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Ein Magirus der keinen ist Magirus-Deutz 120 D 7

Für manche ist es nur ne alte rote Kiste, für andere eine Rarität deutscher Automobilindustrie

Beim Magirus-Deutz 120 D 7 F handelt es sich um einen ursprünglich durch die Traktorenfabrik Eicher entwickelten Lastwagentyp.

Die traditionell auf den Bau von Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen spezialisierte Firma Eicher versuchte in den 1960er Jahren auch Fuß im LKW-Sektor zu fassen und entwickelte zunächst den zwischen 1962 und 1967 gebauten FarmExpress. In den vier Produktionsjahren rollten lediglich knapp 180 Eicher FarmExpress vom Band. Bereits 1963 erschien mit dem transexpress ein weiterer leichter Lastwagen von Eicher. Der fast komplett neuentwickelte transexpress verkaufte sich bis 1966 zwar etwas besser als der FarmExpress, blieb aber mit nur 300 gebauten Exemplaren auch hinter den Erwartungen zurück. Als Ursache für den schlechten Absatz des LKW-Typs erkannte man das Vertriebsnetz von Eicher, welches auf Landmaschinen und nicht auf Lastwagen ausgelegt war.

In der Folge kam es 1966 zu einer Übereinkunft mit dem LKW-Hersteller Magirus-Deutz aus Ulm: Der Eicher transexpress wurde in das Sortiment von Magirus übernommen und füllte dort das bisher nicht besetzte Segment der leichten LKW aus. Der transexpress bekam eine Bezeichnung nach der Magirus-Nomenklatur, einen Magirus-Kühlergrill und erfuhr auch ansonsten einige kleine Abänderungen. Beispielsweise wurden die Dieselmotoren von Eicher gegen die von KHD ersetzt.

Bis 1972/1973 verließen ungefähr 25.000 Magirus-Lastwagen das Eicher-Werk in Forstern. Danach wurde die Produktion des Leichtlastwagens ins Magirus-Werk in Ulm verlagert und schrittweise zwischen 1975 und 1976 eingestellt.

Abgelöst wurden die Eicher-Typen bei Magirus durch die kleinen Modelle der bekannten Vierer-Club-Baureihe, zu der Magirus-Deutz, DAF, Saviem (später Renault) und Volvo gehörte.
In jenen Jahren war Magirus finanziell schon sehr angeschlagen, weshalb der FIAT Konzern einstieg und sich die IVECO gründete.

Magirus FS 145

Der Magirus FS 145 ist ein seltenes Feuerwehr-Fahrgestell. Die Bezeichnung FS steht für Feuerspritze.

Das Auto wurde mit einem 6 Zylinder Wirbelkammer-Dieselmotor in Reihe gebaut. Der Klöckner-Humboldt-Deutz Motor hat 9,1 Liter Hubraum und leistet  125 PS. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 81 km/h angegeben.
Das Auto hat ein Leergewicht von 6,,5 Tonnen und eine Nutzlast von 4,5 Tonnen.

Diese Modelle wurde um die Jahre 1938/40 an das Oberkommando des Heeres geliefert und hatte entweder Feuerwehr Aufbauten als Drehleiter oder Spritzenfahrzeuge. Dieser KS 25 kostete 27.433 Reichsmark
Eine direkte Umrechnung von Reichsmark zu Euro ist nicht möglich, da die Reichsmark durch Inflationen und Krieg sehr hohe Schwankungen hatte.
Wenn ich den Faktor Reichsmark zu Euro in der Vorkriegszeit nehme, liegt dieser zwischen 1:5,4 und 1:5,7.
Im Jahr 1944 wird der Faktor Reichsmark zu Euro mit 1:4,7 angegeben.

Der Einfachheit halber nehme ich den Faktor 1:5,2 an. Also ergibt sich ein ~ Wert von 142.000 €.

Der Magirus FS 145 Karftfahrspritze KS 25 wurde 1939 an die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Hof ausgeliefert. Entsprechend den damaligen geltenden Vorschriften war die Fahrzeugfarbe Tannengrün.

Warum Tannengrün für die Feuerwehr?

Das Rote Kreuz und Feuerwehren standen im Zweiten Weltkrieg nach dem internationalem Völkerrecht (insbesondere den Haager Landkriegsordnungen) unter besonderen Schutz und durften bei Luftangriffe und Kampfhandlungen nicht gezielt beschossen werden. Da sich bekanntlich in Kriegszeiten in der Praxis des „Totalen Krieges“ kaum an Konventionen gehalten wurde, war der Schutz der Feuerwehr jedoch extrem lückenhaft. So wurden die Feuerwehrfahrzeuge Tannengrün lackiert.

Der hier gezeigte Magirus FS 145 überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet und war nach dem Krieg in roter Farbgebung bis 1975 im Dienst.

1982 rettete ein süddeutscher Oldtimerfreund das verrottete und von starken Vandalismusspuren gezeichnete Fahrzeug und stellte es unter.
Von 1997 bis 2009 wurde das Fahrzeug von Dr. Carsten Kipp, Oerlinghausen aufwändig neu aufgebaut und wieder vollständig in den Original Auslieferungszustand gebracht. Alleine diese Restaurierung kostet mehr als 250.000 €.

