Licht für den Abend. Nescha und Patricia schleppten eine Stereoanlage und vier riesige Lautsprecher aus dem Pickup. „Lass doch, ich mache das mit Nolan.“ „No ma Chérie. Du hast heute deinen freien Tag.“ „Was soll ich damit machen?“ „Geh mit Sangkhum spazieren.“ „War ich schon.“ „Dann geh noch mal.“ „Bei 38°! Nolan, komm, wir gehen ans Wasser und schauen ob das Bier kalt ist“ Patricia sah ihn böse an „So wie mit Claude im Super Marché in Yutz?“ „Non, Madame, ich halte mich zurück.“ „Très bien.“

Auf den fragenden Blick von Nolan erzählte er ihm diesen kleinen voupa vor Weihnachten, als Claude und Hannes sich in der Cafeteria im Einkaufsmarkt an Roséwein besoffen hatten.
Nolan lacht „Du bist voll cool.“ „Danke, wir hatten uns an den vier oder fünf Flaschen Wein ganz schön besoffen. Ja, so ist  Claude. Wenn ich in Frankreich bin, werde ich ihn besuchen.“

Am Ende vom Wasserradkanal saßen sie mit einer Dose Bier in der Böschung. Das kühle frische Wasser was eine Wohltat. „Natürlich war ich das Gesprächsthema in Thionville. DER Deutsche in der Villa Lefèvre. Die Freundinnen von Patricia waren alle etwas besseres. Töchter von Ärzte, Anwälte, Unternehmer oder Richter. Was haben die sich über mich das Maul zerrissen! Noch nicht einmal Abitur hat er! Nach und nach legte sich die große Aufregung um mich. Ich habe sehr viele nette Menschen kennengelernt weil ich mich nicht verbiege. Dies sollst du auch nicht machen. Geh deinen Weg, sei stolz auf das was du machst und kannst. Du bist in Kambodscha und baust an einem 24 Millionen Dollar Projekt mit, damit es Menschen besser geht. Dies schaffen alle deine Neider nicht. Zeig denen wer Nolan Desmet ist und was er kann.“ „Du sagst dies alles so leicht. Ich bin nicht so stark wie du.“ „Kommt noch! Glaub mir, du wirst dich verändern und zwar zu deinem positiven. Schau, wer da oben an der Böschung steht.“
Nolan sah hoch und sah Mareile. Sofort hatte er wieder einen schüchternen Blick im Gesicht. „Mareile, komm, setzt dich zu uns das Bier ist angenehm kühl.“ „Grüezi‘ Hannes, grüezi‘ Nolan, warum sitzt ihr hier so weit weg von den anderen?“ „Meine Chefin meinte, ich hätte heute meinen freien Tag. Der Platz hier ist super. Durch dieleichte Gischt von dem Wasser ist es hier voll genial.“

Mareile setzte sich neben Nolan und nahm eine Dose Bier aus dem Wasser „Stimmt, diese ganz leichte Brise Wasser tut voll gut. Heute wird es eine richtig coole Party. Ich freue mich schon darauf.“ „Ich auch. Ich möchte mich mit diesem Fest bei allen bedanken. Wobei der Dank weitaus mehr ist als Bier und Spanferkel.“ „Hannes, jeder weiß wie du bist, jeder schätzt deine Menschlichkeit. Glaub mir – auch ohne Fest.“ „Dank dir. Ich lass euch beide mal alleine.“

Hannes ging durch den Kanal noch eine Dose Bier holen, zu Mareile sagte er leise ins Ohr „Pass auf ihn auf. Er hatte es nicht leicht.“

