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Frauenrechte in Afghanistan

Unter dem Taliban-Regime, dass sich ab 1994 in Afghanistan langsam wie ein Geschwür ausbreitete und bis zum Ende ihrer Herrschaft, im Jahr 2001, wurden den afghanischen Frauen ihre Menschenrechte und ihr Würde abgesprochen worden.

Autorin Nila Khalil

Als die internationale Gemeinschaft unter der Führung der USA mit dem Versprechen auf Demokratie, Schutz der Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit nach Afghanistan kam, war die Hoffnung groß, dass sich die Situation der Frauen wieder verbessern würde und sie endlich die gleichen Rechte wie Männer bekämen.
Internationale Organisationen, insbesondere die UN, die Europäische Union und die Entwicklungsagentur der USA, sagten ihre Unterstützung zu, um die Lage der afghanischen Frauen zu verbessern.

Die UNO machte ihre Unterstützung der afghanischen Regierung davon abhängig, dass diese die Rechte der Frauen und ihre stärkere Beteiligung in der Afghanischen Gesellschaft gewährleistete.
Die UN koordinierten diese Hilfen für Frauen und allmählich zeichnete sich eine Verbesserung der Situation ab: Frauen erhielten mehr Zugang zu Bildung und beteiligten sich vermehrt an der Gestaltung von Politik und Gesellschaft. Die unabhängige Menschenrechtskommission Afghanistan, UNAMA ( United Nations Assistance Mission in Afghanistan) wurde gegründet, und die Gleichberechtigung der Frau wurde in der Verfassung Afghanistans festgeschrieben.

Niloofar Rahmani

Mädchen durften wieder in Schulen und Universitäten, Frauen nahmen an Wahlen teil, und fünfundzwanzig Prozent der Sitze des afghanischen Parlaments wurden Frauen zugewiesen. Auch in anderen Bereichen der Politik, der Gesellschaft und der Wirtschaft wurden Frauen aktiv und Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten für Frauen nahmen zu.

Im Schlussdokument der Afghanistankonferenz  in Bonn im Dezember 2011 hat die internationale Gemeinschaft bekräftigt, auch nach 2014 und dem Abzug der ISAF-Truppen Afghanistan weiter helfen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte damals Afghanistan langfristige Hilfe über den Abzug der internationalen Kampftruppen hinaus zu. „Afghanistan kann sich auch nach 2014 auf die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft verlassen“, sagte Merkel.

Da die UNO, wie auch die NATO ihre militärische Präsenz in Afghanistan zurückschraubte und sich dadurch auch die Hilfen verringerten, erlahmte seitens der UNO, insbesondere der USA, auch das Interesse und die Aufmerksamkeit für den Schutz der sozialen Gerechtigkeit, der Demokratie und der garantierten Beteiligung von Frauen an der Politik.
Auch die Regierung unter Hamid Karsai auch nicht gerade mit Zuverlässigkeit glänzte, erfüllte diese ihre Verpflichtungen gegenüber Frauen nicht, denn die Gesetze und Vorschriften, die zur Sicherung der Frauenrechte eingeführt worden waren, standen lediglich auf dem Papier, wurden jedoch nicht angewandt.
Die Erwartung, dass die UNO und die Regierung Afghanistans die Gleichstellung und die Menschenrechte von Frauen gewährleisten würden, erfüllte sich nicht.
Im Gegenteil – niemand arbeitete ernsthaft an der Erfüllung dieser Verpflichtungen. Es zeigte sich beispielsweise, dass Frauen nur eine symbolische Rolle in der Struktur der afghanischen Regierung innehatten. Inzwischen hat sich, insbesondere aufgrund von wieder zunehmenden Sicherheitsproblemen, Armut, langlebigen Traditionen sozialer Unterdrückung und der Bedrohungen durch die Taliban, den IS und andere extremistische Gruppen, die Lage der afghanischen Frauen wieder verschlechtert, bis hin zu Lebensgefahr, und die Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten haben sich verringert und sogar dramatisch verschlechtert.

Nach einer Besichtigung eines Terroranschlag an einer Mädchenschule mit 14 getöteten Mädchen und 3 Lehrerinnen.

Fortsetzung von Krieg und Unsicherheit
Der fortdauernde Krieg und Terror und die insgesamt unsichere Lage hat für Frauen das Leben in vielen Provinzen wo die Taliban wieder die Macht stark erschwert. Die Recherchen von Afghan Women´s Network ergab mit rund 100 Vorfällen in nur 71 Tagen (01.11.2018 – 10.01.2019) ein erschreckendes Bild: In fast allen der 34 Provinzen Afghanistans waren mindestens zwei Vorfälle zu finden. In den unsicheren Teilen des Landes können derzeit Mädchen, wie auch in der Vergangenheit, keine Schulen besuchen; viele Familien erlauben ihren Töchtern nicht, zur Schule zu gehen, weil es zu wenig weibliche Lehrkräfte gibt. Heute, im einundzwanzigsten Jahrhundert, können sechzig Prozent der afghanischen Frauen und Mädchen weder lesen noch schreiben.

Viele Frauen, die in mehreren Provinzen für Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen gearbeitet hatten, mussten ihre Arbeit aufgrund der Sicherheitslage einstellen, oder haben schon in den letzten Jahren im Verborgenen gearbeitet und auch agiert. Darüber hinaus töteten und erschossen die Taliban mehrere Frauen wegen des bloßen Verdachts, mit der Regierung zusammengearbeitet zu haben. Menschenrechtlerinnen leben in Afghanistan unter ständiger Lebensgefahr.

Gewalt gegen Frauen in der Familie und in der Öffentlichkeit
Traditionen sozialer Unterdrückung gibt es heute überall in Afghanistan; immer noch leiden rund drei von vier Frauen unter unterschiedlichen Formen von Gewalt, nicht nur in der Familie, sondern auch in der Gesellschaft – am Arbeitsplatz, an Ausbildungsorten und sogar auf offener Straße. Viele Familien bevorzugen klar die Geburt eines Jungen und sind unglücklich über die Geburt eines Mädchens.

Kinder und Frauen werden zwangsverheiratet oder an ältere Männer verkauft, manchmal werden sie getauscht, gegen Vieh oder gegen die Lösung eines Konfliktes. Frauen und junge Mädchen werden vergewaltigt und Gewalt gegen Frauen wird von manchen im Namen der Religion gerechtfertigt. Polygamie stellt eine weitere Herausforderung für Frauen dar. Ein Mann hat beispielsweise das Recht, mit bis zu vier Frauen gleichzeitig verheiratet zu sein, und diese Frauen besitzen keinerlei Rechte. Viele Fälle von Gewalt gegen Frauen werden mittels informeller Gerichte oder in Stammesversammlungen entschieden. Die Entscheidungen dieser Stammesversammlungen sind unfair und ungerecht, vor aller Augen werden Frauen gesteinigt oder ausgepeitscht. 2015 wurde in der Provinz Ghor eine Frau gesteinigt, obwohl sie kein Verbrechen begangen hatte.

Nicht wenigen Frauen werden durch ihre Ehemänner Ohren und Nasen abgeschnitten. Viele Frauen  suchen in den Frauen- und Schutzhäusern der wenigen Internationalen oder auch privaten Organisationen Zuflucht vor dieser immer stärker um sich greifenden Gewalt. In vielen Provinzen sind die Täter dieser Gewaltakte mächtige Männer, Kriegsherren, Regierungsbeamte oder Parlamentsabgeordnete, und die Regierung sieht sich nicht in der Lage, sie zu verhaften und oder zu bestrafen.
Basierend auf Zahlen von UNAMA wurden im Jahr 2017 rund 3800 Fälle von Gewalt gegen Frauen registriert; 19 der betroffenen Frauen haben sich selbst verbrannt.

Natasha war eine Mitarbeiterin von mir

2018 nahm die Zahl der Verbrechen weiter zu und lag bei knapp 4200. Im vergangen Jahr blieb die Zahl auf gleich hohem Niveau. Menschenrechtsorganisationen können durch die instabile Lage in vielen Regionen gar keine Hilfe, bzw. Registrierungen vornehmen und so liegt die Zahl der tatsächlichen Opfer um ein vielfaches höher.
Die sehr lasche Verfolgung der Behörden, lässt somit eine Straffreiheit für die Männer zu und ist als Hauptgrund für die Zunahme dieser Gewalt zu nennen.
Selbst in Kabul sind Frauen und Mädchen nicht vor körperlicher Gewalt sicher. Als Beispiel hierfür sei der Mord an Farkhunda genannt. Dieses Mädchen wurde vor 2015 von Dutzenden Männern brutal getötet und verbrannt – nur wenige Kilometer entfernt vom Präsidentenpalast und vor den Augen von Sicherheitskräfte.
Dieser Vorfall spiegelt die Tragweite der Tragödie wider, mit der afghanische Frauen konfrontiert sind. Zwar wurden mehrere Personen im Zusammenhang mit diesem Mord verhaftet, jedoch gingen sie letztendlich straffrei aus. Frauen und Mädchen sind selbst an ihrem Arbeitsplatz oder an den Universitäten nicht sicher. Sie werden auf dem Arbeitsmarkt und in Bildungseinrichtungen von Männern auf unterschiedliche Arten belästigt und aufgefordert, illegitime Dinge zu tun; es gibt keinerlei Gesetze zur Unterstützung von Frauen in diesen Bereichen.

