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Inhaltsangabe über die Hintergründe in der humanitären Hilfe in Südostasien

Inhaltsangabe über die Hintergründe in der humanitären Hilfe in Südostasien

Teil I
Der Roman beginnt im Sommer 89 am Bostalsee und Endet im Oktober 2007 in Kabul.
Am Bostalsee trifft Hannes, Patricia Lefévre aus Thionville. Mit ihr beginnt ein Roadtrip vom Saarland über Lothringen an die Côte d’Azur. In Avignon verliebt er sich in Patricia.
In einem Haus in Fréjus, welches eine Mischung aus Museum, Kathedrale und Palast ist, erleben beide die Liebe auf eine nie dagewesene Art.
Nach einem wunderschönen Sommer mit Patricia, wird er mit gerade 19 Jahren mit der Nachricht konfrontiert, dass Patricia an Leukämie erkrankt ist und entscheidet sich trotz dieser Krankheit für die Liebe seines Lebens.

Teil II
Seine Liebe zu Patricia bringt ihn im Januar 1990 in die humanitäre Hilfe nach Kambodscha. Dort wird die Katastrophalelage durch den Genozid der Roten Khmer von 1975 bis 79 an geschätzten 2,5 Millionen Menschen sichtbar und ein Alptraum aus Krankheit, bitterste Armut und einer astronomischen Zahl an Analphabetismus wird Realität.

Mit einem internationalen Team wird unter Hochdruck gegen Mangelernährung, Hepatitis-E und Kindersterblichkeit gearbeitet. Während Patricia in Phnom Penh über den US-Geheimdienst alle ihr bekannten Hilfsorganisation anschreibt, schafft sie ein Ärzteteam aus der Schweiz in die tropischen Wälder der Provinz Svay Rieng um das schlimmste abzuwenden.

Die Uneinigkeit der Weltgemeinschaft in Form der UN und ASEAN Staaten sorgt darüber hinaus für eine völlig instabile Entwicklung des Landes unter der die Zivilbevölkerung am meisten leiden. Die Ohnmacht gegen Politik und den immer noch anhaltenden Terror der Roten Khmer, macht humanitäre Hilfe zur Lebensgefahr. Hannes steht plötzlich zwischen Militär, Politik und humanitärer Hilfe – er muss sich zwischen den Forderungen von Major Bourey Duong oder der Ausweisung aus dem Land entscheiden.

Sein Traum: Bildung für Kinder, scheint an der Langsamkeit von UNICEF und dem Mangel an Lehrer zu platzen.
Auf Heimaturlaub, im April 90, wird Hannes mit Rassismus, Mobbing und Obdachlosigkeit konfrontiert, was für den Dorfjungen aus dem Nahetal bis dato fremd war.

Zurück in Kambodscha braucht er die Unterstützung vom Militär um seinen Traum weiterzuführen. Sein Chef in Reims schafft es, dass Hannes Geld für den Aufbau von Schulen vom französischen Außenministerium bekommt.
Im Juni 1990 wird mit dem Bau der ersten Schule nach dem Genozid der Roten Khmer in der Ortschaft Kampang Rou begonnen und an Weihnachten bekommen Patricia und Hannes die „Lefévre School“ als Geschenk.
Bildung für Kinder ist das eine, Infrastrukturen und Nachhaltige Projekte für tausende Menschen zu schaffen, das andere. Und immer wieder scheitert vieles an Geld. Welches Land oder Organisation kann und wird Geld geben? Hannes erlebt Weltpolitik an der Basis und sieht täglich die „Kollateralschäden“

Mit Patricia baut er 1991 ein Haus in Nakhon Ratchasima. Thailand wird ihre Heimat für fast zehn Jahre.

Die UN ist ab Frühjahr 1992 in der Vorbereitung der größten Friedensmission in der Geschichte dieser Organisation, während in Kambodscha immer noch Menschen sterben.
Über Wasserbauprojekte seines französichen Arbeitgeber bekommen wenigstens hunderte Menschen Lohn und Arbeit. Mit seinem internationalen Team muss Hannes weiter Infrastrukturen unter Hochdruck schaffen, damit nicht noch mehr Menschen verhungern.

Im Sommer 1993 plant Hannes mit seinem Freund und Geologe, Claude Moreau, ein noch nie dagewesenes Trockenfeldanbau Projekt im Osten von Kambodscha, um der Lebensmittelknappheit irgendwie entgegen zu wirken. Hannes schreibt ein Dossier für sein Projekt, denn er braucht eine Million US-Dollar um dies umzusetzen. Der Leiter von der UN Food and Agriculture Organisation in Phnom Penh zerreißt förmlich sein Dossier.
Die Agraringenieurin Sylvie Morel von „Action contre la Faim“ sucht Hannes über Wochen in Kambodscha, um sich mit ihm zu treffen.

Neben all den Sorgen um Lebensmittelknappheit hat er seit drei Jahren den Gouverneur der Provinz Svay Rieng als Gegner. Über die UNTAC Friedensmission bekommt Hannes Hilfe von einer Italienerin, die mit nur einem Telefonat den Haushalt der Provinz Svay Rieng einfriert. Im ersten Moment ist dies für Hannes ein guter Schachzug, auf der anderen Seite wurde ihm bewusst, dass er damit zum Ziel aus Macht, Gier und Korruption wird. Die Angst vor einem gezielten Terroranschlag gegen sich, wird im klar, als er Maona Sokthat in einer Markthalle in Svay Rieng trifft.


Teil III
Mit Beginn des neuen Jahrtausend verliert Patricia den Kampf gegen Leukämie und Hannes den Sinn am Leben.
Durch die jahrelange Freundschaft zu Hattie Walker, wechselt Hannes zu ihrer Organisation in den USA und wird Head Leader Security Chief.
In Kriegsgebieten von Westafrika über Nahost bis Afghanistan schafft er mit seinem Bodyguard, Marcel Chevalie, Sicherheit für Mitarbeiter internationaler Firmen und Korrespondenten aus aller Welt. Terror erlebt er und sein Team hautnah in Dschalalabad und in den Bergen bei Khost. Das PRT in Khost ist in höchster Alarmbereitschaft. Satelliten die von Ramstein aus gesteuert werden suchen eine Taliban Gruppe von 20 bis 40 Terroristen aus Pakistan, die mit einem Dutzend Raketenwerfer seit zwei Wochen in dem Gebiet zwischen Hindukusch und Pakistan unterwegs sind und am Khost-Gardez-Pass am Nachmittag einen ihrer Raketenwerfer „getestet“ haben.

Hannes muss schnellstmöglich Journalisten und Zivilisten aus diesem Gebiet schaffen – nur wie? Die International Civil Aviation Organization in Montreal verhängt am gleichen Tag ein Flugverbot für den Südosten von Afghanistan. NATO AWACS Flugzeuge konnten nicht mehr finden, als die Satelliten der US-Air Force. Sein uneingeschränktes Vertrauen zu Marcel Chevalier, seinem Freund, Bodyguard und wohl besten Scharfschütze auf diesem Planeten, gibt ihm die Gewissheit die Rückreise nach Kabul anzutreten.
Mit gepanzerten Fahrzeugen fährt er mit den beiden Scharfschützen, Marcel und Oliver, der Terrorgruppe entgegen.

Die Bildung an und für Kinder ist ihm – trotz seines neuen Jobs, immer noch wichtig. Im Februar 2007 trifft er durch Zufall Nila Khalil, eine Schulleiterin einer Mädchenschule in Gardez. Mit Nila erlebt er die Abgründe eines veralterten Weltbild von Männer in den Bergen von Afghanistan. 32 zwangsverheiratete, misshandelte, gefolterte und traumatisierte Kinder stehen vor ihm. Er setzt sich sofort ein um Hilfe zu beschaffen.
Zwei Wochen später wird in seinem Beisein in Istanbul eine internationale Hilfsorganisation für Notleidende und Traumatisierte Kinder in Gardez und Khost gegründet. Hannes wusste bis dato nicht, wie weitreichend sein Name und seine Arbeit aus Kambodscha in den USA, Europa und Australien ist. In vier Tagen wurde „Help for Gardez“ geschaffen. Die Neugegründete Hilfsorganisation verfügt über ein Startvermögen von einer Halben Million US-Dollar.

Mit der freundschaftliche Unterstützung von Major Roger Juarez im PRT in Khost gelingt der Aufbau eines Frauenhauses an einem geheimen Ort zwischen dem Khost-Gardez-Pass und Pakistan.

Im April 2007 wird er mit der Zuneigung von Nila konfrontiert. Kann er sich jemals wieder in eine Frau verlieben? Mit Nila als Schulleiterin und Direktorin der Neugegründeten Hilfsorganisation könnte er zurück zu seinen Wurzeln.
Auch wenn er für Afghanistan wenig empfindet, die Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit der Menschen, deren Sehnsucht nach Frieden ist, lässt ihn zweifeln wo seine Heimat sein wird.
Kann eine Liebe gegen den allgegenwärtigen Terror bestehen?

Teil II Kapitel 34

Kurzurlaub auf der Insel Koh Rong Sanloem

Nach fast einer dreiviertelstunde Aufenthalt ging die Fahrt weiter. Patricia fuhr schweigend aus Phum Chamiāng
Chrey raus. Hannes kannte diesen Gesichtsausdruck bei ihr, um zu wissen, dass sie am denken war.
Hannes blätterte in den Notizen von Hudson und schrieb die Informationen die er von Quang bekommen hatte auf der Seite 28 hinzu.

Die Landschaft glitt an ihnen vorbei und man sah durch das Autofenster staubtrockene Felder und nach einigen Kilometer wieder eine saftige Flora. Wie konnte sich die Vegetation auf wenigen Kilometer so krass ändern? In Takeo waren Seenplatten und alles saftig grün. Dann kamen wieder Quadratkilometer wo der Boden vor Trockenheit riss.

„Ma Chérie?“ „Hmmm?“ „Auch in diesem Gebiet gibt es in den kleinen Ortschaften keine Schulen.“ „Ja. Und keine Lehrer, kein Geld und keine Stabilität. Ich sprach über das Geld mit Quang. Er bekommt nicht regelmäßig seinen Lohn und was ich aus dem Gespräch und Reaktion mitbekommen habe, scheint er auch Schulden zu haben. Die Menschen verschulden sich wegen lächerlichen 200 US-Dollar.“ „Für uns lächerlich. Für viele Menschen in Kambodscha ein Jahresgehalt. Wenn das Geld schon für  ein Heft oder Bleistift fehlt, kann man noch nicht einmal etwas Bildung vermitteln. Unsere Idee mit den Tafeln von vor 3 Jahren hat sich bei uns in der Provinz sehr gut durchgesetzt. Wenn ich im nächsten Jahr mit Levi für das Bildungsministerium arbeite, müssen wir unsere Reformen noch weiter ausbauen.“ „Patricia, Reformen sind gut, nur was willst du ohne Lehrer und vor allem ohne Regelmäßige Einkünfte erreichen? Seit drei Jahren bist du bei UNICEF. Seit drei Jahren suchst du händeringend nach Lehrer. Wie viele hast du bekommen? Wie willst du mit deinem Team von 23 Lehrer gegen einen Analphabetismus von über 4 Millionen Menschen ankommen? Wieviele Schulen habe ich als „School Project Manager for Cambodia, Department of Construction and Infrastructure“ geplant? Lächerliche 5 Schulen! Patricia, diese tolle Auszeichnung von Laureen kannst du dir einrahme und ins Gästeklo hängen. Selbst wenn ich alte Schulgebäude restaurieren oder modernisieren würde, bringt dies recht wenig, wenn keine Lehrer kommen. Sei doch mal ehrlich, was würde ich den Tag über arbeiten, wenn ich damals auch zu UNICEF gegangen wäre?“
Patricia sah ihn vom Fahrersitz aus traurig an „Ma Chérie, du hast recht. Wir stehen täglich vor dieser Ohnmacht und tun unser Bestes. Ich werde auch mal mit Ilaria reden, vielleicht gibt es über UNTAC Geld für Bildung. Eine Friedensmission in diesem Umfang, muss doch mehr können.“ „Was soll über die größte Friedensmission in der Geschichte der UN kommen? Die Pfeifen im Rathaus in Svay Rieng hast du zum Glück nicht persönlich kennengelernt. In Paris hatte ich Dr. Kohl und Dr. Kinkel ganz klare Worte gesagt. Deutschland könnte ja auch mal den Kontakt zu mir aufnehmen und fragten wie man Geld sparen könnte. Stattdessen wird für das Hospital in Phnom Penh ein Ultraschallgerät für 500.000 Mark gekauft. Hustensaft und Penicillin wäre billiger gewesen – und es würde Hunderttausend Menschen helfen.“ „Wo wir beim Thema wären. Ich war vorhin durch Phum Chamiāng Chrey gelaufen. Reto muss der WHO mehr Druck machen. Die Menschen brauchen medizinische Sofortmaßnahmen.“ „Wo wir wieder beim Thema wären. Die UN verbrennt viel zu viel Geld für Mitarbeiter, die offensichtlich die Bedürfnisse der Menschen nicht sehen.  Es sind über 21.000 UN Mitarbeiter über das UNTAC Mandat in Kambodscha, wo sind diese Leute?“ Patricia zog die Schultern hoch. „In den Städten oder Randgebiete sehe ich Fahrzeuge von der UN. Auf den Dörfer habe ich noch nie Fahrzeuge oder Mitarbeiter gesehen. Die Probleme die wir in Svay Rieng, Angkor Chey oder Kor An Doeuk haben, sind doch die gleichen wie in allen Provinzen von Kambodscha. In Prey Veng oder Oddar Meanchey läuft es recht gut und man sieht auch Veränderungen. Liegt es an dem Belgischen Kontingent oder an Sakngea Khin und Rangsey Choem?  Die beide Gouverneure haben genau so viel Korruption in ihren Provinzen wie andere auch. Wenn dein Vater kommt, möchte ich mit ihm zu Rangsey fahren und ihn mal fragen wie er die Struktur in seiner Provinz hält und wie bei ihn die Zusammenarbeit mit Belgien klappt.“
Patricia nickte „Bei so vielen Staaten, die in Kambodscha sind, kann die Korruption schon ganz oben anfangen.“ „Dies denke ich schon lange. Bei Staaten wie: Algerien, Argentinien, China, Ghana, Indien, 
Indonesien, Malaysia, Pakistan, Polen, Senegal, Thailand, Tunesien oder Uruguay habe ich so meine Zweifel, ob die sich durch den UNTAC Einsatz nicht ihrem eigenen Staatshaushalt aufbessern.“
Patricia streichelte seinen linken Arm und wusste nicht was sie sagen sollte. Diese Ohnmacht und Stillstand von fehlender Hilfe und Unterstützung war sehr frustrierend für beide.
„Ma Chérie, wir sollten mit Ilaria darüber reden. Sie kontrolliert doch die Finanzen in Kambodscha.“ „Ich gehe mal davon aus, dass ihr diese Umstände bestens bekannt sind. Eine Frau in einer so hohen Position bei dem UNTAC Einsatz kommt wohl kaum ohne Grund von Phnom Penh in ein Mittelklassehotel nach Svay Rieng gefahren. Ich denke auch, dass diese Umstände Coady bekannt sind. Die Weltbank gibt immerhin das Geld für all die Projekte und den Einsatz. Bei der Bank haben vielleicht zufällig Mitarbeiter die Projekte in Takeo und Kampot geprüft und die Fehler oder auch Korruption entdeckt. Coady weiß auch, dass bei ODHI alles glatt läuft. Vielleicht betrügen andere Staaten oder Firmen nicht so offensiv – oder es wird nicht geprüft, weil auch ihm Mitarbeiter fehlen. Wenn wir weiter darüber nachdenken, kommen wir wahrscheinlich in ein Universum an Korruption und Geldverschwendung.“
Patricia nahm seine Hand und gab ihm eine Kuss auf den Handrücken „Du hast recht. Lass uns dort helfen, wo und wie wir es können. Wir wenige können nicht die ganze Welt retten.“

