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Das Chaos in Afghanistan

Afghanistan ist seit 70 Jahren der Spielball der Nationen und kaum jemand weiß es. Um die Lage von Afghanistan zu begreifen, muss man die Machenschaften der UdSSR, CIA, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate kennen; und zum anderen in der Geschichte weiter zurückgehen.

Autoren Naike Juchem und Nila Khalil

Ende der 70er Jahren kam Afghanistan hin und wieder in den Medien vor, als die UdSSR in Afghanistan intervenierte. Die UdSSR war eine Weltmacht und sah eine Bedeutung durch die USA mit ihrer Kriegsmarine und Atombomben.
Das Territorium der UdSSR umfasste nach dem zweiten Weltkrieg eine Fläche von 22,4 Millionen Quadratkilometern. Dies war fast ein Sechstel des Festlandes der Erde. Von der West-Ost-Richtung erstreckte sich die UdSSR vom Schwarzen Meer, der 
Ostsee bis hin zum nördlichen Pazifischen Ozean.
Die UdSSR hat trotz dieser gewaltigen Größe keinen geografischen Zugang zum südlichen Pazifik, bzw. Indischen Ozean. Um auch dort mit der seiner Marie präsent sein zu können, wollte man einen Korridor von Usbekistan, was zur Russischen Föderation gehörte, durch Afghanistan und Pakistan. Da Pakistan an der Küste des Arabischen Meeres, eines Nebenmeeres des Indischen Ozeans liegt, wäre der militärische Zugang in den südlichen Pazifik gesichert gewesen.

Dieses Vorhaben scheiterte am Widerstand der Mujahideen, die umfassend mit finanzieller, materieller und personeller Unterstützung aus den arabischen Staaten profitiert habe.  Hier sei die CAI, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Pakistan erwähnt.
Der Begriff Mujahideen verwenden Muslime um diejenigen zu beschreiben, die sich als Krieger im Namen Allahs für den Islam zu kämpfen sehen. Das Wort ist von der gleichen arabischen Wurzel wie der Dschihad – der heilige Krieg.

Ein Sinnloser Krieg gegen einen unsichtbaren Feind

Im Februar 89 beendeten die UdSSR einen Sinnlosen Krieg und zogen sich aus Afghanistan zurück. Was übrig blieb war ein Chaos aus innenpolitischer Zerstrittenheit und ein Land das wirtschaftlich am Boden lag.
Durch den Rückzug der UdSSR sahen sich die Mujahideen als „Arbeitslos“ und durch die Zerstrittenheit der vielen Ethnien im Land, sahen diese nun endlich die Möglichkeit einen Gottesstaat nach ihrem Willen aufzubauen. Auch hier waren Religionsgelehrte aus dem arabischen Raum im Hintergrund.

Kaum ein anderes Land der Welt befindet sich seit so langer Zeit in einem permanentem Kriegszustand. Im Zuge dieses Kriegs wurde das gesamte Land in Schutt und Asche gebombt; 1,5 Mio. Menschen verloren ihr Leben. Weitere Kriegsfolgen sind die Erblast von über 10 Mio. Anti-Personen Minen ( in keinem anderen Land der Welt liegen mehr Minen), eine Analphabetenrate von über 90 % und die Flucht von zeitweise bis zu 6,5 Mio. der 14 Mio. Einwohner Afghanistans nach Pakistan und Iran.

Auf den ersten Blick gleicht der Afghanistankrieg einem undurchsichtigen Chaos, in dem andauernd neue Fraktionen auftreten, die sich in ständig wechselnden Koalitionen bekämpfen. Jedoch lassen sich auf den zweiten Blick zwei Konfliktebenen unterscheiden: Zum einen gibt es die internationale Konfliktebene, da der Afghanistankrieg stark von den sicherheitspolitischen, wirtschaftspolitischen und ideologischen Interessen ausländischer Mächte, insbesondere seiner Anrainerstaaten, bestimmt wird. Zum anderen gibt es
die innerafghanische Konfliktebene, auf der zunehmend Ethnizität an Bedeutung gewinnt. Beide Konfliktebenen sind miteinander verzahnt und haben in den Kriegsparteien ihre Überschneidungspunkte. Daher wird die Zukunft von Afghanistan nur jene gestalten können, die langfristig die Fraktionen militärisch und politisch behaupten. Da es an ausländischer Unterstützung für die Taliban nicht mangelt, ist ein erneuter Krieg unumgänglich.

Um Afghanistan zu begreifen, muss man in der Geschichte zurückgehen

Ein Reich mit der Bezeichnung Afghanistan existiert seit 1747. Afghanistan in seinen heutigen Grenzen entstand jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts als Pufferstaat zwischen den Interessengebieten der Kolonialmächte Britisch-Indien und
Rußland. In dieser Staatsgründung war das wesentliche Konfliktpotential Afghanistans schon von Anfang an angelegt.
Bei Afghanistan handelt es sich um einen Vielvölkerstaat, in dem über 50 ethnische Gruppen leben. Die größte Ethnie sind die segmentär organisierten Paschtunen, die in verschiedene Stammesverbände zerfallen; die Konföderationen der Durrani und Ghilzai bilden die umfaßendsten paschtunischen Stammeseinheiten. Weitere wichtige ethnische Gruppen sind die Usbeken in Nordafghanistan und die Hazara im zentralen Hochland. Unter der Sammelbezeichnung Tadschiken
wird die persischsprachige, sunnitische Bevölkerung Afghanistans zusammengefaßt.

Die ethnische Vielfalt in Afghanistan drückte sich seit Jahrzehnten in der gesellschaftlichen Schichtung aus. Die Paschtunen erschienen nach außen hin als die staatstragende Ethnie. Sie stellten von 1747 bis 1973 mit dem Königshaus, das dem durranischen Stammesverband angehört, die Spitze des Landes. Auch die traditionelle Elite bestand in ihrer Mehrheit aus paschtunischen Adligen. Die Tadschiken bildeten das Gros der Mittelschicht, weshalb sie die Wirtschaft und staatliche Verwaltung dominierten. Die Usbeken hatten auf den afghanischen Machtapparat nur wenig Einfluß und waren weitgehend auf ihren Siedlungsraum beschränkt. Die Hazara bildeten aufgrund ihres turko-mongoliden Aussehens und ihrer schiitschen Konfession eine marginalisierte Ethnie, die
weitgehend von der Partizipation an den gesellschaftlichen Ressourcen ausgeschlossen bleibt.

Die CIA tragen eine Mitschuld an dem Chaos in Afghanistan *

Der auf Drogen aufgebauten Irrsinn zeichnete sich ab, als der weltweite Drogenhandel sich auf dem Tiefpunkt seiner jüngeren 200-jährigen Geschichte befand: mitten im Zweiten Weltkrieg. In den USA war der Reinheitsgehalt illegalen Heroins von 28 Prozent 1938 auf nur drei Prozent drei Jahre später gefallen – ein Rekordtief. Zugleich hatte die Anzahl der Süchtigen rapide abgenommen: Nur noch etwa 20.000 waren es1944/45, ein Zehntel derjenigen, die noch 1924 gezählt worden waren.

Ende der 40er Jahre sah es ganz danach aus, als würde die Heroinsucht in den USA ein unbedeutendes Problem werden. Innerhalb eines Jahrzehnts jedoch blühten die Drogensyndikate wieder, die asiatischen Mohnfelder dehnten sich aus, in Marseille und Hongkong schossen Heroinraffinerien aus dem Boden. Der Grund für diese Erholung des Heroinhandels ist in einer Abfolge von CIA-Bündnissen mit Drogenhändlern zu finden.
Die CAI unterhielt sehr enge Kontakte zu korsischen Drogensyndikate in Marseille, nationalchinesischen Truppen in Birma und korrupten thailändischen Polizisten.

* lesen Sie hierzu den externen Berich: Die CIA und ihr Opium

Eine unlösbare Zwickmühle

Die weltweit zunehmende islamistische Gewalt, der Staatszerfall in Asien und Afrika und der daraus resultierende Flüchtlingsstrom nach Europa zwingen die internationale Gemeinschaft, sich verstärkt mit der Befriedung von Krisenregionen und mit gesellschaftlichem Wiederaufbau zu beschäftigen. Wie man aber Lösungen für die Konflikte und Kriege erarbeiten will, sind äußerst schwierig, da zu viele Interessen an politischen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt religiösen Gründen auf keine Einheit hinauslaufen werden – und dies auf dem Rücken der zivilgesellschaft ausgetragen werden.

Nach fast 20 Jahre des internationalen ISAF Einsatz in Afghanistan herrscht in der Öffentlichkeit die Ansicht vor, der ISAF Einsatz sei generell fehlgeschlagen. Zwar waren fast alle militärischen Operationen zur Bekämpfung der Taliban von Erfolg gekrönt, und dennoch gelang es trotz gewaltiger finanzieller und personaler Anstrengungen nicht, eine stabile politische und funktionierende Verwaltung, sowie eine effektive Justiz zu etablieren.
Ebenso ist ein Großteil der afghanischen Bevölkerung der Meinung, die Lasten des Krieges seien ungerecht verteilt worden und sie hätte vom bisherigen Wiederaufbau nicht ausreichend profitiert.
Bei Frauenrechten, Bildung, Gesundheit und Medien kann die internationale Allianz erfolgreiche Erfolge vorweisen, aber leider stehen diese Errungenschaften auf sehr
wackeligen Beinen, da ihnen die ökonomische und gesellschaftliche Unterstützung fehlt.

Menschenrechtlerinnen bei einem UNAMA Treffen in Kabul

Die internationalen Beziehungen zwischen Deutschland und Afghanistan gibt es schon seit 1919. Während der kritischen Sicherheitslage von Mitte der 1980er-Jahre bis 2001, hatte Deutschland kein Botschaft in Afghanistan unterhalten. Erst nach der Afghanistan-Konferenz von 2001 wurde wieder ein deutsches Verbindungsbüro in Kabul eingerichtet, das im Folgejahr wieder zur Botschaft aufgewertet wurde. Die deutsche Botschaft war die erste diplomatische Vertretung eines Staates in Afghanistan nach Ende des Taliban-Regimes.
Afghanistan liegt laut der Weltbank beim Investitionsklima auf Platz 162 von 175 untersuchten Ländern. 60 Unternehmen aus Deutschland waren schon kurz nach dem Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan vertreten.

Taliban Anschlag auf die Infrastruktur

Während die großen deutschen Konzerne zumeist mit Subunternehmen in Afghanistan tätig sind, unterhalten vor allem kleine und spezialisierte deutsche Firmen Vertretungen in dem Land. Siemens baut zum Beispiel das Telefonnetz aus und ist an der Modernisierung von zwei Wasserkraftwerken beteiligt. Der Essener Baukonzern Hochtief repariert und baut Straßen.
Die in Hamburg lebende Familie Rahimi, hat das 1968 in Kabul gegründete Hoechst-Werk vor einigen Jahren gekauft und stellt dort Hustensaft, Schmerzmittel und Antibiotika her. Die Afghanistan Investment Support Agency, wirbt damit, dass ihr Land als einen der weltweit am schnellsten wachsenden Märkte anpreist und seit 2003 bereits 2,4 Mrd. Dollar investiert wurden. Der Internationale Währungsfonds rechnete im Jahr 2007 mit einem Wirtschaftswachstum in Afghanistan von zwölf Prozent.

Die Meinung der meisten in Afghanistan engagierten Staaten lässt sich mit wenigen Worten beschreiben: Sicherheit ist Voraussetzung für politische Stabilität und politische Stabilität für wirtschaftlichen Aufbau. Heute ist klar, dass diese Strategie nicht funktioniert hat.

Die Unterzeichnung des „Friedensabkommen“ in Doha

Alle Bemühungen der Alliierten für Sicherheit und Ordnung in Afghanistan aufzubauen, sind am Tag mit den „Friedensgesprächen“ in Doha, zwischen den USA und der Taliban gescheitet. Die USA lies mit ihrer Unterzeichnung das Volk von Afghanistan ins offene Messer laufen.
Dieses perfide Abkommen mit Terroristen und das Versprechen, die USA werde ihre Truppen abziehen, war der ungehinderte Zugang der Taliban, um wieder die Herrschaft über Afghanistan zu gewinnen.
Nichts wurde in all den Jahren an Frieden und Sicherheit gewonnen.

Die Lage in Afghanistan hat sich seit Mai 2020 dramatisch verschlechtert und mit jedem weiteren Tag rücken die Taliban in immer mehr Städte und Provinzen vor.
Es ist abzusehen, dass ohne Alliierte Hilfe Afghanistan erneut ins Mittelalter katapultiert wird. Da im letzten Jahr China schon Truppen in die Nähe von Afghanistan verlegt hat, ist nun die Frage, wer wird als erstes das aufkommenden Taliban-Regiem bekämpfen.

Provinz Praktika

Die unglaublich Menge an Resourcen werden einen nächsten Krieg nicht verhindern

Der run auf Resourcen hatte nach dem Sturz des Taliban-Regimes schon einige Länder auf den Plan gerufen.
Die Türkei mischt seit 2001 in dem NATO geführten ISAF Einsatz kräft mit und arbeitete in Afghanistan mit den selben Instrumenten wie die anderen Staaten: Streitkräfte, Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit und Hilfsorganisation. Die Türkei hat aber zwei weitere Punke im Blick: die  Außenwirtschaftspolitik und Investitionen durch private Firmen.
Bereits 2001 hatte die Türkei ihr ökonomisches Interessen klar definiert: der Energie- und im Transportsektor.
Die nachgewiesenen Öl- und
Gasbestände in Afghanistan sind mittel- und langfristig für die türkische Wirtschaft genauso interessant wie auch chinesische Pläne, neue überregionale Transportwege (Projekt Seidenstraße) zu bauen, die durch Afghanistan bis nach Anatolien führen soll.

Die Ressourcen sind Fluch und Segen für Afghanistan. So haben US-amerikanische Geologen vor 10 Jaher riesige Vorräte an Lithium, Kupfer, Eisen und Gold entdeckt, die bis zu 1000 Milliarden Dollar wert sein sollen. Die Vorräte an Kupfer, Lithium, Eisen, Gold und Kobalt reichten aus, das Land zu einem weltweit führenden Rohstoffexporteur zu machen. Afghanistan hat somit das Potenzial, zum „Saudi-Arabien des Lithiums“ zu werden. Lithium wird für wiederaufladbare Batterien gebraucht – für Handys, Laptops oder Elektroautos.

Die US-Geologen beschreiben zudem große Vorkommen von „seltenen Erden“, die für nahezu alle Hightech-Produkte gebraucht werden und die zu 97 Prozent in China abgebaut werden. Westliche Exportunternehmen sind auf solche Rohstoffe angewiesen. Käme der Abbau von Bauxit in der Nähe von Baghlan in Gang, könnte gleichzeitig der seltene Rohstoff Gallium gewonnen werden, der etwa für Dünnschicht-Solarzellen gebraucht wird.
Der Sensationsfund könnte das Rückgrat der Wirtschaft werden. Der Nachteil wird die weitere Destabilisierung der Region werden. Durch eben jene Vorkommnisse könnte Afghanistan zum geopolitischen und geoökonomischen Brennpunkt der Welt werden.

Die Geschichte zeig, dass solche Ressourcen für die betroffenen Länder eher Fluch als Segen sind. Gleiches ist heute schon im Kongo zu sehen.

Entdeckt wurden viele der Rohstoffreserven mithilfe von Karten- und Datenmaterial sowjetischer Bergbauexperten, die noch aus der Zeit der sowjetischen Besatzung in den 80er Jahren stammen. Nach dem Rückzug der sowjetischen Truppen und dem darauffolgenden Chaos nahmen afghanische Geologen die Karten an sich und brachten sie nach dem Sturz der Taliban 2001 in offizielle Dokumentensammlungen zurück. Dort fanden die US-Geologen die Aufzeichnungen 2004 und stellten auf ihrer Basis eigene Forschungen an. 2007 bereits veröffentlichten sie Berichte über die zur Rede stehenden Riesenvorkommen, allerdings ohne auf großeres Interesse der Regierung zu stoßen. Erst 2009 wurde eine Pentagon-Abteilung zur Wirtschaftsförderung auf die Erkenntnisse aufmerksam und ließ die Unterlagen nochmals prüfen.
Nun bleibt abzuwarten, wie politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich dieses enorme Kapital einsetzen lässt um eine weitere Eskalation des Terrors zu verhindern.

2012 investierte TPAO, die staatliche Ölfirma der Türkei, 100 Millionen US-Dollar und startete Bohrungen auf bereits explorierten Öl- und Gasfeldern im Norden Afghanistans.
Die eigenen Interessen offen zu verfolgen hat der Türkei bislang nicht geschadet. Im Gegenteil, die afghanische Seite sieht sich eher auf gleicher Augenhöhe, wenn sie als Wirtschaftspartner und nicht als Hilfeempfänger angesprochen wird. Etlichen türkischen Bauunternehmen gelang es in relativ kurzer Zeit, auf dem afghanischen Markt Fuß zu fassen. Im Hoch- und Tiefbau hatten sie in den ersten Jahren des westlichen Engagements mehrere Nato-Aufträge übernommen. Dank der Erfahrungen, die sie dabei sammelten, konnten sie sich später größere öffentliche Bau- und Infrastrukturprojekte sichern.
So wurden mehrere Abschnitte der afghanischen Ringroad, die die größeren Städte des Landes miteinander verbinden soll, von türkischen Unternehmen gebaut.
Auch in der Handelspolitik machte die Türkei lokale wirtschaftliche Engpässe für die eigene Wirtschaft zu nutzte. So sind türkische Geschäftsleute auf dem afghanischen Markt stark vertreten. Türkische Produkte sind begehrt.
Oft sind sie der chinesischen, pakistanischen und iranischen Konkurrenz qualitativ überlegen und bezahlbar. Ein Vorzug türkischer Unternehmer ist zweifellos, dass sie risikobereiter sind als die meisten europäischen und US-amerikanischen Unternehmen.

Auch türkische Unternehmer und ihre Mitarbeiter wurden entführt oder gar getötet. Dennoch haben sie es größtenteils vermieden, sich hinter hohen Mauern und Stacheldraht zu verschanzen. So vermittelten sie den Einheimischen das Gefühl, sich nicht von ihnen abzuheben. Türkische Firmen werden vor Ort aber auch deshalb geschätzt, weil sie afghanische Arbeitskräfte einsetzen. Zwar ist der Verdienst bescheiden, doch einen Arbeitsplatz zu haben ist in Afghanistan mit seiner extrem hohen Arbeitslosigkeit bereits ein Privileg.

Anschlag auf eine Geburtsklinik in Kabul

Die Türkei zieht die Fäden im Hintergrund

Die Türkei befürwortet eine regionale Lösung des Konflikts und initiierte deshalb den sogenannten Istanbul-Prozess. Die Türkei bindet darin nicht nur alle Nachbarn Afghanistans ein, sondern kooperiert auch mit USA, Russland, China sowie auch mit Großbritanien und Deutschland.
Türkische Generäle hatten mehrfach die Leitung verschiedener Teile der ISAF-Truppen. Zweimal kommandierten türkische Offiziere den gesamten ISAF-Einsatz. Dreimal übernahm die Türkei die Verantwortung für die Sicherheit in der Hauptstadt Kabul und in der Provinz Wardak. Heute schützen türkische Truppen den internationalen Flughafen in Kabul – auch dies aus wirtschaftlichen Gründen, für deren Export.
Auch ist die Türkei maßgeblich an der Ausbildung der Afghanischen Nationalarmee und der Nationalpolizei beteiligt und finanziert mehrere Militärschulen. So kommen Waffen aus Deutschland, Frankreich und Israel legal ins Land. Da die türkischen Geheimdienste mit internationalen Partnern zusammen arbeiten, ist es für andere Dienste sehr schwer – wenn nicht gar unmöglich, dieses Netzwerk zu durchschauen.

Ein falsches Spiel von „Brüder im Glauben“

Ungeachtet dieser engen Zusammenarbeit wird die türkische Beteiligung an militärischen Maßnahmen oft nur als symbolisch bezeichnet. Denn die Türkei hat es von Beginn an abgelehnt, sich an militärischen Aktionen gegen die Taliban, an der Terrorbekämpfung, aber auch an Operationen gegen die Produktion von Drogen und den Handel mit ihnen zu beteiligen; selbst bei der Minenräumung enthält sich die Türkei.
Die Türkei sieht sich nicht als Besatzungsmacht und signalisieren – mit Erfolg, der afghanischen Bevölkerung. Das dieser „brüderliche Glaube“ sehr zum Nachteil der Bevölkerung werden kann, wird seit Jahren nicht gesehen – und dies ist ein fataler Fehler in anbetracht der immer stärker werdenden Taliban.

Nicht einmal wurde Militärcamps der Türkei seitens der Taliban angegriffen, womit sich bei der Bevölkerung ein positives Bild für die Türkei zeigt.

Doch solange die türkische Regierung immer noch im Glauben ist, sich in einem Konkurrenzkampf mit dem Westen zu befinden, wird Afghanistan von Menschen gleichens Glaubens still und heimlich unterwandert.

Die Taliban braucht keinen Drogenhandel – sie bekommen Steuern

Opium ist trotz allem für Afghanistan eine sehr lukrative Einnahmequelle und dies weiß eigentlich jeder. Die Taliban war in Afghanistan nie weg. In den letzten 10 Jahren haben sie immer wieder Provinzen und Städte eingenommen. So kamen sie auch immer an Waffen und Munition, die sie bei den Stürmungen auf Militär- oder Polizeikasernen erbeuteten.
Die Taliban haben in Afghanistan eigene staatsähnliche Strukturen aufgebaut, mit sogar eigenen Gerichten.
Durch den illegalen Landraub, verfügt die Taliban quasi über ihr eigenes Land – so hat diese Terrorgruppe Steuereinnahmen. Auch durch die Besetzung und Kontrolle von Grenzübergänge, bekommen die Taliban Einnahmen durch Zollgebühren.

Der Geldstrom aus dem Ausland, wie dieser noch in den 90er Jahren war, ist nicht mehr in dem Maße, wie einst. Auch wenn Geheimdienste Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Pakistan im Visier haben, dementieren dies vehement.

Durch den alltäglichen Terror und seit Wochen das schnelle Vorrücken auf Städte und Provinzen, mangelt es den Taliban nicht an finanziellen Mitteln. Sie plündern und rauben was ihnen unter die Finger kommt.

Was kommt wird alle bisherigen Prognosen übersteigen

Der Krieg rückt näher, und somit auch die Angst vor einer erneuten Übernahme der Taliban. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie sich die internationale Gemeinschaft in Afghanistan verhält. Je mehr Staaten ihre Botschaften schließen werden, desto mehr verliert die Bevölkerung den Glauben an die Regierung und das bisherige Staatssystem.

