6 Sangkhum und Sraleanh

Teil II Kapitel 6

Kampang Rou, Samstag 20. Januar 1990

Sangkhum und Sraleanh
Hoffnung und Liebe.


Am Morgen waren alle ausgeschlafen, gut gelaunt und fröhlich. Nur Hannes fühlte sich wie durch einen Bachlauf gezogen. Nescha kam in den Speisesaal und setzte sich an den Tisch der „Jugend“. „Guten Morgen ihr beide, ich hoffe ihr hattet eine angenehme Nacht.“ „Guten Morgen Liebes, hatten wir. Nicht wahr mein Schatz..?“ Dabei knuffte Patricia ihm gegen den Arm „…mag er nicht, wenn ich über Sex rede.“ Nescha lachte Patricia an. Müssen die Frauen eigentlich über alles reden?

Luan saß zwei Stühle weiter links und hatte einige Blätter in der Hand und wedelte Hannes zu. Hannes setzt sich Luan gegenüber. Sofort hatten Patricia und Nescha die Köpfe zusammen. Müssen die Frauen eigentlich über alles reden?

Luan zeigte ihm Zeichnungen, die er in der Nacht noch angefertigt hatte. Hannes schaute Luan mit großen Augen an „So etwas willst du bauen? Wow!“ Auf den Blättern war ein Wasserrad im Durchmesser von 4 Meter und einer Breite von 80 Zentimeter gezeichnet. Die anderen Zeichnungen zeigten ein Sperrwerk, wie man es von jeder Mühle kennt. „Luan, was du vor hast ist gewaltig!“ „Was hältst du davon? Bernhard meinte, ich sollte dir die Zeichnungen zeigen.“ „Wie schon gesagt, ich finde es gewaltig. Wenn du dies mit Cees bauen kannst – gerne. Nur warum meint jeder erst mit mir alles absprechen zu müssen?“ „Du bist doch der Ch…“ „Nein! Bernhard ist der Projektleiter. Ihr alle helft mit, weil Patricia dort war und wir uns Gedanken gemacht haben, wie wir helfen können. Glaub mir, es gab darüber auch eine heftige Diskussion. Ich bin kein Chef.“ „Egal.“ „Wie genau stellst du dir dies jetzt vor?“ „Wasserräder wurden in Mesopotamien schon vor 5.000 Jahren zum Schöpfen von Wasser eingesetzt. Im 2. Jahrhundert vor Chr. wurden einfache Wasserräder zum Antrieb von Getreidemühlen eingesetzt. Dabei wurden die Mahlsteine ohne weitere Übertragungselemente direkt an der Welle des Wasserrades angebracht. 100 vor Chr. soll es in Westanatolien schon wasserbetriebene Kornmühlen gegeben haben. Große Wasserräder sind meist unterschlächtig.“ „Was auch immer du sagst. Ich weiß was ein Wasserrad ist, unterschlächtig kenne ich nicht.“
„Wassermühlen wurden in unterschlächtiger Ausführung betrieben. Dabei schlägt das Wasser von unten an das Schaufelrad. Die Drehung des Mühlrades wird nur durch die Strömung des Wassers erreicht.“ „Okay, so kenne ich diese Wasserräder aus meiner Heimat von den Achatschleifereien.“ „Bei den oberschlächtigen Mühlen wird oder wurde das Wasser von oben auf das Rad zugeführt. Damit das Wasserrad betrieben werden kann, muss immer ausreichend Wasser und ein genügend großes Gefälle vorhanden sein. Das Rad wird durch die Gewichtskraft des aufgenommenen Wassers, dem Aufschlagwasser, in Bewegung versetzt. Wenn das Rad stillstehen soll, wird das Wasser am Rad vorbei geleitet.“ „Leuchtet mir ein. Wir wissen aber immer noch nicht, wie viel Wasser aus der Quelle kommt. Reicht dies aus für dein Wasserrad anzutreiben? Es nützt nichts, wenn das Wasserrad, unter- oder oberschlächtig, gebaut wird und es sich noch nicht einmal selbst packt zu drehen.“ „Da gebe ich dir recht. Ich muss das Rad nicht heute anfangen zu bauen. Wir werden sehen wie viel Wasser kommt. Die Nivellierung sollte kein Problem sein, Asger kann dies.“ „Die Nivellierung ist das kleinste Problem. Vom Auge her, ist die Krone vom Fischteich vier Meter höher als der Bachlauf hinter dem “Europa Platz“. Es bleibt aber immer noch die Frage, wer diese Projekt bezahlen soll. Auch muss es eine Pumpe sein, die nicht zu klein und auch nicht den Stromverbrauch von einem Kernkraftwerk verbraucht. Wenn alle deine Ideen nichts bringt, könnte diese Pumpe irgendwo auf den 180 Kilometer Hauptleitung eingebaut werden. Rede mit Bernhard, vielleicht sieht er eine Möglichkeit der Finanzierung über die Weltbank. Er ist der Projektleiter für die Wasserversorgung die wir eigentlich legen müssten.“ „Du machst dir viele Gedanken, dass wir mit der eigentlichen Arbeit nicht weiter machen?“ „Natürlich! Selbst wenn wir graben wie blöd, wird es Jahre dauern, bis dieses Projekt fertig ist. Wir sind nur etwas über ein Dutzend Leute mit gerade 60 – 80 Mitarbeiter auf allen drei Bauabschnitte. Wir bräuchten eine Armee um diesem Land schnell zu helfen.“ „Wie willst du nun weiter machen?“ Hannes zog die Schultern hoch „Luan, wenn ich dies wüsste. Ich bin genau so neu in der Firma wie du. Was wir jetzt machen, haben wir Bernhard zu verdanken und nur durch die Hartnäckigkeit seiner Tochter, machen wir eben die Arbeit in Kampang Rou. Jetzt aufhören können wir nicht. Die Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Wenn es mehr Wasser in der Region gibt, dass wir so nutzen können, wie du es vor hast, haben die Menschen schneller Wasser, als wenn wir unsere eigentliche Arbeit weiter machen. Dies sagte ich gestern schon.“ „Blöde Situation.“ „Ja. Sehr blöd. Ich weiß das es vor zwei oder drei Wochen vom UN Sicherheitsrat wieder eine Konferenz für Kambodscha gegeben hatte. Was bis jetzt raus gekommen ist, weiß keiner. Stephane wollte sich darum kümmern.“

