2 Termez Airport, Usbekistan

Teil III Kapitel 2

Termez Airport, Usbekistan

Welcome to the real live

„Wir sind in der Luft. Sabine, wir sind in der Luft, oder soll ich jetzt sagen,- runter kommen sie alle?“

Am Nachmittag um 17.15 Uhr landete die Boeing 737 auf dem Militärstützpunkt in Termez.

Nach dem Check Out ging es mit einem Militärbus in die Unterkunft der Kaserne von den ISAF Truppen. Bis nach Kabul konnte an diesem Tag nicht mehr geflogen werden. Aus Sicherheitsgründen wurde bei Dämmerung der Flughafen Kabul nicht mehr angeflogen.

Der Morgen kündigte seine ersten Sonnenstrahlen an, Hannes war schon wach. Er stand am Fenster und ihm liefen die Tränen über die Wangen, so viele Gedanken waren ihm mal wieder im Kopf. Wie lange wollte er diesen Job noch machen? Der Schmerz über den Verlust seine großen Liebe war nach sechs Jahren immer noch so nah, so spürbar. Wie wird es in Kabul sein? Wie ist dort die Sicherheitslage und konnte er ein so großes Team überhaupt führen? Die Mails die er am Vortag noch schnell überflogen hatte, waren heute schon nicht mehr aktuell. Einen so großen Einsatz hatte er noch nicht geleitet und ein so großes Haus auch noch nicht nach allen Sicherheitsrelevanten Aspekte geplant. Vor einem Jahr war Hannes das erste mal in dem Hotel, dass nun die Zentrale in Afghanistan werden sollte. Zum Ende seines letzten Einsatz, in Kunduz, war er noch vier Wochen in Kabul bei den Bauarbeiten dabei. Marco Rossi, der Direktor von dem Hotel in Kabul, hielt ihn zwar immer auf dem laufenden, wurde dies aber auch alles nach seinem Maßstab erfüllt? Es machte schon etwas aus, ob man die Verantwortung für Sechzig Personen hatte oder gleich das dreifache. Er hatte zwar Autorität, konnte er die auch bei diesem Einsatz durchsetzen? Viele Teams kannte er gar nicht. Wie werden die seine Vorgaben in Kandahar, Maimana, Farah oder in welcher Stadt auch immer umsetzten? Noch hatte er nicht alle Personalakten von den Personenschützer und Teamleiter gelesen. Konnte er sich auf diese Menschen verlassen? Wie wird es mit Sabine Wagner werden? Was wird sein, wenn sie diesen Terror nicht verkraftet? Er könnte sie schlecht alleine in ein Flugzeug setzten und nach Deutschland fliegen lassen. Was hatte er doch für einen Scheiß-Job!

Als die kleine Gruppe in der Kantine gefrühstückt hatte ging es noch in die „Area51“, so nannten die Soldaten den Markt auf der Militärbasis. Dann mal erkundigen ob und wann ein Flug von Termez nach Kabul ging. Es kam schon mal vor, dass der Flieger nicht kam oder durch Sand und Schneestürme nicht abheben konnte. Es konnte auch sein, dass die Kiste der Ariana Afghan Airline defekt war. 2003 wurde dieser Airline ein Flugverbot in den Luftraum der Europäischen Union ausgesprochen. Hannes hatte schon gleich die Worte von den Nachrichten am Vortag im Kopf „…beim Absturz einer zweimotorigen Turboprop-Maschine vom Typ ATR-72 nahe der Stadt Tjumen in Sibirien kommen 31 der 43 Insassen ums…“ Welcome to the real live!

Samuel ging in der Abflughalle umher um irgend jemand zu finden der sagen konnte, ob oder wie es heute weiter gehen würde. Nach einer halben Stunden kam er zur Sitzgruppe mit der Aussage „Merde, personne ne peut me dire quelque chose.“ Scheiße, niemand kann mir irgendwas sagen, zurück. Nun hieß es eben warten. Termez hatte nicht gerade den Reiz einer schönen Stadt, also was blieb? Erkundigen ob die Bundeswehr kam oder die US Air Force das kleine Team weiter mitnehmen konnte.

Emily und Sabine suchten das Hospital der Air Base auf. Emily wollte sich Infos geben lassen was für neue Impfstoffe es gab oder so etwas in der Art. Auf dem Laptop von Stacey sah man Beiträge von der BBC was in Afghanistan schon wieder los war. Es verging kein Tag, an dem nicht irgendwo in diesem Land eine Bombe gezündet wurde. Die Herrschaft der Taliban endete im Oktober 2001, nachdem die Afghanische Vereinte Front in Zusammenarbeit mit Amerikanischen und Britischen Spezialeinheiten unter den USA geführte Interventionen diese Regierung stürzte. In den letzten Jahren war immer die Zivilbevölkerung Opfer von gezielten Anschlägen dieser Terroristen. So viele Märtyrer kann es doch gar nicht geben, die diesem krankhaften Denken folgen, dachte Hannes.

Nach einer Stunde versuchte Samuel sein Glück auf ein neues. Er kam mir einem besseren Blick zurück als noch zuvor. Es würde heute ein Flugzeug kommen, verkündete er. „Na denn, besteht heute noch Hoffnung nach Kabul zu kommen“. Da “heute“ für Hannes eine sehr unbefriedigende Zeitangabe war, blieb nichts anders als warten. Marcel hatte seinen Laptop ausgepackt und schaute sich die Baupläne von dem Hotel an, die Hannes verbessert hatte. „Hoffe es ist in deinem Interesse, was ich verbessert habe.“ „Ja, sieht ganz ordentlich aus, sonst hätte ich mich schon bei dir gemeldet.“ „Danke. Hatte auch einen guten Lehrer.“ Er knuffte Marcel gegen den Arm. „Erzähl doch mal etwas über dieses Haus und dieses ganz neue Konzept.“ Marcel hatte recht, Hannes sollte dem Team dieses neue Konzept schon vorstellen, immerhin war “heute“ Zeit genug.

