Teil I 7 „Prinzessin, der Moment wird nie besser als er jetzt ist.“

Fréjus

„Prinzessin, der Moment wird nie besser als er jetzt ist.“

In diesem Zimmer, in diesem Bett, hatten sie sich das erste Mal geliebt. Sechs Monat waren vergangen und immer noch war die Liebe und der Sex etwas besonderes. Lange hat es in dieser Nacht gedauert, bis beide eingeschlafen waren.

Der Morgen kam über das Meer. Die Sonnenstrahlen waren nicht mehr so stark wie im Juni und trotzdem tauchte das winterliche Licht diesen Raum in Farben. Diesmal war es mehr Violett. Hannes lief ein Schauer über seinen Körper. Dieses Fenster war wie Magie. Keine noch so schöne Kathedrale auf dieser Welt, hatte ein solches Licht, wie dieses Fenster in der 6 Rue Jean Bacchi in Fréjus.
Er küsse Patricia auf die Stirn „Schatz, schau.“ „Mon Dieu, ist das schön.“ Lange lagen sie Arm in Arm im Bett und schauten, wie sich jeden Augenblick das Licht veränderte. In einem Moment waren es Farben wie ein Regenbogen, im nächsten Augenblick bläulich, dann indigo und ging in ein gelb über.

Es war Zeit zum Aufstehen. Heute war ein großer Tag. Nach dem beide unter der Dusche sich bei tausend Farben geliebt hatten, gingen sie in die Küche. Peter hatte schon alles vorbereitet. Der große dunkelbraune Tisch war mit Backwaren und Blumen übersät. Feines und edles Porzellan das bestimmt einhundert Jahre als sein mochte, stand zwischen getrocknetem Lavendel.
„Guten Morgen meine Kinder“ sagte Peter als beide in die Küche kamen. In dem Raum roch es nach frisch gemahlenen Bohnen, Baguette und Lavendel.
„Peter, du musst dir doch nicht so viel Mühe machen“ sagte Hannes. „Seht es als einen kleinen Willkommensgruß. Ich wusste, dass ich euch wieder sehen werde. Nur so schnell hätte ich nicht gedacht.“

Das Frühstück an einem solch schönen Tisch war überwältigend. Bei Peter im Haus schien es, als ob die Zeit viel langsamer verging. All diese vielen wunderschöne Kleinigkeiten in dem Haus wirkten wie Balsam auf die Seele. Waren es die Blumen am Fenster, der Steinboden, der alte Herd, das ticken der Wanduhr, die Bilder an den Wänden oder nur der Brotkorb. Jedes Detail war ein Hochgenuss für das Auge und die Sinne. Hannes konnte dieses Haus zu nichts einordnen, was er bis dahin gesehen hatte. Es war wie ein Museum, ein Schloss oder eine Kathedrale. Von allem etwas und ein Kunstwerk im Ganzen. Dieses Haus hatte eine Seele.

„Und nun wollt ihr zum Strand und Rotwein trinken?“ „Ja, Peter. Ich habe auf dem Weg zu dir, die schönste, klügste und wunderbarste Frau auf dieser Welt lieben gelernt. Was zwischen der Abfahrt von hier vor sechs Monaten und der gestrigen Ankunft passierte, möchte ich festigen. All diese Liebe begann hier. Der Himmel schickte uns zu dir. Peter ich war noch nie in einem solchen Haus wie in diesem gewesen. Du hattest uns im Sommer ein Zimmer als Herberge gegeben, welches voll mit Magie ist.“ Patricia nahm seine Hand über den Tisch und streichelte sie „Oui, ma Chérie. Du bist der Mensch auf den ich mein Leben lang gewartet habe und jedes Detail in diesem Haus ist ein Geschenk vom Himmel.“
Peter lächelte mit seinen wasserblauen Augen Patricia an „Mein Kind, wenn diese Geschenke vom Himmel sind, dann sind sie es für die Ewigkeit. Es ist noch etwas frisch am Meer, wartet noch eine Stunde. Kommt, wir setzen uns vor das Haus. Dort ist es jetzt sehr angenehm.