Der kleine Konvoi von vier Fahrzeugen machte sich von Svay Rieng auf den Weg nach Kampong Rou. Die Piste nach der 334 fuhr sich schon viel besser. Chankrisna hatte mit dem Grader gute Arbeit geleistet. Es wurde. Immer Stück für Stück.

Patricia lenke um 8.30 Uhr den Pickup auf den „Europa Platz“ und fuhr wie selbstverständlich neben ihre Schule. Die Kinder aus dem Ort waren schon da. Sie spielten vor dem Zelt oder waren schon in der Schule. „Na dann, Frau Lefèvre, bis heute Nachmittag.“ Er gab ihr einen Kuss und winkte den Kindern im Zelt zu. In dem Zelt saßen zwanzig Kinder, die seinen Traum verwirklichten. Was war er so stolz auf die Kinder.

An den zwei Hospitalzelten standen oder saßen Menschen und warteten auf die Ärzte aus der Schweiz. Der Krankenwagen aus Svay Rieng stand schon links neben dem Zelt. Mareile und Nescha machten erste Voruntersuchungen bei den Leuten und sagten ihnen, wer in welches Zelt sollte.
Asger trug mit Hannes zwei Kisten Medikamente und medizinisches Material in das große Zelt. Ein kurzer Blick von Mareile in die Boxen reichte, um zu sagen, wo sie welche stehen haben möchte.
Luan und Cees brachten die anderen zwei Boxen in das Zelt. Diese Teamarbeit war sehr gut. Hannes dachte an das, was Nescha am Abend ihnen sagte. Es stimmte, hier half wirklich jeder jedem. „Asger, hat Luan mit dir wegen seinem Wasserrad gesprochen?“ „Ja. Vom Gefälle her wäre es möglich. Wir machen aber erst noch das Toilettenhaus fertig. Dann sehen wir mal weiter.“

Das Militär mit dem Kies, Betonrohre und Steine war noch nicht da. Hannes konnte nun nicht all zu viel machen und so ging er zu der Quelle am Berg. Um 9 Uhr war dieser Gang, die 500 Meter hoch zum Wald, noch erträglich.
Die beiden jungen Kälber kamen auf ihn zu und er streichelte die Rinder am Kopf. „Wollte ihr mich begleiten? Dann kommt mit mir.“ Die Kälber trotteten gemütlich neben ihm her. Er streichelte immer wieder deren Kopf oder Rücken und gab ihnen Namen: Sangkhum und Sraleanh. Hoffnung und Liebe.
Zu dritt standen sie an der Quelle und schaute wie das Wasser sich am Quellmund drehte und über die Furt ins Tal lief. Das Geräusch vom Wasser war sehr beruhigend für Hannes.
Mit seinen Händen trank er das frische Wasser. Dann hielt er Sangkhum und Sraleanh seine Hände mit dem Wasser hin. Mit ihren großen Zungen tranken die Rinder aus seinen Händen. „Habt ihr so viel Durst? Dann trinkt.“ Viermal hielt er ihnen seine Hände hin.
Sangkhum stupste ihm mit ihrem großen Kopf an, sie wollte gestreichelt werden. Er packte sie am Hals und knuddelte das Kalb.
„Sangkhum, Sraleanh, kommt. Ich muss etwas arbeiten.“ Mit dem Kälber ging er über die große Weide zurück zum Ort. In seiner gebaggerte Furt lief das Wasser langsam und ruhig ins Tal. Einige der größeren Kälber standen in den Wasserbremsen aus Erde und Steine und tranken das frische kühle Wasser. Die größeren Rinder hatten Angst vor ihm, selbst wenn er im Abstand von 3 Meter an ihnen vorbei ging, gingen die Rinder einen Meter zurück. Sangkhum war nicht so, sie trottete wenige Zentimeter neben ihm her. Sie war zweifellos auch die verschmussteste von den beiden Jungtiere. Sie stupste ihn ständig mit ihren Kopf an. Er ging mit den zwei Kälber auf die Herde zu. Nun konnten die beide Jungtiere bei ihren Müttern bleiben. Weit gefehlt. Die Kälber marschierten weiter mit ihm in den Ort.
Auf dem „Europa Platz“ war großes Erstaunen als die drei dort ankamen. Hannes sah an der Feldküche noch Mangos vom Vortag liegen „Wollt ihr auch Mangos essen?“ Wollten sie.