Es ist nue noch eine Frage der Zeit, bis die Taliban Kabul angreift und die jetzige Regierung stürzen wird. Die Apokalypse steht vor der nächsten Stufe und das was kommt, wird ein Massenmord.
Die Menschen wissen nicht mehr wohin sie noch fliehen sollen, und die hochausgebildeten Militärs werden sich wohl kaum der Taliban beugen. Wenn das jetzige Staatssystem zusammen bricht und die Soldaten und Polizisten keinen Soldt und Lohn bekommen werden, steht einem Bürgerkrieg kaum noch was im Weg.

Masar-e Scharif ende April 2022

Die Taliban wird ihrerseits die zivil Bevölkerung als Schutzschilde nutzen, wie sie dies vor 20 Jahren schon einmal taten und in den von ihnen kontrollierten Provinzen schon seit Jahren tun.

Mit jedem Tag, an dem die Taliban Städte und Provinzen einnehmen, sinkt die Hoffnung auf ein Ende der Gewalt und Terror.

Naike Juchem und Nila Khalil, 14. August 2021

Quelle
– Alfred W. McCoy. Professor an der Universität Wisconsin für südostasiatische Geschichte. Die CIA und das Heroin. Weltpolitik durch Drogenhandel
– Bundeszentrale für politische Bildung
– Library.fes.de Conrad Schetter
– Naike Juchem & Nila Khalil: Die Zukunft von Afghanistan wird schwarz
– Naike Juchem, Textauszug aus Kapitel 11, Teil III: Zu Besuch bei der Deutschen Botschaft
– Stiftung Wissenschaft und Politik

Kann das Jahr 2020 in die Tonne?

Kann das Jahr 2020 in die Tonnen?

Von Amira Khalil

Viele würden jetzt sofort nicken. SARS-CoV-2 brachte vieles durcheinander und Menschen an den Rand der Verzweiflung.

Wenn ich an die ersten drei Wochen Quarantäne bei uns in der Einrichtung denke, läuft es mir noch kalt den Rücken herunter. Drei Wochen 24 Stunden täglich im Einsatz, brachtn uns im Team ganz schön an den Rand unserer Grenzen. Ich ging freiwillig in die Quarantäne, weil keiner wusste was und wie es kommt und zum anderen um Mama zu schützen. Sie musste ja alle zwei Tage ins Krankenhaus.
Wir Betreuer hatten uns aufgeteilt, denn wenn jemand krank werden sollte, wir trotzdem einen 24 Stunden Dienst sicherstellen konnten.

Der Weitblick
Dieses Foto hat ein 18-jähriges Mädchen aus Afghanistan aufgenommen. Es zeigt das Auge meiner Mutter. Arifah kam mit 11 Jahren in eines der Frauenhäuser von meiner Mutter. Durch ihr Diabetes Typ-1 veranlasste das Team von meiner Mama in Afghanistan und das Team von Dr. Erik de Joost aus den Niederlanden, dass Arifah in die Niederlande kommen konnte.
Im August diesen Jahres begann sie bei uns in der Einrichtung eine Ausbildung als Erzieherin.
Nun noch die Erklärung zu ihrem Foto: Arifah wollte den Weitblick fotografisch darstellen. Also Weitblick wollte sie aber kein Panorama fotografieren, sondern diesen aus Sicht von einem Menschen.

Wie hält man 53 Kinder bei Laune? Was wir alles bei uns in den Häuser an Möglichkeiten haben, habe ich schon geschrieben.
Seit vielen Jahren liebe ich die Photographie und leite seit dreieinhalb Jahren einen Photo Workshop bei uns in der Einrichtung. Bildberarbeitung und Entwicklung.
Kaum zu glauben, aber es gibt doch tatsächlich noch 36er Filmrollen. Ein USB Stick in ein Bad aus Entwickler und Fixierer zu legen ist nicht von Vorteil. Also Filmrollen und auch USB Sticks.

Die Pusteblume
Die Pusteblume hat ein 6-jähriges Mädchen aus dem Irak aufgenommen. Auf der Flucht nach Europa wurde das Mädchen von den Eltern getrennt. Die Eltern werden europaweit gesucht. Bis jetzt leider ohne Erfolg.
Die Samen der Pusteblume stehen für die Gedanken dieses kleine Mädchens, dass diese irgendwann, irgendwo seine Eltern erreichen.

Was hat dies nun alles mit Corona zu tun?
Da wir wie ein Internat geführt sind, brauchen die Kinder eine längere Betreuung als nur Schule.
Immer nur Sport, Malen, Unterricht oder lümmeln ist auf Dauer voll blöd.
In kleinen Gruppen bin ich mit einem der 9-sitzer Busse von unserer Einrichtung kreuz und quer durch das Land gefahren und die Kinder und Jugendlichen sollten Fotos machen. Motto: Kreative Motive.

Der Tod auf dem Meer
Der Tod auf dem Meer, ist ein Trauma einer 21-jährigen, die mit einem Schauchboot von Libyen nach Europa über das Mittelmeer kam. 8 Menschen sind bei dieser Überfahrt uns Leben gekommen. Die Kerze in der Mitte symbolisiert den Tod ihrer Mutter.

In 7 Monaten haben die Kinder und Jugendlichen gefühlte 20.000 Fotos gemacht.
Mit dem Photograph Jan Bakkers hatten wir ab Juni auch einen Profil zur Hand der alles mögliche an Equipment wie Lichtstrahler, Lichtwannen, Schirme, Reflektor und und und mitbrachte. So bauten wir noch ein Photostudio auf, in dem die Kreativität der Kinder kein Ende fand. Es wurden Flaschen, Gläser, Eiswürfel, Gemüse, Bleistifte und alles was irgendwie tragbar war fotografiert.

Eiszeit
Die Gedanken für dieses Foto umzusetzen, brauchte es mehrer Versuche.
Ein 19-jähriger Junge aus Afghanistan beschreibt sein Projekt wie folgt:
Die Feder der Friedestaube liegt eingeschlossen in der Eiszeit der Welt.

Was die Kinder für ein Spaß bei dieser Arbeit hatten, war weit mehr als wir es jemals dachten.
Ob wir unterwegs waren, im Photostudio oder Labor.
Ich möchte nun einige Foto der letzten Monate zeigen, die ausnahmslos Kinder und Jugendlichen fotografiert haben.

Das Kohlblatt
Das Kohlblatt hat ein 14-jähriger Junge aus Eritrea fotografiert und steht zum einen für den Hunger in seinem Heimatland und zum anderen sollen die „Straßen“ auf dem Blatt für Wege in eine Zukunft stehen.

Wenn zum teil schwerst traumatisiert Kinder solche Fotos machen, haben diese Fotos auch eine Bedeutung. Einen Sinn, warum ausgerechnet dieses Motiv.
Zum jedem Bild steht ein Schicksal von einem jungen Menschen, der in seinem Leben schon so vieles erlebt hat, dass es oft über die Grenze des Verstandes hinaus geht.

Der Regenbogen
Dieses Foto symbolisiert einen Regenbogen und wurde von einem 13-jährigen Mädchen aus Aserbaidschan fotografiert. Der Regenbogen steht für die Sonne, die am Ende von trüben Stunden, in diesem Fall Jahren) wieder scheint.

Wir bewerten und begutachten die Kinder und Jugendliche über das was sie malen, basteln, schreiben, werken oder fotografieren. Den Zustand der Psyche kann man an einem Bild oder Foto sehr gut bewerten. Wenn die Seele grau ist, sind es auch die Bilder oder Fotos. Auch können bunte Bilder vieles über das „Chaos“ der Seele und Gefühle aussagen.
Ich habe einige der Fotografien beschrieben, damit man einen kleinen Einblick in die gebrochenen Seelen von Menschen bekommt.

Blätter der Bildung
Dieses Foto wurde mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgenommen und stammt von einer 19-jährigen aus dem Irak.
Ihr wurde durch das Chaos von Krieg, Terror und Flucht  einige Jahre der Schulbesuch erschwert oder gar unmöglich gemacht.
Im April 2020 schrieb sie, durch die Corona-Maßnehmen in den Niederlanden, bei meiner Mutter im Büro ihr Abitur.
Stifte
Mit Stifte kann man schreiben um Wissen und Bildung für Generationen weiterzugeben.
Dieses Foto hat eine 15-jährige aufgenommen, die durch Terror in Afghanistan ihre Eltern und sechs Verwandte verloren hat. Sie kam über ein Netzwerk, welches sich für Mädchen und Frauen in Afghanistan einsetzt, in eines der Schutzhäuser meiner Mutter. Vor eineinhalb Jahren wurde ihr Asylantrag für die Niederlande genehmigt und lebt seit dieser Zeit in unserer Einrichtung.
Der Buntstift
Dieses Foto zeigt die Träne einer bunten Welt. Aufgenommen hat dieses Foto Jan Bakkers nach den Vorstellungen eines 12-jährigen Jungen der aus Syrien stammt.

Mit Mama zu Besuch an ihrer ehemaligen Schule.

Mit Mama zu Besuch an ihrer ehemaligen Schule.

Von Amira Khalil

Meine Mama hat seit Jahren ein Freundschaftliches Verhältnis zu ihrem früheren Klassenlehrer von der Realschule an der sie ab 1991 war. Herr Dellinger, der ehemalige Klassenlehrer von Mama, wollte unbedingt, dass sie an die Schule kommt und ein Referat über Menschenrechte hält. Herr Dellinger ist seit einigen Jahren in Pension, hat aber noch engen Kontakt zur Schule, da es einige Projekte und Projektwochen gibt, die er vor Jahren mit aufgebaut hatte: Kinder der Welt, ist eines seiner Projekte.

Die Projekte an der Schule finde ich sehr interessant. So zum Beispiel: Prävention in Medien und Gewalt.
Auch gibt es einen Jugend Auslands Berater für ein FSJ, Schulaufenthalte, Workshops oder Au-pair Angebote von der Schule. An der Schule werden 632 Schüler aus 31 Nationen unterrichtet.

Nun bin ich das erste Mal dabei und erlebe wie nach 24 Jahren immer noch der Name Nila Khalil an der Schule präsent ist. Im Lehrerzimmer ist eine Stimmung zwischen Respekt, Hochachtung und Schock über den Lebenslauf von Mama. Herr Dellinger hatte im Vorfeld schon einiges den Lehrer und Lehrerinnen über Mama erzählt – denn nicht jeder Lehrer kennt sie noch als Schülerin von dieser Schule.
Die Konrektorin, Frau Tokic, las am Vortag den Lebenslauf von Mama und wollte statt der Menschenrechte doch lieber diesen von Mama den Schüler und Schülerinnen vorstellen.


„Ihr lernt für euch. Macht etwas daraus.“

Nach der ersten Pause trafen sich alle Klassen mit ihren Lehrer in der Schulaula. Mama und ich wurden von der Rektorin, Frau Albrecht, vorgestellt und Mama erzählte ihren Lebenslauf: Als 10-jähriges Mädchen aus Afghanistan geflohen und in Deutschland eine Heimat gefunden. Die 14 Jahre, die sie in Deutschland gelebt hatte und ihre Arbeit und Engagement seit 2005 in Afghanistan.
Je länger Mama sprach um so ruhiger wurde es in der Aula.
Da stand eine Frau auf der kleinen Bühne und erzählte in einer ruhigen Stimme ihre Lebensgeschichte und auch die Chancen die ihr in Deutschland geboten wurde. Wenn ich in die Runde der Zuhörer schaute, sah ich viele Schüler und Schülerinnen mit dem Kopf nicken.
„Ihr lernt für euch. Macht etwas daraus.“ Waren die letzten Worte von Mama nach ihrer Rede von circa einer dreiviertelstunde.

Herr Dellinger und Frau Albrecht meinten, ich sollte auch noch etwas sagen – war mir doch etwas peinlich. Also erzählte ich kurz mein Leben von 1995 bis 2007 – und das danach. Wie ich begriff, welche Chancen ich durch Nila bekommen hatte und dies durch Willen und Unterstützung auch soweit recht erfolgreich geschafft habe. Ich erzählte noch von meiner Arbeit in den Niederlanden und wie wir dort mit den Kinder und Jugendlichen lernen.

Auch wenn an der Schule Schülerinnen und Schüler aus 31 Nationen unterrichtet werden, sind es gerade 15 Schülerinnen und Schüler die eine Flucht aus Syrien, Kurdistan und Afghanistan erlebt haben. Zwei Mädchen: Die 12-jährige Alia aus Syrien, die 14-jährige Kira aus Kurdistan und der gleichaltrige Karin aus Afghanistan, stellten sich ihren Mitschüler und Mitschülerinnen vor. Sie erzählten über ihre Erlebnisse der Flucht. Kopfschütteln, Fassungslosigkeit und Entsetzen sah ich den Mitschülern und Zuhörerinnen an.

Es klingelte zur großen Pause und nicht so wie sonst, stürmten die Schülerinnen und Schüler raus auf den Pausenhof. Es war ein ruhiges und oft schweigsames aufstehen oder gehen, es hatte ja nicht jeder Schüler einen Sitzplatz in der Aula.
Eigentlich waren nur zwei Doppelstunden für das Referat von Mama eingeplant. Die Rektorin, Frau Albrecht und Konrektorin, Frau Tokic beschlossen noch vor der Pause, dass es danach in diesem Thema weiter gehen sollte.

Im Lehrerzimmer wurde ich von Frau Munz, Frau Blessing und Herr Pollak über meine Arbeit in Den Haag ganz schön gelöchert und ich sah, dass sie immer wieder voller Stolz zu Nila schauten, die mit einer Tasse Kaffee bei ihrem ehemaligen Lehrer und zwei anderen Lehrerinnen saß.

Die vielen Schwierigkeiten von Flüchtlingskinder

Nach der Pause sprach Kira, sie kommt aus Kurdistan, von den Zuständen des Krieges und Terror in ihrer Heimat. Ihre Geschichte war 1:1 derer Kinder und Jugendlichen in unserer Einrichtung in Den Haag. Ich sah bei vielen Schülerinnen und Schüler Tränen in den Augen.
Karim, er kommt aus Afghanistan und ist seit zwei Jahren in Deutschland, und auch er wollte noch auf seine Geschichte eingehen, da er aber Angst hatte, nicht die richtigen deutsche Wörter zu finden, sprach er auf deutsch – paschto und Mama übersetzte die Wörter oder Sätze von ihm auf deutsch (Schwäbisch).

Es begann eine Gesprächsrunde die Anfänglich sehr zögerlich mit lapidaren Fragen der Mitschülerinnen und Mitschüler begann. Ich glaube es war ihnen unangenehm ihre drei Mitschüler, mich oder Mama direkt anzusprechen. So fragte Mama ganz offen heraus, welche Schwierigkeiten Karim beim lernen der Deutschen Sprache hat. Wie zu erwarten war es das Genitiv und Akkusativ. Ja, dies kenne ich nur all zu gut und musste bei den Antworten von Karim doch sehr grinsen. Es ist mit dem Maskulinum, Feminininum und Neutrum auch nicht so einfach. Hinzukommt die unterschiedliche Schriftform in den Sprachen. Das paschtunische Alphabet umfasst je nach Zählweise 40 bis 44 Buchstaben und basiert auf dem persischen Alphabet, welches wiederum eine modifizierte Form des arabischen Alphabets ist. In paschto – oder arabisch, wird von rechts nach links geschrieben. In der deutschen, englischen oder französischen Sprache wird von links nach rechts geschrieben.
Es sind sind solche Kleinigkeiten die viele Mitschülerinnen und Schüler gar nicht sehen – geschweige wissen.
Jedenfalls merkten die Mitschüler, dass Karim nicht dumm ist, er kann diese Grammatik nicht kennen und oft nicht verstehen. Meine Mutter bestätigte dies, dass auch dies für sie damals sehr schwer war.

Jedenfalls kamen auf einmal die Fragen viel schneller und zum Teil auch persönlicher. Das Interesse an den „Anderen“ wurde größer und so stellte sich in dieser Gesprächsrunde heraus, dass es
oft ganz banale Dinge waren, die die Mitschülerinnen und Schüler von Kindesbeinen her kennen, für Flüchtlingskinder oft schon eine Herausforderung  sind.

Als ich und Mama merkten, dass einige Fragen an Alia, Kira und Karim doch sehr persönlich wurden, und wir die drei auch nicht kompromittieren wollten, antwortete ich und erzählte von den Alpträumen der Kinder und Jugendlichen in unserer Einrichtung in Den Haag.
Wieder wurde es sehr ruhig in der Aula und die Mitschülerinnen und Mitschüler begriffen, dass Bilder von Krieg im Fernsehen etwas anders sind, als es selbst erlebt zu haben.

Mein Resümee

Ich möchte jetzt zum Schluss kommen und ein kleines Resümee ziehen.
Wenn Menschen begreifen, was andere erlebt haben, und darüber gesprochen wird, sehen sehr viele die „Ausländer“ auf einmal mit anderen Augen.
Die drei Stunden hatten am Ende das gleiche Resultat gezeigt, wie meine „Het huidige kerstverhaal“ ( Die Weihnachtsgeschichte der Gegenwart), die wir im Dezember 2019 mit sehr großem Erfolg noch dreimal im Januar aufgeführt hatten. Es gab Gespräche um Vorurteile abzubauen und es gab die Möglichkeiten direkte Fragen zu stellen um ein Verständnis des „Anderen“ zu bekommen.
Nur so kann Integration gelingen und Fremdenhass abgebaut werden.

Amira Khalil, Stuttgart 28. Februar 2020

Refugees not welcome

Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium, Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum. Deine Zauber binden wieder, Was die Mode streng geteilt, Alle Menschen werden Brüder, Wo dein sanfter Flügel weilt.

Hilf dir selbst, sonst hilft dir niemand

Refugees Welcome – aber bitte mit deutsch Kenntnissen, Steuerbescheid, einem Job und einer Wohnung.

Autorin Nila Khalil

Wir helfen gerne, denn Deutschland ist das Sozialamt der Welt.
So?
Nun berichte ich aus der Sicht von einem Flüchtlingskind, welches vor 32 Jahren in das Sozialamt Deutschland kam.

Stuttgart wurde im Herbst 1990 meine Heimat. Bei einer Tante und Onkel, die ich bis zu jenem Tag nur vom Namen her kannte, wurde ich aufgenommen.
1990 war es mit der Einreise von Flüchtlingen noch etwas einfacher als heute – wenn auch schon damals kompliziert. Die Verwandten, die auch Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre aus Afghanistan nach Deutschland geflohen waren, wollten mich zu einer anderen Familie nach Oberhausen bringen. Nach deren Meinung sei Mila und Milad mit ihren Anfang 30 zu jung für mich. Jahre später erfuhr ich von meinen „Eltern“ wie sehr sie um mich gekämpft hatten. Mila hatte damals wie eine Löwin um mich gekämpft und auch über zwei Jahre den Kontakt zu den übrigen Verwandten in Deutschland abgebrochen.

Als Mila und Milad Faani Anfang 1980 nach Deutschland kamen, hatten sie Unterstützung von anderen Verwandten bekommen, denn von Deutschland war nicht viel zu erwarten gewesen.
Ab 1981 haben beide bei Mercedes-Benz gearbeitet. Milad zuerst am Fließband, dann Meister für Werkzeugbau. Mila hatte durch ihr BWL Studium bei Mercedes-Benz in der Verwaltung gearbeitet. Also alles gute und seriöse Jobs. Als ich ihre „Tochter“ wurde, fing die lauferei mit den Ämter und Behörden an. Einkommens- und Wohnraumnachweis, Führungszeugnisse, deutsch Kenntnisse und und und. Ich wurde bei dem Jugendamt regelrecht vorgeführt, wie meine sprachlichen Kenntnisse seien. Wie sollten diese als 10-jähriges Mädchen, dass erst seit vier Wochen in Deutschland war schon sein?

Mila und Milad kümmerten sich in den ersten Wochen um so ziemlich alles, was meine Zukunft in Deutschland betraf. Aus der Nachbarschaft wurde ich von einer pensionierten Lehrerin zu Hause unterrichtet. Das Jugendamt bestand auf die geltende Schulpflicht in Deutschland. Mila lehnte dies kategorisch ab, denn wie sollte ich dem Unterricht in einer Grundschule der 4. Klasse folgen, wenn ich die Sprache nicht konnte? Mit Liselotte, der pensionierten Lehrerin, wurde vereinbart, dass man dem Jugendamt – oder mir, bis zum Frühjahr 1991 Zeit lassen würde, um dann zu entscheiden, wie es mit mir schulisch weitergehen würde.
Im Frühjahr 1991 musste ich einen Eignungstest machen und konnte auf eine Realschule gehen.
Die erste Hürde war genommen.

Als ich ungefähr 14 Jahre alt war, bekamen meine Eltern einen Brief von der Ausländerbehörde, dass ich kein Asyl in Deutschland mehr hätte und Abgeschoben werden sollte. Anerkannte Flüchtlinge bekommen eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Wenn sich die Situation im Heimatland nicht ändert, wird die Aufenthaltserlaubnis anschließend um weitere drei Jahre verlängert.
Mein Klassenlehrer hatte sich mit der Schulleitung und meinen Eltern gegen diesen Beschluss gestellt und mit Hilfe von einem Anwalt konnte die Abschiebung ausgesetzt werden. Meine Eltern und Klassenlehrer hatten zumindest bei den Behörden eine Aufenthaltsduldung erreicht.

Wie man als Jugendliche mit einer solchen Entscheidungen umgeht, kann man schwer beschreiben. Die Angst irgendwann aus der Schule abgeführt zu werden ließ mich nicht mehr los. Wenn es zu Hause klingelte, hatte ich Angst, die Polizei steht vor der Tür um mich mitzunehmen. Wenn Abends ein Auto vor dem Haus anhielt, bekam ich Angst. Wenn ich auf dem Schulweg ein Polizeiauto sah, fing ich an zu zitieren. Selbst wenn ich mit Freundinnen in der Innenstadt von Stuttgart unterwegs war und einen Polizisten sah, blieb ich stehen und ging in eine andere Richtung oder in ein Geschäft.

Sozialamt Deutschland, dies ist psychische Folter an einem Kind und auch bei den Angehörigen!
In Deutschland steht jedem Kind Kindergeld zu – sollte man meinen. Da mein Aufenthalt in Deutschland nicht „ordnungsgemäß zugeordnet werden könne“, bekamen meine Eltern noch nicht einmal Kindergeld für mich. Auch bei den Schulbücher gab es keine Unterstützung.

In den nächsten drei Jahren hatten meine Eltern alles nur erdenkliche unternommen, dass ich die Niederlassungserlaubnis
bekomme. Meine Eltern hatten diese einige Jahre vorher beantragt und auch genehmigt bekommen.
Milad wollte unbedingt ein eigenes Haus haben. Dies ist auf einer Bank kaum zu finanzieren, wenn man nicht „ordnungsgemäß zugeordnet werden könne.“ Selbst bei der Pacht für einen Schrebergarten ist es ohne deutschen Pass (Niederlassungserlaubnis) mitunter schwierig.
Ausländer, Flüchtlinge oder Migranten, die einen guten Job haben, sich vollkommen integriert haben (Anm. meine Eltern sind vermutlich schwäbischer als ein ganzer Straßenzug in Stuttgart) und bei allen Nachbarn sehr beliebt sind, und man bekommt von Deutschland kaum eine Anerkennung oder Schrebergarten.

