34 Kurzurlaub auf der Insel Koh Rong Sanloem

Teil II Kapitel 34

Kurzurlaub auf der Insel Koh Rong Sanloem

Nach fast einer dreiviertelstunde Aufenthalt ging die Fahrt weiter. Patricia fuhr schweigend aus Phum Chamiāng
Chrey aus. Hannes kannte diesen Gesichtsausdruck bei ihr, um zu wissen, dass sie am denken war.

Hannes blätterte in den Notizen von Hudson und schrieb die Informationen die er von Quang bekommen hatte auf der Seite 28 hinzu.

Die Landschaft glitt an ihnen vorbei und man sah durch das Autofenster staubtrockene Felder und nach einigen Kilometer wieder eine saftige Flora. Wie konnte sich die Vegetation auf wenigen Kilometer so krass ändern? In Takeo waren Seenplatten und alles saftig grün. Dann kamen wieder Quadratkilometer wo der Boden vor Trockenheit riss.

„Ma Chérie?“ „Hmmm?“ „Auch in diesem Gebiet gibt es in den kleinen Ortschaften keine Schulen.“ „Ja. Und keine Lehrer, kein Geld und keine Stabilität. Ich sprach über das Geld mit Quang. Er bekommt nicht regelmäßig seinen Lohn und was ich aus dem Gespräch und Reaktion mitbekommen habe, scheint er auch Schulden zu haben. Die Menschen verschulden sich wegen lächerlichen 200 US-Dollar.“ „Für uns lächerlich. Für viele Menschen in Kambodscha ein Jahresgehalt. Wenn das Geld schon für  ein Heft oder Bleistift fehlt, kann man noch nicht einmal etwas Bildung vermitteln. Unsere Idee mit den Tafeln von vor 3 Jahren hat sich bei uns in der Provinz sehr gut durchgesetzt. Wenn ich im nächsten Jahr mit Levi mehr für das Bildungsministerium arbeite, müssen wir unsere Reformen noch weiter ausbauen.“
„Patricia, Reformen sind gut, nur was willst du ohne Lehrer und vor allem ohne Regelmäßige Einkünfte erreichen? Seit drei Jahren bist du bei UNICEF. Seit drei Jahren suchst du händeringend nach Lehrer. Wie viele hast du bekommen? Wie willst du mit deinem Team von 23 Lehrer gegen einen Analphabetismus von über 4 Millionen Menschen ankommen? Wieviele Schulen habe ich als „School Project Manager for Cambodia, Department of Construction and Infrastructure“ geplant? Lächerliche 5 Schulen! Patricia, diese tolle Auszeichnung von Laureen kannst du dir einrahme und ins Gästeklo hängen. Selbst wenn ich alte Schulgebäude restaurieren oder modernisieren würde, bringt dies recht wenig, wenn keine Lehrer kommen. Sei doch mal ehrlich, was würde ich den Tag über arbeiten, wenn ich damals auch zu UNICEF gegangen wäre?“
Patricia sah ihn vom Fahrersitz aus traurig an. „Ma Chérie, du hast recht. Wir stehen täglich vor dieser Ohnmacht und tun unser Bestes. Ich werde auch mal mit Ilaria reden, vielleicht gibt es über UNTAC Geld für Bildung. Eine Friedensmission in diesem Umfang, muss doch mehr können.“ „Was soll über die größte Friedensmission in der Geschichte der UN kommen? Die Pfeifen im Rathaus in Svay Rieng hast du zum Glück nicht persönlich kennengelernt. In Paris hatte ich Dr. Kohl und Dr. Kinkel ganz klare Worte gesagt. Deutschland könnte ja auch mal den Kontakt zu mir aufnehmen und fragten wie man Geld sparen könnte. Stattdessen wird für das Hospital in Phnom Penh ein Ultraschallgerät für 500.000 Mark gekauft. Hustensaft und Penicillin wäre billiger gewesen – und es würde Hunderttausend Menschen helfen.“ „Wo wir beim Thema wären. Ich war vorhin durch Phum Chamiāng Chrey gelaufen. Reto muss der WHO mal mehr Druck machen. Die Menschen brauchen medizinische Sofortmaßnahmen.“ „Wo wir wieder beim Thema wären. Die UN verbrennt viel zu viel Geld für Mitarbeiter, die offensichtlich die Bedürfnisse der Menschen nicht sieht.  Es sind über 15.000 UN Mitarbeiter über das UNTAC Mandat in Kambodscha, wo sind diese Leute?“
Patricia zog die Schultern hoch.
„In den Städten oder Randgebiete sehe ich Fahrzeuge von der UN. Auf den Dörfer habe ich noch nie Fahrzeuge oder Mitarbeiter gesehen. Die Probleme die wir in Svay Rieng, Angkor Chey oder Kor An Doeuk haben, sind doch die gleichen wie in allen Provinzen von Kambodscha. In Prey Veng oder Oddar Meanchey läuft es recht gut und man sieht auch Veränderungen. Liegt es an dem Belgischen Kontingent oder an Sakngea Khin und Rangsey Choem? Zwei Gouverneure haben genauso viel Korruption in ihren Provinzen wie andere auch. Wenn dein Vater kommt, möchte ich mit ihn zu Rangsey fahren und ihn mal wie er die Struktur in seiner Provinz hält und wie bei ihn die Zusammenarbeit mit Belgien klappt.“
Patricia nickte.„Bei so vielen Staaten, die in Kambodscha sind, kann die Korruption schon ganz oben anfangen.“ „Dies denke ich schon lange. Bei Staaten wie: Algerien, Argentinien, China, Ghana, Indien, 
Indonesien, Malaysia, Pakistan, Polen, Senegal, Thailand, Tunesien oder  Uruguay habe ich so meine Zweifel, ob die sich durch den UNTAC Einsatz nicht ihrem eigenen Staatshaushalt aufbessern.“

Patricia streichelte seinen linken Arm und wusste nicht was sie sagen sollte. Diese Ohnmacht und Stillstand von fehlender Hilfe und Unterstützung war sehr frustrierend für beide.

