Archiv der Kategorie: Südostasien

Massaker in Myanmar

Die Militärregierung in Myanmar soll Berichten zufolge ein Massaker an Dorfbewohnern verübt haben. Mehr als 30 Menschen sollen getötet und verbrannt worden sein. Zwei Mitarbeiter der Organisation „Save The Children“ werden vermisst.

In Myanmar sind laut Berichten von Menschenrechtsaktivisten die verbrannten Leichen von mindestens 35 Menschen gefunden worden. Unter ihnen sollen auch Kinder sein. Bei den Opfern handele es sich um Zivilisten, die wegen Kämpfen aus ihren Dörfern fliehen wollten, sagte ein Mitglied der Menschenrechtsgruppe Karenni Human Rights Group der Nachrichtenagentur dpa. Sie seien von Soldaten der Militärjunta festgenommen und getötet worden.

Ein weiteres Mitglied der Gruppe sagte unter Berufung auf Einheimische, dass die Junta in der Nähe des Dorfes Mu So in der Gemeinde Hpruso verbrannte Leichen zurückgelassen habe. „Wir fanden einige verbrannte Leichen mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Unsere Leute wurden brutal getötet“, sagte ein Mitglied der lokalen Widerstandsgruppe. „Die Zivilisten wurden hier kollektiv verbrannt.“

Ein Dorfbewohner berichtete der Nachrichtenagentur AP, er habe den Moment der Tötung selbst nicht gesehen, doch zwischen den verbrannten Leichen seien auch Kleidungsstücke von Kindern gefunden worden. Sie hätten keiner Guerillatruppe angehört. Unabhängige Medien in Myanmar berichteten, dass zehn Dorfbewohner aus Mo So, darunter auch Kinder, festgenommen worden seien. Vier Mitglieder einer paramilitärischen Truppe hätten versucht, ihre Freilassung auszuhandeln, seien aber gefesselt und mit Kopfschüssen exekutiert worden.

Mitarbeiter von Hilfsorganisation vermisst

Die Hilfsorganisation „Save the Children“ teilte mit, zwei ihrer Mitarbeiter würden vermisst. „Wir haben die Bestätigung, dass ihr Privatfahrzeug angegriffen und in Brand gesetzt wurde“, erklärte die Organisation. Die beiden Helfer waren demnach auf dem Rückweg von einem humanitären Einsatz in der Region. Die NGO setzte nach eigenen Angaben ihre Arbeit in mehreren Regionen aus.

„Save the Children“ sprach von mindestens 38 Toten bei dem Vorfall. „Das Militär hat Berichten zufolge Menschen aus ihren Autos gezwungen, einige festgenommen, andere getötet und ihre Körper verbrannt“, hieß es. Sie verurteilte den Angriff als Bruch des humanitären Völkerrechts.

Laut der Beobachtungsstelle Myanmar Witness, die nach eigenen Angaben Beweise für Menschenrechtsverletzungen in dem Land sammelt, wurden „35 Menschen, darunter Kinder und Frauen, am 24. Dezember vom Militär verbrannt und getötet“.

Militärregierung bestätigt Zusammenstöße

Ein Sprecher der Junta sagte, dass es am Freitag Zusammenstöße mit Rebellen gegeben habe, nachdem Soldaten versucht hätten, sieben „verdächtige“ Autos anzuhalten. Die Lastwagen seien beschossen, mehrere Menschen getötet worden, sagte der Sprecher, ohne Einzelheiten zu nennen.

Bereits Anfang Dezember soll das myanmarische Militär mehrere Dorfbewohner nach einer Attacke auf einen Militärkonvoi getötet haben. Unter den Opfern vom 7. Dezember sollen ebenfalls Kinder gewesen sein. Am Samstag kam es auch zu neuen Kämpfen im benachbarten Kayin-Staat, wo Tausende Menschen Zuflucht vor Kämpfen gesucht haben. Örtliche Behörden berichteten von Luft- und Artillerieangriffen auf den Ort Lay Kay Kaw, der von Rebellen aus der Volksgruppe der Karen kontrolliert wird.

Das Land versinkt seit einem Putsch im Februar in Chaos und Gewalt. Das Militär hatte die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi entmachtet und regiert seitdem mit brutaler Härte. Es gab landesweit Proteste, bei deren Niederschlagung mehr als 1300 Menschen getötet und mehr als 10.000 festgenommen wurden. In vielen Teilen des südasiatischen Landes haben sich lokale bewaffnete Einheiten gebildet, um Widerstand gegen die Junta zu leisten. Immer wieder gibt es Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen. Informationen von Einheimischen sowie Medienberichte aus Myanmar können aktuell kaum unabhängig überprüft werden.

Quellen
– DPA
– Save the Children  East Asia
Holger Senzel, ARD Studio Singapur

Ayutthaya – Hauptstadt des siamesischen Königreichs

Auf den Spuren des alten Königreichs in Thailand

Autorin Naike Juchem

Früher eine eher unbedeutende Khmer-Siedlung an den Ufern des Chao Phrayas, sollte Ayutthaya Mitte des 13. Jahrhunderts einen Boom erleben. Als Fürst U-Thong seinen bisherigen Regierungssitz verlegen musste, ernannte er 1351 Ayutthaya zur neuen Hauptstadt des siamesischen Königreichs und damit zum Nachfolger von Sukhothai. Ayutthaya war 417 Jahre lang die Hauptstadt der Siamesen.

Aufgrund der exzellenten Lage in Zentralthailand und mit dem Chao Phraya als „Verteiler“ mauserte sich Ayutthaya schon bald zu einer der wichtigsten Handelsumschlagsplätze Südostasiens.

Die Stadt wuchs rapide und war sogar Anfang des 18. Jahrhunderts mit über einer Millionen Einwohner die größte Stadt der Welt. Kaufleute aus Frankreich oder Holland konnten die Stadt gar nicht genug preisen und bereicherten mit eigenen Häusern die diverse Architektur Ayutthayas. Der Handel mit Indien, China und Europa florierte, doch wie so oft hieß es auch hier: wer hoch steigt, kann tief fallen.

Nachdem die Burmesen mehrmals erfolglos versucht hatte, Ayutthaya zu stürmen, gelang es ihnen, 1767 die Stadt zu überrennen. Ayutthaya wurde geplündert, zerstört und fast dem Erdboden gleich gemacht – und damit kam die goldene Ära für Siam zu einem traurigen Ende.

