9 Im PRT Khost

Teil III Kapitel 9

Im PRT Khost
Die akute Terrorlage und die Ohnmacht vor der Flucht.

„Das erste mal in meinem Leben weiß ich, wem ich dies Bedingungslos anvertraue.“
„Objects in one and a half miles ahead.“

Endlich kam das PRT in Sicht. Die Anspannung fiel schlagartig ab. Hannes parkte an gleicher Stelle, wie Tags zuvor. Oliver parkte rechts von ihm. Der Motor war noch nicht aus, da kam Major Juarez schon auf Hannes zu. Sein Blick war ernsthaft besorgt. Sie begrüßen sich wie Freunde die sich Ewigkeiten nicht gesehen hatten. „Schön, dass ihr da seit.“ „Roger, was ist los?“ „Komm bitte mit in mein Büro.“
Die Tür zum Büro vom Major war noch nicht richtig geschlossen, als er anfing zu reden „Ich habe keine guten Nachrichten für dich! Was ich dir jetzt zeige, ist streng Geheim!“
Er reichte Hannes einige Blätter und er erkannte sofort, dass es Schreiben vom US Geheimdienst waren. Hannes las die sechs Seiten aufmerksam durch und brauchte einige Zeit um das gelesene zu verarbeiten. „Raketenwerfer…!?“ Roger nickte „Ja. Eine neue Form vom Terror! Kommt vor – aber dann mal einer und nicht gleich ein Dutzend davon. Über die normale Route läuft seit heute morgen nichts mehr. Nach Satellitenbilder geht dort nichts mehr voran. Entweder haben Lkw gebrannt, sind auf IED’s gefahren oder wurden Gesprengt. Möglich ist auch, dass diese Gruppe einen ihren Raketenwerfer „getestet“ hat. Hier sind die Fotos von 13.54 Uhr Ortszeit. Mehr Informationen vor Ort haben wir noch nicht.“ Hannes nahm das Satellitenfoto in die Hand und betrachte es sich nochmal
„Der ganze Pass ist zu. Sieht ja aus wie am Kölner Ring im Berufsverkehr. Ich kann nicht mehr erkennen als du. Ein riesiges Trümmerfeld und Chaos. Soll diese Gruppe in einem so großen Gebiet operieren?“ Dabei schaute Hannes auf die Karte die auf dem Tisch lag und fuhr mit dem Zeigefinger einen Kreis in dem Radius, in dem die Gruppe aktiv sein sollte. „Die sind Mobil. Haben Esel oder Pferde und sind schneller von A nach B, als wir die mit dem Satelliten orten können. Wir wissen nicht in welcher Stärke die Gruppe kämpft. Die Zahl schwankt von 20 bis 40 Personen. Sind die aufgeteilt und kommen von allen vier Himmelsrichtungen oder greifen sie geschlossen an? Es wird nach der Gruppe via Satellit gesucht. Wenn es dunkel wird, haben die Satelliten keine Chance. Das Champ ist in höchster Alarmbereitschaft und die Patrouillenfahrten nun auch nach Osten ausgeweitet. Ich möchte diese Dreckskerle finden. Nur kann ich den Trupp nicht weiter nach Osten schicken, die müssen vor der Dunkelheit im Champ sein.“

Eine Ordonnanz brachte Kaffee ins Büro vom Major. Hannes sah an der Wand die andere Karte mit den Terror- und IED Punkte. „Die IED Punkte sind noch nicht aktualisiert. Ich warte auf die Rückkehr der Teams. Die Terror Punkte wurden nach Eintreffen der Nachrichten sofort aktualisiert. Nur wissen wir noch nicht, ob das am Pass nach Gardez ein Terroranschlag war. Daher auch dort eine andere Farbe. Auch weiß keiner, ob in östliche Richtung nicht auch IED’s sind.“
Hannes sah ratlos auf die Karte und dann zu Roger „Roger, was ich gelesen und nun gehört habe, würde ich gerne mit Marcel und Oliver besprechen.“
„Selbstverständlich“

Major Juarez rief die Ordonnanz und sagte ihm, dass Oliver und Marcel in sein Büro gebeten würden. Zehn Minuten später trafen beide ein. „Okay, die Karte hat sich verändert. Scheint ein größeres Problem zu sein“ sagte Oliver, als er Hannes anschaute. Diese Beobachtungsgabe von Oliver war schon faszinierend. „Wie du gesehen hast, hat sich die Terrorlage verändert. Die IED’s habt ihr über Funk mitbekommen. Die genauen Standorte, aller Sprengfallen sind noch nicht bekannt. Ich habe Informationen gelesen, dass seit zwei Wochen eine Gruppe von der Taliban aus Pakistan hier in der Gegend sei. Diese würde zum radikalen Flügel gehören und die jüngsten zwei Anschläge mit 56 Toten in Pakistan gehen auf deren Konto. Sorge macht mir die Bewaffnung dieser Gruppe, wie auch die Größe. Es ist eine Zahl zwischen 20 und 40 Personen und diese seien im Besitz von einem Dutzend Raketenwerfer. Ihr wisst, dass die Ziele völlig willkürlich ausgesucht werden. Es kann ein Bus, ein Gebäude oder dieses Champ sein. Wenn ich diesen Informationen glauben kann – was ich auch tue, haben wir es mit einer nicht zu unterschätzenden Gefahr zu tun. Die Gruppe wird seit geraumer Zeit via Satellit gesucht. Da es bald dunkel wird, können die Terroristen sich in der Dunkelheit in diesem Radius aufhalten“ Hannes machte auf der Karte auf dem Tisch gleichen Radius wie zuvor bei Roger. „Wir müssen das Fernseheteam und die vier Frauen so schnell wie möglich aus diesem Gebiet bringen! Nun möchte ich mit euch die Rückfahrt nach Kabul besprechen. Da der Khost-Gardez Pass durch Umstände gesperrt ist, die wir jetzt noch nicht kennen, müssen wir eine Route nehmen, die von Khost weiter östlich liegt und dann auf Kabul geht. Wir müssen nach Tere Zayi Richtung der Grenze zu Pakistan auf Peer Kalai zu und dann nach Bagina über den Hindukusch und uns dann irgendwie auf Kabul zu schaffen. Problem ist, dass niemand weiß, ob IED’s von Khost in Richtung Tere Zayi verlegt sind. Der letzte Kontrollpunkt ist auf halber Strecke. Dort müssen wir links ab um nach Bagina zu kommen.“

Die Ordonnanz klopfte und brachte Getränke und Sandwiches herein. Sandwichs sind jetzt das letzte was wir brauchen, dachte Hannes. Roger sagte in die Runde „Begleitschutz kann und werde ich euch geben. Ein Mannschaftstransporter kann das Fernseheteam und zwei Frauen aufnehmen. Ich denke dass dein Auto eine stärkere Panzerung hat, als der Bus und die Sicherheit dort mehr gewährleistet ist.“ Hannes nickte „Wäre super. Was haltet ihr von diesem Vorschlag? Wenn wir in Bagina sind, wird der Rest der Strecke ein Kinderkarussell.“ Hannes fuhr mit dem Zeigefinger nochmals den Radius ab. „Eine andere Alternative sehe ich zur Zeit nicht. Nur wird diese Route über den Hindukusch auf Kabul zwischen 8 und 10 Stunden werden“ sagte Oliver. Hannes nickte ihm zu. „Die Gegend nach Tere Zayi ist links und rechts von der Piste steil und immer wieder weit und flach. Beste Voraussetzungen für Hinterhalte. Sind diese Typen heute, morgen oder nie da? Wir wissen es nicht. Bis zu 40 Verrückte mit einem Dutzend Raketenwerfer können eine Ortschaft, dieses Champ oder die halbe Stadt platt machen“ sagte Marcel. Er hatte das ausgesprochen was Hannes dachte.
Alle vier schauten auf die Karte, als ob diese sich zum positiven Verändern würde, wenn acht Augen auf diese starrten.
Im Büro war eine gespenstische Stille und jeder war am denken.
„Abfahrt morgen früh“ kam es in einem Befehlston von Marcel. Der bei diesen Worten Hannes anschaute und nickte Marcel zu.

Hannes setzte sich, trank einen Schluck Kaffee und rieb sich die Schläfen. Sie waren fast an der Grenze zu Pakistan mit Journalisten, zwei Zivilistinnen, einer Ärztin und einer jungen Psychologin. Hannes öffnete die Augen und sah jeden am Tisch an „Auf was habe ich mich hier nur eingelassen? Wir hätten niemals so weit von Gardez wegfahren dürfen. Nicht mit dem Toyota und schon gar nicht mit diesem Tross im Anhang. Nur weil ich mal wieder den Samariter spielen wollte. Was für eine unbefriedigende Situation.“
„Was?“ Platzte Oliver heraus „Hallo? Hannes! Nun ist aber gut! Jeder wusste wo wir hin fahren. Das sich die Terrorlage verändert hat, kannst du am allerwenigsten etwas dafür! Gib nicht immer dir für alles die Schuld. Wir machen das so, wie Roger es uns Vorgeschlagen hat. Mach dir um mich und Marcel keine Gedanken. Wir sind ein Team und in diesem Team kommen wir auch in Kabul wieder an.“ Roger nickte Oliver zustimmend zu „Oliver hat absolut recht. Hannes du kannst nichts dafür. Ich werde vier Fahrzeuge mit Maschinengewehre und den Mannschaftstransporter euch als Begleitung geben. Wir sind ein Team.“
Beim letzten Satz schaute Hannes Roger mit großen Augen an. Wow! Solche Worte vom Major! Hatte Sabine doch alles richtig gesehen und eingeschätzt. „Mehr können wir jetzt nicht mehr tun oder besprechen. Bald wird das Abendessen fertig sein, lasst uns den Abend gemeinsam verbringen“ sagte Roger. „Ich hoffe das es nicht das letzte Abendmahl sein wird“ kam es gequält von Hannes.
Die Männer erhoben sich und Roger packte Hannes am Arm
„Wir sind ein Team und was du voran gebracht hast, ist mehr als das ich dir meine hundertprozentige Unterstützung zusichern kann.“ Beim raus gehen wuschelte Oliver Hannes durch die Haare und sagte „Alles wird gut!“

Auf dem Weg zur Unterkunft ging Hannes so einiges durch den Kopf. Gestern der Schock in dem Frauenhaus und der Bericht von Emily. Heute die viele Arbeit und Unterstützung der Soldaten, dann noch die sechs Seiten vom Geheimdienst.

