7 Bei der Polizei in Gardez

Teil III Kapitel 7

Gardez Teil II
Bei der Polizei in Gardez

Die Polizeistation von Gardez ist am Rand der Innenstadt und ein in die Jahren gekommenes Anwesen.
Die Polizisten haben sich eindrucksvoll 7.62 mm-Gurtmunition für ihre AK47 umgeschlungen und stehen oder hocken zur Sicherung vor dem Gebäude.
Sie blicken misstrauisch auf die beiden Fahrzeuge, die vor das Gebäude fahren.

Dem Polizist am Eingang zu der Polizeistation erklärend was der Grund für den Besuch ist, folgen Hannes, Oliver und Tamina dem Mann zu dem Büro des Polizei-Chefs.
Das alte Möbel und die Sessel, die den kleinen Raum ausfüllten, hatten auch schon bessere Zeiten gesehen.
Als alles besprochen war wie das Treffen ablaufen sollte, wurden die Kameras und Licht in das kleine Büro von dem Polizei-Chef getragen und aufgebaut. Durch das mehr an Licht in dem kleinen Raum sah man kleine Staubwölkchen durch den Raum wabern.
Stacey und John führten das Interview mit einem Mann der Ende 40 sein konnte.
„Die letzten Jahre hat es in Gardez so viele Polizei-Chefs gegeben, dass die Menschen aufgehört haben diese zu zählen.“ Begann dieser, mit einer Zigarette im Mund. Er sei nun sieben Monaten der Polizeichef. Wie lange er durchhalten würde weiß er nicht!
„Man nimmt nicht an, dass die Taliban in Gardez operiert, aber jemand der behauptet Mitglied der Islamisten-Gruppe zu sein hat bereits mehrmals auf mein Handy angerufen, und mir gedroht das diese mich umbringt, wenn ich nicht aufhöre.“ Sagt der Polizei-Chef und zog wieder an seiner Zigarette. „Ich habe für Gardez und die Umliegende Dörfer 30 Polizisten und drei Fahrzeuge. Von der Regierung bekommen wir so wenig Tankgeld für die Fahrzeuge, dass wir noch nicht einmal ein Fahrzeug im Monat Volltanken können. Wenn jemand die Polizei ruft und das Benzin ist alle, muss ich dies von meinem Lohn bezahlen.“ Er als Polizeichef, bekomme im Monat 30000 Afghani, ca. 400 Euro. „In all den vielen Jahren Krieg hat in Afghanistan so ziemlich jeder gegen jeden gekämpft: Die Mudschaheddin kämpften gegen die Sowjets; die Tadschiken kämpften gegen die Usbeken; die Hazaras kämpften gegen die Paschtunen; die Taliban kämpften gegen die Nordallianz; diverse Kriegsherren der Nordallianz bekämpften sich gegenseitig. Das Kämpfen geht auch heutzutage noch weiter. Vor einigen Monaten tötete ein Taliban-Kriegsherr einen anderen. Die Polizei von Masar-e-Sharif hat ihn fest genommen, fünf Tage später hat ihn der Staatsanwalt wieder freigelassen. Man kann es so ausdrücken: Er hatte mächtige Unterstützer.” Eine weitere billige koreanische Zigarette aus der Packung fingernd, sprach er weiter. „Wenn ich ihn fest genommen hätte, würde ich keinen Tag durchhalten. Dies ist Afghanistan, nicht Europa.”
Der Sessel, in dem kleinen Raum stieß hin und wieder kleine Staubwölkchen aus, als wären die Lunge des Mannes und der Bezug von seinem Sessel miteinander  verbunden.
„Die Menschen in Gardez rufen die Polizei nicht oft. Einmal riefen sie mich als sie einen Vorrat an REG-Granaten unter einigen Lehmbrocken fanden oder Männer riefen an, als sie weiter südlich auf der Straße vier 122mm-Geschosse gefunden haben, welche als Sprengfalle aufgebaut waren. Im Allgemeinen wendet man sich aber nicht an die Polizei wenn man Sicherheit will. Jeder hier wird einem sagen, dass man der Polizei nicht traut. Warum sollten sie auch?“ Er und drückte die Zigarette aus. „Schaut euch unsere Fahrzeuge und Ausrüstung an. Alles alt, verrottet und die Polizisten bekommen zu wenig Geld. Ich weiß auch, das einige an den Kontrollpunkten die Hand aufhalten. Was soll ich machen? Ich kann die Männer nicht entlassen, es gibt sowieso zu wenige Polizisten im Land. Es ist der ewige Kreislauf. Wie soll es Stabilität und Frieden in dem Land geben, wenn die Polizei und das Militär so schlecht ausgestattet sind? Die Korruption in der Regierung ist doch an allem Schuld.“

John fragt den Polizisten, warum er denn Überhaupt diesen Job mache. „Warum macht ihr euren Job? Ich glaube an dieses Land. Ich will das meine Familie, Freunde und alle Einwohner von Gardez und von ganz Afghanistan in Frieden und Sicherheit leben können. Ob ich diesen Traum je erleben werde weiß ich nicht. Aber ich kämpfe jeden Tag dafür.“ Er zog wieder eine Zigarette aus der Schachtel. Der Staub und Dunst in dem Raum waren eins geworden. „Was soll ich sonst machen? Arbeit gibt es doch so gut wie keine in dem Land und die Monatslöhne sind doch auch nicht das, wovon man leben kann. Der Krieg in all den Jahren, die Taliban, die Korruption all dies ist der Grund warum wir nicht mit der Wirtschaft hoch kommen. Opium ist das einzige was Geld bring und die Soldaten zerstören ab und an auch mal einige Felder. Die Menschen bauen es doch nur an, weil diese ihre Familien ernähren wollen.“ Er zog an der Zigarette und beim ausatmen schaute er lange dem Rauch nach. „Es ist der ewige Kreislauf.“ Sagt er nach eine Weile in die Runde.

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