Arthur und Bernhard kamen mit ihrem Team und hatten Hattie und Laureen dabei. Hattie ging im schnellen Schritt zu Patricia und umarmte sie sofort. Er begrüßte alle und freute sich, dass sie gekommen waren. Nun lernte Hannes auch die zwei Österreicher: Ferdinand Gerber und Johannes Pilcher kennen. Ferdinand war Mitte 40, Mittelgroß und hatte eine normale Figur. Mit seinem Rauschebart sah er aus wie der Alm-Öhi. Jonathan war 38 Jahre alt, schmal, 1,80 Meter groß, braun gebrannt und durch die körperliche Arbeit durchtrainiert. Ferdinand war sein Leben lang für Bilfinger & Berger als Vorarbeiter auf der ganzen Welt unterwegs gewesen. Er hatte Kraftwerke, Staudämme, Flugplätze und Brücken gebaut. Letztes Jahr sei er und Jonathan von Bilfinger & Berger weg gegangen und hatten bei ODHI angefangen.
„Warum seid ihr bei einer so großen Firma weg?“ „Ja Hannes, groß ist nicht immer schön, Interessant auf jeden Fall aber auch unglaublich viele Komplikationen. Dann lieber Pumpenhäuser als ein Staudamm bauen. Bernhard hat uns sehr viel von dir erzählt. Ich denke mal, dass wir jetzt etwas auf den Bauabschnitten gerockt bekommen. Du hast ja auch Arthur ganz schön unter die Arme gegriffen.“
Hannes sah etwas ärgerlich zu Bernhard „Das freut mich, wenn Bernhard so viel von mir hält, Asger ist der Teamleiter, nicht ich. Ich fahre nur Bagger. Das wir Arthur geholfen haben versteht sich von selbst.“

Der “Europa Platz“ füllte sich immer mehr mit Menschen und Freunde die er mochte. Das Feuer brannte und der eine Grill drehte sich schon – wenn auch noch ohne Grillgut. Es funktionierte! Die zwei Soldaten aus der Feldküche hatten zwei riesige Töpfe Klebereis vorbereitet. Einen Berg Fleischspieße mit Hähnchenfleisch, einen Pott Papaya Salat und Dutzende Maisbrote gebacken. Hannes ließ sich einen Teller Papaya Salat geben. In diesem Salat hätte er baden können. Die unreife Papayas, mit Frühlingszwiebeln, geröstete Erdnüsse, Limettensaft und Chilischoten, war eine Mischung zwischen frische, würzig und verdammt scharf. Bei diesen Außentemperaturen aber genau das Richtige, auch wenn der Chili in den Augen brannte – war dieser Salat genial.

Die Kinder aus dem Ort sprangen schon den ganzen Tag auf dem Platz herum. Patricia und Nescha macht noch etwas Schulunterricht. Hattie war wie wild am fotografieren. Aus der Stereoanlage lief Musik aus den 80er. Es war Musik, die er aus der Dorf-Disco in seinem Ort kannte.