Erst knapp 15 Jahre später sollte 85 Kilometer weiter südlich eine neue Hauptstadt errichtet werden, die bis heute
ihre Stellung gehalten hat: Bangkok

Der Historical Park in Ayutthaya

Historische Tempel-Anlagen und viel Geschichte

Heute ist das, was von der ehemaligen Prachtstadt übrig geblieben ist, nicht nur ein eigener Historical Park, sondern auch auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes zu finden.

Ayutthaya liegt auf einer Insel am Flusszusammenlauf des Chao Phraya, des Lopburi und des Pa Sak Flusses.

Mueang Boran

Mueang Boran, aus dem thailändischen übersetzt Alte Stadt, im englischen Ancient City, ist das größte Freilichtmuseum der Welt. Auf etwa 128 Hektar ist dieses Freilichtmuseum in der geografischen Form von Siam angelegt.

Autorin Naike Juchem


In Mueang Boran ist die thailändische Architektur, Kultur und Kunst zubestaunen.
Alle Provinzen (in Deutschland würde man Bundesländer sagen) sind dort dargestellt und man fühlt sich im Nachbau von Ayutthaya und Krung Thep Maha Nakhon (Bangkok) in die damalige Zeit zurück versetzt.

Die Idee zu diesem einzigartigen Museum entstammt einer Vision von Khun Lek Viriyapan (* 1914, † 17. November 2000)), einem vermögenden thailändischen Unternehmer. Er liebte sein Land und interessierte sich sehr für seine Kultur- und Kunstgeschichte sowie für die traditionelle Architektur. Bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts stellte er auf seinen vielen Reisen fest, dass sich die Entwicklung der thailändischen Gesellschaft von einer traditionell landwirtschaftlich geprägten hin zu einer industriellen Gesellschaft vollzog. Dadurch wurden viele Kulturdenkmäler vernachlässigt und nach und nach dem Verfall preisgegeben. Er fing an, Antiquitäten zu sammeln und kam dadurch mit vielen Gleichgesinnten, mit Archäologen und Kunsthistorikern zusammen. Zunächst hatte er die Idee, einen Minigolfplatz mit miniaturisierten Ausgaben wichtiger thailändischer Orte zu bauen. Diese ließ er aber schnell wieder fallen, als er in den 1960er Jahren in Samut Prakan den idealen Ort zur Verwirklichung seiner Vorstellungen gefunden hatte. Am 11. Februar 1972 wurde Mueang Boran im Beisein des thailändischen Königspaares sowie Königin Elisabeth II. von England eröffnet. Es wird spekuliert, dass mittlerweile etwa 200 Mio. US$ in das Projekt geflossen sind.

Auf dem Gelände befinden sich künstliche Wasserläufe, Berge wurden aufgeschüttet, manchmal kann man scheues Rehwild beobachten, welche den spärlichen Rasen kurzhalten. Es befinden sich hier nach letzter Zählung 116 Monumente, Kopien aber auch Originale berühmter Bauwerke aus allen Teilen Thailands. Gruppen von Statuen, welche Werke der thailändischen Literatur und ihre Personen oder auch berühmte Begebenheiten der Geschichte nachstellen, sind in „Gärten“ angeordnet.
Die einzelnen Sehenswürdigkeiten sind innerhalb des Museums geografisch korrekt angeordnet. Beim Betreten des Museums bekommt jeder Besucher einen Übersichtsplan ausgehändigt, auf dem alle Monumente durchnummeriert aufgeführt sind.
Ein paar der besonders interessanten Bauten die in Mueang Boran stehen, sind nachfolgend aufgelistet.

Beginnen möchte ich mit dem zweifellos größten und imposantensten Gebäude  in diesem Museum:

– Der „Sanphet Prasat Thronhalle des Wang Luang (Königspalast) von Ayutthaya“ wurde nach alten Aufzeichnungen im Maßstab 1:3 rekonstruiert.

-Die „Stupa des Wat Phra Mahathat“   in Chaiya im Srivijaya-Stil

– Im „Alten Marktflecken“ befinden sich mehrere Original Teakholz-Häuser aus Yan Nawa, die einem Straßenmarkt aus der Provinz Tak nachempfunden sind.

– Der „Palast des Tiger King“ (König Suriyentharathibodi) wurde aus Ayutthaya gerettet, das Original steht heute im Wat Suwannaram, Phetchaburi
– Die „Audienzhalle von König Taksin“ mit Wandmalereien, Thonburi

– Die „Große Schlacht von Yuthahathi“ beschreibt die Schlacht von König Naresuan gegen die Burmesen.

– Der „Drei-Pagoden-Pass“ bei Kanchanaburi

– Eine verkleinerte Kopie des „Dusit Maha Prasat“ aus dem Grand Palace in Bangkok, wie er nach Recherchen das Mueang-Boran-Teams ursprünglich von König Rama I. erschaffen wurde

– Der „Phra Kaeo Pavillon“, ein runder Pavillon in chinesischem Stil, wie er auf alten Karten von Ayutthaya eingezeichnet war.

– Der „Khun-Chang-Khun-Phaen-Garten“ wurde Figuren aus dem thailändischen Epos Khun Chang Khun Phaen nachempfunden.

– Der „Fußabdruck des Buddha“ im Wat Phra Phutthabat bei Saraburi wurde nach aufwändigen Recherchen historischer Aufzeichnungen verkleinert nachgebaut.

– Ein „Thai Hamlet“, ein kleiner landwirtschaftlicher Weiler aus der zentralen Ebene wurde hier mit einigen Original-Häusern und antiken Ackergeräten aufgebaut.

Die Sanphet Prasat Thronhalle und König Chulalongkorn Rama V von Siam

Die Sanphet Prasat Thronhalle

Die Sanphet Prasat Thronhalle in Ayutthaya, vor 1000 Jahren noch ein unbedeutender Ort im damaligen Khmer-Reich und eine der westlichsten Siedlungen in Angkor, war die Residenz des siamesischen König U Thong.
Der Sanphet Prasat diente kurze Zeit nach seiner Zerstörung,1767 durch die Birmanen, als Modell für den Aufbau des Palastes in Krung Thep (Bangkok)

Autorin Naike Juchem

Die Sanphet Prasat Thronhalle

Nachdem König U Thong Ayutthaya zur Hauptstadt seines neuen Reiches gemacht hatte, baute er seinen Palast im Norden der Insel, die durch die drei Flüsse Chao Phraya, Pa Sak und Lop Buri sowie einen später gegrabenen Kanal gebildet wurde. König Borommatrailokanat (reg. 1448–1488) verlegte in seiner Regierungszeit den Palast nach Norden an das Ufer des Lop Buri, um Platz zu machen für den neuen Tempel Wat Phra Sri Sanphet. Er unterteilte das Gebiet das Palast-Areal in einen „Inneren“ und einen „Äußeren Bereich“. König Boromtrailokanat ließ die so genannte „Sanphet-Prasat-Halle“ als Thronsaal erbauen, in dem später König Narai die Gesandtschaft vom Hofe König Ludwigs XIV. aus Frankreich empfing.