„Das Haus ist bis jetzt nicht belegt, so haben bis Ende Februar Zeit für alle Vorbereitungen. Der Koordinierungs,- und Logistikraum werden wir einrichten müssten. Auch ist eine Krankenstation in diesem Haus integriert, die nach allen Vorgaben von Emily erfüllt wurde. Zur Zeit sind noch Monteure aus den USA dort am arbeiten. So kannst du immer noch Wünsche vor Ort äußern, wie du was haben möchtest. Ich sah deine Einkaufsliste, jedes mittelständische Krankenhaus in Europa wäre mit einem Viertel deiner Bestellung glücklich! Was noch alles gebraucht wird, da hast du völlig freie Hand und mach dir über das weitere Budget keine Gedanken! Oliver und Marcel ihr seid und werdet für den Fuhrpark verantwortlich sein. Nach meinem Kenntnisstand sind zur Zeit vierzehn Fahrzeuge in Kabul vor Ort. Neun Fahrzeuge sind es jetzt in Kunduz. Bis in vier Wochen wird der Fuhrpark auf dreißig Fahrzeuge in Kabul aufgestockt sein. Vor drei Wochen bekam ich die Mail von der Firma aus England, dass alle Fahrzeuge verschifft wurden. Wie lange die Container unterwegs sind, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass der Hafen Bandar Abbasim im Iran ist. Von dort müssen die Container noch über 2000 Kilometer Landweg nach Kabul gebracht werden. Eine Neugebaute Werkstatt ist auf dem Gelände und wird nach euren beiden Maßstab eingerichtet. In den nächsten Wochen kommen aus Großbritannien zwei Mechaniker, die bei dem Aufbau der Fahrzeuge dabei waren. Sie werden euch unterstellt sein. Ein Flugzeug von Pacific Aerospace aus Neuseeland wurde gekauft, eine Turboprop P-750 xstrol und kann 10 Personen transportieren. Wann das Flugzeug in Kabul sein wird, ist mir bis jetzt nicht bekannt. Weiß nur, der Pilot kommt aus Deutschland. Wäre schön, wenn das Flugzeug in Kabul stationiert ist, ihr euch um die Kiste kümmert. Ein Flugzeugmechaniker aus den USA kommen noch. Samuel, du wirst die komplette Kommunikation in dem Hotel und nach außen fertig aufbauen. Wichtig ist die Leitung zwischen Kabul und Kunduz. Ende März, Anfang April wird unser Team in Kabul auf vier Logistik Operator aufgestockt sein. Da ich die komplette Logistik nicht nach Kabul verlegen wollte, werden noch zwei Operator in Kunduz eingesetzt. Mason Roberts und James Nelson, habe ich im Oktober in Fort Lee kennengelernt und eingearbeitet. Bin guter Dinge, dass die ohne große Hilfe klar kommen, ansonsten muss mal einer von uns dort hin und den Jungs etwas unter die Arme greifen. Die zwei werden Ende Februar in Kabul landen. Nun noch etwas zu dem Haus in Kabul. Es ist ein First Class Hotel mit Schwimmbad, Fitness Raum, Sauna und allem was man sich nur vorstellen kann. Das Hotel ist von großem Park umgeben. Fünfundzwanzig Millionen US Dollar wurden in den neuen Standort invertiert. Dies wird das Aushängeschild der Firma werden. Marco hat mir schon Fotos geschickt. Sieht alles sehr Edel aus. Ich zeige euch gleich mal die Fotos. Geplant ist das Hotel für Einhundertfünfzig Personen, können aber bis Maximal Zweihundert aufstocken. Marco ist der Direktor in Kabul, der neue in Kunduz heißt Corey Mitchell. Wie dieses Konzept angenommen wird, weiß keiner in der Firma. Kunduz war in der Regel gut belegt. Entweder haben wir in der Darulaman Road ein Hotel mit wenig Gästen und wissen nicht, was wir mit den nachfolgen Teams machen sollen, oder die Sprengen uns das Dach weg und wir wissen erst recht nicht, wie wir alles planen, organisieren und koordinieren können. Daher schon gleich die zweite Logistik nach Kunduz. Lassen wir uns überraschen.“ Hannes zeigte die Fotos von dem Hotel, Park und Werkstatt auf dem Laptop. Großes Staunen, als sie die Fotos sahen. „Wow, ist das schön!“ Sagte Sabine. „Das Tor ist das einzige was mir Kopfschmerzen bereitet. Da ist Oliver gefragt. Du musst es hinbekommen, dass dieses Tor sicher wird.“ „Bekommen wir schon in den Griff.“ „Ich weiß, dafür bist du auch dabei.“

Die Zeitangabe “ heute“ wurde um 14 Uhr konkret. Eine Boeing 707 der Ariana landete auf dem Flughafen von Termez. Das boarding geht zügig voran, so viele flogen nicht mit der „Never come back“ Airline nach Kabul. Im Flugzeug war es muffig und die Sitze, na ja, ein Klappstuhl aus der Baumarkt Restekiste hatte gleichen Komfort. Die Kiste hat schon gute 25 Jahre runter und man sah ihr das Alter auch an. Irgendwie suchte sich jeder einen Platz in der nähe der Türen; warum wohl? Blieb zu hoffen das der Treibstoff reichte und der Vogel auch mit den Reifen in Kabul aufsetzten wird.