„Ma Chérie, wir sollten mit Ilaria darüber reden. Sie kontrolliert doch die Finanzen in Kambodscha.“ „Ich gehe mal davon aus, dass ihr diese Umstände bestens bekannt sind. Eine Frau in einer so hohen Position bei dem UNTAC Einsatz kommt wohl kaum ohne Grund von Phnom Penh in ein Mittelklassehotel nach Svay Rieng gefahren. Ich denke auch, dass diese Umstände Coady bekannt sind. Die Weltbank gibt immerhin das Geld für all die Projekte und den Einsatz. Bei der Bank haben vielleicht zufällig Mitarbeiter die Projekte in Takeo und Kampot geprüft und die Fehler oder auch Korruption entdeckt. Coady weiß auch, dass bei ODHI alles glatt läuft. Vielleicht betrügen andere Staaten oder Firmen nicht so offensiv – oder es wird nicht geprüft, weil auch ihm Mitarbeiter fehlen. Wenn wir weiter darüber nachdenken, kommen wir wahrscheinlich in ein Universum an Korruption und Geldverschwendung.“

Patricia nahm seine Hand und gab ihm eine Kuss auf den Handrücken.
„Du hast recht. Lass uns dort helfen, wo und wie wir es können. Wir wenige können nicht die ganze Welt retten.“

In Kampong Trach fuhr Patricia an eine Tankstelle. „Möchstest du weiter fahren? Wie weit ist es überhaupt noch?“
Hannes schaute auf der Michelin Straßenkarte. „Vom Maßstab würde ich etwas über 120 Kilometer sagen. Dann fahre ich nun weiter. Du bist heute schon viel gefahren.“ „Es ist kaum zu glauben, dass wir in Europa bessere Straßenkarte gekauft haben, als die die es hier in Kambodscha oder Thailand gibt.“

Mit zwei Tüten Obst kam sie vom bezahlen zurück und setzte sich auf dem Beifahrersitz.
Die Ananas die Patricia kaufte, war richtig fruchtig und süß. In Asien wird oft das Obst geschält und geschnitten und anschließend in einer Tüte verkauft. Mit einem langem Holzstab pickt man in die Tüte und nimmt sich Stück für Stück heraus. Es ist zwar ein guter und günstiger Reiseproviant, aber das Müllproblem wird somit nicht weniger. Tüten gibt es zu allem und jeden – ob nun Sinn oder Unsinn: Hauptsache Tüte.

Nach Kampot fuhren sie auf der N3 am Golf von Thailand vorbei. Links der Straße war das Meer und rechts die Felsen.  Erinnerungen an den Sommer 1989, als sie an der Côte d’Azur waren, kamen hoch. „Ma Chérie, ich freue mich auf das Meer. Wir nehmen uns viel zu wenig Zeit für uns.
Ich habe heute morgen mit Maona ein Appartement bis Donnerstag gebucht, oder ist dir dies zu lange?“ „Donnerstag ist gut. Am Samstag kommen deine Eltern, dein Bruder, Annabell und Claude nach Thailand. Wir sollten am Freitag schon zu Hause sein. Wir habe nichts zu essen im Haus und müssten auch noch einkaufen gehen. Brot sollte ich dann auch noch backen.“ „Ich rufe Gaanchana an. Sie könnte die Tage schon einkaufen. Dann haben wir dies schon gespart.“ „Sehr gut. Dann kannst du sie fragen, ob Claude bei ihnen schlafen könnte. Er kann ja Deutsch. Bei uns im Haus wird es für alle etwas eng.“

Um 16 Uhr kamen die Vororte von Sihanoukville in Sicht. Man sah, dass diese Stadt auf den Tourismus ausgelegt war. Sehr viel Werbung war auf Englisch und f
Französisch geschrieben. Sihanoukville war völlig anders als Svay Rieng. Hotels, Einkaufszentren, moderne Gebäude und die Straßen waren in einem erheblich besseren Zustand. In den Osten von Kambodscha verschlug es wenige Touristen.

Am Hafen parkte Hannes das Auto und beide gingen Hand in Hand mit ihrem Trolley-Koffer an der Promenade vorbei. Sie suchten nach einer Fähre, die sie auf die Insel Koh Rong Sanloem bringen könnte. Da diese Insel nicht mit Autos befahren werde konnte, blieb nur der Ausschau nach Personenfähren. Nach 300 Metern sah Patricia eine Werbung für die Überfahrten nach Koh Rong Sanloem.

Eine Gruppe ausländischer Touristen wartete bereits auf die Abfahrt.
An einem kleinen Häuschen kaufte Hannes die Tickets und fragte nach der Abfahrt der Fähre. „Um 17 Uhr fährt die Fähre los“ sagte die junge Frau vom Ticketverkauf.
Die Touristengruppe von 18 Personen war bunt gemischt. Von den Sprachen erkannten sie: Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch.
Es wurd sich in allen Sprachen irgendwie zusammen oder nur paarweise unterhalten, wer was in Kambodscha schon gesehen oder welche Erfahrungen man mit diesem oder jenem Hotel gemacht hatte. Oft wurde das negative angeprangert. Das Essen, die Unterkunft oder die schlechte Erreichbarkeit der Sehenswürdigkeiten.
Patricia verdrehte schon die Augen. „Was denken diese Leute wo sie Urlaub machen – in der Toskana?“ Sagte sie auf Khmer zu Hannes. Die eine Frau, wie Hannes an der Unterhaltung mit ihrem Mann gehört hatte und offensichtlich aus Frankreich kam, schaute die ganze Zeit zu Patricia.