Da meine Leiblichen Eltern in Afghanistan lebten und ich / wir auch Kontakt zu ihnen hatten, konnte ich von Mila und Milad auch nicht Adoptiert werden. Auch wenn ich ihnen für mein Leben ab 1990 alles zu verdanken habe.

Volljährig Deutsch

Als ich 18 Jahre wurde, bekam ich vom Amt die Bestätigung, dass ich einen deutschen Pass beantragen könne. Dies machte ich auch umgehend, denn ich wollte die Angst einer Abschiebung endlich aus dem Kopf haben.
Mit fast 19 Jahren wurde mir dann in einem Brief mitgeteilt, dass ich nun eine Mitbürgerin der Bundesrepublik Deutschland sei. Mit meinem deutschen Pass und Unbefristeten Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland, konnte ich für die restliche Zeit meiner Ausbildung Kindergeld beantragen – es waren nur noch fünf Monate.

Ich habe in den 14 Jahren, die ich in Deutschland lebte, bis auf die Möglichkeit eines Schulbesuchs und meine Ausbildung als Bürokauffrau, keine nennenswerte Unterstützung von Deutschland bekommen. Hätte ich damals nicht die private Unterstützung von Liselotte und Mila bekommen, würde ich wohl heute noch auf einen Sprachkurs warten.

Hilf dir selbst, sonst hilft dir niemand

Refugees Welcome – aber sieh zu, wie du zurecht kommst.
Es stimmt, dass man in Deutschland Asyl bekommen kann, denn jeder, der vor Verfolgung oder ernsthaftem Schaden aus seinem Herkunftsland flieht, hat das Recht, einen Antrag auf internationalen Schutz zu stellen. Asyl ist ein Grundrecht und es ist eine internationale Verpflichtung der Vertragsstaaten des Genfer Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge von 1951 – zu denen auch die Mitgliedstaaten der EU gehören.
Mit der Richtlinie 2011/95/EU, den sogenannten subsidiären Schutz, erhalten Personen denen im Rahmen des Asylverfahrens weder der Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung zuerkannt wurde oder wird, denen im Herkunftsland aber ein ernsthafter Schaden droht, z.B. durch einen Krieg oder Bürgerkrieg. Wie Behörden in Deutschland auf die Idee gekommen sind, dass zum Beispiel Afghanistan ein sicherer Herkunftsland sei, hat sich mir bis dato noch nicht erklärt.

Migranten die einen Asylantrag in Deutschland gestellt haben, stehen vor einem Berg an Bürokratie, die kaum zu fassen ist. Zum nächsten gibt es von staatlicher Seite kaum Unterstützung durch Sprachkurse oder Integrationsprogramme. Wenn private oder kirchliche Einrichtungen nicht wären, würden Millionen Migranten kein deutsch sprechen, hätten keine Arbeit und noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf.
Es ist Lobenswert, dass man als Aslysteller_in in einer Turnhalle schlafen kann oder in Gefängnisartigen Lager untergebracht ist. Dies ist aber nicht zielführend und zudem Menschenverachtend. Jene allgemeine Asylantragsteller_in findet sich damit ab, denn sie oder er hoffen auf bessere Zeiten.
Man wird von dem einen Bundesland in das nächste verfrachtet oder in dem Bundesland von A über B nach C geschafft. Da spielt es keine Rolle ob man in der Schule, Ausbildung oder Beruf steht.

Wie soll man sich integrieren, wenn man mit einer Horde unterschiedlichster Kulturen und Menschen in einem Lager ist, welches wohlwollend in einem Industriegebiet, ehemalige Kaserne oder abseits einer Ortschaft oder Stadt befindet? Spannungen entstehen automatisch, denn zum einen haben die Menschen keine Aufgaben und Angebote und zum anderen sind sie der Willkür von unterbezahlten Security Leuten und überlastenden Mitarbeiter von Behörden ausgeliefert.

Flüchtlinge im Jahr 2015

Die Flüchtlingswelle

Der Sommer 2015 ist vielen noch in Erinnerung, als sehr viele Flüchtlinge aus Syrien sich auf den Weg nach Europa machten. Es begann als Flüchtlingsstrom, wurde dann eine Welle und endete als Flut.
Man beachte die Steigerung dieser Flucht von Menschen von dem Krieg in Syrien. Ich kann mich nicht erinnern, dass mit der Vertreibung oder Ende des zweiten Weltkriegs der Begriff Flüchtlingsflut genannt wurde.
Im Sommer 2015 war ich in Deutschland  auf Urlaub bei meinen Eltern und erlebt wie Landsleute aus Afghanistan mit ein paar Plastiktüten und völlig erschöpft in Notunterkünfte ankamen. Ich erlebte Menschen die helfen wollten, aber auch an ihre Grenzen kamen und Menschen die in einer überheblichen Arroganz agierten, als ob diese das Rad erfunden hätten.

Mit oftmals völlige Ohnmacht stand man den Flüchtlingen gegenüber. Ob nun im medizinischen Bereich oder bei der Bewältigung von einfachsten hygienischen Mitteln. Wenn hunderte oder gar tausende Menschen in eine Notdürftig hergerichtete Unterkunft kommen, sollte zumindest eine Infrastruktur stehen. In welchem Zustand Duschen und Toiletten bei einem solchen Andrang waren, kann sich wohl jeder vorstellen. Warum hatte damals die Regierung nicht den Katastrophenschutz, THW oder Bundeswehr von Anfang an mit ins Boot genommen?

Deutschland im Herbst 2018

Da ich meine Urlaube in Deutschland schon früh genug meinen Eltern und Freunden mitteilte, bekam ich im Vorfeld schon einige Mails, mit Bitte zur Kenntnisnahme oder ob und wie weit ich etwas erreichen könnte.
Eine Mail von Yvonne Dellinger, der Tocher meines ehemaligen Klassenlehrer, beschäftigte mich einige Tage.
Eine junge afghanin sei seit drei Jahren in Deutschland in einer mittelhessischen Stadt und sollte trotz psychischen Trauma abgeschoben werden.
Ich rief Yvonne an und fragte nach dem Aufenthaltsort der jungen Frau und ob sie etwas genaueres über deren Traumata wisse. In Afghanistan und auf der Flucht wäre sie mehrfach Vergewaltigung worden und nach ihrer Einreise in Deutschland hätte man sie in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.
Nach zig Telefonaten und mehreren Mails, war die Stellvertretende Ärztliche Direktorin der Psychiatrie bereit, im Rahmen der ärztlichen Schweigepflicht, mit mir zu reden.
Was mir erzählt wurde, kannte ich von weit über eintausend Fälle in gleicher oder ähnlicher Form aus Afghanistan. Die Ärzte in Deutschland konnten durch die Sprachbarriere jener Frau kaum helfen, was auch irgendwo völlig verständlich ist. Auch die Gespräche mit einer Dolmetscherin brachten nicht den gewünschten Erfolg, denn es macht kaum Sinn, wenn die Therapie ständig durch nachfragen von dritten unterbrochen wird. Dieses Problem der Traumabewältigung gilt im Übrigen für fast alle Länder. Es sei denn, man hat das große Glück, eine Ärztin/Arzt oder Therapeut_in aus dem gleichen Land zu treffen. Jedenfalls vereinbarte ich mit der Stellvertretenden Direktorin einen Termin für in sieben Wochen.

Mit meinen drei Leiterinnen der Psychologischen Abteilung in Afghanistan besprach ich den Fall von jener jungen Frau und welche Möglichkeiten sie sehen würden. Eine Rückführung über unsere Stiftung wäre die letzte Option und dies wollte ich auch nicht.

Gefangen in Deutschland

Drei Tage nach meiner Ankunft in Deutschland, fuhr ich die 300 Kilometer zu jener Klinik in Mittelhessen, um evtl der jungen Frau irgendwie helfen zu können.
Durch die vielen Gespräche und Mails mit der Stellvertretenden Direktorin, Dr. Linden, hatte sie einen sehr guten Einblick zu meiner Person und Arbeit. Ich bin keine ausgebildete Psychologin, kann aber einige Qualifikationen und eben sehr viele Erfahrungsberichte nachweisen. So kannte ich die psychologischen Gutachten jener Frau und musste bei dem Treffen nicht von Null anfangen. Auch hatte ich in den vergangenen Wochen öfters mit der jungen Frau via Skype reden können. Sie sah einen Hoffnungsschimmer für sich und ihre Situation, wenn wir uns endlich persönlich treffen.
Noch in Afghanistan nahm ich auch Kontakt zu meiner Freundin und Kollegin in den Niederlanden auf. Marpe de Joost ist promovierte Psychologin und leitete mit ihrem Vater eine Kinder- und Jugendeinrichtung für Flüchtlingskinder. In der Einrichtung sind auch Mitarbeiterinnen die paschtu können. Mein Gedanke war, dass ich jene junge Frau in die Niederlande zu eben jener Einrichtung bringen möchte. Was in einem laufenden Asylverfahren auch nicht ganz einfach ist. Meine juristische Fachabteilung in Afghanistan hatte sich aber schon darum gekümmert, somit war den Behörden in Deutschland und den Niederlanden dieser Fall bekannt.

In der Klinik traf ich jene Frau aus Afghanistan in einem schönen, mit Blumen und Bilder dekorierten Raum. Ich stellte mir Psychiatriesche Kliniken immer als kahle und kalte Gebäude vor.
Vor mir saß eine 25-jährige Frau, die zum einen schwerste Traumata durch den alltäglichen Terror in Afghanistan, mehrere Vergewaltigungen und auch Suizidversuche hinter sich hatte. Ein gebrochener Mensch, der nur in Frieden leben wollte, wurde zu einem seelischen Wrack.
Nach mehreren Stunden des zuhörens von einem menschlichen Alptraum, sprach ich mit einer Oberärztin und der Stellvertretenden Direktorin über die Erlebnisse jener Frau. Einiges war ihnen durch eine Dolmetscherin bekannt. Da die Dolmetscherin zwar aus Afghanistan kam, aber dari, also die andere offizielle Sprache des Landes sprach, konnte sie nicht alles 1:1 übersetzten oder wiedergeben.
In der Klinik war eine schwerst traumatisiert Frau, der man helfen wollte – aber es gar nicht konnte.
Da nach dem deutschen Strafgesetzbuch nach § 177: Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung, zwar bei dieser Frau vorlag, diese aber nicht in der Bundesrepublik Deutschland stattgefunden hatten, kann ein solches Verbrechen an der Frau auch nicht von einer Staatsanwaltschaft angeklagt werden.

Noch am gleichen Abend schrieb ich meine Einschätzung zu jener Frau und bat das Hessische Ministerium für Soziales und Integration für einen sogenannten
Konventionspass. Dieser ist ein Passersatz, der an Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention ausgestellt wird. Ich wollte der jungen Frau helfen und dafür müsste sie aber in die Niederlande.

Am Ende der Woche hatte ich eine Zusage aus Wiesbaden bekommen, dass mein Gesuch für jene Frau als positiv gewährt wurde und man meinem Antrag auch stattgeben würde – es macht schon einen Unterschied, wer ein Schreiben für Asylsuchende unterschreibt.
Mir ist durchaus bewusst, dass es tausend, ja sogar Hunderttausende solcher Fälle in Europa gibt, und diese Menschen sehr oft ohne Hilfe solche Traumata mit sich selbst ausmachen müssen, weil es an geschulten Personal oder Hilfsprogramme fehlt. Auch ist die sehr komplizierte Gesetzgebung in Europa mit verantwortlich.

Der europäische Irrsinn für Asylsuchende

In den 90er-Jahren hat die Europäische Union begonnen, eine eigene Politik und Instrumente zu entwickeln, um auf die globalen Herausforderungen der Migration eine europäische Lösung zu haben. Das Ziel war die Errichtung eines gemeinsamen Europäischen Asylsystems, auch GEAS genannt. Im Rahmen dieses Projektes hat die EU in den letzten Jahren eine Reihe von Richtlinien und Verordnungen verabschiedet, die zu einer schrittweisen Harmonisierung und Vereinheitlichung der nationalen Asyl- und Migrationspolitik führen sollte.
Die sogenannte Flüchtlingskrise hat seit 2015 die Schwächen des Systems sichtbar werden lassen und die Zahl der Reformvorschläge rapide ansteigen lassen. Gleichzeitig sind aber im Zuge dieser Krise tiefe Gräben und Konflikte zwischen einzelnen EU-Staaten entstanden, welche in Folge sogar gegen geltende Menschenrechtsbestimmungen verstoßen haben.

Der bulgarische Politologe Ivan Jotov Krastev beschreibt die bis heute spürbaren Folgen des Zerwürfnisses in seinem Buch Europadämmerung: ein Essay, aus dem 2017, als „bittere Spaltung der Europäischen Union und eine Wiederbelebung der Ost-West-Spaltung, die 1989 überwunden wurde“.

Das Dublin Übereinkommen aus dem Jahr 1990, sollte eigentlich einen Schritt in die Europäisierung  der ursprünglich rein national organisierten Asylpolitik sein. Mit diesem Übereinkommen wurde festgelegt welcher europäische Staat für die Bearbeitung eines Asylantrags zuständig ist. Damit sollte sichergestellt werden, dass Geflüchtete, die Schutz suchen und in einem EU-Land zum ersten Mal europäischen Boden erreichen, die Garantie haben, dass ein EU-Staat die Verantwortung für das Asyl-Verfahren übernimmt.
Mit dem Schengen-Abkommen von 1985 sind in Europa Schrittweise die Grenzen und somit auch die Grenzkontrollen gefallen. Somit ist eine nationale Zurückweisung von einzeln Staaten an den europäischen Außengrenzen nicht so ganz einfach. Flüchtlinge welche die griechisch-türkische Grenze überschreiten und auf griechischen Staatsgebiet um Asyl bitten, werden zwar zunächst von den örtlichen Behörden versorgt – da sie aber mit ihrem Grenzübertritt den europäischen Schengen-Raum betreten haben, erledigen die griechischen Grenzbeamten diese Anträge im Auftrag der gesamten EU. Europa ist das Ziel der Flüchtlingen, die vor Terror und Krieg aus ihren Heimatstaaten fliehen und in Europa Schutz suchen – und nicht Griechenland. Das gilt auch für die Menschen, die über das Mittelmeer fliehen und dann in Italien oder Malta ankommen. Jene Staaten sind alleine durch ihr BIP gar nicht in der Lage, die Flüchtlinge aufzunehmen.

Die kosmopolitische Solidarität

Mit der Schaffung der Grenzschutzbehörde Frontex und EASO (European Asylum Support Office) wurden weitere Hindernisse für Flüchtlinge geschaffen.
Frontex steht seit Jahren in der Kritik  dass es bei Operationen im Mittelmeer zu illegalen Zurückweisungen von Flüchtlingen kommt und dass es eine Zusammenarbeit zwischen Frontex und der libyschen Küstenwache gibt.

In der europäische Politik taucht immer wieder mal der Begriff: Festung Europa, auf. Lara Möller und Julian Bruns vom mosaik-blog.at, weisen darauf hin, dass der Begriff: Festung Europa, auf das NS-Regime zurückgeht: „Wenigen ist bei der ‚Festung Europa‘ wohl bewusst, dass es sich um einen NS-Begriff handelt. In diesem Sinne war er eine Metapher, welche zu Beginn des Zweiten Weltkriegs für die ‚Stärke gegen die Alliierten‘ stand. Hitler erklärte die von den Nazis besetzten Gebiete Europas zur ‚Festung‘, welche gegen die Invasion der Alliierten zu verteidigen sei.“

Die promovierte Politikwissenschaftlerin Annegret Bendiek schreibt in ihrem Buch: Europa verteidigen: „Die Flüchtlingskrise habe nur allzu deutlich vor Augen geführt, dass es kaum Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten der EU gibt. Seit September 2015 haben Länder der Union wie Ungarn, Slowenien, Österreich und Kroatien nach eigenem Ermessen auf die Flüchtlingsströme reagiert, überwiegend ohne sich mit betroffenen Nachbarstaaten abzusprechen. Sie schlossen ihre Grenzen teilweise oder ganz und verlagerten das Problem damit auf ihren nächsten südostwärts gelegenen Nachbarn.“

In ihren Buch weiß Bendiek darauf hin, dass es neben einer „nationalistischen“ und „europäischen“ Perspektive von Solidarität auch eine „kosmopolitische Solidarität“ gebe. Eine kosmopolitische Konzeption weist „jede unterschiedliche Behandlung von Menschen zurück, die mit Kriterien wie Nationalität begründet wird.“ Solidarität in diesem Sinne heißt, dass die EU-Mitgliedstaaten eng mit dem UNHCR zusammenarbeiten.

Den Großbrand im Lage Moria auf der Insel Lesbos, im September 2020, haben wir alle noch vor Augen. Es wurde mit einem Schlag die katastrophalen Zustände in diesem Lager bekamnt und man sah das völlige politische Versagen von Europa. Die Glaubwürdigkeit der europäischen
Wertegemeinschaft, die sich für Menschenrechte und ein humanititäres Flüchtlingsrecht einsetzt, stand bildlich in Flammen.

Kein Mensch flieht ohne Grund

Nila Khalil, Mitglied der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf, Den Haag, 13. März 2022

Quellen

– Annegret Bendiek: Europa verteidigen
Kohlhammer Verlag, 2018
ISBN 978-3-17-034845-5

– Ivan Krastev: Europadämmerung: ein Essay
Suhrkamp Verlag, 2017
ISBN 9783518127124

– mosaik-blog.at

Weiterführend zwei Artikel über die Probleme der Gesellschaft in der Europäischen Union

https://naike-juchem.com/2021/07/03/die-probleme-der-gesellschaft-in-der-europaeischen-union/

Die Probleme der Gesellschaft in der Europäischen Union

Why

Refugees in March 2022 from Ukraine

Why?

All people have the same blood
All human beings have a homeland
All human beings have a right to peace
All people have a right to security

Why?
Why do people shoot at each other?
Why are people being deprived of their homes?
Why are people being deprived of peace?
Why are people being deprived of security?
Why?

Why?
Why do a few people bring so much suffering?
Why do a few people want war?
Why do a few people destroy the dreams of others?
Why do some people have to hate?
Why?

Evke Freya von Ahlefeldt, Tomaszów Lubelski, on 2 March 2020 at the Polish-Ukrainian Border

Welttag der Migranten


Alan Kurdi (geb. 2012; gest. 2. September 2015 nahe Bodrum) war ein syrischer Junge kurdischer Abstammung,dessen Leichnam nach Ertrinken an der türkischen Mittelmeerküste angeschwemmt wurde; er starb im Alter von zwei Jahren.

„Liebe Brüder und Schwestern!
In der Enzyklika Fratelli tutti hatte ich eine Sorge und einen Wunsch geäußert, die weiterhin einen wichtigen Platz in meinem Herzen einnehmen: „Ist die Gesundheitskrise einmal bestanden, wäre es die schlimmste Reaktion, noch mehr in einen fieberhaften Konsumismus
und in neue Formen der egoistischen Selbsterhaltung zu verfallen. Gott gebe es, dass es am Ende nicht mehr die Anderen, sondern nur ein Wir gibt“.
So kam mir der Gedanke, die Botschaft zum 107. Welttag des Migranten und Flüchtlings unter das Motto „Auf dem Weg zu einem immer größeren Wir“ zu stellen, um auf diese Weise eine klare Perspektive für unseren gemeinsamen Weg in dieser Welt aufzuzeigen.“

Soweit die Worte von Papst Franziskus Botschaft zum 107. Welttag des Migranten und des Flüchtlings 2021.

Autorin Naike Juchem

Zu Beginn möchte ich schreiben, dass der Welttag der Migranten ein kirchlicher Gedenktag für Flüchtlinge und Migranten ist. Er wurde erstmals 1914 von Papst Benedikt XV. mit dem Dekret 
Ethnografica studia ausgerufen.

Flüchtlinge aus Syrien 2015

Es gibt den Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Seit 2015  ist der 20. Juni der Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Auch gibt es den Tag des  Flüchtlings am 1. Oktober.

Diese Tage sollen an eben jene Menschen erinnern, die wegen Krieg, Terror, Verfolgung und Klimawandel ihrer Heimat verlassen müssen. Kein Menschen fleiht ohne Grund.

Die Menschen in Deutschland oder Mitteleuropa sehen bei Migranten sofort eine Gefahr – warum überhaupt?
In Europa tobte sechs Jahre ein Krieg, der Millionen Menschen in die Flucht, Vertreibung, Deportation und sogar in den Tod trieb.
Über zwei Generationen kennen in Deutschland und in Teilen von Europa keinen Krieg und die damit verbundenen Folgen von Flucht, Vertreibung und Tod.  Trotzdem demonstrierten Menschen seit Jahren gegen Migranten und lassen ihren Hass gegen diese Menschen öffentlich aus.

Flüchtlinge an der Grenze zu Bosnien 2021

Der Begriff: Migranten, ist der der von den Menschen am häufigsten verwendet wird, um Feindseligkeit gegen diese Gruppe auszudrücken und die Einzelpersonen, auf die er sich bezieht, werden häufig nicht in der gesetzlichen oder fachspezifischen Definition dieses Begriffs gesehen.

Tatsächlich werden nur wenige oder gar keine Vorurteile gegen Ausländer /Migranten vorgebracht, die in einem Land leben und arbeiten, in dem sie sich äußerlich nicht von der Mehrheit seiner Bewohner unterscheiden, die gleiche Sprache sprechen, grob betrachtet den gleichen Lebensstil pflegen und in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber Menschen, deren Aussehen oder Lebensstil sich deutlich von der Mehrheit unterscheiden, werden häufig als Ausländer/Migranten bezeichnet – selbst wenn sie, und manchmal bereits ihre Eltern und Großeltern, in diesem Land geboren wurden und ihr Lebenlang dort gelebt und gearbeitet haben. Diese Menschen werden als Teil einer Gruppe gesehen, die rasant anwächst und oftmals als Bedrohung der Bevölkerung und deren Lebensstil betrachtet wird. Zu dieser Gruppe gehören auch Asylsuchende und Migranten, die verbreitet als Gesindel, Asyltouristen oder
Sozialschmarotzer bezeichnet werden.

Menschen aus anderen Ländern oder Religionen werden beschimpf, gejagt, geschlagen und sogar ermordet.
Man kennt diese Menschen gar nicht und  lässt seinen Hass frei heraus. 2018 brüllten Menschen in Teilen von Ostdeutschland „absaufen lassen, absaufen lassen“, über Migranten die den Weg in Freiheit und Sicherheit über das Mittelmeer nach Europa suchten. Für Menschen, die ihre fehlende Empathie öffentlich kundtun, kann man sich nur schämen.