Die Boeing 707 rollte an. Stille im ganzen Flugzeug! War da ein Geräusch das man so noch nicht wahrgenommen hatte? Die Boeing rollte auf die Startbahn zu, noch waren die Bremsklappen draußen. Es holperte etwas, konnte am Boden, den Reifen oder Fahrwerk liegen. Alles zusammen war auch möglich. Der Nachbar von Hannes arbeitet in der Wartung eine Firma, die sich auf Flugzeuge spezialisiert hatte. Was er schon an Fotos gesehen oder Erzählungen hörte, macht ihm jetzt gerade nicht sehr viel Mut. Andere Gedanken, dachte er. Das Flugzeug stand nun bereit. Die Triebwerke wurden hochgefahren. Konzentration auf das heulen. Könnte es anders klingen als die sonst gewohnten Geräusche beim Start eines Flugzeugs? Hannes rasten Gedanken durch den Kopf in allen möglichen Szenarien. Andere Gedanken, andere Gedanken, ermahnte er sich selbst. Er fing an zu trommeln und sang. „Living easy, living free Season ticket on a one-way ride´asking nothing, leave me be taking everything in my stride …… Highway to hell…I’m on the highway to hell No stop signs, speed limit Nobody’s gonna slow me down like a wheel, gonna spin it…“

Das Flugzeug fing an zu rollen, wurde immer schneller. Die Nase ging leicht hoch, durch das Fenster sah er den Boden langsam entfliegen. Voller Schub! Es rumpelt unter ihm. Sabine schaute ihn sehr böse an. „Nicht lustig. Finde ich jetzt gerade nicht lustig.“ Er sang ein anderes Lied. „We’re leaving together, but still it’s farewell. And maybe we’ll come back to earth, who can tell? I guess there is no one to blame. We’re leaving ground. Will things ever be the same again? It’s the final countdown.“ „Hannes, bitte! Diese Lieder heben nicht gerade meine Stimmung.“ „In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit, war eine Biene sehr bekannt von der sprach alles weit und breit, und diese Biene, die ich meine nennt sich Maja, kleine freche schlaue Biene Maja, Maja fliegt durch ihre Welt…“ „Hast du Drogen zu dir genommen?“ „Wir sind in der Luft. Sabine, wir sind in der Luft, oder soll ich jetzt sagen, runter kommen sie alle?“ Sie boxte ihn gegen den Oberarm „…Die nächsten eineinhalb Stunden vergehen wie im Flug, mein blonder Engel“ „Machst du das extra?“

Nach 36 Stunden endlich in Kabul Dienstag, 10. Januar 2007 gegen 17 Uhr.

Der Anflug auf Kabul ist ein Ereignis das man nicht unbedingt sehen musste, schon gar nicht, wenn es mit einem Flugzeug der Ariana war.

Kabul liegt in einem Kessel umgeben von Bergen und mittendrin der Flughafen. Der Landeanflug begann und jedem war die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Ob es dem Piloten genau so ging? Dachte Hannes. Auf einmal ging die Maschine schlagartig nach unten wie bei einer Achterbahn. Aus diesem Grund nie etwas an Bord essen, könnte in die andere Richtung kommen. Was nun? Absturz? Tank leer? Nach dieser Schrecksekunde fing sich das Flugzeug und gleitete Richtung Boden. Ein leichter Blick aus dem Fenster zeigte, dass Ziel war nah! Das Flugzeug setzte auf. Quietschend setzten die Reifen auf der Landepiste auf. Die Bremsklappen wurden ausgefahren und das Flugzeug verlangsamte sich. Tat es doch,- oder?

Es wurde langsamer! „Halleluja, Sabine, wir sind auf der Erde.“ Sie sah ihn erleichtert an. Ein Freudentanz wäre bei dieser Air Line wohl angebracht. Feuerwerk, Konfetti, Luftschlangen und ausgelassenes Feiern. Nur war die Gruppe gerade in einem der gefährlichsten Länder der Welt gelandet und die nächsten Zehn Monate würden alles andere als ein Kinderkarussell werden.

Die Boeing 707 hatte ihre Arbeit gut gemacht und kam am Flughafengebäude zum stehen. Durchatmen. Das Handgepäck aus dem Fach heraus nehmen und die Gangway runter. Der erste Atemzug in Kabul ging durch die Lunge. Man roch den Staub, Müll und die doch dünnere Luft als in Deutschland, tat in der Lunge weh.

Die Blicke gingen gleich nach links und rechts. Wo man auch hinschaute Panzer und Militärfahrzeuge. Im Flughafengebäude war es recht ruhig. Es wurde bald dunkel und die Bundeswehr oder US Armee flogen um diese Zeit nicht mehr aus Kabul raus. Die kleine Internationale Gruppe ging Richtung der Gepäckausgabe und nahm auf den Sitzen, an denen der Zahn der Zeit auch schon seit mehr als 40 Jahren genagt hatte, platz.

Hannes sah Marco Rossi auf ihn zu kommen. Er war beim letzten Einsatz Leiter des Hotels in Kundus. Marco kam aus Italien, heiratete Tamina, einer Frau aus Afghanistan, sie war nun Fünfunddreißig Jahre. Die beiden hatten zwei Kinder. Eine Tochter, Yesmina elf Jahre und ein Sohn Eliam sechs Jahre alt. Marco war drei Jahre älter als seine Frau. Konnte super gutes dari und paschtu, lebt sein drei Jahren in Afghanistan. Marco ist Dolmetscher, Verwalter und der Chef von dem Hotel dass die nächsten Zehn Monate die Herberge des Teams sein wird.

Marco hatte eine typische Italienische Art an sich, freundlich und immer am lachen. Hatte aber auch ein Temperament wie ein Stier. Dies hatte offensichtlich von seiner Frau abgefärbt. Tamina konnte ihre Meinung gegenüber jedem durchsetzen! In der Asiatisch,- Orientalischen Welt, ist ein solches Verhalten für Frauen sehr ungewöhnlich, dies lag bestimmt auch an ihrer Jugend. Tamina wuchs in verschiedenen Ländern der Welt auf.

Das Gepäck kam, wie auch eine ansehnliche Palette an Bierdosen, die die Männer in der “Area51“ gekauft hatten. Durch ein gutes Trinkgeld an das Bodenpersonal in Termez gab es keine Probleme diese zusätzliche Luftfracht mitzunehmen. Marco musste zu einigen Sicherheitsbeamten gehen, damit der Fahrer mit dem Toyota Kleinbus an das Flughafengebäude fahren durfte, um die Palette Bier einzuladen. Die Blicke einiger Leute und Sicherheitsmänner war der Gruppe gewiss.

