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The Last Bus

Foto: privat

„Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“ Im Original heißt der Film „The Last Bus“

Als erstes möchte ich mich bei Andreas Lauer bedanken, dass er diesen Film außerhalb des regulären Programms laufen ließ.
Als ich gestern das Programm in meinem Lieblingskino sah, wusste ich, dass ich heute ins Kino gehen würde.

Nun möchte ich über einen Film schreiben, der im August 2021 in die Kinos kam.
Timothy Leonard Spall spielt die Rolle des 90-jähring Tom grandios und wurde zurecht für diese Rolle ausgezeichnet.

Dieses Drama ist ein Roadmovie zurück in der Zeit von Tom und Mary. Die Bilder von den Schottische Highland sind grandios.
Der Film beginnt im Jahre 1952 als sich Tom und Mary auf den Weg machten. Die Einstellung zeigt ein junges Paar auf einer Bank an einer Bushaltestelle. In den nördlichsten Highlands angekommen, beziehen sie ein kleines Haus.
Bis zu diesem Zeitpunkt wird kaum etwas gesprochen. Bilder bewegen die Momente. Immer wieder kommen Rückblicke ins Jahr 1950.

Man fühlt die Einsamkeit von Tom und Mary durch die Bilder und wartet auf eine Klärung. Die Bilder sind wieder im hier und man ist gebannt wie es weiter geht.

Tom sitzt im Haus, wo viele Kartons stehen und er hat eine Landkarte und ein altes Heftchen mit der Reisroute vor sich. Von den nördlichsten Highlands geht es an die südwestliche Spitze von England – 1349 Kilometer.
Tom ist bereit für seine letze Reise.

Mit dem ersten Bus fährt los und hält seinen alten abgetragenen Koffer fest.
Tom fährt die gleiche Stecke wie einst 1952 und schläft in den gleichen Herbergen.
Wieder kommen Rückblenden und man sieht ein Kleinkind. Das perfekte Eheleben.

An einer Bushaltestelle wird ihm sein heiliger Koffer geklaut und er sucht die Diebin. Als er sie gefunden hat, gibt er ihr Geld, damit sie ihm seinen Koffer zurück gibt.

Im Bus schläft Tom ein und verpasst seine Haltestelle. Zu Fuß macht er sich vom Bus-Depot auf den Weg. Spät am Abend und in einer tristen Gegend wird er von einem Ehepaar gefunden, die Tom mit zu sich nach Hause nimmt und erlebt Fürsorge.

Am Morgen macht er sich wieder auf den Weg, denn er hat keine Zeit zu verlieren.
Ein Busfahrer nimmt es zu genau mit seinem Freifahrtticket, denn dies würde in England „in der Zivilisation“ nicht gelten. Tom hatte eine Freikarte für Schottland. Der Protest der Fahrgäste änderte nichts an dem unterschwelligen Hass des Busfahrers an dem Schotten und warf ihn im Niemandsland aus dem Bus.

Ein Transponder mit Migranten aus der Ukrainer hielt an und nahm Tom mit auf eine Familienfeier. Zu seinem Erstaunen war Tom bei den Leuten bekannt.

In einem Bus bei Glasgow bot ihm eine Muslima ihren Platz an. Tom wollte stehen bleiben. Ein Mann pöbelte die Muslima an und Tom bat den Mann auszusteigen. Die Fahrgäste verhielten sich ruhig und sahen die Streitigkeiten zwischen dem Mann, der Muslima und Tom. Irgendwann zeigten alle Fahrgäste Zivilcourage und forderten den Mann auf, den Bus zu verlassen.
No chance for racism.

An einem Abend saß Tom auf einer Bank und war in mitten zweier feiernden Gruppen von Frauen und Männer. Sie sagen Schöachtrufe für ihre Sportmannschaft. Ein älter Herr setzte sich zu Tom und er sie kamen ins Gespräch. Die Frauen forderten die „Opas“ auf zu singen.


Amazing grace how sweet the sound
That saved a wretch like me
I once was lost, but now I’m found
Was blind but now I see

‚Twas grace that taught my heart to fear
And grace my fears relieved
How precious did that grace appear
The hour I first believed

Through many dangers, toils, and snares
I have already come
This grace that brought me safe thus far
And grace will lead me home

Sang Tom und alles war still.

Tom’s Fahrt ging immer weiter mit dem Ziel: Land’s End
Die Rückblenden schaffen es immer wieder die Spannung zu halten, auch wenn es mal skurrile Szenen gibt, wo Schafe im Bus mitfahren.
Durch Social Medea tauchen von Tom immer wieder neue Videos oder Fotos im Netz auf – von denen er natürlich nichts weiß.
Nach einem Busunfall findet sich Tom in einem Krankenhaus wieder. Auf eigene Faust verlässt er das Krankenhaus. Ein Arzt eilt ihm nach und bittet ihn im Krankenhaus zu bleiben. Tom hat keine Zeit zu verlieren und möchte sein Ziel erreichen.

Einblendung von einem Friedhof und die schwerfälligen Schritte von Tom lassen erahnen wo er hin möchte.
Am Grab öffnet er seinen alten Koffer und stellt ein Foto in einem Rahmen auf.

Für Tom ist Land’s End noch nicht erreicht.
Auf der letzten Etappe hat der Bus eine Panne und Tomm bittet den Fahrer, dass er sich der Panne am Motor annehmen darf.

Endlich in Land’s End angekommen, erwartet Tom eine Menschentraube. Bewegende Bilder zeigen die unterschiedlichsten Menschen von Herkunft und Religion.

Tom macht sich zu Fuß auf den Weg zur Hafenmole.

Naike Juchem, 16. Oktober 2022