In Kampong Trach fuhr Patricia an eine Tankstelle „Möchstest du weiter fahren? Wie weit ist es überhaupt noch?“
Hannes schaute auf die Michelin Straßenkarte „Vom Maßstab würde ich etwas über 120 Kilometer sagen. Dann fahre ich nun weiter. Du bist heute schon viel gefahren.“ „Es ist kaum zu glauben, dass wir in Europa bessere Straßenkarte gekauft haben, als die die es hier in Kambodscha oder Thailand zu kaufen gibt.“

Mit zwei Tüten Obst kam Patricia vom bezahlen zurück und setzte sich auf dem Beifahrersitz.
Die Ananas war fruchtig und süß. In Asien wird oft das Obst geschält und geschnitten und anschließend in einer Tüte verkauft. Mit einem langem Holzstab pickt man in die Tüte und nimmt sich Stück für Stück heraus. Es ist zwar ein guter und günstiger Reiseproviant, aber das Müllproblem wird somit nicht weniger. Tüten gibt es zu allem und jeden – ob nun Sinn oder Unsinn: Hauptsache Tüte.

Nach Kampot fuhren sie auf der N3 am Golf von Thailand vorbei. Links der Straße war das Meer und rechts die Felsen.  Erinnerungen an den Sommer 1989, als sie an der Côte d’Azur waren, kamen hoch. „Ma Chérie, ich freue mich auf das Meer. Wir nehmen uns viel zu wenig Zeit für uns.
Ich habe heute morgen mit Maona ein Appartement bis Donnerstag gebucht, oder ist dir dies zu lange?“ „Donnerstag ist gut. Am Samstag kommen deine Eltern, dein Bruder, Annabell und Claude nach Thailand. Wir sollten am Freitag schon zu Hause sein. Wir habe nichts zu essen im Haus und müssten auch noch einkaufen gehen. Brot sollte ich dann auch noch backen.“ „Ich rufe Gaanchana an. Sie könnte die Tage schon einkaufen. Dann haben wir dies schon gespart.“ „Sehr gut. Dann kannst du sie fragen, ob Claude bei ihnen schlafen könnte. Er kann ja deutsch. Bei uns im Haus wird es für alle etwas eng.“

Um 16 Uhr kamen die Vororte von Sihanoukville in Sicht. Man sah, dass diese Stadt auf den Tourismus ausgelegt war. Sehr viel Werbung war auf englisch und französisch geschrieben. Sihanoukville war völlig anders als Svay Rieng. Hotels, Einkaufszentren, moderne Gebäude und die Straßen waren in einem erheblich besseren Zustand. In den armen Osten von Kambodscha verschlug es wenige Touristen.

Am Hafen parkte Hannes das Auto und beide gingen Hand in Hand mit ihrem Trolley-Koffer an der Promenade vorbei. Sie suchten nach einer Fähre, die sie auf die Insel Koh Rong Sanloem bringen könnte. Da diese Insel nicht mit Autos befahren werde konnte, blieb nur der Ausschau nach Personenfähren. Nach 300 Metern sah Patricia eine Werbung für die Überfahrten nach Koh Rong Sanloem.

Eine Gruppe ausländischer Touristen wartete bereits auf die Abfahrt.
An einem kleinen Häuschen kaufte Hannes die Tickets und fragte nach der Abfahrt der Fähre. „Um 17 Uhr fährt die Fähre los“ sagte die junge Frau vom Ticketverkauf.

Die Touristengruppe von 18 Personen war bunt gemischt. Von den Sprachen erkannten sie: Deutsch, französisch, italienisch und englisch. Es wurde sich in allen Sprachen irgendwie zusammen oder nur paarweise unterhalten, wer was in Kambodscha schon gesehen oder welche Erfahrungen man mit diesem oder jenem Hotel gemacht hatte. Oft wurde das negative angeprangert. Das Essen, die Unterkunft oder die schlechte Erreichbarkeit der Sehenswürdigkeiten.
Patricia verdrehte die Augen „Was denken diese Leute wo sie Urlaub machen; in der Toskana?“ Sagte sie auf khmer zu Hannes. Eine Frau, wie Hannes an der Unterhaltung mit ihrem Mann gehört hatte und offensichtlich aus Frankreich kam, schaute die ganze Zeit zu Patricia. Sie beobachtet sie regelrecht – wenn auch nicht provokant.

Es war 16.45 Uhr und bei einem Ehepaar mit ostdeutschem Dialekt fing die Hektik an, weil die Fähre noch nicht da sei und diese ja schließlich um 17 Uhr ablegen sollte. Patricia nahm die Hand von Hannes und gab ihm einen Kuss „Nicht hinhören,  ma Chérie, nicht hinhören.“

Der dickliche Mann mit sächsischem Dialekt ging mit strammen Schritt zu dem kleinen Häuschen wo man die Tickets kaufen konnte und sprach in seinem Dialekt mit der jungen Frau. Diese antwortete auf schlechtem englisch und französisch. Wie beide irgendwie und irgendwann auf einen Konsens der Verständigung kommen würden, war Hannes und Patricia nicht zu erklären.
„Wie blöd kann ein Mensch nur sein?“ Dabei fasste Hannes sich an den Kopf.
„Nicht hinhören, ma Chérie.“

In der Ferne sah Hannes ein längliches, circa 15 Meter langes Boot mit einer weiß- roten Bedachungen, ähnlich der Zeltüberdachungen vor dem ODHI Büro, auf die Anlegestelle zu kommen.
Die Frau in dem kleinen Häuschen zeigte mit dem Finger auf das Boot und der dickliche Mann war sichtlich beruhigt.

Ein Teil der Touristengruppe stürmte auf das Boot zu, als ob jeder den besten Platz haben wollte oder Angst hatte, die Fähre würde ohne sie ablegen.
Patricia und Hannes gingen als letzte an Bord und grüßten freundlich den Skipper auf khmer. Dieser lächelte freundlich und sagte, dass sie sich in die erste Reihe setzen könnten, denn je weiter hinten um so lauter wäre es.

Die zehnminütige Überfahrt in dem kleinen Boot war schon extrem laut. Der Zweitakter leistete im Vortrieb und Lautstärke ganze Arbeit. Das Meer war etwas unruhig und so hüpfte das 3  mal 15 Meter lange Boot über das Wasser. Die zwei Kinder vom der Französischen Familie hatten offensichtlich ihren Spaß, wenn die Gicht von den Wellen sie traf.

Der Skipper fragt sie, in welches Hotel sie auf Koh Rong Sanloem möchten. „Uns wurde das Sanloem Beach Resort empfohlen“ antwortete Patricia. „Sehr schön. Da habt ihr das schönste Hotel auf der Insel. Darf ich fragen, warum ihr so gut khmer könnt?“ Patricia erzählte dem Skipper warum sie in Kambodscha seien.
„Solche Menschen brauchen wir sehr dringend.“

Dung legte in Kaoh Rong Sanloem Khnong sein Boot längsseitigen an die Mole und wünschte ihnen einen schönen Aufenthalt auf der Insel.

An der Mole standen Männer mit Schilder auf denen in mehreren Sprachen die Namen der Hotels standen, um die Gäste dort hinzufahren.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen – dachte Hannes zumindest. Bis jetzt wusste das Ehepaar aus Sachsen nicht, dass er Deutscher war und dies sollte auch so bleiben.
Das Paar mit den zwei Kindern aus Frankreich, sie beide, vier Personen aus Italien und das Paar aus Sachsen wurden mit einem Vehikel, dass eine Mischung aus Golfauto und Pickup war, auf die circa 1.500 Meter anderen Seite der Insel gefahren.

Der Eingang zum Sanloem Beach Resort  war sehr Naturbelassen und äußerst gepflegt. Die Eingangshalle war an drei Seiten offen und auch hier sehr viel Holz und Sandstein verbaut. Über dem Gebäude war ein Dach in der Dimension von einem Fußballfeld. Daher konnte der Lobbybereich auch so offen gehalten werden. Die Luft vom Meer brachte eine angenehme frische und auch Sand mit. So war der äußerst schöne Steinfußboden mit Sandstaub bedeckt, was dem Flair von Naturbelassenheit noch einen Punkt mehr gab.
Die Frau an der Rezeption fragte in einem perfekten englich und französisch nach den Namen der Gäste und wies auch gleich die Pagen an, den Gästen ihre Appartements zu zeigen. Sie erklären wann und wo es Frühstück, Mittag- und Abendessen gab. Selbst wer kein englisch oder französisch konnte, hätte ihr bei der sehr freundlichen Erklärung folgen können – bis eben jene zwei Personen aus Sachsen. Sofort fing der dickliche Mann an zu meckern. Seine Frau sagte ihm, dass die Erklärungen der Frau doch verständlich waren. Patricia grinste zu Hannes „Nicht hinhören, ma Chérie.“
Sofort drehte sich die mitte 30-jährige Französin zu ihr um, die schon seit Sihanoukville immer wieder Patricia anschaute „Kommen Sie aus Frankreich?“
Beide nickten ihr zu. Die Frau war sichtlich erfreut, in Kambodscha noch jemand aus Frankreich zu treffen. Sie stelle sich als Nathalie und Pascal Clerc vor.

Hinter der Rezeption eröffnete sich eine Parkähnliche Anlage mit viel Rasen, Palmen und Sandsteinen. Es wurde hier und da ein Rundbogen, eine Mauer oder Gebäude nachgestellt – eine Anlehnung an Angkor. Hannes ging sofort das Herz auf.

Das Paar aus Sachsen wurde von ihrem Pagen nach links zu den Gebäuden geführt und Hannes sprach ein Stoßgebet gen Himmel. Nathalie und Pascal Clerc hatten ihr Appartement 30 Meter vor ihnen und man verabschiedete sich für die nächste Zeit. Denn spätestens beim Abendessen würde man sich wieder treffen.

Wie Maona schon sagte, führte ein 20 Meter langer Holzweg zu ihrem Appartement. Das Haus war ungefähr 40 Quadratmeter groß und ein kompletter Holzbau. Das Dach war mit Tonschindeln gedeckt.
Der Page öffnete die Tür und wünsche ihnen einen schönen Aufenthalt.
Beide sahen in einen Raum, den man als Wohn-Esszimmer beschreiben könnte. Teakholz auf dem Boden und Wände, ein riesiger Ventilator an der Decke und links von der Eingangstür waren Fenstern von der Decke bis auf den Boden. Der Blick auf den Golf von Thailand war atemberaubend. Rechts von dem Raum war ein Bad mit gleichem Teakholz und weißen Fliesen. Der Kontrast von dem dunklen Holz und den Fliesen war wie bei ihnen in ihrem Bad in Thailand.
Das Schlafzimmer war im gleichen Stil wie das Wohnzimmer und hatte auch ein großes Fenster bis auf den Boden. Auch in diesem Raum war ein riesiger Ventilator an der Decke montiert. Zun Schutz gegen Moskitos hing ein riesiges Fliegennetz von der Decke. Man setzte in diesem Resort ganz klar auf eine Naturnahe Bauweise, denn es gab keine Klimaanlage, Pool oder sonstigen Schnickschnack.