Als alles in dem Bus, verstaut war, ging es los Richtung Kabul City. Vom Flughafen aus ging es auf die Tajikan Road nach ca. 8 Kilometer fuhr der Bus auf die AH 76, die Solang Road. An der Universität vorbei um dann am Kabul Zoo links ab auf die Darulaman Road zu fahren. Im Stadtteil Ayub Khan Mena war nun die Aufenthaltsadresse für die nächsten Monate. Nach dieser schier endlosen Fahrt, im Verkehrschaos von Kabul, sah Hannes schon die hundertachtzig Meter lange und dreieinhalb Meter Hohe Mauer von dem Hotel und seine vier Neugeplanten Mauertürme mit Zinnen. Die nach außen öffnende Schießscharte zur Vergrößerung des Angriffsgebietes, aus Stahlbleche, wurden in der Mauer sehr gut kaschierten, In verschiedenen Höhen wurden diese Verteidigungsform auf die Zweihundertfünzig Meter lange Mauer eingebaut. Hannes wusste, wo sie waren, sonst hätte er diese nicht gesehen. Diese Bauart war mit Sicherheit eine Besonderheit in Afghanistan. Nach Einhundertdreißg Meter kam die Toreinfahrt. Links und rechst von dem Tor waren kleine Gebäude, die eineinhalb Meter aus der Mauer ragten und mit Panzerglas versehen waren. Die Wache öffnete das Vier Meter breite und dreieinhalb Meter hohe Stahltor. Der Bus fuhr in den Innenhof der Anlage. Das Auge sah einen Park von der Größe von über vier Fußballfelder. Rasen, Blumenbeete, Weiden, Pappeln und Dattelbäume standen links und rechts von einem vier Meter breiten Betonweg, der in einem großen Oval durch das Gelände zum Hotel und wieder zum Ausgang führte. In der links Kurve ging rechts ein neuer Betonweg ab zur Neugebauten Werkstatt. Dieses Gebäude wurde im gleichen Stil errichtet wie das Hotel. Alles sehr nobel.

Nun sah Hannes das fertige Hotel. Es war in Ocker und gebratenem Umbra gestrichen. Die Rundbögen an der überdachten Veranda hatten blaues Mosaik bekommen. Links vom Eingang war ein dreistöckiger Springbrunnen in der Form eines Achtecks. Der Brunnen hatte gleiche Farbe und Mosaik wie das Hotel. In den Ecken von dem Brunnen standen kleinere Bäume und Büsche. Was für eine Oase in all dieser Tristesse, jenseits der Mauer.

Das Gebäude war vor zwanzig Jahren schon ein sehr schönes Hotel gewesen. Stand die letzten drei Jahre leer und wurde nun sehr stark renoviert und modernisiert. Lediglich die Farbe an der hohen Außenseite der Mauer war verblasst und hatte den Charme einer brach liegende Fabrikhalle.

Dies sollte auch weiterhin so bleiben, denn Unauffälligkeit war das höchste Gebot.

Halim, einer der vier Hausmeister vom Hotel, hatte auf der Veranda einen kleinen Tisch mit frischem Arabischen Tee, Melonen, Feigen und Datteln für die Neuankömmlinge bereit gestellt.

Dieser Tee! Hannes roch an dem kleinen Glas und Inhaliert diesen Duft. Und nein, er dachte nicht an Hagebuttentee aus dem Kindergarten.

Der Fahrer und Halim fingen schon gleich mit dem Ausladen der Koffer von dem Kleinbus an. Mit dem Glas Tee schaute Hannes auf den Springbrunnen und Park. „Hat sich in dem letzten drei Monate sehr viel verändert.“ „Ja, war viel Arbeit. Deine doppelte Sicherung der Mauer wurde sehr gut kaschiert.“ „Stimmt. Wie Blumen, Büsche, Sträucher und Bäume Beton verändern können. Habt ihr gut gemacht.“

Hannes betrat die Halle des Hotels. „Wow! Marco, dass ist edel! Auf deinen Fotos kam das alles nicht so rüber. Kundus war schon schön, dies hier ist kein Vergleich! Ich gehe mal davon aus, die Veranda Springbrunnen und Veränderung vom Park trägt die Handschrift von Tamina.“ „Ja, Tamina ließ viele neue Sträucher und Bäume pflanzen.“ Aus einem Seitenflügel hinter der Rezeption, war das Büro von Marco. Tamina kam um die halb Runde, in dunklen Holz gehaltenen Theke auf die Gruppe zu. Sie war eine wunderschöne Frau. Groß, schlank, pechschwarze Haare bis zur Hüfte. Ein schmales Gesicht und Augen von einem braun, die ihre Schönheit noch um so vieles erhöhten. Tamina trug ein grünes Minikleid mit Stickereien in dunkelgrün und silbernen Streifen, an Taille, Bauch und Rücken waren im gleichen Grün Transparenten Elementen eingearbeitet. In diesem Kleid sah sie aus wie ein Model auf einer Modenschau in Mailand, Paris oder New York.

Sie begrüßt die Gruppe auf Englisch, Französisch und Deutsch. Tamina war die Tochter eines Afghanischen Diplomaten, daher war sie auf internationalen Schulen gewesen. Konnte fünf Sprachen fließend sprechen. In Australien hatte sie ihr Diplom in Wirtschaftswissenschaft gemacht. Sie nahm Hannes ihn die Arme. „Schön, dass du da bist. Du siehst traurig aus.“ „Sieht man das?“ „Sehr Offensichtlich. Lass deine Trauer aus dem Herzen.“ Sie streichelte ihm die Wange.

Es dauert auch nicht lange da kam Eliam, der Sohn von Tamina und Marco um die Ecke. Das Team kannte er noch von dem letzten Einsatz in Kundus. Bei Sabine stockt dem kleinen den Atem. Hellblonde, lange Haare hat der kleine noch nicht gesehen. Von Sabine war er nach 20 Sekunden schon begeistert. Yesmina, die Tochter der beiden kam aus der Küche, sie hat Gebäck auf einem großen silbernen Teller. Yesmina war die hundert prozentige Kopie von ihrer Mutter.

Die Gruppe ging in den kleinen Speisesaal, dort war eine Tafel mit Essen in allen Farben und Gerüche. Nudeln, Lamm und Rindfleisch, gebackene Auberginen mit Joghurt, Fladenbrot und unglaublich viel Gemüse.

