10 Istanbul Träume werden wahr

Teil III Kapitel 10

Istanbul
Träume werden wahr.
Das erste Treffen in Istanbul.

„Ich laufe jeden Tag an der Elbe.“ „Wenn du weiter gelaufen wärst, wärst du auch an dieser raus gekommen.“

05.März 2007

Da es von Kabul nach Istanbul nur zwei Direktflüge, von der Ariana Airlines und Turkish Airlines gab, wurde sich aus gutem Grund für letztere entschieden. Auf einen sechsstündigen Abenteuerflug mit der Ariana Airline konnten
Nila, Sabine und Hannes gerne verzichten.
Um 16.00 Uhr landete die Boeing 737 auf dem Atatürk International Airport in Istanbul.

Die 15 Kilometer lange Fahrt von Flughafen zu dem Blue Moqsue Apparthotel in der Nähe der Altstadt, war trotz dem Verkehrschaos angenehm.
„Endlich wieder Farben sehen“ sagte Sabine von der Rückbank, als das Taxi durch die Straßen von Istanbul fuhr.

Das kleine Hotel in der Mustafa Pasa Straße mit seinen drei Stockwerken war weiß gestrichen, mit hellen Klinkersteinen und roten Dach, war es genau der Baustil den Hannes mochte. Das Hotel und die Zimmer waren sehr schön eingerichtet. Helle Farben, hellbraune Möbel. Stühle und Sofas mit dunkelblauen Stoff bezogen und auch der Teppichboden war in gleicher Farbe gehalten.
Von dem Hotel waren es gerade mal 500 Meter bis zur Sultan-Ahmed-Moschee aus dem 16. Jahrhundert, besser bekannt als Blaue Moschee. Oft hatte Hannes vor diesem Gebäude gestanden und trotzdem bewunderte er jedes mal aufs neue diese Schönheit der orientalischen Baukunst.
In all den Jahren im Einsatz waren es solche Anblicke, die ihn zur Ruhe brachten. Weit weg von Krieg und Terror reiste er in seinem Urlaub in Städte und Länder dieser Welt und betrachtete oft Stundenlang Antike- oder Mittelalterliche Gebäude und Bauwerke.
Er sah den Touristen zu, wie sie abgehetzt schnell ein paar Fotos machten und sofort in einer Herde von wissbegierigen dem Fremdenführer zur nächsten Attraktion folgten. Ob in Florenz an der Basilika San Miniato al Monte oder der buddhistische Tempelanlage Borobudur auf Java – es war überall das gleiche Bild. Eilig fotografieren die Touristen für die Erinnerunge, wissen aber nach 10 Minuten das Datum der Bauzeit nicht mehr.
Hannes brauchte nie einen Reiseführer. Er kaufte sich Bücher über Länder, Menschen und Bauwerke und so schaute er sich Bögen, Dächer, Fenster, Fassaden und Baustile an.
Seine beiden Favoriten waren: die Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Familia, in Barcelona. Ihre Buntglasfenster kamen an die Farben von Fréjus am nächsten heran. Stundenlang saß er schon in dieser Kirche und ließ dieses gewaltige Bauwerk auf sich wirken. Vom Baustil mochte er auch die Catedral de Santiago de Compostela. Diese steht bekanntlich am Ende vom Jakobsweg. In Santiago de Compostela spürte er so viel Kraft. Hannes war kein Kirchgänger und auch nicht katholisch, trotzdem liebte er diese Bauten. Er sprach in den Kirchen, Kathedralen, Tempel oder Moschee oft mit Gott. Hannes war der Meinung, Gott hört ihm zu und es sei ihm egal ob es eine Kirche, Moschee oder Parkbank war. Er sprach mit Gott übee seine Trauer und auch seinen Träumen.
Kann Gott Sünden vergeben, weil er Menschen erschossen hatte? Gab es die „Gute“ oder die „Böse“ Tat? War es richtig Menschen zu erschießen um andere zu retten? Oft stellte er Gott diese Fragen. Die Antworten blieben bis heute aus.

Nach dem sich alle frisch gemacht hatten, gingen sie zu Fuß zu dem großen Bassar, der 700 Meter von dem Hotel entfernt war.
Der Große Basar erstreckt sich über 31.000 m² und beherbergt rund 4000 Geschäfte mit den verschiedensten Angeboten. Angelegt wurde er schon im 15. Jahrhundert. Es duftete in den Gängen nach Tee, Kräuter und orientalischen Essen. Wie bei Basaren üblich, sind die Geschäfte nach Branchen sortiert, was häufig auch an den Straßennamen zu erkennen war, wie zum Beispiel: Halici Sokagi – Straße der Teppichhändler oder die Sahaflar caddesi – Straße der Antiquitätenhändler.

Endlich wieder ein normales Leben auf den Straßen, dachte Hannes, als die drei durch die engen Gassen ging. Es war noch nicht so spät am Abend und so hatten noch alle Geschäfte geöffnet. Ein reges treiben war auf dem ganzen Gelände, ja – in der ganzen Stadt zu spüren. Hannes muss nicht ständig auf alles gefasst sein und jede Bewegung anderer Personen abwägen. Er konnte wie jeder andere Tourist auch, die Stadt mit ihrem Flair auf sich wirken lassen.

Die drei suchten eines der vielen Restaurants in der Istanbuler Altstadt auf. Nach dem Essen ging es an die Lieblingsstellen von Hannes: an das Ufer vom Bosporus.
Hier trennte sich Europa und Asien, manchmal noch keine 700 Meter von einander entfernt. Es gab nichts schöneres als einen wunderbaren Abend im Ahirkapi Park ausklingen zu lassen. Das Geräusch, wenn Wasser sich an der Kaimauer brach und die Gischt spritzte, war in Worte nicht zu beschreiben. Es war so beruhigend.
Sabine saß links von ihm und sie hatte ihren Kopf auf seiner Schulter liegen und ihre Augen waren geschlossen, ihr Atem ging leicht. Bei jedem Atemzug von ihr, sehnte er sich nach Patricia. Sabine konnte nichts dafür, dass sie Patricia so unglaublich ähnlich war. Es wäre falsch gewesen sie aus diesem Grund zu meiden oder abzulehnen.
„Danke, dass ich diese Reise mit machen kann. Du tust so viel gutes für mich. Du setzt dich für Menschen ein die du gar nicht kennst. Warum?“
„Nila, ich möchte Menschen eine Perspektive geben und deren Leben verbessern. Kinder können ihre und auch unsere Zukunft verändern, wenn sie die Chancen dazu bekommen. Selbst wenn ich es nur bei einer Handvoll Menschen schaffe, so habe ich wenigstens etwas getan. Vielleicht sieht Gott dann über meine bösen Taten hinweg. Gefragt hab ich ihn schon oft, nur lässt er sich mit den Antworten sehr viel Zeit.“ „Glaubst du so stark an Gott?“ „Ich weiß es nicht immer. Ich sah die letzten Jahre so viel Tod, so viel Wut und Zerstörung. So viel Gewalt an und von Menschen, da verliert man schnell den Glauben an das Gute. Du glaubst doch auch an die Hoffnung und Zukunft der Kinder. Ich bewundere deinen Mut und Ehrgeiz sehr. Wir beide wollen diese Welt verändern, dafür stehen wir jeden Morgen auf.“ „Wie willst du weiter leben? Ständig der Gefahr ausgesetzt zu sein? Seit wir in Istanbul sind, haben deine Augen eine andere Farbe. Du bist nicht der Mann, der eine Waffen tragen muss. Wenn jemand einen solchen Job wie du machst, muss er gut sein! Du machst diesen Job wegen der Trauer und Schmerz in deinem Herz. Ist es das wert? Hannes, dass ist doch kein Leben!“ „Nila, du hast so recht. Es ist kein Leben. Es ist vieles in mir gestorben, was ich einst gemacht hatte. Du gibst mir wieder die Chance das zu tun, was mein Traum war und immer noch ist. Komm, es ist  schon spät, lass uns zurück ins Hotel gehen. Sabine schläft gleich ein.“

Seit Wochen hatte er nicht mehr so gut geschlafen. Ständig immer an irgend etwas denken, jeder Zeit voll Einsatzbereit zu sein, war eine körperliche Anstrengung die man selbst gar nicht mehr wahr nahm. Sabine klopfte und klopfte an die Tür, bis er endlich registrierte was überhaupt los war. „Ich geh joggen. Bin in einer Stunde wieder da“ rief sie durch die Tür. Da Hannes nun sowieso wach war, ging er duschen.
Mit dem mittlerweile, dritten Glas Tee saß er auf der kleinen Terrasse vor dem Hotel, raucht eine Zigarette und genoss die frische Morgenluft mit ihrer angenehmen Wärme. Sein Laptop war mal wieder brechend voll mit Mails von Botschaften verschiedener Länder, dem deutschen Auswärtigen Amt oder anderen internationalen Sicherheitsdienste. Terrorwarnungen und Reisebeschränkungen für dieses oder jenes Land. Er wusste dies doch alles!
Nila kam zu ihm auf die Terrasse. Sie hatte ihr langes dunkelbraunes Haar offen und mit ihren dunkelbraunen Augen strahlte sie eine Schönheit aus die diesen Morgen noch heller erschienen ließ.
Kurze Zeit später kam Sabine um die Ecke gelaufen. „Habe ich dich vorhin geweckt? Sorry, ich wollte nur bescheid sagen, dass ich joggen gehe. In Magdeburg laufe ich jeden Tag an der Elbe.“ „Wenn du weiter gelaufen wärst, wärst du auch an dieser raus gekommen.“ „Ja ja…“ kam als Antwort von ihr. „Du weißt was ja ja bedeutet?“ „Ja ja…, Chef“, lachte Sabine und warf ihm ihr Handtuch zu und ging ins Haus. „Du mich auch…! Beeile dich, wir wollen Frühstücken“ rief er ihr hinterher. „Ihr versteht euch gut“, sagte Nila. „Ja, ich bin auch sehr stolz auf dieses Team, kommt nicht oft vor, dass sich alle so gut verstehen. So macht die Arbeit noch viel mehr Spaß. Wie du in Gardez oder auch Khost gesehen hast, geht vieles ohne groß zu reden oder erklären.“