In der Regierungszeit von König Prasat  Thong (von November 1629 bis August 1656) brannte sie und weitere 110 Gebäude im Palastbezirk nach einem Blitzschlag komplett ab. Der König ließ sie später wieder aufbauen, nannte sie dann aber „Viharn-Somdet-Prasat-Halle“. Sie war mit Goldplatten verkleidet, deshalb wurde dieser Bau im Volksmund Goldener Palast genannt. Prasat Thong erweiterte den Palast, und umgab das gesamte Areal inklusive Wat Phra Si Sanphet mit einer hohen Mauer. Er ließ weitere Thronhallen bauen, wie z. B. die Suriyart-Amarin-Halle. In der südöstlichen Ecke das Palastes ließ er den „Chakrawat-Phaichayon-Halle“ bauen, um von hier Prozessionen und Paraden zu verfolgen, die auf dem Sanam Chai stattfanden. Der Sanam Chai gehörte zum „Äußeren Bereich“ des Palastes.

König Narai ließ 1687 im Westen des „Inneren Bereichs“ auf einer kleinen Insel in einem künstlichen Fischteich, dem „Ang Kaeo“ den „Banyong-Rattanat-Pavillon“ errichten.

Im Jahr 1767 wurde der Alte Palast von den Birmanen zusammen mit vielen anderen Bauwerken geplündert und in Brand gesteckt. Da König Phra Phutthayotfa Chulalok (Rama I.) möglichst schnell seine neue Hauptstadt Bangkok aufbauen wollte, ließ er die Ziegelsteine der verfallenen Palastgebäude mit Booten abtransportieren und nach Krung Thep  bringen. Daher sind heute im gesamten ehemaligen Palastbezirk in Ayutthaya nur noch die wenige Zentimeter hohen Grundmauern zu sehen.
Ein Gebäude ist heute vollständig zu sehen: der Trimuk-Pavillon, zu dem zwar keine historischen Belege existieren, dessen Fundament aber in der Regierungszeit von König 
Chulalongkorn (Rama V.) 1907 entdeckt wurde. Zu seinem Besuch 1908 ließ der König auf diesen Fundamenten einen neuen Pavillon errichten. Hier hielten mehrere Könige, auch der vorletzte regierende Bhumibol Adulyadej (Rama IX.), Zeremonien zu Ehren der Herrscher des alten Ayutthaya ab.


König Chulalongkorn, der Reformator von Siam

Chulalongkorn ( Rama V.,) mit vollständigem königlichen Namen: Phra Bat Somdet Phra Chunchomklao Chao Yu Hua, wurde am  20. September 1853 in
Bangkok geboren und starb am 23. Oktober 1910. Chulalongkorn war von 1868 bis zu seinem Tod König von Siam. Während seiner 42-jährigen Regierungszeit öffnete sich Siam weiter dem Westen, modernisierte sein Militär, Verwaltungssystem, Bildungs- und Rechtswesen, baute die Infrastruktur aus und schaffte die Leibeigenschaft ab. Im Jahre 1873 schaffte er auch die bis dahin übliche Niederwerfung auf den Boden vor Angehörigen des Königshauses ab, sie mussten sich als Zeichen des Respekts nur noch verbeugen.

Chulalongkorn war der älteste Sohn von König Mongkut (Rama IV.) mit dessen Hauptfrau Königin Debsirindra. Er hatte drei Voll- und zahlreiche Halbgeschwister. Der Prinz bekam im Alter von acht Jahren den Titel Krommamuen Pikhanesuan Surasangkat verliehen. Er erhielt eine breitgefächerte Bildung, teils nach siamesischem, teils nach westlichem Modell. Unter anderem wurde er von der britische Gouvernante Anna Leonowens in englischer Sprache unterrichtet. Ein authentischer Film von dem Regisseur Andy Tennant in dem Jodie Forster und  Chow Yun-Fat die Hauptrollen in dem Film „Anna und der König“ aus dem Jahr 2000 spielen, zeigt sehr deutlich wie sich Siam unter dem Einfluss von Chulalongkorn veränderte.
Leider war und ist dieser Film in Thailand  verboten. Einzig wegen einer Szene in der
Anna Leonowens den König anschreit.

Mit 11 Jahren wurde er für sechs Monate Novize im Wat Bowonniwet. Anschließend bekam er einen neuen Titel: Krommakhun Phinit Prachanat. Schon früh ließ ihn Mongkut gewissermaßen als Lehrling an den Regierungsgeschäften teilnehmen.

Bei der Beobachtung der Sonnenfinsternis vom 18. August 1868 im Dschungel Südthailands infizierten sich der Vater und der 15-jährige Chulalongkorn mit Malaria. König Mongkut starb am 18. Oktober desselben Jahres.
Bis zu seiner Volljährigkeit und eigentlichen Krönung im November 1873 lag die Macht bei dem Regenten.
Schon früh interessierte sich Chulalongkorn für die Situation im Ausland. Im März und April 1871 besuchte er die zum niederländischen Kolonialreich gehörende Insel Java und die britische Kolonie Singapur, im Dezember desselben Jahres führte ihn eine Reise nach Britisch-Indien und Birma, um dort die europäisch geprägte Verwaltung kennenzulernen. Der britische Generalkonsul Thomas George Knox begleitete ihn dabei, ebenso wie eine vom König handverlesene Gruppe junger Prinzen und Aristokraten. Diese bildeten später den Kern von Chulalongkorns politischem Unterstützerkreis, der als Partei „Junges Siam“ bezeichnet wird.