An diesem Abend wurde viel gelacht und gegessen. Die Strapazen der letzten 36 Stunden waren wie weg geblasen. Es wurde auf Deutsch, Englisch, Französisch und Dari gesprochen. Hannes beobachte diese Internationale Runde an dem Tisch und dachte, so ähnlich musste es auch beim Turmbau zu Babel gewesen sein. An diesem Tisch saßen so viele Menschen aus den Unterschiedlichsten Länder, Kulturen und Religionen. Lachten, aßen und tranken zusammen. Warum konnte diese Welt nicht etwas von diesem Abend annehmen? Für ein paar Stunden vergaßen alle, dass sie an einem der Gefählichten Ort der Welt waren.

Es wurde sehr spät und so langsam wollte jeder nur noch ins Bett. Tamina und Marco führte die Gruppe zu ihren Zimmer im zweiten und dritten Stock. Hannes betrat sein Zimmer im zweiten Stock. schaut sich kurz um und dachte, was für ein Luxus. Heute war ihm dies alles egal. Er wollte nur noch schlafen.

Am Donnerstag, 11. Januar um 9.00 Uhr waren alle im Frühstückssaal. Marco hatte einige Ordner vor sich liegen und las mal in dem einen, dann in dem anderen. Nach dem Frühstück trafen sich Marco, Marcel, Hannes und Oliver im Innenhof. Sabine und Emily joggten in dem großen Park. Marco gab den fünfzehn Bauarbeiter Anweisungen, was noch und wie gemacht werden sollte.

Die Mauer um das Hotel war dreieinhalb Meter hoch und schon so verstärkt, wie Hannes dies von Anfang an wollte. Die zwei Wachhäuser am Tor, ragten auf dieser Seite der Mauer drei Meter ins Gelände und hatten hinter eben jener Mauer, eine breite von fünf Meter. Der Wehrgang über die gesamte Länge der Mauer war noch nicht ganz fertig gebaut. „Wie findest du deine Wachtürme?“ „Gut. Sehr gut. Es macht wenig Sinn, wenn die Wachmänner hinter Panzerglas sitzen und sich nicht wehren können.“ „Auf diese Idee muss man erst einmal kommen.“ „Marco, nicht alles am Mittelalter war schlecht. Die Zinnen auf dem Dach vom Hotel passen auch gut in das gesamte Bild der Anlage. Ich wollte eigentlich die Werkstatt in der Mitte von dem Gelände als eine Art Burgfried haben, konnte mich aber in der Chefetage mit diesem Vorschlag nicht durchsetzen. Malcolm meinte, dies würde nicht in das Bild von dem Hotel passen. Nun hab ich ihn umgangen, ohne das er es weiß.“ „Wie du mit Malcolm umspringst, ist schon unglaublich! Andere ziehen den Kopf ein, wenn er nur, Guten Tag, sagt. Du gibst ihm ständig contra.“ „Soll er es doch selber machen. Kann er nicht. Also sage ich ihm meine Meinung und habe in fast allen Punkten recht.“ „Daher sollst du ja auch in die Chefetage nach Fort Lee kommen.“ Hannes blieb abrupt stehen. Marco schaute ihn verwundert an. „Ist dies schon bis nach Kabul gelangt?“ „Was ist daran falsch?“ „Ich war in der Zentrale. Marco, dass ist nicht meine Welt. Dies weiß auch Malcolm, trotzdem fängt er jedes mal wieder damit an. Er ist schon so weit, wenn er mich anruft, dies über die Zentrale macht. Er weiß das ich bei seiner Nummer nicht ans Telefon gehe.“ Marco schüttelte den Kopf. „Es gibt Teamleiter, die würden ihren Urenkel noch erzählen, dass Direktor Malcolm Evans sie angerufen hatte, und du gehst nicht ans Telefon! Dieses Rückgrat muss man erst einmal haben! Dafür hast du deine zweite Verteidigungsanlage ja doch aufgebaut.“ Marco grinste ihn an. „Mein Konzept ist eine Anlehnung an die Festung Ehrenbreitsein. Das Ravelin Kalt und Trostlos, dahinter chic und pompös.“ Das Tor hatte Hannes am Vortag schon erwähnt, sei ein großes Problem. Dies könnte bei einer Detonation in den Innenhof geschleudert werden und Menschen verletzen oder gar töten. Zumal wäre es dann der ungehinderte Eingang für Terroristen. Sein Job war es, dieses Areal so sicher wie möglich zu machen, um die Sicherheit aller Personen auf dem Gebäude zu gewährleisten. Die Aufgabe mit dem Tor musste Oliver lösen. Er musste eine Konstruktion bauen, das das Tor aufgeht und trotzdem so sicher war, wie Hannes es forderte.

Seinen Arbeitsplatz hat Hannes schon Begutachtet, er war im Erdgeschoss gleich neben der großen Halle. Zwei Räume von je Fünfzig Quadratmeter mussten komplett mit Rechnern, Surfer, Tafeln, Karten, Monitore, jede Menge Tische und Stühle eingerichtet werden. Ein Berg an Interieur stand schon in den Räumen. Samuel war mit fünf Helfer in den zwei Büros beschäftigt. Hannes brauchte bald seinen Arbeitsplatz.