Er ging zu Patricia in die Schule. Sangkhum hatte vor dem Zelt etwas Angst. Für Mango ging sie aber mit ihm auch in die Schule. Die Kinder lachten, als beide durch das Zelt auf Patricia zu gingen. „Frau Lehrerin, darf ich euch Sangkhum vorstellen?“ Er zog das Rind am Hals um 180° herum. „Sangkhum, sag Hallo zu den Kinder.“ Die Kinder lachten. Er streichelte und knuddelte die Kuh „Komm Schatz, lass uns gehen. Die Kinder sollen lernen.“ Sangkhum wollte jetzt im Zelt bleiben. Er ging auf das Kalb zu knuddelte es am Hals und gab ihr noch ein Stück Mango, dann streichelte er ihr über den Rücken und Blesse und gab dem Kalb ein Klaps auf das Hinterteil „Nu, komm.“ Die Kinder lachten Tränen über sie beide. Sangkhum stupste ihn mit ihrem großen Kopf und Hannes strauchelte. Er streichelte sie wieder und sprach mit dem Kalb. Dann setzte es sich in Bewegung. „Geht doch.“

Die Soldaten fuhren in dem Moment vor, als er mit Sangkhum aus der Schule kam. Sie machten sich an die gleiche Arbeit wie am Vortag. Sie sammelten wieder Müll ein, verlegten das Kabel, für die Lampen in den Zelten oder fragten was sie nun noch wo arbeiten sollten.

Ein älterer Mann kam auf Hannes und Sangkhum zu. Es war der Besitzer des Rindes. Er konnte gar nicht glauben, wie Hannes mit dem Kalb sprach, streichelte und knuddelte. Ja, sogar einen Namen hatte das Kalb von ihm bekommen. Der Besitzer schlug dem Kalb mit einem Bambusstab auf das Hinterteil und das Kalb reagierte nicht. „Lass gut sein. Kühe sind Herdentiere, wenn das Kalb keine Lust mehr hat hier zu bleiben, geht es zurück zur Mutter. Ich achte schon auf Sangkhum.“
Wo Hannes war, war auch das Kalb.

Endlich hörte er die Lkw kommen. Sie beide gingen vom Platz an die Straße. Die Fahrer staunten, als Hannes und Sangkhum auf die Fahrzeugen zu gingen.
Rithisak hatte die Betonrohre organisiert. 1,2 Meter im Durchmesser und 60 Zentimeter in der Höhe. 10 solcher Betonrohre lagen auf dem Kipper von dem Lkw. Den beiden Fahrer der Lkw sagte er, wo diese den Kies und die Betonteile abladen sollte.

Sangkhum und Hannes gingen zum Bagger. Dieses Gerät war ihr dann doch nicht geheuer. So führte er das Kalb auf die Weide. Er gab ihr noch den Rest von der Mango, streichelte ihren Kopf und ging zurück zum Bagger.
Cees hatte schon die Messlatte hinter das Toilettenhaus gestellt und das Nivelliergerät aufgebaut.„Machen wir zwei mal drei Meter? Dann musst du noch 1,80 ausbaggern.“ Hannes nickte „Würde ich sagen. Zwei Klärgruben sind völlig ausreichend.“
Die Soldaten fingen an die Betonteile von Hand vom Lkw abzuladen. Hannes sagte ihnen, dass er dies mit dem Bagger machen würde. Dieses primitive Arbeiten muss doch nicht sein, wenn man Maschinen hat.
Er fuhr mit dem Bagger die Hauptstraße herunter und drehte nach der vierten Hütte das Fahrwerk nach rechte. Dort war das Gelände etwas flacher und er konnte problemlos die 10 Meter der Böschung herunter fahren. In dem Graben lief schon etwas Wasser, dass über die Deichkrone ablief.
Die Sohle für die Klärgrube war zügig gemacht. Bernhard hatte mit dem Nivelliergerät schnell die Höhe ermittelt. Der Lkw mit den Betonrohre fuhr an dem Toilettenhaus vorbei und so weit zurück, wie er konnte. Hannes schwenkte den Ausleger ganz nah an den Lkw heran. Drei Soldaten hoben ein Betonteil in den Baggerlöffel. Er drehte den Oberwagen und legte den Löffel in der Baugrube ab. Dort setzten drei Männer die Betonringe aufeinander. Dies machte er vier Mal. Dann kamen zwei Löffel Erde um die Rohre, dann wieder vier Betonteile. Wieder Erde und dann die letzten zwei Betonteile. Nun schaufelte er Erde um die 10 Rohre, drücken diese so gut es ging fest und war fertig. Diese ganze Arbeit dauerte eine dreiviertel Stunde. Ohne Bagger hätte dies einen Tag gedauert. Der Lkw war abgeladen und konnte nun wieder Müll transportieren.
Hannes fuhr den Bagger rückwärts und zog mit dem Baggerlöffel noch den zukünftigen Bachlauf in einer vernünftigen Breite bis zu dem Punkt wo er wieder die Böschung hochfahren konnte.