Beide standen im Schlafzimmer am Fenster und schauten auf das Kristallklare Wasser direkt unter und vor ihnen. „Prinzessin, ich dachte das Hôtel Eiffel Trocadéro in Paris wäre schon der Hammer gewesen.“ Patricia gab ihm einen Kuss „Dachte ich auch. Hier weden wir nicht das letzte Mal gewesen sein. Ma Chérie, komm, wir gehen duschen. Es wird bald Abendessen geben. Wenn das Essen so ist, wie diese Anlage, lass ich mich auf die Auswahl der Speisen überraschen.“

Nach einer anstrengenden Fahrt von 350 Kilometer war duschen eine Wohltat. Die Liebe und der Sex unter einer Dusche im Golf von Thailand mit Patricia war mal wieder sehr schön.
Patricia räumte nackt den Koffer aus und verstaute die Kleider im Schrank. Hannes kam ins Schlafzimmer und sah durch die letzten Sonnenstrahlen die über das Meer kamen ihren unglaublich schönen Körper.  Der Anblick ihrer Silhouette in dem Gegenlicht war Erotik pur. „Oh Prinzessin, du bist so wunderschön.“ „Merci beaucoup, ma Chérie. Es kommt noch“, mit diesen Worten zog sie ihr rotes Chanel Minikleid ein.

Hand in Hand gingen sie den beleuchteten Steg von ihrem Appartement ans Ufer der Insel. Nun war auch die ganze Anlage in einem leicht gelblichen Licht getaucht. Hier an diesem Ort war das Paradies von Kambodscha. Die Sandsteinmauern, Bögen und Palmen wurden leicht angestrahlt und gaben der Anlage etwas mystisches und romantisches zugleich.

Als Hannes und Patricia in den großen, nach drei Seiten offenen Speisesaal traten, hatten sie alle Blicke der Gäste und Angestellten auf sich. Sie gingen am Buffet vorbei und was sie sahen, war mehr als beeindruckend. Sie beide kannten die Lebensmittelknappheit in Kambodscha – hier war davon nichts zu sehen. Fische, Garnelen, Muscheln, Hummer, Gemüse, Obst und Früchte waren auf 6 Meter Länge sehr schön und aufwändig arrangiert.

Ein Tisch neben Nathalie und Pascal war frei und so setzten sich beide zu ihnen. Sie waren Hannes und Patricia um Welten angenehmer als der Querulant aus Sachsen.
Die beiden Kinder von Nathalie tranken Limonade. Nathalie füllte ihnen nach und nach Wasser ins Glas. Die Limonade in Südostasien konnte man vor süße kaum trinken. Patricia grinste „Nathalie, bestelle doch Wasser mit Melone oder Pitahayastücke. Das schmeckt um Welten besser als dieses süße Zeugs.“ „Gerne. Ich kenne dies nicht.“
Patricia rief einen Kellner und bestellte 6 große Gläser Wasser mit Pitahaya.
Wie zu erwarten, tranken die Kinder, die sechs und acht Jahre alt waren, ihre Gläser in fast einem Zug leer. Patricia grinste und bestellte drei Minuten später gleiches noch einmal.

Gemeinsam ging man an das Buffet und Hannes und Patricia sagten den Franzosen welcher Fisch und Gemüse wie schmeckt.
Beim essen frage Nathalie warum sie beide sich so gut auskennen und auch noch die Sprache konnten. So erzählten sie den Clerc’s warum sie in Kambodscha seien.

Nach dem vorzüglichen Abendessen packte Patricia noch zwei Teller mit Obst und Früchten und saßen mit den Clerc’s auf der großen Terrasse von dem Hauptgebäude.

Patrick und Nathalie erzählten von ihrer ersten Woche Urlaub in Kambodscha und welche Eindrücke sie von diesem Land hatten. Immerhin wussten sie, dass sie nicht in der Toskana waren und es in Asien doch etwas anders sei als Europa. Schade, dass die beiden Herrschaften aus Sachsen dies nicht erkannten.
Hannes merkte das Nathalie ständig etwas sagen wollte, sie wusste offensichtlich nichts wie sie es formulieren könne. „Du Patricia, ich muss dich jetzt doch mal etwas fragen,“ kam es etwas schüchtern von ihr „seit ich dich im Hafen von Sihanoukville sah, bin ich mir sicher dich schon einmal gesehen zu haben. Du hast eine unglaubliche Ähnlichkeit mit einem Model aus der Zeitung. Ich sah vor unserem Urlaub im France Soir Fotos von einer Frau mit dem gleichen Kleid wie du es hast. Die Augen, Figur und selbst die Haarfarbe ist die gleiche. Da du vorhin sagtest, dass ihr in Kambodscha arbeitet, kann dies doch nicht möglich sein.“ „Doch. Ist möglich. Du meinst die Fotos im Jardin du Luxembourg in Paris. Das war ich und mein Mann.“ Die Clerc’s sahen sie Fassungslos an und so erzählten sie wie es durch Ivette zu diesen Fotos gekommen war. Patrick und Nathalie standen die Münder offen. „Wir sitzen hier in Kambodscha mit zwei Personen die den Ordre national du Mérite verliehen bekommen haben. Dies glaubt uns in der Heimat niemand“ sagte Patrick Ehrfürchtig.

Der Abend mit Nathalie und Pascal war sehr angenehm und man hätte sich gerne weiter unterhalten, aber die Kinder wurden langsam müde und die kleine Annick schlief schon auf dem Schoß von ihrem Vater.
Hannes bestelle an der Rezeption noch eine Flasche Reiswein für ihr Appartement.

Mit Patricia saß er auf dem kleinen Balkon von ihrem Appartement und sahen auf das schwarze Meer. Sie hatte ihre Beine auf seinen Oberschenkel liegen.
„Wir haben wieder einen so kleinem Balkon. Weißt du noch, wie wir in Avignon waren?“ Patricia streichelte seinen rechten Arm „Natürlich, ma Chérie. Es war unser erste gemeinsame Nacht und du hast dich sehr galant verhalten. Ich war auf Berührungen von dir vorbereitet und hätte auch irgendwie darauf reagiert. Irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen. In den vergangenen vier Jahren sind deine Berührungen immer noch Balsam für meine Seele. In Avignon hatten wir damals Roséwein und Käse – heute Reiswein und Obst. Wo werden wir noch überall auf dieser Welt solche Momente erleben? Komm, nun möchte ich die Momente von Sex mit dir erleben.“

Von Wellen geweckt

Der Wind brachte eine angenehme frische über das Meer. Die weißen Baumwollvorhänge bewegten sich leicht im Wind. Der Blick vom Bett auf das Meer um kurz vor 7 Uhr war faszinierend, grandios und atemberaubend. Beide waren wach und schauten durch das große geöffnete Fenster dem Tag entgegen.

Auf dem Weg zum Frühstücksraum, traten die Clerc’s kurz vor ihnen aus ihrem Appartement und man begrüßte sich herzlich.

Das Frühstück war eine Mischung aus europäischem und asiatischem Essen. Hannes bestelle sich wieder seinen geliebten Reisbrei mit Ingwer, Hähnchenfleisch und Ei. Patrick fragte ihn was dies sei und wie es schmeckte. Auch er und seine Kinder nahmen einen Teller Reisbrei. Der Kaffee war mal wieder mit Instantpulver zubereitet. In Asien tranken die Menschen morgens und auch sonst kaum Kaffee. Die Kinder wollten wieder Wasser mit Pitahaya haben. Hannes sagte, dass diese Frucht mit Vanilleeis noch mal so gut schmecken würde. Er würde später an der Rezeption fragte ob dies zu bestellen sei.

Da es am Morgen noch sehr angenehm war, wurde beschlossen die Insel zu erkunden. An der Rezeption lagen einige Karten von Sehenswürdigkeiten aus und wie man dies erreichen konnte. Nach Osten war ein Leuchtturm eingezeichnet und eine Art Festung. Dies wäre ein schönes Etappenziel und für die Kinder auch nicht all zu anstrengend.

Auf dem Weg zu dem Leuchtturm brachte Patricia den beiden Kindern, Annick und Andro, etwas khmer bei. Nathalie hörte aufmerksam zu und lernte auch einige Wörter.
Links oder auch mal rechts von ihrem Fußweg standen Geschütze mit Maschinengewehre und Haubitzen. Hannes erzählte Pascal, dass diese das Resultat eines noch nicht zustande gekommenen Waffenstillstandsabkommen mit Vietnam sei. „Mit Thailand hat man sich immerhin schon versöhnt.“ Pascal sah ihn völlig irritiert an. So erzählte Hannes ihm die politische Lage von Kambodscha.
„Was du mir erzählt, habe ich nie gewusst!“ „Woher auch? Kambodscha macht Werbung für den Tourismus – was auch wichtig für diese Menschen ist. Die Wirtschaft kommt langsam in Gang und trotzdem sieht man noch überall die Auswirkungen von dem Genozid der Roten Khmer. Du hast gestern Abend erzählt, wo und was ihr in Kambodscha gesehen habt –  dies ist das Kambodscha der Touristen. Wir erleben ein völlig anderes Kambodscha.“

An einer der Haubitzen, die mit einer Plane abgedeckt war, erzählt Hannes den Clerc’s welches Kambodscha sie täglich erlebten und wie sie dagegen ankämpften. Fassungslos hörten Nathalie und Pascal seinen Ausführungen zu.
Patricia beschäftigte die beiden Kinder einige Meter weiter, indem sie ihnen mit einem Stock in den Sand die Buchstaben vom Khmeralphabet schrieb. Was Hannes erzählte, sollten Kinder nicht unbedingt hören. Nathalie kämpfte sichtlich sehr oft mit den Tränen und Pascal sah ihn Fassungslos an. Als Hannes geendet hatte fragte Nathalie, wie sie so etwas aushalten könnten. „In dem wir uns den Luxus gönnen auch mal eine Auszeit zu nehmen. Andere Bilder, andere Landschaften und auch andere Menschen sehen. Wenn wir die Augen schließen sind die alten oder ständige Bilder da. Wir versuchen zu vergessen – ist aber nicht einfach.“

Gegen 11 Uhr wurde es immer wärmer und die Clerc’s waren froh im Hotel zu sein. „Wie haltet ihr diese Hitze aus?“ Fragte Patrick, als sie auf der Terrasse vor deren Appartement saßen. „Hier am Meer ist es doch sehr angenehm. Wo wir in Einsatz sind, siehst du bei Sandsturm keine 20 Meter weit. Du hast überall nur Sand – selbst in der Unterhose“, sagte Hannes.

Pascal wollte vieles von der Arbeit von Hannes wissen und hörte aufmerksam zu. Nathalie und Patricia verstanden sich auch sehr gut. So verbrauchte man die Zeit bis zum Mittagessen mit angenehmen Gesprächen.

Zum Mittagessen gab es wieder eine sehr große Auswahl an Fisch und Hummer.
Bei Hummer kann man sehr viel falsch machen, wenn man nicht weiß wie man diese Krustentiere aufbricht. Patrick und Hannes bestellten sich Hummer. Nathalie, Patricia und die Kinder entschieden sich für Fisch.
Die Frau von der Rezeption kam zu ihren an den Tisch und fragte ob bis jetzt alles zu ihrer Zufriedenheit sei. Dies konnten alle bestätigen. Sie sagte auch, dass sie Vanilleeis besorgt hätte. Hannes bedankte sich dafür und bestellte für die Runde Vanilleeis mit Pitahaya als Nachspeise.
Wie zu erwarten, hätten die Kinder in dieser Kombination von Eis und Frucht baden können.

„Wir sind so dankbar, euch getroffen zu haben. Was wir mit euch seit gestern Abend gelernt haben, ist unglaublich, lehrreich, faszinierend und interessant. Wie lange bleibt ihr hier im Hotel?“ Dabei sah Nathalie zu Patricia. „Bis Donnerstag. Dann geht es zurück nach Thailand.“
„Zurück nach Thailand? Ich stehe jetzt irgendwie auf dem Schlauch.“ Patricia erklärte ihr die komplizierten Umstände von ihrem Leben.
„Wahnsinn! Dies können wir uns gar nicht vorstellen“ sagte Nathalie, als Patricia ihr dies erzählte.“ „Apropos Thailand: wir werden über den Grenzübergang Cham Yeam fahren. Dann noch kurz zu Natthathida die Bestellung absprechen und danach ab nach Hause.“ „Wie du meinst, ma Chérie.“ Auf die fragende Blicke von Nathalie und Pascal sagte Hannes, dass er in Rayong noch schnell ein paar Bagger kaufen müsste.

Am Nachmittag lagen beide vor ihrem Appartement in den Hängematten und genossen den Wind vom Meer. Die frische Briese war wohltuend und so schliefen beide ein.
„Ma Chérie?“ Hannes wurde wach und sah zu Patricia die links von ihm in der Hängematten lag. „Komm, lass uns bis zum Abendessen noch etwas spazieren gehen.“

Da ihr Hotel auf der südlichen Seite der Insel lag, gab es dort wenig Ortschaften. 500 Meter weiter war ein anderes Hotel und das war eigentlich alles an Zivilisation. Sie gingen am Stand unter Palmen nach Westen. Die bewaldeten Hügel von Koh Rong Sanloem mit den Monumentalen Bäumen waren beeindruckend.

Nach gut eineinhalb Stunden Fußmarsch über die Insel kamen ihr Hotel in Sichtweite. Annick kam auf sie zugelaufen und begrüßen sie mit „Suostei.“ Patricia wuschelte ihr die Haare „Oh, du hast es behalten. Schön. Du könnst bald Lehrerin werden und mich unterstützen. Suostei ning thngai – heißt: hallo und guten Tag.“
„Suostei ning…“ „thn – gai“ ergänzte Patricia. „Suostei ning thngai“ wiederholte Annick. „Genau mein Engel. Suostei ning thngai.“
Annick wiederholte dies bis in die Halle wo die Rezeption war. „Suostei ning thngai“ sagte Annick der Frau an der Rezeption. Diese lächelte und gab ein „Suostei ning thngai“ an Annick zurück.
„Suostei ning thngai“ wurde auch der Koch hinter dem Buffet gegrüßt. „Suostei ning thngai“ sagte er und gab Annick ein großes Stück Ananas.
„Du siehst, wenn man eine fremde Sprache kann, sind die Menschen noch viel freundlicher zu einem“ sagte Patricia zu Annick.