Nach zwei Stunden Begutachtung des Hauses, ging er durch den Park zur Neugebauten Werkstatt. Drei Rolltore hatte dieses zweistöckige Gebäude. Mit den Zinnen und seinen zwei Ecktürme an dem Seiten, sah das Gebäude wirklich nicht wie eine Werkstatt aus, eher wie eine kleine schnucklige Burg mit Rolltoren. Die Tankstelle waren zwei gewöhnliche Zapfsäulen, standen am Anfang des großen Vorplatz der Werkstatt in fünfundzwanzig Meter Entfernung. Mit einem viereinhalb Meter hohen Wachturm umbaut, der im gleichen Stil wie alle Gebäude auf diesem riesigen Areal war. Quasi ein Burgfried. So hatte er doch noch seinen Wunsch nach einer Verteidigung bekommen, ohne das dies der Chefetage in den USA bewusst war. Hannes wollte schon gleich zu Beginn der Bauarbeiten zwei Erdtanks für 10000 Liter Diesel und einen 5000 Liter Tank für Benzin auf dem Gelände haben. Was in der Erde ist, konnte nicht beschossen werden. „Eine solche Werkstatt hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen! Sehr sehr nobel. Du könntest auch als Architekt arbeiten. Denk mal darüber nach. Du hast sogar an eine Rampe gedacht.“ „Oliver, wie soll man Fahrzeuge aus einem Container bekommen, der auf einem Lkw steht? Daher die Rampe. Die kann auch gleich als zweite Arbeitsbühne benutzt werden.“

Marcel, Oliver und sieben Helfer waren schon am Organisieren der Werkstatt. Zwei Hydraulische Hebebühnen, wie auch eine Kranbahn zum heben von bis zu 5 Tonnen waren in der Werkstatt montiert. Sogar ein Gabelstapler gehörte zur Werkstatt. Alles andere musste noch eingerichtet werden. Schränke, Werkbänke, Maschinen, Schweißgeräte, ein Lager für Öle aller Art und alles was man für die Instandsetzung von dem Fuhrpark brauchte.

Noch war der Fuhrpark mit acht Toyota Quantum Kleinbusse, die jeweils Zehn Person befördern konnten, vier Range Rover Discovery und zwei Range Rover Armoured überschaubar.

In vier bis sechs Wochen sollte der komplette Fuhrpark in Kabul eingetroffen sein. Dann wären es dreißig Fahrzeuge, die zu dem Hotel gehörten. Alle Fahrzeuge wurden in England gepanzert, mit jeglicher Kommunikation, GPS Ortung und Sicherheitsrelevanten Systemen eingerichtet. Viel stärkere Motoren, Getriebe und Achsen wurden verbaut. Der Armoured, den Hannes bekam kostete fast eine halbe Million Euro und hatte eine Panzerung der Klasse B6.

Die gängigen Schutzklassen reichen von B2 bis B7. Das heißt: Bei einer B6 Panzerung sind die Insassen gegen Beschuss mit einer Kalaschnikow AK 47 geschützt. Der typischen Terroristenwaffe. Wenn einen 15-Kilo-Sprengsatz in drei Meter Entfernung zünden sollte, würden dies die Insassen überleben. Die Kevlarplatte in der Bodenkarosserie hält Granatsplitter ab und auch die vierlagigen Panzerglas – Seitenscheiben gaben den Fahrzeugen sehr viel Sicherheit. Mit den Spezialreifen vom Good Year, mit verstärkten Flanken, konnte selbst bei zerschossenem Zustand noch 80 km/h schnell gefahren werden. Die Motorleistung des aufgeladenen V8 Motoren in dem Armoured lag auf dem Prüfstand bei 578 PS und schuf einen unglaublichen Vortrieb für dieses Auto, dass immerhin 4,25 Tonnen wogen, ganz locker. Ein Porsche 911 GTS hat 128 PS weniger.

Die Toyotas Quantum Kleinbusse waren auch alle schwarz mit getönten Scheiben und hatten eine Panzerung die der Klasse B4 entsprach. Also wie Geldtransporter Fahrzeuge. Die Motorleistung wurde von 150 PS in Serie auf 250 PS erhöht.

Hannes stand mit dem Geovid Hochleistungs-Fernglas auf dem Dach des sechsten Stockwerk vom Hotel und hatte einen guten Weitblick. Er sah sich die Umgebung genau an. 34° 31′ 59.529″ Nord, 69° 10′ 0.379″ Ost, war der Punkt auf der Welt, an dem er in diesem Augenblick stand und eine Zigarette rauchte. Die exakte Höhe über dem Meeresspiegel war 1854,13 Meter. All dies zeigte im dieses Fernglas an. Jedes Gebäude im Umkreis von eineinhalb Kilometer schaute er sich an. Er erkannte mit diesem Fernglas, mit seinem Laserentfernungsmesser, selbst bei 1800 Meter noch das Fernsehprogramm in den Häuser.

Sabine kam auf das Dach. Schaute sich die Umgebung an und sagte leise „So habe ich mir es nie vorgestellt. Es ist alles irgendwie grau hier. Grün und bunt ist nur der Park hinter diesen Mauern. Dieses Hotel ist der wahre Luxus.“ „Ich war vor einem Jahr das erste mal hier gewesen, da sah es noch nicht so aus. Dann nochmals, als ich nach Europa zurück flog. In den drei Monaten hat sich hier sehr viel getan.“ „Darf ich mal durch das Fernglas schauen?“ Er reichte ihr das Hochleistungs- Fernglas. „Wie kannst du dich bei diesen ganzen Zahlen konzentrieren?“ „Gewohnheit.“

Die Stadt lag in einem Dunst von Abgasen, Gestank, Lärm, Chaos und Zerstörung. Ein Land das nun schon fast 30 Jahre Krieg hatte und einfach nicht zur Ruhe kam.

„Wie können Menschen hier leben, in all dem Chaos und der täglichen Angst?“ „Wo sollten sie den hin? Umliegende Staaten sind auch nicht besser. Ohne Geld ist eine Flucht oder Neuanfang nicht möglich.“

