12 Ostern 1990 in Thionville, Teil 1

Kapitel 12

Ostern 1990 in Thionville

Am Samstag nach dem Mittagessen fuhren Patricia und Hannes von der Nahe nach Thionville. Patricia wollte noch Clodette Léglise, Leatitia de Perrin, Fabio Wyss, und Levi Flacks anrufen wann ein erstes Treffen mit ihnen möglich wäre.

Clodette könnte an Ostermontag vorbei kommen. Dies wurde von Patricia sehr begrüßt. „Komisch, bei diesem Flacks meldet sich ein Obdachlosenheim. Da hat Laureen bestimmt eine falsche Nummer aufgeschrieben.“ „Dann solltest du nach Phnom Penh anrufen und fragen. Vielleicht erreichst du sie heute noch. Sonst wahrscheinlich erst nach Ostern. Die werden bestimmt die Feiertage so halten wie in den USA.“ „Meinst du?“ „Schatz, ich weiß es doch nicht, versuche es einfach. Wenn eine Zahl falsch ist, gibt es eine Million Kombinationen die du anrufen kannst.“ „Du hast recht.“
Patricia wählte die Nummer von Laureen, als das andere Telefon im Arbeitszimmer klingelte.
„Hallo Laureen, Patricia hier, schau mal bitte nach der Nummer von diesem Levi Flacks. Ich glaube da hast du einen Zahlendreher. Danke.“

Franziska rief von unten hoch, dass ein Mann jemand sprechen wolle. Hannes sah Patricia fragend an. „Ein Mann will jemand sprechen? Was ist das denn für eine Ansage?“ „Ja, dann geh. Ich warte auf die Nummer von Laureen.“ „Deine Mutter ist doch am Telefon.“ Patricia verdrehte die Augen. „Mon Dieu! Vielleicht will dich jemand sprechen. Was weiß ich denn.“
„Oui, Madame. Ich geh mal zu dem Mann ans Telefon. Franziska, ich komme.“

Hannes war im Arbeitszimmer von Bernhard und nahm das Telefongespräch entgegen. „Bonne journée Hannes au téléphone.“ „Hallo…?“ „Ja, hallo. Mit wem spreche ich?“ „Wer sind Sie?“ „Hä? Sie haben doch angerufen. Ich habe gesagt: Hallo und guten Tag, Hannes am Telefon.“ Stille auf der anderen Seite der Leitung. Was ist das denn für ein Clown, dachte Hannes. „Ich kann ihnen nicht helfen, wenn Sie nicht sagen was der Grund für Ihren Anruf ist. Soll ich dies in Deutsch, Englisch oder Khmer wiederholen?“ „Khmer?“ Kam es erstaunt aus dem Hörer. „Suostei ning chomreabsuor Hannes sa tam toursapt.“ „Sie können Khmer?“
Hannes nickte leicht genervt. „Es hört sich an, als ob Extraterrestrische Lebensformen miteinander sprechen – es ist aber tatsächlich Khmer. Trotzdem drehen wir uns im Kreis. Noch einmal: wie – kann – ich – ihnen – helfen?“ „Waren Sie in Kambodscha?“
Hannes blies die Luft durch dich Lippen. „Ja, in Kambodscha wir Khmer gesprochen – folglich war ich dort gewesen.“ „Sind Sie Lehrer?“ „Nö, ich bin Baggerfahrer.“
„Entschuldigung, dann habe ich mich verwählt.“ „Kein Problem. – Halt – Moment! Rufen Sie wegen einer Bewerbung für eine Lehrerstelle in Kambodscha an?“
„Ja.“ „Okay, dann bin ich für Sie der Ansprechpartner.“ „Ich dachte Sie fahren Bagger?“ „Ist etwas schwer zu erklären, aber jetzt bin ich Lehrer.“ „Wollen Sie mich verarschen!?“ „Verdammt nein! Es ist nur etwas komplizierter es Ihnen auf die schnelle zu erklären. Fangen wir von vorne an. Sie sind Herr…?“
„Flacks.“ „Levi Flacks? Aus der Schweiz?“ „Ja der bin ich.“ „Gut dass Sie anrufen, meine Frau versucht gerade über Phnom Penh Ihre Telefonnummer heraus zu bekommen. Da scheint ein Zahlendreher drin zu sein.“ „Warum?“ „Weil sich ein Obdachlosenheim meldet.“
Stille auf der anderen Seite der Telefonleitung.
„Hallo?“ „Ja, ja, da meldet sich ein Obdachlosenheim.“ „Exakt heraus gearbeitet. Also, nun sind Sie am Telefon. Dann können wir jetzt reden oder soll ich zurückrufen?“ „Nein, ist schon in Ordnung. Sie suchen also Lehrer für Kambodscha?“ „Ja, also UNICEF und meine Frau suchen Lehrer, ich bin nur einer der dies etwas betreut.“ „In wie fern?“ „Ich fahre Bagger – unter anderem. Möchten Sie mit meiner Frau reden?“ „Warum?“
„Weil sie diejenige ist, die Lehrer sucht und einstellt.“ „Können auch wir reden?“
„Natürlich können wir reden. Nur müssten sie dann auch damit anfangen.“

Erneut trat eine länge Pause ein. Hannes merkte, dass da mehr war. „Ich warte.“ „Ja. Entschuldigung. Ich fange nochmal von vorne an.“ „Bitte.“ „Ich heiße Levi Flacks, bin 48 Jahre alt, Lehrer aus Leidenschaft und suche eine neue Aufgabe in meinem Beruf.“
Neue Aufgaben im Beruf von einem Lehrer? Hannes kam dies alles etwas seltsam vor.
„Okay, wären Sie hier vielleicht richtig.“ „Ich bin geschieden.“ „Sind andere in meinem Team auch.“ „Okay.“
Wieder eine längere Pause. „Kommt noch etwas?“ Levi nahm hörbar Luft. „Die Telefonnummer ist richtig.“ Kam es sehr gequält aus dem Telefonhörer. „Aha. Arbeiten Sie in einem solchen Heim?“
Levi nahm wieder hörbar tief Luft. Patricia kam in das Arbeitszimmer und Hannes stellte den Lautsprecher vom Telefon an.

„Nein.“ „Okay. Ich merke Ihnen fällt das reden schwer. Dann fasse ich einmal zusammen: Sie sind Levi Flacks, 48 Jahre alt, geschieden und leben durch oder wegen der Scheidung in einem Obdachlosenheim in der Schweiz. Sie wollen endlich wieder ein normales Leben führen und kein Zimmer mit sechs Personen teilen, die Alkohol-  oder Drogensüchtig sind. Soweit korrekt?“
„Ja.“ „Gut. Verstehe ich.“ „Verstehen Sie dies?“ „Nein. Ich kann mir aber vorstellen, dass ein solches Leben nicht lustig ist und Sie als Lehrer sich völlig deplatziert fühlen, Sie aber keinen Halt haben um aus diesem Kreis heraus zu kommen.“ „Ja. Ist richtig.“
„Herr Flacks, ich konnte mir soweit alles irgendwie zusammen reimen, nun sollten Sie auch bitte mir etwas sagen. Oder können Sie an dem Ort nicht frei reden?“

