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Welttag der Migranten


Alan Kurdi (geb. 2012; gest. 2. September 2015 nahe Bodrum) war ein syrischer Junge kurdischer Abstammung,dessen Leichnam nach Ertrinken an der türkischen Mittelmeerküste angeschwemmt wurde; er starb im Alter von zwei Jahren.

„Liebe Brüder und Schwestern!

In der Enzyklika Fratelli tutti hatte ich eine Sorge und einen Wunsch geäußert, die weiterhin einen wichtigen Platz in meinem Herzen einnehmen: „Ist die Gesundheitskrise einmal bestanden, wäre es die schlimmste Reaktion, noch mehr in einen fieberhaften Konsumismus
und in neue Formen der egoistischen Selbsterhaltung zu verfallen. Gott gebe es, dass es am Ende nicht mehr die Anderen, sondern nur ein Wir gibt“.
So kam mir der Gedanke, die Botschaft zum 107. Welttag des Migranten und Flüchtlings unter das Motto „Auf dem Weg zu einem immer größeren Wir“ zu stellen, um auf diese Weise eine klare Perspektive für unseren gemeinsamen Weg in dieser Welt aufzuzeigen.“

Soweit die Worte von Papst Franziskus Botschaft zum 107. Welttag des Migranten und des Flüchtlings 2021.

Autorin Naike Juchem

Zu Beginn möchte ich schreiben, dass der Welttag der Migranten ein kirchlicher Gedenktag für Flüchtlinge und Migranten ist. Er wurde erstmals 1914 von Papst Benedikt XV. mit dem Dekret 
Ethnografica studia ausgerufen.

Flüchtlinge aus Syrien 2015

Es gibt den Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Seit 2015  ist der 20. Juni der Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Auch gibt es den Tag des  Flüchtlings am 1. Oktober.

Diese Tage sollen an eben jene Menschen erinnern, die wegen Krieg, Terror, Verfolgung und Klimawandel ihrer Heimat verlassen müssen. Kein Menschen fleiht ohne Grund.

Die Menschen in Deutschland oder Mitteleuropa sehen bei Migranten sofort eine Gefahr – warum überhaupt?
In Europa tobte sechs Jahre ein Krieg, der Millionen Menschen in die Flucht, Vertreibung, Deportation und sogar in den Tod trieb.
Über zwei Generationen kennen in Deutschland und in Teilen von Europa keinen Krieg und die damit verbundenen Folgen von Flucht, Vertreibung und Tod.  Trotzdem demonstrierten Menschen seit Jahren gegen Migranten und lassen ihren Hass gegen diese Menschen öffentlich aus.

Flüchtlinge an der Grenze zu Bosnien 2021

Der Begriff: Migranten, ist der der von den Menschen am häufigsten verwendet wird, um Feindseligkeit gegen diese Gruppe auszudrücken und die Einzelpersonen, auf die er sich bezieht, werden häufig nicht in der gesetzlichen oder fachspezifischen Definition dieses Begriffs gesehen.

Tatsächlich werden nur wenige oder gar keine Vorurteile gegen Ausländer /Migranten vorgebracht, die in einem Land leben und arbeiten, in dem sie sich äußerlich nicht von der Mehrheit seiner Bewohner unterscheiden, die gleiche Sprache sprechen, grob betrachtet den gleichen Lebensstil pflegen und in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber Menschen, deren Aussehen oder Lebensstil sich deutlich von der Mehrheit unterscheiden, werden häufig als Ausländer/Migranten bezeichnet – selbst wenn sie, und manchmal bereits ihre Eltern und Großeltern, in diesem Land geboren wurden und ihr Lebenlang dort gelebt und gearbeitet haben. Diese Menschen werden als Teil einer Gruppe gesehen, die rasant anwächst und oftmals als Bedrohung der Bevölkerung und deren Lebensstil betrachtet wird. Zu dieser Gruppe gehören auch Asylsuchende und Migranten, die verbreitet als Gesindel, Asyltouristen oder
Sozialschmarotzer bezeichnet werden.

Menschen aus anderen Ländern oder Religionen werden beschimpf, gejagt, geschlagen und sogar ermordet.
Man kennt diese Menschen gar nicht und  lässt seinen Hass frei heraus. 2018 brüllten Menschen in Teilen von Ostdeutschland „absaufen lassen, absaufen lassen“, über Migranten die den Weg in Freiheit und Sicherheit über das Mittelmeer nach Europa suchten. Für Menschen, die ihre fehlende Empathie öffentlich kundtun, kann man sich nur schämen.

