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Nepper,Schlepper, Bauernfänger

Der Wortfinsung der Querdenker sind keine Grenzen gesetzt

Nepper,Schlepper, Bauernfänger

Nepper und Bauernfänger gibt es schon seit tausenden Jahren und wird es auch immer geben. Ob es nun der Enkeltrick, die vielversprechend Liebe, das super Schnäppchen im Internet oder die neueste weltweite Pandemie.

Autorin Naike Juchem

Die Bauernfänger von heute nutzen die Medialewelt des Internets für sich und erreichen täglich ihre Opfer. Im Sommer 2015 wurde eine Panik über die Flüchtlinge gemacht. Flüchtlingeswelle  Invasion und Islamisierung waren die Schlagwörter. Tausende sahen sich und die Kultur gefährdet. Lügen und Übertreibungen von ein paar Spinner mobilisierten das „Volk“ und so wurde ganz schnell aus einer Welle die Flüchtlingsflut. Wenn Medien, Politik und Gesellschaft sich dagegen stellte, kam sofort die Opferrolle: die anderen bekommen…, die anderen haben…, die anderen fordern….
Plötzlich kam ein neues Schlagwort in den Wortschatz derer die ein paar Spinner hinterher liefen: Lügenpresse.


Jene die am meisten logen und die Fakten verdrehten wurden wie Helden gefeiert. Sie manipulierten die Menschen und schürten weiter Angst und Unwahrheiten. Der Rechtspopulismus bekam einen neuen Aufwind, wie es dieser seit den 70er nicht nicht mehr erlebt hatte.
Was ist aus der großen Flüchtlingsflut oder gar der Invasion geworden? Zumindest nicht das, was Rechtspopulistische Parteien und Gruppierungen in ihren Prophezeiungen von sich gegeben hatten.

Sars-CoV-2 kommt

Anfang 2020 betrat ein mikroskopisch keiner Virus die Bühne der Welt: Sars-CoV-2.
Die Regierungen standen vor etwas, welches es so in der Art seit Beginn der Menschheitsgeschichte nicht gegeben hat.
Im Frühjahr 2020 kochten die wüstesten Spekulationen hoch und man sah der Apokalypse ins Auge. Toilettenpapier, Nudeln, Mehl und Hefe wurden in der westlichen Hemisphäre gehortet, als ob es kein Morgen mehr geben würde. Jene unbegründete Panik, brachte Menschen dazu, sich wegen einem Packen Toilettenpapier zu brügeln.

Stolz ist man auf die Rebellion

Dubiose „Wissenschaftler“ stellten Fest, dass auf Desinfektionsmittel von vor zig Jahren bereits stand, dass jenes Mittel vor SARS schütze und man von den regierenden belogen wurde. SARS ist lediglich ein Virenstamm, an dem Sars-CoV-2 angegliedert ist. Diesen kleinen aber doch gewaltigen Unterschied wurde von den Bauernfänger außer acht gelassen.
Die Fakten wurden verdreht und das „Volk“ glaubte plötzlich an die wildesten Verschwörungstheorien. Neue „Fach-Virologen“ und Doktoren traten auf die Bühne der Öffentlichkeit und rissen wissenschaftliche Studien aus dem Kontext heraus schürten weiter ihre „Meinung“ an. Das „Volk“ fing an der Lügenpresse nichts mehr zu glauben und stelle alles in Frage – nur deren Helden nicht. Ein Dr. Hanswurst, der über Social Media Kanäle etwas zu Sars-CoV-2 sagte, wisse schließlich worüber er das „Volk“ informieren würde. Das jener Hobby-Virologe ein Doktortitel im Maschinenbau hatte, interessierte das „Volk“ nicht. Jene die anderen Meinung als die falsche hält, schafft es nicht, die vorgesetzten Lügen zu recherchieren oder hinterfragen.