Mit dem Bagger machte er den weißen Kies auf dem Platz eben. Noch eine Fuhre, dann wäre der „Europa Platz“ in einem anschaulichen Zustand und wenn es in Zukunft regnen würde, wäre der Platz durch den Kies keine rotbraune Pfütze.

Luan kam zu ihm an den Bagger und wollte nun sein Projekt ansprechen.
Beide waren unterhalb vom „Europa Platz“ und standen an dem Bachlauf, durch den in Zukunft das Wasser fließen würde. „Was meint Asger und Bernhard dazu?“ „Ich soll mit dir reden.“ „Super. Ist ja auch keine Aussage. Können wir dies beim Mittagessen klären? Ich will und muss nicht alles alleine entscheiden.“

Bis zum Mittag wurde der Lkw, der den Müll aus dem Ort fuhr, mit dem kleinen Bagger vier mal geladen. Die großen Steine ab dem Betonrohr unter der Piste, waren in Richtung Fischteich rechts und links im Graben verlegt. Die Sickergrube hinter dem Toilettenhaus war bis auf die Höhe der Betonringe aufgefüllt. Es fehlte noch die Betondeckel auf die Schächte, dann wäre diese Baustelle auch fertig. Cees hatte mit drei Männer die Abflussrohre von den Toiletten zu den beiden Sickergruben verlegt und auch angeschlossen.

Vor dem Mittagessen waren Hannes und Luan an der Quelle gewesen um die Wassermenge zu schätzen, die stetig ins Tal lief. Sangkhum war natürlich bei der Begutachtung dabei gewesen.

Das Mittagessen war für Hannes einer der schönsten Momente am Tag. Viele Menschen waren aus so vielen Ländern und Kulturen auf diesem Platz zusammen. Sie saßen auf Stühle oder lagen auf Strohmatten im Schatten.
Patricia und Hannes lagen auf einer Strohmatte im Schatten von einem der großen Bäume unter der riesigen Plane. Dieser Platz war so schön geworden. So sauber und ordentlich. „In welch kurzer Zeit sich dieses Ort verwandelt hat, ist schon bemerkenswert. Von der Weide bis zur Kreuzung und von Sama bis nach Kampang Rou ist fast alles an Müll weg. Ich hoffe das die Leute nun auch anfangen umzudenken. Das Toilettenhaus sieht besser aus, als die meisten Hütten im Ort.“ Patricia nickte ihm zu „Da hast du recht. Die Idee mit dieser großen Plane über den Platz war auch sehr gut. Hier haben die Leute nun viel Schatten und Schutz vor dem Regen.“
Sangkhum lag rechts von ihnen und hatte ihren Kopf auf dem Oberschenkel von Hannes liegen. Er streichelte das Kalb. „Meine Güte, mir schläft gleich das Bein ein. Ihr Kopf ist so schwer.“ Hannes hatte durch Sangkhum einen Khmer Name bekommen: Borsa mneak del mean ko – der Mann mit der Kuh. „Du hast vorhin in der Schule spielerisch aber auch eindringlich gezeigt was Tierliebe bedeutet. Das war genial. Eine solche Tierliebe wie wir sie leben und verstehen, kennen die Leute hier in Kambodscha nicht. Im Übrigen hast du ihr einen schönen Namen gegeben. Sangkhum: Hoffnung. Ich bin so stolz auf dich.“ „Es waren zwei Kälber. Sraleanh ist nicht so zutraulich wie sie. Sieh dir an, wie Sangkhum schläft. Mir fällt bald das Bein ab!“

Asger, Bernhard, Cees und Luan kamen auf den beiden, drei, zu. „Tut mir leid, ich wollte Luans Idee mit euch in der Schule besprechen, ich bin leider etwas verhindert, ein Kalb liegt auf mir.“ Die vier grinsten bei seinen Worten. „Die Kuh mag dich. Ihr hätten sehen sollen, wie wir beide vorhin an der Quelle waren. Hannes rief die Kuh und sie lief wie ein Hund über die Weide auf ihn zu und ging mit uns bis an die Quelle.“ „Männer, ich habe mir viele Gedanken über die Idee von Luan und seinem Wasserrad gemacht. Ich habe sogar Sangkhum und Sraleanh um Rat gefragt, wir wissen es nicht. Macht ihr nun eure Vorschläge und so wird es gemacht. Fragt die Leute im Ort, wie viel Wasser aus der Quelle kommt und ob das Wasser das ganze Jahr läuft. Bei allen Ideen und Gedanken sollte aber auch die Finanzierung geklärt.“