In Städten und Dörfer in Europa wurden regelrechte Hetzjagden gegen Migranten und Flüchtlinge geführt. Menschen deren Großeltern oder Eltern selbst einen Migrationshintergrund haben, schwenken Reichs- und Nazisfahnen. Sie zeigen öffentlich den Hitlergruß und sind stolz Deutsche, Franzosen, Belgien oder was auch immer zu sein.

Die Einstellung vieler Menschen gegenüber Migranten resultiert all zu oft auf Unwissenheit und Unwahrheiten. Gerade Rechtspopulistische Parteien und Gruppierungen blasen eine Straftat oder Verbrechen von Migranten auf, um somit im kollektiv alle Migranten als Mörde, Vergewaltiger und Verbrecher hinzustellen.
Die NSU Morde, Morde und Amokläufe
von Rechtsradikalen werden selten
genannt. Es sind immer nur die anderen böse.

Am Beispiel von 9 Punkten aus der
Publikation des Europarats: Migrants and their descendants –Guide to policies for the well-being of all in pluralist societies, welche auf der Grundlage von Untersuchungen, Konferenzen und Feldforschungen in mehreren europäischen Staaten durchgeführt wurden., wurde festgestellt:

1.) Migranten führen zu einem Anstieg der Kriminalität.

Dies wird von den Medien, öffentlichen Vertretern und bestimmten „Sicherheitsexperten“ ständig wiederholt und ohne Frage von einem großen Teil der Bevölkerung unhinterfragt wie folgt akzeptiert:
– Migranten, besonders illegale Einwanderer, sind Kriminelle.
– Migranten halten sich weniger an das Gesetz als Einheimische.
– Migranten sind für einen Großteil der Verbrechen verantwortlich, die begangen werden.
– Migranten kommen in unser Land, um Verbrechen zu begehen und jetzt, da sie hier sind, sind unsere Städte und Straßen weniger sicher.

2.) Migranten bringen Krankheiten ins Land.

Auch dieser Punt wird oft angesprochen, denn die Befürworter dieser Argumente behaupten, dass illegale oder nicht erfasste Migranten und deren Kinder häufig eine schlechtere Gesundheit aufweisen als der Rest der Bevölkerung und dass bestimmte Infektions- und ansteckende Krankheiten bei Migranten häufiger vorkommen als in der einheimischen Bevölkerung und somit Migranten schuld an der Rückkehr bestimmter Krankheiten seien, die schon vor Jahrzehnten in Europa ausgerottet wurden.

3.) Migranten nehmen uns die Arbeitsplätze weg.
Solche Behauptungen sind extrem oft in der europäischen Gesellschaft verbreitet Insbesondere bei Arbeitern in Arbeitsbereichen, in denen es viele Migranten gibt. Dies gilt strenggenommen nicht nur für Migranten, sondern auch für deren Kinder, die sogenannte zweite Generation, die aufgrund ihres Aussehens, Kultur oder Familienzusammenhalts immer noch nicht als „Teil der Nation“ betrachtet werden.

4.) Migranten verursachen eine Absenkung der Löhne.
Viele Menschen, die akzeptieren, dass es keinerlei Beweise für die Behauptung gibt, Migranten und Einheimische ständen in direkter Konkurrenz um Arbeitsplätze, glauben nichtsdestotrotz die Aussage, dass Migranten durch ihre Präsenz die Löhne drücken. Diese Meinung ist besonders stark am Arbeitsplatz anzutreffen und selbst bei den Gewerkschaften – zumindest an der Basis.

5.) Migranten nutzen den Wohlfahrtsstaat aus.
Migranten und deren Familien werden beschuldigt, die Dienste zu missbrauchen, die vom Wohlfahrtsstaat auf dreierlei Weise bereitgestellt werden.
Erstens wird behauptet, sie würden die staatlichen Dienste und Hilfsangebote übermäßig und in unfairer Weise nutzen, wobei angenommen wird, dass sie einen breiteren, freieren und weniger regulierten Zugang hättenals andere Bürger.
Zweitens wird von ihnen angenommen, sie hätten Zugang zu Leistungen und Diensten, auf die sie keinen gesetzlichen Anspruch hätten, und würden damit Betrug begehen, zum Schaden der einheimischen Bevölkerung.
Drittens wird unterstellt, dass sie während ihres Aufenthaltes, von dem angenommen wird, er sei nur temporär und vor allem vom Wunsch beflügelt, vom europäischen Sozialsystem zu profitieren, mehr von der Wirtschaft profitieren als dieser nutzen.

6.) Migranten benehmen sich, als gehörte ihnen alles.
Diese Haltung ist besonders bei älteren Menschen anzutreffen, die den Eindruck haben, die Neuankömmlinge respektierten sie nicht, ihr vertrautes Leben werde erodiert und die „Migranten-Kultur und deren Lebensweise werden mehr respektiert als unsere” .

7.) Migranten gründen Parallelgesellschaften.
Migranten werden häufig als soziale und politische Gruppe beschrieben, die den Angehörigen der Gastgesellschaft fremd ist. Es wird den Fällen Aufmerksamkeit gewidmet, in denen sie sich als geschlossene und selbstgenügsame Gemeinschaft verhalten, und weniger den Fällen, in denen sie offen sind und sich um freundschaftliche Beziehungen mit Angehörigen anderer Gruppen bemühen. Typische Behauptungen sind: „die bleiben lieber unter sich”, „die wollen sich überhaupt nicht integrieren”, „die können unsere Sprache nicht sprechen” oder „die wollen doch nur Rechte, aber keine Pflichten”.
Fakt ist, dass dies nicht den Migranten zu verschulden ist, sondern der Politik.

Flüchtlingskinder in Jordanien

8.) Die Kinder der Migranten senken die Standards in unseren Schulen.
Es wird behauptet, die Kinder von Migranten schneiden in Schulen schlecht ab, weil ihre Eltern nicht über die Fähigkeiten und die Bildung verfügen, um sie ordentlich zu erziehen und werden häufig für ihre eigenen Schwierigkeiten verantwortlich gemacht.
Auch bei diesem Punkt liegt das Versagen bei den Ministerien für Bildung- und Schulwesen in den einzelnen europäischen Ländern selbst.

9.) Weibliche Migranten leben als Minderheit.
Nicht-europäische Migranten werden häufig als rückständig im Hinblick auf die Zivilisation im Allgemeinen und auf die Gleichheit von Mann und Frau im Besonderen betrachtet. Dieses Vorurteil wird vorwiegend gegen Muslime und Araber vorgebracht.
Es mag in einigen konkreten Situationen eine gewisse Wahrheit in einigen dieser Aussagen liegen. Aber bei allen handelt es sich um undifferenzierte Verallgemeinerungen und alle werden kontinuierlich in ganz Europa vorgebracht, sowohl im privaten als auch öffentlichen Diskurs. Zusammen genommen drücken sie eine tiefe und weitverbreitete Feindseligkeit gegenüber einem sehr großen Teil der Menschen aus, die in Folge alle moralisch und materiell darunter leiden werden.

Unwissenheit und Falschmeldungen
bringt Hass hervor.

Es gab und gibt in der Geschichte der Menschheit immer Manipulatoren welche  die Angst der Menschen für ihre eigene Zwecke benutzen. Das Aufkommen von Rechtspopulistische Parteien in Europa zeigt dies sehr deutlich. Mit der Angst der anderen wurde schon immer viel Geld verdient oder auch eine Machtposition erreicht. Diese ängstlichen Menschen werden massiv manipuliert und glauben alles, was man ihnen sagt.

Fazit
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, lautet der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und gilt gemäß Artikel 2 unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Religion für jeden Menschen. Leider haben einige europäischen Staaten vergessen, dass sie diese UN Erklärung unterzeichnet haben.
Wenn wir Flüchtlinge an den Grenzen von Europa vor sich hin vegetieren lassen, haben wir als Gesellschaft versagt. Wer Waffen exportiert muss damit rechnen, dass Menschen fliehen. Wer Landschaften durch Raubbau und Ressourcenabbau zerstört, muss mit Menschen rechnen, die fliehen.

Kein Mensch flieht ohne Grund

Wenn wir alle einen Schritt auf andere Menschen zugehen würden, wäre die Welt ein besser Ort für uns alle.

Naike Juchem, 16. Januar 2022

Massaker in Myanmar

Die Militärregierung in Myanmar soll Berichten zufolge ein Massaker an Dorfbewohnern verübt haben. Mehr als 30 Menschen sollen getötet und verbrannt worden sein. Zwei Mitarbeiter der Organisation „Save The Children“ werden vermisst.

Autorin Naike Juchem

In Myanmar sind laut Berichten von Menschenrechtsaktivisten die verbrannten Leichen von mindestens 35 Menschen gefunden worden. Unter ihnen sollen auch Kinder sein. Bei den Opfern handele es sich um Zivilisten, die wegen Kämpfen aus ihren Dörfern fliehen wollten, sagte ein Mitglied der Menschenrechtsgruppe Karenni Human Rights Group der Nachrichtenagentur dpa. Sie seien von Soldaten der Militärjunta festgenommen und getötet worden.

Ein weiteres Mitglied der Gruppe sagte unter Berufung auf Einheimische, dass die Junta in der Nähe des Dorfes Mu So in der Gemeinde Hpruso verbrannte Leichen zurückgelassen habe. „Wir fanden einige verbrannte Leichen mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Unsere Leute wurden brutal getötet“, sagte ein Mitglied der lokalen Widerstandsgruppe. „Die Zivilisten wurden hier kollektiv verbrannt.“

Ein Dorfbewohner berichtete der Nachrichtenagentur AP, er habe den Moment der Tötung selbst nicht gesehen, doch zwischen den verbrannten Leichen seien auch Kleidungsstücke von Kindern gefunden worden. Sie hätten keiner Guerillatruppe angehört. Unabhängige Medien in Myanmar berichteten, dass zehn Dorfbewohner aus Mo So, darunter auch Kinder, festgenommen worden seien. Vier Mitglieder einer paramilitärischen Truppe hätten versucht, ihre Freilassung auszuhandeln, seien aber gefesselt und mit Kopfschüssen exekutiert worden.

Mitarbeiter von Hilfsorganisation vermisst

Die Hilfsorganisation „Save the Children“ teilte mit, zwei ihrer Mitarbeiter würden vermisst. „Wir haben die Bestätigung, dass ihr Privatfahrzeug angegriffen und in Brand gesetzt wurde“, erklärte die Organisation. Die beiden Helfer waren demnach auf dem Rückweg von einem humanitären Einsatz in der Region. Die NGO setzte nach eigenen Angaben ihre Arbeit in mehreren Regionen aus.

„Save the Children“ sprach von mindestens 38 Toten bei dem Vorfall. „Das Militär hat Berichten zufolge Menschen aus ihren Autos gezwungen, einige festgenommen, andere getötet und ihre Körper verbrannt“, hieß es. Sie verurteilte den Angriff als Bruch des humanitären Völkerrechts.

Laut der Beobachtungsstelle Myanmar Witness, die nach eigenen Angaben Beweise für Menschenrechtsverletzungen in dem Land sammelt, wurden „35 Menschen, darunter Kinder und Frauen, am 24. Dezember vom Militär verbrannt und getötet“.

Militärregierung bestätigt Zusammenstöße

Ein Sprecher der Junta sagte, dass es am Freitag Zusammenstöße mit Rebellen gegeben habe, nachdem Soldaten versucht hätten, sieben „verdächtige“ Autos anzuhalten. Die Lastwagen seien beschossen, mehrere Menschen getötet worden, sagte der Sprecher, ohne Einzelheiten zu nennen.

Bereits Anfang Dezember soll das myanmarische Militär mehrere Dorfbewohner nach einer Attacke auf einen Militärkonvoi getötet haben. Unter den Opfern vom 7. Dezember sollen ebenfalls Kinder gewesen sein. Am Samstag kam es auch zu neuen Kämpfen im benachbarten Kayin-Staat, wo Tausende Menschen Zuflucht vor Kämpfen gesucht haben. Örtliche Behörden berichteten von Luft- und Artillerieangriffen auf den Ort Lay Kay Kaw, der von Rebellen aus der Volksgruppe der Karen kontrolliert wird.

Das Land versinkt seit einem Putsch im Februar in Chaos und Gewalt. Das Militär hatte die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi entmachtet und regiert seitdem mit brutaler Härte. Es gab landesweit Proteste, bei deren Niederschlagung mehr als 1300 Menschen getötet und mehr als 10.000 festgenommen wurden. In vielen Teilen des südasiatischen Landes haben sich lokale bewaffnete Einheiten gebildet, um Widerstand gegen die Junta zu leisten. Immer wieder gibt es Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen. Informationen von Einheimischen sowie Medienberichte aus Myanmar können aktuell kaum unabhängig überprüft werden.

Quellen
– DPA
– Save the Children  East Asia
Holger Senzel, ARD Studio Singapur

Frauenrechte in Afghanistan

Unter dem Taliban-Regime, dass sich ab 1994 in Afghanistan langsam wie ein Geschwür ausbreitete und bis zum Ende ihrer Herrschaft, im Jahr 2001, wurden den afghanischen Frauen ihre Menschenrechte und ihr Würde abgesprochen worden.

Autorin Nila Khalil

Als die internationale Gemeinschaft unter der Führung der USA mit dem Versprechen auf Demokratie, Schutz der Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit nach Afghanistan kam, war die Hoffnung groß, dass sich die Situation der Frauen wieder verbessern würde und sie endlich die gleichen Rechte wie Männer bekämen.
Internationale Organisationen, insbesondere die UN, die Europäische Union und die Entwicklungsagentur der USA, sagten ihre Unterstützung zu, um die Lage der afghanischen Frauen zu verbessern.

Die UNO machte ihre Unterstützung der afghanischen Regierung davon abhängig, dass diese die Rechte der Frauen und ihre stärkere Beteiligung in der Afghanischen Gesellschaft gewährleistete.
Die UN koordinierten diese Hilfen für Frauen und allmählich zeichnete sich eine Verbesserung der Situation ab: Frauen erhielten mehr Zugang zu Bildung und beteiligten sich vermehrt an der Gestaltung von Politik und Gesellschaft. Die unabhängige Menschenrechtskommission Afghanistan, UNAMA ( United Nations Assistance Mission in Afghanistan) wurde gegründet, und die Gleichberechtigung der Frau wurde in der Verfassung Afghanistans festgeschrieben.

Niloofar Rahmani

Mädchen durften wieder in Schulen und Universitäten, Frauen nahmen an Wahlen teil, und fünfundzwanzig Prozent der Sitze des afghanischen Parlaments wurden Frauen zugewiesen. Auch in anderen Bereichen der Politik, der Gesellschaft und der Wirtschaft wurden Frauen aktiv und Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten für Frauen nahmen zu.

Im Schlussdokument der Afghanistankonferenz  in Bonn im Dezember 2011 hat die internationale Gemeinschaft bekräftigt, auch nach 2014 und dem Abzug der ISAF-Truppen Afghanistan weiter helfen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte damals Afghanistan langfristige Hilfe über den Abzug der internationalen Kampftruppen hinaus zu. „Afghanistan kann sich auch nach 2014 auf die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft verlassen“, sagte Merkel.

Da die UNO, wie auch die NATO ihre militärische Präsenz in Afghanistan zurückschraubte und sich dadurch auch die Hilfen verringerten, erlahmte seitens der UNO, insbesondere der USA, auch das Interesse und die Aufmerksamkeit für den Schutz der sozialen Gerechtigkeit, der Demokratie und der garantierten Beteiligung von Frauen an der Politik.
Auch die Regierung unter Hamid Karsai auch nicht gerade mit Zuverlässigkeit glänzte, erfüllte diese ihre Verpflichtungen gegenüber Frauen nicht, denn die Gesetze und Vorschriften, die zur Sicherung der Frauenrechte eingeführt worden waren, standen lediglich auf dem Papier, wurden jedoch nicht angewandt.
Die Erwartung, dass die UNO und die Regierung Afghanistans die Gleichstellung und die Menschenrechte von Frauen gewährleisten würden, erfüllte sich nicht.
Im Gegenteil – niemand arbeitete ernsthaft an der Erfüllung dieser Verpflichtungen. Es zeigte sich beispielsweise, dass Frauen nur eine symbolische Rolle in der Struktur der afghanischen Regierung innehatten. Inzwischen hat sich, insbesondere aufgrund von wieder zunehmenden Sicherheitsproblemen, Armut, langlebigen Traditionen sozialer Unterdrückung und der Bedrohungen durch die Taliban, den IS und andere extremistische Gruppen, die Lage der afghanischen Frauen wieder verschlechtert, bis hin zu Lebensgefahr, und die Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten haben sich verringert und sogar dramatisch verschlechtert.

Nach einer Besichtigung eines Terroranschlag an einer Mädchenschule mit 14 getöteten Mädchen und 3 Lehrerinnen.

Fortsetzung von Krieg und Unsicherheit


Der fortdauernde Krieg und Terror und die insgesamt unsichere Lage hat für Frauen das Leben in vielen Provinzen wo die Taliban wieder die Macht stark erschwert. Die Recherchen von Afghan Women´s Network ergab mit rund 100 Vorfällen in nur 71 Tagen (01.11.2018 – 10.01.2019) ein erschreckendes Bild: In fast allen der 34 Provinzen Afghanistans waren mindestens zwei Vorfälle zu finden. In den unsicheren Teilen des Landes können derzeit Mädchen, wie auch in der Vergangenheit, keine Schulen besuchen; viele Familien erlauben ihren Töchtern nicht, zur Schule zu gehen, weil es zu wenig weibliche Lehrkräfte gibt. Heute, im einundzwanzigsten Jahrhundert, können sechzig Prozent der afghanischen Frauen und Mädchen weder lesen noch schreiben.

Viele Frauen, die in mehreren Provinzen für Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen gearbeitet hatten, mussten ihre Arbeit aufgrund der Sicherheitslage einstellen, oder haben schon in den letzten Jahren im Verborgenen gearbeitet und auch agiert. Darüber hinaus töteten und erschossen die Taliban mehrere Frauen wegen des bloßen Verdachts, mit der Regierung zusammengearbeitet zu haben. Menschenrechtlerinnen leben in Afghanistan unter ständiger Lebensgefahr.

Gewalt gegen Frauen in der Familie und in der Öffentlichkeit

Traditionen sozialer Unterdrückung gibt es heute überall in Afghanistan; immer noch leiden rund drei von vier Frauen unter unterschiedlichen Formen von Gewalt, nicht nur in der Familie, sondern auch in der Gesellschaft – am Arbeitsplatz, an Ausbildungsorten und sogar auf offener Straße. Viele Familien bevorzugen klar die Geburt eines Jungen und sind unglücklich über die Geburt eines Mädchens.

Kinder und Frauen werden zwangsverheiratet oder an ältere Männer verkauft, manchmal werden sie getauscht, gegen Vieh oder gegen die Lösung eines Konfliktes. Frauen und junge Mädchen werden vergewaltigt und Gewalt gegen Frauen wird von manchen im Namen der Religion gerechtfertigt. Polygamie stellt eine weitere Herausforderung für Frauen dar. Ein Mann hat beispielsweise das Recht, mit bis zu vier Frauen gleichzeitig verheiratet zu sein, und diese Frauen besitzen keinerlei Rechte. Viele Fälle von Gewalt gegen Frauen werden mittels informeller Gerichte oder in Stammesversammlungen entschieden. Die Entscheidungen dieser Stammesversammlungen sind unfair und ungerecht, vor aller Augen werden Frauen gesteinigt oder ausgepeitscht. 2015 wurde in der Provinz Ghor eine Frau gesteinigt, obwohl sie kein Verbrechen begangen hatte.

Nicht wenigen Frauen werden durch ihre Ehemänner Ohren und Nasen abgeschnitten. Viele Frauen  suchen in den Frauen- und Schutzhäusern der wenigen Internationalen oder auch privaten Organisationen Zuflucht vor dieser immer stärker um sich greifenden Gewalt. In vielen Provinzen sind die Täter dieser Gewaltakte mächtige Männer, Kriegsherren, Regierungsbeamte oder Parlamentsabgeordnete, und die Regierung sieht sich nicht in der Lage, sie zu verhaften und oder zu bestrafen.
Basierend auf Zahlen von UNAMA wurden im Jahr 2017 rund 3800 Fälle von Gewalt gegen Frauen registriert; 19 der betroffenen Frauen haben sich selbst verbrannt.

Natasha war eine Mitarbeiterin von mir

2018 nahm die Zahl der Verbrechen weiter zu und lag bei knapp 4200. Im vergangen Jahr blieb die Zahl auf gleich hohem Niveau. Menschenrechtsorganisationen können durch die instabile Lage in vielen Regionen gar keine Hilfe, bzw. Registrierungen vornehmen und so liegt die Zahl der tatsächlichen Opfer um ein vielfaches höher.
Die sehr lasche Verfolgung der Behörden, lässt somit eine Straffreiheit für die Männer zu und ist als Hauptgrund für die Zunahme dieser Gewalt zu nennen.
Selbst in Kabul sind Frauen und Mädchen nicht vor körperlicher Gewalt sicher. Als Beispiel hierfür sei der Mord an Farkhunda genannt. Dieses Mädchen wurde vor 2015 von Dutzenden Männern brutal getötet und verbrannt – nur wenige Kilometer entfernt vom Präsidentenpalast und vor den Augen von Sicherheitskräfte.
Dieser Vorfall spiegelt die Tragweite der Tragödie wider, mit der afghanische Frauen konfrontiert sind. Zwar wurden mehrere Personen im Zusammenhang mit diesem Mord verhaftet, jedoch gingen sie letztendlich straffrei aus. Frauen und Mädchen sind selbst an ihrem Arbeitsplatz oder an den Universitäten nicht sicher. Sie werden auf dem Arbeitsmarkt und in Bildungseinrichtungen von Männern auf unterschiedliche Arten belästigt und aufgefordert, illegitime Dinge zu tun; es gibt keinerlei Gesetze zur Unterstützung von Frauen in diesen Bereichen.

Die Erfolge der afghanischen Frauen und deren mangelnde Anerkennung
Menschenrechtsaktivistinnen haben in den letzten Jahren bedeutende Erfolge in Afghanistan und über die Grenzen Afghanistans hinaus erzielen können, sie haben nationale und internationale Preise gewonnen und damit der Welt ein anderes Gesicht von Afghanistan gezeigt, als das von Krieg und Gewalt. Doch die Beteiligung von Frauen an der politischen Entscheidungsfindung ist immer noch verschwindend gering.
Trotz positiver Errungenschaften im Leben der afghanischen Frauen beschränken sich der Fortschritt und die Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen in vielerlei Hinsicht auf Worte und Slogans. Zahllose Gesetze, Programme und Strategien wurden entwickelt, um die Stellung der afghanischen Frau zu stärken, doch deren Umsetzung war weniger erfolgreich. Immer wieder wurden diese Maßnahmen ignoriert.