Eine gefühlte Meinung ist nicht die Wahrheit

Jene „Fachleute“ ziehen ganz bewusst auf die Empathie ab. Sie schmeicheln mit Komplimente und Parolen: „haltet zusammen und lasst euch nicht blenden.“
Die Manipulation läuft immer besser und die „Mainstream Medien“ wollen die Bürger gefügt machen.
Das Reframing zum mobilisieren des „Volks“ wurde erneut ausgegraben und der Politik die Schuld zugewiesen.
Die neue Querdenker-Bewegung nahm immer mehr Fahr auf und das Karussell des Irrsinns drehte sich schnell.
Die Grundrechte seien in Gefahr und man muss sich gegen „die-da-oben“ endlich wehren.


Man zog öffentlich Vergleiche zur Nazi-Diktatur. Die Maschinerie des täuschens und verdrehen erreichte die nächste Stufe. das Namedropping. So nennt man die Manipulatoren die sich mit berühmten Namen schmücken. Eine junge verzogene Studentin aus Kassel verglich sich mit Anne Frank und das „Volk“ jubelte.

Die Studentin Jana aus Kassel vergleicht sich gerne mit Anne Frank

Die Manipulatoren appellieren in der Pandemie gerne an das Gewissen ihrer Opfer. Hier kommt als erster Punkt die Gesundheit. Es folgt sofort wieder die Opferrolle, denn die Pharmaindustrie will nur Geld verdienen – der Kreislauf des Kapitalismus funktioniert eben so. Die Firmen die Toilettenpapier herstellen, machen dies nicht aus reiner Gefälligkeit für des Menschenwohl. Soweit denkt dann „Volk“ noch nicht.

Querdenken-Initiator Michael Ballweg

Die Manipulatoren sprechen die Sprache des „Volks“ und geben nur ihre Wahrnehmung und Meinung weiter, selbst wenn diese völliger Unsinn sind. Zum Nachdruck werden Gleichgesinnte gesucht, die in die gleiche Kerbe schlagen und somit den „Volk“ keine Zeit zum Denken geben. Schlagwörter werden immer wieder gebraucht und ins Gedächtnis gerufen. Schnell werden Merchandise und Bücher zuhauf angeboten, man sympathisiert schließlich mit jenen, die man manipuliert.
Somit ist die Blase der Manipulation komplett.

Querdenker-Demo in Berlin 2021

Die Minderheit sieht sich in der Mehrheit

Das „Volk“ sieht sich in der Mehrheit und Meinung bestätigt. Deren gefühle Meinung steht aber nicht für die Allgemeinheit. Die Manipulatoren halten weiter mit „Fakten“ das „Volk“ bei der Stange. Immer kuriosere Behauptungen werden gegen Politiker, Wissenschaftler und „Schlafschafe“ gesteut. Man sieht sich in einer („gefühlten“) Diktatur und das man in seinen Grundrechten beschnitten wird. Man darf seine Meinung nicht mehr sagen – obwohl sie dies tagtäglich tun. Die Medien sind sowieso an allem schuld und liefern täglich falsche Zahlen.
Man hat ja gehört und gelesen, dass dies alles gar nicht wahr sein. Ihre „Fakten“ und Quelle würden dies ja schließlich alles widerlegte. Die Manipulatoren nutzen oft offizielle Statistiken oder gar Artikel aus dem Grundgesetz  – nehmen sich aber nur diese Zahlen oder Artikel heraus, die ihnen passen.

Artikel 20 des Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

Art. 20, Absatz 1. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

Art. 20, Absatz 2. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

Art. 20, Absatz 3. Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

Art. 20, Absatz 4. Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Nun liegt es an jedem selbst, wem man glauben sollte.