Das Frühstück auf der kleinen Terrasse war üppig und Hannes sagte, wie der Tag geplant sei. „Erst einmal für morgen im Reina Restaurant, dass direkt am Bosporus liegt, einen Tisch bestellen, damit dort das Treffen mit den Interessenten aus England, Niederlande und den USA durchgeführt werden kann. Und dann eben den heutigen Tag zur freien Verfügung.“

Die Frauen wollen nach dem Frühstück noch Kleider kaufen gehen. Hannes gab Nila 200 Euro. Sie fragte erstaunt wofür dieses sei? „Damit du dir etwas kaufen kannst, ich weiß dass du kein Geld hast, nimm es und kauf was du willst. Sehe es einfach als Honorar für all deine Arbeit und Engagement.“ „Hannes….“ „Nein, nicht Hannes. Nimm das Geld und kauf dir etwas. Es kommt von Herzen.“

Hannes ging zu dem Ahirkapi Park und genoss die Sonne im März. Er schaute den Schiffen auf dem Bosporus nach und roch die frische von Wasser.
Auf einer Bank neben ihm saßen zwei Touristen aus den Niederlande, dies hörte er an ihrer Unterhaltung. Ein Mann von mitte fünfzig mit kräftiger, aber nicht dicker Figur und eine blonde Frau die gute 30 Jahre jünger und sehr schlank war, genossen ebenfalls die leichten Sonnenstrahlen um diese Uhrzeit.

Das Handy von Hannes klingelte, Hattie, die Gebietsleiterin für Südostasien und seine Chefin, rief an und erkundigte sich wo er sei. „Natürlich. Hätte ich mir denken können das du am Wasser bist. Ich bin auf dem Weg zu dir. Sehen wir uns heute Abend?“ „Hattie, ich weiß es nicht. Ich habe noch die beiden Frauen dabei.“ „Wie geht es dir? Ich mache mir Sorgen um dich. Komm in die Staaten und lass andere an die Front. Du bist der beste Leader. Die Geschäftsführung würde dich gerne in der Chefetage sehen.“ „Fängst du schon wieder damit an. Du weißt wie ich darüber denke. Malcolm auch.“
„Hannes, du bekommst einen Job, für den andere sich ein Bein ausreißen würden! Ich verstehe dich nicht.“ „Lass uns dies bitte an ein anderen Tag besprechen.“
„Okay. Wir sehen uns morgen im Reina, richtig?“ „Ja, ich werde um 11 Uhr im Reina sein, die Adresse ist, Muallim Naci 44. Wir sehen uns morgen. Ciao Süße.“
Als er das Gespräch beendet hatte, schauten die beiden niederländischen Touristen Hannes an. „Morgen gegen 11 Uhr im Reina an der Muallim Naci 44…“ sagte der Mann zu ihm auf englisch „…Entschuldigung, dass ich Sie so anspreche, ich glaube wir haben morgen dort ein Meeting. Sind Sie der Mann aus Afghanistan?“ „Ja, der bin ich.“ Der Mann kam mit der Frau auf ihn zu. „Dürfen wir uns setzten?“„Natürlich“ „Ich heiße Erik de Joost und das ist meine Tochter Marpe.“ Erik hatte einen deutsch-niederländischen Dialekt wie Rudi Carrell. „Hannes. Hallo, schön Sie heute schon zu treffen.“
Das folgende Gespräch war sehr angenehm und die beiden de Joost’s waren super nett und sympathisch. Es stelle sich heraus, dass sie im Artefes Hotel wohnten, dies war gerade mal hundert Meter von dem Blue Moqsue Hotel entfernt.

Beim Kaffee im Yeni Marmara erzählte Erik von seiner Stiftung in den Niederlande und das ihm die kleinen Videobeiträge, die er von Hannes erhalten hatte, sehr gut gefielen. Ohne zu zögern hätte er seiner Tochter gesagt, er muss diesen Mann treffen.
„Das freut mich, aber ich bin nur derjenige der die Kontakte hergestellt hat. Nila Khalil ist die Frau die dies alles macht.“ Hannes erzählte Marpe und Erik die Geschichte von Nila. Die Flucht von Afghanistan über den Iran nach Deutschland. Dann wieder zurück nach Afghanistan um dort unermüdlich zu helfen.
In diesem Augenblick kamen Sabine und Nila an dem Yeni Marmara Café vorbei. Hannes rief die zwei zu sich und stellte Sabine und Nila den beiden Niederländer vor. Erik war gar nicht mehr zu bremsen, er wollte alles Wissen, fragte sehr viel und hörte sehr aufmerksam zu was Nila im erzählte. „Kommt mit in unser Hotel, dort könnt ihr alle Videos sehen die wir gemacht haben, dann müsst ihr nicht bis morgen warten“ sagte Hannes.

Auf der kleinen Terrasse wurde der Laptop von Hannes aufgebaut und bei türkischen Kaffee, der hauchfein wie Puderzucker in typischen Kannen aus Kupfer oder Messing mit langem Stiel zubereitet und aus niedrigen Tassen getrunken wird, schauten sich Marpe und Erik die Videos an. Beide waren sehr aufmerksam und auch sichtlich bewegt. Nach über einer Stunde Video und Bildmaterial schauen, sagte Erik „so hatte ich mir das nie vorgestellt.“ „Ihr habt nur zwei Geschichten von diesem Frauenhaus gesehen, es gibt noch 30 andere solcher Erlebnisse“ sagte Nila.
Die nächste halbe Stunde verlief sehr ruhig und kaum jemand sagte etwas, bis das Handy von Hannes die Stille durchbrach. „Ich bin der Manager von Miranda Kerr und habe Ihre Nummer von Gregory Flynn, Frau Kerr unterstützt Ihr Projekt, können Sie bitte noch einiges an Informationen zukommen lassen? Gregory leitet diese Mails an mich weiter. Vielen dank!“ Alle vier Personen am Tisch schauten Hannes an, der gar nichts sagte und geistesabwesend auf sein Telefon schaute. „Hat dich der Papst angerufen?“ Fragte Sabine. „Weiß ich noch nicht! Wer ist Miralda Kehr…?“ Fragte er in die Runde. „Du meinst Miranda Kerr“ sagte Marpe. Auf den fragenden Blick von ihm antwortete sie „Miranda Kerr, ist ein australisches Model. Bekannt wurde sie bei der Modemarke Victoria’s Secret.“ „Na denn. Sie möchte mehr Infos von Gardez und Khost haben, ich soll diese an die Mail Adresse von Gregory senden.“ Den beiden niederländer erklärte er, dass Gregory und sein Filmteam über eine Wochen mit ihnen in Afghanistan unterwegs waren.

Hannes rief noch nach Thionville an. Er hatte schließlich versprochen sich regelmäßig zu melden. Auf französisch sprach er mit Franziska über dies und das. „Hannes, wo bist du gerade?“ „Istanbul. Unser Traum geht weiter!“ Er erzählte ihr warum er in Istanbul sei und um was es ging. Franziska war sehr erfreut und danke Gott, dass Hannes wieder der war, den sie so liebte. „Sag mal, ist Cosima bei euch?“ Franziska erklärte ihm, dass sie beim Fernsehen in Paris arbeitet und sie eben gerade die 20 Uhr Nachrichten moderierte „Aha…okay….wow….kaum zu glauben! Danke. Au revoir, Franziska.“ Hannes brauchte einen Moment um seine Gedanken zu sortieren. „Sabine, such bitte im Internet nach Télévision Française 1. Bitte!“ Kurze Zeit später drehte sie den Laptop zu ihm. Hannes starrte geistesabwesend auf den Bildschirm. Die vier am Tisch schauten sich fragend an. Sabine kam um den Tisch und schaute von rechts auf den Bildschirm. „Was ist da?“ „Der Engel aus dem Orient!“ „Ohne Frage, ist dies eine sehr hübsche Frau.“ Er sah Sabine an. „Ich kenne diese Frau! Sie war die Schulfreundin von Patricia und musste mich vor Jahren sehr beherrschen um ihn nicht eine Ohrfeige zu geben…!“ Er brauchte ein paar Minuten um wieder klar denken zu können „…also gut. Sabine, mach noch schnell die Mail an Gregory fertig, dann gehen wir Abendessen.“ Er gab Sabine den Laptop zurück.

„Wir haben uns schon den richtigen ausgesucht.“ Sagte Erik und schaute Hannes an. „Nee, Erik, ich hatte nur unendliches Glück, dass ich Nila in Gardez getroffen hatte, ich wollte mir umbringen die Projekte von Deutschland aus den Jahren 1965 bis 78 anschauen.“ „Egal wie es auch war, wir sind hier um zu helfen und ich habe bei euch ein sehr gutes Gefühl. Die Chemie passt zwischen euch und ihr seid auch sehr sympathisch.“ „Wow, ich denke wir können das gleiche sagen, oder Chef?“ Kam es von Sabine die auf dem Laptop von ihm am schreiben war. „Ich bin nicht dein Chef, wenn, dann nur ein ganz kleiner.“„Ja ja…“ Sabine grinste und knuffte ihm gegen den Arm.