Es ist offensichtlich, dass Frauenrechte in Afghanistan nur eine symbolische Rolle spielen, diese Doppelmoral und die frauenfeindlichen Einstellungen zeigen sich an folgendem Beispiel: Hamid Karsai hatte dem Parlament zwölf Ministeramtskandidaten zur Aussprache des Vertrauens präsentiert; das Parlament hat daraufhin den elf männlichen Kandidaten das Vertrauen ausgesprochen, Nargis Nehan aber, die als einzige Frau als Ministerin für Bergbau und Erdöl vorgeschlagen war, wurde abgelehnt.
Dies zeigt, dass in allen drei Organen der afghanischen Regierung Frauenfeindlichkeit herrscht und nach wie vor politische Entscheidungen auf der Grundlage gefällt werden, die männliche Dominanzkultur zu erhalten. In all den Jahren konnte keine einzige Frau Mitglied des Obersten Gerichtshofs von Afghanistan werden, stets lehnte das Parlament die Mitwirkung von Frauen in dieser Institution ab; Frauen gelten in Afghanistan immer noch als Menschen zweiter Klasse.

Ein Teil von meinem Team

Die allgemein unsichere Lage, das Versagen der afghanischen Regierung bei der Gewährleistung von Sicherheit für Frauen, die Einschränkungen und verschiedenen Arten von Diskriminierung sind Gründe dafür, dass Frauen nicht in der Lage sind, in Frieden in Afghanistan zu leben, und sich gezwungen sehen, allein oder mit der Familie in andere Länder zu gehen, insbesondere nach Europa, um dort Asyl zu beantragen.

Afghanische Frauen, die in Europa Asyl suchen, und der Albtraum der Flucht

Im Gespräch mit Dr. Idah Nabateregga von TERRE DES FEMMES sprach die Vorsitzende von Afghan Women´s Network, Nila Khalil im Dezember 2019 über die Europäische Asylanträge von Afghanischen Frauen.
„Es ist nicht einfach für afghanische Frauen und Mädchen, nach Europa zu kommen. In der Regel sind sie viele Risiken eingegangen, um mit ihren Familien in europäische Länder zu gelangen. Viele der Frauen und jungen Mädchen haben auf dem Weg entweder ihr Leben oder ihre Kinder und Familien verloren, sie wurden eingesperrt und mussten niederträchtiges Verhalten und abscheuliche sexuelle Belästigungen von Grenzsoldaten und Schmugglern erdulden. Zwar ist es auch für Männer nicht einfach, auf illegalem Wege zu reisen, doch für Frauen ist es noch einmal schwieriger. Aber trotz all dieser Gefahren und Probleme auf den Fluchtrouten haben afghanische Asylsuchende weniger Chancen auf Asyl als Asylsuchende aus anderen Ländern. Afghanische Asylsuchende dürfen bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihnen Asyl gewährt wird, keine Sprachkurse besuchen. Zwar steht ihnen eine Unterkunft zur Verfügung, sie werden finanziell versorgt und genießen Schutz, doch sehen sie sich mit mentalen und psychischen Problemen konfrontiert.“

In den Lagern und an den Orten, wo Geflüchtete leben, finden sich viele Beispiele für diese Art von Problemen. Eine afghanische Flüchtlingsfrau in Hessen, die von Oktober 2017 bis Mai 2019 in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht war, sprach bei einem Treffen im Januar 2020 mit der Vorsitzenden von Afghan Women´s Network.

„In Afghanistan hatte ich viele Probleme in der Familie und durfte nicht draußen arbeiten. Mein Mann und ich wollten an einem Ort leben, an dem wir in Frieden und wir selbst sein konnten und wo wir in Sicherheit sind. Also sind wir Richtung Europa aufgebrochen, ohne zu wissen, dass wir mit unserem Leben spielten. Stundenlang waren wir auf gefährlichen Routen zu Fuß in Richtung Bulgarien unterwegs. Mein Mann und ich wurden mit anderen Männern und Frauen von bulgarischen Grenzsoldaten festgenommen. Diese Grenzsoldaten folterten uns und brachten uns anschließend in ein Gefängnis, wo wir zusammen mit gefährlichen Gefangenen eingesperrt wurden.
Sie haben uns mehrere Tage lang nichts zu essen gegeben und uns so schlimm behandelt, dass ich es nicht aussprechen kann. Nachdem wir aus dem Gefängnis entlassen worden waren, sind wir nach Deutschland gelangt. Leider wurde unser Asylantrag abgelehnt und wir sollten nach Bulgarien zurückgeschickt werden. Ich war eineinhalb Jahre in einem Krankenhaus für geistige Gesundheit, aber ich kann keinen geistigen Frieden finden.“ (Anm.: Das Gespräch ging über mehrere Stunden und was jetzt geschrieben ist, ist die Quintessenz von diesem Interview)

Afghanische Frauen in Europa und Gewalt in der Familie
Abgesehen von mentalen und psychischen Gesundheitsproblemen erleben afghanische Frauen und Mädchen in vielen europäischen Ländern, insbesondere in Deutschland sexuelle und auch häusliche Gewalt. Nach Quellen deutscher Medien wurden allein 2017 zwei afghanische Frauen in den Städten Frankfurt und Herzogenrath von ihren Ehemännern getötet.

Gewalt ereignete sich auch in einem Flüchtlingslager in Schwerin, wo im November 2017 eine afghanische Frau durch einen iranischen Mann vergewaltigt wurde. Gemäß der Aussage eines Verteidigers von Frauenrechten in Frankfurt leben einige afghanische Familien hier nach denselben traditionellen Vorstellungen wie in Afghanistan und erlauben ihren Frauen nicht einmal, an Sprachkursen teilzunehmen. Die Hilfsangebote vieler Organisationen und Vereinigungen, die Geflüchtete bei ihren Integrationsbemühungen unterstützen, laufen dann ins Leere.
Ein weiterer schwerer Fall von Gewalt afghanischen Männer ist der Mord an Mia im Dezember 2017.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Unsicherheit, Ungerechtigkeit, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und fehlende Gleichberechtigung der Männer die Hauptgründe dafür sind, dass viele afghanische Frauen in Europa Asyl beantragt haben. Niemand würde ohne die oben genannten Gründe derart viele Risiken eingehen, ohne dazu gezwungen zu sein, niemand würde seinen Geburtsort verlassen und in einem Land mit einer anderen Kultur und Sprache Asyl suchen.
Das Leben in Deutschland, oder deren westlichen Nachbarstaaten, ist nicht einfach, es muss von Null aufgebaut werden und es braucht Zeit, sich der Gesellschaft anzupassen und die neue Sprache und Kultur zu lernen. Angesichts der Situation afghanischer Asylbewerberinnen ist klar, dass diese mehr als manche andere Unterstützung benötigen – von Organisationen, die die Menschenrechte verteidigen, sowie von der deutschen und den europäischen Regierungen.

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland heißt es, dass alle Menschen in diesem Land die gleichen Rechte haben und dass dieses Land demokratisch regiert wird. Aus diesem Grund erhoffen sich die afghanischen Frauen mehr von der Regierung dieses Landes. Gerade Frauen, die alleine sind oder allein die Verantwortung für ihre ganze Familie tragen, sind auf die Unterstützung der Bundesregierung und von Menschenrechtsorganisationen angewiesen. Geflüchtete Afghaninnen wünschen sich, dass ihre Fälle in Bezug auf die Situation in Afghanistan und die politischen und sozialen Probleme von Frauen in diesem Land überprüft werden.

Nila Khalil, Vorsitzende von Afghan Women´s Network und Mitglied der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf. Den Haag, 25. April 2020.

Wie lange sind wir Flüchtlinge

Ich las gestern in einer Zeitschrift dieser Frage und seitdem lässt mich diese Frage nicht los.

Autorin Nila Khalil

Heute Morgen rief ich nach Luxemburg an und stellte gleiche Frage an Leon. Seine Antwort war:
„Hues du ze vill Gras gefëmmt?“ (Hast du zu viel Gras geraucht?)
„Bis jetzt noch in einem ertäglichen Rahmen. Ist aber auch die falsche Antwort.“ „Du kënnt zimlech fréi moies ganz scheene Froen stellen. Ech hunn keng Sorsch um daad gemacht und wäert ma och keng Sorsch doriwwer maache. Du, ech, mir sinn Mënsch. Punkt.“ (Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht und werde sie mir auch nicht machen. Du, ich, wir sind Menschen. Punkt.)
Trotzdem sprach ich noch fast eine Stunde mit Leon und sagte ihm, was er seit unserer letzten Unterhaltung noch nicht wusste.

Mit Rebecca traf ich mich heute um 11 Uhr in Rotterdam an der Brandwonden Klinik. Sie war schon auf dem Parkplatz als ich kam. Ihre Begrüßung war eine andere als die zwei Monate zuvor. Sie drückte mich fest und ihre Augen hatten wieder ein Strahlen. Sie würde sich auf morgen freuen, wenn sie mit den Kindern zu uns nach Den Haag kommen kann und sie würde gerne zwei Wochen bleiben. Dies hatten wir gestern schon besprochen.

Gemeinsam gingen wir in die Klinik und es war auch für mich heute ein anderes Gefühl. Die Prozedur in der Intensievstation war ja auch immer die gleiche und das Umziehen in diese furchtbaren grünen Kleider war auch anders wie sonst. Zurück ins Stationszimmer und unser Outfit kontrolieren lassen. Ich schaute mir das EEG von Lenara der letzten eineinhalb Tage an. Die neuenTöne und Musik aus Schottland und Irland scheinen Lenara zu gefallen. Die EEG Kurven zeigten eine Veränderung. Kann auch sein, dass sie solche Töne gar nicht kannt und ihr Gehirn mehr „Arbeit“ braucht um diese zu verarbeiten.
Im Zimmer von Lenara las ich das nächste Kapitel aus Peter Pan, Wendys Geschichte.
Ich sprach wieder so einiges mit ihr. Wie das Wetter gestern war, was mein Vater am Abend gegrillt hatte und wie ich den gestrigen Tag verbracht hatte.
Heute will ich aber nicht über Lenara schreiben, sondern über jene Frage von Kalli.

Wie lange sind wir Flüchtlinge?

Um kurz vor 15 Uhr war ich im Umkleideraum und auch Rebecca kam kurze Zeit später in den Raum. Sie sagte noch, dass sie gestern lange mit ihren Eltern und Schwiegereltern gesprochen hatte und sie alle die Entscheidung begrüßten, dass Rebecca für eine Zeit nach Den Haag ginge. Auch habe sie mit der Klassenlehrerin von Luuk gesprochen und sie würde mich am Montag bezüglich des Schulunterrichts anrufen. „Sehr gut. Es freut mich, dass du meine Hilfe annimmst. Nun hätte ich aber auch eine Frage an dich.“
„Graag. Natuurlijk. Vraag het me.“
„Wie lange bin ich Flüchtling?“
Rebecca sah mich an, als ob in diesem Augenblick ein UFO landen würde.
„Je meent het nu niet meer! (Du meinst es jetzt nicht ernst!)“
„Doch! Es ist eine Frage über die ich nun seit Stunden nachdenke.“
Rebecca schüttelte immer wieder den Kopf.
„Nee, du bischt doch niet an Fluchtling. Du wonscht doch hier bij ons.“

Mit zwei großen Tassen Kaffee saßen wir wieder in unser Nische und erzählte ihr meine Gedanken.
„Ich kann mich noch sehr gut an meine Schulzeit erinnern. Es war 1993. Ich war schon fast 3 Jahre an der Realschule in Stuttgart und bekam zufällig im Lehrerzimmer eine Unterhaltung mit, wo eine Mutter sich über mich ausgelassen hatte. Ihre Tochter kam, durch Umzug bedingt, nach den Osterferien bei uns in die Klasse und eben jene Mutter bezeichnete mich bei meinem Klassenlehrer: „Sie haben ja ein Flüchtlingskind in der Klasse. Ist dies für die Klassenleistung nicht hinderlich?“ Als ich das hörte, setzte für einen Augenblick mein Herz aus. Mein Klassenlehrer, Herr Dellinger, zu dem ich heute noch Kontakt habe, erklärte der besorgten Mutter, dass ich keineswegs das Leistungniveau senken würde und er es sich verbiete, dass sie so über mich denken würde.“
Rebecca schaute mich mit offenem Mund an und war nicht in der Lange etwas zu sagen.
„Am gleichen Tag, nach der großen Pause, wurde von meinem Klassenlehrer dies in der Klasse klar gestellt, dass alle Mitschüler in dieser Schule, Schüler der Linden Realschule seien und es keinen Unterschied geben wird. Ich wusste wer die Tochter von jener Mutter ist, und brauchte lange um mit ihr zu reden. Täglich sah ich Susanne in der Klasse, auf dem Pausenhof, im Leistungskurs. Wie gehe ich damit um? Soll ich es ignorieren oder soll ich sie fragen; es klar steellen? Rebecca, wie geht man als 13 jährige damit um, wenn du als ein Mensch angesehen wirst, der den Klassenspiegel senkt?“
„Ik weet het niet. Ik vind het heel verdrietig om dit van je te horen. (Ich weiß es nicht. Es macht mich sehr traurig dies von dir zu hören.)
„Es tat auch mir im Herz weh. Da ich mit der Tochter von meinem Klassenlehrer befreundet war und dies immer noch bin, war ich früher sehr oft bei ihnen zu Hause. In den Sommerferien sprach ich Norbert, also Herr Dellinger, darauf an. Über zwei Monate trug ich diese Worte mit mir und wusste nicht mit wem ich sonst hätte reden können. Natürlich wussten es meine Eltern und sie sagten: „Lass sie laufen, du bist besser als sie.“ Das brauchte mich nicht viel weiter, denn die Worte blieben in meinem Kopf. Mit Norbert sprach ich darüber und er war traurig, dass ich zwei Monate diesen Schmerz mit mir versuchte auszumachen.“
„Nila, het spijt me zo.“ (Das tut mir so leid.)
„Zwei Tage später rief mich Norbert an und fragte, ob ich mit Yvonne, seiner Tochter, ins Schwimmbad möchte. Ich sagte zu und Norbert kam mich abholen. Wir fuhren nicht ins Schwimmbad, sondern zu ihm nach Hause und er hatte jene Mutter mit Tochter zu sich bestellt. Im Garten erklärte er den beiden von unserer Unterhaltung, von vor zwei Tagen, und wie weh mir das tat. Susanne, die Tochter entschuldigte sich sofort und die Mutter war noch etwas pikiert über diese Konfrontation. Ich erzählte beiden meine Flucht aus Afghanistan über den Iran, Türkei, Bulgarien, Rumänien, Österreich nach Deutschland. Wie und was ich auf dieser Flucht erlebt habe und wie ich mich, was ich hoffte, in Deutschland integriert zu haben. Das hatte gesessen! Seit jener Zeit wurde ich nie wieder als Flüchtling bezeichnet.“


Fassungslos sah mich Rebecca an.
„Nila, du bist eine unglaublich starke Frau. Ich hatte gestern sehr lange mit meinen Eltern über dich gesprochen und habe ihnen auch gesagt, dass du aus Afghanistan stammst, in Deutland gelebt hast und die letzten Jahre in Afghanistan unglaublich viel aufgebaut und erreicht hast. Ich hörte den Respekt und die Anerkennung heraus und es ist nicht ein negatives Wort über dich gefallen. Geen negatief woord!“
„Du hast mich ihnen ja beschrieben. Dann mal anders herum, wie hast du mich die ersten Male wahrgenommen, als wir uns hier begegent sind und wir uns nur kurz begrüßt hatten?“
„Dat is een schöne vrouw. Die heeft ook veel te lijden.“ (Die auch viel Leid zu tragen hat.)
„Jetzt lass doch mal mein Aussehn weg.“
„Äh, hoe moet ik je zien?“ (Äh, wie soll ich dich sehen?)
„Wie du mich eben wahrgenommen hast.“
„Als een mooie vrouw.“
„Rebecca, dass meine ich nicht! Hast du mich als Ausländerin oder Muslime gesehen?“
„Nee. Wie kommst het darauf? In de Nederland wonen veel mensen uit veel landen.“

So ging die Unterhalung weiter und es war für mich nicht die Antwort auf meine Frage oder nicht die richtige Antwort.

Ich selbst sehe mich als einen weltoffenen, liberalen, etwas klugen Menschen. Ich habe nichts mit einem Glauben zu tun und renne auch nicht jeder Meinung sofort hinter her. In Deutschland wurde ich in den Jahren von 1990 bis 2005 selten als Flüchtling gesehen, eher als eine Ausländerin. Das ist heute auch mit dunkelhäutigen so, die in Deutschland geborne sind.

Anmerkung: Laut Amnesty International gilt folgende definition: Farbige/farbig ist ein kolonialistischer Begriff und negativ konnotiert. Eine Alternative ist die Selbstbezeichnung People of Color (PoC, Singular: Person of Color). Begriffe wie „Farbige“ oder „Dunkelhäutige“ lehnen viele People of Color ab. Die Initiative „der braune mob e. V.“schreibt: „Es geht nicht um ‚biologische‘ Eigenschaften, sondern gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten.“ Um das deutlich zu machen, plädieren sie und andere dafür, die Zuschreibungen Schwarz und Weiß groß zu schreiben.* Eine alternative Schreibweise ist, weiß klein und kursiv zu schreiben.
Möchte meine Gedanken schon im Polítical Corréctness schreiben.
Anmerkung: Für mich hat sich noch nie die Frage nach der Hautfarbe gestellt und käme mir auch etwas blöd vor einen maximalpigmentierten Menschen mit: „Hallo PoC, wie geht es dir?“ anzureden.
Phu, ich merke die Frage mit der Hautfarbe bringt mich doch ganz schön ins schlingern.

Nun zurück zu der einen Frage, bevor meine Gedanken weiter ausufern.

Die letzten 14 Jahren in Afghanistan war ich die Deutsche, obwohl ich in Afghanistan geboren bin. Die ersten Jahre wurde ich immer als: “Nila die Deutsche, die dies und jenes nun hier vor hat aufzubauen, organisieren“; oder um was es auch immer mit der Vorstellungen meiner Person ging.

Seit Dezember bin ich in den Niederlanden und da ich anfangs nur auf Besuch dort war, wurde ich bei Treffen mit Politer oder Behörden als: “Frau Nila Khalil, Menschenrechtlerin aus Afghanistan“; vorgestellt. Da wurde plötzlich mein Beruf, obwohl er dies nicht ist, mit vorgestellt. Bin ja eigentlich nur Bürokauffrau.
Seit März hat sich einiges in der Anrede geändert und ich stelle mich selbst vor mit: Nila Khalil.
Dies bin ich auch im Krankenhaus, auf der Bank oder bei den Nachbarn.

Nachbarn: Gutes Stichwort. Meine Eltern sind seit dem 13. März in Den Haag und hatten ja auch schon Kontakt mir den Nachbarn und sie haben sich immer als Mila oder Milad Faani aus Stuttgart vorgestellt. Die Nachbarn fragten nach dem Nachnamen und es wurden denen gesagt, dass dieser aus Afghanistan stamme. Hier wurden sie nun gefragt, warum sie aus Stuttgart nach Den Haag kommen. Also ist Afghanistan völlig außenvor.

Nun habe ich mir den Kopf frei geschrieben und bin immer noch nicht schlauer, aber der Gedanke nach dem, wie lange ich Flüchtling bin, ist für einige Zeit aus meinem Hirn.

Nila Khalil, Den Haag 2. Mai 2020

Der Alltägliche Rassismus

Ich möchte nun meine Erlebnisse zum Alltäglichen Rassismus schreiben.

Am 2. November sprach ich mit Jolien van de Wiel, sie ist seit dem 13. August die Therapeutin von Lenara. Jolien ist so alt wie ich und durch die noch vielen Operationen bei Lenara werden wir die nächsten Jahre oft zusammen sein. Ich mag Jolien und wir beide sind in kurzer Zeit gute Freundinnen geworden.

Autorin Nila Khalil

Wir kamen am 2. November auf die Präsidentenwahl in den USA zusprechen und den Rassismus den der noch amtierenden 45. Präsident der USA so gerne befeuert.
Nun, ich bin eine afghanin mit einem deutschen Pass und lebe in den Niederlanden. Rassismus erlebe ich an meiner Person kaum noch. Dies liegt vielleicht daran, dass ich als Deutsche angesehen werde. Ich frage auch nicht nach. Rassismus erlebe ich aber an meinen Kindern, also die von der Kinder- und Jugendeinrichtung, fast täglich. Die Blicke einiger Menschen sagen mehr als tausend Worte.
Wenn ich mit einem oder mehreren Kindern aus Eritrea, Kurdistan, Irak oder Syrien in die Stadt oder wo hin auch immer gehe, sehe ich die Blicke der Leute. Es ist die Hautfarbe die offensichtlich die Menschen stört. Wir haben auch muslimische Kinder in unserer Einrichtung und wenn Jugendliche Mädchen ein Hijab tragen, ist dies ihr gutes Recht. Ich / wir schreiben den Kinder keine Religion und Kleidung vor.

Nun zu einem Erlebnis, dass zeigt wie sehr der Rassismus in den Köpfen vieler Menschen ist – ob nun gewollt oder ungewollt.
Vor zwei Wochen war ich mit meiner Tochter Amira und Teline, eine Mitarbeiterin von mir, in einem Café in Delft. Teline ist seit 27 Jahren in den Niederlande. Auch sie kam als Flüchtlingskind aus Afghanistan und hat fast gleiche Fluchtgeschichte wie ich. Teline ist drei Jahre älter als ich und könnte meine Schwester sein – im Geiste sind wir es auch.
Seit 13 Jahren ist sie bei Erik de Joost in der Einrichtung für den Beriebsablauf und Dolmetscherin tätig. Ich kenne Teline seit ihrem ersten Tag in der Einrichtung.
Unsere Zusammenarbeit ist in all den Jahren sehr kollegial und freundlich. Sie arbeitete in den Niederlanden und ich in Afghanistan. Seit dem 1. April 2020 bin ich ihre Chefin – was für unsere Freundschaft kein Hindernis darstellt.
Wir drei saßen also in dem Café bei Kaffee und Kuchen. Wir sprachen in paschtu über belangloses. Durch Corona hat man in den Cafés und Restaurants einen großen Abstand zu den anderen Besucher. Körperliche Distanz nennt man dies. Für Ohren gilt dies nicht. Zwei Tische neben uns saßen zwei ältere Damen und ich merkte, dass deren Ohren immer länger wurden und beide über uns sprachen. Wir drei können auch niederländisch, und sprachen auf paschtu über jenes, was beide älteren Damen über uns so erzählen.
Es kamen die Sprüche wie immer: Islam, Ausländer, Schmarotzer….. das übliche eben.
Woher die beiden älteren Damen auf die Religion kamen, erklärte sich uns nicht. Keine von uns trug ein Hijab und keine hat den muslimischen Glauben. Das wir „Ausländer“ sind, ist vielleicht durch die Hautfarbe zu erkennen – mehr auch nicht. Teline hat einen niederländischen Pass, Amira die niederländische Daueraufenthaltsgenemigung und ich einen deutschen Pass. Schmarotzer konnten wir uns beim besten Willen nicht erklären, denn wir waren vernünftig gekleidet.
Teline sah uns beide an, nahm tief Luft und rollte mit den Augen.  Sie fing an auf niederländisch zu sprechen und dies extra etwas lauter. Ich sagte ihr, „lass gut sein. Lass die Damen in ihrem Glauben.“ Teline schüttelte den Kopf. „Nee Nila, ik laat het niet goed zijn. Ik ben een burger van dit land. (Nein Nila, ich lasse es nicht gut sein. Ich bin eine Bürgerin dieses Landes.) Teline dreht sich zu den beiden Damen und sprach diese offen an, warum sie auf diese Haarsträubende Meinung über uns kommen würde. „Kijk naar ons! Lijken we op parasieten? Lijken we op moslims? Alleen omdat we in een andere taal spreken, wil nog niet zeggen dat we zijn wat u wilt dat we zijn. We werken met z’n drieën in Nederland en we betalen onze belasting en je pensioen.“ (Schauen Sie uns an! Sehen wir wie Schmarotzer aus? Sehen wir wie Muslime aus? Nur weil wir uns in einer anderen Sprache unterhalten,  sind wir nicht das, was Sie gerne hätten. Wir drei arbeiten in den Niederlanden und wir bezahlen unsere Steuern und Ihre Rente.)
Völlig konsterniert sahen uns die beiden älteren Damen an und bekamen einen hoch roten Kopf.