Hannes ging zur Unterkunft der Frauen und wollte wenigstens Sabine – zumindest im groben einweihen.
Wie erwartet sah sie ihn regungslos und geschockt an, als er ihr die akute Terrorlage schilderte.
Dieses Küken in ihrem ersten Einsatz und dann gleich eine solche Situation. Nun fühlte er sich richtig mies, dass er es überhaupt zugelassen hatte, sie mit nach Afghanistan zu nehmen. Sabine sah ihn offen an und er sah, dass sie am denken war „Danke. Danke das du mir dies gesagt hast. Es macht zwar meine Stimmung nun nicht gerade besser. Du bist ein toller Chef und ich sehe, wie diese Nachricht an dir zehrt. Ich kann deine Sorgen sehen ohne das du es sagst. Ich weiß auch, dass du alles nur erdenkliche tust um uns sicher nach Kabul zu bringen. Ich vertraue dir. Ich vertraue Oliver und Marcel.“
Es klopfte und Nila trat ein. Sie sah Hannes und Sabine an und wusste das etwas nicht in Ordnung war. Er musste aus diesem Zimmer. Noch einmal alles erklären wollte er nicht und zum anderen wusste er nicht, wie Nila mit dieser akuten Terrorlage umgehen würde.
Die Flucht zur Tür war jetzt seine Rettung. „Hannes…“ er drehte sich zu Sabine um „…du bist ein guter Mensch mit einem riesigen Herz und trotzdem kannst du nicht alles an Verantwortung auf dich nehmen.“
Draußen auf dem Flur musste er erst mal tief Luft holen. Er ging durch das Camp und auf dem Weg zur Kantine sah er sein Auto und den Bus bei der Instandsetzung stehen. Oliver war mit einigen Soldaten an den Fahrzeuge und sie checkten alles durch.

Die vier Teams, die auf der Suche nach Sprengfallen waren, kamen gerade ins PRT gefahren. Hannes beobachtete die Soldaten und Soldatinnen als sie aus den Fahrzeugen steigen. Trotz der Sicherheitsausrüstung sah er, wie erschöpft sie waren. Er wollte jetzt nicht zu Roger gehen und wollte auch nicht die neusten Informationen hören. Er hatte genug gelesen und gesehen und wird es sowieso erfahren wo und welche Sprengfallen es waren.

Er ging zum Shop in dem Champ und kaufte sich Zigaretten und eine Flasche Coca Cola. Mit seinem Einkauf setzte er sich auf einen Plastikstuhl vor den Shop und starrte ins nirgendwo.
„Jetzt mal keine Wand?“ Gregory stand links hinter ihm und prostete ihm mit seiner Coca Cola zu. Er zog einen der 
Stühle heran und setzte sich Hannes gegenüber „Du musst nichts sagen, deine Augen sprechen Bände. Ich war in so vielen Länder dieser Welt um Reportagen zu machen und auch schon da wo es gefährlich war und ja, auch dort hatte ich Begleitschutz. Alle können dir und deinem Team nicht im Ansatz das Wasser reichen. Deine Fürsorge für andere ist so groß und menschlich. Egal was in deiner Seele weh tut, du bist und bleibst ein Großartiger Mensch.“ Hannes zog an seiner Zigarette und erklärte im groben wie und warum der morgige Tag nicht so wird, wie gewohnt. Gregory sah ihm tief in die Augen und sagte „All dies ändert nichts an deinem Charakter. Ihr habt euer bestes gegeben und mehr geht nicht! Danke das du deine Sorgen mir gesagt hast. Dies zeigt großes Vertrauen und ist umgekehrt genau so. Komm, lass uns essen gehen.“

Der Abend war ganz anders als der Vorabend. Es wurde nicht gelacht. Es wurde nicht über die 4900 Kilometer entfernte Heimat gesprochen und auch nichts gefilmt. Am Tisch vom den beiden Teams saß auch Roger. Es wurde ihm die ganze Situation von dem Frauenhaus erklärt und wie schlimm die Wunden und Misshandlungen der Mädchen und Frauen waren. Man sah Roger an, dass ihn dies alles sehr berührte. Es wurde auch von der Vielzahl an Ausbesserungsarbeiten gesprochen und wie dankbar man doch für diese Unterstützung sei.
Roger sicherte zu, dass regelmäßig eine der Ärztinnen dort vorbei schauen würde und sogar gegebenenfalls Operationen im Camp durchgeführt würden.

„Diese Mädchen und Frauen können nichts für ihre Situation. Es sind die veralteten
Strukturen der Stammesältesten und es ist die Armut der Familien. Die Mädchen werden für Schafe oder Felder verkauft. Das Weltfremde Denken der Männer ist in Afghanistan ein sehr großes Problem: Mädchen brauchen nicht in die Schule. Mädchen brauchen nichts zu lernen. Mädchen werden mit 10 Jahren als Ehefrauen verkauft – obwohl es verboten ist. Wen kümmert es in Kabul was in den Provinzen von diesem großen Land passiert?“ Nila redete ruhig und sachlich, innerlich war sie aufgewühlt und voller Zorn „ich hatte das große Glück, dass mein Vater eine andere Sichtweise hatte und so konnte ich zur Schule gehen. Als es nach dem Krieg der Sowjetischen Armee und dem immer größer werdenden  Chaos schlimmer wurde, sollte ich mit Verwandten das Land verlassen. Meine Eltern hatten für die Flucht nicht so viel Geld, als sollte ich zumindest in Sicherheit leben. Im dunkeln sind wir geflohen. Tagsüber versteckt und immer leise gewesen. Nie sind wir durch Ortschaften durch. Immer die Angst, die Taliban kann uns aufgreifen. Heute weiß ich durch Hannes wie viele Minenfelder es in meinem Land gibt – damals nicht. Mein Cousin trat auf eine Mine und er wurde buchstäblich neben mir zerfetzt. Die Angst, bei jedem Schritt den ich heute oder morgen gehe, könnte mein letzter sein, ist heute noch in mir.“
Jeder am Tisch hörte Nila regungslos zu.
„Die Grenze zum Iran war so weit weg. Laufen, laufen und ständig Angst haben. Ich konnte an nichts mehr denken. Sehe ich meine geliebten Eltern wieder? Werde ich überleben? Ich hatte Blasen an den Füßen und Sonnenbrand im Gesicht. Täglich hatte ich Schmerzen. Ich war 10 Jahre alt! Irgendwann waren wir im Iran. Ich hatte kein Zeitgefühl mehr. Im Iran wurden wir wie Verbrecher behandelt. Es ging weiter in die Türkei. Mein Onkel und Tante wollten weiter zu Verwandten nach Deutschland. Ich wollte nicht mehr laufen. Wollte keine Angst mehr vor Militär, Polizei oder Menschen haben.“
Alle am Tisch sahen fassungslos zu Nila.
„Irgendwann waren wir in Europa. Bulgarien war wie der Iran. In Österreich bekam ich zum ersten mal seit der Flucht Hilfe in einem Spital. Es war Oktober bis wir in Deutschland angekommen waren. Ich kam zu Verwandten von meinem Onkel nach Stuttgart. Ich musste alles neu lernen. Eine Sprache die ich nicht kannte und hatte einen guten Abschluss geschafft. Auch war mir die Kultur fremd. Ich habe sie aber lieben gelernt. Pünktlichkeit, Sauberkeit und alles ordentlich machen. Weihnachten war eine schöne Zeit. Nur weil ich in einem muslimischen Land aufgewachsen bin, heißt es doch nicht, dass ich christliche Feiertage ablehne. Ich habe auch die Bibel gelesen. Ich fand in den Jahren viele Freunde und hatte eine Ausbildung als Bürokauffrau abgeschlossen.“ Nila schaute in die Runde „Schaffe, schaffe, Häusle baue – sagte mein Zieronkel immer. Oder besser gesagt: schaffe, schaffe um Geld zu sparen, damit ich meine Eltern wieder sehe kann. Mit 10 Jahren habe ich die Familie und den Halt verloren. Meine Verwandten waren sehr nett und haben mich wie ihre eigene Tochter behandelt. Nur war es nicht Papa und Mama.
Mila und Milad wurden meine Eltern und ich bin ihnen für alles was ich in Deutschland gelernt habe, sehr sehr dankbar. Ich wurde von ihnen in einem freien, liberalen und weltoffen Denken erzogen. Dies hätten meine Leiblichen Eltern wohl nie so machen können. “Du muscht ein ordentliches Mädle werden.“
Bei dem hervorgehoben schwäbisch mussten alle grinsen.
„14 Jahre lebte ich in Stuttgart. Ha noi, wid Zeit verganged. Dann kam die Nachricht von einem Bombenanschlag. Mein Vater sei bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Seine und von 12 weiteren Personen waren die Körperteile auf 30 Meter verstreut. Meine Mutter hatte diesen Angriff überlebt und war seit diesem Tag schwerst traumatisiert.“
Nila hatte Tränen in den Augen und Sabine nahm sie in den Arm. Nila wischte sich mit dem Handrücken die Tränen weg und sprach weiter „Ich kam mit 25 Jahren zurück in meine Heimat. War dieses Land noch meine Heimat? Ich hatte die Hälfte von meinem Leben in Deutschland gelebt. Ich sah überall das Chaos und die Not. Ich musste etwas tun und pflegte meine Mutter so gut es eben unter diesen Umständen möglich war. Vor zwei Jahren fand ich sie morgens tot in ihrem Bett – sie hatte sich umgebracht.“
Nila rang nach Luft und wichte sich wieder die Tränen weg. „Ein viertel Jahr nach meiner Rückkehr traf ich Shabnam, sie war früher meine Lehrerin und Direktorin an der Schule in Gardez. Shabnam wollte unbedingt dass ich Lehrerin werden sollte. Ich bin Bürokauffrau und keine Lehrerin. Shabnam lies sich nicht davon abbringen und lehrte mich alles, was ich wissen musste. Sie hatte Anfang der 70er in Deutschland Lehramt studiert und brachte mir all ihr Wissen bei, dass ich heute den Kinder und jungen Frauen in der Schule und im Frauenhaus weiter gebe.“
Roger schaute Nila mit dem allergrößten Respekt und Ehrfurcht an „Gott segne dich. Warum tust du dies alles? In einem Land wo Frieden noch Jahre braucht.“ Nila nickte ihm zu „Ich war auch auf der Suche nach dieser Frage, bis mir vor ein paar Tagen ein kluger Mann sehr gute Worte sagte: Weil Bildung die einzigste Möglichkeit ist für eine bessere Zukunft. Eine bessere Welt und für Frieden und Menschlichkeit.“