In Städten und Dörfer in Europa wurden regelrechte Hetzjagden gegen Migranten und Flüchtlinge geführt. Menschen deren Großeltern oder Eltern selbst einen Migrationshintergrund haben, schwenken Reichs- und Nazisfahnen. Sie zeigen öffentlich den Hitlergruß und sind stolz Deutsche, Franzosen, Belgien oder was auch immer zu sein.

Die Einstellung vieler Menschen gegenüber Migranten resultiert all zu oft auf Unwissenheit und Unwahrheiten. Gerade Rechtspopulistische Parteien und Gruppierungen blasen eine Straftat oder Verbrechen von Migranten auf, um somit im kollektiv alle Migranten als Mörde, Vergewaltiger und Verbrecher hinzustellen.
Die NSU Morde, Morde und Amokläufe
von Rechtsradikalen werden selten
genannt. Es sind immer nur die anderen böse.

Am Beispiel von 9 Punkten aus der
Publikation des Europarats: Migrants and their descendants –Guide to policies for the well-being of all in pluralist societies, welche auf der Grundlage von Untersuchungen, Konferenzen und Feldforschungen in mehreren europäischen Staaten durchgeführt wurden., wurde festgestellt:

1.) Migranten führen zu einem Anstieg der Kriminalität.

Dies wird von den Medien, öffentlichen Vertretern und bestimmten „Sicherheitsexperten“ ständig wiederholt und ohne Frage von einem großen Teil der Bevölkerung unhinterfragt wie folgt akzeptiert:
– Migranten, besonders illegale Einwanderer, sind Kriminelle.
– Migranten halten sich weniger an das Gesetz als Einheimische.
– Migranten sind für einen Großteil der Verbrechen verantwortlich, die begangen werden.
– Migranten kommen in unser Land, um Verbrechen zu begehen und jetzt, da sie hier sind, sind unsere Städte und Straßen weniger sicher.

2.) Migranten bringen Krankheiten ins Land.

Auch dieser Punt wird oft angesprochen, denn die Befürworter dieser Argumente behaupten, dass illegale oder nicht erfasste Migranten und deren Kinder häufig eine schlechtere Gesundheit aufweisen als der Rest der Bevölkerung und dass bestimmte Infektions- und ansteckende Krankheiten bei Migranten häufiger vorkommen als in der einheimischen Bevölkerung und somit Migranten schuld an der Rückkehr bestimmter Krankheiten seien, die schon vor Jahrzehnten in Europa ausgerottet wurden.

3.) Migranten nehmen uns die Arbeitsplätze weg.
Solche Behauptungen sind extrem oft in der europäischen Gesellschaft verbreitet Insbesondere bei Arbeitern in Arbeitsbereichen, in denen es viele Migranten gibt. Dies gilt strenggenommen nicht nur für Migranten, sondern auch für deren Kinder, die sogenannte zweite Generation, die aufgrund ihres Aussehens, Kultur oder Familienzusammenhalts immer noch nicht als „Teil der Nation“ betrachtet werden.

4.) Migranten verursachen eine Absenkung der Löhne.
Viele Menschen, die akzeptieren, dass es keinerlei Beweise für die Behauptung gibt, Migranten und Einheimische ständen in direkter Konkurrenz um Arbeitsplätze, glauben nichtsdestotrotz die Aussage, dass Migranten durch ihre Präsenz die Löhne drücken. Diese Meinung ist besonders stark am Arbeitsplatz anzutreffen und selbst bei den Gewerkschaften – zumindest an der Basis.

5.) Migranten nutzen den Wohlfahrtsstaat aus.
Migranten und deren Familien werden beschuldigt, die Dienste zu missbrauchen, die vom Wohlfahrtsstaat auf dreierlei Weise bereitgestellt werden.
Erstens wird behauptet, sie würden die staatlichen Dienste und Hilfsangebote übermäßig und in unfairer Weise nutzen, wobei angenommen wird, dass sie einen breiteren, freieren und weniger regulierten Zugang hättenals andere Bürger.
Zweitens wird von ihnen angenommen, sie hätten Zugang zu Leistungen und Diensten, auf die sie keinen gesetzlichen Anspruch hätten, und würden damit Betrug begehen, zum Schaden der einheimischen Bevölkerung.
Drittens wird unterstellt, dass sie während ihres Aufenthaltes, von dem angenommen wird, er sei nur temporär und vor allem vom Wunsch beflügelt, vom europäischen Sozialsystem zu profitieren, mehr von der Wirtschaft profitieren als dieser nutzen.