Die vier Schweizer kamen zu ihnen in die Runde. Sie hatten Wasser mit Mangostücken dabei. Reto reichte Patricia und Hannes große Plastikbecher mit dem kühlen und fruchtigen Wasser „Das Kalb scheint dich zu lieben. Es ist schon seit heute Morgen bei dir.“ „Ja, Reto, Sangkhum ist ständig bei mir. Schau mal bitte ob mein Bein noch durchblutet ist. Ich spürte es kaum noch. Ihr Kopf ist so schwer.“
„Schwester Mareile, machen Sie den OP klar, wir haben später eine Beinamputation vorzunehmen.“ Alle in der Gruppe lachten. „Danke für deine Aufmunterung. Wenigstens hast du mir noch etwas zu trinken mitgebracht.“ „Auf dem Platz redet jeder über dich. Du und die Kuh.“ „Ich weiß. Ich heiße nun auch: Borsa mneak del mean ko.“ Reto lachte laut „Der Mann mit der Kuh. Keiner kann glauben, dass dieses Kalb wie ein Hund bei dir ist. Dies ist aber ein gute Zeichen! Hannes, die Menschen fangen an uns zu vertrauen – wenn auch durch Sangkhum. Du hast ihr auch einen schöner Name gegeben.“ „Danke. Hoffnung brauchen die Menschen hier sehr dringen. Ich werde dafür sorgen, dass dieses Tier an Altersschwäche stirbt. Schaut euch an, wie sie schläft. Sobald ich aufhöre sie zu streicheln, stößt sie mich mit ihrem Kopf an. Heute Morgen hat sie Wasser auf meinen Händen getrunken. Vorhin auf der Weide rief ich ihren Namen. Sie kam die 400 Meter von ihrer Herde zu Luan und mir an den Quellmund gelaufen. Sie trank wieder aus meinen Händen. Ich würde mal sagen, dass ich nun ein Haustier habe.“
Nescha streichelte schon die ganze Zeit Sangkhum über ihre Blesse, Hals und Rücken „Meine Großeltern haben noch ein paar Kühe. Früher hatte ich bei den Kälber im Stall oder auf der Weide gesessen und stundenlang mit ihnen gesprochen. So hat bei mir noch nie ein Kalb gelegen, wie es Sangkhum bei dir tut.“ „Dann verstehst du mich.“ „Ja, Hannes, ich verstehe dich nur zu gut. Dieses Vertrauen von einem Herdentier zum Menschen ist schon sehr selten. Im übrigen ist sie ein sehr schönes Rind.“

Rithisak setzte sich zu ihnen in die Runde und bestätigte, das Wasser fließe das ganze Jahr. Beim Monsun so stark, dass es schon öfter die Straße weggespült hatte. Hannes fragte nach dem Besitzer von dem Kalb. Es sei der Onkel von Rithisak. „Sehr gut. Dann sag deinem Onkel, Sangkhum wird an Altersschwäche sterben. Ich kaufe dieses Tier und werde ihm für den Unterhalt auch Geld geben.“ Rithisak sah ihn mit großen Augen an „Ist dies dein Ernst?“ „Absolut. Dies ist ab heute meine Kuh. Morgen hat dein Onkel sein Geld. Wenn ich hier im Ort schon Borsa mneak del mean ko genannt werde, brauche ich auch eine Kuh.“ „Ma Chérie, Sangkhum kommt aber nicht auf die Couch!“ Alle in der Runde brüllten vor lachten bei den Worten von Patricia.

Luans Plan wurde nun ausführlich diskutiert. Es gab pro und contra für die zwei Varianten des Wasserrades. Unter – oder Oberschlächtig wäre beides machbar. Die Krone vom Fischteich war 5,40 Meter höher als der Bachlauf. Wie später das Wasser jenes Wasserrad antreiben sollte, blieb immer noch ein Lotteriespiel. Hannes enthielt sich dieser Diskussion, er fütterte Sangkhum mit Mango- und Wassermelonenstücke.

Rithisak sagte, dass sich für die nächste Woche der Gouverneur vom Distrikt Svay Rieg angemeldet hätte. „Sehr gut. Dann kannst du ihm die Idee mit dem Wasserrad erklären. Wir bräuchten dann einiges an Material für den Bau von dem Rad und auch für den Kanal. Wenn er diesem zustimmt, könnte Bernhard sich um die Finanzierung der Pumpe kümmern. Luan, wie würdest du den Kanal bauen wollen?“ „Am einfachsten wären dicke Holzbohlen. Große Kanthölzer in die Erde, die Holzbohlen von hinten dran verfüllen mit Erde und mit Kanthölzer oben am Kanal verstärken. Den Kanal sollten wir so lang machen, dass wir ein ordentliches
Auflager für das Rad haben.“ „Hört sich alles sehr gut und leicht an.“ „Ist es auch. Die Narbe von dem Rad kann so lang gemacht werden wie wir es können oder wollen. Über Riemen wird die Welle von der Pumpe angetrieben und schon hast du Strom für die Pumpe.“ Die Männer nickten, was Luan selbstsicher und auch offensichtlich fachlich sagte. Also stand diesem Projekt nichts mehr im Weg, nur das Geld fehlte noch.