Naike Juchem, 29. November 2021

Zum Schluss noch eine Sammlung an „Meinungen“ von verschiedenen Facebook-Accounts

Was Sars-CoV-2 im Gehirn anrichtet

Klar ist: Das Coronavirus kann auch ins gut geschützte Gehirn vordringen. Wie und wo es dort Unheil anrichtet, ist allerdings noch kaum verstanden. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse.

von Gary Stix

Der Ausdruck »Brain Fog« – frei übersetzt »benebeltes Gehirn« – ist keine offizielle medizinische Bezeichnung. Aber er beschreibt treffend ein Phänomen, das bei Krankheiten wie multipler Sklerose, Krebs oder chronischer Müdigkeit auftreten kann: die Unfähigkeit, klar denken zu können. Die Corona-Pandemie katapultierte den Begriff jetzt wieder in die Schlagzeilen. Denn Berichten zufolge stellt sich »Brain Fog« auch bei Menschen ein, die an Covid-19 erkrankt waren.
Covid-19 kann im Hirn weit mehr anrichten, als nur verschwommenes Denken. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen, Angstzuständen, Depressionen, Halluzinationen und lebhaften Träumen bis hin zu den bekannten Geruchs- und Geschmacksanomalien. Auch Schlaganfälle und Krampfanfälle stehen auf der Liste. Eine Studie ergab, dass es bei mehr als 80 Prozent der untersuchten Corona-Patienten zu neurologischen Komplikationen kam.

Experten diskutieren Erklärungsansätze

Wie das Virus ins eigentlich gut geschützte Gehirn eindringt und sich dort breitmacht, erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler derzeit intensiv. Auf der 50. Jahrestagung der Society for Neuroscience (SFN), die Anfang November 2021 nach einer Pandemiepause in virtueller Form stattfand, wurden noch nicht veröffentlichte Forschungsergebnisse vorgestellt. Sie vollziehen nach, auf welchem Weg das Virus ins neuronale Sperrgebiet vordringt, wie es Zellen befällt, sich ausbreitet und die Hirnfunktion beeinträchtigt.

Besonders rätseln die Fachleute, wie sich Sars-CoV-2 Zutritt zu den Nervenzellen verschafft. Diesen Zellen fehlt nämlich das molekulare Einfallstor, mit denen das Coronavirus zum Beispiel Lungenzellen knackt. Bereits im Jahr 2020 schlug eine Forschergruppe in einer in »Science« veröffentlichten Studie eine Alternative vor. Sie zeigten, dass der Oberflächenrezeptor mit dem Kürzel NRP1, der auf Nervenzellen des Gehirns und der Riechbahn vorkommt, gemeinsam mit einem Enzym namens Furin dem Virus einen Weg in die Zelle öffnet.

Ob Sars-CoV-2 aber tatsächlich diesen Weg nimmt, ist weiterhin unklar. Auf einer Pressekonferenz des SFN 2021 berichteten Forscher des All India Institute of Medical Sciences-Patna immerhin über eine Computeranalyse von Gen- und Proteindaten, die zeigte, dass NRP1 und Furin auf Zellen in einigen Hirnregionen vorhanden sind – insbesondere im Hippocampus, dem wichtigsten Gedächtnis- und Lernzentrum.

Einschleusen über das periphere Nervensystem

Ein weiteres Portal könnte das periphere Nervensystem sein, das den gesamte Körper durchzieht und Signale vom und zum Gehirn weiterleitet. Jonathan Joyce, Doktorand im Labor von Andrea Bertke an der Virginia Polytechnic Institute and State University in den USA, erläuterte auf der Konferenz, wie sein Forschungsteam Mäuse mit dem Sars-CoV-2-Virus infizierte und dann Teile des Virus und seines Bauplans in peripheren Neuronenbahnen fand, die man bislang nicht auf dem Schirm hatte. Über sie könnte das Virus ins Gehirn gelangen. Und womöglich stecken diese Nerven auch hinter den Nervenschmerzen und dem Kribbeln, von denen einige Covid-19-Patienten betroffen sind, erläuterte Joyce auf der Konferenz.