Mit Bernhard und Laureen saß er unter einer der drei Holzhütten. Von der zweiten Hütte hatte man einen sehr guten Blick über den ganzen “Europa Platz“.
Laureen sprach über die fünf Bewerber. „Weißt du, was Patricia mit diesen fünf Leuten hier in der Region bewegen könnte? Die Jungs aus meinem Team hatten sich gestern schon Gedanken gemacht, wie und wo Schulen gebaut werden können. Laureen, wenn dies alles so kommt, wie wir es jetzt denken, hat UNICEF eines der besten Projekte am Start.“ „Ich weiß. Ich weiß auch, dass so etwas nur mit euch gelingen kann. Ich habe vorsorglich schon Zelte, Stühle und Tische geordert. Wenn diese fünf wirklich kommen sollten, brauchen wir eine vernünftige Infrastruktur. Niemand kann die schneller bauen als du.“ Bernhard nickte sehr eifrig. „Nun lass mal gut sein, einen Platz mit einem Bagger eben zu machen um ein Zelt darauf zu stellen, ist noch keine Infrastruktur.“ „Du weißt genau wie ich dies meine.“ „Wir haben mit einfachsten Mittel das Beste daraus gemacht. Ein Dauerzustand kann dies nicht sein. Bernhard ist der Projektleiter, ihm hast du es zu verdanken dass wir mit Maschinen und Mitarbeiter dies machen konnten. Er hat den Kontakt zum Militär in Svay Rieng gefunden. Patricia hat Reto durch Zufall in Phnom Penh getroffen und vieles hat einfach zusammen gepasst. Besorge Geld für den Bau von Schulen, Baumaschinen und Arbeiter sind da. Ich denke auch das wir für die Maschinen- und Lohnkosten mit ODHI eine Lösung finden werden. Noch hat UNICEF außer diesem Zelt nicht all zu viel beigetragen. Ich kann mich erinnern das wir eine solche Diskussion schon einmal hatten.“
Bernhard packte Hannes am Arm, er wollte damit sagen: lass jetzt gut sein. „Weist du den schon, wo diese fünf Lehrer herkommen?“ „Deutschland, Frankreich und der Schweiz.“ „Die würden ja voll in diese ganze Meute passen. In der zweiten Woche vom April fliegen wir nach Frankreich, dann sollte Patricia selbst mit denen reden.“ „Ja, dass wissen die auch schon. Ich gebe Patricia später noch die Adressen und Telefonnummern von denen. Sie kann vorab mit den Leuten schon in Kontakt treten. Ich kümmere mich auch um Gelder – versprochen. Die UN ist nicht so schnell wie ihr. Überlege dir doch bitte, ob du nicht für uns arbeiten möchtest.“ Bernhard entgleisten bei diesen Satz von Laureen sämtliche Gesichtszüge und Hannes schüttelte energisch den Kopf. „Da muss ich dich enttäuschen. Ich habe gestern für dieses Projekt 8 neue Bagger und 3 Radlader bestellt. Wenn dies alles so kommt, wie ich es mir Vorstelle, sind wir in vier Jahre mit dem ganzen Projekt fertig, auch mit den Anbindungen in allen Ortschaften.“ Bernhard riss die Augen auf „Vier Jahre? Hannes! Ich weiß nicht. Das schaffst du nicht.“ „Noch nicht. Richtig. Bernhard, du siehst was für ein Schrott auf den Bauabschnitten steht. Damit ist es unmöglich einen Kilometer Graben an einem Tag zu machen. Mit dem richtigen Werkzeug schaffe ich dies. Dieses Projekt ist auf 7 Jahre mit 24 Millionen Dollar geplant, ein Jahr ist schon fast vorbei und sehr wenig hat sich getan. Bei dir in Bauabschnitt 1 sind zwei Pumpenhäuser fertig und 18 Kilometer Wasserleitung verlegt und noch keine Anbindung an die Ortschaften. Abschnitt 2 zeigt auch nicht gerade die Erfüllung von Leistung. Bei uns in Bauabschnitt 3 sieht es genau so düster aus. Wenn wir es in vier Jahre hin bekomme, können mit den Baumaschinen andere Projekte gemacht werden. Dafür muss es aber auch voran gehen.“ „Wie willst du dies in vier Jahren schaffen?“
„Vier Jahre ab jetzt, das letzte Jahr bekommen wir nicht mehr aufgeholt. Ich habe es gestern schon Stephane erklärt: zwei Bagger pro Bauabschnitt an der Hauptleitung. Zwei Bagger die von den Ortschaften zu der Hauptwasserleitung hin arbeiten. Das gleiche was wir hier machen. Wenn wir im Umkreis von Kampang Rou die Ortschaften angeschlossen haben, geht es mit der großen Wasserleitung durch den Wald, den Berg hinunter und über das Tal an die Hauptleitung. Da könnten wir schneller an der Leitung sein, als das die ganze Länge fertig gestellt ist. Mit richtigen Baumaschinen schaffen wir dies in einer realisierbaren Zeit! Wir brauchen auch gute Leute für den Hochbau, so könnten fast alle Pumpenhäuser auf der Hauptstrecke schon gebaut werden. Die Mobilbagger können die Fundamente ausheben und sind am nächsten Tag wieder an Hauptleitung. Der Schrott von den Unternehmer kann man an die Hochbau Projekte stellen, dafür sind die Dinger noch gut. Bernhard, rechne es dir doch einmal aus. Vom Pumpenhaus nach Westen am Tag einen Kilometer und nach Osten das gleiche.“ „Hannes, dieses Tempo bekommst du nicht hin.“ „Warum nicht? Im Bauabschnitt 1 bis 3 ist es an der Hauptwasserleitung Tellereben. Mit einem 20 Tonnen Bagger mache ich dir ganz locker einen Graben von 2 Kilometer am Tag. Schwierig wird es wenn wir an die Ausläufer vom Dongrek-Gebirge bekommen. Da werden wir viel Zeit brauchen, bis wir damit fertig sind. Auch die Ortschaften südöstlich von Bauabschnitt 2 sind mitunter ganz schöne Berge drin. Dafür brauchen wir richtige Bagger und kein Spielzeug. Die Investition für die Bagger sind auf die nächsten Jahre sehr gut angelegt. Wir könnten in den anderen trockenen Gebieten das gleiche machen. Mit guten Leuten ist dies alles zu schaffen. Ich habe erst heute einen neuen Baggerfahrer eingestellt.“ „Was…wie..?“
„Der Mann ist an Bauabschnitt 3 und fährt einen Bagger der 30 Jahre als ist – könnte auch 100 Jahre sein. Es ist nur Schrott, jetzt ist die Hydraulikpumpe kaputt und der Bagger steht auf unbestimmte Zeit auf der Baustelle. Heißt Baustopp oder ich muss einer der Bagger von Kampang Rou abziehen – was ich nicht möchte. Kettenbagger sind nicht gebaut um 5 Kilometer zu fahren. Kosal kann mit seinem Bagger nicht besser arbeiten, wenn das Ding am Limit oder völlig kaputt ist. Vorhin fuhr er den großen Bagger und ich sah, dass er es kann. Nächste Woche würde sein Schwager und ein anderer Kollege von seiner Firma vorbei kommen. Ich lass die Männer baggern und sehe nach 30 Minuten ob es Sinn macht oder nicht. Bernhard, wir brauchen gute Leute und die am besten schon seit gestern. Mir war es auch wichtig, dass wir den Sonntag einführen und auch die Freizeit zwischen Mittag und Nachmittag. Durch die Pausen ruhen die Männer und Frauen aus. Kein Mensch kann bei 38° noch vernünftig arbeiten! Dann lieber gar nicht arbeiten und nach der Hitze noch drei oder vier Stunden arbeiten. Die Menschen sind ausgeruht, haben mehr Motivation und sind nicht krank oder erschöpft. Nur so können wir gewinnen.“ Bernhard und Laureen nickten zustimmend. „So, nun haben wir genug über die Arbeit geredet, heute feiern wir.“