Das Buffet war wieder atemberaubend aufgebaut und arrangiert. Hannes wusste gar nicht, was er heute Abend essen sollte. Der Koch empfahl ihm Haisteak mit Koriandersoße. „Das hört sich gut an. Dann mach mir dies bitte.“

Das Ehepaar aus Sachsen stand zwei Meter neben ihm und wusste nicht was es – oder besser er, essen sollte. „Immer dieser Fisch. Was gibt es hier schon zu essen? Fisch, Garnelen und wieder Fisch“ pampte er seine Frau an. Hannes wurde es jetzt doch zu blöd. Die Menschen in dem Hotel bemühten sich so sehr und alles war um das dreifache besser, als er es die letzten Jahre in Kambodscha gesehen hatte. Hannes nahm tief Luft und sah zornig zu dem Mann aus Sachsen „Was erwarten Sie auf einer Inseln in Südostasien? Jägerschnitzel mit Pommes? Dann bleiben Sie in Zukunft in Ihrem Sachsen. Herr Gott nochmal! Das hier ist ja nicht zum Aushalten! In diesem Land verhungern Menschen und Ihnen ist dieses unglaubliche Buffet noch nicht gut genug. Man muss sich für Sie schämen. Auch wenn die Kambodschaner Sie nicht verstehen – genörgel und gemotze versteht man in jeder Sprache.“
Nun war es raus und dies lauter als er es eigentlich wollte. Hannes drehte sich um, um für an den Tisch zu gehen, als er ein leichtes nicken von der Bedienung rechts von ihm wahrnahm. Sie durfte nichts zu den Gästen sagen – er schon.
Als er an den Tisch kam, hatte Patricia sein Worte bereits Nathalie und Pascal übersetzt. „Hast du gut gemacht. Die beiden sind seit fünf Tagen auch dort wo wir sind. Wahrscheinlich haben sie die gleiche Reise gebucht. Auch wenn ich kein deutsch verstehe, verstand ich sein genörgel. Da hast du recht, dies versteht man in jeder Sprache. Ich wusste gar nicht, dass du Deutscher bist“, sagte Pascal.

Mit hochrotem Kopf saß der Mann aus Sachsen schweigend mit seinem gegrillten Fisch an seinem Tisch.

Der Koch brachte sehr gekünzelt das Haisteak an den Tisch und verbeugte sich nach asiatischer Art mehrmals bei ihm. Er fragte ob alles nach ihrer Zufriedenheit sei. Hannes bestätigte dies „Es ist alles super schön hier. Das Essen, die Appartement und der Service sind super. Es tut mir leid, wenn mein Landsmann hier alles schlecht macht.“

Nach dem Abendessen brachte der Koch den Kinder noch eine große Portion Vanilleeis mit Pitahaya. „Suostei ning thngai“ sagte er lächelnd zu Annick.

Mit einem riesigen Teller an Früchte saßen sie mit den Clerc’s auf der großen Terrasse und sprach über dies und das.
Der Koch fragte ob er sich dazu setzten dürfte. Patricia schob sofort einen Stuhl zurück. Natürlich war von Samorn die erste Frage, warum beide so gutes khmer konnten. Patricia erzählte Samorn das gleiche wie einen Tag zuvor schon Nathalie und Pascal. Immer wieder verbeugte er sich vor ihnen und fragte was sie auf der Insel unternehmen wollten. „Nichts. Ausspannen und morgen mal die Insel in die andere Richtung erkunden.“ Patricia sagte ihm, dass sie heute zusammen am Leuchtturm waren.
„Fahrt morgen nach Westen, nach M‘ Pai. Dort ist eine wunderschöne Lagune.“
„Schön, und wie kommen wir dort hin?“ Fragte Hannes. „Wir haben ein paar Motorräder hier am Hotel. Wenn ihr wollt reserviere ich sie für euch.“
Patricia übersetzte den Vorschlag von Samorn ins französische. Nathalie und Pascal waren einverstanden.

Sex on the Beach

Der Morgen war wieder atemberaubend und der Blick auf Kristallklares Wasser war Balsam für die Seele. Patricia legte sich auf ihn und knabbert Hannes am Ohr.
„Ma Chérie“ hauchte sie ihm ins Ohr „lass uns schwimmen gehen – jetzt.“
Patricia zog ihn aus dem Bett und von dem kleinen Balkon sprangen sie nackt die eineinhalb Meter ins Wasser und schwammen morgens vor 7 Uhr im Golf von Thailand.
Nach 10 Minuten schwimmen waren sie in einer kleinen Bucht. Vor ihnen das Meer und hinter ihnen subtropische Wälder.
Nackt lagen sie im warmen Sand und die Wellen deckten sie zu. Patricia rollte sich auf ihn und küsste ihn lange. „Wir hatten schon viel und schönen Sex, aber noch nie an einem Strand.“

Der Gang zum Frühstücksraum war ein anderer als noch am Montag. Alle Angestellte vom Hotel verbeugten sich leicht vor ihnen. Dieses verbeugen war nicht die allgemein bekannte asiatische Art – es war respektvoll. Samorn hatte offensichtlich jedem der Angestellten die Identität von Patricia und Hannes erzählt.

„Das Königspaar kommt. Guten Morgen ihr beiden“ sagte Patrick als beide zu ihnen an den Tisch kamen.
„Patrick, wir sind immer noch die gleichen Menschen wie gestern Abend.“ „Ich weiß. Hannes und Patricia, ihr beide seid unglaublich cool, nett und hilfsbereit. Darf ich fragen wie alt ihr seid?“ „Beide 23.“
Es braucht eine Zeit bis einer der beiden Clerc’s die Sprache fand. „Wow! Wir haben euch um Jahre älter geschätzt. Respekt. Mehr kann ich nicht sagen. In eurem Alter hatte ich noch nicht einmal mal Staatsexsamen“, sagte Nathalie.
„Ich würde jetzt wohl auch noch in Metz Volkswirtschaft und Humanwissenschaft studieren. Nun unterrichte ich Kinder in den Provinzen Svay Rieng oder Prey Veng.“ „Warum oder“ fragte Nathalie.
So erklärte Patricia ihr auch dies noch während dem Frühstück.
„Lefévre School? Wow! Kein Wunder, dass sich die Menschen vor euch verbergen.“
„Quatscht. Das ist die asiatische Art und meine Schulen sind hier nicht bekannt.“
„Dies mag sein. Aber auch ich sah die Verbeugung der Angestellten und diese war bei euch eine andere. Dies könnt ihr auch nicht herunterspielen. Selbst der Mann aus Deutschland hat es bemerkt“, sagte Nathalie.

Mit zwei Motorräder und zwei Motorroller fuhren sie nach dem Frühstück nach M‘ Pai. Patricia hatte Annick vor sich auf ihrem Motorroller sitzen und Nathalie ihren Sohn. Die Männer fuhren die 125er Motorräder. Durch die Kinder auf den Motorroller fuhren sie nicht so schnell. Hannes fuhr links neben Patrick und fing an zu singen:Get your motor runnin‘
Head out on the highway
Looking for adventure
In whatever comes our way“

Pascal lachte und gemeinsam sangen sie

Yeah, darlin‘ gonna make it happen
Take the world in a love embrace
Fire all of your guns at once
And explode into space“

Die Frauen fingen laut an zu lachen und alle sangen: Like a true nature’s child
We were born
Born to be wild
We can climb so high
I never wanna die
Born to be wild
Born to be wild“

Sie fuhren durch den kleinen Ort Kaoh Rong Sanloem Khnong und alle vier sangen lauthalsBorn to be wild.“ Um die nächste KurveBorn to be wild.“ Die Leute an der Straße drehten sich nach ihnen um.

Nach unzähligen „Born to be wild“ singen, kamen sie an die Lagune von M‘ Pai.
Ihre 125 ccm Highway Boliden stellen sie oberhalb der Lagune in den Schatten und gingen 20 Meter hinunter zum Stand. Auch wenn es nur wenige Höhenmeter waren, hatte man von dem schattigen Parkplatz eine grandiose Aussicht über türkisfarbenes Wasser so weit das Auge reichte.

Am Strand der Lagune waren vielleicht 20 Personen. Eine Gruppe Jugendliche hatte 20 Meter weiter am Waldrand drei Zelte stehen. Patricia lachte und gab Hannes einen Kuss.
Arm in Arm gingen sie an dem kleinen Strand entlang und suchten sich einen Platz im Schatten.
Die Kinder wollten unbedingt ins Wasser.
Nach 2 Minuten waren sie alle in dem Badewannen warmen Wasser.
20 Meter im Wasser standen zwei Holzgestelle mit Schaukeln dran. Annick und Andro schaukelten ein wenig um dann mit kindlichem Schwung ins Wasser zu springen. Die Erwachsenen machten natürlich Wettkämpfe wer am weitesten sprang und am höchsten schaukelte.

Die Zeit mit Nathalie, Patrick und den Kindern verging sehr schnell und vom schwimmen, spielen und springen waren alle müde. Hannes hatte auf seiner 125er Höllenmaschine eine große Styropor-Box mit Eiswürfel, Trinkwasser und rote Pitahaya, Mangos und Ananas dabei. Im Schatten schnitt er die Schale von den Früchten ab und schnitt diese dann in Würfelstücke in die Plastikbecher.

Patricia lag mit ihrem Kopf auf seiner Brust und erzählte den Clerc’s wie sie beide sich vor vier Jahren beim campen auf einer Kuhweide kennengelernt hatten. Sie erzählte von dem Haus voller Magie in der Rue Jean Bacchi in Fréjus und von dem unglaublich teuren Saint-Émilion von 1943. Bei den Erzählungen von Patricia hatte Nathalie Tränen in den Augen. „Was für eine Liebe! Ihr habt eine Flasche Wein für 1.000 France getrunken?“ „Ja. Hatten wir. Nathalie, es wäre nicht das Geld gewesen. Ich wollte Peter das Geld geben – es waren die Momente! Dies kann man nie mit Geld bezahlen. Das Licht in unserem Schlafzimmer gibt es kein zweites Mal auf dieser Welt. Selbst Notre-Dame ist dagegen Farblos. Das kleine Haus von Peter ist ein Schloss, Kathedrale und Museum in einem. Der abgebrochene Sandstein links auf der vierten Stufe, das Gemälde von seiner Frau, die Stehlampe im Wohnzimmer rechts in der Ecke….“
„Oder der Brotkorb auf dem Tisch“ , sagte Hannes. „Oder der Brotkorb – genau. Tausende Details in diesem Haus ergeben ein Kunstwerk, wie ich es noch nie gesehen habe.“ „Ich kann mich nur wiederholen: was für eine Liebe.“ Bei den Worten von Nathalie kamen Patricia die Tränen.

Die Sonne kam um die Bäume und es wurde immer wärmer. „Kommt, wir fahren Essen. Wir laden euch“ , sagte Patricia.

Auf dem Rückweg nach Kaoh Rong Sanloem Khnong kamen sie an einer Bambushütte vorbei wo man essen konnte. Es war eine typische Straßenküche wie man diese in Südostasien ständig sah.
„Auch wenn ihr meint hier wäre es schmutzig, dies ist in Südostasien normal. Dafür ist das Essen umso besser.“
Patricia bestelle für alle gegrilltes Hähnchenfleisch, Fleischbällchenspieße von Schwein, Hähnchen, Rind und Fisch. Dann noch Quý Dāu Suppe. Dies ist eine Gemüsesuppe mit so ziemlich allem was es in Kambodscha gibt. Wahlweise kann man noch Fleischbällchen dazu bestellen. Patricia bestelle die Bällchen aus Schweinefleisch. Dann noch eine Schüssel Klebereis und natürlich Papaya Salat. Diesen in Standard und in der europäischen Version – also mit nur einer gestampften Chili.
Bei der europäischen Version von Papaya Salat bliesen Nathalie und Pascal die Backen auf. Patricia grinste breit „Dies essen die Kinder im Kindergarten – also eine sehr humane schärfe. Es ist bei dieser Hitze aber das beste Essen.“ „Wenn dies der Kindergarten ist, will ich nicht wissen was ihr esst“ sagte Patrick mit hochrotem Kopf. „Die Achterbahn“ lachte Hannes.

Nach dem Mittagessen von gut eineinhalb Stunden, tranken sie noch Angkor Beer im Schatten der Bambushütte.
„Und ich dachte immer man sagt: essen wie Gott in Frankreich. Was wir heute alles gegessen haben, war super lecker, Erfahrungsreich und scharf. Ich denke ich kann auch für Nathalie sprechen, wenn ich sage: ihr beide seid super cool und ihr habt uns in eine völlig andere Welt mitgenommen. Gestern und heute haben wir so viel gelernt, gesehen und vielleicht auch verstanden, warum ihr nicht mehr nach Frankreich zurück wollt.“

Teil II Kapitel 33

Pälsaar gebrodenes am Mekong

Die Büroangestellte und Einheimische hatten für den Abend drei große Zeltüberdachungen vor dem Büro aufgebaut. Zwei der Überdachungen
standen an den beiden längeren Seiten zusammen und eine Überdachung längs, so waren gute 50 Quadratmeter überdacht. Die 10 Tische mit je 4 Stühle waren sehr schön mit Blumen hergerichtet. Die Eisenstangen von den Überdachungen waren mit bunten Lichterketten dekoriert. Rechts in der Ecke stand eine Musikanlage und ein DJ spielte Popmusik aus Kambodscha.
Unter der längsseitigen Überdachung stand eine Theke für die Getränkeausgabe.
Zwei Garküchen, wie man diese in Asien von jeder Straßenecke kennt, standen etwas abseits. So auch der eineinhalb Meter große Rundgrill, den Cees vor 3 Jahren geschweißt hatte.