Ein Konsens darüber, was genau bei einer Invasion von Sars-CoV-2 ins Gehirn geschieht, gibt es aber bislang noch nicht. Dass das Coronavirus tatsächlich Neurone infiziert, sei immer noch nicht abschließend belegt, sagte etwa Walter J. Koroshetz, Direktor des US-amerikanischen National Institute of Neurological Disorders and Stroke in Bethesda, Maryland, auf einer separaten Presseveranstaltung des SFN 2021. Entzündungen im Gehirn, Löcher in der Blut-Hirn-Schranke oder absterbende Zellen der Schleimhaut, die auch benachbarte Neurone in den Abgrund reißen – all das wurde bereits von Fachleuten als Erklärung vorgeschlagen.

Wohin geht Sars-CoV-2 im Hirn?

Auch ist noch zu klären, wohin das Virus im Gehirn wandert. John H. Morrison, Professor für Neurologie an der University of California und Direktor des dortigen Primatenforschungszentrums an der Davis School of Medicine, erforscht an Rhesusaffen, wie sich das Virus im Gehirn ausbreitet. In einer Studie infizierten er und seine Mitarbeiter Rhesusaffen mit Sars-CoV-2 – darunter einige mit Diabetes. Nach einer Woche fanden sie Proteine und genetisches Material des Virus in verschiedenen Regionen der Großhirnrinde, insbesondere bei den diabetischen Tieren. Das Team entdeckte darüber hinaus, dass die Entzündung im olfaktorischen Kortex gleichzeitig mit dem Absterben von Neuronen auftrat. Morrison vermutet nun, dass die neurologischen Symptome von Covid-19 dadurch ausgelöst werden, dass sich Viren über das olfaktorische System Zutritt verschaffen, weitere Nervenzellen befallen und sich auf andere Hirnareale ausbreiten.

Bei den diabetischen Affen fand sich das Virus auch im so genannten entorhinalen Kortex, der auch bei der Alzheimerkrankheit eine Schlüsselrolle spielt. Wenn sich dort das Virus einnistet, könnte das als Erklärung für die leichten kognitiven Beeinträchtigungen und Demenz bei Covid-Kranken taugen.

Veränderte Hirnaktivität durch Covid-19

Dass selbst milde Verläufe die Hirnaktivität verändern können, zeigten EEG-Messungen, die an mehreren kanadischen Forschungseinrichtungen durchgeführt wurden. Die Wissenschaftler hatten dazu 42 Personen untersucht, die positiv getestet und dann zu Hause unter Quarantäne gestellt worden waren. Die Vergleichsgruppe bestand aus 14 Teilnehmern, die zwar grippeähnliche Symptome hatten, aber kein positives Covid-19-Testergebnis.

Rund vier Monate nach der Erkrankung war die durchschnittliche Stärke der Hirnströme in der Covid-19-Gruppe niedriger als bei den Kontrollteilnehmern. Weitere acht Monate später war der Effekt teilweise wieder verschwunden, doch die Gruppe der Covid-19-Patienten als Ganzes hatte auch dann noch niedrigere Werte als die Kontrollgruppe. Womöglich wirke sich die Kombination aus einer Coronavirus-Infektion und sozialer Distanzierung langfristig aus, vermutet die Gruppe.

»Der direkte Effekt, den Covid-19 auf die EEG-Leistung zu haben scheint, ist analog zu denjenigen Effekten, die wir bei Menschen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung sehen, die sich zur Alzheimerkrankheit und verwandten Demenzerkrankungen entwickeln kann«, sagt Allison B. Sekuler, leitende Wissenschaftlerin am kanadischen Rotman Research Institute. »Das heißt nun nicht unbedingt, dass jeder Covid-Patient am Ende an Alzheimer erkrankt.« Aber es lohne sich angesichts dieser Ergebnisse weiter zu untersuchen, ob Covid-19 auch das Demenzrisiko erhöhe.