Die Erfolge der afghanischen Frauen und deren mangelnde Anerkennung
Menschenrechtsaktivistinnen haben in den letzten Jahren bedeutende Erfolge in Afghanistan und über die Grenzen Afghanistans hinaus erzielen können, sie haben nationale und internationale Preise gewonnen und damit der Welt ein anderes Gesicht von Afghanistan gezeigt, als das von Krieg und Gewalt. Doch die Beteiligung von Frauen an der politischen Entscheidungsfindung ist immer noch verschwindend gering.
Trotz positiver Errungenschaften im Leben der afghanischen Frauen beschränken sich der Fortschritt und die Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen in vielerlei Hinsicht auf Worte und Slogans. Zahllose Gesetze, Programme und Strategien wurden entwickelt, um die Stellung der afghanischen Frau zu stärken, doch deren Umsetzung war weniger erfolgreich. Immer wieder wurden diese Maßnahmen ignoriert.

Es ist offensichtlich, dass Frauenrechte in Afghanistan nur eine symbolische Rolle spielen, diese Doppelmoral und die frauenfeindlichen Einstellungen zeigen sich an folgendem Beispiel: Hamid Karsai hatte dem Parlament zwölf Ministeramtskandidaten zur Aussprache des Vertrauens präsentiert; das Parlament hat daraufhin den elf männlichen Kandidaten das Vertrauen ausgesprochen, Nargis Nehan aber, die als einzige Frau als Ministerin für Bergbau und Erdöl vorgeschlagen war, wurde abgelehnt.
Dies zeigt, dass in allen drei Organen der afghanischen Regierung Frauenfeindlichkeit herrscht und nach wie vor politische Entscheidungen auf der Grundlage gefällt werden, die männliche Dominanzkultur zu erhalten. In all den Jahren konnte keine einzige Frau Mitglied des Obersten Gerichtshofs von Afghanistan werden, stets lehnte das Parlament die Mitwirkung von Frauen in dieser Institution ab; Frauen gelten in Afghanistan immer noch als Menschen zweiter Klasse.

Ein Teil von meinem Team

Die allgemein unsichere Lage, das Versagen der afghanischen Regierung bei der Gewährleistung von Sicherheit für Frauen, die Einschränkungen und verschiedenen Arten von Diskriminierung sind Gründe dafür, dass Frauen nicht in der Lage sind, in Frieden in Afghanistan zu leben, und sich gezwungen sehen, allein oder mit der Familie in andere Länder zu gehen, insbesondere nach Europa, um dort Asyl zu beantragen.

Afghanische Frauen, die in Europa Asyl suchen, und der Albtraum der Flucht

Im Gespräch mit Dr. Idah Nabateregga von TERRE DES FEMMES sprach die Vorsitzende von Afghan Women´s Network, Nila Khalil im Dezember 2019 über die Europäische Asylanträge von Afghanischen Frauen.
„Es ist nicht einfach für afghanische Frauen und Mädchen, nach Europa zu kommen. In der Regel sind sie viele Risiken eingegangen, um mit ihren Familien in europäische Länder zu gelangen. Viele der Frauen und jungen Mädchen haben auf dem Weg entweder ihr Leben oder ihre Kinder und Familien verloren, sie wurden eingesperrt und mussten niederträchtiges Verhalten und abscheuliche sexuelle Belästigungen von Grenzsoldaten und Schmugglern erdulden. Zwar ist es auch für Männer nicht einfach, auf illegalem Wege zu reisen, doch für Frauen ist es noch einmal schwieriger. Aber trotz all dieser Gefahren und Probleme auf den Fluchtrouten haben afghanische Asylsuchende weniger Chancen auf Asyl als Asylsuchende aus anderen Ländern. Afghanische Asylsuchende dürfen bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihnen Asyl gewährt wird, keine Sprachkurse besuchen. Zwar steht ihnen eine Unterkunft zur Verfügung, sie werden finanziell versorgt und genießen Schutz, doch sehen sie sich mit mentalen und psychischen Problemen konfrontiert.“

In den Lagern und an den Orten, wo Geflüchtete leben, finden sich viele Beispiele für diese Art von Problemen. Eine afghanische Flüchtlingsfrau in Hessen, die von Oktober 2017 bis Mai 2019 in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht war, sprach bei einem Treffen im Januar 2020 mit der Vorsitzenden von Afghan Women´s Network.

„In Afghanistan hatte ich viele Probleme in der Familie und durfte nicht draußen arbeiten. Mein Mann und ich wollten an einem Ort leben, an dem wir in Frieden und wir selbst sein konnten und wo wir in Sicherheit sind. Also sind wir Richtung Europa aufgebrochen, ohne zu wissen, dass wir mit unserem Leben spielten. Stundenlang waren wir auf gefährlichen Routen zu Fuß in Richtung Bulgarien unterwegs. Mein Mann und ich wurden mit anderen Männern und Frauen von bulgarischen Grenzsoldaten festgenommen. Diese Grenzsoldaten folterten uns und brachten uns anschließend in ein Gefängnis, wo wir zusammen mit gefährlichen Gefangenen eingesperrt wurden.
Sie haben uns mehrere Tage lang nichts zu essen gegeben und uns so schlimm behandelt, dass ich es nicht aussprechen kann. Nachdem wir aus dem Gefängnis entlassen worden waren, sind wir nach Deutschland gelangt. Leider wurde unser Asylantrag abgelehnt und wir sollten nach Bulgarien zurückgeschickt werden. Ich war eineinhalb Jahre in einem Krankenhaus für geistige Gesundheit, aber ich kann keinen geistigen Frieden finden.“ (Anm.: Das Gespräch ging über mehrere Stunden und was jetzt geschrieben ist, ist die Quintessenz von diesem Interview)

Afghanische Frauen in Europa und Gewalt in der Familie
Abgesehen von mentalen und psychischen Gesundheitsproblemen erleben afghanische Frauen und Mädchen in vielen europäischen Ländern, insbesondere in Deutschland sexuelle und auch häusliche Gewalt. Nach Quellen deutscher Medien wurden allein 2017 zwei afghanische Frauen in den Städten Frankfurt und Herzogenrath von ihren Ehemännern getötet.

Gewalt ereignete sich auch in einem Flüchtlingslager in Schwerin, wo im November 2017 eine afghanische Frau durch einen iranischen Mann vergewaltigt wurde. Gemäß der Aussage eines Verteidigers von Frauenrechten in Frankfurt leben einige afghanische Familien hier nach denselben traditionellen Vorstellungen wie in Afghanistan und erlauben ihren Frauen nicht einmal, an Sprachkursen teilzunehmen. Die Hilfsangebote vieler Organisationen und Vereinigungen, die Geflüchtete bei ihren Integrationsbemühungen unterstützen, laufen dann ins Leere.
Ein weiterer schwerer Fall von Gewalt afghanischen Männer ist der Mord an Mia im Dezember 2017.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Unsicherheit, Ungerechtigkeit, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und fehlende Gleichberechtigung der Männer die Hauptgründe dafür sind, dass viele afghanische Frauen in Europa Asyl beantragt haben. Niemand würde ohne die oben genannten Gründe derart viele Risiken eingehen, ohne dazu gezwungen zu sein, niemand würde seinen Geburtsort verlassen und in einem Land mit einer anderen Kultur und Sprache Asyl suchen.
Das Leben in Deutschland, oder deren westlichen Nachbarstaaten, ist nicht einfach, es muss von Null aufgebaut werden und es braucht Zeit, sich der Gesellschaft anzupassen und die neue Sprache und Kultur zu lernen. Angesichts der Situation afghanischer Asylbewerberinnen ist klar, dass diese mehr als manche andere Unterstützung benötigen – von Organisationen, die die Menschenrechte verteidigen, sowie von der deutschen und den europäischen Regierungen.

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland heißt es, dass alle Menschen in diesem Land die gleichen Rechte haben und dass dieses Land demokratisch regiert wird. Aus diesem Grund erhoffen sich die afghanischen Frauen mehr von der Regierung dieses Landes. Gerade Frauen, die alleine sind oder allein die Verantwortung für ihre ganze Familie tragen, sind auf die Unterstützung der Bundesregierung und von Menschenrechtsorganisationen angewiesen. Geflüchtete Afghaninnen wünschen sich, dass ihre Fälle in Bezug auf die Situation in Afghanistan und die politischen und sozialen Probleme von Frauen in diesem Land überprüft werden.

Nila Khalil, Vorsitzende von Afghan Women´s Network und Mitglied der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf. Den Haag, 25. April 2020.