Der Pulk an Menschen um die zwei Grills war erstaunlich. Die Männer und Frauen betrachtetet weniger das vor sich hin bratende Schwein, sondern mehr die Konstruktion der Grills und dessen Antrieb.

Joan Jett dröhnte aus den 4 Lautsprecher über den Platz.
I love rock n‘ roll
So put another dime in the jukebox, baby
I love rock n‘ roll
So come an‘ take your time an‘ dance with me…
Die Musik von Nescha war wirklich Top. Wo sie diese Stereoanlage nur aufgetrieben hatte? Egal. Hauptsache gute Musik.

Ferdinand kam zu Hannes „Ich habe deine Unterhaltung mit Bernhard und dieser Frau gehört, dass habe ich vorhin gemeint, du denkst nach und machst dir viele Gedanken und bestellst neue Bagger. Asger ist dafür nicht der richtige Mann, dies weiß auch Bernhard.“ „Dann muss es jemand anders machen. Ich sage nur, wie es gehen könnte, wie es wird weiß ich auch noch nicht. Ich habe lediglich eine Bestellung für Baumaschinen aufgegeben, was am Ende kommt, liegt nicht bei mir. Du hast weitaus mehr Erfahrung als ich, warum machst nicht den Job?“ „Ich bin Hochbauer. Besorge du die Leute und Maschinen, dann baue ich dir die Pumpenhäuser.“ Hannes sah Ferdinand resigniert an „Heute nicht mehr. Ich will heute mit euch allen feiern und mir mal keine Gedanken über all diesen Käse machen. Heute nicht.“