Erste Reformen

Noch während er unter Regentschaft stand, bemühte sich Chulalongkorn, das siamesische Finanzwesen zu modernisieren und zentralisieren. Bis dahin gingen viele staatliche Einnahmen an verschiedene Behörden und Ministerien, die unter Kontrolle mächtiger aristokratischer Familien (zum Beispiel der Bunnags) standen, nicht aber an den königlichen Haushalt. Auch das System der Steuerpacht erwies sich als ineffizient, viele Steuerpächter erbrachten nicht die geschuldeten Zahlungen. Noch 1870 gründete der junge König ein Amt für Rechnungsprüfung. Nach seiner Volljährigkeit 1873 errichtete er die nach europäischem Vorbild organisierte Finanzbehörde Ho Ratsadakon Phiphat  Vorläuferin des heutigen thailändischen Finanzministeriums. Dieses unterstellte die Steuerpächter einer strengeren Aufsicht und sollte Absprachen zwischen den Pächtern und ihren Aufsehern zulasten der Kasse des Königs verhindern.

Eine weitere einschneidende Veränderung in der Staatsorganisation war die Gründung des „Staatsrats“ im Mai 1874. Diese sollte offiziell nur Vorschläge für Reformen erarbeiten, wurde aber zum zentralen gesetzgeberischen und administrativen Organ der absolutistischen Herrschaft Chulalongkorns. Vorbild war vermutlich der französische Conseil d’État zur Zeit Napoleon Bonapartes. Die wichtigsten Punkte auf der Agenda des Rats waren die Abschaffung der 
Fronarbeit und Sklaverei sowie das Verbot des Glücksspiels, das der häufigste Grund für den Fall in Schuldknechtschaft 
war. Im August 1874 folgte die Einführung eines Kronrats, dessen (zunächst 49) Mitglieder den König persönlich beraten sollten.


Zwischenfall vom Vorderpalast

Diese radikalen Reformen stießen auf Ablehnung und Unmut traditioneller aristokratischer Eliten, die um ihre angestammten Pfründen fürchteten. Bereits ein Jahr nach der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Chulalongkorn kam es zu einer politischen Krise. Sie wird nach der Residenz des Uparat („zweiten Königs“) als „Zwischenfall vom Vorderpalast“ bezeichnet. Der Uparat unterhielt zu dieser Zeit seine eigene Garde, die auf dem Gelände seines Palasts Quartier bezog. Nach der Explosion eines Pulverturms und dem Ausbruch eines Feuers auf dem Gelände des Großen Palasts, der Residenz Chulalongkorns, marschierten die bewaffneten Truppen des Vizekönigs vor dessen Mauern auf, vorgeblich um beim Löschen zu helfen. Der König befürchtete jedoch eine Palastrevolte zugunsten Wichaichans, seine Garde wies die Einheiten des Uparats ab und löschte den Brand selbst. Wichaichan, der eine Vergeltungsaktion von Seiten Chulalongkorns fürchtete, floh in das britische Konsulat. Siam stand kurz vor einem Bürgerkrieg. Nach Vermittlung des britischen Gouverneurs der Straits Settlements konnte Wichaichan in den Vorderpalast zurückkehren, musste jedoch die Vorrechte eines „zweiten Königs“ aufgeben. Hintergrund der Krise war vermutlich der Konflikt zwischen den Anhängern Chulalongkorns, die seine Reformen befürworteten, und konservativen Eliten, die Wichaichan unterstützten.

Obwohl der König scheinbar als Sieger aus dem Konflikt hervorgegangen war, zeigte er ihm, wie dünn seine Machtbasis und wie gefährlich seine rasche Reformpolitik war. In der Folge verschob er viele seiner Umgestaltungsprojekte auf lange Zeit. Die Räte hörten zunächst auf zu tagen, die fiskalischen Reformen wurden vorerst nicht umgesetzt und auch die Sklaverei bestand noch über zwei Jahrzehnte fort. Chulalongkorn forderte seine jungen Unterstützer auf, den etablierten Notabeln mit mehr Respekt zu begegnen, ihre „Gesellschaft des Jungen Siam“ und die dazugehörige Zeitung zu schließen.

Siam zu besuch in Europa

König Chulalongkorn war an Wissen, Bildung und Ideen immer interessiert und daher reiste der König auch nach Europa.
Reiseziele waren unter anderem: Singapur, Malakka und Penang (Malaysia), Moulmein (Myanmar), Rangun und in Indien besuchte er die Städte: Kalkutta, 
Delhi, Agra, Lucknow, Cawnpore, und Bombay.

Im April 1897 begann seine erste Europareise über Colombo, Aden und Port Said.
Es ging weiter nach Venedig, wo er am 14. Mai 1897 eintraf. In Europa waren folgende Städte Ziele seiner Reise: Genf, Turin, Florenz, Rom, Wien, Budapest, Warschau, St. Petersburg, London, Hamburg, Essen, Dresden, Den Haag, Brüssel, Paris, sowie eine Menge kleinerer Städte, bis er am 14. Dezember 1897 wieder in Siam eintraf.
Während dieser neun Monate war Königin Saowapha als Regentin eingesetzt. Zahlreiche Briefe und Telegramme des Königs von dieser Reise sind erhalten.

Im März 1907 brach Chulalongkorn zu seiner zweiten Europareise auf. Reiseziele waren unter anderem Genua, Bad Homburg vor der Höhe, Kopenhagen und das Nordkap.
Alljährlich findet im Schlosspark von Bad Homburg v.d.H. ein großes Thai Festival statt.

Naike Juchem, 24. Februar 2021

Quellen:
– Rama (Könige von Thailand)
– Geschichte Thailands Reformen unter Rama IV. und Rama V.
The Descendants of King Rama V of Siam
– Zeitgenössische deutsche Berichte zur Person König Chulalongkorns von 1861–1907 (zusammengestellt von Rudolf Baierl, Suraphon Phonprasoet und Wisut Rangsinaphon

Indochina

Der kolonial Gedanke der Europäer in Südostasien und seine fatalen Folgen

Ein Bericht von einem Land, dass Frankreich als Kolonie unter sein Protektorat stellte, bis hin zum Tod von über 12 Millionen Menschen, durch die Intervention der USA.

Autorin Naike Juchem

Um den Vietnamkrieg zu begreifen, muss man in der Geschichte etwas weiter zurück gehen.

Wir schreiben das Jahr 1887, als Frankreich ihre Kolonie Union Indochinoise gründete. (Indochina. Der Begriff Indochina – hinter China, ist eine französische Wortschöpfung), und vereinte die drei vietnamesischen Landesteile Cochinchina, Annam und Tonkin und das Königreich der Khmer – das heutige Kambodscha. 6 Jahre nach der Gründung dieser Kolonie kam noch Laos dazu. Frankreich hatte eine Kolonie von 740.454 Quadratkilometer – fast 100 Quadratkilometer größer als das Stammland.
Im Westen hatte Großbritannien, Burma und Malaya (heutiges Myanmar und  Malaysia) als Kolonie eingenommen. Das unabhängige Siam – heutige Thailand, lag zwischen den beiden Kolonialmächten.