Es war 16.45 Uhr und bei einem Ehepaar mit Ostdeutschem Dialekt fing die Hektik an, weil die Fähre noch nicht da sei und diese ja schließlich um 17 Uhr ablegen sollte. Patricia nahm die Hand von Hannes und gab ihm einen Kuss. „Nicht hinhören,  ma Chérie, nicht hinhören.“

Der dickliche Mann mit Sächsischem Dialekt ging mit strammen Schritt zu dem kleinen Häuschen wo man die Tickets kaufen konnte und sprach in seinem Dialekt mit der jungen Frau. Diese antwortete auf schlechtem Englisch und Französisch. Wie beide irgendwie und irgendwann auf einen Konsens der Verständigung kommen würde, war Hannes und Patricia nicht zu erklären.
„Wie blöd kann ein Mensch nur sein?“
„Nicht hinhören, ma Chérie.“

In der Ferne sah Hannes ein längliches, circa 15 Meter langes Boot mit einer weiß- roten Bedachungen, ähnlich der Zeltüberdachungen vor dem ODHI Büro, auf die Anlegestelle zu kommen.
Die Frau in dem kleinen Häuschen zeigte mit dem Finger auf das Boot und der dickliche Mann war sichtlich beruhigt.

Ein Teil der Touristengruppe stürmte auf das Boot zu, als ob jeder den besten Platz haben wollte oder Angst hatte, die Fähre würde ohne sie ablegen. Patricia und Hannes gingen als letzte an Bord und grüßten freundlich den Skipper. Dieser lächelte freundlich und sagte, dass sie sich in die erste Reihe setzen könnten, denn je weiter hinten um so lauter wäre es.

Die zehnminütige Überfahrt war schon extrem laut. Der Zweitakter leistete im Vortrieb und Lautstärke ganze Arbeit. Das Meer war etwas unruhig und so hüpfte das 3  mal 15 Meter lange Boot über das Wasser. Die zwei Kinder vom der Französischen Familie hatten offensichtlich ihren Spaß, wenn die Gicht von den Wellen sie traf.

Der Skipper fragt sie, in welches Hotel sie auf Koh Rong Sanloem möchten. „Uns wurde das Sanloem Beach Resort empfohlen“ antwortete Patricia. „Sehr schön. Da habt ihr das schönste Hotel auf der Insel. Darf ich fragen, warum ihr so gut Khmer könnt?“
Patricia erzählte dem Skipper warum sie in Kambodscha seien.
„Solche Menschen brauchen wir sehr dringend.“

Dung legte in Kaoh Rong Sanloem Khnong sein Boot längsseitigen an die Mole und wünschte ihnen einen schönen Aufenthalt auf der Insel.

An der Mole standen Männer mit Schilder auf denen in mehreren Sprachen die Namen der Hotels standen um die Gäste dort hinzufahren.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen – dachte Hannes zumindest. Bis jetzt wusste das Ehepaar aus Sachsen nicht, dass er Deutscher war und dies sollte auch so bleiben. Das Paar mit den zwei Kindern aus Frankreich, sie beide, vier Personen aus Italien und das Paar aus Sachsen wurden mit einem Vehikel, dass eine Mischung aus Golfauto und Pickup war, auf die circa  1.500 Meter anderen Seite der Insel gefahren.

Der Eingang zum Sanloem Beach Resort  war sehr Naturbelassen und äußerst gepflegt. Die Eingangshalle war an drei Seiten offen und auch hier sehr viel Holz und Sandstein verbaut. Über dem Gebäude war ein Dach in der Dimension von einem Fußballfeld. Daher konnte der Lobbybereich auch so offen gehalten sein. Die Luft vom Meer brachte eine angenehme frische und auch Sand mit. So war der äußerst schöne Steinfußboden mit Sandstaub bedeckt.
Die Frau an der Rezeption fragte in einem perfekten Englich und Französisch nach den Namen der Gäste und wies auch gleich die Pagen an, den Gästen ihre Appartements zu zeigen. Sie erklären wann und wo es Frühstück, Mittag- und Abendessen gab. Selbst wer kein Englisch oder Französisch konnte, hätte ihr bei der sehr freundlichen Erklärung folgen können – bis eben jene zwei Personen aus Sachsen. Sofort fing der dickliche Mann an zu meckern. Seine Frau sagte ihm, dass die Erklärungen der Frau doch verständlich waren.
Patricia grinste zu Hannes. „Nicht hinhören,
ma Chérie.“
Sofort drehte sich die mitte 30-jährige Französin zu ihr um, die schon seit Sihanoukville immer wieder Patricia anschaute „Kommen Sie aus Frankreich?“
Beide nickten ihr zu. Die Frau war sichtlich erfreut, in Kambodscha noch jemand aus Frankreich zu treffen. Sie stelle sich als Nathalie und Pascal Clerc vor.

Hinter der Rezeption eröffnete sich eine Parkähnliche Anlage mit viel Rasen, Palmen und Sandsteinen. Es wurde hier und da ein Rundbogen, eine Mauer oder Gebäude nachgestellt – eine Anlehnung an Angkor. Hannes ging sofort das Herz auf.

Das Paar aus Sachsen wurde von ihrem Pagen nach links zu den Gebäuden geführt und Hannes sprach ein Stoßgebet gen Himmel.
Nathalie und Pascal Clerc hatten ihr Appartement 30 Meter vor ihnen und man verabschiedete sich für die nächste Zeit. Denn spätestens beim Abendessen würde man sich wieder treffen.