Die Mail war abgeschickt und alle fünf machten sich daran ein Restaurant für den Abend in der Altstadt von Istanbul zu suchen, als das Handy von Hannes erneut klingelte. Nach dem Gespräch sagte er „Planänderung, wir fahren ins Kempinski essen, dort lernst du dann deine Chefin kennen.“
Erik und Marpe wollte sich von der Gruppe verabschieden. „Nein, kommt mit. Dann trefft ihr heute schon die Gebietsleiterin für Asien.“
Mit dem Taxi ging es die ca. 6 Kilometer von der Mustafa Pasa zu der Ciragan 32.
Vor dem Hotel hielt Sabine Hannes an der Hand fest. Er schaute sie an. „Es ist schön, dass du Kontakt zu den Eltern von Patricia hast. Hannes, du brauchst auch einen Halt! Nimm ihn an!“
In der Halle vom Kempinski sah er Hattie. Als sie sich aus einem der riesigen Sessel erhob, hörte er wie Sabine sagte „Wow, ist das eine Schönheit!“ Ja, in der Tat, dass war sie! Hattie ist ein Mischlingskind. Ihre Mutter kommt von den Philippinen, ihr Vater ist afroamerikaner. Das Resultat war eine Frau mit leichten asiatischen Gesichtszügen, einer leicht braunen Haut. Sie hatte lange pechschwarze Haare, braune Augen und Perlmutt weise Zähne. Ihre schlanke Figur passte perfekt zu ihrem roten Cocktailkleid. Sie war der Blickfang in der Lobby.
Hattie umarmte Hannes fest und gab ihm einen Kuss. Sie streichelte ihn liebevoll über den Rücken. „Ich freue mich auch dich wieder zu sehen“ sagt er und stellt ihr die anderen vier Begleiter vor.

Beim Essen erzählte Erik von seiner Arbeit als er noch bei Médecins Sans Frontières, gearbeitet hatte. Das er vor 14 Jahren ein kleines Haus in Nootdorp bei Den Haag kaufte, um dort traumatisierte Kinder aus Kriegsgebieten zu betreuen und auch Pflegefamilien für diese Kinder zu finden. Nun habe er schon zwei größere Häuser für die Kinder und das erste Haus sei nun Büro und Tagesaufenthalt für sozial benachteiligte Kinder. Jetzt möchte er mit seiner Tochter einen weiteren Schritt gehen und in Krisengebieten vor Ort den Kinder helfen, denn die Mail von Hannes hätte ihm so gut gefallen und dass er in ihm den Richtigen Mann gefunden habe. „Erik, Moment. Versteh dies nicht falsch, ich bin nur ein paar Monate in Afghanistan. Ich betreue viele Projekte meines Arbeitgebers auf der halben Welt, auch frage ich mich schon die ganze Zeit, wie habe ich dir eine Mail geschickt.“ „Ich weiß wer du bist und was du in Kambodscha getan hast. Ich habe mich über dich erkundigt. Dein Name und Projekte sind bekannt, es gibt kaum eine westliche Organisation die deinen Namen nicht kennt! Jeder will mit dir arbeiten! Mir gefällt deine Linie und Menschlichkeit. Und um deine Frage zu beantworten, World Vision hat deine Mail an mich weitergeleitet. An dem Tag als ich dich anrief, hatte ich Gespräche mit anderen Hilfsorganisationen über dich. Am Ende bin ich bei ODHI in Rheins gelandet. Ich soll dich von Stephane Dilbert grüßen, er würde sich freuen, wenn du zurück kommen würdest. Ich hätte dir auch einfach eine Mail schreiben können. Ich wollte dich aber nach dem was ich über dich gehört hatte persönlich kennenlernen.“ Hannes sah Hattie kopfschüttelnd und ungläubig an. „Was hattest du erwartet? Du bist nicht mehr der unerfahrene junge Mann, der damals mit Herzrasen vor der Tür der UN stand. In Europa, Nordamerika und Asien bist du bekannt. Ich kann dies, von Dr. de Joost nur bestätigen!“ „Hattie…? Warum weiß ich nichts davon?“ „Wer soll dann auf dich aufpassen?“ Sie streichelte seine Wange. „Na gut, da du weißt wer ich bin, verstehe ich nun auch deine Hartnäckigkeit zu einem Treffen.“ „Marpe und ich haben heute von euch einen sehr guten Eindruck bekommen, wie auch von Frau Walker. Wir sind ein kleines Unternehmen und achten sehr darauf wo und wie das Geld eingesetzt wird und bei euch haben wir eine Basis gefunden, die wir vertreten wollen und können. Hannes, mach dich nicht kleiner als du bist!“

Das Handy klingelte, er sah die Nummer von dem Australier. „Der Australier ruft an.“ Diesmal war es nicht der Manager, sondern Frau Miranda Kerr persönlich. Nach einer Weile gab er das Handy an Hattie weiter. Es war ein sehr langes Gespräch. Hattie sagte nach dem Telefongespräch dann in die Runde „Dr. de Joost hat recht, mach dich nicht kleiner als du bist. Deine Arbeit wird in Australien im Fernsehen gezeigt. Du sollst morgen nach dem Meeting Frau Kerr anrufen.“

Der Abend wurde immer später und gegen Mitternacht wollte die Gruppe zurück ins Hotel.
„Warum bist du nicht im Kempinski oder Four Seasons Hotel?“ Frage Hattie als die Gruppe zum Ausgang ging. „Du weißt ich mag solche großen Hotels nicht. Ich mag lieber das kleine. Wir sehen uns heute Vormittag im Reina.“ Er gab Hattie einen Kuss auf die Wange und drückte sie noch einmal.

Kurz vor 1 Uhr saß er noch auf der kleinen Terrasse vor dem Hotel. Die Luft war so frisch und klar. Nicht mit Kabul zu vergleichen! Sabine trat zu ihm auf die Terrasse. Sie zog einen Stuhl an den Tisch, setzte sich im gegenüber und schlug die Beine übereinander. Mein Gott, Patricia. „Wie lange kennt ihr euch?“
„Siebzehn Jahre. Sie hatte damals bei UNICEF gearbeitet. Patricia und sie waren sofort auf einer Linie. Die Freundschaft hielt….hielt bis zum… Schluss. Hattie hat in all den Jahren immer an mich geglaubt. Ihr habe ich einiges zu verdanken, auch diesen Job – den ich nie wollte!“
„Ich dachte mir schon so etwas bei der Begrüßung. Ihr habt ein gutes Verhältnis zueinander. Frau Walker ist nicht nur deine Chefin.“ „Stimmt. Hattie ist eine Freundin von mir. Sie hat auch meine Tiefen nach dem Tod von Patricia erlebt. Sie stand damals mit ihrem Koffer vor unserem Haus in Thailand und blieb über Monate bei mir.“ „Ich kann nicht sehr viel französisch, was ich aber vorhin mitbekommen habe, hat mich sehr gefreut.“ Hannes erzählte ihr von dem Besuch und der Zeit, die er bei den Lefèvre’s in Thionville war, bevor er in diesen Einsatz ging. Natürlich erzählte er ihr nichts von der Waffe auf dem Friedhof. „Ich denke, ich werde nach diesem Einsatz zu ihnen nach Frankreich gehe. Meine… unsere…. Wohnung ist immer noch eingerichtet. Sabine, du bist Psychologin. Sollte ich in dieses Haus zurück gehen? Mit… mit… all den Erinnerungen? Mein Haus in Thailand steht leer. Aber dort erinnert mich sogar die Maserung im Holz der Küche an Patricia.“ „Wie du eben gesagt hast, wie sehr sie sich über dich gefreut und empfangen haben, würde ich sagen – ja! Patricia ist seit sieben Jahren tot. Du, ihr, könnt dies nicht mehr ändern. Die Eltern von Patricia leben schließlich auch in dem Haus. Glaubst du es wäre für sie einfach? Sie haben ihre Tochter verloren. Genau so wie du deine große Liebe. Du kannst nicht ständig davon laufen.“ „Du hast recht. Ich laufe seit sieben Jahren davon.“ „Hannes, du bist ein sehr guter Chef! Ich hatte bis heute Abend nicht gewusst, dass dein Name auf dieser Welt so bekannt ist. Du hast einen Charakter den es selten gibt. Dies schätzen offensichtlich noch mehr Menschen an dir, von denen du gar nichts weißt.“ „Ich auch nicht. Glaub mir, ich auch nicht! Die Geschäftsführung würde mich gerne in der Chefetage sehen.“ „Wow! Das wäre doch gut. Fang wieder an zu leben! Du kannst nicht dein Leben lang trauern!“ Hannes nahm tief Luft und sah Sabine lange an. „Ich danke dir. Ich bin doch froh, dass du hier bist. Hätte nie gedacht dass ich einmal psychologischen Beistand bräuchte.“ Sabine schüttelte den Kopf. „Ich habe als Freundin zu dir gesprochen.Nicht als Psychologin.“

Nach dem Frühstück wartete Hannes auf die beiden Frauen bei einer Tasse Mocca Kaffee vor dem kleinen Hotel und bereitete im Kopf schon mal das Meeting vor. Nila kam auf die Terrasse und hatte ein elegant rotes Figurbetonendes Minikleid mit Transparenten Spitzenärmel und einem hinreißend tiefer V-Ausschnitt an. Die roten Pumps waren das Sahnehäubchen. Ihre leicht gewellten peschwarze Haare und diese Rehbraunen Augen ließen für einen Moment die Zeit still stehen. „Meine Güte, bist du eine Schönheit!“ „Danke, ist dein Geld gut angelegt?“ „Ja doch.“ Sabine kam aus der Tür, sie hatte ein Sporttop, Jeans Minirock und Sneakers an. Die drei gingen die Mustafa Pasa herunter und sahen Marpe und Erik aus dem Hotel treten. Marpe hatte ein apricotfarbenes Top, hellbrauner Minirock und Schuhe mit einem Absatz jenseits der Belastungsgrenze an.
Die drei Frauen umarmten sich wie alte Freundinnen. Marpe war, wie Sabine, Psychologin. Beide hatten gestern Abend schon viele lange Gespräche. Erik drückte Hannes die Hand, als ob er diese zerquetschen wollte. Ein Mann mit Händen wie eine Bratpfanne soll Arzt sein? Erik eröffnete sogleich die Begrüßung und sagte „Wir kommen mit.“ Hannes sagte ganz erstaunt „Davon gehe ich doch aus, ich habe einen Tisch für 11 Personen im Reina bestellt.“ „Nein, wir kommen mit nach Afghanistan. Marpe und ich wollen alles sehen und erleben. Wir wollen so schnell wie möglich die Projekte von Nila unterstützen.“ Nila konnte die eben ausgesprochen Worte gar nicht so recht glauben. Marpe hakte sich bei Nila unter und sagte es ihr noch einmal. Nila kamen die Tränen. „Das meinte ich gestern Abend. Ihr habt eine Menschlichkeit in euch und ihr steht zu allem was ihr macht“ sagte Erik als die Gruppe ins Taxi stieg.