Franziska stand in der Tür zum Arbeitszimmer.
„Doch, ich kann reden. Sie haben recht. Ich war über zwanzig Jahre verheiratet, wir hatten 1973 ein Haus gebaut, 85 kam die Scheidung. Meine Frau ging mit unseren beiden Kindern weg. Ich hatte den Halt verloren und ging irgendwann unregelmäßiger zur Arbeit. Ich wurde aus der Konsequenz dann vom Dienst Freigestellt und bekam dann auch kein Geld mehr. Ich kümmerte mich um nichts mehr. Fing an zu trinken und verlor im Juni 86 unser Haus.“
Patricia saß regungslos neben Hannes im Stuhl und Franziska zog sich den Drehstuhl vom Schreibtisch bei.
„Wow. Das ist hart. Sie rutschten immer mehr ab und am Ende blieb nur noch die Straße. Der Alkohol kam hinzu und der Sinn vom Leben war mit einem Schlag weg.“ „Ja. Genau so war es.“
Hannes nickte. „Und nun möchten Sie einen Neuanfang. Ihrem Leben wieder einen Sinn geben.“ „Ja. Dies möchte ich.“ „Gut. Bekommen Sie.“ „Wie?“ „Sie bekommen eine Chance für Ihren Neuanfang – wenn Sie diesen wirklich wollen!“ „Will ich! Bevor ich mich tot saufe muss ich hier weg.“ „Verstehe ich. Die Spirale geht weiter nach unten als nach oben.“ „Absolut.“
Franziska schüttelte den Kopf und sah Hannes fassungslos an.
„Sie haben Sich beworben um aus allem weit weg zu kommen. Weit weg von den Menschen die Sie jetzt verachten und weit weg von diesem Milieu.“ „Ja.“ „Gut. Sie sollen ihre Chance bekommen.“ „Wirklich? Trotz allem was ich Ihnen eben von mir erzählt habe?“ „Ja. Humanitäre Hilfe muss nicht in Südostasien beginnen, diese kann auch in der Schweiz sein. Sie sind seit 1986 auf der Straße und wollen ein Leben führen, wie Sie es früher hatten.“ „Ja, dass möchte ich. Ich kann Ihnen leider keine Zeugnisse von mir geben.“ Hannes winkte ab. „Ein kluger Mensch sagte vor einiger Zeit einen guten Satz zu mir: eine Zahl auf einem Stück Papier bewertet keinen Menschen!“
Leise sagte Patricia „er weint.“ „Sehen Sie dies so?“ „Hätte ich sonst nicht gesagt. Wie gut waren Sie als Lehrer?“ „Wie gut ich war…? Ich wurde als Konrektor gehandelt –  dann kam die Scheidung. Ich liebe meinen Beruf. Dies wollte ich als Kind schon werden. Ich war zwanzig Jahre in meinem Beruf, der Umgang mit Kindern wollte ich immer. Wissen vermitteln mit Sorgfalt, nicht mit Brachialgewalt Noten erzwingen, auch mal zwei Augen zudrücken und das Kind an die Seite nehmen um ihm ins Gewissen reden. Wie Sie schon sagten, eine Zahl auf einem Stück Papier beurteilt keinen Menschen. Leider sehen in der Ausbildung viele Meister oder Personalchefs dies anders.“
Franziska saß links neben Hannes und nickte, wie auch Patricia auf der rechten Seite.
„Herr Flacks, ich würde mal sagen, Sie sind mein Mann.“ Nun hörte auch Hannes ein leichtes weinen und schluchzten. „Wirklich?“ „Absolut! Ich gebe Ihnen mein Wort darauf. Nun hätten wir dies geklärt. Bitte noch einige persönliche Fragen. Sind Sie noch Krankenversichert?“ „Nein.
Warum?“ „Sie bräuchten schon einige Impfungen für Kambodscha. Ich werde mich darum bemühen, dass Sie so schnell wie möglich diese Impfungen bekommen. Wo sind Sie zur Zeit?“ „In Dietikon in einem Obdachlosenheim.“ „Okay, wie sieht es mit Sprache aus? Können oder wollen Sie Khmer lernen?“ „Ich kann vier Sprachen, da werde auch noch Khmer lernen. Der Suff hat mir vieles genommen, mein Hirn noch nicht.“ „Ich kann Ihnen heute schon Unterlagen zukommen lassen, in dem ich Ihnen mein Wort gebe, dass Sie die Chance auf ein neues Leben bekommen, wenn Sie möchten sogar mit dem Namen und Unterschrift von der UNICEF Leiterin in Kambodscha.“ „Ich vertraue Ihnen. Ich nehme den Strohhalm an.“ „Levi, ich reiche Ihnen die Hand. Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient, Sie auch. Nur habe ich eine Bedingung!“ „Welche?“
„Lassen Sie die Finger von dem Alkohol.“
„Ja. Ich hätte niemals gedacht, dass dieser Dreck mich so nach unten zieht. Sie haben so recht.“ „Lass das Sie weg. Ich bin Hannes. Wir sind in einem Gebiet nahe der Grenze zu Vietnam. Es besteht immer noch kein Waffenstillstandsabkommen mit Vietnam. Das heißt: wir müssen im Kopf klar sein wenn die Sache eskalieren sollte.“ „Verstehe ich.“ „Bitte gib mir die Faxnummer, damit ich alles schicken kann, was relevant ist. Sag denen in dem Haus, dass in eineinhalb Stunden einige Faxe kommen werden. Wie bist du zu erreichen?“ „Nur über diese Nummer.“
„Okay. Ich schreibe auch etwas zu mir, damit die Betreuer in dem Heim sehen, mit wem du gesprochen hast und ich auch der Ansprechpartner für eben jene Betreuer bin oder wäre. Besteht die Möglichkeit, dass du irgendwie nach Frankreich  kommen kannst?“ „Warum Frankreich? Ohne Geld sehr schwierig von hier weg zu kommen. Wenn dann zu Fuß oder ich trampe.“ „Nein. Frankreich deshalb, weil meine Frau und ich zur Zeit dort wohnen. Ende Mai fliegen wir wieder nach Kambodscha und ich hätte dich gerne in der Nähe. Zum einen um dich aus der Spirale der Obdachlosigkeit zu holen und zum anderen könntest du schon anfangen Khmer zu lernen. Wie du schon gesagt hast, ohne Geld wird es auch schwer werden Sprachbücher zu kaufen. Ich bin nach Ostern in Deutschland bei einer Pumpenfirma in der Pfalz, ich komme dich abholen.“ „Das würden Sie – du, machen?“
„Ja, ich gebe dir mein Wort. Es wird wahrscheinlich in der siebzehnten KW sein. Ich werde frühzeitig ein Fax schicken, wann ich in Dietikon bin. Levi – ich komme.“
„Ich habe den Wink verstanden, die Zeit wo mir alles egal war, ist vorbei. Versprochen.“
„Gut. Ich werde mich heute um 18 Uhr wieder melden. Ich rufe jetzt einen Freund und Arzt in Kambodscha an und frage ihn welche Möglichkeiten er mir geben kann, damit du die Impfungen bekommst. Ich brauche nur noch die Faxnummer von dir.“ „Kommt sofort.“