Viele Fragen offen

Die Neurowissenschaftlerin Rita Balice-Gordon sieht »enorme Fortschritte«, die in den vergangenen 20 Monaten beim Verständnis der Interaktion von Zentralnervensystem und Sars-CoV-2 gemacht wurden. Freilich würden viele Fragen noch offen bleiben: Wie lange kann die Infektion dauern? Wie lange halten die neurologischen und psychiatrischen Symptome von Covid-19 an? Und auch die Frage nach dem Risiko für Demenz und anderen Komplikationen wirft die Expertin auf, die als Geschäftsführerin von Muna Therapeutics an der Entwicklung von Therapien beteiligt ist und eine Presseveranstaltung der Fachtagung moderierte.

Fest steht: Die Pandemie hat für eine zunehmende Kooperation zwischen Virologen und Neurowissenschaftlern gesorgt. Sie erinnert daran, dass das Gehirn trotz der Blut-Hirn-Schranke keineswegs unerreichbar ist. Unter anderem können auch Coxsackie-, Polio-, Varizellen-, Epstein-Barr- und Adenoviren in Gehirnzellen eindringen. Adenoviren werden sogar für Gentherapien im Gehirn eingesetzt. Daher sind die unterschiedlichen Wege, auf denen Viren ins menschliche Denkorgan gelangen und dort Schaden anrichten können, von hohem Interesse für die Wissenschaft und Medizin. »Das ist ein großes Thema«, findet auch Morrison. Sie glaubt, dass die Neurovirologie ein äußerst wichtiges Forschungsfeld für die Mitglieder der Society for Neuroscience werden wird. Noch stehe die Integration der beiden Disziplinen am Anfang. Aber bei künftigen SFN-Tagungen könnte die Neurovirologie neben Sitzungen über Langzeitgedächtnis, Synapsen und Gliazellen einen eigenständigen Platz einnehmen.

Quelle:
© Scientific American
Scientific American, »How COVID Might Sow Chaos in the Brain«, 2021

Spektrum.de

Impfungen sind wichtig

Impfungen sind eine effiziente Maßnahme zur Prävention von Infektionskrankheiten und deren möglichen Folgekrankheiten, sie gelten damit als eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin.

Autorin Dr. rer. nat.Patricia Lefèvre

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“

Mal ganz ehrlich, wer fragt bei R-C9H11N2O4S oder C₉H₈O₄ schon seinen Arzt oder Apotheker?

R-C9H11N2O4S, wobei „R“ für eine variable Seitenkette steht, ist eines der ältesten Antibiotika überhaup und ist nichts anderes als Penicillin. Auch C₉H₈O₄ hat so gut wie jeder Mensch schon zu sich genommen und kaum einer kann mit Acetylsalicylsäure etwas anfangen. Der gängige Begriff Aspirin kennt aber jeder.

Der Bundestrainer von einst, ist heute der Virologe

Menschen die meinen alles besser zu wissen – und zu können, gab es schon immer. Was bei jedem Fußball Länderspiel der Bundestrainer ist, ist seit eineinhalb Jahren der Virologe und Corona-Fachmann schlechthin. In letzter Zeit kreisen unglaublich viele Fachbezeichnungen über Impfstoffe durchs Internet und so mancher Hobbyvirologe fühlt sich genötigt, sein Halbwissen unter das Volk zu bringen. Nun möchte ich jenen „Fachleuten“ zwei Begriffe erklären, um deren Halbwissen etwas zu erhellen.

Zum Einstieg fange ich mit einem simplen Beispiel an: einem Kuchenrezept

Wer am Wochenende eine Torte backen möchte, nimmt verschiede Zutaten. Eier, Zucker und Mehl sind die Bestandteile von fast allen Torten – so auch von Impfstoffe.

Die Varianten mit Vanillezucker, Backpulver oder Natron benutz man um einen Kuchen zu backen, der von dem Standart Rezept abweicht – so auch die Impfstoffe.

Es gibt Milliarden Viren und Bakterien auf der Welt, die entweder nützlich oder schädlich für den Menschen sind. Aus diesem Grund gibt es auch verschiedene Medikamente und Impfstoffe. Scheint eigentlich ganz logisch zu sein. Leider kommt diese einfachste Logik der Medizin nicht bei allen an.