Am Reina Restaurant angekommen führte ein Kellner die Gruppe an den Reservierten Tisch vom dem der Bosporus nur durch eine Glasscheibe getrennt war. Das Reina liegt unterhalb der Hochbrücke die über den Bosporus führt und Europa mit Asien verbindet. Die große Terrasse war mittags noch nicht so sehr gefüllt wie am Abend. Am Abend trifft sich dort so gut wie jeder zu Musik und gutem Essen in dem Club.

Es war kurz vor 11 Uhr und Hannes sah auch schon wie ein anderer Kellner Hattie an den Tisch führte. Hatti hatte wieder ihr rotes Kleid an und strahlte in Schönheit und Anmut mit Nila um die Wette. „Ist das Absicht oder Zufall?“ Fragte Hannes bei der Begrüßung. „Absicht. Hannes, reine Absicht!“  Hattie umarmte ihr fest und streichelte seine Wange. Hattie begrüßte jeden am Tisch und sagt sogleich „Ich bin Hattie. Nicht Frau Walker.“

Der Kellner kam mit einer Frau und einem Mann an den Tisch. Sie stellten sich als Cathy Fuller und Frank Merk vor. Cathy hatte ein schwarzes Maßgeschneidertes Kostüm an und ihre langen blonden Haare waren im vollen Kontrast.
Frank hatte ein leicht rosafarbenes Hemd mit Nadelstreifen Hose an. Sein kleiner Bauch lies sich nicht so leicht unter dem weiten Hemd verstecken. Frank kam wie ein Bankbeamter oder Buchhalter daher. Hannes kam sich mit seinem legeren Hemd und der Baumwoll Hose in der Runde dieser gut gekleideten Menschen etwas deplatziert vor. Gut dass Erik auch nur ein Polo Shirt trug. Es war Zeit anzufangen und die Runde zu begrüßen um mit dem Meeting zu beginnen. Aus dem Augenwinkel sah er einen sehr gut gekleideten Mann mit schnellem Schritt auf den Tisch zu kommen. „Entschuldigung für die Verspätung, ich hatte noch ein Telefonat. Petersen. Jasper Petersen.“ Stellte sich dieser große schlanke, sehr attraktive Mann mit Dreitagebart vor. Jetzt kam sich Hannes völlig unmodisch gekleidet vor.

„Also gut, ich denke, dass wir nun vollzählig sind…“ dabei sah Hannes in die  Runde und sah bei jedem ein leichtes nicken „…ich habe mich in den Mails an Sie soweit vorgestellt und auch um welche Projekte es sich in Afghanistan handelt. Ich habe die treibende Kraft für diese Projekte, Frau Nila Khalil, eingeladen um heute offene Fragen gleich zu klären. Ich schlage vor, dass Sie sich nun die Videos anschauen, die wir zusammen gestellt haben. Diese gehen etwas über eine Stunde. Wir haben leider nur drei Laptops zur Verfügung. Ich sage dem Kellner noch bescheid, dass er zwei Sonnenschirme bringen soll, damit Sie alles besser erkennen.“

Hannes setzte sich einige Meter weiter an die Bar und bestellte sich einen Mocca. Er zündete sich eine Zigarette an. Nila kam zu ihm „Ich kann nicht so gut englisch reden, wenn die Leute nachher Fragen haben. Es war gestern Abend mit Hattie schon ein kleines Problem, da hat mir Marpe und Sabine sehr geholfen.“ „Mach dir keine Gedanken, wir sind alle bei dir.“

Hannes beobachtet Cathy, Frank und Jasper während diese sich die Videos ansahen. Die selben Gesichtsausdrücke wir einen Tag zuvor bei Marpe und Erik. Als die Videos geendet waren sagte keiner etwas. Hannes ergriff das Wort „Sie sahen jetzt die Schule von Gardez die 1965  mit Mittel von Deutschland gebaut wurde und erst seit einem Jahr unter der Führung von Frau Khalil wieder langsam anfängt zur Normalität zu werden. Das Frauenhaus ist in den Bergen nahe der Stadt Khost, bald an der Grenze zu Pakistan, den genauen Ort dürfen wir Ihnen leider noch nicht sagen, denn diese Frauen sind dort unter Lebensgefahr versteckt. Ich schlage vor, dass wir jetzt eine Mahlzeit zu uns nehmen und danach können wir weiter in diesem Thema arbeiten. Es macht keinen Sinn, wenn wir nun gleich zu den Projektpunkten kommen. Es ist auch von psychologischer Seite Sinnvoll das gesehene zu verarbeiten.“

Nach gut einer Stunde Pause beim Mittagessen und dem ein oder anderen Tischgespräch, war auch das befremdende Gefühl nicht mehr so groß.
Als erstes stelle sich Erik vor und sagte der Gruppe, was er gestern Abend schon über sich erzählt hatte. Cathy und Frank sagten, dass sie im Auftrag von der Audrey Hepburn Children’s Foundation seien. Diese Stiftung kümmere sich um die Belange von notleidende und misshandelte Kindern auf der ganzen Welt. Da sehr viele Hilfsprojekte in Afrika gemacht würden, aber in der Muslimischen Welt so gut wie keine, habe man sich entschlossen auch dort nun zu helfen.
Jasper Petersen sei der Protokollchef des Königshauses von Dänemark. Die dänische Kronprinzessin Mary und Prinz Frederik von Dänemark setzen sich mit ihrer Organisation „Red Barnet“ unter anderem gegen Kinderarbeit in Bangladesch ein und waren von den Videos die ihnen zugespielt wurden so begeistert, dass er die Mails an Hannes geschrieben habe um eben noch mehr Infos zu bekommen. Als Hannes die gewünschten Informationen gemailt hatte, wurde im Königshaus beschlossen diese auch zeitnah zu unterstützen. Daher auch die Verspätung vorhin, denn es war Kronprinzessin Mary am Handy.

Als Petersen geendet hatte schauten sich Sabine, Nila und Hannes ungläubig an. Selbst Hattie sah man an, dass dies nun auch für sie ein ein kleiner Schock war. „Entschuldigung, Herr Petersen, dass wir gerade alle etwas Sprachlos und wie vor den Kopf gestoßen sind, aber so etwas was Frau Fuller und Herr Merk erzählt haben und für wen sie arbeiten, ist schon groß. Aber in wessen Auftrag Sie hier sind, ist schließlich nicht alltäglich.“ 
„Ich habe es gestern schon gesagt, du bist der beste Mann dafür und stehst für das ein was richtig und gut ist. Du bist menschlich, geradeaus und hast Rückgrat“ sagte Erik unverhohlen in die Runde. Hannes war froh das Erik in dieser Situation das Wort fand. „Erik, nicht ich alleine. Ich bin nur ein kleines Licht das versucht die Welt jeden Tag etwas besser zu machen. Es gibt größere als mich mit mehr Einfluss.“ „Hannes, Hannes, du begreifst es immer noch nicht. Die größten und wichtigsten hören auf dich. Entschuldige, wenn ich so direkt zu dir bin, aber ich mag deine Art. Auch wenn wir uns noch keine 24 Stunden kennen.“
Ein Kellner braucht Tee und Kaffee an den Tisch. Hannes brauchte jetzt zwei Mocca um wieder klar denken zu können.
Er entschuldigte sich und wollte kurz alleine sein. Er ging ans Ufer vom Bosporus und rief Franziska an. Er brauchte jetzt jemand mit dem er reden konnte. Nach 30 Minuten kam Jasper Petersen an die Promenade und stellte sich neben Hannes. „Darf ich Hannes sagen?“ „Natürlich, ich mag es lieber, wenn es etwas persönlicher ist.“ „Mein deutsch ist nicht so gut. Ich bin Jasper. Am Tisch wurde über dich gesprochen, sie alle haben recht, mach dich nicht kleiner als du bist. Die Welt braucht solche Menschen wie dich. Und Herr Dr.de Joost hat recht was er gesagt hatte, du bist menschlich und geradeaus. Dies habe ich in den letzten drei Stunden gemerkt. Das gefällt mir sehr gut. Ich berichte Kronprinzessin Mary genau so wie ich dich sehe.“
„Wow, ist das nun der Ritterschlag der Humanitären Hilfe?“ Jasper lachte „Ja, wenn du es so siehst.“ „Eine Frage geht mir seit Stunden nicht aus dem Kopf, wie kam meine Mail ans Dänische Königshaus?“
„Kronprinzessin Mary, wie auch Prinz Frederik, sind bei UNHCR und UNICEF sehr aktiv und wenn an diese UN Organisationen Mails von Projekten kommen, die sehr gut dargestellt oder dringende Hilfe benötigen, bekommen die Botschaftsattachés in New York und Genf diese Nachrichten. Diese leitet sie an meinen Stab weiter und wir entscheiden dann wie und wo geholfen werden kann. Warum hast du in deinen Mails nie erwähnt, dass du bei UNICEF gearbeitet hast?“ Hannes sah diesen großen, gutaussehenden Mann an und wusste gar nicht was er sagen sollte. „Dein Lebenslauf ist bekannt. Kronprinzessin Mary hat diesen auch gelesen.“ „Ach du liebe Güte!“

Als Hannes und Jasper wieder am Tisch waren wurde schon über konkrete Zahlungen und Hilfen gesprochen. Nila sahs in der Mitte dieser Runde und konnte nicht fassen, wie schnell hier Entscheidungen getroffen wurden.
Das Handy von Hannes klingelte, es war die Nummer aus Australien. Frau Miranda Kerr war am Telefon und wollte doch gerne Informationen über Hilfszusagen und direkte Zahlungen wissen. Hannes erklärte ihr in kurzen Sätzen die derzeitige Situation und bat doch um genaue Absprachen der Projekte bis morgen zu warten.