Der Alltägliche Rassismus

Ich möchte nun meine Erlebnisse zum Alltäglichen Rassismus schreiben.

Am 2. November sprach ich mit Jolien van de Wiel, sie ist seit dem 13. August die Therapeutin von Lenara. Jolien ist so alt wie ich und durch die noch vielen Operationen bei Lenara werden wir die nächsten Jahre oft zusammen sein. Ich mag Jolien und wir beide sind in kurzer Zeit gute Freundinnen geworden.

Autorin Nila Khalil

Wir kamen am 2. November auf die Präsidentenwahl in den USA zusprechen und den Rassismus den der noch amtierenden 45. Präsident der USA so gerne befeuert.
Nun, ich bin eine afghanin mit einem deutschen Pass und lebe in den Niederlanden. Rassismus erlebe ich an meiner Person kaum noch. Dies liegt vielleicht daran, dass ich als deutsche angesehen werde. Ich frage auch nicht nach. Rassismus erlebe ich aber an meinen Kindern, also die von der Kinder- und Jugendeinrichtung, fast täglich. Die Blicke einiger Menschen sagen mehr als tausend Worte.
Wenn ich mit einem oder mehreren Kindern aus Eritrea in die Stadt oder wo hin auch immer gehe, sehe ich die Blicke der Leute. Es ist die Hautfarbe die offensichtlich die Menschen stört. Wir haben auch muslimische Kinder in unserer Einrichtung und wenn Jugendliche Mädchen ein Hijab tragen, ist dies ihr gutes Recht. Ich / wir schreiben den Kinder keine Religion vor.

Nun zu einem Erlebnis, dass zeigt wie sehr der Rassismus in den Köpfen vieler Menschen ist – ob nun gewollt oder ungewollt.
Vor zwei Wochen war ich mit meiner Tochter Amira und Teline, eine Mitarbeiterin von mir, in einem Café in Delft. Teline ist seit 27 Jahren in den Niederlande. Auch sie kam als Flüchtlingskind aus Afghanistan und hat fast gleiche Fluchtgeschichte wie ich. Teline ist drei Jahre älter als ich und könnte meine Schwester sein – im Geiste sind wir es auch.
Seit 13 Jahren ist sie bei Erik de Joost in der Einrichtung für den Beriebsablauf und Dolmetscherin tätig. Ich kenne Teline seit ihrem ersten Tag in der Einrichtung.
Unsere Zusammenarbeit war in all den Jahren sehr kollegial und freundlich. Sie arbeitete in den Niederlanden und ich in Afghanistan. Seit dem 1. April 2020 bin ich ihre Chefin, was unserer Freundschaft kein Hindernis darstellt.
Wir drei saßen also in dem Café bei Kaffee und Kuchen. Wir sprachen in paschtu über belangloses. Durch Corona hat man in den Cafés und Restaurants einen großen Abstand zu den anderen Besucher. Körperliche Distanz nennt man dies. Für Ohren gilt dies nicht! Zwei Tische neben uns saßen zwei ältere Damen und ich merkte, dass deren Ohren immer länger wurden und beide über uns sprachen. Wir drei können ja auch niederländisch und sprachen auf paschtu über jenes, was beide älteren Damen über uns so erzählen.
Es kamen dann die Sprüche wie immer: Islam, Ausländer, Schmarotzer….. das übliche eben.
Woher die beiden älteren Damen auf die Religion kamen, erklärte sich uns nicht. Keine von uns trug ein Hijab und keine hat den muslimischen Glauben. Das wir „Ausländer“ sind, ist in vielleicht durch die Hautfarbe zu erkennen, mehr auch nicht. Teline hat einen niederländischen Pass, Amira die niederländische Daueraufenthaltsgenemigung und ich einen deutschen Pass. Schmarotzer konnten wir uns beim besten Willen nicht erklären, denn wir waren vernünftig gekleidet.
Teline sah uns beide an, nahm tief Luft und rollte mit den Augen.  Sie fing an auf niederländisch zu sprechen und dies extra etwas lauter. Ich sagte ihr, „lass gut sein. Lass die Damen in ihrem Glauben.“ Teline schüttelte den Kopf. „Nee Nila, ik laat het niet goed zijn. Ik ben een burger van dit land. (Nein Nila, ich lasse es nicht gut sein. Ich bin eine Bürgerin dieses Landes.) Teline dreht sich zu den beiden Damen und sprach diese offen an, warum sie auf diese Haarsträubende Meinung über uns kommen würde. „Kijk naar ons! Lijken we op parasieten? Lijken we op moslims? Alleen omdat we in een andere taal spreken, wil nog niet zeggen dat we zijn wat u wilt dat we zijn. We werken met z’n drieën in Nederland en we betalen onze belasting en je pensioen.“ (Schauen Sie uns an! Sehen wir wie Schmarotzer aus? Sehen wir wie Muslime aus? Nur weil wir uns in einer anderen Sprache unterhalten,  sind wir nicht das, was Sie gerne hätten. Wir drei arbeiten in den Niederlanden und wir bezahlen unsere Steuern und Ihre Rente.)
Völlig konsterniert sahen uns die beiden älteren Damen an und bekamen einen hoch roten Kopf.

Nun eine Geschichte, die schon sehr lange zurück liegt und trotzdem noch im Kopf ist.

Als ich 1990 nach Deutschland kam war alles fremd für mich. Die Umgebung, die Sprache, die Kultur. Meine damalige Tante Mila und Onkel Milad, nach 30 Jahren „Tocher“ von beiden, kann ich mittlerweile von meinen Eltern sprechen, sind 10 Jahre früher aus Afghanistan geflohen. Beide kam 1980 nach Deutschland. Mein Vater arbeitete nach der Ankunft in Deutschland bei Mercedes am Fließband, wurde Vorarbeiter, machte 1987 seinen Meisterbrief als Werkzeugbauer und bekam 2003 (zum 50.Geburtstag) eine Stelle in der Prototypen Entwicklung bei Mercedes-Benz.
Mila, meine Mutter, hatte in Afghanistan BWL studiert und auch dort bis zu ihrer Flucht gearbeitet. In Stuttgart war sie ab 1981 bei Merzedes in der Verwaltung. Also nichts mit Sozialschmarotzer oder Pack.

Mit mir sprachen beide deutsch und brachten mir auch sehr viel bei. So wurde ich im Herbst 1990 von meiner Mutter und einer pensionierten Lehrerin aus der Nachbarschaft in deutsch unterrichtet. Im Frühjahr 1991 musste ich beim Jugendamt und der Schulaufsicht einen Eignungstest machen, für welche Schule ich geeignet war. Ich konnte auf die Realschule gehen.

Ich kann mich noch sehr gut an meine Schulzeit erinnern. Es war 1993. Ich war schon zwei Jahre an der Realschule in Stuttgart und bekam zufällig im Lehrerzimmer eine Unterhaltung mit, wo eine Mutter sich über mich ausgelassen hatte. Ihre Tochter kam, durch Umzug bedingt, nach den Osterferien bei uns in die Klasse und eben jene Mutter äußerte sich bei meinem Klassenlehrer über mich: „Sie haben ja ein Flüchtlingskind in der Klasse. Ist dies für die Klassenleistung nicht hinderlich?“ Als ich dies hörte, setzte für einen Augenblick mein Herz aus. Mein Klassenlehrer, Herr Dellinger, zu dem ich heute noch Kontakt habe, erklärte der besorgten Mutter, dass ich keineswegs das Leistungniveau senken würde und er es sich verbiete, dass sie so über mich denken würde.
Am gleichen Tag, nach der großen Pause, wurde von meinem Klassenlehrer in der Klasse klar gestellt, dass alle Mitschüler an dieser Schule, Schüler der Linden Realschule seien und es keinen Unterschied geben wird und er dies auch nicht dulde.
Ich wusste wer die Tochter von jener Mutter war und brauchte lange um mit ihr zu reden. Täglich sah ich Susanne in der Klasse, auf dem Pausenhof oder im Leistungskurs. Wie gehe ich damit um? Soll ich es ignorieren oder soll ich sie fragen; es klar stellen? Es tat mir im Herz weh und ich wusste nicht was ich machen sollte.
Da ich mit der Tochter von meinem Klassenlehrer befreundet war und dies immer noch bin, war ich früher sehr oft bei ihnen zu Hause. In den Sommerferien sprach ich Norbert, also Herr Dellinger, darauf an. Über zwei Monate trug ich diese Worte mit mir und wusste nicht mit wem ich sonst hätte reden können. Natürlich wussten es meine Eltern und sagten: ich soll mir dies nicht so zu Herzen nehmen.
Mit Norbert sprach ich darüber und er war traurig, dass ich zwei Monate diesen Schmerz mit mir versuchte auszumachen. Zwei Tage später rief mich Norbert an und fragte, ob ich mit Yvonne, seiner Tochter, ins Schwimmbad möchte. Ich sagte zu und Norbert kam mich abholen. Wir fuhren nicht ins Schwimmbad, sondern zu ihm nach Hause und er hatte jene Mutter mit Tochter zu sich bestellt. Im Garten erklärte er den beiden von unserer Unterhaltung, von vor zwei Tagen und wie weh mir dies tat. Susanne, die Tochter, entschuldigte sich sofort und die Mutter war etwas pikiert über diese Konfrontation. Ich erzählte beiden meine Flucht aus Afghanistan über den Iran, Türkei, Bulgarien, Rumänien, Österreich bis nach Deutschland. Wie und was ich auf dieser Flucht erlebt hatte und wie ich mich, was ich hoffte, in Deutschland integriert zu haben. Das hatte gesessen! Seit jener Zeit wurde ich in der Schule nie wieder als Flüchtling oder Ausländer bezeichnet.