Gefahr durch multiresistente Bakterien

Abstract

Bakterien zählen zu den Lebewesen, Viren nicht. Bakterien als auch Viren können uns krank machen. Das ist eine der wenigen Gemeinsamkeiten dieser Krankheitserreger.

– Bakterien (z. B. Milchsäurebakterien) sind mikroskopisch kleine Lebewesen, die man mit dem bloßen Auge nicht sehen kann. Sie bestehen aus einer Zelle mit eigenem Stoffwechsel. Sie benötigen Nahrung und vermehren sich durch Zellteilung. Viele Bakterien werden durch eine Zellwand stabilisiert. Das Aussehen der Bakterien ist dabei recht verschieden, es gibt u. a. stäbchenförmige, runde, spiralförmige oder fadenförmige Bakterienarten.

– Viren (z. B. Corona-Viren) sind im Gegensatz zu Bakterien keine Lebewesen. Viren können nicht eigenständig leben, weil sie keinen eigenen Stoffwechsel zur Energiegewinnung haben. Sie benötigen eine andere Zelle, eine sogenannte Wirtszelle, um zu leben und sich vermehren zu können. Nur mit Hilfe dieser Wirtszelle können sich Viren vervielfältigen und verbreiten.

Seit der Entdeckung der antibiotischen Wirksamkeit von Penicillin durch Alexander Fleming (1929) hat man viele durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheiten, wie z.B. Cholera oder Syphilis, durch Antibiotika unter Kontrolle bekommen. Leider haben aber viele Bakterien im Laufe der Jahre Resistenzen gegen ein oder mehrere Antibiotika entwickelt. Dies liegt unter anderem am häufig verantwortungslosen Umgang mit Antibiotika, z.B. beim präventiven Einsatz in der Tierhaltung, als Medikament gegen Viren oder bei vorzeitigem Abbruch der Einnahme. Um multiresistente Bakterien bekämpfen zu können, braucht man vollkommen neue Antibiotika, die jedoch immer seltener auf den Markt kommen. Gleiches erleben wir nun mit den Mutationen des Coronavirus.

Die Medizin setzt auf Natur. Gift ist nicht gleich Gift

Aussage wie zum Beispiel: ich lass mir kein Gift spritzen; zeigt eine doch hohe fehlende Intelligenz so mancher Zeitgenosse.

Zur Erklärung von Gift: Als Gift, in der Fachsprache auch Toxikum genannt, bezeichnet man Stoffe, der Lebewesen über ihre Stoffwechselvorgänge, durch Eindringen in den Organismus ab einer geringen oder hohen Dosis einen Schaden zufügen kann. Die Medizin wurde dahingehend entwickelt um den Menschlichen Körper zu schützen, und nicht umzubringen! Die Basis von heutigen Medikamenten geht bis in die Antike zurück. Bekannt ist auch das Sprichwort: gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen. Daher verwenden die Menschen seit jeher Naturstoffe zur Herstellung von Medikamenten.

Hildegard von Bingen hat dies bereits im 11. Jahrhundert erkannt und in „Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum“ niedergeschrieben.

Zur Entdeckung neuer Antibiotika, macht man sich Gifte – keine für den Menschen tödliche oder schädliche, zu Nutze, die von Bakterien und Pilzen zur Abwehr gegen andere Bakterienstämme produziert werden. Um diese Wirkstoffe nicht umständlich aus Pflanzen oder Bakterien gewinnen zu müssen, wurden molekulare Struktur der Wirkstoffe entschlüsseln. Die Strukturaufklärung von kleinen Molekülen ist ein aufwendiger und kostenintensiver Prozess, der mittels bioinformatischer Methoden heutzutage beschleunigt wird.

LEGO Bausteine der Forschung

Für Sars-CoV-2 werden zwei Linien genutzt, um einen Impfstoff herzustellen. Es ist einmal der mRNA und der Vektor-Impfstoff.