Am Rand der Böschung vom “Europa Platz“ saßen Bernhard, Luan, Rithisak und Hannes. Sangkhum lag rechst neben ihm. Sie schauten auf das unter ihnen vorbei fließende Wasser, als ob man mit 8 Augenpaare von Menschen und einem Kalb, errechnen könnte, welche Wasserkraft unter ihnen floss.

Die letzte Fuhre Kies wurde gebracht. Hannes ging mit Sangkhum zum Bagger. Zuerst führte er sie zu ihrer Mutter auf der Weide. Kaum hatte Hannes sich auf der Weide umgedreht, kam ihm das Kalb hinterher. Er schickte Sangkhum immer wieder zu ihrer Mutter. Das Kalb blieb wie ein störrischer Esel stehen. Alles reden machte keine Sinn, also gab Hannes es auf, mit dem Rind zu schimpfen.

Hannes kletterte das Fahrwerk am Bagger hoch und setzte sich in die Fahrerkabine. „Ich mach jetzt den Bagger an, beschwere dich nicht, wenn du jetzt Angst bekommst.“ Als der Motor ansprang ging Sangkhum erschrocken drei Schritte zurück, blieb aber bei dem Abstand stehen. Langsam hob Hannes den Ausleger hoch und zog den Baggerlöffel in Richtung Fahrerkabine. Er beobachtet Sangkhum und sah, das sie den Bewegungen von der Baumaschine folgte. „In der Kabine ist für dich kein Platz, du musst schon laufen.“ Sangkhum ging im Abstand von zwei Metern neben dem Bagger her und schaute immer wieder zu Hannes. Wenigsten kläfften die Hunde den Bagger nicht mehr an, dies lag wahrscheinlich an Sangkhum. Vor einem solch großen Tier hatten die Hunde Angst.

Der “Europa Platz“ war nun auf der gesamten Fläche mit 6 Zentimeter weißem Kies bedeckt. Mehr machte keinen Sinn, man sollte ja noch auf dem Kies laufen können und nicht bei jedem Schritt einsacken. Damit der Kies auch auf dem Platz blieb, drückte er mit dem Baggerlöffel den Kies auf dem ganzen Platz nochmals fest in die Erde.

Asger war nach dem Mittagessen mit dem kleinen Bagger und 10 Soldaten am Ende von Kampang Rou und fingen von dort an, die ersten Gräben für den Kanal zu graben. Nhean, so hieß der Soldat, der den kleinen Bagger fuhr, machte sehr gute Arbeit mit der Baumaschine. Vom Ortsende war es nun endlich sauber. Kein Müll mehr an, in und um die Häuser. Nur auf diesen 200 Meter waren es vor dem Mittagessen vier Lkw Ladungen Müll und nach dem Essen nochmals zwei Ladungen. Die Müllgrube war schon wieder voll. Unfassbar! Heute wollte er den Müll nach der letzten Tour anzünden und nicht mehr so spät am Abend. Trotz dem Unglaublichen Gewicht von dem Bagger, mit dem Hannes den Müll zusammen drückte, hatte er Angst vor Funkenflug.

Als nach 20 Minuten des Verdichtens der Müll brannte, zog eine Rabenschwarze Rauchwolle gen Himmel. Die nächsten Müllgruben würde er um das doppelte ausgraben müssen. Hoffentlich würden die Menschen nun anfangen umzudenken und nicht wieder alles dort fallen lassen, wo sie gerade standen oder gingen. Umweltbewusstsein war in diesem Land noch weit unter Null. Lag es an der mangelnden Bildung oder an der Kultur? Dies wusste er noch nicht.

Mit dem Bagger fuhr er durch den Ort in Richtung Khum Nhour, wo die Planierraupe am arbeiten war. Im Ort sah er Rithisak beim Haus seiner Eltern „Rithisak, ich brauche Fett und Öl für die Bagger. Werkzeug für die Filter zu wechseln habe ich. Es könnte aber ruhig etwas mehr an Schraubenschlüssel sein. Auch machen mir zwei Hydraulikschläuche an dem kleinen Bagger Sorgen.“ „In Svay Rieng ist eine Werkstatt. Ich sage dem Mann Bescheid.“ „Gut. Ich schreibe dir heute die Öle, Fette und Filter auf, die ich brauche. Dieser Sand ist tödlich für die Motoren, wenn die Filter zu sind. Ich fahre nun an die Planierraupe die Erde aufladen, sag du den Fahrer von den Lkw sie sollen nach dem “Europa Platz“ an der vierten Hütte rückwärts rein fahren und dort alles abkippen. Die paar Meter fahre ich später mit dem Bagger hin und her.“

An der Baustelle, wo die Planierraupe war, lag genügend Erde die abgefahren werden konnte. Mit dem großen Baggerlöffel war nach drei Schaufel bei dem kleinen IFA W50 aus ostdeutscher Produktion Schluss. Die dritte Schaufel war eigentlich schon zu viel. Dieses Lkw war für eine solche Masse an Erdarbeiten viel zu klein. Völlig Überladen schaukelte der Lkw zu der Abladestelle. Der russische Kamaz-4310 sah mit seinen drei Achsen schon sehr robust aus, konnte aber auch nur 7 Tonnen Nutzlast laden. Der Lkw fuhr auch mit 11 Tonnen Erde.
In den Dörfer Samlei, Thmei, Tnaot, die auf den Bergen um Kampang Rou lagen, hätte er niemals die Lkw so voll geladen. Dafür ging es viel zu steil Bergab.