Rithisak kam mit seinem Major auf ihn zu. Beide grüßen Hannes militärisch. Hannes bedankte sich in aller Form bei dem Major für diese unglaubliche Unterstützung und fragte auch nach der Länge für den Einsatz der Mitarbeiter und ob er Chankrisna, Nhean und einige andere Soldaten vom Militär so einfach ins Zivilleben übernehmen könnte. Major Bourey Duong fragte ganz erstaunt nach dem Grund. Hannes sagte Duong offen, seine Meinung über jene Soldaten. Auch die Sorge nach noch so vielen fehlende guten Mitarbeiter und wann er dieses Projekt abgeschlossen haben wollte. „Durch Rithisak weiß ich schon, was die Soldaten leisten und diese auch sehr gerne hier arbeiten. Das diese Männer so gut sind, wurde mir nicht zugetragen“ dabei sah Major Duong Rithisak an „es sind Soldaten für das Volk von Kambodscha. Ich gehe davon aus, dass Ihnen die politische Lage von Kambodscha bekannt ist“ Hannes nickte „ich stand im Januar zwischen dem Militär und Ihrer Arbeit in Kampang Rou. Offizier Duy, hat mich regelrecht angefleht für meine Zusage an Hilfe. Was ich in zweieinhalb Monate an Veränderungen sehe, hätte ich nie für möglich gehalten! Mir ist auch bekannt, in welch einem freundschaftlichen Verhältnis Sie zu Offizier Duy stehen. Was Sie und ich hier machen, wird in anderen Provinzen nicht unbedingt als positives Zeichen für mein Land gesehen.“
Hannes nickte, die Haltung von Gouverneur Phirun Suoth war ihm sehr wohl in Erinnerung. „Als Mensch habe ich den größten Respekt vor Ihrer Arbeit, Sie helfen Menschen und geben dieser Region eine Chance für eine bessere Zukunft. Als Major stehe ich zwischen den Linien der jetzigen Regierung und der Humanitären Hilfe.“ Auf was will der Major hinaus, dachte Hannes und sah Duong abwartend an. „Wir haben seit 1977 massive Probleme in diesem Land. Die Gründe dürfen Ihnen auch bestens bekannt sein.“ Hannes nickte wieder. „Ich unterstütze jede Form der Hilfe und hoffe, dass Kambodscha wieder zu diesem Land wird, was es einmal war. Wir sind in einer der ärmsten Provinzen von Kambodscha, gemeinsam können wir vieles verändern. Ich glaube an Sie! Sie bekommen Soldaten von mir und im Gegenzug schaffen Sie eine Infrastruktur für diese Provinz.“ Nun war es raus. Daher dieses geeier vom Major. Er möchte mit der Hilfe von ODHI seine Provinz aufwerten! Hannes war froh, wenn er in sechs Ortschaften etwas verändern konnte. Er sah Duong an und schüttelte den Kopf „Das kann ich nicht. Diese Provinz hat eine Größe von 200 Quadratkilometer, was wir hier auf 15 Quadratkilometer schaffen ist schon schwierig. Natürlich werden alle Ortschaften an die neue Wasserleitung angebunden werden, nur ist eine Infrastruktur für eine Provinz etwas anderes als sechs Ortschaften. Major Duong, Ihre Gedanken oder Wunsch kann ich nicht umsetzen. Nicht mit einer Handvoll Männer und schon gar nicht, wenn die Ausläufer vom Dongrek-Gebirge kommen. Ich bräuchte eine Armee um Ihre Forderung umzusetzen. Ich weiß, dass sich vor zweieinhalb Monate eine Internationale Konferenz für Kambodscha getroffen hat. In wieweit Hilfe kommt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Niemand kann dies zum jetzigen Zeitpunkt sagen.“

Bon Jovi´s, Living on a prayer, schallte über den “Europa Platz“ – wie passend dachte Hannes. Wie passend.
We’ll give it a shot
Woah, we’re half way there
Woah, livin‘ on a prayer
Take my hand, we’ll make it I swear
Woah, livin‘ on a prayer…

„Lassen Sie mir bitte Zeit zum Nachdenken, eine solche Forderung muss gut überlegt sein und dies möchte ich auch mit allen Verantwortlichen von ODHI abgestimmt wissen.“