6.) Migranten benehmen sich, als gehörte ihnen alles.
Diese Haltung ist besonders bei älteren Menschen anzutreffen, die den Eindruck haben, die Neuankömmlinge respektierten sie nicht, ihr vertrautes Leben werde erodiert und die „Migranten-Kultur und deren Lebensweise werden mehr respektiert als unsere” .

7.) Migranten gründen Parallelgesellschaften.
Migranten werden häufig als soziale und politische Gruppe beschrieben, die den Angehörigen der Gastgesellschaft fremd ist. Es wird den Fällen Aufmerksamkeit gewidmet, in denen sie sich als geschlossene und selbstgenügsame Gemeinschaft verhalten, und weniger den Fällen, in denen sie offen sind und sich um freundschaftliche Beziehungen mit Angehörigen anderer Gruppen bemühen. Typische Behauptungen sind: „die bleiben lieber unter sich”, „die wollen sich überhaupt nicht integrieren”, „die können unsere Sprache nicht sprechen” oder „die wollen doch nur Rechte, aber keine Pflichten”.
Fakt ist, dass dies nicht den Migranten zu verschulden ist, sondern der Politik.

Flüchtlingskinder in Jordanien

8.) Die Kinder der Migranten senken die Standards in unseren Schulen.
Es wird behauptet, die Kinder von Migranten schneiden in Schulen schlecht ab, weil ihre Eltern nicht über die Fähigkeiten und die Bildung verfügen, um sie ordentlich zu erziehen und werden häufig für ihre eigenen Schwierigkeiten verantwortlich gemacht.
Auch bei diesem Punkt liegt das Versagen bei den Ministerien für Bildung- und Schulwesen in den einzelnen europäischen Ländern selbst.

9.) Weibliche Migranten leben als Minderheit.
Nicht-europäische Migranten werden häufig als rückständig im Hinblick auf die Zivilisation im Allgemeinen und auf die Gleichheit von Mann und Frau im Besonderen betrachtet. Dieses Vorurteil wird vorwiegend gegen Muslime und Araber vorgebracht.
Es mag in einigen konkreten Situationen eine gewisse Wahrheit in einigen dieser Aussagen liegen. Aber bei allen handelt es sich um undifferenzierte Verallgemeinerungen und alle werden kontinuierlich in ganz Europa vorgebracht, sowohl im privaten als auch öffentlichen Diskurs. Zusammen genommen drücken sie eine tiefe und weitverbreitete Feindseligkeit gegenüber einem sehr großen Teil der Menschen aus, die in Folge alle moralisch und materiell darunter leiden werden.

Unwissenheit und Falschmeldungen
bringt Hass hervor.

Es gab und gibt in der Geschichte der Menschheit immer Manipulatoren welche  die Angst der Menschen für ihre eigene Zwecke benutzen. Das Aufkommen von Rechtspopulistische Parteien in Europa zeigt dies sehr deutlich. Mit der Angst der anderen wurde schon immer viel Geld verdient oder auch eine Machtposition erreicht. Diese ängstlichen Menschen werden massiv manipuliert und glauben alles, was man ihnen sagt.

Fazit
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, lautet der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und gilt gemäß Artikel 2 unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Religion für jeden Menschen. Leider haben einige europäischen Staaten vergessen, dass sie diese UN Erklärung unterzeichnet haben.
Wenn wir Flüchtlinge an den Grenzen von Europa vor sich hin vegetieren lassen, haben wir als Gesellschaft versagt. Wer Waffen exportiert muss damit rechnen, dass Menschen fliehen. Wer Landschaften durch Raubbau und Ressourcenabbau zerstört, muss mit Menschen rechnen, die fliehen.

Kein Mensch flieht ohne Grund

Wenn wir alle einen Schritt auf andere Menschen zugehen würden, wäre die Welt ein besser Ort für uns alle.

Naike Juchem, 16. Januar 2022

Massaker in Myanmar

Die Militärregierung in Myanmar soll Berichten zufolge ein Massaker an Dorfbewohnern verübt haben. Mehr als 30 Menschen sollen getötet und verbrannt worden sein. Zwei Mitarbeiter der Organisation „Save The Children“ werden vermisst.