Wie Maona schon sagte, führte ein 20 Meter langer Holzweg zu ihrem Appartement. Das Haus war ungefähr 50 Quadratmeter groß und ein kompletter Holzbau. Das Dach war mit Tonschindeln gedeckt.
Der Page öffnete die Tür und wünsche ihnen einen schönen Aufenthalt.
Beide sahen in einen Raum, den man als Wohn-Esszimmer beschreiben könnte. Teakholz auf dem Boden und Wände, ein riesiger Ventilator an der Decke und links von der Eingangstür waren Fenstern von der Decke bis auf den Boden. Der Blick auf den Golf von Thailand war Atemberaubend. Rechts von dem Raum war ein Bad mit gleichem Teakholz und weißen Fliesen. Der Kontrast von dem dunklen Holz und den Fliesen war wie bei ihnen in ihrem Bad in Thailand.
Das Schlafzimmer war im gleichen Stil wie das Wohnzimmer und hatte auch die Fenster bis auf den Boden. Auch in diesem Raum war ein riesiger Ventilator an der Decke montiert. Zun Schutz gegen Moskitos hing ein riesiges Fliegennetz von der Decke. Man setzte in diesem Resort ganz klar auf eine Naturnahe Bauweise, denn es gab keine Klimaanlage, Pool oder sonstigen Schnickschnack.

Beide standen im Schlafzimmer am Fenster und schauten auf das Kristallklare Wasser direkt unter und vor ihnen. „Prinzessin, ich dachte das Hôtel Eiffel Trocadéro wäre schon der Hammer gewesen.“
Patricia gab ihm einen Kuss. „Dachte ich auch. Hier weden wir nicht das letzte Mal gewesen sein. Ma Chérie, komm, wir gehen duschen. Es wird bald Abendessen geben. Wenn das Essen so ist, wie diese Anlage, lass ich mich auf die Auswahl der Speisen überraschen.“

Nach einer anstrengenden Fahrt von 350 Kilometer war duschen eine Wohltat. Die Liebe und der Sex unter einer Dusche im Golf von Thailand war sehr schön.
Patricia räumte nackt den Koffer aus und verstaute die Kleider im Schrank. Hannes kam ins Schlafzimmer und sah durch die letzten Sonnenstrahlen die über das Meer kamen ihren unglaublich schönen Körper.  Der Anblick ihrer Silhouette in dem Gegenlicht war Erotik pur.
„Oh Prinzessin, du bist so wunderschön.“ „Merci beaucoup, ma Chérie. Es kommt noch“, mit diesen Worten zog sie ihr rotes Chanel Minikleid ein.

Hand in Hand gingen sie den beleuchteten Steg von ihrem Appartement ans Ufer der Insel. Nun war auch die ganze Anlage in einem leicht gelblichen Licht getaucht. Hier an diesem Ort war das Paradies von Kambodscha. Die Sandsteinmauern wurden leicht angestrahlt und gaben der Anlage etwas mystisches und romantisches zugleich.

Als Hannes und Patricia in den großen, nach drei Seiten offenen Speisesaal traten, hatten sie alle Blicke der Gäste und Angestellten auf sich. Sie gingen am Buffet vorbei und was sie sahen, war mehr als beeindruckend! Sie beide kannten die Lebensmittelknappheit in Kambodscha – hier war davon nichts zu sehen. Fische, Garnelen, Muscheln, Hummer, Gemüse, Obst und Früchte waren auf 6 Meter Länge sehr schön arrangiert.

Ein Tisch neben Nathalie und Pascal war frei und so setzten sich beide zu ihnen. Sie waren Hannes und Patricia um Welten angenehmer als der Querulant aus Sachsen.
Die beiden Kinder von Nathalie tranken Limonade. Nathalie füllte ihnen nach und nach Wasser ins Glas. Die Limonade in Südostasien konnte man vor süße kaum trinken.
Patricia grinste. „Nathalie, bestelle doch Wasser mit Melone oder Pitahayastücke. Das schmeckt um Welten besser als dieses süße Zeugs.“ „Gerne. Ich kenne dies nicht.“
Patricia rief einen Kellner und bestellte 6 große Gläser mit Pitahaya.
Wie zu erwarten, tranken die Kinder, die sechs und acht Jahre alt waren, ihre Gläser in fast einem Zug leer. Patricia grinste und bestellte drei Minuten später gleiches noch einmal.
Gemeinsam ging man an das Buffet und Hannes und Patricia sagten den Franzosen welcher Fisch und Gemüse wie schmeckt.
Beim essen frage Nathalie warum sie beide sich so gut auskennen und auch noch die Sprache konnten. So erzählten sie den Clerc’s warum sie in Kambodscha seien.

Nach dem vorzüglichen Abendessen packte Patricia noch zwei Teller mit Obst und Früchten und saßen mit den Clerc’s auf der großen Terrasse von dem Hauptgebäude.

Patrick und Nathalie erzählten von ihrer ersten Woche Urlaub in Kambodscha und welche Eindrücke sie von diesem Land hatten. Immerhin wussten sie, dass sie nicht in der Toskana waren und es in Asien doch etwas anders sei als Europa. Schade, dass die beiden Herrschaften aus Sachsen dies nicht erkannten.
Hannes merkte das Nathalie ständig etwas sagen wollte, wusste offensichtlich nichts wie sie es formulieren könne.
„Du Patricia, ich muss jetzt doch mal etwas frgen,“ kam es etwas schüchtern von ihr. „Seit ich dich im Hafen von Sihanoukville sah, bin ich mir sicher dich schon einmal gesehen zu haben. Du hast eine unglaubliche Ähnlichkeit mit einem Model aus der Zeitung. Ich sah vor unserem Urlaub im France Soir Fotos von einer Frau mit dem gleichen Kleid wie du es hast. Die Augen, Figur und selbst die Haarfarbe ist die gleiche. Da du vorhin sagtest, dass ihr in Kambodscha arbeitet, kann dies doch nicht möglich sein.“ „Doch. Ist möglich. Du meinst die Fotos im Jardin du Luxembourg in Paris. Das war ich und mein Mann.“
Beide sahen sie Fassungslos an und so erzählten sie wie es durch Ivette zu diesen Fotos gekommen war. Patrick und Nathalie standen die Münder offen. „Wir sitzen hier in Kambodscha mit zwei Personen die den Ordre national du Mérite verliehen bekommen haben. Dies glaubt uns in der Heimat niemand“ sagte Patrick voller Ehrfurcht.