Aus Platzgründen bei der doch großen Zahl an Schwenkbraten, wurden die Kartoffeln auf den Grills der zwei Garküchen-Wagen gegrillt. Da man zwar in Asien auch Kartoffeln kannte, aber Grill- oder Ofenkartoffen in dieser Form unbekannt waren, wurden diese sehr skeptisch betrachtet. Gleiches galt bei der dicke von dem Schweinekamm auf dem Grill. Wie Hannes dies schon von seinen Nachbarn aus Thailand kannte, wurden auch hier wüste Spekulationen über jenes Grillgut diskutiert.
Melanie und Hannes beteuerten, dass dieses Fleisch in einer dreiviertelstunde fertig gegrillt sei. Von Unmöglich bis Utopisch war alles an Aussagen der Gäste dabei.

Am 10. Breitengrad stand die Frau vom Leiter der Weltbank in Kambodscha in Jeans und T-Shirt mit einer Bierflasche und einer eineinhalb Meter langen Gabel am Grill. Melanie drehte den Rost mal links- und mal rechts herum. Sie diskutiert mit den umherstehenden Personen wie wild „Ohleck, ihr hett doch gar keen Ahnung. Loss uus doch ähnfach mol mache. Schwengga mache kann ned eh jehra.“

Bei der geografischen Zuordnung von in Zwiebeln, Paprika, Pfeffer und Salz eingelegten Schweinekamm, hatten Melanie und Hannes so einige Differenzen – ob dies nun Hunsrücker Schwenkbraten oder Schwengga aus dem Saarland sei. Man einigte sich schließlich auf Pälsaar gebrodenes.

Coady brachte drei Flaschen Angkor Beer an den Grill und sah seiner Frau beim grillen zu.
„Schatz, lou moo loo wie scheen der Schwengga ess. Dat eh loo es weningstensch eh ordentlisches Stigg Flääsch. Ohleck, wie isch misch uff de Schwengga fraje. Hannes, eh loo hasch dau eh rischdisch goud Idee gehebt.“
„Dankeschön. So ab und an ein schönes Stück Fleisch aus der Heimat muss schon sein.“ „Awwer joh. Wat honn isch eh abbedit uff de Schwengga. Gugg mol wat der vor eh scheen Faab hott. Dat loo isss wie freja in Saarbregge off da Kerb. Wat ware dat noch Zeide.“
Coady sah seine Frau an, als ob diese eine extraterrestrische Sprache sprach. Hannes brüllte vor lachen bei seinem Gesichtsausdruck.

Melanies Schwegga und Hannes sein Hunsrücker Schwenkbraten waren fertig gegrillt und so gut wie alle Gäste standen mit ihren Teller um den Grill. Jeder wollte dieses sehr angepriesene Grillfleisch probieren. Die schmale Melanie packte sich gleich zwei Stücke von ihrem Schwegga auf den Teller und setzte sich freudig zu ihrem Mann, Patricia und Hannes an den Tisch. Melanie schaute sich immer wieder um „Unn wie?“ Fragte sie Bong, Hanang oder Sovanni. Rechts von ihr am Tisch saßen Bourey, Samnang, Maona und Yupa. „Unn wie?“ Melanie war an diesem Tag wie ausgewechselt. Sonst sprach sie in englisch, französisch oder khmer – an diesem Tag fast nur saarländisch.

Dirty Dancing um Mitternacht

Am Abend wollten die Frauen noch tanzen und Party machen. Patricia ging ins Appartement und brachte einen Stapel CD’s zum DJ. Mit Musik aus Frankreich, Deutschland, England und USA wurde getanzt, gelacht und Karaoke gesungen.
Da Hannes immer noch recht viele Schmerzen im Rücken und Steißbein hatte, belies er den Abend bei Bier und Gesprächen.
Paolo kam mit zwei Flaschen Bier zu ihm an den Tisch „Ihr seid schon eine mega coole Truppe. Was ich in Svay Rieng schon sah – war stark, hier wird noch einer draufgesetz. Ich freue mich hier arbeiten zu können.“ „Dankeschön. Wir können all diese Arbeit auch nur im Team bewältigen. Wir arbeiten viel und dann sollen wir auch feiern. Eigentlich war mein Grillabend bedeutend kleiner geplant. Ich wusste nichts von dieser großen Unterstützung und der schon beachtlichen geleisteten Vorarbeit. Eliane ist die Bürochefin und hat den gleichen Führungsstil wie wir anderen Teamleiter auch. So sind wir eine Einheit auf die jeder stolz ist. Paolo, ich bin auch sehr froh, dass du uns unterstützen wirst. Deine Gedanken und Ideen gefallen mir. Wenn du noch ein paar von deiner Sorte kennst, können sie sich gerne bewerben.“ „Hannes, die Jungs und Mädels mit denen ich studiert habe, lachten mich aus, als ich sagte ich gehe nach Kambodscha. Lass die in ihrer kleinen Welt und Steuerrechte neu schreiben.“ Hannes postete ihn zu „Kommt mir bekannt vor. Schau dir Patricia an. Sie hat das beste Abi in ihrem Jahrgang geschrieben und ist nun Lehrerin für Analphabeten. Sie und Levi werden im nächsten Jahr zur Hälfte für das Bildungsministerium arbeitet. Ihre hochnäsigen Schulfreunde halten sich alle für etwas bessere und sind trotzdem in ihrer Spießigkeit gefangen. Mich hatten sie im Sommer 1989 förmlich zerrissen. Der Deutsche der noch nicht einmal Abitur hat kommt ins Haus Lefévre.“ Paolo sah ihn fragend an „Dann war das doch nicht einfach nur ein Spruch von dir, als ich gefragt habe, was du studiert hast.“ „Nee, es war kein Spruch. Ich habe eine Handwerkliche Lehre im Tiefbau gemacht und kann auch Bagger fahren. So kam ich an ODHI. Wo ich heute bin, habe ich meinen Kollegen zu verdanken. Ich wollte den Job nie haben.“ „Verstehe ich jetzt nicht. Was ich von dir weiß und sehe, gehst du in diesem Job voll und ganz auf. Du machst es mit Herzblut und das spürt jeder. Als ich mit Ilaria im Rathaus war, sprach ich mit drei Mitarbeitern über dich. Jeder kennt dich und jeder achtet dich für das was du auf die Beine gestellt hast.“ Hannes lachte „Natürlich kennt man mich. Sangkhum ist zum Teil auch daran schuld. Ich bin auch nur so gut, wie die Leute, die mir helfen. Das ich Spaß an meinem Job habe, kann und werde ich nicht abstreiten. Der Nachteil an dem Job ist, dass ich Patricia manchmal zwei Wochen nicht sehe. Daher suche ich auch Leute, die mich unterstützen und ich einiges an Arbeit abgeben kann. Chenda und Hudson habe ich schon die Projektleitung für die Provinzen Kampot und Takeo gegeben. Ich werde dort zwar hinfahren und mir mit Chris ein Bild der Lage machen, aber den Rest sollen die beiden schaffen. Ich wollte Yupa für unser Büro in Svay Rieng haben – dies hat sich leider erledigt. Ich hätte Maona eingestellt –  dies hat sich leider auch erledigt. Ich kann nicht Bauprotokolle schreiben, Projekte 600 Kilometer weit entfernt betreuen und mich um 1000 andere Dinge kümmern. Auch wenn wir viele und sehr gute Team- und Projektleiter habe, sind wir immer noch zu wenige für all diese Arbeiten. Wenn dieses Staudamm Projekt bei Kampong Chhnang kommen sollte, brauchen wir auch noch gute Mitarbeiter. Woher soll ich die nehmen?“
Paolo sah ihn schweigend an.
„Ich hätte gerne Ilaria im Team. Ich kann sie aber auch verstehen. 10 Jahre bei der UN gibt man mal eben nicht einfach so auf.“  „Soll ich mit ihr reden?“ „Paolo, und dann? Sie muss entscheiden. Nächste oder übernächste Woche wird sie mit meinem Schwiegervater reden. Auch habe ich noch Hoffnung, dass ich über Maona noch ein paar Mitarbeiter bekommen kann. Vielleicht sind auch in Kampot oder Takeo noch ein paar fähige Menschen zu finden.“
„Die Welt ist schon verrückt! Alle tanzen und haben Spaß und du machst dir Gedanken um neue Mitarbeiter.“
Hannes nickte und postete Paolo zu „Genau.“

Nach Mitternacht änderte sich die Musikrichtung von Pop und Rock zu Lovesongs.
Die ersten Töne von Bill Medleys & Jennifer Warnes – The Time Of My Life, klangen aus den Boxen. Patricia kam auf Hannes zu und reichte ihm singend die Hände Now I’ve had the time of my life
No I never felt like this before
Yes I swear it’s the truth
And I owe it all to you
‚Cause I’ve had the time of my life…“

Es gab nichts schönes auf der Welt als mit dieser Schönheit zu tanzen. Mit Patricia vergaß er all die Sorgen um Mitarbeiter, Hepatitis-C oder ungelöste Fragen für sein Projekt überTrockenfeldanbau.
Hudson und Chenda tanzten eng umschlungen, genauso Melanie mit ihrem Mann. Paolo hatte sich den Abend über auffällig oft mit Ratanaa unterhalten und beide tanzten auch zusammen. Hudson und Chenda gaben die Berühmte Hebefigur aus dem Film Dirty Dancing zum besten und alle Gäste jubelten ihnen zu.

Eine Stunde spielte der DJ einen Lovesong nach dem anderen und immer mehr Paare tanzten zusammen.

Patricia wollte um 2 Uhr ins Bett und wünsche sich zum Abschluss das Lied von Jane Birkin und Serge Gainsbourg – Je T’aime,…Moi Non Plus.
Sie hatte ihren Kopf auf seiner Schulter und sang: Je t’aime, je t’aime
Oh oui, je t’aime
Moi non plus
Oh, mon amour
Comme la vague irrésolue
Je vais, je vais et je viens
Entre tes reins
Je vais et je viens
Entre tes reins
Et je me retiens…

Auf ans Meer

Der Morgen brachte die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster -es waren nur Sonnenstrahlen. Patricia lag in seinem Arm und er dachte an Fréjus. Vor fast genau vier Jahren hatten sie sich in einem Zimmer in der Rue Jean Bacchi  zum ersten Mal geliebt.
„1000 Farben sind auch ein rot“ sagte er leise. „Oui, ma Chérie.“ „Désolé, je ne voulais pas vous réveiller.“ „Du hast mich nicht geweckt. Ma Chérie. Die Nacht war schön mit dir. Je t’aime pour toujours. Was hast du diese Woche noch geplant?“
„Eigentlich nichts. Heute werde ich mit Asger, Cees und Sylvie noch die Vorarbeiten für die Felder besprechen. Alles andere ist so weit geplant oder hängt an Coady. Zum Glück lässt er mir nach seinem GO noch vier Wochen Zeit.“ „Dann lass uns ans Meer fahren. Weg von allem. Nur du und ich.“
Hannes küsste seine wunderschöne Frau und streichelte ihr die Haare aus ihrem Gesicht „Habe ich wieder laut Gedacht?“ „Non, ma Chérie. Es ist die Liebe die uns verbindet.“

Patricia stand in ihrem atemberaubenden Negligee am Fenster und sah auf den Hof vom Büro und musste grinsen „Ma Chérie? Das Frühstück ist schon vorbereitet. Die Party von gestern Abend geht weiter. Allez, on va prendre le petit déjeuner.“

Beide gingen Arm in Arm zu den anderen Gästen und Mitarbeiter vor das Büro zum Frühstücken. Einige ihrer Freunde und Mitarbeiter sahen etwas verkatert aus. Hannes erkundigte sich bei Bonahathavuth, wer hier im Gebäude übernachtet hätte. Zu seinem erstaunen waren es fast alle. „Na gut. Da die Garküchen sowieso hier sind und gestern doch mehr Schwenkbraten gegessen wurde, als ich dachte, essen wir nun was noch da ist. Wir warten auch nicht, bis alle wach sind. Ich denke, dies wird bei einigen länger dauern.“ „Dies glaube ich auch. Es war eine schöne Party. Vielen Dank.“ „Bonahathavuth, ich habe zu danken. Ihr habt euch so viel Mühe mit dem organisieren gemacht und alles sehr schön hergerichtet und dekoriert.“
„Dankeschön. Wir haben es gerne getan. Es kam nicht an die Party in Kampang Rou ran, denke aber, dass es jedem gefallen hat.“ „In Kampang Rou hatten fünfmal so viele Leute geplant und fast 40 Leute hatten sich um alles gekümmert. Das nächste Fest vor Weihnachten weden wir hier veranstalten. Die Teams aus dem Norden haben bis nach Kampang Rou viel zu weit zu fahren. In Kampang Rou werden wir hin und wieder kleine Feste feiern, aber kein Fest mehr für über 600 Mitarbeiter.“

Maona kam aus dem Gebäude und winke Patricia und Hannes zu. Mit ihr zu frühstücken war eine Wohltat. Ihre Gedanken zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren fundiert, sachlich und interessant.
„Ich werde heute mit Bourey ein Auto kaufen. Als Geschäftsführerin kann ich ja schlecht mit dem Taxi fahren.“ Hannes sah Maona irritiert an „Wie Auto?“ „Äh ja, Automobil – ist dir doch sicherlich ein Begriff. Ach so! Du zielst auf mein Bein ab. Ein Automatikfahrzeug kann ich fahren. Bourey leiht mir das Geld.“ „Okay. Wäre jetzt meine nächste Frage gewesen. Über das Kollektiv können wir auch Autos kaufen. Wenn wir mehrer Marktstände betreiben wollen, können wir diese schlecht mit einem Traktor beliefern. Da die KfW Bank auch Geld gibt, sollte es doch möglich sein drei oder vier Autos zu kaufen. Rede mit Coady darüber. Wer ist im Kollektiv überhaupt für die Finanzen zuständig?“ „Melanie Levis“ sagte Maona knapp „Sie ist auch zweite Vorsitzende. Steht alles im Protokoll.“ „Wow! Melanie? An sie hätte ich am wenigsten gedacht. Na dann ist die „Svay Rieng Agro-products Cooprrative“ in guten Händen. Entschuldige bitte, ich hatte gestern nicht viel Zeit um alle Protokolle zu lesen. Ich werde mir aber diese Woche die Zeit nehmen.“
Patricia boxte ihn „Non! Nur du und ich! Keine Protokolle und Bauberichte.“
Maona sah fragend zu Patricia und sie erzählte, dass sie beide heute noch ans Meer fahren würden. Hannes sah völlig entgeistert zu Patricia „Heute? War von heute die rede?“ Patricia boxte ihn wieder „Oui. Aujourd’hui. Nous allons à la mer aujourd’hui. Et pas de discussion.“ „Na gut, Prinzessin. Heute und keine Diskussion.“
„Ihr wollt ans Meer? Wohin?“ Beide zogen bei der Frage von Maona die Schultern hoch. „Dann fahrt nach Koh Rong Sanloem. Es ist eine Insel ungefähr 20 Kilometer vor Sihanoukville. Es ist wunderschön dort. Wir hatten unsere Hochzeitsreise dort hin gemacht. Ich kann euch gerne die Adresse von einem schönen kleinen Hotel geben. Sie haben kleine Appartement direkt am Strand und einige sind sogar vorgelagert. Um euch herum ist nur Wasser und der 20 Meter lange Holzweg.“ „Bitte Liebes, gib mir die Adresse. Dort will ich hin“ sagte Patricia.