Hannes legte den Hörer auf und brauchte nun auch erst einmal Zeit um sich zu sammeln.
„Wie du dieses Gespräch geführt hast, ist mehr als bemerkenswert. Du bist auf ihn eingegangen und er hat von sich aus angefangen zu erzählen. Du kannst gerne zu mir an die Schule kommen und Schulpsychologe werden.“ „Lass mal, ich fahre doch lieber Bagger.“
Patricia schüttelte den Kopf. „Warum machst du dich immer so klein? Mama hat recht, wie du auf ihn eingegangen bist, war großartig. Merkst du jetzt, warum dir in Kambodscha ganze Ortschaften nachlaufen? Du kannst Menschen führen ohne sie an den Pranger zu stellen.“ „Gut. Lass mich noch schnell mit Reto telefonieren.“

Hannes wählte die Mobilfunknummer von Reto.
„Das du mich vermisst, war mir klar – nur nicht so schnell“ , kam es nach dem zweiten Freizeichen aus dem Telefonhörer. „Ich weiß, ich lieb dich auch. Reto, ich brauche deine Hilfe: jetzt, gleich und sofort.“ „Wenn du mir sagst um was es geht.“
Hannes erklärte Reto die Situation von Levi Flacks.
„Dietikon ist gut. Ich habe einen Kollegen in Zürich, der kann helfen. Ich werde dir und dem Kollegen ein Fax schicken. Mit diesem Fax soll Levi sich bei ihm melden. Die Abrechnung übernimmt unsere Organisation. Wann bist du wieder in Kambodscha ?“ „Ich denke ende Mai.“
„Cool. Bis dahin.“

Um 18 Uhr wählte Hannes die Nummer von dem Obdachlosenheim in Dietikon. Ein Mitarbeiter aus dem Heim meldete sich und gab nach kurzer Vorstellung das Telefon weiter.
„Levi Flacks.“ „Hallo Levi, Hannes hier. Hast du die Faxe bekommen?“ „Ja. Danke. Du bist Projektleiter für Wasserbau?“ „Ja, bin ich. Wir werden in dem Distrikt, den ich dir erklärt habe auch Schulen bauen. Zur Zeit unterrichtet meine Frau in einem Zelt knapp dreißig Kinder.“ „Ich hab mir deine Seiten durchgelesen, große Sache.“
„Hoffen wir. Noch ist sehr viel im Unklaren. Traust du dir dies zu?“ „Ja. Ich muss hier weg. Ich weiß auch, dass diese Aufgabe mich am Anfang ganz schön fordern wird. Für den Neuanfang, muss ich die Ärmel hochkrempeln.“ „Gute Einstellung. Du hast auch gesehen, aus welchen Länder sich mein Team zusammen setzt. Von meiner Frau ihrem Team haben wir bis jetzt erst eine Zusage…“ „Zwei!“ Unterbrach ihn Levi „wie viele haben sich auf diese Ausschreibung von UNICEF beworben?“

Hannes schloss die Augen und biss sich auf die Lippen. Nach einer Pause sagte er: „Fünf. Eine deutsche mit libanesischen Wurzeln, zwei Frauen aus Frankreich, du und noch ein junger Mann aus der Schweiz. Ich hoffe, du hast mit einer jungen Muslima keine Probleme!“
„Überhaupt nicht. Der Mensch zählt, nicht die Religion oder Glaube. Ich hoffe, dass die anderen mit mir keine Probleme haben werden.“ „Levi, außer meiner Frau, meinen Schwiegereltern und dem Arzt in Kambodscha kennt niemand deinen Lebenslauf und dies wird auch so bleiben!“
„Danke. Es hat mich schon genug Überwindung gekostet überhaupt anzurufen. Wer gibt einem Tippelbruder den schon eine Chance?“ „Ich kann mir diese Lage gut vorstellen. Du willst wieder arbeiten, brauchst dafür eine Wohnanschrift, ein Konto und andere Dinge. Dinge die für andere Leute selbstverständlich sind. Dies alles hast du nicht mehr. Folglich kommst du nie wieder aus dieser Spirale heraus.“ „So sieht es aus! Daher packe ich auch deine Hand und werde dich nicht enttäuschen.“ „Das weiß ich! Wer so weit unten ist und nun sein Leben wieder organisieren will, vor dem habe ich den allergrößten Respekt. Die Impfungen, die du brauchst, hätten eigentlich schon viel früher gemacht werden müssen, da die Zeit zu knapp ist, bekommst du die nächsten Stufen in Kambodscha.“ „Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken kann.“ „In dem du meinen Traum: Bildung für Kinder, umsetzt.“
„Warum dein Traum?“

Hannes erzählte Levi seine Geschichte. Von den Gesprächen mit Peter in Fréjus und wie er und Patricia im Januar nach Kambodscha kamen.
„Deine Offenheit zeigt, dass du ein guter Mensch bist. Darf ich fragen, wie alt zu bis?“ „Ich werde in drei Wochen 20.“

Eine längere Pause trat ein. Dies war für Levi vielleicht doch ein Schock.
„Respekt für dein Leben. Ich freue mich auf dich, natürlich auch auf deine Frau.“
„Danke. Ich mich auch. Wir sehen uns in eineinhalb Wochen. Ich wünsche dir eine gute Zeit. Noch etwas, wenn du nach Feierabend in die Praxis von dem Arzt nach Zürich gehen möchtest, sag mir Bescheid, dann kläre ich dies noch.“ „Nein alles gut. Ich bin trotz meinen Umständen gepflegt. Die Haare müssten nur wieder geschnitten werden.“

An Ostersonntag um 15 Uhr fuhr ein alter VW Golf mit einem Hupkonzert in die Einfahrt. Dies konnte nur Claude sein.
Eine Minute später klingelte es bei den Lefèvres Sturm – es war Claude.

Hannes öffnete die Tür und in Bruchteilen von Sekunden wurde er von Claude umarmt und hoch gehoben. „Salut, meine Deutsche Kartoffel. Was hast du mir gefehlt. Ich bin so froh, dich wieder zu sehen.“ Nach Luft schnappen sagte Hannes, der immer noch im Kreis gedreht wurde „Ich freue… mich… auch. Wenn du… noch weiter… zu drückst,… kannst du mich in die Kiste legen!“ „Entschuldigung.“
„Ja,… dann lass auch mal los… und hör auf mich… zu drehen. Ich muss mich sonst… übergeben.“
Claude höre auf sich zu drehen und stelle Hannes wieder auf die Füße.
„Danke. Ich freue mich auch dich zu sehen.“ „Du warst so lange weg.“ „Claude, drei Monate. Ich war nur drei Monate weg. Jetzt komm doch erst einmal herein. Die Familie ist draußen im Garten“