Der Abend mit Nathalie und Pascal war sehr angenehm und man hätte sich gerne weiter unterhalten, aber die Kinder wurden langsam müde und die kleine Annick schlief schon auf dem Schoß von ihrem Vater.
Hannes bestelle an der Rezeption noch eine Flasche Reiswein.

Mit Patricia saß er auf dem kleinen Balkon von ihrem Appartement und sahen auf das schwarze Meer. Sie hatte ihre Beine auf seinen Oberschenkel liegen.
„Wir haben wieder einen so kleinem Balkon. Weißt du noch, wie wir in Avignon waren?“
Patricia streichelte seinen rechten Arm.
„Natürlich, ma Chérie. Es war unser erste gemeinsame Nacht und du hast dich sehr galant verhalten. Ich war auf Berührungen von dir vorbereitet und hätte vielleicht auch irgendwie darauf reagiert. Irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen. In den vergangenen vier Jahren sind deine Berührungen immer noch Balsam für meine Seele. In Avignon hatten wir damals Roséwein und Käse – heute Reiswein und Obst. Wo werden wir noch überall auf dieser Welt solche Momente erleben? Komm, nun möchte ich die Momente von Sex mit dir erleben.“

Der Wind brachte eine angenehme frische über das Meer. Die weißen Baumwollvorhänge bewegten sich leicht im Wind. Der Blick vom Bett auf das Meer um kurz vor 7 Uhr war faszinierend. Beide waren wach und schauten durch das große geöffnete Fenster dem Tag entgegen.

Auf dem Weg zum Frühstücksraum, traten die Clerc’s kurz vor ihnen aus ihrem Appartement und man begrüßte sich herzlich.

Das Frühstück war eine Mischung aus europäischem und asiatischem Essen.  Hannes bestelle sich wieder seinen geliebten Reisbrei mit Ingwer, Hähnchenfleisch und Ei. Patrick fragte ihn was dies sei und wie es schmeckte. Auch er und seine Kinder nahmen einen Teller Reisbrei. Der Kaffee war mal wieder mit Instantpulver zubereitet. In Asien tranken die Menschen morgens und auch sonst kaum Kaffee. Die Kinder wollten wieder Wasser mit Pitahaya haben. Hannes sagte, dass diese Frucht mit Vanilleeis noch mal so gut schmecken würde. Er würde später an der Rezeption fragte ob dies zu bestellen wäre.

Da es am Morgen noch sehr angenehm war, wurde beschlossen die Insel zu erkunden. An der Rezeption lagen einige Karten von Sehenswürdigkeiten aus und wie man dies erreichen konnte. Nach Osten war ein Leuchtturm eingezeichnet und eine Art Festung. Dies wäre doch ein schönes Etappenziel und für die Kinder auch nicht all zu anstrengend.

Auf dem Weg zu dem Leuchtturm brachte Patricia den beiden Kindern, Annick und Andro, etwas Khmer bei. Nathalie hörte aufmerksam zu und lernte auch einige Wörter.
Links oder auch mal rechts von ihrem Fußweg standen Geschütze mit Maschinengewehre und Haubitzen. Hannes erzählte Pascal, dass diese das Resultat eines noch nicht zustande gekommenen Waffenstillstandsabkommen mit Vietnam sei. „Mit Thailand hat man sich immerhin schon versöhnt.“
Pascal sah ihn völlig irritiert an. So erzählte Hannes ihm die politische Lage von Kambodscha.
„Was du mir erzählt, habe ich nie gewusst!“ „Woher auch? Kambodscha macht Werbung für den Tourismus – was auch wichtig für diese Menschen ist. Die Wirtschaft kommt langsam in Gang und trotzdem sieht man noch überall die Auswirkungen von dem Genozid der Roten Khmer. Du hast gestern Abend erzählt, wo und was ihr in Kambodscha gesehen habt. Dies ist das Kambodscha der Touristen. Wir erleben ein völlig anderes Kambodscha.“

An einer der Haubitzen, die mit Planen abgedeckt war, erzählt Hannes den Clerc’s welches Kambodscha sie täglich erleben und wie sie dagegen ankämpften. Fassungslos hörten Nathalie und Pascal seinen Ausführungen zu.
Patricia beschäftigte die beiden Kinder einige Meter weiter, indem sie ihnen mit einem Stock in den Sand die Buchstaben vom Khmeralphabet schrieb.
Was Hannes erzählte, sollten Kinder nicht unbedingt hören. Nathalie kämpfte sichtlich sehr oft mit den Tränen. Als Hannes geendet hatte fragte Nathalie, wie sie so etwas aushalten könnten.
„In dem wir uns den Luxus gönnen auch mal eine Auszeit zu nehmen. Andere Bilder, andere Landschaften und auch andere Menschen sehen. Wenn wir die Augen schließen sind die alten oder ständige Bilder da. Wir versuchen zu vergessen – ist aber nicht einfach.“

Gegen 11 Uhr wurde es immer wärmer und die Clerc’s waren froh im Hotel zu sein. „Wie haltet ihr diese Hitze aus?“ Fragte Patrick, als sie auf der Terrasse vor deren Appartement saßen.
„Hier am Meer ist es doch sehr angenehm. Wo wir in Einsatz sind, siehst du bei Sandsturm keine 20 Meter weit. Du hast überall nur Sand – selbst in der Unterhose.“

Pascal wollte vieles von der Arbeit von Hannes wissen und hörte auch aufmerksam zu. Nathalie und Patricia verstanden sich auch sehr gut. So verbrauchte man die Zeit bis zum Mittagessen mit angenehmen Gesprächen.