In der Schule waren damals auch Kinder von türkischen Eltern, die meisten in Deutschland geboren, also nichts mit Ausländer. Ich war die Exotin. Afghanistan war den meisten in den 90er kein Begriff. „Ein Land von da hinten“, hörte ich oft. Den Dialekt lernt man als Kind am schnellsten. Da i in Schduagard gewohnt hänn, lernde i des schwäbisch no vor däm Hochdeidsch. Dies war am Anfang unglaublich schwierich. I kannde die schwäbische Wördr füe viele Gegenschdänd, abr ned die Hochdeidsche. Moi Ufsädze vo damals wara scho der Brüller.

Da ich heute immer noch hin und wieder an meiner ehemaligen Schule bin, folgt ein Text den meine Tochter bei unserem letzten Besuch im Februar 2020 geschrieben hat.

https://naike-juchem.com/2021/10/18/mit-mama-zu-besuch-in-ihrer-ehemaligen-schule/

Stuttgart

Wie es als Teenager so ist, geht man auch gerne shoppen. In einem Geschäft von C&A war ich mit einer deutschen Freundin, die einen afro-amerikanischen Vater hatte (muss ich hier leider erwähnen), beim aussuchen und anschließend anprobieren von jenen Kleider. Ich stand in der Umkleidekabine und wollte die Kleider anprobieren. Eine Mitarbeiterin von C&A riss den Vorhang auf und brüllte mich an, „Hier wird nix klaud!“ Fassungslos und nur in Unterwäsche sah ich die Frau an. Auf meine Erklärung hin, dass ich jene Teil gerne anprobieren möchte, kam von der Mitarbeiterin nochmals gleiches gebrüll. Die umstehenden Leute schauten natürlich in Richtung der Umkleidekabine. Mir war dies mega peinlich und unter den Augen der Mitarbeiterin zog ich meine Kleider an.
Dieses Erlebnis ist nun 25 Jahre her und wenn ich heute noch in ein Geschäft gehe, denke ich an diesen Vorfall. Ein Geschäft von C&A habe ich seit jenem Tag nie wieder betreten.

Nun noch ein Vorfall von alltäglichen Rassismus.

Vor drei Jahren bin ich mit meiner Tochter, sie war damals 22 Jahre alt, in Stuttgart gelandet und wie so üblich steht man in der Schlage vor dem Zoll. Neben uns stand ein Ehepaar dass ich um mitte 50 schätzte. Ich hielt die Pässe von mir und meiner Tochter in der Hand und der Mann sah nur den afghanischen Pass meiner Tochter. Zu seiner Frau sagte er, „wie können sich die Ausländer einen Flug leisten, die handeln bestimmt mit Opium.“ Bei dem gehörten rieß meine Tochter die Augen auf. Die Frau nickte ihm zu und setzte noch einen drauf. „Die haben bestimmt auf der Bordtoilette die Burkas gegen die Miniröcke getauscht.“ In den Augen von Amira sah ich schon ihren kampfgeist. Ich sprach auf paschtunisch zu ihr, „mal schauen, wo dieses Schauspiel noch hinführt. Bleibt ruhig.“
Die Frau stichelte weiter, „hast du gesehen, die haben sogar Markenkleider an.“ (Wir beide mögen Kleider von Esprit) „Das sind Kopien, da wo die herkomme wird alles kopiert.“ (Welch eine Scharfsinnige Analyse). Amira blies hörbar die Luft aus.
Endlich waren wir an der Reihe und ich gab der Zollbeamtin unsere Pässe. Der Blick der Beamtin fiel auf die vielen Stempel in meinem deutschen Reisepass. Freundlich sagte diese, „Sie sind ja eine richtige Globetrotterin.“ Ich sagte ihr, dass ich bei der Menschenrechtskommission der UN sei und durch den Job eben auch sehr viel unterwegs. Ich sagte der freundliche Beamtin, dass ich mit meiner Tochter in Genf bei UNICEF war.“ Ein leichter Blick nach rechts zu dem Ehepaar musste ich mir geben. Amira sagte zu den beiden Herrschaften, „ist schon blöd, wenn die Vorurteile so schnell zusammen fallen. Im übrigen hatte meine Mutter in ihrem Leben noch nie eine Burka getragen. Schönen Tag noch.“

Wir beide gingen grinsend zur Gepäckausgabe und jenes Ehepaar hielt einen maximalen Abstand zu uns und stand auf der gegenüber liegenden längsseite, wie geprügelte Hunde.

Nila Khalil, Den Haag, 18. November 2020

Wie lange sind wir Flüchtlinge

Ich las gestern bei Kalle Khalil seine Gedanken zu dieser Frage und seit dem lässt mich diese Frage nicht los.

Autorin Nila Khalil

Heute Morgen rief ich nach Luxemburg an und stellte gleiche Frage an Leon. Seine Antwort war:
„Hues du ze vill Gras gefëmmt?“ (Hast du zu viel Gras geraucht?)
„Bis jetzt noch in einem ertäglichen Rahmen. Ist aber auch die falsche Antwort.“ „Du kënnt zimlech fréi moies ganz scheene Froen stellen. Ech hunn keng Sorsch um daad gemacht und wäert ma och keng Sorsch doriwwer maache. Du, ech, mir sinn Mënsch. Punkt.“ (Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht und werde sie mir auch nicht machen. Du, ich, wir sind Menschen. Punkt.)
Trotzdem sprach ich noch fast eine Stunde mit Leon und sagte ihm, was er seit unserer letzten Unterhaltung noch nicht wusste.

Mit Rebecca traf ich mich heute um 11 Uhr in Rotterdam an der Brandwonden Klinik. Sie war schon auf dem Parkplatz als ich kam. Ihre Begrüßung war eine andere als die zwei Monate zuvor. Sie drückte mich fest und ihre Augen hatten wieder ein Strahlen. Sie würde sich auf morgen freuen, wenn sie mit den Kindern zu uns nach Den Haag kommen kann und sie würde gerne zwei Wochen bleiben. Dies hatten wir gestern schon besprochen.

Gemeinsam gingen wir in die Klinik und es war auch für mich heute ein anderes Gefühl. Die Prozedur in der Intensievstation war ja auch immer die gleiche und das Umziehen in diese furchtbaren grünen Kleider war auch anders wie sonst. Zurück ins Stationszimmer und unser Outfit kontrolieren lassen. Ich schaute mir das EEG von Lenara der letzten eineinhalb Tage an. Die neuenTöne und Musik aus Schottland und Irland scheinen Lenara zu gefallen. Die EEG Kurven zeigten eine Veränderung. Kann auch sein, dass sie solche Töne gar nicht kannt und ihr Gehirn mehr „Arbeit“ braucht um diese zu verarbeiten.
Im Zimmer von Lenara las ich das nächste Kapitel aus Peter Pan, Wendys Geschichte.
Ich sprach wieder so einiges mit ihr. Wie das Wetter gestern war, was mein Vater am Abend gegrillt hatte und wie ich den gestrigen Tag verbracht hatte.
Heute will ich aber nicht über Lenara schreiben, sondern über jene Frage von Kalli.

Wie lange sind wir Flüchtlinge?