Langsam wurde die Terrasse im Reina voller und es machte keinen Sinn jetzt noch weiter in dieser Sache voran zu kommen. So wurde für den nächsten Tag um 14 Uhr das nächste Treffen im Konferenzsaal vom Marmara Taksim Hotel vereinbart.

In dem kleinen Hotel in der Mustafa Pasa lag Hannes auf dem Bett und versuchte diesen Nachmittag einzuordnen. Es klopfte an der Tür. Nila trat ein. „Hallo Hannes, ich will mich bei dir bedanken für alles was du getan hast. Dies alles hätte ich mir nie erträumen können, was sich heute für mich alles geändert hat. Ich weiß nicht wie ich dir dies jemals gut machen kann.“ „Nila, dass bin nicht nur ich allei…“ „Doch! Du bist der Mann der all dies auf den Weg gebracht hat! Du bist derjenige der die vielen Ideen mit den Videos und Dokumentationen hatte! Du bist es, der an all dies glaubt! Nimm es endlich an und mach dich nicht immer so unscheinbar.“ „Du hast recht, Nila. Ich habe heute schon den Ritterschlag der Humanitären Hilfe bekommen.“ „Den was…?“  Er erzählte ihr von der Unterhaltung mit Jasper am Bosporusufer. „Selbst wenn Könige auf dich hören, bedeutet es, dass du einen richtigen Weg gehst. Ich habe dich auch erst vor einigen Wochen kennengelernt und kann dies alles nur bestätigen was heute während deiner Abwesenheit am Tisch gesprochen wurde. Du bist menschlich durch und durch und du setzt dich für so viel Leid und Elend anderer Menschen ein.“ „Ist ja gut, ich habe es kapiert. Mal was ganz anderes, ich mache mir große Sorgen um die Sicherheit in der Schule. Das geht mir nun schon seit 15 Uhr durch den Kopf. Ich muss ein Sicherheitskonzept für den Schutz der Kinder wie auch der Schule vorhanden ist, gleichzeitig aber auch keine Festung werden kann. Hier habe ich vorhin mal ein paar Skizzen gemacht.“ Er hielt Nila drei Blätter mit besagten Skizzen entgegen. „Du machst das schon, hast ja jetzt den Ritterschlag. Was machst du jetzt noch? Sabine und Marpe wollen in die Altstadt, willst du auch mit?“ „Nein, ich bin Müde vom denken, ichvgehe gleich ins Bett. Viel Spaß euch, bis morgen.“

Donnerstag morgen 8.30 Uhr

Das Handy von Hannes klingelte. Erik rief an und fragte ob er in einer Stunde ihn und die beiden Frauen zum Frühstück einladen dürfte.
Um 9.15 Uhr trafen sich die fünf in der Lobby vom Artefes Hotel. „Guten Morgen die Damen und Ritter der Humanitären Hilfe“ begrüßte ein gut gelaunter Erik de Joost die drei. „Hallo Marpe, hallo Erik, wie kommst du auf den Ritter?“ „Ich rede mit meiner Tochter.“ „Ja, stimmt die Frauen waren am Abend noch unterwegs gewesen.“
Beim Frühstück erzählte Hannes der Runde, welche Gedanken er sich bezüglich der Sicherheit der Schule machte. „Es ist kein Wunder das es kaum Hilfsprojekte für Afghanistan gibt, die Sicherheitslage ist mehr als bedenklich in diesem Land. Ich habe die Nacht kaum geschlafen. Es ehrt mich schon sehr, wie du und das Dänische Königshaus sich engagieren wollen. Aber bedenkt die Risiken. Was ist, wenn die Taliban irgendwann wieder zurück kommen und meinen sie müssten die Schule sprengen oder den Kinder etwas antun? Gerade Mädchen haben einen sehr schlechten Stand in Afghanistan.“ „Was du sagst ist alles richtig…“  sagte Marpe „…ich hatte gestern Abend mit Nila und Sabine einen sehr schönen Abend. Nila hat uns ihre Leben erzählt. Du hast diese uns vor zwei Tagen in kurzen Abschnitten gesagt. Diese Nacht hatte ich noch lange mit meinem Vater gesprochen und wir haben den aller größten Respekt vor Nila und auch das Vertrauen in dich. Du bist der Sicherheitschef für Afghanistan und kannst die Lage besser beurteilen wie jeder andere.“ „Marpe, dass ich schön, dass ihr das Vertrauen zu mir habt, ich bin nur noch bis Oktober in Afghanistan. Ich soll in die Staaten in die Chefetage kommen. Selbst wenn ich in Afghanistan bleibe, kann und werde ich niemals einen Terroranschlag verhindern können! Ich werde für einen Schutz dieser Schule sorgen – mehr kann ich nicht tun.“
„Hannes, ich kann mir vorstellen wie du denkst und fühlst. Ich werde heute bei dem Treffen unser absolutes Vertrauen in Nila, wie auch in dich, in der Runde bekunden“ sagte Eric. „Marpe, Erik, ich danke euch. Trotzdem muss ich die Sicherheitslage objektiv bewerten und auch ungeschönt vorbringen.“
Das Handy von Hannes meldete sich. Jasper rief an und fragte ob er sich auf ein Frühstücke mit ihm treffen könnte. Hannes sagte das er gerade bei jenem mit Marpe und Erik im Artefes Hotel sei. Jasper würde zu ihnen kommen. „Jasper will mich sprechen, er kommt hier vorbei“ sagte  Hannes nach dem Gespräch.
20 Minuten später war Jasper auch schon in der Lobby vom
Artefes. Er trug Jeans mit einem schwarzen Sakko. Er begrüßte die drei Frauen mit Handkuss und leichter Verbeugung. Welch noble Etikette, dachte Hannes. „Ich sehe ihr sitzt schon zusammen…“ eröffnete Jasper das Gespräch „…ich hatte gestern noch sehr lange mit Kronprinzessin Mary gesprochen, sie ist bereit 500.000 dänische Kronen direkt zu Verfügung zu stellen.“ „Das sind ungefähr 67.000 Euro“ sagte Erik in die Runde. Hannes sah, wie Nila die Gesichtsfarbe entglitt. „Jasper, ich habe es eben schon einmal vorgetragen, die Sicherheitslage ist nicht die beste in Afghanistan. Ich habe die Nacht wenig geschlafen, weil ich mir natürlich auch viele Gedanken über die Hilfszusagen mache und auch einen großen Teil mit verantwortlich bin, wenn den Kindern etwas passieren sollte.“ „Glaubst du, wir in Dänemark wissen nicht was in Afghanistan los ist? Wir haben auch ISAF Soldaten in Afghanistan.“ Hannes  nickte „Ich weiß. Deutschland und Dänemark unterhalten ein Provincial Reconstruction Team in Faizabad.“ „Ich habe gestern mit Frau Walker über dich gesprochen, wenn jemand eine solche Verantwortung tragen kann, dann du.“  „Sag ich doch, Ritter der Humanitären Hilfe“ kam es von Erik. Jasper musste lachen. Erik erklärte der Runde wie er sich die Konkrete Hilfe vorstellen kann und er habe auch schon eine Präsentation für heute Nachmittag vorbereitet. Jasper nickte zustimmend in allen Punkten. Jasper sagte bei verlassen der Gruppe das er diese um 13.30 abholen ließe.

Hannes saß auf der Terrasse vor dem Hotel und hatte ein Glas Tee vor sich stehen. Sabine trat zu ihm. „Was ist los? Über was machst du dir so viele Gedanken?“ „Über was ich mir Gedanken mache? Sabine! Was ist wenn die Taliban die Schule sprengt? Stell dir vor es kommen Kinder zu schaden, wie könnte ich mir dies jemals verzeihen. Ich bin Schuld wenn etwas passiert. Um das Frauenhaus mache ich mir weniger Sorgen, dies ist an einem geheimen Ort.“ „Konntest du den Anschlag in Dschalalabad verhindern? Dort starb eine Frau in deinen Armen, trotz sofortigen Hilfe von dir.“ „Das ist was anderes. Hier geht es um einen Ort der wie auf dem Silbertablett liegt. Werde ich nachher verantwortlich gemacht, wenn das Geld sich in Luft auslöst? Reden kann Hattie viel, wie toll und gut ich bin und was ich gemacht habe. Verstehst du denn nicht meine Gedanken?“ „Doch Hannes, die verstehe ich, wie auch Marpe, Erik und Herr Petersen. Dein Traum ist es doch Bildung für Kinder zu erreichen und du selbst sagtest, es sei ein Tropfen Wasser im Ozean. Aber Hannes, jeder Tropfen füllt ein Meer.“ „Wenn dies alles nur so einfach wäre. Ich habe trotzdem Angst.“ „Warte ab was nachher bei dem zweiten Treffen heraus kommt. Erik unterstützt dich und glaubt an dich. Ich glaube an dich. Du bist ein wunderbarer Mensch, ich habe so viel in den letzten Wochen von dir gesehen und gelernt. Wie du dich um jeden kümmerst, wie du dich einbringst, dein schnelles denken und handeln ist großartig. Du bist ein toller Chef. Auch wenn ich mich wiederhole, mach dich nicht kleiner als du bist. Sir Hannes.“ Sie gab ihm einen Kuss


Um 13.30 fuhr ein silberner Mercedes S 500 an dem Hotel vor. Es war einer der Botschaftswagen der Vertretung Dänemarks in der Türkei, die Jasper für sie bestellt hatte. Hannes nahm auf den Beifahrersitz platz und sah die Silhouette eines Schulterholster von dem Fahrer unter seinem Jackett. „Baretta 22, Heckler USP oder Glock 17?“  Der Fahrer sah Hannes fragend an. So erklärte er dem Fahrer welchen Job er hatte. „Ok. Jetzt verstehe ich die Frage besser. Ich habe eine Baretta 22. Ist es so offensichtlich, dass ich eine Waffe trage?“ „Nicht unbedingt, ich sehe so etwas, wenn auch nur leicht durch das Jackett. Ich habe lieber eine Gürteltasche als ein Schulterholster.“ „Jetzt auch?“ „Nein! Ich bin als Tourist in Istanbul.“ „Ein Tourist in einer Botschafts-Limousine?“ „Na ja, mit dem Taxi oder Bus kann jeder fahren…“ der Fahrer grinste „…Ich bräuchte noch gute Personenschützer in Afghanistan. Kein Interesse richtige gepanzerte Fahrzeugen zu fahren?“ „Ist dies kein richtiges Auto?“ „Gegen meinen Armoured hat die Kiste keine Chance. Was hast du an panzerung? B4 Klasse?“ „Ich merke schon, du kennst dich aus. Ja, ist B4.“ „Ich habe B6.“ „Die brauchst du auch in Afghanistan. Hast du eine Karte von dir. Ich kenne zwei Personenschützer, die andere Aufgaben suchen. Wie ist den die Bezahlung?“  „Sechs Tausend im Monat.“ „Dänische Kronen?“
„Dollar. Sechs Tausend US-Dollar.“ „Wow. Die habe ich lange nicht.“ „Ich weiß. Du wirst bestimmt auch nur nach Beamtentarif von Polizisten mit ein paar Auslagen mehr bezahlt.“  Der Fahrer nickte. „Wie schon gesagt, du kennst dich aus.“ Hannes gab dem Fahrer zwei Visitenkarten von sich.