Im Garten begrüßte Claude die Familie „Salut, Franziska, salut Bernhard , salut Patricia. Ich wünsche euch Frohe Ostern.“ Franziska freute sich sehr über den Besuch von Claude. Sie kannte ihn so viele Jahre von der Schule und auch als Lehrerin. Nun freute sich um so mehr, dass er nicht mehr der schüchterne, wortkarge junge Mann war.
„Bonne journée Claude, schön dich zu sehen. Ich wünsche dir auch Frohe Ostern. Was macht dein Studium?“ Fragte Franziska. „Geologie ist toll. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so schnell in dieses Studium verlieben könnte. Steine können so viel reden.“
Die drei Lefèvres am Tisch konnten dem letzten Satz von Claude nicht folgen. Hannes nickte, er wusste was Claude damit sagte.
„Am Freitag war Patricia und ich mit einem Geologen in meinem Heimatort in Bergwerk, ich wollte unbedingt wissen, ob es sein kann, dass wir in Kambodscha eine Wasserader haben. Wie schon gesagt, wir waren im Bergwerk, in Stollen und Schächte die für Besucher gesperrt sind, dort waren Stalaktiten und Malachiten in einer unglaublichen Schönheit. Der Geologe zeigte uns Wasserverläufe im Berg, später waren wir an einem Steinbruch und sahen so viel von dieser Welt. Paul Hardtmann erklärte uns so viel über Geologie und Vulkane, es war ein sehr angenehmer Nachmittag, auch wenn wir gefühlte Tausend Kilometer auf Knien durch die Stollen gekrabbelt waren.“

Claude boxte Hannes gegen den Oberarm. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich Karten von der Uni mitbringen werde.“ „Alles gut. Claude – es ist alles gut. Ich konnte nur nicht mehr warten. Es war Zufall, dass mein Vater diesen Geologen Hardtmann kennt. Nun lass uns deine Karten anschauen.“

Claude und Hannes gingen zu dessen VW Golf. Als Hannes die Unmengen an Kartenrolle auf der Rückbank sah, konnte er dies alles gar nicht glauben.
„Hast du die Uni geplündert? Zwei Karten hätten völlig ausgereicht.“ „Ich weiß nicht nach was du suchst. Ich habe daher mal einige Karten mitgenommen.“ „Einige…“ Hannes schüttelte den Kopf.

Mit zwei Dutzend Kartenrollen kamen sie zurück in den Garten. Claude rollte Karten aus, die 60 Zentimeter mal 1 Meter oder sogar 1,20 Meter mal 1,80 Meter groß waren.
Nach acht Rollen meinte Hannes, dass es nun gut sei und sie doch erst einmal dies Karten sich anschauen sollten. Zwei Karten waren von dem Gebiet östlich des Mekong bis an die Grenze zu Vietnam. Genau das Gebiet, dass er suchte. Der Maßstab war perfekt.
„Die große Karte hier ist genau richtig. Bernhard, schau dir diese Genauigkeit an, hier sind sogar Thmei und Tnaot eingezeichnet.“
Patricia stellte sich neben Hannes und sah den Maßstab. Es war fast der gleiche wie auf der Karte von Paul Hardtmann. Sie spreizte wortlos ihren Daumen und Zeigefinger. Hannes nickte. Es mussten ihre Eltern nicht wissen, dass sie im Januar unfreiwillig in Vietnam waren.

„Kann es von der Höhe der Berge im Osten und Südosten sein, dass der Kollege aus dem Team recht hat und dort Wasser ist?“ Fragte Hannes. „In den Karten geht Karstgebirge hervor. Du kennst die Beschaffenheit von Karstgebirge?“ „Ja, Claude, kenne ich. Trotzdem ist eine Gewährleistung von Wasser in diesem Gebiet nicht gegeben oder?“ „Schwer zu sagen. Wie ist die Fläche in dem Tal?“
„Trocken. Sehr trocken. Wenn dieses vermutete Wasser dort ist, warum ist das Tal, dass ja nur fünfzehn Kilometer entfernt ist, so trocken? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ganze Wasser nach Westen fließt.“ „Wie ist der Boden in dem Gebiet?“ „Sandig mit einem hohen Lehmanteil und Schluff. Ich würde sage, Bodenklasse 4, also Mittelschwerer lösbare Boden. Bodenklasse 5 kommt in dem Bereich ab dem Tal nach Südosten.“
„Okay, wie ist der Boden jetzt?“ Trocken und hart, der Monsun kommt erst noch, dann kann ich dir mehr sagen wie sich der Lehm und Schluff mit Wasser vollzieht. Durch Lehm, Schluff und Ton geht aber kein Wasser durch.“ „Richtig. Der Boden saugt Wasser auf und alles was zu viel ist, fließt Oberirdisch zu schnell ab.“ „Ja. Und aus diesem Grund, kann ich nicht einfach so einen Bohrer kaufen oder mieten. Nur der Verdacht auf Wasser würde in keiner Realisation zu den Kosten stehen.“

Hannes sah Bernhard an, er sollte oder konnte schließlich auch mal etwas sagen. Er war immerhin der Projektleiter. „Verstehe ich. Ich bin im Studium noch zu unerfahren, um dir konkret etwas zu sagen. Was meint der Geologe aus Deutschland?“ „Dort wäre Wasser. Er schaute sich zwei Fotos an, auf denen man die Berge im Hintergrund sah und  alleine durch diese Struktur sagte er dies. Nur nützt mir diese vage Aussage auch wenig. Wenn nächste Woche Stephane kommt und ich ihm sage, dass ich auf Vermutung einen Bohrer brauche, wird er mich fragen, ob ich noch ganz richtig im Kopf bin. Bernhard, sag doch auch bitte etwas.“
Bernhard sah in die Runde. „Hannes, du hast mir gesagt, was Cees vor hat, ich verstehe dich auch sehr gut. Du willst oder versuchst ihm zu vertrauen und musst natürlich die Kosten bedenken. Was kostet ein solcher Bohrer zu mieten?“
„Weiß ich noch nicht. Natthathida Aningaen wollte dies für mich heraus finden. Dann weiß ich wahrscheinlich immer noch nicht, ob ein Bohrer aus Thailand kommen muss, oder ob es so etwas auch in Kambodscha gibt.“

Claude sah irritiert zu Bernhard und Hannes „Ich verstehe dies alles nicht. Ich denke ihr verlegt Wasserleitungen, warum willst du bohren?“ „Tja, deine Steine stellen weniger Ansprüche. Ich hatte kurz vor unserer Rückkehr mit einem Mitarbeiter aus dem Team gesprochen, er ist der Meinung, dass in Sama eine Wasserader ist, wenn dies so sein sollte, würde dies für diesen Ort oder auch Region eine ganz andere Möglichkeit geben. Bis wir mit der Wasserleitung von Bauabschnitt 3 in den Dörfer sind, vergehen bestimmt noch drei Jahre.“

Franziska brachte Erdbeerkuchen und zwei Kannen Kaffee in den Garten. Beim einschenken von dem Kaffee erzählte Hannes, wie der Kaffee in Kambodscha schmeckte und wie er im UN Hauptquartier den Küchenchef bekniete, um richtigen Kaffee zu bekommen.