Hannes ging zu Sangkhum und führte sie auf die Weide, wenn später noch mehr Leute kämen, wollte er nicht, dass Sangkhum Panik bekam. Er sprach mit Sangkhum über die Worte vom Major, als beide die Piste hoch in Richtung Weide gingen „So sind die Menschen, gibt man denen den kleinen Finger, wollen sie gleich die ganze Hand. Sangkhum, warum kannst du kein Bagger fahren?“ Er knuddelte das Rind und streichelte ihren großen Kopf. Sie sah ihn mit ihren riesigen Augen friedlich und treu an.
Sollte nun alles daran scheitern, weil er nicht den Mut fand der Forderung von Major Duong zuzusagen? Eine ganze Provinz! Soll der Major doch selbst mal den Müll weg schaffen und kranke Menschen behandeln.
Rithisak kam zu ihm auf die Weide „Deine Augen sagen mehr als tausend Worte. Ich sehe deine Traurigkeit und Verzweiflung.“ Hannes sah ihn Ratlos an und zog die Schultern hoch, was sollte er sagen? „Da hinten kommt dein Major. Rithisak, wie soll ich entscheiden? Wie soll ich dies mit den wenigen Leuten umsetzten?“ Rithisak zog die Schultern hoch, Hannes nickte „Genau so. Nun stehen wir bei einem Kalb und hoffen auf eine Idee oder gar Wunder.“

Major Bourey Duong reichte Hannes die Hand. „Ich denke, Sie haben meine Worte falsch verstanden. Ich helfe wie und wo ich kann. Ich möchte den Menschen in dieser Region eine Perspektive geb…“ Hannes fiel dem Major ins Wort „Major Duong, ich habe Sie schon verstanden. Ich kann und werde ihre Forderung nicht erfüllen. Tut mir leid. Wir Europäer sind hier um diesen Menschen, diesem Land zu helfen und nicht um Forderungen zu erfüllen!“
Duong reichte ihm wieder die Hand. „Ihr Rückgrat zeigt mir, wie ehrlich Sie sind. Sie stellten sich gegen das Wort eines Major. Ich könnte Sie von meinem Rang her aus Kambodscha verweisen.“ Hannes nickte „Dann können Sie noch länger auf Hilfe warten, dies wissen Sie auch!“ Duong nickte, er hielt immer noch die Hand von Hannes fest „Warum kamen Sie nicht schon viele Jahre früher? Sie sind ein guter Mensch. Ich helfe Ihnen und besorge noch gute Arbeiter. Auch werden wir einen Konsens über die 13 Soldaten finden. Die Soldaten, die für Sie arbeiten, brauchen für ihre eigene Sicherheit keine Uniform zu tragen. Ich bitte Sie um Stillschweigen unserer Unterhaltung und Vereinbarung.“
„Selbstverständlich, Major Duong.“ „Mit Ihrem westlichen Wissen, können Sie doch bestimmt den Menschen in der Provinz Svay Rieng helfen.“ „Herr Major, bei allem Respekt, das Wissen ist es nicht, es braucht auch Geld und Mitarbeiter. Beides habe ich nicht. Ich sehe auch die Not der Menschen und ich sehe, dass die Felder zwischen Kampang Rou und Svay Rieng sehr trocken sind. Der Mais wächst kaum und hat dadurch sehr wenig Ertrag. Gleiches sehe ich beim Zuckerrohr. Dieser Umstand ist nicht akzeptabel und dafür müssten Lösungen gefunden werden.“ Major Duong nickte „Dies meinte ich vorhin mit Infrastruktur schaffen. Lassen Sie uns auf Ihr Fest gehen, wir schaffen eine Kooperation die für uns beide gut ist. Ich heiße Bourey. Den Major Duong brauchen wir nicht.“ „Hannes. Bourey, ich bin kein Agronom und bin dafür der falsche Ansprechpartner.“ Bourey legte den Kopf zur Seite „Glaube ich nicht. Du kennst doch bestimmt andere NGO’s. Ich kenne nur die Militärlandschaft.“ „Du gibst wohl nie auf?“ „Nein! Hannes, wir haben jetzt die Chance die Zukunft zu gestalten und dies sollten wir gemeinsam tun.“ Hannes kniff die Augen zusammen „Kann es sein, dass du die Haltung von Gouverneur Suoth kennst?“ „Natürlich. Auch darüber bitte ich um Stillschweigen.“ „Selbstverständlich.“