Nila schaute Hannes an und jeder am Tisch wusste, dass diese Worte von ihm kamen und alle nickten Hannes zu. „Durch Zufall traf ich Hannes, weil er sich die deutschen Projekte von damals anschauen wollte. Er ist ein Engel auf den so viele gewartet haben.“ Hannes wollte sogleich Protestieren. Nila schnitt ihm das Wort ab „Nein! Ich bin am reden! Bitte lass mich. Emily ist ein Engel – sie hat die Großeltern von Samira operiert wofür sie beide niemals mehr Geld gehabt hätten. Oliver ist ein Engel – er hat das Tor bei ihnen repariert und Einrichtung für Shabnam gekauft und ihr die Fenstern und Tür repariert. Roger, was Sie heute befehligt haben und dadurch erreicht wurde, ist mehr als der Distrikt in einem Jahr zu schaffen vermag. Die Ärztinnen haben heute so vielen Mädchen und Frauen geholfen, um ein Stück weit Normalität zu leben. Ihr alle seit Engel. Hannes – ich weiß das du dich nie so siehst und immer sagst: dieses Team, unser Team. Du bist das Team! Dein unermüdlicher Kampf für das Gute, für Menschen und Kinder besonders. Du führst und inspirierst Menschen auf eine liebevolle Art.“
Alle anwesenden an dem Tisch nickten und bestätigten Nilas Worte. Nur Hannes schaute etwas zerknirscht drein.
„Als du vorhin bei Sabine warst und ihr deine Sorgen und Bedenken für die Rückfahrt geäußert hast, zeigt doch deine Fürsorge für jeden von uns. Mein ganzes Leben kenne ich Terror und Angst. Bei dir fühle ich mich sicher. Das erste mal in meinem Leben weiß ich, wem ich dies Bedingungslos anvertraue.“

Es war spät, als die Gruppe sich langsam auflöste und man sich zu den Unterkünften für die Nacht begab.
Es war in dieser Nacht erdrückend schwül und Hannes konnte nicht schlafen. Die Schwüle und Gedanken machten ihn völlig fertig. Er stand auf und schaute via Satellit sich die morgige Route auf dem Laptop an. Er scrollte nach links und rechts, zoomte die Piste ran und immer wieder schaute es links und rechts der Piste die Gegend an, die ihm das Satellitenfoto zeigte.

Diese Schwüle war unerträgliche und sein T-Shirt klebte an ihm. Er ging unter die Dusche und versuchte sich mit Seite die Gedanken ab zuschrubben.
Zurück im Zimmer, stand förmlich die Luft. Er öffnete die Tür in der Hoffnung, dass Sauerstoff und kühle in seine Unterkunft kam.
Mit T-Shirt und kurzer Hose ging er auf den Flur der Unterkunft. Die Luft brachte durch den Korridor der Wohncontainer etwas angenehmere frische. Hannes setzte sich auf einen Plastikstuhl und zog eine Zigarette aus der Schachtel. Das Laptop vor sich und der Zigarette in der Hand, schaute er sich immer wieder die Route an. Marcel kam auf den Flur „Auch schlaflos?“ „Ja. Ich kann nicht schlafen. Ob es an der Schwüle oder den Gedanken liegt, kann ich dir nicht sagen. Ich schaue mir die Route für heute an.“ „Kurz vor dem höchsten Punkt am Pass kommt eine Serpentine da kann ich nicht erkennen was rechts von der Piste ist“ sagte Marcel als er auf Hannes zu kam und sich einen Stuhl nahm.
„Es kann ein verfallenes Haus, eine Furt vom Gebirge oder das Lager der Gruppe sein. Scroll weiter hoch. Jetzt rechts. Da! Zoom es näher ran. Siehst du das?“ „Marcel, ich danke dir. Ich bin schon eine ganze Weile mit diesem Abschnitt der Route beschäftigt. Das habe ich nicht gesehen.“ Marcel nickte „Mir ist bewusst, welche Last du in dir trägst. Du bist der Leader – und dies ein verdammt guter. Ich bewundere dich. Du hast eine unglaubliche Energie in dir. Wir sind schon lange Freunde und ich bin sehr stolz einen solchen Menschen wie dich als Freund zu haben. Deine Projekte in all den Jahren für Kinder und dein Engagement für Menschen ist mehr als lobenswert. Ich habe zu lange auf der anderen Seite der Menschlichkeit gestanden. Ich habe viele Fehler gemacht. Von Kindheit an wurde mir beigebracht, die anderen sind die Bösen und die muss man bekämpfen. Was für ein Irrglaube.“
Hannes hob die Hand „Marcel, stopp! Was wird das hier? Willst du mich heilig sprechen? Ich mag dich sehr. Ich weiß was im Bosnien Krieg und im Kongo passiert ist. Dafür respektiere ich dich. Du bist ein wunderbarer Mensch. Du warst in Afrika zwei Jahre lang mein Schatten. Du hast ein gutes Herz und weißt ja selbst, dass du Fehler gemacht hast. Nun stehst du auf der Seite der Guten.“ Marcel nickte „Hannes, bitte las mich dir etwas erklären. In der Jugend habe ich die Waffen von meinem Vater auf dem Dachboden gefunden. Zuerst hatte ich Angst vor diesen Waffen. Irgendwann nahm ich eine mit in den Wald und suchte als Zielscheibe einen Baum. Ich traf auch – nur nicht den, der ich wollte. Ich machte mir Gedanken woran dies liegen könnte. Ich schaute durch Kimme und Korn – verfehlte wieder. Viele Tage habe ich geübt. Irgendwann kam die Zeit, wo ich getroffen hatte. Dann wurde es mehr. Die Ziele wurden kleiner und weiter weg. Ich lerne eine Atemtechnik, wie es heute jeder Präzisionsschütze tut. Ich schoss auf Vögel die auf Bäumen oder den Stromkabel hockten. Die Tiere taten mir leid. Sie machten doch niemand etwas. Zu Hause war das Feindbild: der andere ist immer Schuld. So dachte ich, ich muss diesen Feind besiegen. Irgendwann hörte ich von der Fremdenlegion und deren Heldenhaften Taten gegen das Böse. So ging ich zur Legion und hatte mich eifrig nach oben geschafft. Ich war in Subtropischen Länder, Osteuropa und Wüstenstaaten, um das Böse zubesiegen. Tagelanges wartete ich in einem Versteck, bis der Moment zum Schuss kam – zum Finalen Schuss! Ich war gut. Ja, ich habe viel Geld für das Töten von Menschen bekommen. Ich bekam Aufträge um Personen zu eliminieren. Im Bosnien Krieg sah ich dann die glorreichen Taten der Legion und Söldner aus Bulgarien, Russland und der Ukraine. Sie erschossen Frauen und Kinder. Wenn die Söldner ein Kind erschossen, brachte dies gleich doppeltes Geld, wenn der Vater oder Mutter in Panik zu dem Kind lief. Ein Schuss aus hunderten Meter Entfernung macht nur „popp“ und ein weiterer Mensch war tot. Kinder, Frauen und Zivilisten sind genau so unschuldig wie die Vögel, die ich Jahre zuvor zerfetzt hatte.“
Hannes war von Marcel völlig in den Bann gezogen und hörte ihm regungslos zu.
„In Sarajevo hatte ich mich in einem Haus von einem Orthodoxen Priester verschanzt und wartete auf die Söldner und Handlanger der Kriegstreiber die in 800 oder gar 1500 Meter Entfernung vor mir durch die Straßen schlichen oder sich dicht an die Häuserwände drückten. Wenn dann für einen kurzen Augenblick der Kopf um die Ecke schaute, ob frei war, war es der letzte Blick dieser Person. Wenn es neblig war, konnte ich soweit nicht schießen. Hätte ich Ziele bis 100 Meter genommen, dann hätte ich mich verraten. Ich war in diesem Haus gut verschanzt und hatte auch Fallen für die Söldner eingebaut. Gute Plätze waren begehrt und durch den Krieg irgendwann auch rah geworden. Ich fing an in den Bücher von diesem Priester zu lesen. Ich weiß nicht, was mich verändert hatte. Waren es die Bücher über Gott oder die Erkenntnis, dass Menschen nicht böse sind – oder auch beides. Irgendwann hatte ich für mich selbst entschieden wer böse ist. Ich machte es mir zur Aufgabe die Verantwortlichen zu suchen um deren Richter zu sein. In den Zeitungen waren immer wieder Berichte über die Söldner und ihre Schlimmen Taten abgedruckt. Ich jagte sie! Ich nahm ihre Spur auf und hatte sie Tagelang beobachtet, bis der Moment zum Schuss kam. Vier Kriegsverbrecher wurden durch mich nach Den Haag überstellt. Bei zwei war ich der Richter. In einer Entfernung von fast 2000 Meter fällte ich das Urteil über diese Verbraucher…“ Marcel sah Hannes an und wartete auf eine Reaktion von ihm. „War dies ein Fehler?“
Hannes schüttelte wortlos den Kopf. Er konnte nichts sagen, obwohl er die Vita von Marcel kannte. Dies aber nun sehr detailliert, war ein ganz anderer Maßstab.
„Hannes, du musst ins Bett. Die Nacht ist nicht mehr lange. Tut mir leid, dass ich dich voll gequatscht habe.“ „Nein, bitte, erzähl weiter. Wir sind ein Team, wie sind Freunde und da gehört alles ausgesprochen.“
„Ich hatte Jahre zuvor mir so einiges an Geld erschossen. Ich bin ehrlich – Arbeit ist dies keine. Außer töten habe ich nichts gelernt. Ich hatte mein Geld gut anlegen und war irgendwann nicht auf den Sold als Söldner angewiesen. So begann meine persönliche Jagt nach den Bösen. Ob in Tansania, Ruanda, Kongo, Sudan oder wo auch immer. Ich war ein Geist, der Schatten hinter dir, der Alptraum der Nachts an deinem Bett steht. Im Kongo hatte ich viel zu tun. UN Blauhelm Soldaten die sich an Kinder und Frauen vergangen hatten, Milizen die Schulen angezündet und dann auf Kinder zu schießen die vor den Flammen wegliefen. Die Bodyguards von Kabila waren die schlimmsten! Sie schlachteten Menschen nach belieben ab und fühlten sich so groß und erhaben. Mir reichten 1600 Meter und die Sonne im Rücken.“
Hannes schluckte bei den Erzählungen „Marcel, dir ist klar, dass du die Geschichte im Kongo hättest verändern können?“ Marcel nickte langsam „Ja! Kabila hetzte nach dem Mord an den zwei Bodyguards seine halbe Miliz auf mich. Die waren öfter in meinem Fadenkreuz, als dass sie wussten wo ich bin.“
Marcel erhob sich von seinem Stuhl und reichte Hannes die Hand. Auch er erhob sich. „Hannes, ich möchte dir danken für diese Unterhaltung. Ich habe den größten Respekt vor dir. Du bist ein guter Mensch und ich beschütze dich. Du hast mir im Sudan, bei unserem ersten gemeinsamen Einsatz, die Augen für Liebe, Menschlichkeit und Miteinander geöffnet. Wenn ich ein schlechter Mensch war, tut es mir heute aufrichtig leid.“
Das Hirn von Hannes machte gerade eine Achterbahnfahrt. Vor ihm stand ein Scharfschütze, wie es wohl kaum einen zweiten auf diesem Planeten gab und erzählte ihm sein Leben. Ein Mann, der zwei Sekunden braucht um mit bloßer Hand einen Menschen umzubringen und redet von Liebe und Menschlichkeit.
„Marcel, du bist kein schlechter Mensch! Dein Vater war dein Spiegel. Du sahst kein anderes Bild von den Menschen. Erlebnisse in der Kindheit prägen ein ganzes Leben. Du hast getötet, weil du das Böse besiegen wolltest. Das ist im Grunde gar nicht so schlimm, nur Zivilisten haben nichts mit Krieg zu tun. Sie sind die Leidtragenden in all diesem Wahnsinn. Die Bösen sind jene, die es veranlassen und die Menschen manipulieren um ihren Hass und Irrglaube in deren Köpfen zu verankern. Was du unschuldigen angetan hast, kannst du nicht mehr rückgängig machen. Du kannst um Vergebung beten. Du kannst mit dieser Schuld zu Grunde gehen oder fängst neu an zu leben. Vergibt uns Gott unsere Schuld? Ich weiß es nicht! Um nur noch daran zu glauben oder zweifeln, bringt niemand weiter. Du hast den Spiegel von deiner Kindheit getauscht, gegen den Spiegel der Liebe und Menschlichkeit. Dies hinzubekommen ist schon verdammt groß.“ „Ich danke dir für deine Offenheit. Ich habe und werde dich immer respektieren und auf dich aufpassen. Das verspreche ich dir.“
Marcel ließ die Hand von Hannes los und umarmte ihn. „Danke mein Freund. Danke für alles“  dann drehte sich um und ging den Flur hinunter „geh noch etwas schlafen, wir brechen bald auf! Alles wird gut. Ich bin bei dir“ waren die letzten Worte von ihm und er verschwand in seiner Unterkunft.