Da Frau Lefèvre nun den Tag der Abreise und auch die Adresse bestimmt hatte, musste Hannes seine Besprechung doch zügiger durchführen. Warten war bei Patricia ein Fremdwort. Da Hannes auch keine Lust auf ständiges genörgel hatte, suchte er Asger, Cees und Sylvie auf. Bis auf Cees waren alle wach und auch beim frühstücken. Er wollte Cees nicht wecken, so besprachen sie zu dritt die Karten und markierten die vorgesehenen Felder.

Um 10.45 Uhr fuhr Patricia vom Hof des ODHI Büros in Kâmpóng Trâbêk mit Fahrtrichtung ins 300 Kilometer entfernte Sihanoukville. Da Hannes noch Schmerzen im Rücken hatte, überließ er Patricia das fahren. Er griff nach hinten und zog seine Aktentasche vor. Patricia sah ihn böse an. „Was? Ich lese nur. Du fährst und muss ja nicht mit dir auf die Straße schauen.“ „Dann lese ein Buch.“ „Mache ich doch.“ Patricia biss sich auf die Lippen. Sie merkte, dass er sauer war und sie schuld daran war. „Entschuldigung, ma Chérie. Der Ordner von Hudson ist schon gewaltig dick. Die Idee, sich als Journalist auszugeben war großartig.“ „Absolut. Hätte ich Hudson nie zugetraut. Durch seine „journalistische Arbeit“ hat er uns unglaublich viel Arbeit abgenommen. Ich überflog gestern seine Infos und was ich gelesen habe, ist hervorragend zusammengefasst.

Der Verkehr auf der N2 von Phnom Penh in Richtung Sihanoukville war wie überall in Kambodscha. Es fuhr oder bewegte sich alles auf dieser Fernstraße was Räder oder gar Hufen hatte. Bei den kleinen Ortschaften kamen Hühner, Hunde oder auch schon mal Rinder sehr gefährlich nah an die Straße.

អាហារដ្ឋាន បឹងធម្មជាតិ „ខេត្តតាកែវ

Um 12 Uhr war Patricia erst – oder schon in der Nähe von Takeo. Die Hälfte hatten sie geschafft. Die N2 lief an großen Seenplatte vorbei und hin und wieder standen Wegweiser für Restaurants an der Straße.  Kurz vor Takeo sagte Patricia, dass sie hungrig sei. Nach wenigen Kilometer kam wieder ein Wegweiser zu einem Restaurant. „អាហារដ្ឋាន បឹងធម្មជាតិ „ខេត្តតាកែវ, hört sich gut an. Sollen wir dort hinfahren?“ Hannes nickte.
Unter „Natur See Restaurant“ konnte man sich in Kambodscha alles vorstellen. Zu ihrer Überraschung war das Restaurant sehr idyllisch und auch recht gut gepflegt. Patricia parkte vor dem Restaurant und beide schauten sich um. Ihr Eindruck von diesem Restaurant bestätigte sich. Hand in Hand gingen sie zum Eingang von dem Natural Lake Restaurant.

Als Europäer wurden sie sofort überschwänglich begrüßt. Beiden schauten sich im vorbeigehen die Mahlzeiten der Gäste an.
„Sieht gut aus. Komm, ma Chérie, lass uns hier essen.“
Eine junge Mitarbeiterin von dem Restaurant versuchte auf englisch und französisch ihnen die Plätze in dem Hauptresraurant am Wasser anzubieten. Patricia sprach auf khmer, dass sie lieber eine Hütte abseits hätte. Die junge Frau lächelte noch mehr und führte sie zu einer der Dutzend kleineren Hütten am Seeufer. In Asien hat man sofort einen anderen Stand, wenn man die Sprache der Einheimische spricht. 

Ihre kleine Hütte hatte vielleicht 15 Quadratmeter. Der Dach war mit Schilf gedeckt und in den vier Ecken hingen Hängematten. Gegessen wurde auf dem Boden. Dafür lagen in einer Ecke einige Strohmatten. Hannes bestellte zwei Flaschen Bier, Fisch und Garnelen vom Grill. Als Beilage wollten sie Gemüse, Reisnudeln und Pilze.
Patricia legte sich sofort in eine der Hängematten „Ma Chérie, komm. Ist sehr bequem und tut deinem Rücken gut.“

Als das Essen kam, wollten beide gar nicht mehr aus den Hängematten. Dieses Restaurant war wirklich sehr schön und die Ruhe an diesem Ort tat beiden gut.

Das Essen war exzellent und reichhaltig. Hannes wäre gerne noch eine Stunde an diesem Ort geblieben. Da sie immer noch eine Fahrt von drei Stunden und eine Fähre vor sich hatten, wurde es Zeit zum Ausbruch.

Patricia fuhr durch Sala und kurz vor Phumi Kāmpông Chrey wechselte sie auf die N31. In diesem Gebiet würde er bald sein. Hannes sah nach links und rechts der Straße und hoffte, irgendwo einen Bagger zu sehen.
„Ich weiß was du denkst. Dann schau in den Unterlagen von Hudson. Diese halbe Stunde werden wir noch einplanen können.“ „Danke Prinzessin. Auf der Strecke kommt bald Banteay Meas, in oder an dem Ort muss es links ab nach Phum Chamiāng Chrey gehen.“
In den 76 Seiten umfassende Mappe von Hudson waren auch viele Landkarten im Anhang. Hannes faltete die Karte aus dieser Region auf, um sich einen Überblick zu verschaffen. Auf der Karte waren die Seiten 27 – 30 markiert. Hannes las und musste beim lesen feststellen, dass er sich mal wieder einen harten Brocken ausgesucht hatte.

Patricia kam an den Ort Banteay Meas und fuhr langsamer „Ich denke, bald wird es links abgehen.“ „Ja. Nach der Karte die vierte Piste links.“
Im Ort sah es genauso aus wie damals in Kampang Rou. Patricia fuhr links ab und holperte über die Piste nach Phum Chamiāng Chrey. Die Leute am Straßenrand schauten ihnen hinterher. Ein solches Fahrzeug habe die Menschen hier in der Gegend offenbar noch nie gesehen. Der SUV fiel alleine durch seine Größe und den vielen Lampen auf dem Dach auf.

Phum Chamiāng Chrey war ein kleiner Ort mit vielleicht 200 Einwohner. Hannes sah rechts an den Häusern einen Graben, wo die Wasserleitung verlegt wurde. Beim Anblick von dem Bagger, wichte er sich mit der Hand vor die Augen „Schau dir mal den Schrott an. Kennen wir alles schon.“ „Oui ma Chérie. Wie schnell bekommst du Bagger geliefert?“ „Natthathida sagte mir zwei Wochen zu.“ „Weiß sie schon bescheid?“ „Nur das wir Bagger brauchen. Aber noch nicht wann. Ich werde den Ratschlag von Hudson annehmen und ihr auch genauso die Bestellung schicken. Ich muss mal eben 2 Millionen US-Dollar für Baumaschinen ausgeben. Patricia, es ist kaum zu glauben, wir haben an die 80 Baumaschinen im Land und trotzdem zu wenig. Auch werde ich wohl einen 245er kaufen müssen. Ich las das Bauprotokoll von Cees. Bei diesen Felsen in seinem Abschnitt, kommen die kaum noch voran.“ „Cool! Den würde ich gerne nochmal fahren. Soll ich hier mal stehen bleiben?“ „Ja. Dann lass und als Touristen mal etwas Sightseeing machen.“ 

Die Befürchtung wird wahr

Gemeinsam gingen sie die wenigen Meter an die Baustelle zurück. Hannes begutachte den KOBELCO Bagger aus Taiwan. Der Bagger konnte vielleicht 6 Jahre alt gewesen sein – was für eine 13 Tonne schwere Baumaschine absolut kein Alter war, dieser Bagger war aber in einem sehr desolaten Zustand. Der 3 Jahre alte Bagger von Kosal sah dagegen aus wie gestern erst gekauf. „Na ja. Mit viel Pflege könnte die Maschine wieder werden“ sagte er zu Patricia. Hannes fragte die Bauarbeiter in einem nicht perfekten khmer nach ihrer Arbeit. Er wollte schließlich als Tourist angesehen werden. Die Bauarbeiter antworteten freundlich und bereitwillig was sie taten und wofür. Er fragte nach deren Verdienst und bei der Antwort stockte ihm der Atem. Selbst die Hilfsarbeiter bei ODHI hatten mehr Lohn. Der Vorarbeiter fragte Hannes wo er her kommen würde. „De l’Allemagne.“ „Oh! De l’Allemagne!“ Freudig sagte der Vorarbeiter, dass ihre Pumpen aus Deutschland kommen würden. „Das weiß ich“ sagte er auf deutsch, was der Vorarbeiter aber nicht verstand. „Oh! L ‚Allemagne? Gut! Gut!“ Gab Hannes ihm in einem französisch-deutsch-khmer als Antwort. Der Vorarbeiter würde ihm gerne die Pumpe zeigen. Er müsste aber 500 Meter weit laufen. „Dann gehen wir mal nach der Pumpen aus good old de l’Allemagne schauen“ sagte Hannes und machte dem Vorarbeiter ein Petzauge.
Patricia sagte, dass sie sich im Ort etwas umschauen würde und gab Hannes einen Kuss.

Auf dem Weg zu der Pumpe fragte Hannes den Vorarbeiter etwas aus. Wie seine Firma sei, wie viele Arbeiter diese hätte und wo die Firma ansässige wäre.
Mit 150 Mitarbeiter war die Firma schon recht groß. Das Büro und Zentrale wäre in Kampong Trach.

Stolz zeigte der Mann die Pumpe aus L ‚Allemagne und Hannes sah seine Befürchtung bestätigt – die Pumpe war viel zu klein. Nun war Hannes hin und her gerissen. Sollte er dem Vorarbeiter etwas von der Wahrheit sagen oder es lieber für sich behalten? Der Vorarbeiter machtet einen netten und freundlichen Eindruck auf ihn. „Darf ich fragen wie du heißt?“ „Ich heiße Quang Pham“ „Hallo Quang. Ich bin Hannes aus Deutschland. Ich kann khmer. Wir können uns vernünftig unterhalten.“ Quang sah ihn völlig irritiert an. „Tut mir leid, dass ich vorhin mit dir in einem schlechten khmer gesprochen habe. Quang, was ihr hier tut, ist faslch! Diese Pumpe wird nie das Wasser auf eure Entfernung schaffen zu pumpen.“
Immer noch sah Quang ihn völlig irritiert an. „Nun ja, ich mache in anderen Provinzen das gleiche wie ihr. Ich kenne die Pumpenfirma aus Deutschland. Ich erkläre dir nun die Typenbezeichnung dieser Pumpe.“ 