Um kurz vor 15 Uhr war ich im Umkleideraum und auch Rebecca kam kurze Zeit später in den Raum. Sie sagte noch, dass sie gestern lange mit ihren Eltern und Schwiegereltern gesprochen hatte und sie alle die Entscheidung begrüßten, dass Rebecca für eine Zeit nach Den Haag ginge. Auch habe sie mit der Klassenlehrerin von Luuk gesprochen und sie würde mich am Montag bezüglich des Schulunterrichts anrufen. „Sehr gut. Es freut mich, dass du meine Hilfe annimmst. Nun hätte ich aber auch eine Frage an dich.“
„Graag. Natuurlijk. Vraag het me.“
„Wie lange bin ich Flüchtling?“
Rebecca sah mich an, als ob in diesem Augenblick ein UFO landen würde.
„Je meent het nu niet meer! (Du meinst es jetzt nicht ernst!)“
„Doch! Es ist eine Frage über die ich nun seit Stunden nachdenke.“
Rebecca schüttelte immer wieder den Kopf.
„Nee, du bischt doch niet an Fluchtling. Du wonscht doch hier bij ons.“

Mit zwei großen Tassen Kaffee saßen wir wieder in unser Nische und erzählte ihr meine Gedanken.
„Ich kann mich noch sehr gut an meine Schulzeit erinnern. Es war 1993. Ich war schon fast 3 Jahre an der Realschule in Stuttgart und bekam zufällig im Lehrerzimmer eine Unterhaltung mit, wo eine Mutter sich über mich ausgelassen hatte. Ihre Tochter kam, durch Umzug bedingt, nach den Osterferien bei uns in die Klasse und eben jene Mutter bezeichnete mich bei meinem Klassenlehrer: „Sie haben ja ein Flüchtlingskind in der Klasse. Ist dies für die Klassenleistung nicht hinderlich?“ Als ich das hörte, setzte für einen Augenblick mein Herz aus. Mein Klassenlehrer, Herr Dellinger, zu dem ich heute noch Kontakt habe, erklärte der besorgten Mutter, dass ich keineswegs das Leistungniveau senken würde und er es sich verbiete, dass sie so über mich denken würde.“
Rebecca schaute mich mit offenem Mund an und war nicht in der Lange etwas zu sagen.
„Am gleichen Tag, nach der großen Pause, wurde von meinem Klassenlehrer dies in der Klasse klar gestellt, dass alle Mitschüler in dieser Schule, Schüler der Linden Realschule seien und es keinen Unterschied geben wird. Ich wusste wer die Tochter von jener Mutter ist, und brauchte lange um mit ihr zu reden. Täglich sah ich Susanne in der Klasse, auf dem Pausenhof, im Leistungskurs. Wie gehe ich damit um? Soll ich es ignorieren oder soll ich sie fragen; es klar steellen? Rebecca, wie geht man als 13 jährige damit um, wenn du als ein Mensch angesehen wirst, der den Klassenspiegel senkt?“
„Ik weet het niet. Ik vind het heel verdrietig om dit van je te horen. (Ich weiß es nicht. Es macht mich sehr traurig dies von dir zu hören.)
„Es tat auch mir im Herz weh. Da ich mit der Tochter von meinem Klassenlehrer befreundet war und dies immer noch bin, war ich früher sehr oft bei ihnen zu Hause. In den Sommerferien sprach ich Norbert, also Herr Dellinger, darauf an. Über zwei Monate trug ich diese Worte mit mir und wusste nicht mit wem ich sonst hätte reden können. Natürlich wussten es meine Eltern und sie sagten: „Lass sie laufen, du bist besser als sie.“ Das brauchte mich nicht viel weiter, denn die Worte blieben in meinem Kopf. Mit Norbert sprach ich darüber und er war traurig, dass ich zwei Monate diesen Schmerz mit mir versuchte auszumachen.“
„Nila, het spijt me zo.“ (Das tut mir so leid.)
„Zwei Tage später rief mich Norbert an und fragte, ob ich mit Yvonne, seiner Tochter, ins Schwimmbad möchte. Ich sagte zu und Norbert kam mich abholen. Wir fuhren nicht ins Schwimmbad, sondern zu ihm nach Hause und er hatte jene Mutter mit Tochter zu sich bestellt. Im Garten erklärte er den beiden von unserer Unterhaltung, von vor zwei Tagen, und wie weh mir das tat. Susanne, die Tochter entschuldigte sich sofort und die Mutter war noch etwas pikiert über diese Konfrontation. Ich erzählte beiden meine Flucht aus Afghanistan über den Iran, Türkei, Bulgarien, Rumänien, Österreich nach Deutschland. Wie und was ich auf dieser Flucht erlebt habe und wie ich mich, was ich hoffte, in Deutschland integriert zu haben. Das hatte gesessen! Seit jener Zeit wurde ich nie wieder als Flüchtling bezeichnet.“


Fassungslos sah mich Rebecca an.
„Nila, du bist eine unglaublich starke Frau. Ich hatte gestern sehr lange mit meinen Eltern über dich gesprochen und habe ihnen auch gesagt, dass du aus Afghanistan stammst, in Deutland gelebt hast und die letzten Jahre in Afghanistan unglaublich viel aufgebaut und erreicht hast. Ich hörte den Respekt und die Anerkennung heraus und es ist nicht ein negatives Wort über dich gefallen. Geen negatief woord!“
„Du hast mich ihnen ja beschrieben. Dann mal anders herum, wie hast du mich die ersten Male wahrgenommen, als wir uns hier begegent sind und wir uns nur kurz begrüßt hatten?“
„Dat is een schöne vrouw. Die heeft ook veel te lijden.“ (Die auch viel Leid zu tragen hat.)
„Jetzt lass doch mal mein Aussehn weg.“
„Äh, hoe moet ik je zien?“ (Äh, wie soll ich dich sehen?)
„Wie du mich eben wahrgenommen hast.“
„Als een mooie vrouw.“
„Rebecca, dass meine ich nicht! Hast du mich als Ausländerin oder Muslime gesehen?“
„Nee. Wie kommst het darauf? In de Nederland wonen veel mensen uit veel landen.“

So ging die Unterhalung weiter und es war für mich nicht die Antwort auf meine Frage oder nicht die richtige Antwort.

Ich selbst sehe mich als einen weltoffenen, liberalen, etwas klugen Menschen. Ich habe nichts mit einem Glauben zu tun und renne auch nicht jeder Meinung sofort hinter her. In Deutschland wurde ich in den Jahren von 1990 bis 2005 selten als Flüchtling gesehen, eher als eine Ausländerin. Das ist heute auch mit dunkelhäutigen so, die in Deutschland geborne sind.

Anmerkung: Laut Amnesty International gilt folgende definition: Farbige/farbig ist ein kolonialistischer Begriff und negativ konnotiert. Eine Alternative ist die Selbstbezeichnung People of Color (PoC, Singular: Person of Color). Begriffe wie „Farbige“ oder „Dunkelhäutige“ lehnen viele People of Color ab. Die Initiative „der braune mob e. V.“schreibt: „Es geht nicht um ‚biologische‘ Eigenschaften, sondern gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten.“ Um das deutlich zu machen, plädieren sie und andere dafür, die Zuschreibungen Schwarz und Weiß groß zu schreiben.* Eine alternative Schreibweise ist, weiß klein und kursiv zu schreiben.
Möchte meine Gedanken schon im Polítical Corréctness schreiben.
Anmerkung: Für mich hat sich noch nie die Frage nach der Hautfarbe gestellt und käme mir auch etwas blöd vor einen maximalpigmentierten Menschen mit: „Hallo PoC, wie geht es dir?“ anzureden.
Phu, ich merke die Frage mit der Hautfarbe bringt mich doch ganz schön ins schlingern.

Nun zurück zu der einen Frage, bevor meine Gedanken weiter ausufern.

Die letzten 14 Jahren in Afghanistan war ich die Deutsche, obwohl ich in Afghanistan geboren bin. Die ersten Jahre wurde ich immer als: “Nila die Deutsche, die dies und jenes nun hier vor hat aufzubauen, organisieren“; oder um was es auch immer mit der Vorstellungen meiner Person ging.

Seit Dezember bin ich in den Niederlanden und da ich anfangs nur auf Besuch dort war, wurde ich bei Treffen mit Politer oder Behörden als: “Frau Nila Khalil, Menschenrechtlerin aus Afghanistan“; vorgestellt. Da wurde plötzlich mein Beruf, obwohl er dies nicht ist, mit vorgestellt. Bin ja eigentlich nur Bürokauffrau.
Seit März hat sich einiges in der Anrede geändert und ich stelle mich selbst vor mit: Nila Khalil.
Dies bin ich auch im Krankenhaus, auf der Bank oder bei den Nachbarn.

Nachbarn: Gutes Stichwort. Meine Eltern sind seit dem 13. März in Den Haag und hatten ja auch schon Kontakt mir den Nachbarn und sie haben sich immer als Mila oder Milad Faani aus Stuttgart vorgestellt. Die Nachbarn fragten nach dem Nachnamen und es wurden denen gesagt, dass dieser aus Afghanistan stamme. Hier wurden sie nun gefragt, warum sie aus Stuttgart nach Den Haag kommen. Also ist Afghanistan völlig außenvor.

Nun habe ich mir den Kopf frei geschrieben und bin immer noch nicht schlauer, aber der Gedanke nach dem, wie lange ich Flüchtling bin, ist für einige Zeit aus meinem Hirn.

Nila Khalil, Den Haag 2. Mai 2020

DIE WELT AM ABGRUND, HEUTE SIND WIR EINEN SCHRITT WEITER

Autorin Naike Juchem

Meine Gedanken zu Terror, Krieg, Flüchtlinge und das Ende der Zivilisation.


Ma sympathie aux proches des victimes de Paris. La liberté ne peut et ne sont pas affectées par le terrorisme. Mein Mitgefühl an die Angehörigen der Opfer von Paris. Die Freiheit kann und wird durch Terror nicht erschüttert.