24. Februar 2007, 6.00 Uhr

Der Morgenappell dröhnte im Kopf von Hannes wie ein Düsenjet. Er konnte sich nicht erinnern, ob er geschlafen hatte oder nicht. Er ging unter die Dusche und das Wasser tat ihm gut.
Das Camp wurde langsam wach. Er brauchte noch seine Zeit. Hannes packte seine Tasche und verließ den Raum.
Auf dem Weg zu seinem Auto, sah er Oliver am Toyota. Er verstaute schon die Gepäckstücke im Bus.
„Guten morgen Chef. Du siehst irgendwie etwas zerknirscht aus.“ „Ja, du mich auch.“ Hannes schaute über den Platz und sah die fünf Fahrzeuge, die Roger bereitstellte. Die Maschinengewehre wurden montiert und auch sonst herrschte reges Treiben an dem Fuhrpark. Ein Leutnant kam auf Hannes zu. Salutierte vor ihm und sagte in knappen Worten, was an ihren zwei Fahrzeuge die ganze Nacht gewartet wurde. Hannes grüßte zurück und bedankte sich in aller Form für die Instandsetzung und Unterstützung.

Hannes suchte Major Juarez in seinem Büro auf und zeigte ihm den Screenshot von dieser Nacht.
Beide gingen einen Containerblock weiter ins Headquarter for Air Surveillance. Dort zeigte er dem Diensthabenden System Operator gleichen Screenshot. Der Offizier konnte es auch nicht näher erkennen und konnte das Foto auch nicht weiter vergrößern. Er würde sich mit Ramstein in Verbindung setzen. Von Ramstein aus bestand die Möglichkeit einen neueren Satelliten Überflug zu koordinieren und vielleicht könnte man ein Foto aus einem anderen Winkel oder Höhe machen. Der System Operator würde sich sofort beim Major melden, wenn der Satellit an diesem Geopunkt sei.
Mehr konnte man jetzt sowieso nicht tun.

In der Kantine waren schon fast alle aus seinem Team da. Emily und Oliver fehlten noch. Hannes ging zur Essensausgabe und bat um Rührei, Orangensaft und zwei Scheiben Toast. Mit dem Tablett ging er zum großen Tisch und begrüßte alle Anwesenden aus seinem Team.
Keiner sah an diesem Morgen ausgeschlafen aus. Es wurde beim Frühstück auch nicht viel geredet. Überhaupt war es in der Kantine sehr still. Roger kam um die Ecke mit einer Tasse Kaffee, die locker eine Gallone fassen konnte. Er grüßte jeden mit Namen und wünschte einen guten Tag. Roger setzte sich Hannes gegenüber und schaute ihm in die Augen „God preserved you in all your ways.“ Alle am Tisch sagten leise Amen.

Emily und Oliver kam in den Raum. Auch sie gingen zur Essensausgabe. Grüßten alle am Tisch und nahmen platz. „Alles gecheckt, gepackt und ready to go“ sagte Oliver in die Runde.
Emily setzte sich rechts neben Hannes. Leise sagte sie, dass sie im Hospital gewesen und auf alles vorbereitet sei. „Danke mein blonder Engel.“

Ein Sergeant kam an den Tisch und überreichte dem Major eine Mappe. Roger öffnete die Mappe und las den kurzen Bericht und schaute sich die Fotos an. Dann gab er Hannes die Mappe. „Ich sehe kaum mehr als ich schon weiß.“ Marcel saß Hannes schräg gegenüber und reichte die Mappe über den Tisch. „Was meinst du? Du bist der Profi.“ Marcel öffnete die Mappe und schaute sich den Bericht und Fotos an. „Nicht besser als das was wir schon wissen. Von der Uhrzeit her, sind die Fotos 13 Minuten alt. Ich bräuchte einen größeren Ausschnitt vom Gelände.“ Roger nickte „Dies sollte kein Problem sein.“