Beide saßen an dem Pumpenhaus, welches mehr Schuppen als ein ordentlisches Bauobjekt war und Quang hörte ihm aufmerksam zu, als er ihm die Zahlen auf dem Typenschild erklärte.
Mit einfachen Worten erklären Hannes ihm auch den Wasserdruck pro Kubikmeter auf den Durchschnitt der Wasserleitung.
„Warum erzählst du mir dies alles?“ „Weil ich Menschen helfen will. Weil ich Kambodscha helfen will.“ Quang nickte „Dies möchte ich auch. Daher arbeiten wir an der Wasserleitung für die Menschen.“ „Ich weiß. Aber so helft ihr den Menschen nicht. Es weden 15 Millionen US-Dollar von der Weltbank für dieses Projekt ausgegeben und am Ende ist trotz eurer Arbeit nichts erreicht. Das Geld ist weg und die Menschen haben trotzdem kein Wasser.“
Quang legte den Kopf zur Seite und sah Hannes lange an „Wer bist du? Du hast sehr viel Ahnung von unserer Arbeit und weißt mehr als ich.“ „Ich bin Hannes aus Deutschland.“ Quang schüttelte den Kopf „Hannes aus Deutschland, wenn so viel Geld für Wasser ausgegeben wird, warum bekommen ich nicht immer meinen Lohn?“ Das war der Punkt! Hannes hatte Quang da, wo er ihn haben wollte „Geld hat ein böses Gesicht. Manche Menschen machen sich die Taschen mit dem Geld anderer Leute voll und denken nicht an die Menschen die Hunger haben.“
Quang nickte langsam und wiederhole seine Frage „Wer bist du?“ „Ein Mensch mit einem guten Herz. Quang, ich habe dir schon viel zu viel gesagt.“ Quang nickte „Ja. Ich schätze deine Ehrlichkeit. Ich arbeite jeden Tag für diese Firma und kann mir trotzdem nichts leisten. Meine Kinder haben Hunger. Ich habe Hunger und muss jeden Tag arbeiten. Du kommst aus Europa und kennst keinen Hunger.“
Hannes zog die Augenbrauen hoch „Nur weil ich aus Europa komme, soll ich keinen Hunger kennen? Quang, ich sah Kinder an Unterernährung sterben. Ich sehe kranke Menschen durch schlechtes Wasser, Müll oder weil zu wenig Lebensmittel da sind. Gegen all dies kämpfe ich seit über drei Jahren in anderen Provinzen von Kambodscha. Als du mir vorhin deinen Lohn gesagt hattest, tat es mir im Herz weh. Meine Mitarbeiter haben locker das dreifache von dir.“ „Bitte! Sag mir wer du bist. Bitte!“
Hannes war vielleicht einen Schritt zu weit gegangen. Er wusste nicht was er Quang sagen sollte oder durfte. „Bitte!“ Flehte Quang in an. „Also gut. Ich bin Borsa mneak del mean ko von ODHI.“ Quang riss die Augen auf „Du bist Borsa mneak del mean ko aus Svay Rieng? Der Mann der so viel gutes tut?“ Hannes nickte „Ich versuche es zumindest.“
Quang stand sichtlich unter Schock „Ich sitze hier in einem Loch und rede mit einem Engel. Borsa mneak del mean ko, ich sprach letzten Monat mit meiner Frau und mit meinem Schwager, er arbeitet auch hier, dass wir zu ODHI gehen möchten. Wir wissen was bei dir die Menschen an Lohn bekommen und das ihr auch nur 6 Tage die Woche arbeitet. Ich gehe täglich arbeiten um meine Familie zu ernähren und um mein Haus zu reparieren. Ich gehe täglich arbeiten um dafür Geld zu bekommen – leider bekomme ich nicht immer Lohn oder es ist zu wenig.“ „Du brauchst nicht zu ODHI zu kommen. ODHI kommt zu dir.“ „Verstehe ich jetzt nicht.“
„Du wirst es verstehen, wenn die Zeit kommt – und sie wird kommen. Ich habe dir schon zuviel gesagt. Quang, bitte – sage niemanden etwas von diesem Gespräch.
Und schon gar nicht deinem Chef. Versprich es mir. Bitte!“ Quang reichte ihm die Hand „Ich verspreche es dir. Was sollte ich meinem Chef sagen? Er sollte besser mal seine Mitarbeiter bezahlen. Wir alle haben kein gutes Verhältnis zu ihm. Wir arbeiten in der Firma, damit wir überhaupt etwas Geld bekommen. Bleibe ich zu Hause, haben meine Kinder noch mehr Hunger.“ Hannes nickte langsam „Ich weiß. Und dieser Kreis geht immer weiter. Kein Essen bedeutet Krankheiten. Krankheiten bedeutet Geld ausgeben für Medikament oder Arzt – Geld das du sowieso nicht hast und so verschuldest du dich immer weiter.“
Quang nickte und schloss die Augen. Hannes sah ein paar Tränen bei ihm.

Da saß er mit einem Mann in einem Loch um eine deutsche Pumpe und der Mann rang sichtlich mit den Tränen.
„Quang, ich weiß über eure Projekte sehr gut bescheid. Wir habe eure Arbeit geprüft und ODHI wird eure Arbeit weiterführen. Mach dir keine Sorgen. Ihr alle werdet von ODHI übernommen, wir werden niemand entlassen! Der Leiter der Weltbank in Phnom Penh ist ein Freund von mir und wir klären nun alles ab. Es wird bei euch vielleicht einen Stillstand von einer Woche geben. Bitte vertraue mir und sage nichts über das was du von mir weißt. Wenn dies rauskommt, werdet ihr alle euren Job verlieren und wir stehen vor einem Berg an neuen Problemen.“ Quang sah Hannes nachdenklich an „Ist dies alles wahr?“ „Ja! Die Projektleitung wird eine Chenda Sompheap und ein Hudson Rhys haben. Ich übergab gestern offiziell denen die Leitung für diese Provinz. Auch werde ich neue Baumaschinen von Caterpillar kaufen. Ich habe die Zusage, dass ich innerhalb von zwei Wochen neue Bagger geliefert bekomme. Auch wird euch das Militär mit 150 Soldaten in dieser Provinz unterstützen. Ihr werdet mit deren Hilfe den ganzen Müll aus den Ortschaften und von den Hütten wegschaffen. Auch werden Ärzte von der WHO in diese Provinz kommen. Bis jetzt sind 4.000 Ampullen Impfstoff bestellen.“ Quang sah ihn kopfschüttelnd und Fassungslos an.
„Dies ist die Wahrheit. Ich kann dir dies auch alles schriftlich zeigen, wenn du mir nicht glaubst.“ „Borsa mneak del mean ko, warum sollte ich dir nicht glauben. Alles was ich über dich höre ist wahr. Nun sitzt du bei mir und ich zweifle kein einziges Wort von dir an. Darf ich dann mal deine Kuh sehen?“ Hannes lachte laut auf „Mal schauen ob ich Sangkhum für eine so weite Strecke mitbringen kann.“
„Sangkhum ist ein schöner Name. Hoffnung brauchen wir in diesem Land.“

Teil III Kapitel 18

Kirche auf dem Gelände der italienischen Botschaft in Kabul.

Die Büchse der Pandora

„Ich treffe 14 Jahre später in Kabul den Mann, von dem ich als 17-jährige geträumt habe.“

Dienstag, 10. April 2007

Die Temperatur lag um 11 Uhr schon über 20° Celsius. Wenn es regnete brachte der Regen etwas frische in die Staubtrockene Luft von Kabul. Das Hotel war in kürzster Zeit schon mehr ausgebucht, als dies geplant war. Dieses neuartige Sicherheitskonzept schien aufzugehen. Viel Firmen aus Deutschland, England, Frankreich, Schweden und USA buchten für ihre Ingenieure und Mitarbeiter diesen Service. Korrespondenten aus vielen Länder der Welt gingen mit ihren Teams ein und aus. Einige Medienanstalten aus verschiedenen Länder reservierten sogar Zimmer für die Dauer von einem Jahr.

Marco und Tamina verlegten die Personen, die nicht unbedingt in Kabul tätig waren auf das andere Haus in Kunduz. So blieb es in Kabul überschaubarer. Dem Direktor von dem Hotel in Kundus, Corey Mitchell, waren zwei Logistikoperator zugeteilt. Mason Roberts und James Nelson, beide US-Amerikaner, gehörten zum Team von Hannes, waren aber in Kunduz stationiert.

Walter war mit der P-750 so viel am fliegen, dass per sofort zwei weitere dieser Flugzeugtypen in Hamilton bei Pacific Aerospace bestellt wurden. Am 6. April wurden beide P-750 auf den Flugplatz Kabul geliefert. Für den Transport von Neuseeland nach Afghanistan charterte Malcolm Evans die Antonow An-225. Alles musste auf einmal wahnsinnig schnell gehen. Lediglich die Flügel wurden in Kabul an die P-750 xstrol angebaut – sonst hätten die zwei Flugzeuge nicht in die Antonow gepasst. Ein Team von der Pacific Aerospace bauten die zwei Flugzeuge zusammen. Durch die vielen Maschinen und Geräte in der Darulaman Road war dies viel einfacher und schneller als geplant. Gleichzeitig wurden noch ein Gabelstapler, Maschinen, Werkzeuge und Ersatzteile für die Flugzeuge im Hangar auf dem Flugplatz gekauft und gelagert. Direktor Malcolm Evans investierte  nochmals 6,5 Millionen US-Dollar für den Standort Kabul.

Sonntag 8. April 2007

Am Sonntag den 8. April konnten alle drei Flugzeuge eingesetzt werden. Ein Flugzeug wurde so eingeplant, dass dies morgens die 245 Kilometer Luftlinie nach Kundus flog und dort bis 18 Uhr eingesetzt wurde. Nach Sonnenuntergang verbot Hannes den Piloten zu fliegen. Walter besorgte sehr schnell zwei gute Piloten. Einen Deutschen, Ralf Möller, der auch Kampfjets bei der Bundeswehr geflogen hatte und einen Belgier, Arian Goossens. Er flog Interkontinental Frachtflugzeuge bei ASL Airlines Belgium mit Sitzt in Lüttich. Beide waren am 3. April in Kabul gelandet und am 8. April schon im Einsatz.

Bis auf fünf Personenschutz Teams, also 30 Personen waren die andere acht Teams, mit insgesamt 64 Personen, im ganzen Land verteilt. Es gab mitunter in der Logistik sehr hektische und lange Tage. Journalisten mussten immer schnell zu einem Ort gebracht werden. Der Fuhrpark mit den 36 Fahrzeugen in Afghanistan war fast vollständig ausgelastet, sodass noch sechs Toyota Quantum Busse und vier Land Rover Armoured – mit einem Auftragsvolumen von fast 3 Millionen US Dollar, in Großbritanien bestellt wurden. Hannes verfügte über ein monatliches Budget, das nun um das vierfache höher lag, als am Anfang vom Jahr. Für die Zeit bis zur Lieferung der neuen Fahrzeuge wurden gepanzerte Fahrzeuge, samt Fahrer, in Kabul oder anderen Städten angemietet. Da diese Fahrzeuge nicht über die geforderten Notfallsysteme verfügten, wurden diese nur für den Transfer zum Flughafen oder kleinere Strecken eingesetzt. Hannes wollte nicht den kompletten Fuhrpark verteilen, aus Sicherheitsgründen und zur mobilitäts Garantie, sollten immer noch 2 Fahrzeuge als Reserve in der Darulaman Road bleiben.

Er plante am Computer den Tag und den morgigen, als sein Handy klingelte, es war Nila. „Guten Tag Nila, wie geht es dir?“ „Hallo Hannes, viel Arbeit. Ich hätte nie gedacht, was da alles auf Samira und mich zukommt. Wir sind hier so weit fertig. Wann kannst du kommen?“ „Lass mir bis Donnerstag Zeit, ich ersticke in Arbeit. Ich habe nun noch zwei weitere Piloten in meinem Team. Wir mussten sehr schnell zwei Flugzeuge kaufen. Ich habe auch noch 10 Autos bestellt. Ich bräuchte Leute. Wir sind schon am Überlegen, ob wir gute Polizisten oder Soldaten aus Afghanistan abwerben könnten. In den USA läuft eine große Werbekampagne. Wir brauchen Leute ohne Ende. Ich hätte nie gedacht, dass dieses Konzept so einschlägt.“ „Wow Ich frage mal den Polizeichef in Gardez, vielleicht kennt er gute Leute. Bei euch bekommen sie wenigstens einen ordentlichen Lohn.“  „Das wäre super. Ich hatte gestern mit Aamun Ghubar telefoniert. Er würde sich heute mit einem Offizier der Nationalarmee treffen, um dort mein Problem vorzutragen. Wenn wir wenigstens 15 gute Soldaten bekommen könnten, wäre mir schon sehr geholfen.“ Wie hast du den Donnerstag geplant?“ „Wir werden sechs Frauen von Khost nach Kabul fliegen, die hier medizinisch versorgt werden. Ich werde Roger fragen, ob er mir Harper Taylor oder Kayla Wright an das Frauenhaus bringen könnte. Eine Ärztin kann doch besser über den Gesundheitszustand entscheiden, als wir es können.“ „Du machst schon alles richtig. Ich freue mich auf dich. Hab auch eine Überraschung für dich. Bis Donnerstag.“
Eine Überraschung? Hoffentlich keinen positiven Schwangerschaftstest!

Außer Annemieke war niemand bei Hannes im Büro, so überlege er, ob er sie bezüglich seiner Gedanken ansprechen sollte „Annemieke, ich hätte da mal eine Frage?“ Sie sah ihn zwischen den Monitoren hindurch an und wartete auf eben jene Frage. Sie rollte mit ihrem Stuhl vom Tisch weg um ihn besser zu sehen und wartete immer noch auf seine Frage. „Äh,…du als Frau…müsstest dies bestimmt wissen.“ „Ja – ich warte.“ „Äh,…ab wann kann man einen Schwangerschaftstest feststellen oder prüfen oder wie man das auch immer nennt?“ „Erst in der 4. oder 5. Schwangerschaftswoche ist der Wert im Urin und Blut so hoch, dass die Schwangerschaft tatsächlich festgestellt werden kann. Dabei ist der Urintest sehr beliebt und auch verlässlich. Warum willst du dies jetzt wissen?“ „Nur so. Allgemeinbildung schadet nie.“ Annemieke sah ihn mit großen Augen an „Allgemeinbildung? Und da gehört ein Schwangerschaftstest dazu?“  Hannes verzog den Mund und zog seine Schultern hoch. Er schaute mit einem leichten Blick auf den riesigen Wandkalender, rechst neben der Tür und hoffte, dass Annemieke seinem Blick nicht folgte. Er wollte jetzt nicht gerade mit vollem Blick auf den Kalender schauen. 19. März. Heute 10. April. Drei Wochen und zwei Tage. Er wollte Annemieke jetzt nicht noch einmal fragen, welche Rechnung und Gedanken er im Kopf hatte.
Das schlaue Internet gab ihm die gleichen Antworten wie Annemieke bezüglich seiner Frage nach einem Schwangerschaftstest. Warum musste dies auch so kompliziert sein? Sollte er mit Emily über einen Schwangerschaftstest reden? Sie als Ärztin hätte bestimmt eine andere Rechnung oder Symptome der Früherkennung.