Auf dem Weg von der Weide zum “Europa Platz“ musste Hannes mit seinen beiden Begleiter dreimal umkehren, weil Sangkhum partout mit ihm gehen wollte. An der Kreuzung, wo der große Bagger stand gab er es auf. Bourey hatte schon von Sangkhum gehört, nun konnte er sich Hautnah ein Bild von der Anhänglichkeit dieses Kalbs machen. „Ihr beide werdet noch in die Geschichte von Kambodscha eingehen.“ Hannes lachte „Sind wir dies nicht schon? Komm, lass uns ein Bier trinken.“

Asger sagte ihm, dass in 2 Stunden das Essen fertig sei. Es roch sehr gut und sah auch schon sehr gut aus. Das Ferkel in dem Fassofen wäre in gut einer Stunde fertig gegrillt. Der Wasserradantrieb lief ruhig wie ein Uhrwerk. Langsam und Gleichmäßig drehten sich die Grills. Hannes war noch immer von diesem Können der Jungs fasziniert.

Das Essen war sehr gut. Beide Ferkel hatten einen sehr guten Geschmack gehabt, wobei Hannes das aus dem Fassofen für noch besser gefunden hatte –  das Fleisch war saftiger.
Alles an Essen war Top. Alle Freunde, Mitarbeiter und auch Dorfbewohner wurden satt. Viele aus dem Ort brachten auch noch Essen mit. Ein solches Fest hat es in Kampang Rou noch nie gegeben. Alle Tische und Stühle standen im einem großen Kreis auf den Platz. Es war eine Runde aus so vielen Menschen und Nationen, dass jeder die Gemeinschaft fühlte! So sollte es sein. Warum kann diese Welt nicht ein bisschen von dieser Runde annehmen, dachte Hannes als er sich diese fröhliche Runde betrachtete.

Nach dem Essen wurde getanzt, gelacht und gesungen. Dorfbewohner sangen und klatschen zu Lieder die sie gar nicht kannten und noch weniger verstanden. Nach dem dritten abspielen von Achim Reichel´s,: Aloha heja he, sangen alle Personen auf dem “Europa Platz“:
Aloha heja he
Aloha heja he
Aloha heja he
Aloha heja he
Aloha heja he
Aloha heja he

Einem Hit der 80er folgte der nächste. Mit so vielen Menschen zu feiern war für Hannes mehr als nur ein Fest. Menschen die er nur vom sehen kannte, tanzen und sangen mit ihm.
Patricia tanze zu „“Reality“ aus dem Soundtrack von La Boum ganz eng mit ihm. Diese Nähe bei diesem Lied war für Hannes reinste Erotik. Stundenlang hätte er sich mit ihr im Kreis bewegen können. Das Lied war aus und Patricia blieb stehen. Sie sah ihm tief in seine blauen Augen und küsste ihn „Je t’aime pour toujours.“ „Ich liebe dich auch auf ewig, meine Prinzessin.“

Die ersten Töne von Joe Cocker´s: With a Little Help from My Friends, erklang aus den Boxen. Der Kreis um ihn und Patricia wurde enger und alle seine Freunde fingen an zu singen:
What would you do if I sang out of tune?
Would you stand up and walk out on me?
Lend me your ears, then I’ll sing you a song
I will try not to sing out of key, yeah
Oh, baby I get by
By with a little help from my friends
All I need is my buddies
Try with a little help from my friends
I said, I’m gonna get high
High with a little help from my friends
Oh, yeah
What do I do when my love is away?
Does it worry you to be alone?
No, no
How do I feel at the end of the day?
Are you sad ‚cause you’re on your own?
I tell don’t get sad no more…

Hannes wusste, dass dieses Lied für ihn gesungen wurde. „By with a little help from my friends.“ Immer wieder sagen sie diesen Satz. Im kamen die Tränen vor Freunde und Überwältigung all dieser Menschen.
Am 10. Breitengrad sang ein ganzer Ort: „With a Little Help from My Friends…“ für ihn.

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