Die Forscher_innnen erfinden das Rad nicht neu, sie bauen auf bekannt Stoffe (Bausteine) auf. Es gibt Datenbanke, in denen Milliarden von „Bausteine“ gespeichert sind und darauf zugegriffen werden kann.

LEGO Bausteine kennt jeder und nach diesem Prinzip sind alle molekularen Stoffe für Schmerzmittel und auch Impfstoffe aufgebaut. Wenn ein Pharma Unternehmen die Grundplatte für zum Beispiel Vektor-Viren schon in seinem Programm hat, baut es natürlich auf diese Grundplatte auf. Nun kommen nur noch ein paar rote, gelbe oder blaue Bausteine hinzu. Diese können von einem „zweier-Stein“ bis hin zu einem „achter-Stein“ (Menge des Inhaltsstoff) reichen.

Was ist eine mRNA?

Um zu verstehen, was eine mRNA ist, muss man in das Innere einer menschlichen Zelle eintauchen. Denn mRNAs spielen bei der Produktion von Eiweissen, also Proteinen, im Körper eine wichtige Rolle. Die Baupläne der körpereigenen Proteine sind im Erbgut – in der DNA im Zellkern – gespeichert. Sie werden dort in mRNA umgeschrieben. Ist die mRNA mit dem Bauplan für ein Protein gebildet, verlässt sie den Zellkern. Ausserhalb des Zellkerns lesen dann sogenannte Ribosomen diesen Bauplan ab und stellen das entsprechende Protein her.

Die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. „m“ steht für messenger (Bote), „RNA“ für Ribonukleinsäure. Hier ist die mRNA die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers (das Spikeprotein). Die Boten-RNA gelangt mit Hilfe winziger Fettteilchen in die Körperzellen. Diese stellen dann ebenfalls das Viruseiweiß her, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.

Vektor-Impfstoff

Die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson sind sogenannte Vektorimpfstoffe. Sie brauchen als Grundlage ein Virus, um Informationen in den Körper zu schleusen. Als „Träger-Virus“ (Vektor-Virus) wird ein unschädlich gemachtes Erkältungsvirus (Adenovirus) verwendet. Bei Johnson&Johnson ist es ein verändertes menschliches Erkältungsvirus (Adenovirus 26), bei AstraZeneca ein Adenovirus, welches bei Schimpansen Atemwegsinfekte hervorrufen kann, für den Menschen aber ungefährlich ist (Adenovirus ChAdOx1). Die genetisch veränderten Vektor-Viren können sich nicht im menschlichen Körper vermehren. Sie enthalten das Gen, also Erbgut, für die Herstellung der Spike-Proteine. Die Vektor-Viren werden vom menschlichen Immunsystem nach kurzer Zeit abgebaut. Vektor-Impfstoffe kommen auch bei anderen Impfungen (zum Beispiel bei Ebola) bereits zum Einsatz.

mRNA-Impfstoffe verändert nicht das Erdgut

Bei mRNA-Vakzinen handelt es sich um ein neuartiges Prinzip, bei dem nicht ein virales Antigen verimpft wird, sondern quasi die Bauanleitung dafür. Professor Dr. Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut widerspricht der These, die gerne von Impf-Skeptikern anführt werden, dass jener Impfstoff das Erbgut schädigt oder verändert. Diese Aussagen entsprechen nicht dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand.Die oft angeführte Aussage, dass es nochkeinerlei humanmedizinische Erfahrungswerte mit demCorona-Impfstoff gäbe ist faktisch falsch. Es gibt schon seit Jahren Erfahrungen mit mRNA-Impfstoffen beim Menschen, im Rahmen von therapeutischen Tumorimpfstoffe.

Dr.rer. nat. Patricia Lefevre, Dijon, 31. Juli 2021

Quellen

– Epidemiologisches Bulletin, RKI, 2015

– Infanrix Fachinformation

– Professor Dr. Klaus Cichutek, Paul-Ehrlich-Institut

– PubChem

– SCNAT, Forum Genforschung, Bern

– Searching molecular structure database

– Td- Mérieux Fachinformation