Nach dem Frühstück gingen die drei Männer ins Headquarter Air Surveillance. Marcel gab dem Diensthabenden Leutnant erneut die Geodaten und schaute mit auf den Bildschirm. Marcel gab dem Leutnant Anweisung wie dieser das Bild zoomen soll. Schließlich nahm er die Maus selbst in die Hand und fuhr mit dieser hoch, runter, rechts, links. Immer wieder suchte er das Gelände ab. Weiter nach links von der Piste, dann nach rechts und wieder zurück. Marcel zoomte weiter hoch Richtung Westen und dann nach Osten. Wieder ganz nah bis zum absoluten Maximum. Marcel war bei dieser Arbeit hoch konzentriert. Hannes wusste, wenn jemand einen vermeintlichen Hinterhalt fand – dann er. „Was wisst ihr über den Anschlag von gestern am Pass?“ Sagte Marcel ohne den Blick vom Monitor zu nehmen. „Bis jetzt nur, dass es ein Terroranschlag war. Bekannt hat sich noch niemand dazu“ sagte der System Operator. Marcel nickte „Passt! Schaut euch das Gebiet rechts vom Pass an. Ich gehe mal davon aus, dass in diesem Bereich“ er fuhr mit der Maus kreisend über die Stelle am Bildschirm die er meinte „die Topographie fast die gleiche ist wie hier.“ Er zog die Maus nach Osten und zeigte wieder mit der Pfeil auf die Stelle, die er meint. Marcel drehte sich um und schaute die drei Männer, die die ganze Zeit hinter ihm wie gebannt auf den Monitor geschaut hatten an. „Ich kann mich täuschen. Aus der Höhe, dem Winkel und der Auflösung kann ich es wirklich nicht erkennen. Entweder müsste der Satellit seine Flugbahn ändern und tiefer gehen oder Fotos müssten von Südwesten her in einem anderen Winkel gemacht werden.“ Der Leutnant sagte, dass der Satellit nicht tiefer konnte. Ob Fotos von Südwesten gemacht werden können, kann er nicht beurteilen. Da wäre Ramstein zuständig.
„Danke Leutnant, nicht nötig. Wir wissen in welchem Gebiet es ist. Setzen Sie bitte einen Geopunkt und geben Sie diese Daten meinem Chef auf den Laptop. Machen Sie Ausdrucke von den Fotos die ich Ihnen abgelegt habe.“ Marcel stand auf, bedankte sich erneut und ging aus dem Raum.
Roger und der System Operator
schauten Hannes mit fragenden Blicken an. Dieser zog die Schultern hoch. „Wer ist dieser Mann?“ Fragte Roger. „Der wohl beste Schafschütze auf diesem Planeten, mein Freund und persönlicher Bodyguard. Marcel ist so. Wenig Worte, klare Ansage.“ Um die Autorität von Marcel noch zu unterstreichen, erzählte Hannes den beiden noch kurz von der Suche der Kriegsverbrecher in Serbien und den Anschlag auf die zwei Bodyguards von Kabila im Kongo.

Die Fahrzeuge standen für die Rückfahrt bereit. Zuerst zwei gepanzerte Humvee, dann der Mannschaftstransporter, danach der Range Rover Armoured, der Toyota Quantum und zum Schluss noch zwei Humvees.
Die Verabschiedung war kurz. Es war alles gesagt, alles vorbereitet und jeder wusste, dass diese Fahrt nicht leicht werden würde.
Im Range Rover nahm vorne Emily platz. Sie hatte ihre Beschusshemdende Weste auf ihrem T-Shirt und ein Headset am Ohr. Von Roger hatte sie aus der Kleiderkammer einen Stahlhelm bekommen. Emily war bereit für einen Außeneinsatz. Sie hatte den Stahlhelm von Hannes auf ihrem Schoß. Die Beschusshemdende Weste hatte er sowieso an und auch das Headset für einen eventuellen Außeneinsatz. Nila und Sabine saßen auf der Rückbank.
„Ihr braucht keine Angst zu haben. Das Fahrzeug ist gut gepanzert. Nur kann ich schlecht aus dem Innern des Fahrzeugs schießen. Und nochmal: egal was kommen wird, ihr beide werdet dieses Fahrzeug nicht verlassen.“

Der Rest der Gruppe ging in den Mannschaftstransporter. Die Stahltür wurde geschlossen.
Noch einmal tief durchatmen. Hannes startete den Motor. Er nahm das Miko vom Funkgerät und sagte „Let’s go, Gay’s. God bless you.“

Der Konvoi rollte auf den Ausgang des Camps zu. Wer keinen Dienst hatte und konnte, stand links und rechts neben den Fahrzeugen bis zum Ausgang und salutierte.

Mit erhöhtem Tempo ging es geschlossen durch die vierspurige Straße von Khost. Die 20 Kilometer auf der Ausgebauten Straße fuhren der Konvoi schnell an dem Verkehr vorbei und der vorausfahrenden Humvee drängte hier und da schon den Gegenverkehr ab oder brauchte ihn zum stehen.
Nach Kunday ging es links auf eine nicht asphaltierte Piste.
Bei Kolonnenfahrten war es schon schwierig einen möglichst geringen Abstand einzuhalten und auf der anderen Seite verhinderte der aufgewirbelte Staub des vorausfahrenden Fahrzeug die Sicht. Der Mannschaftstransporter mit seinen großen Reifen tat sein übriges für eine Sicht von fast Null. Hannes ließ sich zurückfallen um eine bessere – oder überhaupt, Sicht zu haben. Sofort bremste das Fahrzeug vor ihm, um den Abstand zu verringern. Über Funk erklärte Hannes diese Maßnahme und warum er den Abstand vergrößert hatte.

Es war still im Auto. Die Anspannung war jedem anzumerken. Hannes erzählte von der Unterhaltung mit Marcel in der Nacht. Er wollte durch ein Gespräch diese Stille beenden „Marcel hat noch nie so viel geredet. Dann hat er mich noch umarmt.“ „Das ist doch eine sehr gute Auszeichnung für dich. Marcel vertraut dir. Ich kann mir schon vorstellen, dass ihn dies seit vielen Jahren beschäftigt und diese Nacht musste es raus“ sagte Sabine von ihrem Platz auf dem Rücksitz.

Die Satellitenortung im Armoured zeigte den exakten Standort des Fahrzeugs und ein Live Bild der Umgebung an. Den Frauen war es nicht entgangen, dass Hannes öfter auf diesen Monitor schaute. „Wann ist es soweit?“ Kam es unverblümt von Nila. „Hier sind Fotos die Marcel vorhin ausdrucken ließ“ Hannes reichte Nila die Fotos nach hinten. „Ich sehe jetzt zum ersten mal, dass du das Navi angeschaltet hast“ „Sabine, dass ist kein Navi, wie du es kennst. Dies ist Echtzeit und geht über einen Militärsatelliten. Roger hat dafür gesorgt, dass wir Zugriff auf den Satelliten haben. Das gleiche Bild ist in Khost im Air Surveillance, in Ramstein und im Pentagon. Wir werden in diesem Augenblick von unzähligen Augen auf drei Kontinenten begleitet. Ich konnte diese Nacht nicht schlafen und schaute mir die Route für heute an. Marcel kam zu mir und sah etwas, dass ich bis dato nicht gesehen hatte. Auf dem Laptop habe ich einen GPS Punkt gesetzt. Ihr könnt euch gerne den Punkt anschauen. Der Laptop steckt vor dir in der Tasche vom Sitz. Es sind noch einige Kilometer bis dort hin. Ich hoffe, dass Marcel sich sehr getäuscht hat.“
Wieder war diese unerträgliche Stille im Auto.
„Movements in four miles on the Road from us“ kam es über Funk. In einem der Militär Fahrzeuge war ein Radar Operator und dieser hatte nur eine Aufgabe: das ganze Gebiet zu Scannen.
„Kann nicht sein. Da ist nichts. Das Gebirge ist hier zu steil“ sagte Marcel über Funk.
Von dem Verantwortlichen First Sergeant kam der Befehl den Konvoi zu stoppen. Die ersten zwei Humvees stellten sich versetzt auf die Straße und die Maschinengewehre sicherten die Umgebung. Der First Sergeant und Radar Operator kamen mit zwei Soldaten, die ihre Sturmgewehre in Anschlag hielten, am Mannschaftstransporter vorbei, auf Hannes zu. Er stieg aus dem Fahrzeug. Marcel kam auch.
Es wurde besprochen, was der Radar Operator sah. Marcel zeigte in die Umgebung und erklärte das da nichts sein kann. Er zeigte die Gegend der ausgedruckten Fotos und verwies immer auf die Topographie. Der First Sergeant ließ sich schließlich darauf ein, wenn es zu einem Außeneinsatz kommen würde, Marcel die Führung erteilt wurde.

„Durchsage an alle. Ab jetzt Funk auf „ON AIR“. Bei Gefecht außerhalb der Fahrzeuge hat Marcel Chevalier das Kommando“ war die Anweisung von First Sergeant. Also ab jetzt hörte jeder jeden in allen sieben Fahrzeuge. Außer den Motoren hörte man kein Ton.
Hannes legte sein XM8 mit dem Lauf nach vorne, rechts neben sich auf die Mittelkonsole.

Nach drei Meilen kam die Durchsage von dem Radar Operator „Objects in one and a half miles ahead.“
Hannes entsicherte die Glock 17C und steckte sie Schussbereit links an der Türverkleidung. Noch eine scharfe links Kurve.
Der Konvoi blieb stehen. Kann es wirklich sein, dass die Gruppe Terroristen ihnen hier auf der Piste entgegen kamen? Möglich war alles. Auf dem Radar war eindeutig Bewegung zu erkennen. Gefechtsstellung wurde mit den Fahrzeugen eingenommen.
„Objects in a half miles ahead.“ Höchste Konzentration.
Oliver stellte den Bus ganz nah an den Armoured. Im Seitenspiegel sah Hannes wie Marcel sein Sturmgewehr in der Hand hielt und an seinen Schutzhelm das Visier nach unten klappte. Für einen Scharfschützen gab es nichts schlimmes als Staub in den Augen.
„Objects ahead!“
Hammel! Es war eine Herde Hammel auf der Piste!