Das Marmara Taksim Hotel ist ein Gebäude mit 20 Stockwerken und war schon eine andere Preisliga als das kleine Blue Moqsue Hotel in der Mustafa Pasa.
Als die zwei Botschaftswagen am Eingang vorfuhren öffneten sogleich Pagen die Türen und hießen die Ankömmlinge auf englisch Willkommen.
In der Lobby, die so groß war wie das Hotel in dem Hannes wohnte, kam ein Page auf sie zu und führte die Gruppe in den Konferenzsaal links neben der Lobby. Der Raum hatte einem Steinfußboden, der mehrere Farben hatte und Hannes fühlte sich beim Anblick von dem Raum  ins persische Reich zurück versetzt. Ein riesiger Tisch in der Mitte von dem Raum hatte eine Tischplatte aus geöltem Walnussholz. Selbst der schon luxuriöse Tisch damals im Außenministerium im Paris, wirkte gegen diesen Tisch wie ein  Campingartikel. Hier wurde der absolute Luxus verbaut.
Jasper und ein Page hantierten an einem Laptop seitlich des Raumes, der auf einer Teke stand die mit Ornamenten aus dem osmanischen Reich bestückt war.
Jasper hatte einen sehr teuren Anzug im perfekten Business-Style an. Edel in der Optik, außergewöhnlich in der Farbbrillanz und sehr luxuriös. Hannes hatte ein weißes Hemd an und sich extra am Vormittag noch schnell, eine schwarze Baumwoll Hose gekauft. Die Frauen hatten alle wunderschöne Kleider an. Sabine in mint, Nila grün, Hattie blau, Marpe eines in türkis und Cathy Fuller ein Cocktailkleid in beige. Frank Merk hatte ein leicht lila farbenes Hemd an und Erik einfach nur weiß.
Jasper grüßte wie am morgen schon, die Damen mit einem Handkuss und einer leichten Verbeugung. Hannes stand etwas Ratlos im Raum mit seinem überdimensionalen Tisch. Jasper gab den Gastgeber und führte die Gäste zu den Stühlen. Hannes wollte sich schon an die Seite von diesem Monstrum setzten als Jasper ihm sagte, dass sein, wie auch Nilas Stuhl, am Kopf von dem Tisch vorgesehen war. Als alle an ihren Plätzen waren kamen gleich die zwei Pagen, die bis dato an einem kleinen Regal in der Ecke des Raumes standen und fragten nach dem Wunsch der Getränke.

Jasper eröffnete das Meeting und sagte, dass es im laufe von dem Nachmittag noch eine Videokonferenz mit der Kronprinzessin Mary geben würde. Nila wurde auf einmal kleiner auf dem Stuhl. Dann übergab Jasper das Wort an Hannes. Er wusste nichts von einer geplanten Videokonferenz und eröffnet gleich seine Rede mit der Bitte, doch auch Frau Miranda Kerr an dieser Videokonferenz teilhaben zu lassen, wenn es Frau Kerr überhaupt so kurzfristig möglich sein könnte. Hannes reichte Hattie sein Handy, damit sie sich darum kümmern sollte.
„Ich danke allen Anwesenden für die Unterstützung der Projekte, die durch Frau Nila Khalil, meinem Team und mir gezeigt wurden. Es war ein reiner Zufall, dass ich Frau Khalil in Gardez getroffen habe. Wir waren mit einem australischen Fernsehteam nach Gardez gefahren, weil ich eigentlich Projekte sehen wollte, die die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1965 in Gardez angefangen hatte zu bauen. Da wären drei Schulen, ein Hotel, ein Fortbildungsgebäude für Lehrer und eine Moschee zu nennen. Leider haben 30 Jahre Krieg in diesem Land Spuren hinterlassen. Tiefe Spuren! Einige Gebäude von damals wurden im Krieg verschont – so auch das der Mädchenschule von Gardez. Das Fernsehteam wollte eigentlich nur eine Reportage über diese Schule machen, als sich dann in den Gesprächen heraus stellte, dass Frau Khalil einige Jahre in Deutschland gelebt hatte und durch private Umstände wieder zurück nach Afghanistan ging, übernahm sie die Führung der Mädchenschule in Gardez. Frau Khalil erzählte mir bei sich zu Hause über ein Frauenhaus nah der Grenze zu Pakistan. Einen Tag später fuhren wir von Gardez zu diesem Haus. In einer gekürzten Fassung haben Sie, meine Damen und Herren, die Erlebnisse von zwei Frauen gesehen. Wobei ich nicht weiß, ob man ein Mädchen im Alter von 14 Jahren Frau nennen kann.“ Hattie zeigte mit dem Daumen nach oben, was sich sicherlich auf die Videokonferenz bezog „… nun möchte ich Ihnen, sehr geehrte Zuhörer, auch meine Gedanken bezüglich der Sicherheitslage in Afghanistan mitteilen. Als Sicherheitschef für Projekte die ich auf der halben Welt betreut habe, sage ich Ihnen offen und ehrlich: ich habe letzte Nacht nicht all zu gut geschlafen. Ich mache mir sehr viele Gedanken um die Umsetzung der Sicherheit. Es sind, soweit ich dies beurteilen kann, alle Parteien hier am Tisch mit der Zusage über Geldbeträge und direkter Hilfe einverstanden. Was ist, wenn die Taliban oder eine andere Terror Gruppe die Schule angreift und sprengt? Was ist wenn Kinder verletzt werden? Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich bin genauso überwältigt von diesem Treffen hier wie Frau Khalil. Afghanistan braucht Hilfe – sehr viel Hilfe! Wird etwas an Infrastruktur aufgebaut, stoßen Terrorgruppen dies wieder um. Die ist ein große Problem in Afghanistan. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und bitte nun um eine Gesprächsrunde.“

Hattie stand auf und erklärte den Personen in dem Raum, was Hannes für die Firma und früher bei ODHI, wie auch für UNICEF an Hilfsprojekte in Kambodscha aufgebaut und organisiert hatte.
Auch sagte sie der Runde von dessen Schulprojekte im Sudan und Burkina Fasso.„ Hattie, dass kannst du nicht vergleichen. In Kambodscha, Burkina Faso oder Ghana ist und war die Terrorgefahr nicht so groß“ warf Hannes etwas wütend in die Runde. Hattie zog die Augenbrauen zusammen und sah ihn stumm an. Den Blick kannes er nur all zu gut von ihr. Damit ihre beiden unterschiedlichen Meinungen nun nicht zu einer Eskalation in dem Raum führte, hielt er seine Wut zurück.
Sie stelle noch die Struktur der Firma vor und auch deren wirken  auf fast allen Kontinenten in Sicherheitsfragen. Diese waren von der Absicherung von Gebäuden und auch ganzen Industrieanlagen über Personenschutz bis zu medizinischer Notfallversorgung per Flugzeug. Sie stellte auch kleinere humanitäre Projekte vor, wo die Firma als Ünterstützer, Träger oder Co-Träger sich engagierte.
Dr. Erik de Joost ergriff das Wort. Er erzählte von dem Treffen vor zwei Tage und dem Abend im Kempinski. Das Treffen gestern und heute morgen beim Frühstück. Er lobte den Umgang, die Menschlichkeit und die Offene und Ehrliche Art von Hannes, Sabine und Nila. Dies brachte großen Zuspruch. Dann kam er auf seine Präsentation die er beim Frühstück schon angesprochen hatte.
Erik startete den Laptop und zwei der riesigen Monitore an der Wand zeigten ein Video, dass seine Arbeit in den Niederlande zeigte. Anschließend kamen noch einige Tabellen und Texte mit einer Agenda wie und was bist zu einem Zeitpunkt X für die Schule, wie auch für das Frauenhaus, erreicht werden sollte.
Ähnlich der Präsentation von Erik
war auch jene von Cathy und Frank aufgebaut.
Hattie fuchtelte mit dem Handy herum und wollte Hannes damit etwas sagen „In 15 Minuten möchte sich Frau Kerr via Video zuschalten, sie bittet um die IP-Adresse von dem Hotel.“ Jasper machte sich gleich auf einen Pagen zu rufen damit dieser noch einen Sender für Frau Kerr bereit stellen sollte.
Leise sagte Hannes zu Nila, dass sie nun auch etwas sagen sollte.
„Bildung ist die einzigste Möglichkeit für eine bessere Zukunft, eine bessere Welt und für Frieden und Menschlichkeit…“ sagte Nila als sie aufstand „…diesen Satz habe ich vor drei Wochen gehört. Dieser Satz hat mich in meinem handeln als Lehrerin noch mehr gestärkt und gibt mir Kraft alle zwei Wochen einen Tag Unterricht in dem Frauenhaus zu machen. Dieser Satz zeigt die Güte, Menschlichkeit und Herzlichkeit des Mannes der links neben mir sitzt.“ Als Marpe dies von deutsch ins englische übersetzt hatte, schaute jeder Hannes an. Jasper klatschte und ihm taten es alle gleich.
„Nila, musste das sein?“ „Ja, dass musste sein!“ Es kam doch lauter von Nila als Hannes es wollte, sodass jeder es hörte. „Du verstehst immer noch nicht dass alles was hier und heute besprochen wird von dir kommt. Du bist derjenige der Ideen hat, du bist derjenige dem ich vertraue und Hannes, Ellaha glaubt auch an dich.“
„Lassen Sie uns noch eine kurze Pause machen bevor die Videokonferenz mit Frau Kerr und  Kronprinzessin Mary beginnt“ sagte Jasper in die Runde.