Claude frage in die Runde ob es wahr sein, dass Yvonne schwanger sei. Patricia fiel die Gabel aus der Hand.
„Sag das noch einmal!“ „Ich habe es am Freitag von Maurice Roux erzählt bekommen. Ich dachte du, als ihre beste Freundin wüsstest dies.“ Patricia schüttelte langsam mit offenen Mund den Kopf. „Nein, dass weiß ich nicht. Wie da wohl der Herr Papa reagiert? Claude, jetzt wo du bei uns in der Runde sitzt, hätte ich eine Frage: warum hattest du früher nie mit mir gesprochen?“
Claude sah Patricia an, schaute zu Hannes und dann zu Bernhard und Franziska. „Hmmm. Was soll ich sagen? Ich dachte immer, du wärst eine verwöhnte Zicke. An deinem Geburtstag kam ich nur vorbei um Hannes selbst zu sehen, ich habe auch an diesem Tag gemerkt, dass ich mich in dir am allermeisten getäuscht hatte.“
Patricia sah zu Hannes und nickte „Ja, dieser Meinung war jener Herr auch einmal gewesen.“ Sie boxte Hannes gegen den Oberarm.
„Ich bin sehr dankbar zu euch kommen zu dürfen.“ Franziska riss die Augen auf, bei diesem Satz von Claude. „Du bist immer herzlich willkommen! Das Hannes dein Freund wurde, freut mich sehr. Ich kenne dich lange genug als meinen Schüler. Ich sehe seit Patricia’s Geburtstag auch deine Veränderung – die für dich sehr positiv ist. Wenn du auch mal jemand zu reden brauchst, kannst du mich gerne anrufen oder vorbei kommen. Du bist ein guter Junge.“

Patricia stand auf, ging um den Tisch und gab Claude einen Kuss. „Dummer Junge! Bin auch froh, dass du heute bei uns bist.“

Claude und Hannes gingen mit Cleo spazieren. Es tat beide gut miteinander reden zu können.
„Du und Patricia seid so wunderbar zu mir. Eure Liebe ist toll, so etwas wünschte ich mir auch.“ „Du Verrückter. Auch du wirst bald eine tolle Frau finden. Dein Herz ist groß, dein Charakter offen und ehrlich. Geh weiter deinen Weg und wenn du mit mir reden willst, kannst du mich in Kambodscha jeder Zeit anrufen.“ „Danke, meine Deutsche Kartoffel. Durch dich habe ich vieles gelernt. Gehen wir später noch Billard spielen?“ „Natürlich gehen wir Billard spielen. Dies habe ich in Kambodscha auch sehr vermisst.“ „Tut mir leid, wenn ich dir mit der Geologie noch nicht all zu sehr weiter helfen konnte.“
„Ach, Claude, dass was du vorhin gesagt hast, war doch schon sehr viel. Natürlich kannst du vieles noch nicht wissen, dafür studierst du es doch. Ich werde nächste Woche mit Stephane reden, er muss schließlich dem Vorhaben zustimmen, noch habe ich nicht diese Prokura. Komm, wir gehen zurück, Bernhard möchte heute Abend Camembert grillen. Ich kenne so etwas gar nicht.“ „Liegt wahrscheinlich daran, dass ihr nur Kartoffeln grillt.“ Hannes boxte ihm in die Seite.

Beim Bier und gegrilltem Camembert war es ein langer und gemütlicher Abend. Hannes sagte zu Patricia, dass er mit Claude noch Billard spielen gehen wollte und ob sie mit ihnen gehen würde. „Nee, lass mal. Ihr beide braucht diese Zeit für euch. Wo wollt ihr hin?“ „Ins Café Carré, dort sind wenigstens drei gute Tische. Im Play Point sind die Tische in einem miserablen Zustand.“ „Okay, kommt, ich fahr euch in die Stadt, dann könnt ihr auch etwas trinken. Schatz, nimm dein Mobiltelefon mit, dann kannst du anrufen, wenn ich euch abholen soll.“

Patricia fuhr die wenigen Kilometer bis zum Café Carré in die Innenstadt von Thionville.
„Ich wünsche euch einen schönen Abend.“ Hannes gab ihr noch einen Kuss und schloss die Autotür.
„Was ist mit Patricia los? Ich weiß noch, wie sie reagierte, wie wir uns vor Weihnachten im Super Marché besoffen hatten.“ Hannes lachte laut auf. „Franziska hatte damals auch mit ihr geschimpft.“
„Okay. Franziska war eine gute Lehrerin. Sie gab mir früher in der Schule sehr viel Halt. Wäre ich nur früher auf Patricia zu gegangen.“ „Komm, ist gut. Wir leben im heute – nicht im gestern. Du hast Franziska gehört, sie ist immer noch für dich da.“ „Du hast eine unglaublich coole Familie. Die sehen dich voll als ihren Schwiegersohn.“
„Ja. Dass ist auch so ein Problem.“ „Wie Problem?“ „Sag ich dir gleich, lass uns das Spiel aufbauen.“

Hannes war froh endlich wieder Billard spielen zu können, obwohl er dies früher kaum gespielt hatte, machte ein Spiel mit Claude sehr viel Spaß.
„Was für ein Problem?“ Claude lies nicht locker. „Also gut, mir wurde kurz vor unserem Rückflug die Gesamtleitung von dem Projekt übertragen. Ein Wasserbau- Projekt von 24 Millionen Dollar“ „Wow!“
„Nee, nix wow! Ich weiß gar nicht ob ich dies kann. Natürlich bin ich nicht alleine. Ich habe einen sehr guten Hochbau Ingenieur und die Büroleiterin von uns in Kambodscha im Team. Trotzdem ist es für mich kleines Licht ein riesiger Schritt. Nach Ostern habe ich eine Verhandlung über Pumpen in einem Werk in Deutschland. Vier Tage vor unserm Rückflug kaufte ich in Thailand für fast eineinhalb Millionen Dollar 13 Caterpillar Baumaschinen.“ „Hannes, du schaffst so viel, ich weiß das! Wer so cool ist wie du, schafft solche Projekte locker. Du bist ganz schön eingerostet in Kambodscha.“
„Ja, ich weiß. Erstens hab ich noch keinen Billardtisch gefunden und zum anderen würde mir auch die Zeit fehlen. Willst du noch ein Bier?“

In vier Stunden spielen, reden und trinken verging die Zeit so schnell, dass noch keiner nach Hause wollte, als das Café Carré Feierabend machte. So gingen beide an die Mosel. Sie saßen an der Promenade und sprachen über so vieles in Leben, bis es langsam schon wieder hell wurde. „Komm, wir gehen nach Hause. Patricia hat heute noch ein Vorstellungsgespräch mit einer Lehrerin. Ich denke, sie möchte, dass ich dabei bin. Du kannst bei uns schlafen, im Haus ist genug Platz. Ich weiß, dass du nicht gerne zu dir nach Hause willst.“ „Du bist ein wahrer Freund.“

Um 6.23 Uhr schloss Hannes die Haustür auf, schrieb noch einen Zettel „Claude schläft im Gästezimmer“ und legte diesen auf den Küchentisch.
„Lass uns noch etwas schlafen. Der Tag war lange genug.“ „Gute Nacht, meine Deutsche Kartoffel. Danke für alles.“

Claude und Hannes gingen ganz leise die Treppe hoch, natürlich musste Cleo beide mit seinem gebelle begrüßen.
„Cleo, sei still! Ich bin ja da.“ Hannes öffnete ganz vorsichtig die Tür zu Patricia’s Zimmer, Cleo war dies egal und stürmte auf das Sofa. „Dann bleib eben da liegen, ich geh schlafen.“
In Zeitlupe zog er sich aus und legte sich auch in Zeitlupe ins Bett.
„Guten Morgen, ma Chérie. Bist du endlich da? Hattet ihr einen schönen Abend?“ Fragte Patricia verschlafen.
„Guten Morgen, Prinzessin. Hatten wir. Claude erzählte so viel über sich, es hat mich gewundert, dass er nicht bis zu seiner Geburt zurück gegangen ist. Er schläft im Gästezimmer.“ „Très bien.“
Sie legte ihren Kopf auf seiner Brust und schlief weiter.