Die Berge waren zu steil, da kamen die Tiere nicht hoch. So blieb nur die Piste. Das war es, was das Radar wahrgenommen hatte. Eine Herde Hammel.
Die Herde trottet links und rechts an den Fahrzeugen vorbei. „Noch circa zehnTiere“ kam es von dem ersten Fahrzeug über Funk. Der ein oder andere Hammel bockt auf und trat gegen die Fahrzeuge oder Reifen. Das erste Fahrzeug fing langsam an zu rollen. Nach und nach setzt sich der Konvoi wieder in Bewegung.
„Marcel, du hattest recht“ sagte Hannes erleichtert über den Funk. „Hannes, ich denke, dass ich jeden Zentimeter dieser Route mir angeschaut und eingeprägt habe. Hier einen Hinterhalt zu machen, ist nicht möglich. Gut, wir wissen nicht wie und wann diese Gruppe unterwegs ist. Hätte auch sein können, dass die uns voll in die Arme gelaufen wären. Nun haben wir einen großen Vorteil, solange die Berge so steil sind, laufen die Tiere auf der Piste und wir wissen, dass die nächsten Kilometer keine IED’s kommen können. Das Gelände wird später flacher. Bis dort hin ist alles gut. Let’s go.“ „Okay, Funk auf Standby, OFF AIR.“

„Du hast ein Wahnsinns Vertrauen zu Marcel“ sagte Sabine leise und man hörte ihre Anspannung in ihrer Stimme. „Ja, habe ich. Er sah auf den Satellitenfotos etwas, was die Soldaten in der Luftüberwachung nicht gesehen haben – und dies auf einem Foto von gestern! Er hat den Leutnant im Champ wie einen kleinen Jungen stehen lassen! Auch wenn Marcel sagt: er kann nur töten, ist dies nicht richtig. Er kennt sich topographisch sehr gut aus und hat ein unglaubliches Wissen wie man monatelang auf jedem Punkt dieser Erde überleben kann. Er kann Wunden versorgen, Brüche schienen und hat medizinisch einiges drauf. Ich hatte in Dschalalabad gesehen, wie er Menschen versorgte. In all dem Chaos hatte er sehr schnell den Überblick. Also, ich vertraue ihm blind.“
Nila hatte das Laptop auf ihrem Schoß „Ich sehe den Geopunkt.“ „Ich weiß. Es sind nach dem Maßstab noch etwa 20 Kilometer.“ Hannes wollte gerade diese Meldung über Funk geben, als Marcel es schon allen mitteilte.
Nach 15 Meilen stoppte der Konvoi erneut. Nun kam Marcel auf Hannes zu und beide gingen zum Fahrzeug, wo der First Sergeant war.
„Wir wissen nun, dass in vier Meilen etwas sein kann, also ist es unser Vorteil. Wir greifen an“ sagte Marcel in einem Ton, der sehr militärisch war. Die Soldaten, die nicht an den Maschinengewehre waren, standen in Gruppen um Marcel. Er erklärte an Hand der Fotos wie vorgegangen werden sollte. Nach drei Meilen blieb der Konvoi stehen. Hier war das Gelände flach und weit. Rechts der Piste ging es einen Hügel hoch.
Zwei Trupps in Begleitung von Marcel gingen auf den Hügel. „Wir sind weit genug weg. Die sehen uns nicht“ sagte Marcel zu den Soldaten die in Gefechtsstellung auf dem Boden lagen. Mit ihren Hochleisungs-Ferngläser lagen sie auf dem Boden und sahen in 1560 Meter Entfernung die Terroristen in ihrem Camp.
Marcel baute sein CheyTac M200 auf. Der Balistikcomputer am CheyTac errechnete schon die Flugbahn der Geschosse. Zum First Sergeant gerichtete sagte Marcel „Es macht keinen Sinn, dass du deine Männer hier lässt, eure Gewehre reichen nicht so weit. Ich werde die Typen überraschen und ihr greift an.“

An den Fahrzeugen wurde nochmal jeder Schritt besprochen. Ruhig und langsam erklärte Marcel den Soldaten seine Angriffstaktik. Da der Konvoi in Abstand und Sicherheit zu dem Ziel stand, war die Tür vom Mannschaftstransporter geöffnet und die Zivilisten konnten jeden Schritt, der besprochen wurde hören.

„Alles wird gut. Ich bin ja da“ sagte ein völlig entspannter Marcel Chevalier in die Runde. „Oliver du kommt mit mir als Sicherungsschütze. Hannes du machst Beobachter. Die Soldaten die hier bleiben sichern die Fahrzeuge. Niemand muss sich unnötig in Gefahr begeben. Ist dies alles klar? Habt ihr noch Fragen?“ Es gab keine Fragen. Marcel hat alles sehr genau erklärt.
„Okay, wir gehen hoch auf den Hügel und ich gebe das GO.“

Der Konvoi wurde geteilt. Zwei Humvees sollen so tun, als ob sie auf einer Patrouillenfahrt waren. Sie sollten Staub aufwirbeln und auf sich aufmerksam machen. Der Mannschaftstransporter, der Toyota Quantum und der Range Rover blieben mit einem Humvee an dem Standort zurück. Der letzte Humvee sollte im Abstand folgen und auch auf alles schießen was sich bewegte.

Marcel war voll in seinem Element. Dies hier konnte keiner besser als er. Er lag hinter seinem CheyTac und legte die Hochgeschwindigkeitspatrone in den Lauf und entsicherte das Gewehr. Der Balistikcomputer errechnete in tausendstel Sekunde alles, was Marcel nun im Ziel hatte. Er stellte das Zielfernrohr ein und fragte Oliver, welches Ziel er angepeilt hatte „Was schaffst du?“ „Links vorne an der Mauer, den habe ich“ Oliver lag eineinhalb Meter links neben Marcel. Hannes lag zwischen den beiden und gab die exakte Entfernung zum Ziel und die Windgeschwindigkeit durch, die er im Display von seinem Geovid Fernglas sah.
Bei einer solch großen Entfernung müssen Ziele weiter oben, rechts oder links angepeilt werden, damit das Geschoss auch dort einschlägt, wo es soll. Marcel und Oliver justierten die Zielfernrohre auf die Daten, die Ihnen die Balistikcomputer anzeigten. Nun passte Zielfernrohr und Waffe überein. „Wie ist der Wind?“ Fragte Marcel. „Leiser Zug unter 1,6 von Südwesten“ sagte Hannes. „Sehr gut! Wir haben den Wind im Rücken. Okay guys. We are ready. Let’s start the show. Are you ready?“ Fragte Marcel über sein Headset an alle gerichtet.„Ready“ kam die Bestätigung von allen. „GO!“

Die ersten zwei Humvees setzten sich in Bewegung. Über das Headset hörten Marcel, Oliver und Hannes die Entfernung vom Radar Operator zum Ziel.
Marcel wartete noch zehn Sekunden, denn noch wussten die Terroristen nicht, was gleich passieren wird.
Marcel drückte ab! Mit zweifacher Schallgeschwindigkeit schlug das Geschoss in einem Körper ein. Nachladen und Schuss. Oliver schoss zeitgleich auf sein Ziel und traf. Nun war bei der Gruppe große Aufregung zu sehen. Sie wussten nicht woher die Schüsse kamen. Die Humvees näherten sich mit großer Geschwindigkeit und man hörte die Maschinengewehre. Marcel traf zum dritten mal. Immer mehr Chaos in der Gruppe. Einer stellte sich, um mit dem Raketenwerfer auf eines der Fahrzeuge zu feuern. Schuss von Marcel und die Person sackte in sich zusammen. Treffer von Oliver. Die Maschinengewehre trafen in die Gruppe. Blut und Hirnmasse
spritze. Jetzt kam der Moment, mit dem die Terroristen nicht rechneten. Die Humvees fuhren zurück um den Abstand zur Gruppe zu vergrößern. Dieses Manöver irritierte die Terroristen völlig. Hinter Felsen verschanzt schossen die Terroristen auf die Humvees. Einer der Terroristen packte einen Raketenwerfer um seine Granate auf eines der Fahrzeuge zu feuern. Schuss von Marcel und der Mann sackte mit weggeschossenem Kopf nach vorne.
Vier Sekunden später kamen zeitgleich die nächsten zwei Schüss von Marcel und Oliver. Die Fahrzeuge fuhren nun wieder auf die Gruppe zu. Jetzt in einem Bogen von links und rechts. Wieder zwei Schüsse von Marcel und Oliver.
Der dritte Humvee kam von der Mitte her und schoss gleichzeitig mit den anderen zwei Maschinengewehre auf die Gruppe.
Es wurde von den Soldaten weniger geschossen, da es kein Gegenfeuer mehr gab. Wieder kam von Marcel der Befehl, die Fahrzeuge zurück zusetzen.
Marcel schaute durch das Zielfernrohr ob noch irgend jemand am Leben sei. Schuss. Nachladen. Schuss.
„Fahrt nun mit den Fahrzeugen langsam vor. Ich gebe euch Feuerschutz.“
Die Fahrzeuge bewegten sich langsam auf das Lager zu.
„STOP.“ Schuss. „GO!“

Die Humvees ware 15 Meter von dem Lager entfernt. „Stop. Schaut nach ob alle tot sind.“
Drei Gruppen von Soldaten bewegten sich langsam mit den Sturmgewehren im Anschlag auf das Lager zu. Marcel und Oliver hatten ihre Zeigefinger am Abzug. Hannes schaute hochkonzentriert durch sein Fernglas. Die Zerfetzten Körper und Blut sah er zum greifen nah vor sich.

Die Soldaten waren am Lager angekommen. Es wurde ganz behutsam auf jede Bewegung geachtet. Es könnte sein, dass noch einer der Terroristen am Leben war. „Safe“ sagte der erste Gruppenführer über Funk. „Area is safe“ wurde von dem zweiten Gruppenführer bestätigt.
Der ganze Angriff dauerte keine sechs Minuten und 34 Kämpfer der Taliban lagen tot in einem Lager südliche des Hindukusch.