Nach dem Terroranschlag am 13. November 2015 im Club „Bataclan“ in Paris. Es starben an jenem Tag 130 Menschen.

Definition von Terror
Alleine für diese Überschrift müsste ich Seiten lang schreiben um es genau zu definieren. Ich werde es aber auf einige Sätze beschränken müssen. Der Vorgang, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen Gewalttaten wie Bombenanschläge und Morde ausführt, um Angst und Schrecken zu ein über längere Zeit andauerndes Verhalten gegenüber anderen Menschen, bei dem man mit Drohungen, Zwang und Gewalt diese einschüchtern und schließlich beherrschen will. Durch das verbreiten von Terror wollen die Terroristen bestimmte Ziele durchsetzen.

Der Terror kam am 13.11.2015, wieder, mitten in Europa an. War der Terror den überhaupt weg? Nun schreit halb Europa, Deutschland besonders, wieder gegen Muslime und Flüchtlinge.

Vor dem Club „Bataclan“ in Paris

Aber der Reihe nach.

Um nicht bis in die Steinzeit zu reisen um Terroranschläge mal etwas chronologisch darzustellen. Natürlich kann ich nicht alles schreiben , denn dann wäre ich noch in zwei Tagen an diesem Absatz. Ich gehe soweit zurück, ab wann ich verstand was Terror ist. Ich bin 1970 geboren und werde mal in der Zeit der RAF anfangen.

Die Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyers, die Entführung des Lufthansa-Flugzeugs „Landshut“ und die Selbstmorde der inhaftierten führenden Mitglieder der ersten Generation der RAF stellten den Schlussakt der so genannten Offensive 77 der RAF dar. Der Deutsche Herbst gilt als eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Heute gesehen kommt mir die RAF wie eine Kindergartentruppe vor.
Ich erwähne auch nicht die ETA in Spanien oder Boko Haram in Nigeria . Denn dann hätte ich am Ende ein Buch über Terror geschrieben! Ich will nur verdeutlichen, wie nah Terror ist und war.

Als NSU-Morde wird eine deutschlandweite Serie von Tötungsdelikten an Männern mit Migrationshintergrund bezeichnet, die in den Jahren 2000 bis 2006 in verschiedenen Großstädten Deutschlands aus mutmaßlich völkisch-rassistischen Motiven verübt wurde. Die Opfer waren acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer, die erste bekannte Tat ereignete sich am 9. September 2000, die letzte am 6. April 2006. Seit November 2011 werden die Verbrechen der rechts terroristischen Organisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zugeordnet. Unter Mordverdacht stehen die Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die am 4. November 2011 Suizid begingen, und die ebenfalls des Terrorismus beschuldigte Beate Zschäpe, die sich am 8. November 2011 der Polizei stellte. Der Prozess dauert noch an.

Nachbau einer der am 31. Juli 2006 in den Regionalzügen der Deutschen Bahn von Aachen nach Hamm und Mönchengladbach nach Koblenz gefundenen Kofferbombe, Wanderausstellung des Bundesamt für Verfassungsschutz.

Deutschland ist bereits seit Jahren Ziel von Terror. Bislang waren die Extremisten mit ihren Plänen allerdings nicht erfolgreich: Entweder vereitelten Ermittlungsbehörden die Anschläge im Vorfeld oder die Technik der Sprengsätze funktionierte nicht – wie es bei den versuchten Anschlägen mit Kofferbomben im vergangenen Jahr der Fall war. Die Bilanz der Attentäter im europäischen Ausland ist allerdings verheerend. Bei Anschlägen in London und Madrid kamen hunderte Menschen ums Leben. Im Folgenden eine Chronik von geplanten und ausgeführten islamistischen Anschlägen in Europa.


Dezember 2000:
Islamisten planen in Deutschland einen Sprengstoffanschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt. Sie bauen einen Schnellkochtopf zu einer Bombe um, die in mitten der Menschenmassen explodieren sollte. Nur knapp vor der Tat verhaftet die Polizei vier algerische Mitglieder der so genannten „Frankfurter Zelle“. Im Jahr 2003 werden sie zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.


April 2002:
Die islamistische Gruppe Al-Tawhid plant Attentate auf jüdische Gaststätten und Einrichtungen in Berlin und Düsseldorf. Die Polizei vereitelt die Pläne und verhaftet mehrere Mitglieder der Gruppe. Auch sie müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis.


November 2003:
Zwei Explosionen verwüsten unter anderem Synagogen, eine Niederlassung der Londoner HSBC-Bank und das britische Konsulat in Istanbul – 61 Tote, rund 400 Verletzte. Die Tat wird der islamischen Extremistengruppe Al-Kaida zugeschrieben.


März 2004:
Mehrere Bomben explodieren in Nahverkehrszügen in Madrid während des morgendlichen Berufsverkehrs. 191 Menschen sterben, rund 1800 werden verletzt. Auch dieser Anschlag wird der Al-Kaida zugerechnet.


Dezember 2004:
Der irakische Ministerpräsident Ijad Allwai soll nach Erkenntnissen von Ermittlern bei seinem Besuch in Deutschland ermordet werden. Drei irakische Islamisten werden kurz vor dem geplanten Attentat von der Polizei festgenommen. Sie stehen seit 2006 in Stuttgart vor Gericht.


Juli 2005:
In London sprengen sich vier islamistische Selbstmordattentäter in U-Bahnen und in einem Bus in die Luft. 52 Menschen werden dabei getötet, rund 700 weitere verletzt.


August 2006:
Selbstmordattentäter wollen Flüssigsprengstoff in mehreren Flugzeugen auf dem Weg von Großbritannien in die USA zünden. Die Britische Polizei verhindert den Anschlag. Als Reaktion werden die Sicherheitsbestimmungen für Flugreisende weltweit verschärft.


August 2006:
In Dortmund und Koblenz werden zwei Kofferbomben in Nahverkehrszügen gefunden. Nur wegen handwerklicher Fehler explodierten die Bomben nicht. Zwei Tatverdächtige werden auf Grund von Aufnahmen einer Überwachungskamera schnell gefasst.


Juni 2007:
Ein Auto rast in den Haupteingang des Flughafenterminals von Glasgow und geht in Flammen auf. Sechs Menschen werden verletzt, darunter ein Verdächtiger. Die Ermittler gehen von Verbindungen der Attentäter mit Al-Kaida aus. Bereits am Tag vor dem Anschlag entschärfte die Polizei Sprengsätze, die in zwei Autos in der Londoner Innenstadt versteckt wurden.


2007 Medebach. Sauerland-Gruppe:
Anfang September 2007 nehmen Sicherheitskräfte in einem Ferienhaus im sauerländischen Medebach die beiden zum Islam konvertierten Deutschen Fritz G. und Daniel S. sowie den türkischen Staatsbürger Adem Y. fest. Die sogenannte Sauerland-Gruppe hatte Sprengstoffanschläge insbesondere gegen US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland geplant. Die drei Männer und ein Helfer werden im März 2010 zu Haftstrafen von fünf bis zwölf Jahren verurteilt.


2011 Frankfurt am Main. Anschlag auf US-Soldaten:
Beim ersten tödlichen Anschlag mit islamistischem Hintergrund in Deutschland sterben am 2. März am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten, zwei weitere werden schwer verletzt. Derzeit muss sich der Kosovare Arid U. vor dem Frankfurter Oberlandesgericht verantworten. Der 21- Jährige wollte laut Anklage „Vergeltung“ für den US-Einsatz in Afghanistan üben.


2011 Düsseldorf. Mutmaßliche Al-Qaida Zelle:
Nach sechs Monaten Observierung nimmt die Polizei am 29. April in Düsseldorf und Bochum drei mutmaßliche Al-Qaida-Mitglieder fest, die seit Dezember 2010 einen Sprengstoffanschlag in Deutschland vorbereitet haben sollen. Es handelt es sich um einen Marokkaner, einen Deutsch-Marokkaner und einen Deutsch-Iraner. Gut vier Monate nach der Festnahme wird nach Angaben der Bundesanwaltschaft weiterhin gegen die Verdächtigen ermittelt.


Nun werde ich dieses Thema beenden. Ich möchte mit all diesem sehr langen Text, wobei ich mit meinen Gedanken noch nicht am Ende bin, aufzeigen, das all diese Terror Anschläge NICHT von Flüchtlingen begangen wurden , welche zur Zeit in Europa und Deutschland Zuflucht und Sicherheit suchen.