Reto kam ihm mit seinem Pickup entgegen „Schön dich hier zu treffen. Geht es hier die Berge hoch zu den anderen Ortschaften?“ „Ja. Hier hoch nach Samlei. Die Orte Thmei und Tnaot liegen gegenüber. Hier war ich das erste mal mit Patricia gewesen. Sie hatte dort die Menschen registriert.“ „Okay, die Liste hab ich. Ich schau mir das jetzt mal an. Bis später.“
Bis zum Ortsanfang nach Samlei war nun die Furt zu einer erheblich besseren Piste geworden. Mit dem Bagger fuhr Hannes zurück nach Kampang Rou. An der Kreuzung nach Sama fuhr er mal schauen, wo er dort eine nächste Müllgrube graben konnte. Zwischen den beiden Ortschaften sah er am Berghang ein Gelände, das geeignet schien. Wieder drückte er ein paar Bäume um und legte die Bäume nah der Straße ab. Das Holz von den Bäumen könnte irgendwie oder irgendwann gebraucht werden. Die Grube machte er nun so tief wie es der Bagger zu lies. Bei 7 Meter Tiefe kamen Felsen, da musste der Bagger zeigen, welche Kraft er hatte. Bei fast 8 Meter Tiefe und einer Breite von 6 x 6 Meter, machte es keinen Sinn mehr noch tiefer zu graben. Die Felsen in der Erde wurden zu groß.
In diese Grube konnte nun einiges an Müll gefahren werden. „Wie können ein paar Menschen so viel Müll machen“ sagte er zu sich selbst, als er mit der Arbeit fertig war.

Den Bagger stellte er wieder an der Kreuzung in Kampang Rou ab. Für diesen Tag hatte er keine Lust mehr. Chankrisna kam kurze Zeit später mit dem Grader an die Kreuzung gefahren. Er sei mit seiner Arbeit fertig. Mit dem Pickup von Patricia fuhren beide die Strecken ab. „Alles super. Sieht sehr gut aus. Ich denke, die Pisten von der 334 nach Osten sind alle genau so schlecht. Nun sollte Rithisak entscheiden, ob dies nun auch gemacht werden kann. Wir beide können schlecht ganz Kambodscha begradigen.“ Chankrisna lachte.

Am “Europa Platz“ setzte Hannes sich in den Schatten. Ein Pickup mit einem großen Plastiktank kam auf den Platz gefahren. Dort waren bestimmt die Fische drin. So war es auch. Also immer noch kein Feierabend. Mit vier Dorfbewohner wurde beratschlagt, wie der Pickup nun in die Nähe von dem Fischteich kommen konnte – gar nicht. Also wieder musste der Bagger her. Hannes fuhr auf die andere Seite von dem Fischteich wo der Zulauf war. Er tauchte die riesige Schaufel ins Wasser hinein und fuhr zurück zum Pickup. Er legte den Ausleger so nah an den Tank, dass die Leute mit den Köcher die Fische aus dem Plastiktank in die Baggerschaufel setzen konnten. Mit der ersten Ladung Fische fuhr er die 200 Meter an den Fischteich und ließ den Löffel langsam ins Wasser. Er machte den Baggerlöffel nochmals dreiviertel voll mit Wasser und fuhr zurück zum Pickup. Beim dritten mal war der Plastiktank auf dem Pickup leer und hunderte Fische waren in ihrem neuen zu Hause.

Hannes machte noch eine Schaufel mit Wasser voll und legte den Ausleger links neben den Fischteich. Er öffnete den Baggerlöffel etwas und stellte den Motor ab. Die Kinder, die die ganze Zeit um ihn herum waren, standen vor der großen Schaufel mit dem Wasser. Sie schlugen und platschten mit den Händen auf das Wasser. Hannes packte einen Jungen und hob ihn vorsichtig in die Baggerschaufel mit dem frischen Wasser. Nun hatten die Kinder ein kleines Planschbecken. Er hob noch zwei Kinder in den Löffel. Mit so wenig konnte man Kinder glücklich machen.

Endlich Feierabend. An der Feldküche gab es noch Schweinefleisch Spieße mit Currysoße. Mit fünf solcher dünn geschnittenen Fleischspieße stand er an der Böschung und sah ins Wasser 4 Meter unter ihm. Luan kam zu ihm. „Und? Was meinst du?“ „Ich würde sagen es fließt stärker als heute Mittag. Warten wir ab was nächste Woche der Gouverneur sagt.“ „Danke Chef.“ „Luan..!“ Dabei sah Hannes ihn böse an.