Seit März 2026 steht dieses Auto in der privaten Sammlung von Frank Besch. Interessierte können sich bei Frank gerne für eine Besichtigung melden.

Magirus Feuerwehrautos

Von einer besteigbaren mobilen 2-Rad-Schiebeleiter zu Drehleiterfahrzeuge auf der ganzen Welt

Feuerwehr und Magirus sind im gleichen Atemzug zu nennen wie Fahrzeug und Reifen.
Woher kommt dies?

Conrad Dietrich Magirus, * 26. September 1824 in Ulm; † 26. Juni 1895, war selbst Feuerwehrmann in Ulm und erkannte früh den Bedarf an geeigneten Löschgeräten. Magirus gründete 1866 seine eigene Firma, die Feuerwehr-Requisiten-Fabrik C. D. Magirus. Dort stellte er Leitern und Feuerspritzen her.
Er erfand auch die fahrbare Feuerleiter, welche den Grundstein für den exzellenten Ruf des Unternehmens legte – bis heute.

Nach seinem Tod ging die Firma in seine Söhne über. Mit dem Bau und Entwicklung von Motoren und Fahrzeuge, entstanden1911 in Ulm die ersten Magirus Fahrzeuge. Da diese mit Luftgekühltenmotoren von KHD (Klöckner-Humboldt-Deutz) aufgebaut waren, entstand die Firma Magirus-Deutz.

In den Nachkriegszeiten bis sogar ins neue Jahrtausend sah man bei den Feuerwehren noch Fahrzeuge aus Ulm – also Magirus und nicht die Nachfolger IVECO aktiv im Einsatz.

Über die Jahrzehnte hat sich Magirus durch die äußerst robusten Luftgekühlten Fahrzeuge und der Aufbausparte für Rüst-, Tank- und Drehleiteraufbauten zu einem weltweit führenden Spezialisten für Brandschutztechnik entwickelt.

Die damals hohen Produktionszahl resultierten aus Pioniergeist, äußerst hoher Qualität und auch der Spezialisierung auf Drehleitern. In über 150 Ländern der Welt waren und sind Magirus-Deutz Fahrzeuge und Drehleiterfahrzeuge im Einsatz.

Private Feuerwehrautos

Im saarländischen Theley gibt es eine sehr beeindruckende Sammlung von Magirus Feuerwehrautos.
Man schaut in einer Halle auf eine Reihe von sehr alten Magirus Feuerwehrautos und ist buchstäblich von dem Anblick erschlagen.
Ob nun die ikonischen Rundhauber-Lkw oder die mächtig und bullig aussehenden Hauber-Lkw, ziehen die Blicke auf sich.

Man muss nicht unbedingt ein Liebhaber von Feuerwehrautos oder Lkw im allgemeinen sein, um fasziniert vor solchen Fahrzeugen zu stehen.

Man sieht gerade an den ikonischen Rundhauber die Seele von Fahrzeugbau aus längst vergangener Zeit.

Magirus Jupiter

Neben dem kleinen Schnuckelchen steht ein Monster von  Tanklöschfahrzeug. Groß, bullig und quadratisch wie ein Bunker, wirkt der Magirus Jupiter.
Das sogenannte TLF mit Allrad und 12,6-Liter luftgekühlten V8-Vielstoffmotor mit 180 PS schreit förmlich nach brachialer Gewalt. Für ein solches Fahrzeug gibt es keine Hindernisse – nur Herausforderungen. Die Besonderheiten an dieser „Wasserkuh“ sind die offenen Zugänge der Pumpe am Heck von dem Fahrzeug.

Dieses Biest aus den 60er und 70er Jahre wurde für den sehr schnellen Einsatz konzipiert. Mit seinen 5.000 Liter Wasser an Bord, konnte sofort mit der Wasserkanone der Brandherd bekämpft werden. Oder über die Anschlüsse am Heck Wasser für B und C-Schläuche gepumpt werden – selbstverständlich auch über A-Rohre angezogen werden, um mit der Wasserkanone zu arbeiten.

In der schon beeindruckenden Sammlung sei ein Tanklöschfahrzeug zu erwähnen welches seinen Dienst bei der Airbus Werksfeuerwehr in Stade tat.
Dieses Fahrzeug wird auch Zubringer genannt und verfügt über einen 5000 Liter Wassertank und 200 Liter Schaum. Am Aufbau befindet sich seitlich eine Pumpe.
Dieses Fahrzeug ist tatsächlich das letzte Exemplar von 10 gebauten Modellen.

Ein „nur“ 40 Jahre alter MAN TLF steht wie ein Fels in der Brandung in der Halle.
Dieses Auto hat eine Hochleistungspumpe von 40 Bar an Bord. In unfassbaren 67 Sekunden jagen 10.000 Liter Wasser durch die Rohre und Wasserkanone.

Alle Fahrzeuge dieser privaten Sammlung  sind  vollständig Aufgerüstet und sofort Einsatzbereit, also nichts mit Museum und nur schön anschauen.