Uğur Gallenkuş – Parallel Universes

Zweites Kapitel: Krieg

Auch hier gehe ich nicht bis in alle Ewigkeit zurück. Es soll bis 1990 reichen und auch nur in “ unmittelbarer Nähe “ von Europa. Sicher weiß ich auch, dass vieles zusammen hängt. Aber ich will und kann ja nicht alles schreiben.
Kriege sowie diverse Aufstände prägen seit jeher die Menschheitsgeschichte. Kontinuierlich geht es auch heute noch um politische Macht, Gebietsansprüche oder Rohstoffe. Dazu in einem anderen Kapitel mehr. Einzig dienlich der endlosen Kapitalgier sogenannter „Hochfinanzeliten „. Doch westliche zivilisierte Bürger ignorieren sämtliche Kriege, welche seit 1945 geführt, sprechen sogar von friedlichen Zeiten. ???

Völkermord in Ruanda

Da ich in Rheinland Pfalz wohne möchte ich mein Kapitel mit dem Völkermord in Ruanda beginnen. Den Rheinland Pfalz ist das Partnerland von Ruanda.
Als Völkermord in Ruanda werden umfangreiche Gewalttaten in Ruanda bezeichnet, die am 6. April 1994 begannen und bis Mitte Juli 1994 andauerten. Sie kosteten circa 800.000 bis eine Million  Menschen das Leben. In annähernd 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75% der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie moderate Hutu, die sich am Völkermord nicht beteiligten oder sich aktiv dagegen einsetzten. Die Täter kamen aus den Reihen der ruandischen Armee, der Präsidentengarde, der Nationalpolizei und der Verwaltung.

Zweiter Golfkrieg

Der Zweite Golfkrieg begann mit der gewaltsamen Eroberung Kuwaits durch den Irak am 2. August 1990. Am 28. August wurde Kuwait durch den Irak annektiert. Ab dem 16. Januar 1991 begann eine Koalition, angeführt von den USA und legitimiert durch die Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates, mit Kampfhandlungen zur Befreiung Kuwaits.

Als Jugoslawien kriege (oft auch Balkankonflikt genannt) wird eine Serie von Kriegen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien gegen Ende des 20. Jahrhunderts bezeichnet, die mit dem Zerfall des Staates verbunden waren.
Im Einzelnen handelte es sich um den 10-Tage-Krieg in Slowenien (1991), den Kroatienkrieg (1991–1995), den Bosnienkrieg (1992–1995), den kroatisch-bosnischen Krieg im Rahmen des Bosnienkriegs, den Kosovokrieg (1999) und den Albanischen Aufstand in Mazedonien (2001).
Dies nun aufzudöseln bedarf es auch so einiges mehr.

Der Krieg in Afghanistan seit 2001 ist die jüngste Phase des seit 1978 andauernden afghanischen Konflikts, die mit der US-geführten Intervention im Herbst 2001 eingeleitet wurde. Die Regierung der USA von 2001–2009 unter George W. Bush und ihre Verbündeten verfolgten dabei das Ziel, die seit 1996 herrschende Taliban-Regierung zu stürzen und die Terrororganisation Al-Qaida zu bekämpfen. Welche die USA Jahre zuvor mit Waffen ausgerüstet hat um gegen die damalige UDSSR zu kämpfen. Welch ein Irrsinn!

Der zweite Irakkrieg war eine völkerrechtswidrige Militärinvasion der USA, Großbritanniens und einer „Koalition der Willigen“ in den Irak. Er begann am 20. März 2003 mit der Bombardierung ausgewählter Ziele in Bagdad und führte zur Eroberung der Hauptstadt und zum Sturz des irakischen Staatspräsidenten Saddam Hussein. Am 1. Mai 2003 erklärte US-Präsident George W. Bush den Krieg für siegreich beendet. Wie Bush zu dieser Erkenntnis gekommen ist, ist mir heute noch fraglich!

Gedenkstätten in New York zum 11. September

Die US-Regierung Bushs hatte den Sturz Saddam Husseins seit Januar 2001 erwogen und nutzte die Terroranschläge am 11. September 2001 dazu,- wobei es bis heute nicht geklärt ist ob es wirklich ein Terroranschlag war, einen Invasionsplan national und international durchzusetzen. Sie begründete diesen als notwendigen Präventivkrieg, um einen angeblich bevorstehenden Angriff des Iraks mit Massenvernichtungsmitteln auf die USA zu verhindern, die bis heute nicht gefunden wurden und auch faktisch nicht zu beweisen sind. Dafür erhielt die USA KEIN UN-Mandat des UN-Sicherheitsrats, also nach dem Völkerrecht, ein Angriffskrieg.

Nun noch etwas zu dem Krieg in Syrien ab 2011.
Der Bürgerkrieg in Syrien ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen Truppen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und den Kämpfern verschiedener Oppositionsgruppen. Auslöser des Bürgerkriegs war ein friedlicher Protest im Zuge des Arabischen Frühlings Anfang 2011, der zum bewaffneten Konflikt eskaliert ist. Eine wachsende Einflussnahme von Interessengruppen aus dem Ausland gewann mit der anhaltenden Auseinandersetzung an Bedeutung. Neben dem Zustrom von Geld und Waffen kämpften auch immer mehr ausländische Freiwillige und Söldner in Syrien. Die ursprüngliche Motivation der Opposition, die Demokratisierung Syriens zu erreichen, spielt seitdem nur noch eine geringe Rolle. Stattdessen trat der Kampf verschiedener Organisationen aus religiösen und ethnischen Gründen in den Vordergrund. Im vierten Kriegsjahr zerfiel der Bürgerkrieg zunehmend in Einzelkonflikte auf syrischem Boden, die mit Luftangriffen der Türkei gegen die Kurden und durch die direkte Einmischung des Iran und seiner Hisbollah-Miliz und der Russischen Föderation auf Seiten des Regimes und der USA im Kampf gegen den IS zu einem Konflikt mit geostrategischen Dimensionen wurden.

Die UN (Vereinten Nationen) geben an, dass von März 2011 bis März 2015 220.000 Menschen getötet wurden. Rund 11,6 Millionen Syrer sind auf der Flucht: Mindestens vier Millionen Syrer flohen aus ihrem Land und 7,6 Millionen sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Die UNO bezeichnete die Flüchtlingskrise im Februar 2014 als die schlimmste seit dem Völkermord in Ruanda in den 1990er-Jahren.
Ich ende dieses Kapitel mit zwei Zitaten
Jürgen Todenhöfer: „Krieg ist Scheiße. „
Helmut Schmidt: „Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln, als eine Minute Schießen.“

Flüchtlinge 2015

Drittes Kapitel: Flüchtlinge

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es auf der Welt über 60 Millionen Flüchtlinge, Asylsuchende und Binnenvertriebene. Stand 2015. Vor zehn Jahren waren es „nur“ 37,5 Millionen Menschen. Ein Grund hierfür ist der Krieg in Syrien, der innerhalb kürzester Zeit 2,5 Millionen Menschen zur Flucht in die Nachbarstaaten zwang und 6,5 Millionen Menschen im Land selbst vertrieben hat. Ein weiterer Grund sind die gewaltsamen Konflikte in Afrika, in der Zentralafrikanischen Republik, dem Kongo und Südsudan, die kein Ende nehmen wollen. Aber dies weiß kaum einer, den in den Medien wird ja nur von Syrien berichtet.

Flüchtlingslager

Im Jahr 2014 gab es weltweit 23 Kriege. Diese gewaltige Zahl von ca. 60 Millionen Flüchtlinge bedeutet gleichzeitig auch, dass diese Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen ist. Dies hat Auswirkungen auf die Nachbarländer, auf die internationale Gebergemeinschaft und Hilfsorganisationen weltweit. Die Menschen brauchen Nahrung, Trinkwasser, Unterkünfte und so vieles mehr. Alleine 12 Millionen Menschen in der Region Syrien und den Nachbarstaaten brauchen die akute Hilfe der Weltgemeinschaft. Die Vereinten Nationen beziffern ihren Bedarf auf mindestens 8,4 Milliarden US-Dollar an finanziellen Mitteln, um im kommenden Jahr und darüber hinaus helfen zu können.

Menschen auf der Flucht

Nun eine kleine Aufstellung was Krieg kostet.


Im Jahr 2015 sind Kriegskosten der USA für den Krieg in Afghanistan in Höhe von 35,1 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Bitte zu beachten es geht NUR um Afghanistan. 70,1 Milliarden US-Dollar sind es 2015 gesamt. Davon werden nur 5,4 für die Bekämpfung des IS eingesetzt.
Seit zwölf Jahren ist die Bundeswehr im Rahmen der ISAF-Mission in Afghanistan. Es war der blutigste und teuerste Auslandseinsatz in der Geschichte der Streitkräfte. Ziemlich genau lässt sich aufschlüsseln, was der militärische Einsatz den deutschen Steuerzahler gekostet hat, rund 8,8 Milliarden Euro.
Wenn ich die nun schon angegebenen 424 Konflikte und davon wurden 46 als Krieg bezeichneten Kosten nehme geht es in den Bereich von einer Billion US-Dollar! Der Zahlenname Billion steht im deutschen Sprachgebrauch für die Zahl 1000 Milliarden oder 1.000.000.000.000. Richtig 12 Nullen!