Die Lunte am Pulverfass

Die Europäer kamen schon Mitte des 17. Jahrhunderts als katholische Missionare nach Südostasien und waren eine doch kleine Bewegung in einem buddhistisch geprägten Kontinent.
Mit dem aufkommen der Industrialisierung in Europa wuchs der Markt nach Rohstoffen und so wurden Millionen Menschen unter die Führung von europäischen Ländern gezwungen.


Zwar hatte Indochina durch die Herrschaft von Frankreich eine demografische Steigerung der Bevölkerung erlebt, weil es viel weniger Kindersterblichkeiten gab. Die Bevölkerung war von den sozialen und demokratischen Ideen aus Europa geteilter Meinung und so entstanden Spannungen zu den Kolonialherren und in der Bevölkerung selbst. Der aus China und Russland kommende Kommunismus, verbeitet sich in den Nordöstlichen Teilen von Indochina.
Frankreich hatte zwar ein riesiges Gebiet unter ihren Protektorat stehen, interessierte sich aber mehr an östlichen Teil – dem heutigen Vietnam.

Die Wege zur nationalen Unabhängigkeit in Südostasien waren verschieden. Dennoch lassen sich auf beiden Seiten, auf europäischer wie südostasiatischer Gemeinsamkeiten beobachten. Die politischen Eliten in Frankreich und den Niederlanden waren am Ende des Zweiten Weltkriegs fest entschlossen, ihre von den Japanern besetzten Kolonialreiche wiederzugewinnen. Sachverständige und politische Berater betrachteten die Restauration der auf Ausbeutung angelegten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie als ein wesentliches Mittel zum Wiederaufbau der eigenen nationalen Volkswirtschaft. Doch bereits am Ende des Jahres 1945 wurde deutlich, daß mit baldigen Finanztransfers aus den Kolonien nicht zu rechnen war. Die britischen Besatzungstruppen (darunter ein Großteil indische Soldaten), die in Indonesien und Vietnam Sicherheit und Ordnung herstellen und die Rückkehr der Kolonialherren vorbereiten sollten, stießen auf anhaltenden und starken Widerstand nationalistischer Gruppierungen. Zudem hatte die japanische Besatzung die Region wirtschaftlich ruiniert, zahlreiche Plantagen waren verödet, Teile der Erdölindustrie auf Sumatra zerstört. Die Reisproduktion war dramatisch gesun-
ken, und in einigen Regionen Südostasiens, insbesondere im Norden Vietnams, kam es 1945 zu
Hungerkatastrophen.

General Charles de Gaulle und das „Freie Frankreich“ verabschiedeten wiederum
im Januar 1944 die Erklärung von Brazzaville, in der sie ein Ende kolonialer Willkürherrschaft in Aussicht stellten. Zugleich aber wiesen sie „jeden Gedanken an Autonomie“ zurück und verwarfen „jede noch so vage Form von Selbstregierung“

Eine weitere Gemeinsamkeit in den französischen und niederländischen Zukunftsentwürfen war die Art und Weise, mit der die Regierungen auf die nationalistischen Bewegungen in Indonesien und Vietnam reagierten. Eine Kombination von militärischer Unterdrückung und administrativer Fragmentierung des Kolonialbesitzes
sollte den Widerstand nationalistischer Gruppierungen neutralisieren: die Niederländer versuchten seit 1947, regionale Unterschiede und Spannungen auszunutzen, indem sie die „Vereinigten Staaten von Indonesien“ gründeten, und Frankreich proklamierte 1946 Cochin-China (Südvietnam) als „Freien Staat“ innerhalb der Französischen Union.

Ein sinnloser Krieg

Bei der überwiegenden Zahl das
Bevölkerung etablierte sich ab 1930 der kommunistische Einfluss des Norden von der Vietminh Partei. Sie schaffte es im Prozess der Unabhängigkeit am überzeugendsten, grundlegende soziale Bedürfnisse mit Forderungen nach nationaler Unabhängigkeit zu verbinden.
Behindert wurden diese Bestrebungen allerdings durch die alte Kolonialmacht Frankreich, die nach ihrer Schwächung im Zweiten Weltkrieg über ihre Kolonien zu alter weltpolitischer Stärke zurückfinden wollte.

Während in Europa der Zweiten Weltkrieges tobte, warfen die USA Broschüren über Vietnam ab, in denen die Bevölkerung zum Widerstand gegen die japanischen Besatzer aufgefordert und ihnen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung in Aussicht gestellt wurden. Doch nach dem Sieg der USA über Japan und dem Beginn des Kalten Krieges war davon keine Rede mehr. Jetzt ging es um die „Eindämmung“ des Kommunismus, und unter diesem Vorzeichen akzeptierten die USA auch Frankreichs Intentionen zur Restauration seiner Kolonialherrschaft in Indochina. Das ging nicht ohne Gewalt. Und so begann Ende 1946 der französische Indochina-Krieg.

Mit dem Abwurf der  am 6. August 1945 um 8.16 Uhr über Hiroshima und drei Tage später über Nagasaki, legte die USA eine neue Richtung im Krieg vor, was schließlich am 2. September 1945 zur Kapitulation vom Japanischen Kaiserreich zum Ende des Krieges führte – vorerst.

Gleichzeitig war der Gegensatz zwischen der französischen Kolonialmacht und den nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen zu groß, sodass es zum ersten Indochinakrieg 1945–1954 führte.

Für die USA war dies zunächst nur ein „schmutziger“ Kolonialkrieg. Das änderte sich mit dem Sieg der Kommunisten in China 1949 und dem Beginn des Koreakrieges am 25. Juni 1950. Fast zeitgleich mit dem Eingreifen in Korea begann auch das amerikanische Engagement in Vietnam. Aus dem Kolonialkrieg der Franzosen wurde ein „Kreuzzug gegen den Kommunismus“, Teil der beginnenden weltweiten Auseinandersetzung zwischen Ost und West. 1953/54 zahlten die USA rund 75% der französischen Kriegskosten. Mit der Niederlage bei Dien Bien Phu im Mai 1954 endete dennoch Frankreichs Kolonialherrschaft in Indochina. Auf der anschließenden Konferenz in Genf wurde Vietnam entlang des 17. Breitengrades geteilt.