Um 12 Uhr wurde Hannes wach. Er ging duschen und dann in die Küche um sich eine Tasse Cappuccino zu machen. Die Familien saß im Garten beim Mittagessen. Maurice war auch da. Hannes begrüßte ihn wie seinen eigenen Bruder.
„Salut Schwager, schön dich wieder zu sehen. Ich kam auch erst vor einer Stunde nach Hause, ich war diese Woche auf einem Feuerwehrfest.“ „Salut Maurice, natürlich warst du da, sie scheint dir gut zu tun.“
Patricia grinste, Maurice schaute sehr verlegen in die Runde.

Franziska und Patricia wollten beim Mittagessen alles wissen, warum Claude und Hannes so spät nach Hause gekommen waren.
Hannes erzählte nur ein Bruchteil von den Gesprächen am Abend, die bis in die frühen Morgenstunden gingen.
„Du tust Claude richtig gut, dass freut mich. Er braucht dich.“
Franziska hatte so recht, Claude suchte und fand in Hannes Halt und einen Freund. Patricia gab ihm einen Kuss. „Ich bin stolz auf dich, dass du dir für ihn so viel Zeit nimmst. Du holst das nach, was ich in der Schule versäumte hatte.“ „Fängst du auch schon wie Claude an. Es war so gewesen – muss aber so nicht bleiben. Wann kommt diese Clodette Léglise?“ „Um 14 Uhr wollte sie hier sein. Willst du bei dem Gespräch dabei sein?“ „Weiß ich noch nicht. Du brauchst Lehrer. Ich mache mir Sorgen um Baggerfahrer, kannst sie ja fragen, ob sie da auch jemand wüsste.“
Bernhard schüttelte den Kopf. „Hannes, mach dich nicht so verrückt, es werden sich auch noch Baggerfahrer finden.“
„Natürlich! Blöd ist nur, dass die solche modernen Maschine nicht alle fahren können, du kennst mein Tagesziel. Ich kann schlecht Baggerfahren und die Projektleitung machen. Da hat von euch niemand daran gedacht. Ich rufe Asger und Arthur an, sie sollen mal Werbung machen. Ende nächster Woche werden die Bagger in Kambodscha sein und ich habe noch nicht einmal die Hälfte an Baggerfahrer.“ „Willst du unbedingt dieses Tempo so vorgeben?“ Hannes nickte Bernhard zu.

Maurice sah zu Hannes. „Du suchst Baggerfahrer?“ „Ja, Maurice. Ich suche gute Männer für den Bau und deine Schwester Lehrer. Humanitäre Hilfe hab ich mir auch anderst vorgestellt. Wir könnten viel mehr bewegen, wenn wir Leute hätten.“ „Dann frag doch auf dem Arbeitsamt.“ „So einfach ist dies nicht. Die Leute möchten dann auch gutes Geld verdienen und nicht mit den Löhnen von Kambodschaner nach Hause gehen. Wir können auch nicht noch mehr Europäer in die Organisation holen, die Personalkosten werden dann zu hoch. Ich bräuchte Leute aus Kambodscha, die gut sind. Es ist ein Unterschied, wenn wir die Leute aus Kambodscha mit Achthundert France bezahle oder Europäer mit Achttausend France. Achthundert France ist in Kambodscha schon weit mehr als das was sonst die Arbeiter dort bekommen. Oft haben die Menschen noch keine Fünfhundert France.“ „Wow. Schönes Dilemma.“ Hannes nickte in die Runde am Tisch.

Cleo bellte, dies war ein Zeichen, dass ein Auto vor fuhr.
Patricia ging vom Garten um das Haus zur Einfahrt. Claude stand in der Tür von der Küche zum Garten.
„Guten Tag mein Freund, komm etwas essen.“
Claude begrüßte alle am Tische. Franziska kümmerte sich sofort um ihn. „Was willst du trinken? Was willst du essen? Gemüse, Fisch, Kartoffeln, Salat….?“
Ein solches Miteinander und Fürsorge kannte er gar nicht. Armer Claude, dachte Hannes.

Clodette Léglise kam mit Patricia um die Hausecke in den Garten. Bei dem Anblick der Leute am Tisch, verlangsame Clodette ihren Schritt. Dies fiel auch Franziska auf.

Clodette Léglise war eine mittelgroße Frau mit Übergewicht. Ihr Gesicht wirkte mit ihrem Kurzhaarschnitt, wie ihr ganzes Erscheinungsbild – verbraucht und kraftlos.
Franziska stand als erstes auf um sie zu begrüßen, dann Bernhard.
„Claude, tut mir einen Gefallen und sag etwas cooles, wenn du sie begrüßt.“ Claude sah zu Hannes und nickte stumm.

Hannes erhob sich und stellte sich vor. Claude war noch am schlucken, als er sich erhob und sich seine Hände an der Jeans abwischte.
„Claude Moreau, ich bin ein Freund der Familie. Ich hab diese Deutsche Kartoffel so sehr vermisst, dass wir die ganze Nacht Billard spielten. Können Sie Billard spielen?“ „Äh…etwas.“ „Besser als nichts.
Hannes ist in den drei Monate, die er in Kambodscha war, ganz schön eingerostet. Man muss die Deutschen nach einem Wochenende immer wieder an der Arbeit neu anlernen. Sehen Sie dies auch so?“
„Äh…“ „Ja ja. Immer dieses gegenseitige national Getue. Trotzdem hab ich diese Deutsche Kartoffel gerne. Setzen Sie sich doch bitte. Dies ist Maurice Lefèvre, er ist noch etwas durch den Wind. Kennen Sie ja auch, wir waren alle mal jung.“ „Äh…“

Clodette wusste gar nicht, was sie bei den bombardierungen von Claude sagen sollte.
Patricia bot ihr auch den Stuhl an, der zuvor Claude ihr anbot.
„Darf ich fragen wer Sie sind?“ „Clodette Léglise.“ „Schöner Name, Nachname wie auch Ihr Vorname. Warum sind Sie gekommen?“ „Äh… Ich habe mich auf eine Lehrerstelle in Kambodscha beworben.“
„Cool! Hätte ich nicht angefangen Geologie zu studieren, würde ich sofort mit den beiden nach Kambodscha gegen. Patricia war bei mir in der Klasse. Sie ist schon eine ganz nette.“ „Eine ganz nette!“ Platze Patricia heraus. „Sorry Patricia, du bist die coolste aus unserer Klasse. Besser?“ Patricia nickte. „Na gut, dann will ich nicht weiter stören, die Deutsche Kartoffel und ich müssen noch geologische Karten studieren. Auf Wiedersehen, Clodette.“

Hannes folgte Claude in das Arbeitszimmer von Bernhard, drehte sich noch zu der Gruppe am Tisch um und zog die Schultern hoch.