Zum Mittagessen gab es wieder eine sehr große Auswahl an Fisch und Hummer.
Bei Hummer kann man sehr viel falsch machen, wenn man nicht weiß wie man diese Krustentiere aufbricht. Patrick und Hannes bestellten sich Hummer. Nathalie, Patricia und die Kinder entschieden sich für Fisch.
Die Frau von der Rezeption kam zu ihren an den Tisch und fragte ob bis jetzt alles zu ihrer Zufriedenheit war. Dies konnten alle bestätigen. Sie sagte auch, dass sie Vanilleeis besorgt hätte. Hannes bedankte sich dafür und bestellte für die Runde als Nachspeise Vanilleeis mit Pitahaya.

Wie zu erwarten, hätten die Kinder in dieser Kombination von Eis und Frucht baden können.
„Wir sind so dankbar, euch getroffen zu haben. Was wir mit euch seit gestern Abend gelernt haben, ist unglaublich. Wie lange bleibt ihr hier im Hotel?“ Dabei sah Nathalie zu Patricia. „Bis Donnerstag. Dann geht es zurück nach Thailand.“
„Zurück nach Thailand? Ich stehe jetzt irgendwie auf dem Schlauch.“
Patricia erklärte ihr die komplizierten Umstände von ihrem Leben.
„Wahnsinn! Dies können wir uns gar nicht vorstellen“ sagte Nathalie, als Patricia ihr dies erzählte.“
„Apropos Thailand: wir werden über den Grenzübergang Cham Yeam fahren. Dann noch kurz zu Natthathida die Bestellung absprechen und danach ab nach Hause.“
„Wie du meinst, ma Chérie.“
Auf die Fragende Blicke von Nathalie und Pascal sagte Hannes, dass er noch schnell ein paar Bagger kaufen müsste.

Am Nachmittag lagen beide vor ihrem Appartement in den Hängematten und genossen den Wind vom Meer. Die frische Briese war wohltuend und so schliefen beide ein.
„Ma Chérie?“ Hannes wurde wach und sah zu Patricia die links von ihm in der Hängematten lag. „Komm, lass uns bis zum Abendessen noch etwas spazieren gehen.“

Da ihr Hotel auf der südlichen Seite der Insel lag, gab es dort wenig Ortschaften. 500 Meter weiter war ein anderes Hotel und das war eigentlich alles an Zivilisation. Sie gingen am Stand unter Palmen nach Westen. Die bewaldeten Hügel von Koh Rong Sanloem mit den Monumentalen Bäumen waren schon beeindruckend.

Nach gut eineinhalb Stunden Fußmarsch über die Insel kamen ihr Hotel in Sichtweite. Annick kam auf sie zugelaufen und begrüßen sie mit „Suostei“. Patricia wechselte ihr die Haare „Oh, du hast es behalten. Schön. Du könnst bald Lehrerin werden und mich unterstützen. „Suostei ning thngai – heißt: hallo und guten Tag.“ „Suostei ning…“ „thn – gai“ ergänzte Patricia. „Suostei ning thngai“ wiederholte Annick. „Genau mein Engel. Suostei ning thngai.“
Annick wiederholte dies bis in die Halle wo die Rezeption war. „Suostei ning thngai“ sagte Annick der Frau an der Rezeption. Diese lächelte und gab ein „Suostei ning thngai“ an Annick zurück.
„Suostei ning thngai“ wurde auch der Koch hinter dem Buffet gegrüßt. „Suostei ning thngai“ sagte er und gab Annick ein großes Stück Ananas.
„Du siehst, wenn man eine fremde Sprache kann, sind die Menschen noch viel freundlicher zu einem“ sagte Patricia zu Annick.

Das Buffet war wieder Atemberaubend aufgebaut und arrangiert. Hannes wusste gar nicht, was er heute Abend essen sollte. Der Koch empfahl ihm Haisteak mit Koriandersoße. „Das hört sich gut an. Dann mach mir dies bitte.“

Das Ehepaar aus Sachsen stand zwei Meter neben ihm und wusste nicht was es – oder besser er, essen sollte. „Immer dieser Fisch. Was gibt es hier schon zu essen? Fisch, Garnelen und wieder Fisch“ pampte er seine Frau auf. Hannes wurde es jetzt doch zu blöd. Die Menschen in dem Hotel bemühten sich so sehr und alles war um das dreifache besser, als er es die letzten Jahre in Kambodscha gesehn hatte.
Hannes nahm tief Luft. „Was erwarten Sie auf einer Inseln in Südostasien?Jägerschnitzel mit Pommes? Dann bleiben Sie in Zukunft Sachsen. Herr Gott nochmal! Das hier ist ja nicht zum Aushalten! In diesem Land verhungern Menschen und Ihnen ist dieses unglaubliche Buffet noch nicht gut genug. Man muss sich für Sie schäme. Auch wenn die Kambodschaner Sie nicht verstehen – genörgel und gemotze versteht man in jeder Sprache.“
Nun war es raus und dies lauter als er es eigentlich wollte. Hannes drehte sich um, um für an den Tisch zu gehen, als er ein leichtes nicken von der Bedienung wahrnahm. Sie durfte ja nichts zu den Gästen sagen – er schon.
Als er an den Tisch kam, hatte Patricia sein Worte bereits Nathalie und Pascal übersetzt. „Hast du gut gemacht. Die beiden sind seit fünf Tagen auch dort wo wir sind. Wahrscheinlich haben sie die gleiche Reise gebucht. Auch wenn ich kein Deutsch verstehe, verstand ich sein genörgel. Da hast du recht, dies versteht man in jeder Sprache. Ich wusste gar nicht, dass du Deutscher bist.“

Mit hochrotem Kopf saß der Mann aus Sachsen schweigend mit seinem gegrillten Fisch an seinem Tisch.