Eine Kriegserklärung auf einen Vorfall den es nie gab

Anfang August 1964 kam es im Golf von Tonking zu einem folgenschweren Zwischenfall. Nordvietnamesische Patrouillenboote beschossen den US-Zerstörer „Maddox“. Zwei Tage später flogen die Amerikaner erste Luftangriffe gegen Nordvietnam. Ein zweiter Zwischenfall – der nie stattgefunden hat – führte in Washington zur berühmt-berüchtigten Tonking-Resolution, eine Ermächtigung zum Krieg, die, wie Johnson meinte, „wie Großmutters Nachthemd alles abdeckt“: Der Kongress ermächtigte Johnson, „alle notwendigen Schritte, einschließlich der Anwendung bewaffneter Gewalt, zu ergreifen“, um Südvietnam zu unterstützen.

Aus einem schwelenden Konflikt wurde im Frühjahr 1965 ein US-Amerikanischer Krieg. Nach zwei Angriffen der Kommunisten gegen amerikanische Kasernen befahl Johnson eine Verstärkung der Luftangriffe: Die Operation „Rolling Thunder“ begann am 2. März 1965 und wurde erst am 30. Oktober 1968 beendet. Während dieser Zeit flog die amerikanische Luftwaffe insgesamt 304.000 Einsätze in Nordvietnam, davon 2083 B-52-Angriffe. Der Widerstandswille der Kommunisten wurde dennoch nicht gebrochen.

Am 8. März 1965 folgte der nächste entscheidende Schritt der Amerikaner: Erstmals seit dem Koreakrieg betraten US-Kampftruppen wieder asiatischen Boden. In Da Nang gingen 3.500 Marines an Land. Hanoi sprach von einer „offenen Kriegserklärung“. Am 21. April 1965 wurden weitere 82.000 Soldaten nach Südvietnam geschickt, Ende Juli weitere 75.000. Ende des Jahres waren bereits 100.000 US-Soldaten in Südvietnam stationiert, im Frühjahr 1968 waren es zeitweise 550.000.

Nixons Lüge

Der 37. Präsident der USA hieß Richard M. Nixon. Er hatte die Wahl mit dem Versprechen gewonnen, den Vietnamkrieg zu beenden – dies war eine Lüge.
Nixon war davon überzeugt, dass der Krieg ausgeweitet werden musste, um ihn zu gewinnen. So wurden geheime Angriffe gegen nordvietnamesische Basen an der Grenze zu Kambodscha geflogen.
Im Juli 1969 verkündete Nixon den Abzug der US-Truppen aus Vietnam.
Gleichzeitig ließ Kissinger Möglichkeiten für einen „brutalen, entscheidenden Schlag“ gegen Nordvietnam prüfen, einschließlich des Einsatzes von Atomwaffen. Kissinger wörtlich: „Ich weigere mich zu glauben, dass eine viertklassige Macht wie Nordvietnam nicht an irgendeinem Punkt aufgeben muss.“

Im März 1970 befahl Nixon die Invasion des neutralen Kambodschas. Daraufhin kam es zur größten Antikriegsdemonstration in den USA. An der Kent State University wurden am 4. Mai 1970 vier Studenten von der Nationalgarde erschossen.

Inzwischen sank die Moral der Truppe in Vietnam auf den niedrigsten Stand in der Geschichte der USA. 1971 nahmen 44% der Truppe Heroin, 20% waren drogenabhängig, es gab Befehlsverweigerung, Offiziere wurden von den eigenen Leuten im Einsatz unabsichtlich getötet. Das Ende des Krieges wurde zur absoluten Notwendigkeit für die USA.

Bei seinem Amtsantritt hatte Nixon erklärt, er sei bereit, mit den Kommunisten zu verhandeln. Damit waren Moskau und Peking gemeint. Er besuchte China im Februar 1972. Einen Monat später begannen die Nordvietnamesen mit ihrer Frühjahrsoffensive. Daraufhin gab Nixon den Befehl zu einer weiteren Eskalation in Vietnam: B-52-Angriffe auf Hanoi und Haiphong, sowie die Verminung des Hafens von Haiphong. 14 Tage nach diesem Befehl traf sich Nixon in Moskau mit Breschnew. Trotz den massiven Luftangriffe auf Vietnam, hatte Nixons Verhältnis zu China und der Sowjetunion durch die Ausweitung des Krieges nicht gelitten.

Henry Kissinger führte fast gleichzeitig mit den Nordvietnamesen Geheimgespräche in Paris, die im Oktober 1972 zu einer prinzipiellen Einigung führten. Wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen in den USA konnte Kissinger auf einer Pressekonferenz so verkünden: „Der Friede ist zum Greifen nahe.“ Das war er keineswegs, da Südvietnams Ministerpräsident Thieu die sogenannte Vereinbarung ablehnte, die zum einen vorsah, dass nordvietnamesische Truppen im Süden des Landes bleiben konnten und zum anderen die entmilitarisierte Zone am 17. Breitengrad nicht als offizielle politische Grenze bezeichnete. Als Nordvietnam Änderungen an dieser Vereinbarung ablehnte, ordnete Nixon massive Luftangriffe auf Nordvietnam an: In dem sogenannten „Weihnachtsbombardement“ bis zum 29. Dezember 1972 wurden mehr Bomben auf Nordvietnam abgeworfen, als in den drei Jahren zuvor.

Anfang Januar 1973 wurden die Verhandlungen in Paris wieder aufgenommen; Änderungen der Vereinbarung waren rein kosmetisch. Das Abkommen wurde am 27. Januar 1973 unterzeichnet: für die USA war der Krieg beendet – nicht jedoch für die Vietnamesen.
Am 30. April 1975 überrannten die Kommunisten Saigon. Das Land wurde unter kommunistischer Herrschaft zwangswiedervereint – mit 400.000 Südvietnamesen in Umerziehungslagern.

Die Bilanz einer Lüge

58.135 US-Soldaten verloren ihr Leben in Vietnam; 304.704 wurden verwundet, davon erlitten 6.665 Amputationen und ca. 33.000 blieben gelähmt. Eine Million südvietnamesische Soldaten waren gefallen, etwa zwei Millionen tote Zivilisten waren zu beklagen. Zwei Millionen Menschen wurden verstümmelt, zusätzlich zwei Millionen Liter giftige Chemikalien ausgesetzt. Zahlen über Nordvietnam sind nicht belegt, aber wahrscheinlich mussten dort genauso viele Menschen ihr Leben lassen.