Nun eine Geschichte, die schon sehr lange zurück liegt und trotzdem noch im Kopf ist.

Als ich 1990 nach Deutschland kam war alles fremd für mich. Die Umgebung, die Sprache, die Kultur. Meine damalige Tante Mila und Onkel Milad, nach 30 Jahren „Tocher“ von beiden, kann ich mittlerweile von meinen Eltern sprechen, sind 10 Jahre früher aus Afghanistan geflohen. Beide kam 1980 nach Deutschland. Mein Vater arbeitete nach der Ankunft in Deutschland bei Mercedes am Fließband, wurde Vorarbeiter, machte 1987 seinen Meisterbrief als Werkzeugbauer und bekam 2003 (zum 50.Geburtstag) eine Stelle in der Prototypen Entwicklung bei Mercedes-Benz.
Mila, meine Mutter, hatte in Afghanistan BWL studiert und auch dort bis zu ihrer Flucht gearbeitet. In Stuttgart war sie ab 1981 bei Merzedes in der Verwaltung. Also nichts mit Sozialschmarotzer oder Pack.

Mit mir sprachen beide deutsch und brachten mir auch sehr viel bei. So wurde ich im Herbst 1990 von meiner Mutter und einer pensionierten Lehrerin aus der Nachbarschaft in deutsch unterrichtet. Im Frühjahr 1991 musste ich beim Jugendamt und der Schulaufsicht einen Eignungstest machen, für welche Schule ich geeignet war. Ich konnte auf die Realschule gehen.

Ich kann mich noch sehr gut an meine Schulzeit erinnern. Es war 1993. Ich war schon zwei Jahre an der Realschule in Stuttgart und bekam zufällig im Lehrerzimmer eine Unterhaltung mit, wo eine Mutter sich über mich ausgelassen hatte. Ihre Tochter kam, durch Umzug bedingt, nach den Osterferien zu uns in die Klasse und eben jene Mutter äußerte sich bei meinem Klassenlehrer über mich: „Sie haben ja ein Flüchtlingskind in der Klasse. Ist dies für die Klassenleistung nicht hinderlich?“ Als ich dies hörte, setzte für einen Augenblick mein Herz aus. Mein Klassenlehrer, Herr Dellinger, zu dem ich heute noch Kontakt habe, erklärte der besorgten Mutter, dass ich keineswegs das Leistungniveau senken würde und er es sich verbiete, dass sie so über mich denken würde.
Am gleichen Tag, nach der großen Pause, wurde von meinem Klassenlehrer in der Klasse klar gestellt, dass alle Mitschüler an dieser Schule, Schüler der Linden Realschule seien und es keinen Unterschied geben wird und er dies auch nicht dulde.
Ich wusste wer die Tochter von jener Mutter war und brauchte lange um mit ihr zu reden. Täglich sah ich Susanne in der Klasse, auf dem Pausenhof oder im Leistungskurs. Wie gehe ich damit um? Soll ich es ignorieren oder soll ich sie fragen; es klar stellen? Es tat mir im Herz weh und ich wusste nicht was ich machen sollte.
Da ich mit der Tochter von meinem Klassenlehrer befreundet war und dies immer noch bin, war ich früher sehr oft bei ihnen zu Hause. In den Sommerferien sprach ich Norbert, also Herr Dellinger, darauf an. Über zwei Monate trug ich diese Worte mit mir und wusste nicht mit wem ich sonst hätte reden können. Natürlich wussten es meine Eltern und sagten: ich soll mir dies nicht so zu Herzen nehmen.
Mit Norbert sprach ich darüber und er war traurig, dass ich zwei Monate diesen Schmerz mit mir versuchte auszumachen. Zwei Tage später rief mich Norbert an und fragte, ob ich mit Yvonne, seiner Tochter, ins Schwimmbad möchte. Ich sagte zu und Norbert kam mich abholen. Wir fuhren nicht ins Schwimmbad, sondern zu ihm nach Hause und er hatte jene Mutter mit Tochter zu sich bestellt. Im Garten erklärte er den beiden von unserer Unterhaltung, von vor zwei Tagen und wie weh mir dies tat. Susanne, die Tochter, entschuldigte sich sofort und die Mutter war etwas pikiert über diese Konfrontation. Ich erzählte beiden meine Flucht aus Afghanistan über den Iran, Türkei, Bulgarien, Rumänien, Österreich bis nach Deutschland. Wie und was ich auf dieser Flucht erlebt hatte und wie ich mich – was ich hoffte, in Deutschland integriert zu haben. Dies hatte gesessen! Seit jener Zeit wurde ich in der Schule nie wieder als Flüchtling oder Ausländer bezeichnet.

In der Schule waren damals auch Kinder von türkischen Eltern, die meisten in Deutschland geboren, also nichts mit Ausländer. Ich war die Exotin. Afghanistan war den meisten Leuten in den 90er kein Begriff. „Ein Land von da hinten“, hörte ich oft.

Den Dialekt lernt man als Kind am schnellsten. Da i in Schduagard gewohnt hänn, lernde i des schwäbisch no vor däm Hochdeidsch. Dies war am Anfang unglaublich schwierich. I kannde die schwäbische Wördr füe viele Gegenschdänd, abr ned die Hochdeidsche. Moi Ufsädze vo damals wara scho der Brüller.

Da ich heute immer noch hin und wieder an meiner ehemaligen Schule bin, folgt ein Text den meine Tochter bei unserem letzten Besuch im Februar 2020 geschrieben hat.

https://naike-juchem.com/2021/10/18/mit-mama-zu-besuch-in-ihrer-ehemaligen-schule/

Stuttgart

Wie es als Teenager so ist, geht man auch gerne shoppen. In einem Geschäft von C&A war ich mit einer deutschen Freundin, die einen afroamerikanischen Vater hatte (muss ich hier leider erwähnen), beim aussuchen und anschließend anprobieren von jenen Kleider. Ich stand in der Umkleidekabine und wollte die Kleider anprobieren. Eine Mitarbeiterin von C&A riss den Vorhang auf und brüllte mich an, „Hier wird nix klaud!“ Fassungslos und nur in Unterwäsche sah ich die Frau an. Auf meine Erklärung hin, dass ich jene Teil gerne anprobieren möchte, kam von der Mitarbeiterin nochmals gleiches gebrüll. Die umstehenden Leute schauten natürlich in Richtung der Umkleidekabine. Mir war dies mega peinlich und unter den Augen der Mitarbeiterin zog ich meine Kleider an.
Dieses Erlebnis ist nun 25 Jahre her und wenn ich heute noch in ein Geschäft gehe, denke ich an diesen Vorfall. Ein Geschäft von C&A habe ich seit jenem Tag nie wieder betreten.

Nun noch ein Vorfall von alltäglichen Rassismus.

Vor drei Jahren bin ich mit meiner Tochter, sie war damals 22 Jahre alt, in Stuttgart gelandet und wie so üblich steht man in der Schlage vor dem Zoll. Neben uns stand ein Ehepaar dass ich um mitte 50 schätzte. Ich hielt die Pässe von mir und meiner Tochter in der Hand und der Mann sah nur den afghanischen Pass meiner Tochter. Zu seiner Frau sagte er, „wie können sich die Ausländer einen Flug leisten, die handeln bestimmt mit Opium.“ Bei dem gehörten rieß meine Tochter die Augen auf. Die Frau nickte ihm zu und setzte noch einen drauf. „Die haben bestimmt auf der Bordtoilette die Burkas gegen die Miniröcke getauscht.“ In den Augen von Amira sah ich schon ihren kampfgeist. Ich sprach auf paschtu zu ihr, „mal schauen, wo dieses Schauspiel noch hinführt. Bleibt ruhig, mein Schatz.“
Die Frau stichelte weiter, „hast du gesehen, die haben sogar Markenkleider an.“ (Wir beide mögen Kleider von Esprit) „Das sind Kopien, da wo die herkomme wird alles kopiert.“ (Welch eine Scharfsinnige Analyse). Amira blies hörbar die Luft aus.
Endlich waren wir an der Reihe und ich gab der Zollbeamtin unsere Pässe. Der Blick der Beamtin fiel auf die vielen Stempel in meinem deutschen Reisepass. Freundlich sagte diese, „Sie sind ja eine richtige Globetrotterin.“ Ich sagte ihr, dass ich bei der Menschenrechtskommission der UN sei und durch den Job eben auch sehr viel unterwegs bin. Ich sagte der freundliche Beamtin, dass ich mit meiner Tochter in Genf bei UNICEF war.“ Ein leichter Blick nach rechts zu dem Ehepaar musste ich mir geben. Amira sagte zu den beiden Herrschaften, „ist schon blöd, wenn die Vorurteile so schnell zusammen fallen. Im übrigen hatte meine Mutter in ihrem Leben noch nie eine Burka getragen. Schönen Tag noch.“

Wir beide gingen grinsend zur Gepäckausgabe und jenes Ehepaar hielt einen maximalen Abstand zu uns und stand auf der gegenüber liegenden längsseite, wie geprügelte Hunde.

Nila Khalil, Den Haag, 18. November 2020

Mein Beruf als Erzieherin

Mein Beruf als Erzieherin

Von Amira Khalil

Ich arbeite seit fast fünf Jahren als Erzieherin in einer privaten Einrichtung für Flüchtlingskinder und Kinder aus Sozialschwachen Familien in den Niederlanden.
Im Oktober 2019 habe ich meine Ausbildung als Staatlich Anerkannte Erzieherin in den Niederlanden abgeschlossen. Der Umgang mit Kinder und das Lernen mit Kinder habe ich vor 14 Jahren schon bei meiner Mama und ihrem Team in Afghanistan gesehen und auch gelernt. So war es für mich klar, dass ich einen Beruf in dieser Richtung auch machen werde und will.

Durch die instabile politische Lage in Afghanistan und die Arbeit und Engagement von meiner Mama, musste sie mich im August 2016, nach einem gezielten Terroranschlag auf sie, in Sicherheit bringen und so kam ich nach Deutschland zu meinen Großeltern.
Ich weiß noch sehr genau wie wir abends in Stuttgart vor der Tür meiner Großeltern standen und Mama den wahren Grund unseres “Besuchs“ verheimlichte. Nachrichten sind schneller als ein Flugzeug und so wussten meine Großeltern bescheid.
Nila wollte nicht, dass ich zurück nach Afghanistan komme und in Deutschland hatte ich für den Moment auch keine Perspektive. Noch in der Nacht rief Mama in die Niederlande an und sprach mit Dr.Erik de Joost über meine Zukunft.  Am nächsten Morgen fuhren wir schon nach Den Haag.
Meine Mutter, wie auch ich, kennen Erik schon seit 2007. Mama arbeite seit dieser Zeit eng mit Erik zusammen. So war Erik, seine Frau Linda und dieTochter Marpe  für mich keine fremden Menschen.

Nila und Oma blieben zwar drei Monate bei mir in Den Haag und trotzdem hatte ich Angst und den Verlust von Nila getrennt zu sein, wenn sie wieder nach Afghanistan zurück fliegen wird. Der Feind war zwar bei dem gezielten Terroranschlag um vier Terroristen weniger – aber nicht besiegt.

Die Trennung von Nila fiel mir die ersten Monate sehr schwer. Ich sah zwar die Chance für ein anderes Leben, hatte aber Angst davor, weil ich nur Afghanistan kannte.
Mama hatte zwar in den letzten Jahren immer wieder mit mir Urlaub in Europa gemacht und so war mir die Kultur und das Leben in Europa nicht fremd. Meine Großeltern leben seit 1980 in Deutschland und auch aus diesem Grund war ich mit Mama immer wieder für ein paar Wochen in Deutschland.

Mama hat mich ab 2007 in Deutsch unterrichtet und ihre Freundin auf Englisch. Ich hatte unglaubliches Glück Menschen um mich zu haben, die mir in mein neues Leben geholfen haben und weiß auch, eine solche Chance gibt es nur einmal im Leben. Ich lernte an der Schule von meiner Mutter alles was ich heute weiß und kann – so auch Unterrichtsgestaltung und Menschlichkeit. Nila wurde ein Vorbild für mich und ich bewunderte sie immer mehr, je mehr ich von und über ihre unermüdliche Arbeit an Kinder und Menschen erfuhr.

Mein Leben in Den Haag
Mein bis vor zwei Jahren Chef und jetzige Chefin kenne ich, bzw. meine Mutter schon seit 14 Jahren. Dr. Erik de Joost hatte vor über 26 Jahren mit einem Haus für Flüchtlingskinder in der Nähe von Den Haag angefangen und in den letzten Jahren wurde die Einrichtung immer größer, sodass es aktuell drei Häuser sind. Der Grundgedanke von Dr. de Joost ist immer noch der gleiche: Kinder helfen, unterstützen und fördern. Seine Tochter, Marpe de Joost, hatte bis April 2020 die Leitung dieses Internats. Ab April 2020 ist Nila die Chefin der Einrichtung und somit auch meine Chefin – was zwischen uns beiden nicht immer von Vorteil ist, was auf meine Krankheit zurück zuführen ist. Immerhin lässt sie mich in Ruhe (manchmal) und stimmt auch meinen und der Vorschläge meiner Kolleginnen und Kollegen zu.

Ich bekam mit Erik, Linda und Marpe eine neue Familie. Linda de Joost wurde meine neue Großmutter und gab mir unglaublich viel Liebe und Unterstützung. Erik wurde mein neuer Opa und auch er gab mit Sicherheit und Liebe, die weit über jedes Maß hinaus ging und geht.

Durch schlimme Misshandlungen in meinem früheren Leben leide ich an Marasmus und brauche seit Jahren alle sechs bis acht Wochen eine spezial Elektrolytlösung. Ohne diesen „Treibstoff“ würde ich trotz ausreichenden Essen verhungern. Da Erik mein Chef war und meinen Gesundheitszustand als Mediziner sehr gut kennt, fuhren wir für ein paar Tage weg oder segelten einen Tag oder Wochenende auf der Nordsee, wenn mein psychischer Akku leer wurde / wird. Auch wenn ich sehr viel Arbeite und dies gerne mache, werde ich von Zeit zu Zeit aus dem Verkehr gezogen. Erik sagt immer, er würde es an meinen Augen sehen, wenn es Zeit für eine Pause ist.

Marpe ist im Denken und Handeln gleich mit Nila und so bekam ich quasi noch eine Mutter und Freundin in einem fremden Land.

Meine Großeltern aus Stuttgart kamen sehr oft zu Besuch und auch von ihnen erfahre ich heute noch eine Bedingungslose Liebe und Unterstützung.

Die verzweifelte Angst

Ich war in Sicherheit und brauchte keine Angst mehr vor Krieg und Terror zu haben. Dafür wurde meine Angst um Nila immer größer. Hörte ich von einem Anschlag in Afghanistan, rief ich sofort Mama an! Wenn sie nicht ans Telefon konnte oder keinen Empfang hatte, begann in meinem Kopf ein Alptraum. Diese Ungewissheit machte mich sehr oft fertig und ich fiel in ein sehr tiefes Loch. Es brauchte manchmal Stunden bis ich mich wieder beruhigen konnte. Selbst wenn Nila 20 Minuten später anrief und sagte, wo sie sei oder war. Wenn Nila in Indien, Malaysia, New York oder wo auch immer auf einem Kongress für Menschenrechte war, betete ich dafür, dass dieser nie zu Ende gehen sollte.
Ich bin nicht so stark wie Nila, die immer das durchsetzt was sie will und auch mit ihren Forderungen gegen die Regierung in Afghanistan vorgeht – und somit nicht nur Freunde hat.
Soweit die Einleitung, warum ich in den Niederlanden bin.

Meine Arbeit als Erzieherin

Wie ich schon geschrieben habe, arbeite ich in einer private geführten Einrichtung für Kinder und Jugendliche. Wir betreuen in der Regel über 70 Kinder und Jugendliche. Aktuell sind 52 Kinder und Jugendliche stationär in der Einrichtung. Die Kinder wohnen einzeln, zu zweit oder zu dritt in einem Zimmer oder kleinem Appartement. Es kommt auf das Alter der Kind an. Unsere jüngsten sind 5 Jahre alt, die ältesten 20 Jahre. Alle Kinder die stationär bei uns sind, haben keine Eltern mehr oder es wird vom Internationalen Roten Kreuz oder anderen Organisationen europaweit nach denen gesucht.
Die Kinder und Jugendliche in unserer Einrichtung kommen aus Afghanistan, Eritrea, Iran und Syrien.

Wir unterrichten die Kinder in der Niederländischen Sprache und unser Lehrplan orientiert sich an allen Sekundarstufe des Schulsystems in den Niederlanden. Wir sind darüber hinaus auch zertifiziert, sodass unsere Zeugnisse in allen Schulen oder auch Berufsschulen anerkannt sind.
Die Kinder und Jugendliche die noch nicht so gut die Sprache können oder erst seit kurzem bei uns sind, unterrichten wir selbst. Die die schon länger in den Niederlanden sind, gehen auf öffentliche Schulen oder machen eine Ausbildung.

Zu meinen Kollegen und Kolleginnen gehören 36 hauptberufliche und 30 ehrenamtliche Mitarbeiter.
Von Erzieherinnen, Lehrer und Lehrerinnen,
Psychologen, bis zu den Küchenangestellte sind wir eine bunte Truppe aus vier Nationen.
Yana ist 17 Jahre und kommt aus Syrien. Sie hat im August letzten Jahres mit der Ausbildung zur Erzieherin angefangen.
Lisianne aus den Niederlanden ist 21 Jahre alt und ist diesen Monat mit ihrer Ausbildung als Erzieherin fertig.
Marieke kommt auch aus den Niederlanden, ist so alt wie ich und hatte mit mir im gleichen Jahr die Abschlussprüfung gemacht.
Die anderen Kolleginnen und Kollegen sind alle älter wir. Diese Mischung passt super zusammen und wir haben auch ein sehr gutes freundschaftliches Verhältnis zu einander.

Mein Beruf macht mir sehr viel Spaß und ich habe auch so manche Freiheiten in dem was ich mache.
Diese Freiheiten hatte ich schon bevor Nila die Leitung übernahm. So leite ich seit vier Jahren eine Photo-Workshop und habe seit drei Jahren auch einen Profifotografen im Team. Mit einem unserer Kleinbusse fahre ich mit meiner Gruppe durch die Niederlande und mache praktischen Unterricht und Freizeit mit den Kinder und Jugendlichen in einem.
Erik, wie auch Marpe, kennen die Führung und Struktur von Nila in ihren Frauenhäuser und Schule in Afghanistan und beide wissen, dass ich damit groß geworden bin. So bin ich neben meinem Beruf auch noch im psychologischen Team unseres Internats – denn niemand von meinen Kolleginnen und Kollegen, außer Djamila, Tahmineh und Yana kennt die Umstände von Krieg, Terror und Flucht besser als wir.

Kindern Schutz und eine Perspektive zu geben ist das eine, mit Traumata von eben jenen Umständen durch Krieg, Terror und Flucht umzugehen – und auch zu verstehen, ist das andere.

Marpe hat ihre Doktorarbeit in Psychologie geschrieben und kennt durch die Reisen und Aufenthalte nach Afghanistan, Syrien oder andere Kriegsgebieten zwar die Umstände, aber doch nicht so, als wenn man damit aufgewachsen ist oder es die letzten Jahre nicht anders erlebt hat. So haben Yana und ich für diese Kinder und Jugendliche doch einen anderen Stellenwert als nur Erzieherinnen. Dies weiß jeder in der Leitung der Einrichtung und so sind wir beide „junges Gemüse“ auch im Team der drei hauptberuflichen
Psychologen.

Da Erik seit Beginn an, kein Sertralin oder Paroxetin, also Medikamente für posttraumatischen Belastungsstörung einsetzte, ist es oft nicht leicht, die Kinder oder Jugendliche auf den Boden zurück zu holen. Schlimm wird es, wenn Nachts die Alpträume kommen. Da kommen auch wir Betreuer schon mal an unsere Grenzen.
Ich habe selten Nachtschichten, da ich als Erzieherin und Lehrerin eingesetzt bin, aber auch gerne den Kolleginnen in den anderen Teams aushelfe und somit ein doch breites Spektrum an Aufgaben machen kann und darf. Leider sieht meine Chefin die freiwillige Mehrarbeit nicht immer so gerne und so gibt es bei den Khalils hin und wieder etwas Stress.

Die ADHS-Feuerwehr

„Problemkinder“ werden in der Gesellschaft schnell mit einem Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) abgetan und zu oft mit Medikamenten „ruhig gestellt“. Die Probleme mit der Impulsivität und zusätzlich starker körperlicher Unruhe – der Hyperaktivität, sind es, was den Kindern oft ein „normales“ Leben kaum ermöglicht.
Am Tag ist dies für uns Betreuer weniger ein Problem. Wir lassen die Kinder sich auspowern. Dafür haben wir einen Sportraum, ähnlich einer kleinen Turnhalle, in der Einrichtung. Wenn zum Beispiel in meiner Klasse ein oder zwei Kinder an ihre Grenzen kommen und wir als Betreuer dies merken, packen wir die Kinder und trennen sie sofort von der Klasse. Oft reicht dann nur eine halbe Stunde Fußball spielen oder Turnen am Barren oder Reck. Auf unserem Gelände haben wir auch eine Sandbahn und die Kinder können laufen oder springen. Da diese Kinder sowieso in der Einrichtung leben, ist es völlig egal, wann sie den Lernstoff oder Hausaufgaben machen.