Sabine fragt nach den Mitglieder aus dem Team. „Marcel, Samuel und Oliver sind Fahrer, Logistik Operater und Personenschützer, haben Waffen und Nahkampfausbildungen beim Militär oder in der Legion hinter sich. Sie werden als Personenschützer für die Journalisten, Regierungsbeamte oder Mitarbeiter von Ausländischen Firmen eingesetzt. Bei diesem Einsatz aber Hauptsächlich mich im Hotel unterstützen. Wir müssen einen Fuhrpark, Sicherheitsplan und komplette Logistik aufbauen, da kann ich nicht mit Anfängern arbeiten. Es kommen noch bis zu achzig Männer und Frauen hier in das Hotel als Personenschützer. Natürlich bleiben die nicht alle hier. Zwei Logistiker gehen nach Kunduz und vier Personenschützer Teams auch. In Kundus ist das erste Hotel von uns. Dies ist nur ein viertel von dem hier. Dort hatte ich zwei Mitarbeiter zur Unterstützung, hier werden es zwölf sein! In Kundus hatten wir neun Fahrzeuge, hier werden es über dreißig sein und ein Flugzeug.“ „Ein Flugzeug? Das war kein Scherz?“ „Nein, war kein Scherz. Afghanistan, ist mit 652.225 Quadratkilometern nahezu doppelt so groß wie Deutschland, erstreckt sich vom 61. bis zum 74. östlichen Längengrad und vom 29. bis zum 38. nördlichen Breitengrad. Maximal dehnt sich das Land 1.550 km von Südwesten nach Nordosten, darunter der 300 km lange Wakhan-Zipfel zur chinesischen Grenze, und 850 km von Nordosten nach Südwesten aus. All diese Entfernungen sind mit dem Auto in kürzester Zeit gar nicht machbar. Zu schlecht die Straßen, zu chaotisch der Verkehr und viele Wege durch Sprengfallen zu gefährlich. Dann müssten Journalisten so schnell wie möglich an jeden Ort in Afghanistan gebracht werden. Daher auch die Stationierung von Teams in anderen Städten, um dort deren Sicherheit zu gewährleisten. Hier wird die Zentrale für Afghanistan entstehen, daher auch dieser Luxus im Hotel. Nun aber zurück zu deiner Frage. Samuel ist ein Technik Freak und Spezialist für alles was ein Kabel hat. Ist ein Waffennarr und Scharfschütze paux excellence. Was er im Fadenkreuz hat, lebt nicht mehr lange. Ein Kämpfer der kein Limit kennt. War jahrelang in den Französischen Überseegebiete im Einsatz. Ist zweifacher Familienvater und glaubt an Gott. Samuel wird die komplette Kommunikation im Hotel aufbauen. Wenn du dich umdrehst siehst du die Satelliten Anlagen. Wir können und werden mit nur allen Erdenklichen Nachrichtendiensten dieser Welt kommunizieren“ „Wow. Dann ist Samuel so, wie der Mann im Computer Laden um die Ecke.“ Hannes lachte. „So ähnlich. Nur installiert er dir auf deinem Laptop Dinge, mit denen du an Geheimakten von der CIA, FSB in Russland oder Mossad heran kommen könntest. Es gibt kein Computersystem auf dieser Welt, wo er sich nicht einloggen kann.“ „Also wenn mein Laptop spinnt, kann ich zu Samuel.“ „Ja. Marcel war bei einer Elitetruppe der Fremdenlegion. Im Bosnien Krieg hatte er als Scharfschütze Abschussprämie bekommen.“ „Was für ein Tier! Mit so jemand lebe ich unter einem Dach!“ Sagte Sabine ganz empört. „Warte, bis du urteilst! Als im Bosnien Krieg gezielt auf Kinder und Frauen geschossen wurde, suchte er monatelang den Verantwortlichen Oberst und schoss ihm das Hirn weg.“ „Mein Gott!“ „Durch ihn konnten vier weitere Kriegsverbrecher nach Den Haag überstellt werden. Bei zwei anderen war Marcel selbst der Richter. Aus über 1800 Meter Entfernung erschoss er die Männer…“ Sabine nahm hörbar Luft ,,…Im Kongo sah Marcel zufällig eine Massenvergewaltigung an Kinder und Frauen. Ein Dutzend Männer waren innerhalb einer Minute nicht mehr am Leben. Erschossen oder mit bloßer Hand umgebracht. Marcel ist ein Eiskalter Killer, geht es an Kinder, Frauen und Zivilisten, kennt er keine Gnade. Zwei Leibwächter von Kabila hatte er getötet. An Kabila kam er nicht ran! Ja, Marcel hätte die Geschichte im Kongo verändern können!“ Sabine schaute Hannes mit offenem Mund an „…Er ist ein Einzelgänger. Nach dem Vorfall im Kongo, hat er die Seiten gewechselt und kämpft nun für das „Gute“. Ist er dein Freund, brauchst du dich vor niemanden mehr zu fürchten. Du kannst ihm blind vertraue, ich tue es! Marcel ist wohl der beste Scharfschütze auf diesem Planeten, trotzdem weint er bei Zeichentrickfilme.“ „Wow!….Was?“ „Ja, ein Killer mit einem weichen Herz. Passt nicht zusammen, ist aber so! Er mag jetzt auf dich Reserviert und Kühl wirken, in seinem Herzen ist er ein wunderbarer Mensch. Du wirst ihn mit der Zeit noch kennen lernen. Mach ihm eine Freude und spielt Billard mit ihm. Ich habe keine Chance gegen ihn. Oliver hat eine unglaubliche Beobachtungsgabe. Wenn morgen der Blumentopf Zehn Zentimeter an einer anderen Stelle steht, sieht er das. Er war bei der KSK der Bundeswehr. Brauchte neue Aufgaben und kam zu unserem Arbeitgeber. Baut alles zusammen was kaputt ist und es funktioniert wieder. Er ist ein unglaublich guter Autofahrer der ein Fahrzeug bis ans absolute Limit bewegen kann. Würde mal sagen, Oliver ist der Walter Röhrl von der Security. Kann sehr gut schießen und wird mich in der Koordination und Logistik unterstützen.