Die Kosten für die Flüchtlinge welche nun nach Deutschland kommen kann keiner beziffern. Es geht um 10 bis 30 Millionen Euro ( laut Welt) . Wie dem auch sei und nun wieder geschrien wird „Oh, was kommt auf uns zu. Wer soll die Flüchtlinge denn bezahlen? Geld für Krieg scheint ja da zu sein, für Menschen aber nicht!

Da ja fast jeder meint, alle Flüchtlinge kommen nach Deutschland, dem sei gesagt das ist Bullshit.

Noch immer gilt: Der weitaus größte Teil der Flüchtlinge auf der Welt, bleiben laut UNHCR mit 86% in ihrer Herkunftsregion. Oft deshalb, weil sie auf eine Rückkehr hoffen, aber auch, weil ihnen die Möglichkeiten zur Weiterflucht fehlen. Die größte Flüchtlingsgruppe, die aus dem syrischen und inzwischen auch irakischen Kriegsgebiet, wurden vor allem von den Nachbarstaaten im Nahen Osten aufgenommen, wo sich die Aufnahmezahlen noch in weitaus größeren Dimensionen als hierzulande bewegen. Merke Nachbarstaaten = nicht Deutschland.


Im Schatten der syrischen Katastrophe kam 2014 es im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik zu großen Fluchtbewegungen. Ca. 2,25 Millionen Menschen.


SÜDSUDAN
Im Südsudan, welcher 2015 erst seit vier Jahren besteht, steigen die Zahlen der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen weiter an. Bis dato sind mehr als 730.000 Menschen in benachbarte Länder geflohen, während 1,5 Millionen zu Binnenvertriebenen wurden. Zusätzlich kommen weiterhin viele Flüchtlinge aus dem Sudan über die Grenze in den Südsudan. Die mehr als 250.000 Menschen kommen zum Großteil aus den sudanesischen Regionen Blue Nile und Süd.

BALKAN-STAATEN
Die Asylsuchenden aus den meist ehemals jugoslawischen Staaten werden in der Öffentlichkeit schlicht als Armutsflüchtlinge ohne Asylgründe geschmäht. Ihre zahlreiche Existenz weist auf nichts weniger als eine gescheiterte Nachkriegs-Politik auf dem Balkan hin. An der Deutschland nicht ganz unbeteiligt ist. Mitten in Europa leiden Menschen unter erheblicher Diskriminierung, existenzieller Not, sogar Hunger.

ERITREA
In einem der repressivsten Regime der Welt landen Kritiker/innen in geheimen Gefängnissen. Wer über die Grenze flieht, riskiert, als Deserteur erschossen zu werden. Dennoch treibt die Militärdiktatur seit Jahren fortwährend Menschen in die Flucht.

AFGHANISTAN
Im Jahr des deutschen Truppenrückzugs ist die aktuelle Zahl der aus Afghanistan nach Deutschland Geflüchteten ein Indiz für die erschreckende Tatsache, dass Terror und Gewalt im Land schlimmer wüten denn je. Seit Erhebung der relevanten Zahlen durch die UN-Unterstützungsmission hat es nicht so viele zivile Opfer gegeben wie 2014: Über 6.800 Menschen wurden demnach im vergangenen Jahr verletzt, fast 3.700 getötet. Die Zahl der nach Deutschland Flüchtenden steigt. Was sagt uns das? 8,8 Milliarden Euro hat der Deutschesteuerzahler mal eben so aus dem Fenster geworfen.

SOMALIA
Somalia ist ein in verschiedene Machtbereiche zerfallenes und von Warlords terrorisiertes Land.
IRAK
Der Irak liegt als Herkunftsland von Asylsuchenden in Deutschland etwas überraschend erst auf Platz zehn, trotz massiver Fluchtbewegungen infolge des IS-Terrors. Viele in der Region Geflüchtete hoffen noch auf eine Rückkehr – für zahlreiche Opfer von Krieg, Terror oder Vergewaltigung und insbesondere für Angehörige massiv bedrohter Minderheiten wird dies aber kaum realistisch sein. Es ist anzunehmen, dass ein Teil der Flüchtlinge Europa schlicht (noch) nicht erreicht hat und ihre Ankunft hier zeitverzögert zunehmen wird.

Auf dem ersten Platz der Länder welche Flüchtlinge aufnimmt ist Pakistan, dann Iran und Kenia.

Unser Planet brennt und wir merken es nicht

Viertes Kapitel: Das Ende der Zivilisation

„Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein. Wir müssen es nur wieder zu leben lernen. Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Missgunst hat die Seelen vergiftet.“
Die alten G7 Staaten haben in den letzten Jahren 40 % aller Ressourcen verbraucht. Bei einer Einwohnerzahl von 750 Millionen. Nun kommen die Chinesen mit mehr als einer Milliarde Menschen daher. Auch sie wollen unseren Lebensstil und Qualität haben, also brauchen diese auch 40 % der Ressourcen. Die Inder folgen rasant schnell. Auch diese brauchen bald die erwähnten 40 %. Nun kann sich auch jeder ausrechnen dass drei mal 40 % etwas mehr als 100 % sind.
Dem aufmerksamen Leser ist bestimmt aufgefallen das ich Afrika, Südamerika und Asien nicht erwähnt habe.

Stellen wir uns doch nur mal vor, die Welt wäre ein Dorf mit Hundert Einwohner und aller auf der Erde lebenden Völker beibehalten würde, wäre dieses Dorf folgendermaßen zusammengesetzt:
57 Asiaten, 21 Europäer, 14 Amerikaner (Nord-, Zentral- und Südamerikaner) und 8 Afrikaner.
Es gäbe in unserem kleinen Dorf, 52 Frauen und 48 Männer. 30 Weiße und 70 nicht Weiße. 30 Christen und 70 nicht Christen. 89 Heterosexuelle und 11 Homosexuelle. 6 Personen aus unserem Dorf besäßen 59% des gesamten Reichtums und alle 6 kämen aus den USA. 80 lebten in maroden Häusern und  70 wären Analphabeten. 50 unsere Nachbarn würden an Unterernährung leiden. Einer wäre dabei zu sterben und einer wäre dabei geboren zu werden. Einer besäße einen Computer und einer ja, nur einer hätte einen Universitätsabschluss. Ein kleines Überschaubares Dorf.


Nun können wir unsere Welt nicht in einen Mikrokosmos versetzen sondern müssen auf einem Planeten leben, den wir bis auf das letzte aussaugen! In oder auf diesem Planet gibt es die sogenannte dritte Welt, also Afrika, Lateinamerika und Südostasien. Es gibt eine Berechnung über die Fördermenge von Erdöl, den Peak Point.

Die Weltbevölkerung wächst zu schnell

Die Weltbevölkerung wächst pro Jahr mit Millionen Menschen an.
Wir brauchen täglich 88 Millionen Tonnen Erdöl. Alleine die USA braucht 20 Millionen Tonnen, haben aber im eigenen Land nur 10 Millionen. Also kommt der fehlende Teil aus Saudi Arabien. Nun wird deutlich, warum die USA so gerne Krieg macht. Damit diese ihre Wirtschaft am laufen halten kann.
Noch einmal zum Nachdenken: 88 Millionen Tonnen Erdöl haben wir gestern verbraucht. Heute und werde sie auch morgen brauchen.


Zu Christi Geburt lebten ca. 350 Millionen Menschen auf der Welt. Das sind die heutigen Einwohner das USA. Von Ressourcen hatten diese Menschen noch nichts gewusst. Erst mit der Entdeckung des Erdöls also ums Jahr 1804 lebten erstmals mehr als Eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten. In nur 200 Jahren sind es von Einer auf 7 Milliarden, ende Oktober oder Anfang November 2011 wurde der 7-Milliardste Mensch geboren, angewachsen.
Von Christi Geburt an, also ca. 350 Millionen auf 600 Millionen ist einem Zeitraum von 1600 Jahre.
Pro Sekunde nimmt die Weltbevölkerung um ca. 2.5 Menschen zu, das heißt es werden 2.5 Menschen mehr geboren als sterben.
2011 lebten 45 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze in den USA. Aber Krieg geht immer.


Bei all den Fakten die ich heute geschrieben habe gibt es unzählige Nebenthemen. Nur noch so viel. Es wird sich Gedanken gemacht über ein paar Flüchtlinge die nach Deutschland / Europa kommen. Die nächste Generation wird es etwas schwere haben, so ohne Erdöl und mit Trinkwasser und Lebensmittelknappheit.
Nun will ich zum Schluss kommen und möchte die Worte von Charlie Chaplin zitieren: „…Ich möchte weder herrschen, noch irgend wen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann. Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen. Hass und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Platz genug für jeden… „
Ich habe nun faktisch nur vier Themen angeschrieben, die mich seit Tagen beschäftigen und dies auch mit meinen Worten versucht zu erklären.
In gedenken an all die Toten von Krieg und Terror.

© by Naike Juchem, Morbach den 16.11.2015