Marcel sicherte sein Präzisionsschützengewehr und nahm die Patrone aus dem Lauf. Er schaltete den Balistikcomputer aus und verstaute sein 10.000 Dollar teures Gewehr im Gewehrkoffer. „Kommt. Die Show ist vorbei. Ich
hab doch gesagt, es wird alles gut.“

Die vier zurück gelassenen Fahrzeuge kamen an dem Lager an. Es sah schlimm aus! Zerfetzte Körper lagen auf 40 Quadratmetern. Die Männer, deren Gesichter noch irgendwie zu erkennen waren, wurden fotografiert. Fingerabdrücke wurden von allen Terroristen genommen, damit Datenbanken vom Geheimdiensten abgeglichen werden konnten, um vielleicht zu wissen, wer die Männer waren. Die Waffen wurden eingesammelt und unschädlich gemacht. Das Gelände wurde gefilm und fotografiert.
Der First Sergeant gab die aktuelle Lage nach Khost, Ramstein und Washington weiter.

Kabul, 17.11 Uhr

Endlich wieder in der Darulaman Road im Stadtteil Ayub Khan Mena in Kabul.
Die zwei Fahrzeuge fuhren in das gesicherte Gelände vom Hotel. Über Funk sagte Hannes „Ich bitte alle um 19 Uhr in mein Büro zu kommen. Ich denke, es muss und sollte über den Vorfall von vorhin gesprochen werden. Danke.“
Marco begrüßte die Ankömmlinge und freut sich, dass alle wieder gesund und wohlbehalten angekommen waren. Nach den Ereignissen mit dem Terrorvorfall, war es doch sichtlich gerührt, seine Frau wieder in den Armen halten zu können. „Hannes – ich danke dir.“ „Wofür? Wenn, musst du Marcel und Oliver danken. Ich möchte in eineinhalb Stunden alle zu einer Besprechung in meinem Büro sehen. Komm du bitte auch. Ich geh erst einmal duschen.“

Hannes rief auf dem Weg in sein Zimmer Roger an „Roger, wir sind in Kabul. Die letzten 200 Kilometer waren ein Spaziergang. Ich danke dir für deine Unterstützung.“ „Gott sei Dank! Für dich immer wieder mein Freund. Für dich immer wieder. Dein Marcel hatte mit den Soldaten ein Manöver durchgeführt, dass wir bis dahin so noch nie durchgeführt hatten. Guter Mann! Wir werden diese Taktik fortführen. Wenn die Fotos ausgewertet und Berichte geschrieben sind, lasse ich sie dir zukommen.“
Das nächste Telefonat war mit Hattie. Er sagte, dass alles gut verlaufen sei und er in eineinhalb Stunden eine Besprechung angesetzt habe.

Hannes war mit Marcel in Büro. Sabine, Nila und Oliver kamen herein. „Ihr habt die Karte ja schon abgeändert“ sagte Oliver. „Ja. Soweit wir bis jetzt den neueste Stand wissen. Roger wird mir noch die Ergebnisse vom Khost- Gardez Pass, von unserer Route und den Patrouillenfahrten zukommen lassen.“

Kurz vor 19 Uhr waren alle aus seinem Team, die Australier, Stacey, Tamina und Marco im großen Konferenzraum.
Hannes stand an der Wand mit der großen Leinwand und sah auf die Fotos und Berichte die Roger ihm vor ein paar Minuten geschickt hatte. Hannes drehte sich zum Tisch um. Er wusste nicht, wie er diese Besprechung anfangen sollte. Alle warteten auf seine Worte.
„Freunde, vor sieben Stunden haben wir Terror sehr nah erlebt. Terror in einer neuen Dimension. Diese Berichte und Fotos an der Wand, sind vom US Geheimdienst, National Reconnaissance Office. Gestern Nachmittag laß ich diese sechs Seiten im Büro von Major Roger Juarez. Eine Entscheidung zu treffen fiel mir schwer. In dem PRT wären wir – bedingt, sicher gewesen. Die Rakenwerfer dieser Terroristen hätten einen Schaden anrichten können, den wir uns alle vorstellen können. Es blieb für mich nur eine Option: euch aus diesem Gebiet so schnell und sicher wie möglich heraus zu schaffen, nur wie? Natürlich war mein erster Gedanke, euch in ein Flugzeug zu setzten und nach Kabul fliegen zu lassen. NATO Awacs-Radarflugzeugen hatten nicht mehr Informationen, als die die ich schon wusste. Auch hatten wir uns mit der International Civil Aviation Organization in Montreal in verbindung gesetzt. Diese verhängte schon um 14 Uhr ein Flugverbot, für alle Zivilen Flugzeuge in dieser Region. Im Headquarter Air Surveillance wählten wir uns die Finger wund, um auf den neusten Stand der Lage gebracht zu werden. Mit Marcel hatte ich bis spät in die Nacht die Gegend bis ins kleinste via Satellitenfotos abgesucht. Am Morgen gab es einen erneuten Satelliten Überflug. Neue Erkenntnisse brachten diese nicht. Mein uneingeschränktes Vertrauen zu Marcel gab mir die Sicherheit, diese Fahrt anzutreten. Ich möchte euch allen für eure Disziplin danken. Nicht auszudenken, wenn Panik ausgebrochen wäre. Ich danke euch für das Vertrauen in unsere Arbeit. Ich danke auch meinem Team für dieses Vertrauen. Ich danke Gregory, John und Melvin für die sehr professionelle Zusammenarbeit in den letzten Tagen. Vielen Dank.“

Gregory stand auf „Ich hatte gestern Abend mit Hannes gesprochen und sah die Sorgen in seinen Augen und auch diesen Unendlichen Druck der ihn sehr belastete. Mit welcher Besonderheit und Professionalität er für unsere Sicherheit sorgte, zeigt seine Menschlichkeit. Hannes, ich kann mich nur bedanken, dich als Freund haben zu können.“

Als alle aus dem Konferenzraum gingen, blieb Nila bei ihm im Büro. „Ich hatte keine Sekunde an dir gezweifelt. Wie Gregory schon sagte, deine Fürsorge für andere ist beispiellos. Auch ich danke dir für unsere Freundschaft.“ „Danke Nila. Ich fahre dich morgen nach Hause. Im Hotel ist für diese Nacht noch genug Platz für dich.“
In der Halle sah Hannes Herr Fatzke. „Ich dachte der wäre schon weg.“ Sagte er zu Oliver als beide durch die Halle gingen. „Na, wie war der Kinderausflug auf den deutschen Spuren?“ Sagte dieser in einer Arroganz die durch nichts zu toppen war. Oliver hielt Hannes am Arm fest und schüttelte leicht den Kopf. „Er ist es nicht wert!“ Oliver erklärte diesem Überheblichen Mann in knappen Sätzen wie die letzten Tage waren und ließ ihn mit den Worten „Dies passt nicht in euer Fernsehformat, ist zu anspruchsvoll für euer Publikum“ stehen.
Eine gute Stunde später war Oliver und Hannes in dem schönen Park in der Darulaman Road beim rauchen, reden und Bier trinken. Das gedimmte Licht der Laternen im Park, das plätschern des Springbrunnens und die Ruhe in dem Park, schien dies ein Ort zu sein, wo jeder gerne hin kam um abzuschalten. Aus dem Augenwinkel sah Hannes den doofen Gesichtsausdruck von Herr Fatzke. Später am Abend kam der Kameramann von Herr Fatzke auch in den Park. Er hatte sogar drei Dosen Bier dabei. Oliver sagte zu Hannes „Denke, dass kann länger werden.“ Der Kameramann stelle sich beiden als Robert vor. Man sah ihm an, dass er die Situation auch nicht gerade als freundlich empfand. Gut, Robert konnte nicht dafür das sein Chef ein Vollidiot war. „Ich habe gesehen, dass ihr Edmund nicht gerade mögt. Er ist schwierig. Mir macht das auch kein Spaß mit ihm zu arbeiten. Ich habe von John erzählt bekommen, was ihr so erlebt habt. Es würde mich wirklich sehr interessieren. Wirklich.“ „Okay, du kannst nichts für deinen Chef.“ Sagte Oliver.
Nach und nach füllte sich der Platz zwischen Dattel, Weiden und Pappelbäume mit immer mehr Leuten die in der Zeit, wo das Team in Gardez war, eingetroffen waren. Hannes bemerkte das jeder aus seinem Team da war. Marco, Samuel, der Tonmann von Edmund kam auch dazu, sodass bald  dreißig Personen im Park waren. Es hatten sich, wie in dem US Camp von Khost, um jeden aus dem Team eine kleine Gruppe gebildet. Es wurde wie dies eben so ist, wenn Menschen aus so vielen Länder zusammen kommen, oft in Englisch unterhalten. Die Ereignisse der letzten Tage mussten aus den Köpfen. Da war reden einfach das beste. Morgen Nachmittag würde das Fernsehteam nach Australien zurück fliegen. So wurde irgendwie auch eine Abschiedsparty aus anfänglich nur einem Gespräch mit drei Dosen Bier. Wobei letzteres doch etwas mehr wurde. So langsam ging die Sonne über den Bergen von Kabul auf. Es war ein klares rötlich-organgenes Licht das dieses so geplagte Land langsam erwachen lies. Hannes kam bei dem Anblick dieses Sonnenaufgangs das Lied „You raise me up“ in den Sinn. Er nahm sein Laptop, gab den Titel bei YouTube ein. Als dieses Lied anfing, war eine Absolute Stille für diesen Moment.

When I am down and, oh my soul, so weary
When troubles come and my heart burdened be
Then, I am still and wait here in the silence
Until you come and sit awhile with me.

You raise me up, so I can stand on mountains
You raise me up, to walk on stormy seas
I am strong, when I am on your shoulders
You raise me up: To more than I can be…

„Armen“ sagte Samuel. „Ja, Armen“ sagte Sabine und hatte Tränen in den Augen, wie eigentlich fast jeder an diesem Morgen im Park in der Darulaman Road in Kabul.