Wir haben einen Werkraum in dem mit Holz oder Ton gearbeiteten werden kann. Auch haben wir eine extra Küche für die Kinder und so lernen die Kinder vernünftig mit Lebensmitteln umzugehen oder auch zu kochen. So kommt es vor, dass die Köche oder Köchinnen auf einmal die Lehrer sind.
Dieses ganze Konzept wurde vor 12 Jahren von Nila übernommen und in den Niederlanden perfektioniert, da bei uns auch Jungen in der Einrichtung sind, kam ein Werk- und Sportraum dazu.
Wir können und werden auf Medikamente verzichten und aus „Problemkinder“ werden auf ganz einfache Weise Kinder, die lernen mit ihren traumatischen Erfahrungen umzugehen.

In dem Text „Eindrücke einer unvergesslichen Reise“ kann man lesen, wie und was wir mit unseren Kindern auch sonst noch unternehmen.

Ich wäre nie da, eo ich heute bin

Mein neues Leben, welcheds im April 2007 begonnen hatte, und die Arbeit in den Niederlanden, hätte ich niemals ohne Nila erreicht.
Da meine Mutter nun durch nicht gerade glücklichen Umständen in den Niederlanden ist und dies auch dauerhaft sein wird, brauche ich weniger Angst zu haben, dass ihr in Afghanistan etwas passiert. Auch weiß ich, wenn der Zeitpunkt X kommt, Nila mit ihrem Bodyguard binnen 24 Stunden später in Afghanistan sein wird. Diese Angst ist nun seit Mai 2020 fast täglich im Kopf und ich muss die Entscheidung von meiner Mama akzeptieren.

Amira Khalil, Den Haag, 19. August 2020

Menschenrechte

Autorin Nila Khalil

A/RES/22/2263
A/RES/67/146
A/61/438, Ziff. 27

Dies sind die Resolutionsnummern der Vereinten Nationen zur Diskriminierung der Frauen und zur Ächtung der Genitalverstümmelung bei Mädchen.
Zwangsehe mit minderjährigen Mädchen.

Um nun all meine Wut zu schreiben, würde dieser Artikel ins Endlose gehen. Ich beschränke mich nur auf die Genitalverstümmelung und Zwangsehen bei minderjährigen Mädchen – dies auch nur in Auszügen.

Punkt 1
Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen, in New York, wurde am 20. Dezember 2012 einstimmig die Resolution zur Verstärkung der weltweiten Bemühungen um die Durchführung der weiblichen Genitalverstümmelung beschlossen.
Die UN hat weibliche Genitalverstümmelung weltweit als Menschenrechtsverletzung geächtet und durch zahlreiche internationale Übereinkommen verboten. Dennoch werden jeden Tag bis zu 8.000 Mädchen, zum Teil bereits im Alter von 5 Jahren auf schlimmste Weise verstümmelt. Dies überwiegend in muslimisch geprägten Länder.
Die Genitalverstümmelung von Mädchen ist ein globales Gewaltphänomen mit mindestens 4 Millionen Opfern jedes Jahr. Mittlerweile haben zwar viele Länder, in denen die genitale Verstümmelung von Mädchen verbreitet ist, Strafgesetze erlassen. Dennoch müssen derzeit über 264 Millionen Mädchen und Frauen in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern mit den schwerwiegenden Folgen weiterleben. Weltweit jede 20. Frau wurde Opfer dieser barbarischen „Tradition“ und leidet unter dieser seelischen Vergewaltigung.
In manchen Ländern ist nahezu die gesamte weibliche Bevölkerung betroffen, wie etwa in Ägypten, Guinea und Somalia.
Diese systematische Gewalt gegen die weibliche Bevölkerung ist in etwa 28 afrikanischen Ländern verbreitet und tritt verstärkt sowohl im Nahen Osten als auch in Asien und Zentralasien auf.

Die von Unicef herausgegebenen Verbreitungszahlen führen außer den afrikanischen Ländern nur auch den Irak und Jemen an. Allerdings hat Unicef im Februar 2016 die Opferzahlen nach oben korrigiert, da die Verbreitung in Indonesien und Malaysia mit mindestens 50 Millionen Betroffenen repräsentativ belegt ist. Studien unter anderem aus dem Iran, Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Pakistan zeigen das wahre geographische Ausmaß. Es bleibt abzuwarten, ob die wichtige Feldforschung in diesen Ländern den Weg in die offizielle Verbreitungsstatistik finden wird.
Da in letzter Zeit vermehrt die Arbeit von Menschenrechtsorganidationen in vielen afrikanischen und asiatischen Ländern massiv behindert und blockiert wird, können die Organisationen oft nur auf Fallzahlen zurückgreifen.

Durch Migration tritt die Genitalverstümmelung auch immer mehr in den USA, Australien und Europa in Erscheinung. Recherchen von UNICEF und der Waris Dirie Foundation haben ergeben, dass in Europa mindestens 500.000 betroffene Frauen und Mädchen leben und circa 180.000 minderjährige Mädchen als akut gefährdet eingestuft werden.
Allein in Deutschland sind nach Schätzung etwa 81.000 Mädchen von dieser besonders schweren Form der Gewalt bedroht oder bereits betroffen.
Die Gewalt macht also keineswegs vor europäischen Rechtsstaaten Halt. Um in Deutschland Mädchen umfassend vor der Verstümmelung ihrer Genitalien schützen zu können, sollten effektive präventions Maßnahmen, wie die Einführung einer Meldepflicht nach französichem Vorbild mit verpflichtende Kindervorsorgeuntersuchungen, schnellstmöglich greifen. Ein Gesetz mit der Strafbarkeit zur Genitalverstümmelung gibt es in Deutschland bereits seit September 2013. Dort wird die Verstümmelung weiblicher Genitalien als Straftatbestand gemäß § 226 a Strafgesetzbuch (StGB) eingestuft und kann mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Auch in Österreich zählt die Genitalverstümmelung als Tatbestand einer schweren Körperverletzung nach
§ 84 Abs. 1 StGB, unter bestimmten Voraussetzungen, etwa wenn die Tat ein schweres
Leiden zur Folge hat, sogar den Tatbestand einer Körperverletzung mit schweren
Dauerfolgen nach § 85 StGB, und ist als solche strafrechtlich zu ahnden.

So in etwa lautet jedes Gesetz in den Mitgliedstaaten der EU.
Unter der Resolutionsnummer: COM/2013/0833 final, kann man auch den Handlungsbedarf zur FGM in der Europäischen Union nachlesen.

Eine Auflistung von FGM Fälle in den EU-Mitgliedstaaten.

Land, Jahr der Erhebung, Zahl der Frauen mit Genitalverstümmelung, Zahl der in Bezug auf Genitalverstümmelung gefährdeten Mädchen und die Zahl der Strafsachen.

Belgien: 2011. Frauen mit FGM: 260 und die Zahl der gefährdeten Mädchen: 975.
Dänemark: Keine Daten verfügbar lediglich ein Straftatbestand.
Deutschland: 2007. Frauen mit FGM:19 000 und 4 000 gefährdete Mädchen.
Irland: 2011. Frauen mit FGM: 3170. Keine weiteren Daten verfügbar.
Spanien: Keine Daten verfügbar. Dafür sechs Strafbestände.
Frankreich: 2007. Frauen mit FGM: 61 000. Bei den Mädchen keine Daten verfügbar. Dafür 29 Fälle von Straftatbestände.
Italien: 2009. Frauen mit FGM:35000. Gefährdete Mädchen circa 1 000 und 2 Fälle von Strafbarkeit.
Ungarn: 2012. 170 – 350 Frauen mit FGM und sonst keine Daten verfügbar.
Niederlande: 2013. Frauen mit FGM: 29 210 und  40 – 50g efährdete Mädchen jedes Jahr. Eine Strafbarkeit ist bekannt.
Schweden: Keine Daten verfügbar, dafür 2 Strafbestände.
Im Vereinigten Königreich lag 2007 die Zahl der Frauen mit FGM bei 65 790. Die unglaubliche Zahl von 30 000 gefährdeten Mädchen ist erschreckend hoch.

Nun eine Auflistung der Länder in denen die Genitalverstümmelung praktiziert wird. Die Angaben sind in Prozent der Frauenanteile in den jeweiligen Ländern.

Ägypten: 87%
Äthiopien: 65%
Benin: 9%
Burkina Faso: 76%
Côte d’Ivoire: 37%
Dschibuti: 93%
Eritrea: 83%
Gambia: 75%
Ghana: 4%
Guinea: 97%
Guinea-Bissau: 45%
Indonesien: 49%
Irak: 8%
Jemen:19%
Kamerun: 1%
Kenia: 21%
Liberia: 44%
Mali: 83%
Mauretanien: 67%
Niger: 2%
Nigeria: 18%
Senegal: 23%
Sierra Leone: 86%
Somalia: 98%
Sudan: 87%
Tansania:10%
Togo: 8%
Tschad: 38%
Uganda: 1%
Zentralafrikanische Republik:24%

Punkt 2
Zwangsehen mit minderjährigen Mädchen oder der Menschen als Wegwerfartikel.

Um eines gleich vorweg zu nehmen, mir ist durchaus bewusst das es auch Zwangsehen mit Jungen gibt. Diese sind in der weltweiten Statistik mit unter 1% angeführt.

In den meisten Ländern gilt man zwar erst ab 18 Jahren als „ehemündig“, aber in vielen Ländern gibt es eine Reihe von Ausnahmen, wenn zum Beispiel die Eltern oder ein Gericht zustimmen. Das ist problematisch, da es häufig die Eltern sind, die die Ehe arrangiert haben. In einigen Ländern gibt es außerdem ein unterschiedliches Mindest-Heiratsalter für Mädchen und für Jungen. Wie so oft ist außerdem die Frage, ob auf dem Papier bestehende Gesetze auch wirksam durchgesetzt werden. Gesetze gegen Kinderehen sind also wichtig, aber nur ein Element von vielen zur nachhaltigen Bekämpfung von Kinderehen.

Lückenhafte Gesetze zum Schutz vor Kinderehen gibt es übrigens nicht nur in Ländern des globalen Südens: In einigen US-Bundesstaaten sind beispielsweise Kinderehen in Ausnahmen erlaubt. Auch in Deutschland war bis vor kurzem eine Heirat ab 16 möglich, wenn das Familiengericht zustimmte – diese Regelung wurde erst 2017 geändert und auf 18 Jahre erhöht.

Was nun folgt ist die brutale Realität in der ein Mädchenleben nichts wert ist und in der Frauen keine Rechte haben, wie ich es an der Situation von Pakistan zeigen werde. Ich verzichte bewusst auf Fotos von verbrannten und getöteten Kinder.

In Pakistan dürfen Männer minderjährige Mädchen heiraten, sobald sie ihre erste Periode hatten. Dies hat ein Gericht im Februar 2020 in der Stadt Sindh entschieden und verstößt damit gegen das Verbot von Kinderehen, welches die Vereinten Nationen in der
Resolution 61/144
Verabschiedet auf der 81. Plenarsitzung am 19. Dezember 2006 verabschiedet hat.
Das Gericht in Pakistan hat auf Grundlage der Scharia entschieden. Die Scharia ist das islamische Recht, dass sich auf die Lehren des Korans bezieht. Da die Scharia im Islam die Ordnung Gottes repräsentiert, steht sie für strenggläubige Muslime über dem Gesetz.
Der Rechtsspruch wurde durch das Höchste Gericht in Sindh, einer der vier pakistanischen Provinzen, am 3. Februar 2020 verkündet. Er war das Ergebnis einer Klage, bei der ein 14-Jähriges katholisches Mädchen zur Konvertierung zum Islam und anschließender Kinderehe gezwungen wurde.
Diese Urteil verstößt gegen geltendes Völkerrecht.

Um zu beweisen, dass die Eheschließung ungültig und illegal war, zeigten die Eltern des Mädchens die Taufurkunde und eine Schulbescheinigung bei der Anhörung vor. Beide Beweise bestätigten, dass ihre Tochter zum Zeitpunkt der Ehe noch minderjährig war. Die Familie berief sich in ihrer Klage auf das Verbot von Kinderehen, dass das Höchste Gericht in Sindh 2014 verabschiedet hatte.
Entgegen dieser Rechtslage entschieden die Richter, dass die Eheschließung zwischen dem Mädchen und ihrem Mann nach der Scharia rechtsgültig sei, da das junge Mädchen ihre erste Periode bereits hatte.

Wie Frauenverachtend das patriarchalischen Denken am Beispiel Pakistans ist, zeigt der nachfolgende Text.

Ein sechsjähriges Mädchen wurde vergewaltigt, gefoltert und mit einem Stein zu Tode geprügelt, bevor man ihren Körper im Müll fand. Ein 5-jähriges Mädchen in Südpakistan wurde vergewaltigt, auf den Kopf geschlagen und in Brand gesteckt. Eine Frau im Osten des Landes wurde aus ihrem Auto gezerrt und auf der Straße vor ihren Kindern sexuell missbraucht.
Wie in Indien werden auch in Pakistan Neugeborene auf Müllhalden entsorgt oder verkauft, weil sie Mädchen sind. Sie sind ungewollt, überflüssig – Müll eben. Oft werden sie direkt nach der Geburt von den Hebammen in einem Müllsack entsorgt.
Mädchen werden täglich brutal vergewaltigt und anschließend umgebracht und einfach auf einer Müllhalde weggeworfen. Wenn Opfer überleben werden diese oft wie Kriminelle behandelt oder für die sexuellen Angriffe verantwortlich gemacht.

Ein weiter Bericht zeigt, dass Mädchen und Frauen in Pakistan keinen Wert darstellen. So eurde ein 16-jähriges Mädchen lebendig verbrannt, weil sie einen Heiratsantrag abgelehnt hatte.

In Pakistan gibt es jedes Jahr Tausende Fälle von Gewalt gegen Frauen, von Vergewaltigungen und Säureangriffen. Das gezielte abtreiben weiblicher Föten, das Töten und Aussetzen geht täglich bis zum Ehrenmord.

Hunderte von Kindern werden in Pakistan jährlich ausgesetzt. Andere werden gleich getötet und entsorgt. Viele sind das Ergebnis einer Vergewaltigung, manchmal vom eigenen Ehemann oder dessen Familienangehörigen. Die Kinder dürfen nicht leben, weil sie unehelich sind, weil sie daran erinnern, wie sie gezeugt wurden, weil sie ein lebender Beweis wären. Niemand will sie haben.

Die pakistanischen Medien veröffentlichen regelmäßig Berichte über die brutale Vergewaltigung und Ermordung von Mädchen und Frauen.
Immer wieder kommt es in Pakistan zu Protesten, wie im Falle der Entführung, Vergewaltigung und Ermordung eines 10-jährigen Mädchens aus Islamabad. Nachdem sich das Mädchen in einem Park verirrt hatte, in dem sie spielen ging, wurde die Leiche gefunden und das Foto ihres Körpers, das in den sozialen Medien verbreitet wurde, zeigte Anzeichen von Folter. Obwohl die pakistanischen Gesetze die Rechte und Freiheiten von Frauen unterstützen, werden sie nicht umgesetzt. Als sich die Familie an die Polizei wandte, um den Fall ihrer Entführung zu melden, spielte die Polizei die Vermisstenanzeige herunter, dass 10-jährige Mädchen sei nur davongelaufen. Nach der Untersuchung des Leichnam wurde bei dem Mädchen inneren Blutungen durch Vergewaltigung festgestellt. Daraufhin verhaftete die Polizei einen nahen Verwandten von dem Mädchen und auch drei Polizeibeamte. Den Polizeibeamten konnte Fahrlässigkeit nachgewiesen werden, aber auch nur, weil Menschen nach dem Mord an dem Mädchen auf die Straße gingen.

Laut der pakistanischen Kinderschutzorganisation
Sahil wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 durchschnittlich mehr als acht Kinder täglich sexuell missbraucht. In seinem im September 2020 veröffentlichten sechsmonatigen Bericht „Cruel Number“ berichtete Sahil, dass allein bis Juni dieses Jahres 497 Kinder sexuell missbraucht wurden. Laut Sahil wurden 38 Kinder getötet, nachdem sie sexuell missbraucht worden waren.

Im August 2020 sorgte ein Mord an einem sechsjährigen Mädchen in für Empörung. Sie wurde vergewaltigt, gefoltert und mit einem Stein zu Tode geprügelt, bevor ihr Körper in einen Sack gesteckt wurde.

Ein 5-jähriges Mädchen in Südpakistan wurde vergewaltigt, auf den Kopf geschlagen und in Brand gesteckt. Das Mädchen wurde am 04.September 2020 entführt, nachdem es in einem Geschäft in der südlichen Hafenstadt Karachi Kekse gekauft hatte, teilte die Polizei mit. Ihre Leiche wurde zwei Tage später gefunden und eine Autopsie ergab, dass sie sexuell angegriffen worden war. Die Polizei hat in dem Fall mehr als 20 Verdächtige festgenommen.

Studien zur Gewalt gegen Frauen schätzen, dass alle zwei Stunden eine Frau in Pakistan vergewaltigt wird. Etwa 70 bis 90 Prozent der Frauen leiden unter häuslicher Gewalt. Nur 5 Prozent der missbrauchenden Ehemänner und Familienmitglieder werden überhaupt verurteilt. Oft werden die Opfer auch von ihren eigenen Familienangehörigen gezwungen zu schweigen oder sie werden bestraft.

Eine Frau wandte sich an ihren Schwiegervater, als ihr Ehemann sie schlug, aber dieser befahl stattdessen, sie zu verbrennen, nachdem ihr Ehemann sie beschuldigt hatte, weniger als 35 Dollar aus seiner Brieftasche gestohlen zu haben. Ihr Mann und ihr Schwager übergossen sie mit Öl und zündeten sie lebendig an.
Allein in den letzten acht Jahren wurden in Islamabad viertausend Frauen von ihren Familienmitgliedern in Brand gesteckt und weniger als 4 Prozent überlebten. Die Mehrheit der Opfer war zwischen achtzehn und fünfunddreißig Jahre alt und ungefähr 30 Prozent waren schwanger.

Auch werden Mädchen und Frauen unter dem bloßen Vorwurf getötet, „illegale“ sexuelle Beziehungen eingegangen zu sein. Sie erhalten nie die Gelegenheit, ihre Version der Behauptung zu geben, da dies keinen Sinn macht – die Behauptung allein reicht aus, um die Ehre eines Mannes zu beschmutzen, und sie reicht daher aus, um die Ermordung der Frau zu rechtfertigen.

Nach dem Gesetz, das das Parlament im März 2020  verabschiedet hat, kann jeder, der ein Minderjährigi entführt, vergewaltigt oder ermordet, mit lebenslanger Haft oder Todesstrafe rechnen. Aber bisher sei niemand nach den Gesetzen strafrechtlich verfolgt worden.

Nila Khalil, komm. Vorsitzende von Afghan Women’s Network und Mitglied der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf.
Den Haag 1. Oktober 2020

Quellen:
Afghan Women’s Network, Global Citizen, Terres des hommes, UNICEF, WHO.

DIE WELT AM ABGRUND, HEUTE SIND WIR EINEN SCHRITT WEITER

Autorin Naike Juchem

Meine Gedanken zu Terror, Krieg, Flüchtlinge und das Ende der Zivilisation.


Ma sympathie aux proches des victimes de Paris. La liberté ne peut et ne sont pas affectées par le terrorisme. Mein Mitgefühl an die Angehörigen der Opfer von Paris. Die Freiheit kann und wird durch Terror nicht erschüttert.

Nach dem Terroranschlag am 13. November 2015 im Club „Bataclan“ in Paris. Es starben an jenem Tag 130 Menschen.

Definition von Terror
Alleine für diese Überschrift müsste ich Seiten lang schreiben um es genau zu definieren. Ich werde es aber auf einige Sätze beschränken müssen. Der Vorgang, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen Gewalttaten wie Bombenanschläge und Morde ausführt, um Angst und Schrecken zu ein über längere Zeit andauerndes Verhalten gegenüber anderen Menschen, bei dem man mit Drohungen, Zwang und Gewalt diese einschüchtern und schließlich beherrschen will. Durch das verbreiten von Terror wollen die Terroristen bestimmte Ziele durchsetzen.

Der Terror kam am 13.11.2015, wieder, mitten in Europa an. War der Terror den überhaupt weg? Nun schreit halb Europa, Deutschland besonders, wieder gegen Muslime und Flüchtlinge.

Vor dem Club „Bataclan“ in Paris

Aber der Reihe nach.

Um nicht bis in die Steinzeit zu reisen um Terroranschläge mal etwas chronologisch darzustellen. Natürlich kann ich nicht alles schreiben , denn dann wäre ich noch in zwei Tagen an diesem Absatz. Ich gehe soweit zurück, ab wann ich verstand was Terror ist. Ich bin 1970 geboren und werde mal in der Zeit der RAF anfangen.

Die Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyers, die Entführung des Lufthansa-Flugzeugs „Landshut“ und die Selbstmorde der inhaftierten führenden Mitglieder der ersten Generation der RAF stellten den Schlussakt der so genannten Offensive 77 der RAF dar. Der Deutsche Herbst gilt als eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Heute gesehen kommt mir die RAF wie eine Kindergartentruppe vor.
Ich erwähne auch nicht die ETA in Spanien oder Boko Haram in Nigeria . Denn dann hätte ich am Ende ein Buch über Terror geschrieben! Ich will nur verdeutlichen, wie nah Terror ist und war.

Als NSU-Morde wird eine deutschlandweite Serie von Tötungsdelikten an Männern mit Migrationshintergrund bezeichnet, die in den Jahren 2000 bis 2006 in verschiedenen Großstädten Deutschlands aus mutmaßlich völkisch-rassistischen Motiven verübt wurde. Die Opfer waren acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer, die erste bekannte Tat ereignete sich am 9. September 2000, die letzte am 6. April 2006. Seit November 2011 werden die Verbrechen der rechts terroristischen Organisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zugeordnet. Unter Mordverdacht stehen die Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die am 4. November 2011 Suizid begingen, und die ebenfalls des Terrorismus beschuldigte Beate Zschäpe, die sich am 8. November 2011 der Polizei stellte. Der Prozess dauert noch an.

Nachbau einer der am 31. Juli 2006 in den Regionalzügen der Deutschen Bahn von Aachen nach Hamm und Mönchengladbach nach Koblenz gefundenen Kofferbombe, Wanderausstellung des Bundesamt für Verfassungsschutz.

Deutschland ist bereits seit Jahren Ziel von Terror. Bislang waren die Extremisten mit ihren Plänen allerdings nicht erfolgreich: Entweder vereitelten Ermittlungsbehörden die Anschläge im Vorfeld oder die Technik der Sprengsätze funktionierte nicht – wie es bei den versuchten Anschlägen mit Kofferbomben im vergangenen Jahr der Fall war. Die Bilanz der Attentäter im europäischen Ausland ist allerdings verheerend. Bei Anschlägen in London und Madrid kamen hunderte Menschen ums Leben. Im Folgenden eine Chronik von geplanten und ausgeführten islamistischen Anschlägen in Europa.