„Mir ist am Morgen noch etwas eingefallen,
schau dir noch bitte diese zwei Karten an. Diese physische Karte muss für dich doch viel besser sein, vom Maßstab geht es kaum noch größer.“ „Ein Maßstab 1:25000. Nee, besser geht es nicht mehr. Claude, davon brauche ich Kopien. Solche Karten hab ich in Kambodscha vergeblich gesucht. Dies sind Original Messtischkarten, wo hast du diese alten Karten her? Hast du die noch in topographisch?“ „Der Kartenwart meinte, dies sind olle Kamellen und braucht kein Mensch mehr.“ „Olle Kamellen! Die Karten sind mit Geld nicht zu bezahlen. Schau dir diese Genauigkeit an! Die Karten sind aus der Kolonialzeit und das bestes, was ich jemals gesehen habe. Gut, die Ortschaften sind von der Größe nicht mehr aktuell. Das Gelände hat sich aber nicht geändert.
Claude, such bitte die Karten, die hier an den Rand kommen. Müsse eine Nummer S3 sein. Nach Westen bestimmt dann S5.“

Claude suchte in den Berg an Kartenrolle die gewünschten Nummern. „Hier S5.“ Claude rollte jene Karte auf und legte sie an den linken Rand der ersten Karte.
„Cool. Such bitte noch eine Nummer höher. Wir müssten bei dem Maßstab mit sechs Karten von der Grenze Vietnams bis zum Mekong kommen. Ich brauche ein Zollstock, langen Winkel oder Latte. Ich geh in den Keller etwas suchen, leg die Karten im Flur auf den Boden, so lang ist kein Tisch hier im Haus.“

Hannes ging in den Garten zu Bernhard und bat ihn doch bitte in den Flur zu kommen.

Mit zwei langen Dachlatten kam Hannes aus der Garage zurück. Claude hatte auf über 8 Meter die Karten auf dem Boden ausgerollt, die Hannes wollte. Er legte die Latten auf die Karte S3 und dann an den höchsten Punkt, dass war der Ausläufer vom Truong-Son-Gebirge.
Sieben Karten lagen nun von Moc Bai bis zum Mekong in einer Linie. „Das passt nicht zusammen“ sagte Claude als sie einen Meter von den Karten entfernt standen.
„Doch! Wir müssen die Karten verschieben, nicht die Latte. Überlege doch mal wie alt diese Karten sind. Claude, du schiebst die dritte Karte nach unten. Bernhard schiebe du bitte die vierte Karte etwas höher. Weiter… runter…. noch ein Stück. Passt. Nun die Nummer 5 etwas höher. Nummer 6 passt nicht an den Rand, Bernhard zieh die Karte bei dir unter die Nummer 5. Denke so könnte es passen. Nummer 7 muss ein gutes Stück nach unten, was oben fehlt ist nicht so wichtig.“

Im Flur lagen nun 7 große Messtischkarten versetzt oder übereinander von Moc Bai über Neak Loeung am Mekong bis nach Karoh Khsach Tonlea in der Tonle-Sap-Ebene.
„Meine Herren, hier sehen Sie die, wahrscheinlich, genauesten Karten der Provinzen Svay Rieng und Pray Veng bis in die Tonle-Sap-Ebene. Dorthin läuft das Wasser von den Bergen. Schaut an den Latten vorbei, so ungefähr müsste der Weg von dem Wasser sein. Was sagt ihr?“
„Cool. Woher weißt du dies?“ „Gar nicht. Ich vermute es. Es kann doch nur in dieser Linie laufen. Schaut die Höhenangaben, es kommt hin.“
Bernhard und Claude nickten. „Die Karten sind Hundert Jahre alt, sollte dies alles so genau sein?“ Fragte Claude. „Ich weiß es nicht. Denke aber, dass sich an den Höhenmeter kaum etwas verändert hat, so ungenau haben die Menschen früher auch nicht gearbeitet.“

Bernhard ging ins Arbeitszimmer und holte einen Maßstabsrechner, DIN A0 Blätter, jede Menge Buntstifte und Lineal.
Auf dem Boden kniend zeichnete er von Bauabschnitt 1 die Linien der Wasserleitungen und Standorte der Pumpenhäuser ein. Die Ortschaften links und rechst der Wasserleitungen waren zum Teil eingezeichnet oder vor 100 Jahren nur kleine Siedlungen.
Bernhard war begeistert von diesen Karten „Claude, diese Karten sind unglaublich genau. Wer auch immer die vermessen hatte, machte einen verdammt guten Job. Davon brauchen wir Kopien!“ „Sagte Hannes auch schon. Der Kartenwart braucht diese Karten nicht mehr. Wenn ihr diese Karten aber so bewertet, weiß der Kartenwart gar nicht, was dies für Schätze sind.“ „Weiß er auch nicht! Hannes und ich können es beurteilen, weil wir dieses Gebiet gut kennen. Wir lassen auf jeden Fall Kopien davon machen. Diese Karten sollten an der Uni bleiben. Ich schreibe noch Notizen dazu, damit vielleicht irgendwann Studierende sehen welche Schätze sie aufgerollt haben.“

Die drei Frauen kam in den Flur um sich nach den Männer zu erkundigen, die doch schon längere Zeit im Haus waren und sich wie Kinder zu freuen schienen, bei den fast 10 Quadratmetern Karten auf dem Boden.
„Clodette, hier siehst du die Arbeit von meinem Vater und Hannes. Sie sind an einem Wasserbau-Projekt beschäftigt, wo allene die Hauptleitung eine Länge von 180 Kilometer hat. Hinzu kommen die ganzen Anbindungen in die Ortschaften und dann noch so kleinere Probleme wie zum Beispiel: nicht die richtigen Baumaschinen vor Ort, kranke Menschen, fehlende Karten mit einem vernünftigen Maßstab, zu wenig Arbeiter und und und. Da haben wir das doch kleinere Problem zu lösen. Schatz, würdest du bitte später Feuer machen, ich möchte grillen.“ „Natürlich. Wir sind hier auch soweit durch. Dein Vater paust noch einige Abschnitte ab, dann müssten wir irgendwie diese Karten kopiert bekommen. Ich weiß gar nicht, wer so etwas großes kopieren könnte.“

Bei Bier, Wein, gegrilltem Fisch, Camembert und gefülltem Paprika saßen alle im Garten. Die Temperatur war im April immer noch sehr angenehm. Patricia zeigte Clodette alle Fotos von Kampang Rou. Hannes musste dann auch das Bild von seiner Kuh Sangkhum erklären. Dies konnte Claude und Clodette gar nicht glauben.
„Tiere sind sehr gut bei der Stressbewältigung. Ich darf in meiner Wohnung noch nicht einmal einen Vogel halten. Sie können mir ja mal Ihre Kuh ausleihen.“ „Können wir mal versuchen, Sangkhum hört nur auf mich und ist eigentlich nur in meiner Nähe. Das Sie brauchen wir nicht. Ich bin Hannes. Ich habe die Notizen von Patricia über dich gelesen und dort stand: Burnout-Syndrom, persönliche Krise, Mobbingopfer. Mit einem Burnout so weit weg von Ärzten? Ist dies wirklich den Schritt, denn du gehen willst?“
Es war Clodette peinlich, dass er dieses Thema in der Runde ansprach. Hannes reagierte aber auch sofort auf seine Frage. „Mobbing gibt es bei uns nicht! Es gab schon die ein oder andere nicht gerade feine Diskussion, dies wurde aber auch sofort aus der Welt geschafft. Persönliche Krisen habe einige in meinem Team hinter sich. Durch aber dieses Team als ganzes haben sich die Leute sehr zu ihrem Vorteil verändert. Wir sind nun mal weit weg von der Heimat und schaffen die Arbeit nur, wenn wir zusammen halten. Wenn du diese Arbeit in ein paar Wochen oder Monaten abbrechen musst – dann ist es eben so. Es ist ja keine Verpflichtung auf die nächsten Jahre.“
„Dies habe ich vorhin Clodette auch schon gesagt“ erwiderte Patricia. „Diese Offenheit an diesem Tisch erstaunt mich sehr. Ich wollte gar nicht so lange bleiben und nun ist es schon Abend. Da ihr alle so offen seid, kann ich es auch sein. Ich denke, dass ihr die beste Therapie für mich seid und ich diesen Schritt nicht bereuen werde.“