Am Morgen musste Hannes eigentlich noch Berichte schreiben und E-Mails checken, aber das konnte warten. In wenigen Stunden würden die Australier abreisen und man würde sich lange, vielleicht auch nie wieder sehen. Also konnten E-Mails warten. Es war ein anderer Morgen als sonst, jeder sprach noch mit Gregory, John und Melvin, als ob durch Gespräche die Zeit angehalten werden konnte. Nila musste auch noch zurück nach Gardez gefahren werden. Oliver bot sich an dies zu machen. „Du hast im Büro noch genügend Arbeit und bist völlig übermüdet.“ „Du hast recht. Dann fahr nachher mit meinem Auto nach Gardez.“
Wer konnte fuhr an diesem Morgen mit zum Flugplatz nach Kabul um sich noch einmal von den dreien zu verabschieden. Hannes war froh, dass er mit so wunderbaren Menschen zusammen arbeiten konnte. Das ganze Team passten so gut zusammen das es weh tat als sich die Wege trennten.

Zurück in der Darulaman Road machte er sich endlich, wenn auch mit völlig übermüdeten Augen an die Berichte und Mails. Sein E-Mailfach war gefüllt mit den Unterschiedlichsten Nachrichten aus der halben Welt. Er sah die Mail von Gregory mit einem Link Anhang. Lange schaute er diese ungeöffnete Mail an. Die anderen Mails von Hilfsorganisationen aus den Niederlande, Dänemark, England, Deutschland, USA und Frankreich, der UN und seinem Arbeitgeber, konnten jetzt noch warten, auch wenn er Überwältigt war von dieser Flut an Mails.

Hannes nahm eines der vielen Telefone in seinem Arbeitszimmer und wählte die 0033. Nach dem vierten Freizeichen hörte er „Bon jour, Claude Moreau au téléphone…Hallo…? Hannes nahm Tief Luft „Hallo Claude…“ „Hannes!“ „Ja, salut mein Freund. Entschuldige, wenn ich etwas Sprachlos bin….es ist schön deine Stimme zu hören.“ „Was meinst du wie es mir geht! Ich weine. Über so viele Jahre… wieder etwas von dir zu hören… tut so gut! Ich dachte …du lebst nicht mehr! Mein Gott…! Ich weiß nicht was ich sagen soll…? Der Tod von Patricia….tut mir so leid…!“ „C’est bon, ist schon gut mein Freund. Wir wussten das … dieser… Tag…. Ich komme auch nicht darüber hinweg! Claude,… ich rufe dich an um dir vielleicht eine gute Nachricht zu sagen…“ „Hannes…?“ „Ja, ja, ich bin noch da! Brauche Zeit um mich zu sammeln. Je suis désolé.“ „Meine Deutsche Kartoffel, nun sag´ was los ist.“ „Ich muss etwas ausholen, um es zu erklären.“ „Ich habe Zeit, die Steine auch.“ „Ich bin seit Anfang des Jahres in Afghanistan…“ „WO bist du…!“ „Ja, richtig gehört, ich bin in Afghanistan. Bin Head Leader Security Chief bei einer Firma aus den USA. Hört sich spektakulärer an als es ist. Mein Team und ich waren eine Woche mit einem Fernsehteam aus Australien bis an der Grenze zu Pakistan unterwegs. Der Teamleiter war ein sehr erfahrener Journalist, angenehmer Mensch. Ich stelle ihm meine Idee vor, in Gardez Projekte von Deutschland anzuschauen. Beim Frühstück saßen wir zusammen, kamen ins Gespräch was ich früher gemacht hatte. Ich erzählte ihm von dem Trockenfeldanbau in Kambodscha. Er war darüber sehr fasziniert. Rückte aber den wahren Grund nicht raus. Tage später zeigte er mir ein Video von eben diesem Projekt. Er hatte vor ein paar Jahren diese Dokumentation gemacht.“ „Es ist schön das du weit ausholst, kann dir aber nicht folgen wie dies alles zusammen hängt.“ „Kommt jetzt! Unsere Idee von Trockenfeldanbau, die wir geplant hatten, …ging weiter! In fast allen Provinzen von Kambodscha, auch nach Vietnam und Thailand. Bist du noch da…?“ „Ja. Jetzt bin ich Sprachlos…“ „Gib mir deine Mail Adresse ich schicke dir gleich den Link zu. Muss noch einige Mails von Hilfsorganisationen beantworten. Lass uns morgen weiter reden, okay?“ „Hannes?“ „Ja“ „Du bist die coolste Deutsche Kartoffel die ich kenne. Pass auf dich auf mein Freund! Bis morgen.“
Die Mails alle zu lesen und zu beantworten, dauerte doch erheblich länger, als er dies wollte. Nach Stunden ging er in den zweiten Stock auf sein Zimmer und fiel gerade so in sein Bett.

Beim Frühstück kam Edmund an den Tisch von Hannes, Marcel und Oliver. Er entschuldigte sich für seine Worte vom Vortag. „Ist schon in Ordnung. Komme, setzt dich zu uns.“ „Ich habe gestern im Park mitbekommen was ihr erlebt hattet, tut mir aufrichtig leid.“ „Edmund, ich danke dir für deine Entschuldigung. Wir waren noch nicht einmal in einem Taliban Gebiet. Raketenwerfer halten unsere Autos nicht aus! Ohne die Begleitung vom US Militär wäre ich nicht gefahren! Da wolltest du unbedingt in den Süden von Afghanistan. Wir habe aber auch sehr viel Gutes erlebt. Das überwiegt diesen Zwischenfall schon erheblich.“ „Glaubt mir, ich würde auch gerne andere Reportagen machen als das, was der Sender so will, aber ihr kennt dies bestimmt auch alle, du musst so springen wie dein Chef es haben will. Wir werden morgen Abreisen und müssen in den Irak.“ „Wenn du etwas an Material haben willst, rede mit Stacey sie hat sehr viele Berichte gemacht. Sabine hat auch einige in Deutsch synchronisiert. Werdet euch über den Betrag einig und du hast sehr gute Beiträge.“

Im Frühstückssaal hörte er eines der Telefone in seinem Arbeitszimmer klingeln. Es war die Nummer von Claude. „Hab´ich dich geweckt?“ „Nein, wir sind hier zweieinhalb Stunden vor euch. Wo bist du überhaupt?“ „Gut. Korsika. Da gibt es viele Steine die mit mir reden!“ Hannes lachte. „Dann hatte ich 1990 doch recht gehabt, dass die Steine reden.“ „Ja, meine Deutsche Kartoffel. Du hattest so oft recht. Ich habe mir das Video mehrmals angeschaut und kann es immer noch nicht glauben. Hab´ das Video auch an meine Uni und zum Professor geschickt. Waren wir drei Verrückte, Pioniere für Trockenfeldanbau in Südostasien?“ „Scheint so.“ „Wie lange bist du noch in Afghanistan?“ „Denke bis Oktober.“ „Komm zu mir nach Korsika. Hannes,…ich weiß wie sehr du Patricia geliebt hast. Ich sah euch immer so glücklich. Ihr zwei hattet mir sehr viel Mut gegeben. Komm nach Korsika. Wir sind Freunde auf Ewig. Lass uns bitte in Kontakt bleiben.“ „Ja, Claude, wir sind Freunde auf Ewig. Es tut mir sehr leid, dass ich mich zu lange nicht gemeldet habe. Seit dem Tod von Patricia bin ich Ruhelos im Einsatz. Wusste manchmal nicht in welchem Land ich für die nächsten Stunden oder eineinhalb Tage war. Nur noch Krieg, Terror, Tod und Lebensgefahr. Jetzt wieder in Afghanistan.“ „Mon dieu! Das tut mir so weh im Herz. Vor siebzehn Jahren lernten wir uns kennen. In all den Jahren hast du mich immer gut behandelt. Hast nie mein Elternhaus in Frage gestellt, warst immer für mich da. Du bist für mich der coolste Typ auf dieser Welt! Nun möchte ich dir etwas zurück geben. Lass uns auf meiner Terrasse Billard spielen und Wein trinken.“ „Gute Idee. Schick mir deine Adresse. Ich komme im Oktober zu dir nach Korsika.“

Zwei Tage später hatte Hannes Antworten auf sein Mails bekommen. Drei gefielen ihm sehr gut, aus den Niederlanden, Dänemark und den USA. Alle drei waren an mehr Hintergrundwissen interessiert. So antwortete Hannes mit einigen Beiträge die Stacey und John gemacht hatten. Am Nachmittag rief er Nila an, erzählte ihr von den vielen Mails und auch von den Antworten. Kaum hatte er aufgelegt, bekam er einen Anruf mit der Vorwahl 0031. Am Telefon war ein Mann aus den Niederlande er wollte sich unbedingt mit Hannes treffen. „Ich bin nicht in Deutschland, bin in Kabul. So einfach und schnell werden wir uns nicht sehen können. Ich komme erst im Oktober wieder zurück.“
Am Abend waren schon Antworten auf die letzten Mails in seinem Postfach, auch in diesen stand, dass ein Treffen erwünscht sei. Oliver saß bei Hannes ihm Büro, sie sprachen über die vielen Mails. „Ich kann es gar nicht glauben, dass die mich alle Treffen wollen, keiner will bis Oktober warten. Ich denke, dann muss ich mal kurz weg fliegen.“ „Wo willst du die Leute denn alle Treffen?“ „Ich würde sagen in der Mitte. Türkei.“
Es wurde ein Treffen in zwei Wochen in Istanbul vereinbart. Hannes rief Nila an und erklärte ihr, dass sie mit fliegen sollte, denn sie kannte alles noch besser als er. „Hannes, es freut mich sehr, dass du an mich denkst, aber ich habe kein Geld für einen Flug.“ „Nila, ich würde es dir nicht sagen, wenn es nicht schon organisiert ist. Bei einem Budget von zwei Millionen US Dollar im Monat, hab ich schon die Möglichkeit über vieles zu bestimmen, auch über ein Flugticket. Komm bitte in zwei Wochen wieder nach Kabul in die Darulaman Road. Sabine fliegt auch mit.“

 

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