“ „Aha…“ „Emily ist Ärztin, Chirurgin und Hochintelligent. War in Kriegsgebieten auf der halben Welt und oft an der Front. Hat viel erlebt und kann auch unter Beschuss sehr konzentriert arbeiten. Kann unglaublich schnell denken und handeln. Ich kenne sie aus dem Sudan, dort war sie bei Médecins Sans Frontières. Ich brachte sie bei uns in die Firma. Sie soll für die Versorgung der Gäste da sein und natürlich sich auch um uns kümmern. Es ist ein gutes Gefühl, wenn eine so gute Ärztin im Team ist. Sie wird bei diesem Einsatz auch die Leitung der Krankenstation haben. Es kommen bald noch ein Arzt, Dr. Denzel Scott, den ich nur von der Personalakte her kenne. Genau so zwei Pfleger, Deacon Keiman und Cole Rehling. Laut Akte muss Keiman einiges drauf haben. Die zwei Krankenschwestern die noch noch kommen, kenne ich auch aus dem Sudan. Emily brachte sie zu uns. Sind nun seit vier Jahren bei uns in der Firma. Franica Culverwell war Leistungssportlerin in Leichtathletik und sogar im Olympia Team der USA. Dann die verrückte Haylie Mc Farland. Wenn du sie mal nicht verstehen solltest, dann redet sie gälisch. Sie kommt aus Schottland. Ich nenne sie Bonnie Banks. Franica, wie auch Haylie waren lange Jahre ich Westafrika. Sind zwei sehr erfahren Frauen und können auch im Op Bereich arbeiten.“ „Wow, mir fehlen echt die Worte.“ „Chris ist Bauingenieur für Anlagen und Brunnenbau. Hat zwar nicht mit dem Team zu tun, arbeitet hin und wieder auch für unsere Firma. Ich kenne ihn schon seit Mitte der 90er. Er betreut Projekt die von der Weltbank finanziert werden in Kolumbien, Mexiko, China, Malaysia, Philippinen, Sudan und was weiß ich nicht noch wo. Marco hat ein Projekt mit der Afghanischen Regierung geplant, dass die Wasserversorgung in Kabul verbessert werden sollte. Um was es bei dem Projekt genau geht weiß ich nicht. Da musst du ihn schon selbst fragen. Stacey ist seine Frau. Sie ist freie Journalistin und fast überall dabei wo auch er ist. Macht Beiträge für fast alle Medien-Anstalten dieser Welt. Hat auch schon einen Pulitzerpreis bekommen. Beide haben vor Jahren ihr Kind in Pakistan verloren. Tragische Geschichte.“ Sabine konnte ihr Entsetzen nicht verbergen „…Marco ist Italiener und der Direktor in diesem Haus. Er ist zuständig für den ganzen Betrieb und Organisation rund um dieses Haus und unterstützt mich wie er kann. Er war früher Projektleiter in vielen Länder dieser Welt. In Chile, Ghana, Südafrika, Pakistan, Iran, Malaysia. Immer unterwegs. Kann auch so einige Sprachen. Deutsch ist auch kein Problem für ihn. Vor zwölf Jahren hatte er Tamina in Malaysia kennengelernt. Die zwei haben geheiratet, waren in vielen Ländern zusammen gewesen und nun seit drei Jahren in Afghanistan. Tamina ist Afghanin. Ihr Vater war oder ist Diplomat. Sie war auf internationalen Schulen in vielen Ländern. Kann fünf Sprachen fließend, darunter auch Deutsch. Hat ein Diplom in Wirtschaftswissenschaft in Australien gemacht. Im Hotel ist sie die Direktorin, Dolmetscherin und wird mich in der Koordinierung unterstützen. Am Ende des Jahres werden beide nach Malaysia gehen, aus Sicherheit für die Kinder.“ „Alles Weltenbummler. Und ich dachte eine Fahrt nach Berlin wäre cool.“ „Wir sind jetzt noch ein kleines Team, wird sich noch etwas vergrößern. Da wir quasi nur für den Aufbau von dem Haus hier sind, brauche ich noch kein großes Team. Dafür habe ich aber das Beste! Ich bin bei diesem Einsatz der Sicherheitschef für Afghanistan, wobei ich dies nie so sehe. Mein Wort ist nicht absolut. Ich höre mir jeden Vorschlag, jede Idee oder jeden Einwand an.“ Sabine trank ihren Tee aus und hörte weiter aufmerksam zu. „…Als ich vor einem viertel Jahr die Liste der Personen für diesen Einsatz bekam, legte ich bei vier Personen mein Veto ein. Du warst Nummer vier.“ Sabine schaute ganz entsetzt und fragte nach dem Grund. „Ich las deine Personalakte, deine Bewerbung, dein Lebenslauf. Alles Top, super Noten, tolle Einstellung. Trotzdem wollte ich nicht, dass du hier her kommst. Hatte Stundenlang über mehrere Tage mit der Gebietsleiterin für Asien telefoniert, war deinetwegen sogar in die USA geflogen.“ „Was ist falsch an mir?“ „Nichts! Es ist dein Aussehen!“ Sabine sah ihn fragend an „…Meiner große Liebe siehst du verdammt ähnlich. Ich komme bis jetzt über ihren Tod nicht hinweg…“ Regungslos sah sie ihn an „…Zum zweiten, es ist dein erster Einsatz und der gleich in einem der gefährlichsten Länder der Welt. Dafür habe ich Marcel und Samuel bekommen…“ Hannes zündete sich eine Zigarette an „…Hattie, die Gebietsleiterin für Asien und Südostasien, ließ sich nicht davon abbringen das dies das Beste Team für deinen Einstand sei. Ich bin der einzige Teamleiter oder Chef, in der Firma, der sich sein Team komplett selbst aussuchen kann…“ Hannes blies den Rauch aus „…Also, du bist nun an einem der gefährlichsten Orte der Welt, mit den besten Scharfschützen, den besten Ärzten und Leuten mit unglaublich viel Erfahrung. Dir wird nichts passieren das verspreche ich dir! Wir werden zehn Monate hier bleiben. Wenn du es so lange nicht aushältst oder du an deine Grenzen kommst, sag sofort Bescheid. Es ist keine Schande, wenn du den Einsatz abbrichst. Ich baue Menschen auf und will sie nicht zerstören! Was auch immer ein jeder hat, es ist wichtig das darüber gesprochen wird. Du hast Glück, dass dein erster Einsatz mit diesen Leuten ist. Ich kenne alle schon aus anderen Einsätzen, zum Teil schon seit Jahren, es sind alles liebenswürdige Menschen. Es sind die Besten!“ Sabine drückte Hannes einen Kuss auf die Wange und sagte „Danke Chef.“

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