Naike Juchem, 12. August 2021

Quellen
– Bundeszentrale für politische Bildung
– Duden Learnattack
– ifz-münchen.de
– Marc Frey, Das Ende eines Kolonialreiches
– Marc Frey Vierteljahresheft für Zeitgeschichte 2002
– Martin Hak, Darwin, Britain and Decolonization of South East Asia

Angkor

Autorin Naike Juchem

Angkor war vor 1100 Jahren die größte Stadt der Welt.


Noch heute gibt diese Stadt Archäologen sehr viele Rätsel auf. In Angkor wurden bis heute sieben verschiedene Sprachen gefunden, wovon zwei nicht zugeordnet werden können.
Angkor war eine gigantische Stadt, deren Ausmaß heute noch nicht genau bekannt ist, den immer wieder werden Mauern, Wassergräben, Säulen und Reste von Gebäuden bis ins thailändische Ayutthaya gefunden.
Angkor ist durch seine gesamte Baukunst in Geometrie und Gleichheit, in dieser Größenordnung einmal auf der Welt. Die allen uns bekannten Pyramiden von Gizeh oder die Maya Tempel im Mexiko sind im Vergleich zu Angkor nicht mehr als ein Gartenhäuschen.

Angkor ist allgemein als Angkor Wat bekannt. Dies ist soweit falsch, weil Wat ein Tempel ist.

Etwa eine Million Menschen haben im Mittelalter in der Angkor gelebt. Der bekannte Tempel Angkor Wat ist auch auf der Nationalflagge von Kambodscha zu sehen. Das Zentrum der Stadt war die Tempelanlagen Angkor Wat.
Das gesamte Areal wird heute als Angkor Park bezeichnet und umschließt ein riesiges Gebiet, das einige Kilometer entfernt der Stadt Siam Reap liegt.

Im 15. Jahrhundert verließen die Khmer ihre heiligen Tempelanlagen, die von den Göttern regiert wurden. Aber erst vor ungefähr 150 Jahren fanden die Franzosen die versunkenen Tempelanlagen wieder. Mitten im Dschungel von Kambodscha lächeln Figuren von den Steinwänden des Angkor Wat, die zu den größten Sakralbauten der Welt gehören.
Leider zerbröckelt der Sandstein beim tropischen Klima, welches in Kambodscha herrscht. Mit viel Liebe zum Detail arbeiten heute Wissenschaftler nun daran, die zauberhaften Kunstwerke zu erhalten. Heute ist Angkor Wat der Grund für viele Reisende, Kambodscha zu besuchen. Aber auch Mönche nutzen die Tempelanlagen weiterhin als Pilgerstätte.

Die Fakten
Das Gebiet ist mehr als 200 km² groß und beheimatet mehr als 1000 Gebäude, die unterschiedlich gut erhalten sind. Besucher überqueren beim Eintreten in die Tempelstadt einen 200m breiten Wassergraben, der die etwa 20.000 Einwohner im Mittelalter schützte. Wat bedeutet Tempel. Angkor Wat ist der Name des größten sakralen Bauwerks der Welt und bezeichnet nicht (wie häufig gedacht) die komplette Anlage.
Die Stadtmauern, zu denen der Graben führt, weisen eine Länge von 3 mal 3 km auf. Der Name der ehemaligen Hauptstadt ist übrigens Angkor Thom. Das Hauptmerkmal von Angkor Wat sind insgesamt fünf Türme, die in der Form von Lotusblüten gebaut wurden. Die Tempelanlagen sind ein kostbares Gut der Khmer und auch auf der Nationalflagge sind die Anlagen von Angkor Wat abgebildet. Nicht nur die Einwohner Kambodschas halten Angkor Wat für einen unglaublichen Schatz, denn auch die UNESCO hat den Tempelkomplex im Jahr 1992 zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Mythen
Wie viele alte Gebäude und kulturelle Güter, bringt auch Angkor Wat einige Besonderheiten mit sich, die viel Spielraum für Mythen und Geschichten lassen.
Angkor Wat als Grabstätte
Eine der Besonderheiten ist die Ausrichtung des Eingangs. Der Eingang wurde in Richtung Westen erbaut. Diese Himmelsrichtung steht symbolisch für den Tod, sodass Forscher vermuten, dass Angkor Wat ursprünglich als riesige Grabstätte erbaut wurde.
Das Leben nach dem Tod
Warum diese Tempel überhaupt gebaut wurden, ist vielleicht ganz einfach zu erklären. Verschiedene Könige regierten das Reich der Khmer über Jahrhunderte und diese hatten alle ein Ziel: Nach dem Tod mit dem Gott ihres jeweiligen Glaubens zu verschmelzen (die meisten waren Hinduisten). Um diesem Ziel ein Stück näher zu kommen, errichteten die Könige Tempel als Paläste für die Götter. In den meisten Fällen wurden die Temple Shiva gewidmet. Interessant ist aber besonders, dass die meisten Könige neue Tempel errichteten, statt die Tempel ihrer Vorgänger zu vollenden, denn sie wollten sichergehen, dass ihre Verschmelzung nach dem Tod gewährleistet ist.

Der Urozean
Die großen Wasserbecken in Angkor dienten vor allem als riesiges Wasserreservoir für die einstige Bevölkerung. Symbolisch gesehen sollten die Spiegelungen der einzelnen Tempel im Wasser für den Urozean stehen.

Die Symbole
Angkor Wat ist das wohl beste Beispiel für den Baustil, in dem in der Angkor Zeit gebaut wurde. Symmetrische Formen, klare, exakte Linien und natürlich die 5 Türme, die als Symbol für den Berg Meru stehen. Alle Tempel in der Anlage Angkor haben eines gemeinsam, sie beinhalten diesen einen Turm als Symbol für den Berg Meru (Weltenberg im Zentrum des Universums). Die Zahl 4 findet sich in allen Bauwerken wieder, denn diese Zahl ist im Hinduismus von besonderer Bedeutung, da sie für absolute Vollkommenheit steht.

Angkor Wat

Autorin Naike Juchem


Etwa eine Million Menschen haben im Mittelalter in der Tempelstadt Angkor gelebt. Es war einmal eine große Stadt, deren Mitte durch die Tempelanlagen Angkor Wat gekennzeichnet wurde. Das gesamte Areal wird heute als Angkor Park bezeichnet und umschließt ein riesiges Gebiet, das einige Kilometer entfernt der Stadt Siam Reap liegt.