Dezember 2000:
Islamisten planen in Deutschland einen Sprengstoffanschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt. Sie bauen einen Schnellkochtopf zu einer Bombe um, die in mitten der Menschenmassen explodieren sollte. Nur knapp vor der Tat verhaftet die Polizei vier algerische Mitglieder der so genannten „Frankfurter Zelle“. Im Jahr 2003 werden sie zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.


April 2002:
Die islamistische Gruppe Al-Tawhid plant Attentate auf jüdische Gaststätten und Einrichtungen in Berlin und Düsseldorf. Die Polizei vereitelt die Pläne und verhaftet mehrere Mitglieder der Gruppe. Auch sie müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis.


November 2003:
Zwei Explosionen verwüsten unter anderem Synagogen, eine Niederlassung der Londoner HSBC-Bank und das britische Konsulat in Istanbul – 61 Tote, rund 400 Verletzte. Die Tat wird der islamischen Extremistengruppe Al-Kaida zugeschrieben.


März 2004:
Mehrere Bomben explodieren in Nahverkehrszügen in Madrid während des morgendlichen Berufsverkehrs. 191 Menschen sterben, rund 1800 werden verletzt. Auch dieser Anschlag wird der Al-Kaida zugerechnet.


Dezember 2004:
Der irakische Ministerpräsident Ijad Allwai soll nach Erkenntnissen von Ermittlern bei seinem Besuch in Deutschland ermordet werden. Drei irakische Islamisten werden kurz vor dem geplanten Attentat von der Polizei festgenommen. Sie stehen seit 2006 in Stuttgart vor Gericht.


Juli 2005:
In London sprengen sich vier islamistische Selbstmordattentäter in U-Bahnen und in einem Bus in die Luft. 52 Menschen werden dabei getötet, rund 700 weitere verletzt.


August 2006:
Selbstmordattentäter wollen Flüssigsprengstoff in mehreren Flugzeugen auf dem Weg von Großbritannien in die USA zünden. Die Britische Polizei verhindert den Anschlag. Als Reaktion werden die Sicherheitsbestimmungen für Flugreisende weltweit verschärft.


August 2006:
In Dortmund und Koblenz werden zwei Kofferbomben in Nahverkehrszügen gefunden. Nur wegen handwerklicher Fehler explodierten die Bomben nicht. Zwei Tatverdächtige werden auf Grund von Aufnahmen einer Überwachungskamera schnell gefasst.


Juni 2007:
Ein Auto rast in den Haupteingang des Flughafenterminals von Glasgow und geht in Flammen auf. Sechs Menschen werden verletzt, darunter ein Verdächtiger. Die Ermittler gehen von Verbindungen der Attentäter mit Al-Kaida aus. Bereits am Tag vor dem Anschlag entschärfte die Polizei Sprengsätze, die in zwei Autos in der Londoner Innenstadt versteckt wurden.


2007 Medebach. Sauerland-Gruppe:
Anfang September 2007 nehmen Sicherheitskräfte in einem Ferienhaus im sauerländischen Medebach die beiden zum Islam konvertierten Deutschen Fritz G. und Daniel S. sowie den türkischen Staatsbürger Adem Y. fest. Die sogenannte Sauerland-Gruppe hatte Sprengstoffanschläge insbesondere gegen US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland geplant. Die drei Männer und ein Helfer werden im März 2010 zu Haftstrafen von fünf bis zwölf Jahren verurteilt.


2011 Frankfurt am Main. Anschlag auf US-Soldaten:
Beim ersten tödlichen Anschlag mit islamistischem Hintergrund in Deutschland sterben am 2. März am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten, zwei weitere werden schwer verletzt. Derzeit muss sich der Kosovare Arid U. vor dem Frankfurter Oberlandesgericht verantworten. Der 21- Jährige wollte laut Anklage „Vergeltung“ für den US-Einsatz in Afghanistan üben.


2011 Düsseldorf. Mutmaßliche Al-Qaida Zelle:
Nach sechs Monaten Observierung nimmt die Polizei am 29. April in Düsseldorf und Bochum drei mutmaßliche Al-Qaida-Mitglieder fest, die seit Dezember 2010 einen Sprengstoffanschlag in Deutschland vorbereitet haben sollen. Es handelt es sich um einen Marokkaner, einen Deutsch-Marokkaner und einen Deutsch-Iraner. Gut vier Monate nach der Festnahme wird nach Angaben der Bundesanwaltschaft weiterhin gegen die Verdächtigen ermittelt.


Nun werde ich dieses Thema beenden. Ich möchte mit all diesem sehr langen Text, wobei ich mit meinen Gedanken noch nicht am Ende bin, aufzeigen, das all diese Terror Anschläge NICHT von Flüchtlingen begangen wurden , welche zur Zeit in Europa und Deutschland Zuflucht und Sicherheit suchen.

Uğur Gallenkuş – Parallel Universes

Zweites Kapitel: Krieg

Auch hier gehe ich nicht bis in alle Ewigkeit zurück. Es soll bis 1990 reichen und auch nur in “ unmittelbarer Nähe “ von Europa. Sicher weiß ich auch, dass vieles zusammen hängt. Aber ich will und kann ja nicht alles schreiben.
Kriege sowie diverse Aufstände prägen seit jeher die Menschheitsgeschichte. Kontinuierlich geht es auch heute noch um politische Macht, Gebietsansprüche oder Rohstoffe. Dazu in einem anderen Kapitel mehr. Einzig dienlich der endlosen Kapitalgier sogenannter „Hochfinanzeliten „. Doch westliche zivilisierte Bürger ignorieren sämtliche Kriege, welche seit 1945 geführt, sprechen sogar von friedlichen Zeiten. ???

Völkermord in Ruanda

Da ich in Rheinland Pfalz wohne möchte ich mein Kapitel mit dem Völkermord in Ruanda beginnen. Den Rheinland Pfalz ist das Partnerland von Ruanda.
Als Völkermord in Ruanda werden umfangreiche Gewalttaten in Ruanda bezeichnet, die am 6. April 1994 begannen und bis Mitte Juli 1994 andauerten. Sie kosteten circa 800.000 bis eine Million  Menschen das Leben. In annähernd 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75% der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie moderate Hutu, die sich am Völkermord nicht beteiligten oder sich aktiv dagegen einsetzten. Die Täter kamen aus den Reihen der ruandischen Armee, der Präsidentengarde, der Nationalpolizei und der Verwaltung.

Zweiter Golfkrieg

Der Zweite Golfkrieg begann mit der gewaltsamen Eroberung Kuwaits durch den Irak am 2. August 1990. Am 28. August wurde Kuwait durch den Irak annektiert. Ab dem 16. Januar 1991 begann eine Koalition, angeführt von den USA und legitimiert durch die Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates, mit Kampfhandlungen zur Befreiung Kuwaits.

Als Jugoslawien kriege (oft auch Balkankonflikt genannt) wird eine Serie von Kriegen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien gegen Ende des 20. Jahrhunderts bezeichnet, die mit dem Zerfall des Staates verbunden waren.
Im Einzelnen handelte es sich um den 10-Tage-Krieg in Slowenien (1991), den Kroatienkrieg (1991–1995), den Bosnienkrieg (1992–1995), den kroatisch-bosnischen Krieg im Rahmen des Bosnienkriegs, den Kosovokrieg (1999) und den Albanischen Aufstand in Mazedonien (2001).
Dies nun aufzudöseln bedarf es auch so einiges mehr.

Der Krieg in Afghanistan seit 2001 ist die jüngste Phase des seit 1978 andauernden afghanischen Konflikts, die mit der US-geführten Intervention im Herbst 2001 eingeleitet wurde. Die Regierung der USA von 2001–2009 unter George W. Bush und ihre Verbündeten verfolgten dabei das Ziel, die seit 1996 herrschende Taliban-Regierung zu stürzen und die Terrororganisation Al-Qaida zu bekämpfen. Welche die USA Jahre zuvor mit Waffen ausgerüstet hat um gegen die damalige UDSSR zu kämpfen. Welch ein Irrsinn!

Der zweite Irakkrieg war eine völkerrechtswidrige Militärinvasion der USA, Großbritanniens und einer „Koalition der Willigen“ in den Irak. Er begann am 20. März 2003 mit der Bombardierung ausgewählter Ziele in Bagdad und führte zur Eroberung der Hauptstadt und zum Sturz des irakischen Staatspräsidenten Saddam Hussein. Am 1. Mai 2003 erklärte US-Präsident George W. Bush den Krieg für siegreich beendet. Wie Bush zu dieser Erkenntnis gekommen ist, ist mir heute noch fraglich!

Gedenkstätten in New York zum 11. September

Die US-Regierung Bushs hatte den Sturz Saddam Husseins seit Januar 2001 erwogen und nutzte die Terroranschläge am 11. September 2001 dazu,- wobei es bis heute nicht geklärt ist ob es wirklich ein Terroranschlag war, einen Invasionsplan national und international durchzusetzen. Sie begründete diesen als notwendigen Präventivkrieg, um einen angeblich bevorstehenden Angriff des Iraks mit Massenvernichtungsmitteln auf die USA zu verhindern, die bis heute nicht gefunden wurden und auch faktisch nicht zu beweisen sind. Dafür erhielt die USA KEIN UN-Mandat des UN-Sicherheitsrats, also nach dem Völkerrecht, ein Angriffskrieg.

Nun noch etwas zu dem Krieg in Syrien ab 2011.
Der Bürgerkrieg in Syrien ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen Truppen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und den Kämpfern verschiedener Oppositionsgruppen. Auslöser des Bürgerkriegs war ein friedlicher Protest im Zuge des Arabischen Frühlings Anfang 2011, der zum bewaffneten Konflikt eskaliert ist. Eine wachsende Einflussnahme von Interessengruppen aus dem Ausland gewann mit der anhaltenden Auseinandersetzung an Bedeutung. Neben dem Zustrom von Geld und Waffen kämpften auch immer mehr ausländische Freiwillige und Söldner in Syrien. Die ursprüngliche Motivation der Opposition, die Demokratisierung Syriens zu erreichen, spielt seitdem nur noch eine geringe Rolle. Stattdessen trat der Kampf verschiedener Organisationen aus religiösen und ethnischen Gründen in den Vordergrund. Im vierten Kriegsjahr zerfiel der Bürgerkrieg zunehmend in Einzelkonflikte auf syrischem Boden, die mit Luftangriffen der Türkei gegen die Kurden und durch die direkte Einmischung des Iran und seiner Hisbollah-Miliz und der Russischen Föderation auf Seiten des Regimes und der USA im Kampf gegen den IS zu einem Konflikt mit geostrategischen Dimensionen wurden.

Die UN (Vereinten Nationen) geben an, dass von März 2011 bis März 2015 220.000 Menschen getötet wurden. Rund 11,6 Millionen Syrer sind auf der Flucht: Mindestens vier Millionen Syrer flohen aus ihrem Land und 7,6 Millionen sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Die UNO bezeichnete die Flüchtlingskrise im Februar 2014 als die schlimmste seit dem Völkermord in Ruanda in den 1990er-Jahren.
Ich ende dieses Kapitel mit zwei Zitaten
Jürgen Todenhöfer: „Krieg ist Scheiße. „
Helmut Schmidt: „Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln, als eine Minute Schießen.“

Flüchtlinge 2015

Drittes Kapitel: Flüchtlinge

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es auf der Welt über 60 Millionen Flüchtlinge, Asylsuchende und Binnenvertriebene. Stand 2015. Vor zehn Jahren waren es „nur“ 37,5 Millionen Menschen. Ein Grund hierfür ist der Krieg in Syrien, der innerhalb kürzester Zeit 2,5 Millionen Menschen zur Flucht in die Nachbarstaaten zwang und 6,5 Millionen Menschen im Land selbst vertrieben hat. Ein weiterer Grund sind die gewaltsamen Konflikte in Afrika, in der Zentralafrikanischen Republik, dem Kongo und Südsudan, die kein Ende nehmen wollen. Aber dies weiß kaum einer, den in den Medien wird ja nur von Syrien berichtet.

Flüchtlingslager

Im Jahr 2014 gab es weltweit 23 Kriege. Diese gewaltige Zahl von ca. 60 Millionen Flüchtlinge bedeutet gleichzeitig auch, dass diese Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen ist. Dies hat Auswirkungen auf die Nachbarländer, auf die internationale Gebergemeinschaft und Hilfsorganisationen weltweit. Die Menschen brauchen Nahrung, Trinkwasser, Unterkünfte und so vieles mehr. Alleine 12 Millionen Menschen in der Region Syrien und den Nachbarstaaten brauchen die akute Hilfe der Weltgemeinschaft. Die Vereinten Nationen beziffern ihren Bedarf auf mindestens 8,4 Milliarden US-Dollar an finanziellen Mitteln, um im kommenden Jahr und darüber hinaus helfen zu können.

Menschen auf der Flucht in Afghanistan

Nun eine kleine Aufstellung was Krieg kostet.


Im Jahr 2015 sind Kriegskosten der USA für den Krieg in Afghanistan in Höhe von 35,1 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Bitte zu beachten es geht NUR um Afghanistan. 70,1 Milliarden US-Dollar sind es 2015 gesamt. Davon werden nur 5,4 für die Bekämpfung des IS eingesetzt.
Seit zwölf Jahren ist die Bundeswehr im Rahmen der ISAF-Mission in Afghanistan. Es war der blutigste und teuerste Auslandseinsatz in der Geschichte der Streitkräfte. Ziemlich genau lässt sich aufschlüsseln, was der militärische Einsatz den deutschen Steuerzahler gekostet hat, rund 8,8 Milliarden Euro.
Wenn ich die nun schon angegebenen 424 Konflikte und davon wurden 46 als Krieg bezeichneten Kosten nehme geht es in den Bereich von einer Billion US-Dollar! Der Zahlenname Billion steht im deutschen Sprachgebrauch für die Zahl 1000 Milliarden oder 1.000.000.000.000. Richtig 12 Nullen!


Die Kosten für die Flüchtlinge welche nun nach Deutschland kommen kann keiner beziffern. Es geht um 10 bis 30 Millionen Euro ( laut Welt) . Wie dem auch sei und nun wieder geschrien wird „Oh, was kommt auf uns zu. Wer soll die Flüchtlinge denn bezahlen? Geld für Krieg scheint ja da zu sein, für Menschen aber nicht!

Da ja fast jeder meint, alle Flüchtlinge kommen nach Deutschland, dem sei gesagt das ist Bullshit.

Noch immer gilt: Der weitaus größte Teil der Flüchtlinge auf der Welt, bleiben laut UNHCR mit 86% in ihrer Herkunftsregion. Oft deshalb, weil sie auf eine Rückkehr hoffen, aber auch, weil ihnen die Möglichkeiten zur Weiterflucht fehlen. Die größte Flüchtlingsgruppe, die aus dem syrischen und inzwischen auch irakischen Kriegsgebiet, wurden vor allem von den Nachbarstaaten im Nahen Osten aufgenommen, wo sich die Aufnahmezahlen noch in weitaus größeren Dimensionen als hierzulande bewegen. Merke Nachbarstaaten = nicht Deutschland.


Im Schatten der syrischen Katastrophe kam 2014 es im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik zu großen Fluchtbewegungen. Ca. 2,25 Millionen Menschen.


SÜDSUDAN
Im Südsudan, welcher 2015 erst seit vier Jahren besteht, steigen die Zahlen der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen weiter an. Bis dato sind mehr als 730.000 Menschen in benachbarte Länder geflohen, während 1,5 Millionen zu Binnenvertriebenen wurden. Zusätzlich kommen weiterhin viele Flüchtlinge aus dem Sudan über die Grenze in den Südsudan. Die mehr als 250.000 Menschen kommen zum Großteil aus den sudanesischen Regionen Blue Nile und Süd.

BALKAN-STAATEN
Die Asylsuchenden aus den meist ehemals jugoslawischen Staaten werden in der Öffentlichkeit schlicht als Armutsflüchtlinge ohne Asylgründe geschmäht. Ihre zahlreiche Existenz weist auf nichts weniger als eine gescheiterte Nachkriegs-Politik auf dem Balkan hin. An der Deutschland nicht ganz unbeteiligt ist. Mitten in Europa leiden Menschen unter erheblicher Diskriminierung, existenzieller Not, sogar Hunger.

ERITREA
In einem der repressivsten Regime der Welt landen Kritiker/innen in geheimen Gefängnissen. Wer über die Grenze flieht, riskiert, als Deserteur erschossen zu werden. Dennoch treibt die Militärdiktatur seit Jahren fortwährend Menschen in die Flucht.

AFGHANISTAN
Im Jahr des deutschen Truppenrückzugs ist die aktuelle Zahl der aus Afghanistan nach Deutschland Geflüchteten ein Indiz für die erschreckende Tatsache, dass Terror und Gewalt im Land schlimmer wüten denn je. Seit Erhebung der relevanten Zahlen durch die UN-Unterstützungsmission hat es nicht so viele zivile Opfer gegeben wie 2014: Über 6.800 Menschen wurden demnach im vergangenen Jahr verletzt, fast 3.700 getötet. Die Zahl der nach Deutschland Flüchtenden steigt. Was sagt uns das? 8,8 Milliarden Euro hat der Deutschesteuerzahler mal eben so aus dem Fenster geworfen.

SOMALIA
Somalia ist ein in verschiedene Machtbereiche zerfallenes und von Warlords terrorisiertes Land.
IRAK
Der Irak liegt als Herkunftsland von Asylsuchenden in Deutschland etwas überraschend erst auf Platz zehn, trotz massiver Fluchtbewegungen infolge des IS-Terrors. Viele in der Region Geflüchtete hoffen noch auf eine Rückkehr – für zahlreiche Opfer von Krieg, Terror oder Vergewaltigung und insbesondere für Angehörige massiv bedrohter Minderheiten wird dies aber kaum realistisch sein. Es ist anzunehmen, dass ein Teil der Flüchtlinge Europa schlicht (noch) nicht erreicht hat und ihre Ankunft hier zeitverzögert zunehmen wird.

Auf dem ersten Platz der Länder welche Flüchtlinge aufnimmt ist Pakistan, dann Iran und Kenia.

Unser Planet brennt und wir merken es nicht

Viertes Kapitel: Das Ende der Zivilisation

„Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein. Wir müssen es nur wieder zu leben lernen. Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Missgunst hat die Seelen vergiftet.“
Die alten G7 Staaten haben in den letzten Jahren 40 % aller Ressourcen verbraucht. Bei einer Einwohnerzahl von 750 Millionen. Nun kommen die Chinesen mit mehr als einer Milliarde Menschen daher. Auch sie wollen unseren Lebensstil und Qualität haben, also brauchen diese auch 40 % der Ressourcen. Die Inder folgen rasant schnell. Auch diese brauchen bald die erwähnten 40 %. Nun kann sich auch jeder ausrechnen dass drei mal 40 % etwas mehr als 100 % sind.
Dem aufmerksamen Leser ist bestimmt aufgefallen das ich Afrika, Südamerika und Asien nicht erwähnt habe.

Stellen wir uns doch nur mal vor, die Welt wäre ein Dorf mit Hundert Einwohner und aller auf der Erde lebenden Völker beibehalten würde, wäre dieses Dorf folgendermaßen zusammengesetzt:
57 Asiaten, 21 Europäer, 14 Amerikaner (Nord-, Zentral- und Südamerikaner) und 8 Afrikaner.
Es gäbe in unserem kleinen Dorf, 52 Frauen und 48 Männer. 30 Weiße und 70 nicht Weiße. 30 Christen und 70 nicht Christen. 89 Heterosexuelle und 11 Homosexuelle. 6 Personen aus unserem Dorf besäßen 59% des gesamten Reichtums und alle 6 kämen aus den USA. 80 lebten in maroden Häusern und  70 wären Analphabeten. 50 unsere Nachbarn würden an Unterernährung leiden. Einer wäre dabei zu sterben und einer wäre dabei geboren zu werden. Einer besäße einen Computer und einer ja, nur einer hätte einen Universitätsabschluss. Ein kleines Überschaubares Dorf.


Nun können wir unsere Welt nicht in einen Mikrokosmos versetzen sondern müssen auf einem Planeten leben, den wir bis auf das letzte aussaugen! In oder auf diesem Planet gibt es die sogenannte dritte Welt, also Afrika, Lateinamerika und Südostasien. Es gibt eine Berechnung über die Fördermenge von Erdöl, den Peak Point.

Die Weltbevölkerung wächst zu schnell

Die Weltbevölkerung wächst pro Jahr mit Millionen Menschen an.
Wir brauchen täglich 88 Millionen Tonnen Erdöl. Alleine die USA braucht 20 Millionen Tonnen, haben aber im eigenen Land nur 10 Millionen. Also kommt der fehlende Teil aus Saudi Arabien. Nun wird deutlich, warum die USA so gerne Krieg macht. Damit diese ihre Wirtschaft am laufen halten kann.
Noch einmal zum Nachdenken: 88 Millionen Tonnen Erdöl haben wir gestern verbraucht. Heute und werde sie auch morgen brauchen.


Zu Christi Geburt lebten ca. 350 Millionen Menschen auf der Welt. Das sind die heutigen Einwohner das USA. Von Ressourcen hatten diese Menschen noch nichts gewusst. Erst mit der Entdeckung des Erdöls also ums Jahr 1804 lebten erstmals mehr als Eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten. In nur 200 Jahren sind es von Einer auf 7 Milliarden, ende Oktober oder Anfang November 2011 wurde der 7-Milliardste Mensch geboren, angewachsen.
Von Christi Geburt an, also ca. 350 Millionen auf 600 Millionen ist einem Zeitraum von 1600 Jahre.
Pro Sekunde nimmt die Weltbevölkerung um ca. 2.5 Menschen zu, das heißt es werden 2.5 Menschen mehr geboren als sterben.
2011 lebten 45 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze in den USA. Aber Krieg geht immer.


Bei all den Fakten die ich heute geschrieben habe gibt es unzählige Nebenthemen. Nur noch so viel. Es wird sich Gedanken gemacht über ein paar Flüchtlinge die nach Deutschland / Europa kommen. Die nächste Generation wird es etwas schwere haben, so ohne Erdöl und mit Trinkwasser und Lebensmittelknappheit.
Nun will ich zum Schluss kommen und möchte die Worte von Charlie Chaplin zitieren: „…Ich möchte weder herrschen, noch irgend wen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann. Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen. Hass und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Platz genug für jeden… „
Ich habe nun faktisch nur vier Themen angeschrieben, die mich seit Tagen beschäftigen und dies auch mit meinen Worten versucht zu erklären.
In gedenken an all die Toten von Krieg und Terror.

© by Naike Juchem, Morbach den 16.11.2015