In Myanmar sind laut Berichten von Menschenrechtsaktivisten die verbrannten Leichen von mindestens 35 Menschen gefunden worden. Unter ihnen sollen auch Kinder sein. Bei den Opfern handele es sich um Zivilisten, die wegen Kämpfen aus ihren Dörfern fliehen wollten, sagte ein Mitglied der Menschenrechtsgruppe Karenni Human Rights Group der Nachrichtenagentur dpa. Sie seien von Soldaten der Militärjunta festgenommen und getötet worden.

Ein weiteres Mitglied der Gruppe sagte unter Berufung auf Einheimische, dass die Junta in der Nähe des Dorfes Mu So in der Gemeinde Hpruso verbrannte Leichen zurückgelassen habe. „Wir fanden einige verbrannte Leichen mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Unsere Leute wurden brutal getötet“, sagte ein Mitglied der lokalen Widerstandsgruppe. „Die Zivilisten wurden hier kollektiv verbrannt.“

Ein Dorfbewohner berichtete der Nachrichtenagentur AP, er habe den Moment der Tötung selbst nicht gesehen, doch zwischen den verbrannten Leichen seien auch Kleidungsstücke von Kindern gefunden worden. Sie hätten keiner Guerillatruppe angehört. Unabhängige Medien in Myanmar berichteten, dass zehn Dorfbewohner aus Mo So, darunter auch Kinder, festgenommen worden seien. Vier Mitglieder einer paramilitärischen Truppe hätten versucht, ihre Freilassung auszuhandeln, seien aber gefesselt und mit Kopfschüssen exekutiert worden.

Mitarbeiter von Hilfsorganisation vermisst

Die Hilfsorganisation „Save the Children“ teilte mit, zwei ihrer Mitarbeiter würden vermisst. „Wir haben die Bestätigung, dass ihr Privatfahrzeug angegriffen und in Brand gesetzt wurde“, erklärte die Organisation. Die beiden Helfer waren demnach auf dem Rückweg von einem humanitären Einsatz in der Region. Die NGO setzte nach eigenen Angaben ihre Arbeit in mehreren Regionen aus.

„Save the Children“ sprach von mindestens 38 Toten bei dem Vorfall. „Das Militär hat Berichten zufolge Menschen aus ihren Autos gezwungen, einige festgenommen, andere getötet und ihre Körper verbrannt“, hieß es. Sie verurteilte den Angriff als Bruch des humanitären Völkerrechts.

Laut der Beobachtungsstelle Myanmar Witness, die nach eigenen Angaben Beweise für Menschenrechtsverletzungen in dem Land sammelt, wurden „35 Menschen, darunter Kinder und Frauen, am 24. Dezember vom Militär verbrannt und getötet“.

Militärregierung bestätigt Zusammenstöße

Ein Sprecher der Junta sagte, dass es am Freitag Zusammenstöße mit Rebellen gegeben habe, nachdem Soldaten versucht hätten, sieben „verdächtige“ Autos anzuhalten. Die Lastwagen seien beschossen, mehrere Menschen getötet worden, sagte der Sprecher, ohne Einzelheiten zu nennen.

Bereits Anfang Dezember soll das myanmarische Militär mehrere Dorfbewohner nach einer Attacke auf einen Militärkonvoi getötet haben. Unter den Opfern vom 7. Dezember sollen ebenfalls Kinder gewesen sein. Am Samstag kam es auch zu neuen Kämpfen im benachbarten Kayin-Staat, wo Tausende Menschen Zuflucht vor Kämpfen gesucht haben. Örtliche Behörden berichteten von Luft- und Artillerieangriffen auf den Ort Lay Kay Kaw, der von Rebellen aus der Volksgruppe der Karen kontrolliert wird.

Das Land versinkt seit einem Putsch im Februar in Chaos und Gewalt. Das Militär hatte die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi entmachtet und regiert seitdem mit brutaler Härte. Es gab landesweit Proteste, bei deren Niederschlagung mehr als 1300 Menschen getötet und mehr als 10.000 festgenommen wurden. In vielen Teilen des südasiatischen Landes haben sich lokale bewaffnete Einheiten gebildet, um Widerstand gegen die Junta zu leisten. Immer wieder gibt es Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen. Informationen von Einheimischen sowie Medienberichte aus Myanmar können aktuell kaum unabhängig überprüft werden.

Quellen
– DPA
– Save the Children  East Asia
Holger Senzel, ARD Studio Singapur