Im 15. Jahrhundert verließen die Khmer ihre heiligen Tempelanlagen, die von den Göttern regiert wurden. Aber erst vor ungefähr 150 Jahren fanden die Franzosen die versunkenen Tempelanlagen wieder. Mitten im Dschungel von Kambodscha lächeln Figuren von den Steinwänden des Angkor Wat, die zu den größten Sakralbauten der Welt gehören.


Leider zerbröckelt der Sandstein beim tropischen Klima, welches in Kambodscha herrscht. Mit viel Liebe zum Detail arbeiten heute Wissenschaftler nun daran, die zauberhaften Kunstwerke zu erhalten. Heute ist Angkor Wat der Grund für viele Reisende, Kambodscha zu besuchen. Aber auch Mönche nutzen die Tempelanlagen weiterhin als Pilgerstätte.


Die Fakten

Das Gebiet ist mehr als 200 km² groß und beheimatet mehr als 1000 Gebäude, die unterschiedlich gut erhalten sind. Besucher überqueren beim Eintreten in die Tempelstadt einen 200m breiten Wassergraben, der die etwa 20.000 Einwohner im Mittelalter schützte. Wat bedeutet Tempel. Angkor Wat ist der Name des größten sakralen Bauwerks der Welt und bezeichnet nicht (wie häufig gedacht) die komplette Anlage.


Die Stadtmauern, zu denen der Graben führt, weisen eine Länge von 3 mal 3 km auf. Der Name der ehemaligen Hauptstadt ist übrigens Angkor Thom. Das Hauptmerkmal von Angkor Wat sind insgesamt fünf Türme, die in der Form von Lotusblüten gebaut wurden. Die Tempelanlagen sind ein kostbares Gut der Khmer und auch auf der Nationalflagge sind die Anlagen von Angkor Wat abgebildet. Nicht nur die Einwohner Kambodschas halten Angkor Wat für einen unglaublichen Schatz, denn auch die UNESCO hat den Tempelkomplex im Jahr 1992 zum Weltkulturerbe erklärt.


Die Mythen

Wie viele alte Gebäude und kulturelle Güter, bringt auch Angkor Wat einige Besonderheiten mit sich, die viel Spielraum für Mythen und Geschichten lassen.
Angkor Wat als Grabstätte
Eine der Besonderheiten ist die Ausrichtung des Eingangs. Der Eingang wurde in Richtung Westen erbaut. Diese Himmelsrichtung steht symbolisch für den Tod, sodass Forscher vermuten, dass Angkor Wat ursprünglich als riesige Grabstätte erbaut wurde.
Das Leben nach dem Tod
Warum diese Tempel überhaupt gebaut wurden, ist vielleicht ganz einfach zu erklären. Verschiedene Könige regierten das Reich der Khmer über Jahrhunderte und diese hatten alle ein Ziel: Nach dem Tod mit dem Gott ihres jeweiligen Glaubens zu verschmelzen (die meisten waren Hinduisten). Um diesem Ziel ein Stück näher zu kommen, errichteten die Könige Tempel als Paläste für die Götter. In den meisten Fällen wurden die Temple Shiva gewidmet. Interessant ist aber besonders, dass die meisten Könige neue Tempel errichteten, statt die Tempel ihrer Vorgänger zu vollenden, denn sie wollten sichergehen, dass ihre Verschmelzung nach dem Tod gewährleistet ist.


Der Urozean.

Die großen Wasserbecken in Angkor dienten vor allem als riesiges Wasserreservoir für die einstige Bevölkerung. Symbolisch gesehen sollten die Spiegelungen der einzelnen Tempel im Wasser für den Urozean stehen.


Die Symbole

Angkor Wat ist das wohl beste Beispiel für den Baustil, in dem in der Angkor Zeit gebaut wurde. Symmetrische Formen, klare, exakte Linien und natürlich die 5 Türme, die als Symbol für den Berg Meru stehen. Alle Tempel in der Anlage Angkor haben eines gemeinsam, sie beinhalten diesen einen Turm als Symbol für den Berg Meru (Weltenberg im Zentrum des Universums). Die Zahl 4 findet sich in allen Bauwerken wieder, denn diese Zahl ist im Hinduismus von besonderer Bedeutung, da sie für absolute Vollkommenheit steht.

Der Genozid der Roten Khmer

Autorin Naike Juchem

Drei Jahre, acht Monate und 20 Tage dauerte die Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha. 1979 marschierten Truppen in Kambodscha ein und beendeten die Zeit der Roten Khmer.

Wir alle kennen die Gräueltaten der NS Zeit in Europa. Wir alle sind Fassungslos über Euthanasie-Programme bis hin zu den bekannten KZ-Lager. Was die Rote Khmer am ihrem eigenen Volk tat, ist an menschlicher Grausamkeit nicht zu überbieten.

In drei Jahre, acht Monate und 20 Tage wurden in Kambodscha zwischen 1,8 und 2,5 Millionen Menschen ermordet. Zahlen  von inländischen Organisationen gehen sogar bis 3 Millionen! So genau kann es niemand sagen.
40 Jahre nach dem Genozid mit über 300 sogenannten Killing Feelds werden immer noch Massengeäber gefunden.

Oppositionelle, Lehrer, Richter, Intellektuelle… wurden grausam ermordet.
Die Rote Khmer katapultierte das einst reichste Land in Südostasien in nur drei Jahre, acht Monate und 20 Tage ins Mittelalter zurück.

Warum ich dies nun schreibe? Ich war als junger Mensch ab 1990 in Kambodscha in der Humanitären Hilfe und erlebte einen Alptraum an Alphabetismus der astronomisch war. Da wir mit einem Internationalen Team für Wasserbau in diesem Land waren, blieb es nicht aus, irgendwann auf ein Massengrab zu stoßen.  In der Provinz Takeo stieß ein Team von unserer Organisation auf ein solches Grab. Es war ein Grab mit „nur“ 36 Menschen.
Kambodscha zählt heute noch zu den ärmsten Länder der Welt. Bauern haben ein Jahreseinkommen von ungefähr 200 US-Dollar. Kinder werden für dieses Geld, heute noch, verkauft. Den Eltern wird vieles versprochen und dies wird NIE eingehalten! Die Kinder werden in den Touristenzentren von Thailand in die Prostitution gezwungen oder zum betteln. Damit die Kinder mehr Geld erbetteln, wird vor Verstümmelungen von den Schlepper nicht zurück geschreckt.

Naike Juchem, 26. April 2021