Reto kam auf den Platz gefahren, er hatte eine Frau mit einem Kleinkind, eine ältere Frau und Mann im Auto. „Die Frau kommt mit dem Kind heute noch ins Krankenhaus nach Svay Rieng. Leberentzündung durch Hepatitis.“ „Wer?“ „Beide. Hannes, wir müssen Impfen und zwar schnell. Ich hoffe, dass mein Fax beantwortet wurde. Wir brauchen bestimmt 1000 Ampullen.“ „Muss der Impfstoff nicht gekühlt werden?“ Reto nickte. „Könnte bei 34° etwas schwierig werden.“ „Nicht alle auf einmal. Ortschaft für Ortschaft. Wir zählen wie viele Einwohner es sind und am nächsten Tag fangen wir sehr früh an. Wenn alle sich auf dem Platz einfinden, geht es sehr schnell. Ich habe doch drei sehr gute Helfer im Team.“ „An was man in der Humanitären Hilfe alles denken muss! Versorgung der Menschen, Impfen, Infrastruktur schaffen, Lebensraum verbessern. Wie gut das du hier bist.“ „Warum?“ „Weil eben die Punkte ich genannt habe.“ „Bis auf das Impfen kam doch alles von dir. Für das, dass du erst seit Anfang vom Jahr dabei bist, bist du verdammt gut.“ „Stimmt. Ganz vergessen. Ich wollte eigentlich nur Bildung für Kinder.“ „Auch dies hast du geschafft…“ Reto boxte ihm gegen den Arm „…du bist schon voll cool, hier macht das Arbeiten Spaß. Wo ist Sangkhum?“ Hannes reichte Reto einen der letzten zwei Fleischspieße. „Dies würdest du niemals tun.“ „Nein! Sangkhum wird ein Rinderleben bekommen, wie es dies in Kambodscha wahrscheinlich nie gegeben hat.“ Reto zeige mit dem Zeigefinger hinter Hannes. Er musste sich nicht umdrehen, er hörte Sangkhum schon. „Ich mach noch etwas weiter, dann hören wir auch bald auf.“

„Na Sangkhum, hab ich dir gefehlt?“ Er streichelte ihre Blesse, packte sie am Hals und knuddelte mit ihr „Komm, wir gehen in die Schule.“ Mit Wassermelone in der Hand gingen beide in die Schule. Er gab Patricia einen Kuss, nahm eines ihrer Bücher und zeigte diese Sangkhum „Willst du auch so viel lernen wie die Kinder? Hier, schau. Kannst du schon lesen?“ Er hielt ihr ein Stück Kreide entgegen, Sangkhum leckte die Kreide „Die ist nicht zum essen. Damit kannst du schreiben.“ Die zwanzig Kinder brüllten vor lachen. „Schatz, mach für heute Schluss. Wir sind auch so weit mit allem durch.“ „Gleich, ma Chérie.“
Sangkhum ging zu dem Tisch von Patricia und warf mit ihrem großen Kopf die Bücher auf den Boden. Hannes schimpfte mit dem Rind „Madame, so aber nicht, komm raus hier. Bekommst noch Melone von mir.“ Er packte Sangkhum am Hals und zog sie vom Tisch weg. Sangkhum bewegte einmal ihren Kopf und Hannes stand einen Meter weiter links. Wieder lachten die Kinder. Mit den Zeigefinger kraulte er ihr in den Ohren – dies mochte sie. Mit Wassermelone als Belohnung, ging sie mit ihm aus dem Zelt.

Nun wollte Sangkhum noch in das UN Zelt. Hannes hielt sie am Hals fest und versuchte ihren Kopf zu drehen. Er hatte keine Chance. Sie marschierte in das Zelt der Ärzte und schaute sich um. Sie ging zu Mareile und Nescha. Dort wurde sie von denen gestreichelt, dann war sie zufrieden.

Der Trupp, der angefangen hatte die Abwasserrohre zu verlegen, kam auch auf den Platz. Nach und nach füllte sich der “Europa Platz“ mit Menschen. Es wurde Zeit diesen Tag zu beenden. Frauen, Männer und Soldaten kamen zu ihm mit ihrem Rapport. Es wurde wieder sehr viel gearbeitet und dies alles ohne Druck. Er bedankte sich bei den vielen Helfer.

Rithisak kam 10 Minuten später zu ihm und überreichte ihm die erledigten Arbeiten in schriftlicher Form. „Danke Rithisak. Ich weiß es schon.“ Rithisak sah erstaunt zu Hannes. „Es machte die Männer und Frauen stolz, wenn diese selbst ihre erledigten Arbeiten sagen konnten. Das leuchten ihrer Augen hättest du sehen sollen.“ „Wir alle sind sehr dankbar für eure Hilfe und Unterstützung“ „Wenn es so bleibt, beginnt hier in Kampong Rou ein neuer Schritt für die Zukunft von Kambodscha und diese Frauen und Männer sind ein Teil dieser Zukunft. Ich sah einige sehr gute Arbeiter. Ich werde mit Bernhard und dem Chef von ODHI sprechen ob wir nicht ein paar Menschen fest Einstellen könnten. Wir brauchen fähige Mitarbeiter, um schneller voran zu kommen.“ Rithisak nickte ihm zum „Perspektiven schaffen.“ „Genau! Perspektiven schaffen. Eine vernünftige Grundlage an Einkommen ist wichtig für diese Menschen.“

Schulschluss.
Die Kinder kamen aus dem Zelt und jedes Kind streichelte oder sprach noch einmal mit Sangkhum.

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