Hannes hatte Kopfschmerzen, im war übel, warm und kalt zugleich. Er ging auf den Balkon vor dem Konferenzsaal und musste jetzt eine rauchen. Erik und Frank kamen auf den Balkon. Frank fragte nach einer Zigarette. Erik sagte „Hannes, wir glauben an dich. Es wird alles gut.“ „Es wird alles gut? Erik! Wie spreche ich die Kronprinzessin an? Eure Hoheit, eure Durchlaucht oder Prinzessin? Erik, ich bin ein Macher und kein Redner.“ „Ich weiß, dies macht dich auch so Menschlich.“ Jasper kam auch auf den Balkon. Er legte die Hand auf die Schulter von Hannes „Mit deinen Ideen kommen wir voran.“ „Jasper, wie rede ich nachher die Kronprinzessin an?“
„Sag einfach eure Hoheit.“ „Sag einfach eure Hoheit“ äffte Hannes. Hattie trat aus der Tür „Let´s go.“ Ja, let´s go. Das war es. Let´s go. The show must go on.
Als Hannes den Konferenzsaal wieder betrat sah er auf jeweils zwei ca.2 qm großen Bildschirmen die Kronprinzessin von Dänemark und das Model als Australien. „Eure Königliche Hoheit, Kronprinzessin Mary, sehr geehrte Frau Miranda Kerr, ich möchte Ihnen zuerst die Schulleiterin von Gardez und die Mitinitiatorin von dem Frauenhaus in der Nähe der Stadt Khost, Frau Nila Khalil, vorstellen…“ Nila gab sich durch Kopfnicken den zugeschalteten zu erkennen „…durch die Informationen, die Ihnen zwischenzeitlich zugegangen sind, gehe ich davon aus, dass Sie soweit wissen, um welche Projekte es geht. Wir sitzen jetzt zusammen um über die genaue Planungen der Hilfsprogramme zu beraten bzw. besprechen. Wenn von irgend jemand der hier Anwesenden, Sie, eure Königliche Hoheit und auch Sie, Frau Kerr, Fragen haben, bitte ich diese auch gleich vorzutragen. Beginnen sollten wir mit der Ausarbeitung von Frau Fuller und Herrn Merk die im Auftrag der Audrey Hepburn Children’s Fundation aus Pasadena, USA nun vorliegen.”
Alle sahen nun die Einführung und Erläuterung für eben diese Kinder-Hilfsorganisation. Dann auch noch einige Kommentare und Bewertungen für die nun besprechende Projekte in Afghanistan. Es folgte die Präsentation und Agenda von Erik. Als diese zu Ende war fügte Erik hinzu, dass seine Tochter und er im Anschluss von diesem Treffen gleich mit nach Afghanistan fliegen werden um vor Ort zeitnah seine Agenda umsetzten zu können und auch über die Arbeitsanstellung von Frau Nila Khalil als Leitende Direktorin beider Projekte zu besprechen. Nila konnte nicht so ganz folgen um was genau es gerade bei ihrer Person ging, denn die Konferenz war auf englisch. Hannes beugte sich zu ihr und  sagte leise „Du hast das große Los gezogen.“
Es wurden Fragen über die Finanzierung einzelner Punkte, insbesondere Sicherheit, die schon oft genug angesprochen wurden, erörtert. Über eine Erweiterung und Verbesserung des Frauenhauses wurde auch schon diskutiert. Wo und wie ein Bankkonto eingerichtet werden sollte. Wer für Buchhaltung, Transparenz und Gewährleistung steht und und und.
Die Konferenz zog sich nun in die Länge weil eben viele Details besprochen wurden.
Als Protokollar wurde, wen wundert es, Frank Merk ausgesucht. Es wurde auch eine erhebliche Summe an Geldbeträge für Soforthilfe wie, auch für die nächsten Jahre festgelegt. Nach mehr als vier Stunden stand das Fundament. Eine Stiftung für das Frauenhaus und der Mädchenschule sollte gegründet werden und aus steuerlichen Aspekte würde diese an das Dänische Königshaus angeschlossen werden.
Da es in Australien nun schon fast 4 Uhr am Morgen war, wurde beschlossen, dass am Freitag um 13 Uhr eine weitere Videokonferenz statt finden sollte. Miranda Kerr gab noch ihre geheime E-Mail Adresse wie auch Handynummer. Sie wollte für diese Projekte nun direkte Informationen haben und nicht erst über ihren Manager.

Nach einer Pause traf sich die ganze Gruppe im Raika Restaurant im 20. Stockwerk des Marmara Hotels. Von dort aus hatte man einen grandiosen Blick über Istanbul und den Bosporus. Bei den Preisen in der Speisekarte wurde es einigen genau so schwindlig wie in dieser Höhe auf dem Balkon zu stehen. Jasper sagte in die Runde „ihr braucht nichts aus der Karte zu bestellen, es wird später ein Buffet für uns aufgebaut.“

An einem für die Gruppe aufgebauten Bereich standen schon Getränke und kleine Snacks bereit. Nun begann das Brainstorming. Da Frau Miranda Kerr als Privatperson das mit Abstand meiste Geld zur Verfügung stellte wurde diese, wie auch die Kronprinzessin von Dänemark als Ehrenvorsitzende der Stiftung gewählt.
Nila telefonierte mit Svea und erklärte ihr was sich für sie und das Frauenhaus in der nächsten Zeit ändern würde.
Hannes telefonierte mit Chris in Kabul und sagte ihm, er sollte sich Gedanken über Bauveränderungen an der Schule in Gardez und dem Frauenhaus machen. Er würde ihm seine Skizzen in der nächsten halben Stunde per Mail zu kommen lassen.
Nach guten zwei Stunden Arbeit war soweit alles geklärt und das Resultat wurde per Mail nach Australien und Dänemark geschickt.

Das Buffet war Atemberaubend. Ein türkisches Abendessen ist ein Erlebnis für Augen und Gaumen und man braucht vor allem viel Zeit. Es gab Lamm mit Granatapfelsauce, Tintenfischringe in Öl mit grünen Oliven, gebratene, kalte Leberstückchen mit Zwiebeln, gegrillter Fisch in verschiedenen Varianten.
Nach diesem Buffet und sehr angenehme Gesprächen, wurde es Zeit sich zu verabschieden, denn die Uhr zeigte schon weit über Mitternacht. Jasper bestellte die Botschaftswagen zum Marmara Hotel.

Freitag, 09 März.
Um 10 Uhr rief Hannes in Kabul an und sprach mit Chris über die Pläne, die Hannes ihn am Vortag per Mail geschickt hatte. Chris kannte sich als Bauingenieur mit Statik besser aus als er. „Ich habe deine Skizzen gesehen, sind soweit ganz gut. Einige Punkte müssen verbessert werden, aber dafür muss ich auch wieder vor Ort sein um es genau zu sehen. Ich habe zwar auf Fotos von Stacey geschaut, aber dies ist ja nicht das gleiche. Wann kommt ihr wieder nach Kabul?“ „Denke das wir erst am Montag Vormittag hier weg kommen.“ „Super, bis dahin habe ich deine Skizzen soweit, dass man damit arbeiten kann.“
„Danke Chris.Sag Marco bitte bescheid er soll sich um Baufirmen, wie auch um Baumaterial kümmern. Heute ist noch einmal eine Videokonferenz, bitte schicke mir wenigsten etwas an Grundplan zu, damit ich dies Vorstellen kann.“ Hannes erzählte Chris wie die letzten Tage in Istanbul waren und wie der Stand für dieses Hilfsprojekt bis dato aussah. „Du gibt’s mal wieder ganz schön Vollgas. Ich kenne dich ja schon lange genug.“ „Diesmal gebe ich nicht das Tempo vor. Chris, Afghanistan ist nicht Kambodscha. Hier zählt ein anderer Maßstab und dieser macht mir große Sorgen.“ „Ich weiß. Wenn ich deine Skizze von der Schutzmauer um die Schule sehe, fiel mir sofort Kambodscha  ein. Du hast das Staudamm-Projekt von Chhnang noch gut in Erinnerung.“ „Danke. Eine gewölbte Mauer hat weniger Angriffsfläche als eine gerade Mauer. Dies wussten Baumeister schon vor mehr als 4000 Jahren. Chris, ich weiß nicht ob diese Idee auch Sprengstoff aushält. Bei dem Staudamm in Chhnang drückte Wasser mit einer gleichbleibenden Kraft gegen die Wand. Bei Sprengstoff ist die Energie in Sekunden auf wenige Quadratmeter. Du bist der Statiker. Ich benutze nur meinen Verstand.“ „Dein Verstand ist gut. Und ich als Bauingenieur und Statiker sage dir, wir bekommen die Schule schon gesichert und sie wird trotzdem nicht als Festung aussehen. Die Idee mit einer doppelten Mauer und dazwischen Maschendrahtzaun und Holzwand ist gut. Nun lass mich etwas arbeiten, damit ich dir etwas schicken kann. Wann brauchst du einen Vorentwurf?“ „In vier Stunden. Wäre dies okay für dich?“ „Passt.“

Um 12 Uhr fuhr die Mercedes Botschafts-Limousine am Hotel vor und brachte Sabine, Nila und Hannes zum Marmara Hotel. Es war die gleiche Prozedur wir am Vortag. The same procedure as last year, ging es Hannes durch den Kopf und musste selber grinsen, als ein Page die Tür von dem Mercedes öffnete.