Peter hatte recht, die Luft war kühl, aber die Sonne wärmte die Steinwand angenehm, es war mehr als nur vor einem Haus sitzen –  es war ein Moment voller Magie. Patricia hatte ein großes Kissen im Rücken. Sie lag an der Wand von der Steintreppe und hatte ihre Beine über die von Hannes gelegt. Peter saß ihnen in einem riesigen Flechtsessel gegenüber. Er wollte wissen, warum sie beide nach Kambodscha gehen wollten.
„Hannes hat den Wunsch, diese Welt etwas besser zu machen und Bildung für Kinder und nachhaltige Perspektive für Menschen schaffen. Für eine bessere Zukunft. Vielleicht sogar für eine bessere Welt. Mein Vater arbeitet seit Jahren für eine Hilfsorganisation, die weltweit im Einsatz ist, um Wasserversorgungen herzustellen. Wasser ist ein Grundrecht der Menschheit. Ich möchte mit Hannes gehen, um seinen Traum zu erfüllen.“
Peter nickte mit dem Kopf, sah beide immer wieder bewundernswert an.
„Bevor ich Hannes getroffen hatte, reifte in mir der Gedanke mit meinem Vater nach Kambodscha zu gehen. Nur, wie hätte ich mich bei dieser Arbeit einbringen können? Ich kann nicht graben – dafür lehren.“ „Du bist ein sehr kluges Kind und gehst deinen Weg und dies mit allen Konsequenzen. Hannes, du hast ein sehr großes Herz und bist liebevoll. Dies hatte ich dir schon im Sommer gesagt. Gott wohnt in dir, du erkennst es nur noch nicht.“

Es ging auf die Mittagszeit zu. Nun wurde es wärmer und beide beschlossen jetzt zum Strand zu gehen.
„Ich merke, dass diese Schönheit unruhig wird“ dabei schaute Peter zu Patricia „Geh in den Keller und nimm, was du möchtest.“

Patricia fand im Keller einen Rotwein vom Chateau Ferriere. Einen Grand Cru Classé, aus Margaux aus der Region Bordeaux. Das Etikett zeigte die Jahreszahl 1940. Bei dieser Flasche Wein reichten 1000 France bei weitem nicht mehr aus. Patricia zeigte Peter das Etikett. „Très bien, mon enfant. Un vin adapté à votre occasion.“ Patricia gab ihm einen Kuss auf die Wange „Merci, grand-père.“

Mit einem kleinen Bastkorb gingen sie Hand in Hand die schmalen Gassen durch Fréjus hinunter zum Meer.
Das Wasser war azurblau und etwas unruhig. Der Duft von Satz lag über dem Strand. Die Wellen brachen sich am Strand. Das Geräusch der Brandung ließ alle anderen Geräusche verklingen.
Auf einer kleinen Decke lagen sie im Dezember am Strand und hörten den Wellen zu. Dieser Augenblick war für die Ewigkeit.

Patricia entkorkte die Flasche. Langsam und behutsam schenkte sie den Wein in die Kristallgläser ein. Sie machte beide Gläser zu einem viertel voll. Der Wein roch leicht nach Boden aus Lehm und Kalk. Nach kurzer Zeit an der Luft und im Glas verändert sich der Geruch nach Wurzeln und Frucht. An der Nase roch man die Trauben und das Barrique. Die Farbe war ein tiefes purpurrot.
Hannes wollte den Wein gar nicht trinken, schon in Anbetracht dessen, dass dieser Wein ein Vermögen kostete.
Sie schauten sich lange in die Augen und hielten die Gläser gegeneinander.
„Für immer“ sagte Patricia und gab ihm einen Kuss. „Für immer, Prinzessin.“ 
Sie hatten beide Tränen in den Augen als der Wein den Gaumen in einem Hochgenuss aus süße und frucht traf. „Prinzessin, der Moment wird nie besser als er jetzt ist“ Hannes gab ihr einen langen Kuss. Dabei griff er in seine Jeans und zog einen Ring aus der Tasche. Als sie den Ring sah, liefen ihr die Tränen über das Gesicht.
„Patricia Lefèvre, willst du mich heiraten?“ Sie heulte so sehr, dass sie gar nichts sagen konnte. Sie nickte und schluckte immer wieder die Tränen herunter „Oui. oui, je veux t’épouser. Oui, ma Chérie. Oui.“