Patricia erzählte ihr über die unglaublich netten Leute im Team von ODHI, das Schweizer Ärzteteam, Rithisak und die Bewohner in den Ortschaften.
„Das hört sich wirklich alles sehr gut an.“ „Ist es auch. Wir verschweigen nichts und zeigen dir auch kein völlig falsches Bild von Kambodscha. Es ist vieles wie im Mittelalter, die Menschen sind alle freundlich, nett und aufgeschlossen gegenüber uns Ausländer. Patricia hat dir bestimmt auch von den Anfängen erzählt und die Scheu der Menschen gegen uns. Sangkhum hat sehr viel dazu beigetragen, dass die Menschen anfingen uns zu vertrauen.“ „Ja, hast sie. Nur wusste ich bis vorhin nicht, dass Sangkhum ein Rind ist.“

Franziska meinte, dass es nun doch an der Zeit wäre ins Haus zu gehen, es würde langsam frisch werden.
Der beste Ort für gute Gespräche ist entweder die Küche oder der Freizeitraum. Bernhard entschied sich für den Freizeitraum.

Im Freizeitraum nahm Claude sofort die Tischtennisschläger in die Hand und reichte einen Clodette. „Kommt lasst uns spielen. Die Deutsche Kartoffel und ich gegen euch beide.“ 
Claude wollte irgendwie nicht nach Hause. Als Franziska ihm sagte, dass er gerne noch ein paar Tage bleiben könnte, war dies für ihn eine richtige Befreiung.
Hannes konnte sich gar nicht richtig auf das Tischtennisspiel konzentrieren, ihm ging das Elternhaus von Claude nicht aus dem Kopf. Es muss schon schlimm sein, wenn man nicht gerne zu seinen Eltern möchte oder konnte.

Es ging schon auf Mitternacht zu, mittlerweile spielten alt gegen jung. Franziska mit Clodette gegen Hannes und Claude. Die Zeit verging bei Gesprächen mit Tischtennis und Wein so schnell, dass Clodette auch nicht nach Hause wollte. „Unser Haus ist so groß, Platz ist auch genügend vorhanden, dann bleib doch bei uns“ sagte Franziska zu Clodette.
„Ja, bleib hier. Morgen kommt die andere Frau vorbei, dann lernen wir uns alle schon kennen. Dies kann doch besser gar nicht sein.“ War die Reaktion von Patricia und sie ging sofort in ihr Badezimmer eine neue Zahnbürste, Zahnpasta und Duschseife holen. So hatte Clodette kaum eine Chance Nein zu sagen.

Um 0.30 Uhr war jeder von den vielen Runden Tischtennis spielen müde oder geschafft.
Bei zwei Flaschen Wein saßen sie in der Sitzecke und hörten Claude zu, wie er in Erinnerungen schwelgte. Immer wieder kam er auf Hannes. Hannes getroffen am Geburtstag, mit Hannes Billard gespielt, mit Hannes sich in der Cafeteria besoffen.
In den zwei Stunden, die Claude von sich, der Schule und der Freundschaft zu Hannes sprach, wurde Hannes bewusst, diese Freundschaft wird auf Ewigkeit bestand haben.

Es war kurz vor 8 Uhr als Cleo meinte, er hätte nun genug geschlafen.
„Cleo, lass mich schlafen, geh doch alleine in den Garten.“ Cleo wollte nicht alleine in den Garten. Er fiepste, jaule und knurrte. „Ma Chérie, dann steh doch auf, er hört nicht auf, bis du mit ihm gehst.“

Mit halb geschlossenen Augen machte sich Hannes auf den Weg zur Küche um in den Garten zu gehen. Im Garten saß Clodette. „Guten Morgen, was machst du denn schon so früh im Garten?“ „Ich konnte nicht mehr schlafen, hier bei euch ist es schön.“
Cleo rannte um die Hausecke, ihm reichte an diesem Morgen der Garten nicht.
„Ich muss eine Runde mit dem Hund gehen, willst du mit?“ „Sehr gerne.“

Bis die beiden an der Hausecke und über die Einfahrt an der Straße waren, war Cleo schon 200 Meter weiter.
„Ist das dein Hund?“ „Nein. Seit ich vor neun Monaten hier in dieses Haus kam, sind wir dicke Freunde. Ich bin mit Hund und Katze aufgewachsen. Bei mir im Elternhaus waren immer Tiere. Sogar eine große Vogelvoliere hatten wir.“ „Ich dachte du wohnst hier.“ „Seit Herbst letzten Jahres ist dies auch so. Ich habe meine Heimat für die Liebe aufgegeben.“ „War dies ein schwieriger Schritt?“ „Nein! Anfangs war es ungewohnt in einem solchen Haus ein und aus zu gehen. Du hast Bernhard und Franziska kennen gelernt. Sie sind super nett. Ich bereue keine Sekunde, dass ich mich für Frankreich entschieden habe. Am Anfang war es nicht leicht für mich in die High Society von Patricia’s Freundinnen zu kommen, sie waren ja alle etwas besseres – meinen sie zumindest. Was Patricia in drei Monate in Kambodscha erreicht hat, werden die alle in ihrem Leben nicht schaffen. Claude war von Anfang an so, wie du ihn gestern erlebt hast. Er hat es nicht gerade leicht, gehörte nie richtig in die Klasse der Ärzte, Anwälte oder Unternehmers Kinder. Trotzdem hat er sein Abi geschafft und geht seinen Weg. Ich bin dankbar für jede Minute, die wir zusammen verbringen können, auch wenn wir uns schon mal ganz schön besoffen hatten.“ „Das hab ich gemerkt, ihr beide versteht euch wirklich sehr gut.“

Am Waldrand von Thionville schleppte Cleo mal wieder einen Mammutbaum an. Dieser Hund war schon verrückt, er zerrte ein Stamm über das Feld, von dem Noah locker sein Vorschiff hätte bauen können.

Hannes brach ein Stück Ast ab und warf dieses über den Feldweg. Cleo schaute diesem “Stöckchen“ gelangweilt hinter her. Also eine Nummer Größer – gleiches Ergebnis in der Reaktion von Cleo. Also noch eine Nummer Größer. Wenigstens wedelte er mir der Rute. Clodette lachte. Hannes war nun bei einem eineinhalb Meter langen Ast angekommen, dies war dann doch das richtige Maß für Cleo. Auf dem Rückweg musste er ständig dieses “Stöckchen“ werfen. Zum Glück kamen die Häuser von der Straße in Sicht, in der das Haus von Bernhard und Franziska stand. Noch zweihundert Meter weiter hätte Hannes nicht mehr geschafft dieses Klotz von Baum zu werfen.

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