Im Konferenzsaal waren Cathy, Hattie, Frank und Jasper beim Tee und Kaffee sich am unterhalten. Heute hatten die Frauen nicht mehr so elegante Kleider wie am Vortag an, selbst Jasper trug Jeans. Frank kam mit einem Laptop auf Nila und Hannes zu und zeigte sogleich seine neue Agenda: Tabellen, Grafiken, Kontoauflistung, Stiftungsurkunde, Rechenschaftsbericht und und und. „Na, wie finde ihr dies?“ Fragte er. „Gib mir einen Moment, ich muss da erst einmal durchsteigen.“  Sagte Hannes. Dieses “durchsteigen“ dauerte Frank zulange, also erklärte er es selber. Er öffnete Querverweise und Fenster und Grafiken die sich in Zeitraum X veränderten. Dies alles ging alles so schnell bei ihm. „Frank, wie lange hast du an dieser Arbeit gesessen?“ „Ach, nur drei Stunden. Kleinigkeit.“
„Drei Stunden! Ich bräuchte Monate dafür.“ „Dafür hast du ja mich“ grinste Frank ihn an. Jasper kam auf die drei zu und begrüßte sie in seiner sehr elegant gewohnten Art. Hannes wollte Jasper die soeben gesehene Ausarbeitung von Frank zeigen, als dieser sagte „Ich habe diese am Morgen schon als Mail bekommen und auch so weiter geleitet. Hätte ich nicht besser machen können.“

Beim ersten Treffen dachte Hannes dieser Frank Merk sei ein trockener Zahlen denkender Buchhalter. Am Vorabend hatte er einen ganz anderen Frank kennen gelernt: Humorvoll, sympathisch, gebildet und sehr nett. Beide hatten bei Zigaretten und Cocktails auf dem Balkon im 20. Stockwerk schöne und angenehme Gespräche geführt.

Erik stand an der Theke und hantierte dort am Laptop. Er sah Hannes und rief durch den ganzen Saal „Hallo Ritter der Humanitären Hilfe.“ Erik musste am Abend unbedingt der ganzen Gruppe die Bedeutung “Ritter der Humanitären Hilfe“ groß und breit erzählen. Der gestrige Abend brachte die Gruppe noch mehr zusammen. Es wurde trotz der vielen Arbeit sehr viel gelacht und geredet. Jeder in diesem Saal war heute lockerer und entspannter als die zwei Tage zuvor. Ein Team aus drei Kontinenten hatte sich in Istanbul gefunden. So unterschiedlich die Menschen waren, so bildeten sie trotzdem eine Einheit.

Kurz vor 13 Uhr kam das Videosignal aus Dänemark und Australien. Die heutige Konferenz eröffnete der Vorsitzende der Neugegründeten Stiftung “Help for Gardez“, Dr. Erik de Joost.
Die Punkte, die am Vorabend beim Brainstorming getroffen wurden, wurden alle Einstimmig angenommen. Die Präsentation, die Frank ausgearbeitet hatte wurde ebenso Einstimmig angenommen. Der Vorschlag von Erik, dass Nila die Direktorin wurde und ihr ein Monatsgehalt von 700 Euro, ca. 63.000 Afgani, mehr als das doppelte was der Polizei Chef von Gardez verdiente, fand große Zustimmung und wurde genau so Einstimmig angenommen. Frau Svea Ansany wurde als Leiterin des Frauenhaus eingesetzt und sie dafür 300 Euro Monatsgehalt erhalten würde.
Hannes war danach an der Reihe und zeigte die von Chris überarbeitete Skizzen. Beim erläutern warum Hannes die Mauer um die Schule in Rundbögen erreichten wollte, zeigte den Anwesenden, wie hoch er die Gefahr für Terroranschläge einstufte. „Wie ich schon mehrfach auf die zurecht berechtigte Sicherheitsrelevanz der Schule eingegangen bin, kann ich Terroranschläge nicht vorhersehen und auch nicht mit welcher Sprengkraft dies sein wird. Nach der Äquivalentz von 10 Kilogramm Trinitrotoluol, besser als TNT bekannt, bräuchte  die Schule eine eineinhalb Meter dicke Betonwand. Da dies reine Utopie ist, habe ich mich für den Bau einer doppelten Mauer mit Maschendraht und Holzschicht
entschieden.“ Frank meldete sich zu Wort „Warum Holz? Beton ist doch im das vielfache stabiler als Holz.“ Hannes nickte Franz zu. „Völlig richtig, Frank. Du hast deine Frage quasi schon selbst beantwortet. Beton ist stabiler als Holz. Holz aber beweglich. Da die zwei Mauer zwei Zentimeter von den querliegenden Balken entfernt ist, reicht dieser Abstand aus um die kinetische Energie des Holz in seiner Verformung zu nutzen. Du hast doch bestimmt schon Bäume im Sturm gesehen, die sich biegen und trotzdem nicht sofort umknicken.“ „Ich kann dir folgen. Ich hatte einen falschen Denkansatz.“ „Kein Problem. Ist dieses Konzept soweit nun allen verständlich?“ Hannes bekam auf seine Frage  Kopfnicken oder ein Ja. „Was würde diese Maßnahme der Sicherung kosten?“ Frage Kronprinzessin Mary.  „Eure Königliche Hoheit, ich bin Sicherheitsberater und kein Bauingenieur. Ich bräuchte die Materialpreise dafür. Diese habe ich zur Zeit nicht zur Hand, werde mich aber auch darum kümmern, wenn wir einen detaillierten Plan aller Bauarbeiten und Bauvorgaben haben.“ „Gibt es nach Ihrer Einschätzung eine andere Möglichkeit.“ „Nein! Die Schule ist immerhin ein öffentliches Gebäude und wir können schlecht eine Festung aus ihr machen – so gerne ich dies auch möchte. Wir haben in unserer Firma zig tausende Sicherheitskonzepte für all möglichen Arten von Gebäude bis hin zu Chemiefabriken, aber keine für eine Schule. Was Sie, Königliche Hoheit, als Skizze sehen, wird das Sicherheitskonzept dieser Schule sein. Ich habe erst vor kurzem einen Terroranschlag in Dschalalabad hautnah miterlebt und mir ist die Sprengkraft von Trinitrotoluol bestens bekannt. Selbst wenn ich aus der Schule einen Bunker bauen würde, haben wir keine Sicherheitsgarantien gegen Terror. Hoffen und beten das nie etwas passiert. Mehr können wir in anbetracht der instabilen politischen Lage nicht tun. Selbst wenn wir für einen 24 Stunden Wachdienst von Polizei, Militär oder privaten Sicherheitsfirmen haben, wird und kann ein feiger Terroranschlag nie ausgeschlossen werden.“ Als Hannes geendet hatte war es über eine Minute still in dem Konferenzraum. Sollte er nun einen Schritt zu weit gegangen sein und die Geldgeber sich nun zurück ziehen? Er sah Nila an und zog die Schultern hoch.
„Ich habe vor über 30 Jahren in Westafrika schon Terror erlebt und trotzdem haben wir weiter gemacht!“ Sagte Erik mit fester Stimme und durchbrach somit die Geisterhafte stille. Alle im Raum und auf den beiden Bildschirmen nickten Erik zu. Hannes fiel ein Stein vom Herzen.
Anschließend wurde noch zwei Stunden noch über dies und jenes Abgestimmt, verändert oder ergänzt.

Am späten Nachmittag war soweit alles abgearbeitet. Es waren drei Tage in denen sehr viel erreicht wurde und quasi aus dem Nichts ein Hilfsprojekt entstand, dass über ein Startvermögen von etwas über eine halben Million US-Dollar verfügte – mehr als Hannes und Nila es sich jemals erträumt hatten.

Die Gruppe verabredete sich für 20 Uhr im Reina Restaurant. In der Botschafts-Limousine auf dem Weg zur Mustafa Pasa 35 sagte Hannes zu Nila „Dein Traum wird wahr.“ „Ja, ohne dich wäre es nie soweit gekommen. Nein! Keine Widerrede! Ich verdanke dir so viel. Meine Zukunft wird durch dich besser. Die Zukunft von den Kinder in der Schule und ganz wichtig, die Zukunft der Mädchen und Frauen im Frauenhaus. Du bist ein wunderbarer Mensch. Ich kann dir für all dies gar nicht genug danken.“ „Ist jetzt gut. Ich habe getan was ich für richtig gehalten habe. Das dies so groß wird dachte ich auch nicht. Ich hatte auf eine kleine Hilfe gehofft, was in den letzten drei Tage passierte, lag nicht in meiner Hand.“ Sabine drehte sich auf dem Vordersitz der Limousine um und sagte „Nila, lass gut sein. Hannes wird in diesem Leben nie Überheblich. Er sieht den Dank auch nie bei sich alleine. So ist eben unser Ritter der Humanitären Hilfe.“

Um 20 Uhr war es im Reina schon sehr voll. Jasper hat, wie auch immer, einen großen Tisch auf der Terrasse reserviert bekommen.
Es war ein schöner und auch sehr langer Abend gewesen. Da Cathy und Frank erst am Sonntag Nachmittag in die Staaten zurück flogen, wurde beschlossen, dass sich die gesamte Gruppe am morgigen Samstag zu einer Stadtbesichtigung traf.

Hattie kümmerte sich am Samstag morgen noch um Flugtickets für nach Kabul. Kurzentschlossen wollte sie mit fliegen um das neue Haus in der Darulaman Road zu sehen. Sie wollte oder musste auch noch einiges mit Marco besprechen.

Früh am Montag morgen startete eine Boeing 737 der Turkish Airlines vom Atatürk International Airport in Istanbul mit dem Ziel Kabul.

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