Der Wein war getrunken und viele Tränen waren geflossen. Peter saß mit seiner Pfeife in dem großen Bastsessel vor dem Haus. Ein paar Meter, bevor beide bei ihm waren erhob sich der alte Mann langsam aus dem Sessel. Er breitete die Arme aus und Patricia ließ sich in seine Arme fallen und heulte. Peter küsste sie auf die Stirn „Mein Kind, genieße diesen Moment. Bewahre ihn in deinem Herzen.“ Er Streichelte dabei ihr Haar. Peter war ein Fremder und doch wie ein Großvater zu ihnen. Seine Güte, Ruhe und Freundlichkeit waren einmalig.
„Kommt ins Haus. Ihr habt bestimmt Hunger.“
In dem Paradies von Küche stand ein Menü, dass einer Tafel in einem Königshaus in nichts nachstand. Eine riesige Platte mit Fisch und Gemüse, Rotwein in einem Kristall Dekanter und überall Lavendel und Kerzen.

Der Frühstückstisch war schon besonders, was jetzt auf diesem alten Tisch stand, war das tausendfache mehr. Patricia beruhigte sich etwas und konnte wieder anfangen zu denken und fragte Peter „Du hast es gewusst?“ „Ja, mein Kind. Ich habe es gewusst. Hannes rief mich letzte Woche an und sagte mir, was er vor hat. Natürlich sagte ich zu. Es fiel mir heute morgen schwer, mir nichts anmerken zu lassen. Du wolltest zu früh zum Strand. Ich musste dich irgendwie bremsen. Das Essen wäre so früh nicht geliefert gewesen.“ „Merci, grand-père“ Patricia gab ihm einen Kuss auf die Wange, drehte sich zu Hannes und boxte in „Monsieur, kann es sein, dass meine Eltern es auch wissen?“ Mit einem fragenden und forderten Blick sah sie Hannes an.
„Oui, ma Princesse“ sie boxte und umarmte ihn. „Ich wollte meine Eltern anrufen und es ihnen freudig sagen, nun wissen sie es schon.“ „Mein Kind, sie wissen es. Aber doch nicht den Zeitpunkt. Geh und rufe deine Eltern an.“

Patricia ging ins Wohnzimmer und keine 10 Sekunden später schrie laut auf. Hannes erschrak sich und stieg sofort vom Stuhl auf und schaute Peter fragend an. „Geh, schau nach ihr.“
Im Wohnzimmer stand ein eineinhalb Quadratmeter großes Bild. Patricia lehnte an einem Türrahmen. Ihr verliebter Blick gab dem Bild eine unglaubliche Weite. Ihre Silhouette war die einer Königin. In der Hand hielt sie eine Flasche Rotwein. So stand Patricia vor sechs Monaten in der Küchentür. Genau so.

Das Bild war so filigran gezeichnet, dass selbst das Etikett von dem Saint-Émilion zu lesen war. Der Türrahmen, Patricia und ein viertel vom Hintergrund waren ausgemalt. Peter kam ins Wohnzimmer
„Ich wusste, dass ihr wieder kommt, nur so schnell habe ich euch nicht erwartet. Das Bild ist noch nicht fertig. Meine Knochen sind zu alt“ „Peter…“ mehr konnte Hannes mit seinen Tränen nicht sagen. Patricia fiel Peter um den Hals und weinte.
Es dauerte lange bis sie in ganzen Sätzen sprechen konnte „Oh doch Peter. Das Bild ist fertig. Dieses Bild ist vollkommen. Ich weiß gar nicht wie ich dir danken kann.“
„Mein Kind, ich habe dir zu danken. Ich habe so viele Jahre nicht mehr gemalt. Du hast mir wieder Mut gegeben. Du hast mir wieder Leben gegeben.“ „Oh mon grand-père.“

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