Der Koch brachte sehr gekünzelt das Haisteak an den Tisch und verbeute sich nach asiatischer Art mehrmals bei ihm. Er fragte ob alles nach ihrer Zufriedenheit sei. Hannes bestätigte dies. „Es ist alles super schön hier. Das Essen und Appartement sind super. Es tut mir leid, wenn mein Landsmann hier alles schlecht macht.“

Nach dem Abendessen brachte der Koch den Kinder noch eine große Portion Vanilleeis mit Pitahaya. „Suostei ning thngai“ sagte er lächelnd zu Annick.

Mit einem riesigen Teller an Früchte saßen sie mit den Clerc’s auf der großen Terrasse und sprach über diese und das.
Der Koch fragte ob er sich dazu setzten dürfte. Patricia schob sofort einen Stuhl zurück. Natürlich war von Samorn die erste Frage, warum beide so gutes Khmer konnten. Patricia erzählte Samorn das gleiche wie einen Tag zuvor schon Nathalie und Pascal. Immer wieder verbeugte er sich vor ihnen und fragte was sie auf der Insel unternehmen wollten. „Nichts. Ausspannen und morgen mal die Insel in die andere Richtung erkunden.“ Patricia sagte ihm, dass sie heute zusammen am Leuchtturm waren.
„Fahrt morgen nach Westen, nach M‘ Pai. Dort ist eine wunderschöne Lagune.“
„Schön, und wie kommen wir dort hin?“ Fragte Hannes.
„Wir haben ein paar Motorräder hier am Hotel. Wenn ihr wollt reserviere ich sie für euch.“
Patricia übersetzte den Vorschlag von Samorn. Nathalie und Pascal waren einverstanden.

Der Morgen war wieder Atemberaubend. Den Blick auf Kristallklares Wasser war Balsam für die Seele. Patricia legte sich auf ihn und knabbert Hannes am Ohr.
„Ma Chérie“ hauchte sie ihm ins Ohr „lass uns schwimmen gehen – jetzt.“
Patricia zog ihn aus dem Bett und von dem kleinen Balkon sprangen sie nackt die eineinhalb Meter ins Wasser und schwammen morgens vor 7 Uhr im Golf von Thailand.
Nach 10 Minuten schwimmen waren sie in einer kleinen Bucht. Vor ihnen das Meer und hinter ihnen subtropische Wälder.
Nackt lagen sie im warmen Sand und die Wellen deckten sie zu. Patricia rollte sich auf ihn und küsste ihn lange.
„Wir hatten schon viel und schönen Sex, aber noch nie im Meer.“

Der Gang zum Frühstücksraum war ein anderer als noch am Montag. Alle Angestellte vom Hotel verbeugten sich leicht vor ihnen. Dieses verbeugen war nicht die allgemein bekannte asiatische Art – es war respektvoll. Samorn hatte offensichtlich jedem der Angestellten die Identität von Patricia und Hannes erzählt.

„Das Königspaar kommt. Guten Morgen ihr beiden“ sagte Patrick als beide zu ihnen an den Tisch kamen.
„Patrick, wir sind immer noch die gleichen Menschen wie gestern Abend.“ „Ich weiß. Hannes und Patricia, ihr beide seid unglaublich cool, nett und hilfsbereit. Darf ich fragen wie alt ihr seid?“ „Beide 23.“
Es braucht eine Zeit bis einer der beiden die Sprache gefunden hatte. „Wow! Wir haben euch um Jahre älter geschätzt. Respekt. Mehr kann ich nicht sagen. In eurem Alter hatte ich noch nicht einmal mal Staatsexsamen“ sagte Nathalie.
„Ich würde jetzt wohl auch noch in Metz Volkswirtschaft und Humanwissenschaft studieren. Nun unterrichte ich Kinder in den Provinzen Svay Rieng oder Prey Veng.“ „Warum oder.“ Fragte Nathalie.
So erklärte ihr Patricia auch dies noch während dem Frühstück.
„Lefévre School? Wow! Kein Wunder, dass sich die Menschen vor euch verbergen.“
„Quatscht. Das ist die asiatische Art und meine Schulen sind hier nicht bekannt.“
„Dies mag sein. Aber auch ich sah die Verbeugung der Angestellten und diese war bei euch eine andere. Dies könnt ihr auch nicht herunterspielen. Selbst der Mann aus Deutschland hat es bemerkt“ sagte Nathalie.
Mit zwei Motorräder und zwei Motorroller fuhren sie nach M‘ Pai. Patricia hatte Annick vor sich auf ihrem Motorroller sitzen und Nathalie ihren Sohn. Die Männer fuhren die 125er Motorräder.

Durch die Kinder auf den Motorroller fuhren sie nicht so schnell. Hannes fuhr links neben Patrick und fing an zu singen: „Get your motor runnin‘
Head out on the highway
Looking for adventure
In whatever comes our way“

Pascal lachte und gemeinsam sangen sie

„Yeah, darlin‘ gonna make it happen
Take the world in a love embrace
Fire all of your guns at once
And explode into space“

Die Frauen fingen an zu lachen und alle sangen: „Like a true nature’s child
We were born
Born to be wild
We can climb so high
I never wanna die
Born to be wild
Born to be wild„

Sie fuhren durch den kleinen Ort Kaoh Rong Sanloem Khnong und alle vier sangen lauthals „Born to be wild.“ Um die nächste Kurve „Born to be wild.“ Die Leute an der Straße drehten sich nach ihnen um.

Nach unzähligen „Born to be wild“ singen, kamen sie an die Lagune von M‘ Pai.
Ihre 125ccm Highway Boliden stellen sie oberhalb der Lagune in den Schatten und gingen 20 Meter hinunter zum Stand. Auch wenn es nur wenige Höhenmeter waren, hatte man von dem schattigen Parkplatz eine grandiose Aussicht über türkisfarbenes Wasser so weit das Auge reichte.
Am Strand der Lagune waren vielleicht 20 Personen. Eine Gruppe Jugendlichen hatte 20 Meter weiter am Waldrand drei Zelte stehen. Patricia lachte und gab Hannes einen Kuss.
Arm in Arm gingen sie am dem kleinen Strand entlang und suchten sich einen Platz im Schatten.
Die Kinder wollten unbedingt ins Wasser.
Nach 2 Minuten waren sie alle in dem Badewannen warme Wasser.
20 Meter im Wasser standen zwei Holzgestelle mit Schaukeln dran. Annick und Andro schaukelten ein wenig um dann mit kindlichem Schwung ins Wasser zu springen. Die Erwachsenen machten natürlich Wettkämpfe wer am weitesten sprang und am höchsten schaukelte.

Die Zeit mit Nathalie, Patrick und den Kindern verging sehr schnell und vom schwimmen, spielen und springen waren alle müde. Hannes hatte auf seiner 125er Höllenmaschine eine große Styropor-Box mit Eiswürfel, Trinkwasser und rote Pitahaya, Mangos und Ananas dabei. Im Schatten schnitt er die Schale von der Frucht ab und schnitt diese dann in Würfelstücke in die Plastikbecher.

Patricia lag mit ihrem Kopf auf seiner Brust und erzählte den Clerc’s wie sie beide sich vor vier Jahren beim campen auf einer Kuhweide kennengelernt hatten. Sie erzählte von Fréjus und von dem Haus voller Magie in der Rue Jean Bacchi und natürlich von dem unglaublich teuren Saint-Émilion von 1943. Bei den Erzählungen von Patricia hatte Nathalie Tränen in den Augen. „Was für eine Liebe! Ihr habt eine Flasche Wein für 1.000 France getrunken?“ „Ja. Hatten wir. Nathalie, es wäre nicht das Geld gewesen. Ich wollte Peter das Geld geben – es waren die Momente! Dies kann man nie mit Geld bezahlen. Das Licht in unserem Schlafzimmer gibt es kein zweites Mal auf dieser Welt. Selbst Notre-Dame ist dagegen Farblos. Das Haus von Peter ist ein Schloss, Kathedrale und Museum in einem. Der abgebrochene Sandstein links auf der vierten Stufe, das Gemälde von seiner Frau, die Stehlampe im Wohnzimmer rechts in der Ecke….“ „oder der Brotkorb auf dem Tisch“ sagte Hannes. „Oder der Brotkorb – genau.“
„Ich kann mich nur wiederholen: was für eine Liebe.“ Bei den Worten von Nathalie kamen Patricia die Tränen.

Die Sonne kam um die Bäume und es wurde immer wärmer.
„Kommt, wir fahren Essen. Wir laden euch“ sagte Patricia.
Auf dem Rückweg nach Kaoh Rong Sanloem Khnong kamen sie an einer Bambushütte vorbei wo man essen konnte. Es war eine typische Straßenküche, wie man diese in Südostasien ständig sieht.
„Auch wenn ihr meint hier wäre es schmutzig, dass ist in Südostasien normal. Dafür ist das Essen umso besser.“
Patricia bestelle für alle gegrilltes Hähnchenfleisch, Fleischbällchenspieße von Schwein, Hähnchen, Rind und Fisch. Dann noch Quý Dāu Suppe. Dies ist eine Gemüsesuppe mit so ziemlich allem was es in Kambodscha gibt. Wahlweise kann man noch Fleischbällchen dazu bestellen. Patricia bestelle die Bällchen aus Schweinefleisch. Dann noch eine Schüssel Klebereis und natürlich Papaya Salat. Diesen in Standard und in der europäischen Version  – also nur eine Chili gestampft.
Bei der europäischen Version von Papaya Salat bliesen Nathalie und Pascal schon die Backen auf. Patricia grinste breit. „Dies essen die Kinder im Kindergarten – also eine sehr humane schärfe. Es ist bei dieser Hitze aber das beste Essen.“ „Wenn dies der Kindergarten ist, will ich nicht wissen was ihr esst“ sagte Patrick mit hochrotem Kopf. „Die Achterbahn“ lachte Hannes.

Nach dem Mittagessen von gut einer Stunde tranken sie noch Angkor Beer im Schatten der Bambushütte.
„Und ich dachte immer man sagt: essen wie Gott in Frankreich. Was wir heute alles gegessen haben, war super lecker, Erfahrungsreich und scharf. Ich denke ich kann auch für Nathalie sprechen, wenn ich sage: ihr beide seid super cool und ihr habt uns in eine völlig andere Welt mitgenommen. Gestern und heute haben wir so viel gelernt, gesehen und vielleicht auch verstanden, warum ihr nicht mehr nach Frankreich zurück wollt.“

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