„Annemieke, bitte plane Walter für Donnerstag Nachmittag ab 14 Uhr ein. Ich brauche ihn in der Nähe von Khost. Es sind von Kabul ungefähr 150 Kilometer Luftlinie. Dank.“
Er griff zum Telefon und erkundigte sich wie es bei Mason Roberts und James Nelson in Kunduz lief. Es war schon eine gute Idee gewesen, die Logistik auf beide Standorte aufzuteilen. Kurze Wege, schnelles handeln waren so perfekt organisiert.
„Annemieke,… ich hätte noch eine Frage.“ „Gerne. Für Allgemeinbildung kann man nie oft genug fragen.“ Wie hatte sie dies nun gemeint? Sarkastisch, Ironisch oder Zynisch? Da soll doch mal ein Mann die Frauen verstehen. „Äh,… warst du schon einmal schwanger?“  Völlig entrüstet lies sie ihren Kugelschreiber fallen „Was!? Nicht das ich es wüsste.“  Diese mittelgroße blonde belgierin hatte auf einmal einen Blick in den Augen, der töten konnte. Was hatte er mit seinen Fragen für eine Kiste aufgemacht! „Ich wollte es nur mal wissen. So von den Symptomen aus der Sicht der Frau gesehen… so eben …irgendwie.“ „Stehst du unter Drogen?“ „Ach nee, ich will nur mal wissen, wie das so ist. So… mit… Gurken, Sauerkraut und Eis mitten in der Nacht.“ Ihr Blick verfinsterte sich „Dies ist IN und nicht VOR der Schwangerschaft!“ „Aha.“ „Ist nun deine Allgemeinbildung auf dem Stand, wie du sie gerne hättest?“ „Ja doch. Danke.“ 

Irgendwie musste er aus dieser Situation raus. Er griff nach seinem Handy und rief die Nummer auf seinem Telefon am Schreibtisch an. „Ach schau, Oliver ruft an.“ Er hob den Hörer ab und führte ein kurzes Selbstgespräch.
„Du Annemieke, ich muss mal kurz zur Werkstatt, du hast hier ja alles im Griff.“ „Ja ja, Chef.“ Hatte sie dies nun Sarkastisch, Ironisch oder Zynisch gemeint?

Er ging langsam über den Betonweg zur Werkstatt. Er spürte die Blicke von Annemieke durch die großen Fenster hinter sich. Außer Reichweite von den Fenstern konnte er wieder aufatmen.

Auf dem Geländer der Werkstatt stand sein Auto ganz rechts geparkt. Er sah William Evans, der an einem Auto neben seinem etwas am arbeiten war. „Hallo William, na – wie bist du mit der Werkstatt zufrieden?“ „Top. Eine solche Einrichtung hätte ich nie erwartet. Es macht Spaß hier zu arbeiten. Das eine Auto sieht aber schon etwas mitgenommen aus!“ „Ja, dass ist mein Auto. Da waren doch etwas viel Schotter, Steine, Büsche und Kanalbrücken im Weg.“ William zog die Augenbrauen hoch und konnte der Aussage nicht ganz folgen. „Es werden noch mehr Auto mit solchen Kampfspuren kommen. Wenn es dabei bleibt, haben wir viel Glück.“ „In wie fern?“

Im Büro der Werkstatt zeigte Hannes  William Fotos, die er auf seinem Computer hatte. Fahrzeuge, die auf Minen fuhren, Fahrzeuge auf die mit einer AK 47 geschossen wurden oder Fahrzeuge, vor denen kurz zuvor eine Sprengfalle explodierte. „Großer Gott im Himmel!“ „Die Fahrzeuge die mit einer AK 47 beschossen wurden, war mein Konvoi, im letzten Jahr.“ William sah ihn mit großen Augen an. „Ja, William, damit müssen die Personenschützer täglich rechnen. Bete zu Gott, dass du keine Hirnmasse aus den Autos entfernen musst.“  „Du sagst dies alles so ruhig, als ob vieles normal wäre.“ „William, was soll ich dir sonst sagen? Panik verbreiten und alle Welt verrückt machen? Dies bringt auch niemand weiter. Wir müssen uns dieser Tatsache bewusst sein, dass wir in einem Kriegsgebiet sind, auch wenn die Sonne scheint und wir im Park unter den Bäumen liegen. Ich kann die Leute nur sensibilisieren aufzupassen und eine Gemeinschaft zu schaffen, dass jeder weiß, niemand ist alleine.“ William nickte. „Ich möchte dich um einen Gefallen bitten. Könntest du einen Kinderspielplatz bauen?“ William sah ihn an, als ob ein Ufo gelandet sei „Kinderspielplatz?“ „Ja. Kinderspielplatz. Schaukel, Karussell, Klettergerüst – Kinderspielplatz eben.“ „Chef, ich kann dir nicht ganz folgen.“ „Bestelle Material für eben solche Teile. Rundstahl, Kugellager, Ketten, Lager… alles was man braucht um Spielgeräte zu bauen. Schweiß die Rohre zusammen, nimm dir einen Hausmeister oder deinen Kollegen, der dir hilft. Lackiere das Metall in bunten Farben. Kannst du mir soweit folgen?“ „Natürlich. Nur sehe ich noch nicht den Sinn.“ Hannes erklärte ihm, dass in zwei Tagen misshandelte und  traumatisierte Kinder in dieses Hotel kommen werden. Er möchte für diese Kinder einen kleinen Spielplatz einrichten. Das Gelände zwischen der Werkstatt und der Umfahrt war groß genug für eine Handvoll Spielgeräte. „Ich verstehe. Du möchtest, dass diese Kinder Kinder sein können.“ „Genau.“ 

Hannes zeigte William auf dem Computer einige kleine Beiträge von dem Frauenhaus und den Zuständen damals an der Schule in Gardez. William sah ihn Fassungslos an. „Es stimmt also doch, was man über dich erzählt.“ Hannes legte den Kopf schief. „Ich habe schon viel von dir gehört. Du sollst der beste Chef sein und dich sehr stark für Kinder engagieren.“ „Na ja, denke da wird auch immer viel übertrieben.“ „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Malcolm, Marcel oder Oliver viel übertreiben. Wenn ich nun deinen Wunsch höre, bestätigt es dies doch alles.“ „Hmm. Ja, dann ist es wohl wahr. Bist du mit unserem Direktor verwandt?“ „Mit Malcolm Evans? Das ist mein Onkel. Müsste eigentlich in der Personalakte stehen.“ Ach du liebe Güte, der Feind vor der Haustür! „Tut mir leid, ich konnte noch nicht alle Akten lesen. Du bist ja nun hier, dann brauche ich auch nicht zu lesen. Es freut mich, wenn es dir hier gefällt. Sag deinem Onkel mal liebe Grüße, wenn du mit ihm telefonierst.“ William grinste breit „Er würde ja öfter mit dir telefonieren, aber du bist ja immer so schwer zu erreichen. Sagt Malcolm zumindest.“
Hannes hatte nun die zweite Büchse der Pandora geöffnet. „Weißt du zufällig wo Oliver ist?“ „Der ist mit Marcel auf dem Schießstand bei der Polizei.“ „Gott sei Dank!“

Auf dem Weg zu seinem Büro rief er Oliver an und sagte ihm, er sollte bitte im Büro nicht sagen, dass er auf dem Schießstand ist. „Ich habe vor einer Minute mit Annemieke gesprochen, dass wir nun auf dem Rückweg sind. Warum sollte ich nicht sagen wo ich bin oder war?“ „Och, nur so. Nur so.“
Büchse Nummer drei!

Hannes ging in sein Büro. Andreas und Eliza waren nun auch da. „Ich geh mal schwimmen. Ihr habt hier ja alles im Griff.“ „Ja ja. Mit oder ohne Oliver?“ Kam es von Annemieke. Hatte sie dies nun Sarkastisch, Ironisch oder Zynisch gemeint?

Das Wasser tat ihm gut. Er schwamm einige Bahnen. Im Schwimmbad war noch eine Journalistin aus Italien. Sie stellte sich ihm als Alessia Esposito vor.
An der kleinen Bar, einige Meter vom Schwimmbecken entfernt, erzählte Alessia von ihrer Arbeit. Hannes beneidete diese Journalistin nicht. Ständig auf Achse, ständig erreichbar sein, ständig neuste Beiträge bringen. Er erzählte ihr, wie es mit Gregory Flinn war, welch schöne und gute Reportagen er machte. Aufmerksam hörte sie ihm zu.
„Wie war das mit diesem Frauenhaus?“ Hannes erzählte ihr von den Umständen an diesem Geheimen Ort, erzählte die Geschichte von Ellaha und auch das, was nun geplant war. Und von dem Treffen in Istanbul mit der neugegründeten Organisation “Help for Gardez“.

„Lass uns in einer Stunde im zweiten Stock im Meeting Point treffen, dort kann ich dir Videos zeigen, die ich vor zwei Monaten an verschiedene Hilfsorganisationen  verschickt habe.“ „Gerne. Darf ich mein Team mitbringen?“ „Natürlich. Ist ja nichts geheimes. Der Ort, wo jetzt noch das Frauenhaus steht und wo es neu gebaut wird, wissen nur sehr wenige Menschen. Dies soll auch so bleiben.“ „Verstehe ich nur zu gut. Frauenrechte sind nicht in jedem Land dieser Welt willkommen.“ Hannes nickte „Wir verstehen uns.“

In seinem Büro saßen Marcel und Oliver an den Computern und Karten. Sie brachten neuste Informationen von der Polizeistation aus dem Distrikt Wazir Akbar Khan mit. Hannes las die Blätter, die in einem schlechten Englisch übersetzt waren. „Google könnte sich bei der Übersetzung auch mal etwas mehr Mühe geben. Seit langem ist es in Kabul ruhig, dies macht mir schon etwas Sorge.“ Oliver und Marcel nickten. Sie waren Profis genug um zu wissen, dass Terror nicht schläft. „Ich möchte am Donnerstag die Kinder nach Gardez bringen. Wenn ich mit meinem Auto fahre und zwei Busse, Walter sechs Frauen nach Kabul fliegt, wäre das Haus leer.“ „Willst du das Haus räumen?“ Fragte Oliver. „Ja. So etwas wie mit Amira darf nie wieder passieren. Svea ist dieser Zahl von Mädchen und Frauen doch gar nicht gewachsen.“ Wieder nickten beide ihm zu. „Ich möchte mit Roger reden, ob er eine der beiden Ärztinnen an das Haus bringen könnte. Eine Ärztin kann viel eher sagen, welche am dringendsten Hilfe brauchen.“ „Wer fährt mit?“ Frage Oliver. „Dies wäre meine nächste Frage gewesen. Wenn ihr beide mitfahrt, müsste Samuel hier die Stellung halten.“ „Ich bleibe hier. Lass Samuel auch mal raus.“ „Danke, Oliver. Du hast mir eine schwere Entscheidung abgenommen.“

Hannes rief Roger an und sagte ihm, was er in zwei Tagen vor habe. „Selbstverständlich veranlasse ich dies. Weißt du schon eine Uhrzeit?“ „Ich würde mal gegen Mittag sagen. Du kennst ja die Strecke von Kabul nach Khost.“ „Okay, die zwei Ärztinnen können sich in eurer Abwesenheit schon nützlich machen.“
„Dank dir mein Freund. Leider habe ich wenig Zeit, sonst würde ich bei dir vorbei kommen.“ „Du kannst doch schnell fahren“ lachte Roger herzhaft ins Telefon.

„Ich bin mal weg. Ich bin im zweiten Stock. Habe dort ein Treffen mit einer Alessia Esposito aus Italien. Sie möchte die Videos vom ersten Besuch im Frauenhaus sehen. Wo ist Stacey überhaupt? Ich habe sie und Chris schon lange nicht mehr gesehen.“ Seine Frage konnte keiner im Büro beantworten. So rief Hannes Stacey auf ihrem Handy an. Sie sagte ihm, dass sie seit zwei Wochen im Iran seien, würden aber wieder nach Kabul kommen. „Natürlich kann ich dir noch etwas an Material schicken. Du hast selbstverständlich ein Recht auf diese Beiträge.“ „Dank dir, Stacey. Wenn ich etwas verkaufen kann, kann sich Frau Esposito bei dir melden.“

Als Hannes im zweiten Stockwerk vom Hotel ankam, entschuldigte er sich für seine Verspätung. Als Sicherheitschef müsse er auch die ein oder andere Arbeit erledigen. Alessia Esposito stellte ihre Kamerafrau, Giannina Ricci und den Tonmannn, Fiorenzo Abandonato vor. Alessia sah mit ihren trockenen langen schwarzen Haare ganz anderst aus, als im Wasser. Sie hatte ein leichtes Make-up aufgetragen, trug Jeans und ein rotes T-Shirt. Alessia war 31 Jahre alt. Giannina war auch 31, mittelgroß, kurze hellbraune Haare und ein paar Sommersprossen. Sie trug zu ihrer normalen Figur einen Baumwoll Rock und türkis farbenes Top. Fiorenzo war 45, hatte schwarzes gelocktes Haar mit leichtem Ansatz einer Glatze. Er war etwas kräftig, fiel aber bei seiner Größe von 1,87 Meter kaum auf. Er war in einer leichten Baumwollhose gekleidet und trug ein passendes Hemd zur Farbe der Hose.

Hannes erzählte im groben noch einmal das, was er im Schwimmbad schon Alessia sagte. An dem Computer der in einem Regal an der roten Sitzecke mit Glastischen stand, loggte er sich ein und suchte die Dateien in seinem Ordner. Der große Bildschirm an der rechten Wand, zeigte seine Ordner. Stacey war schnell. Er hatte sogar schon ihre anderen Beiträge von der Schule in Gardez bekommen. Samira war in ihrem Öffentlichkeits- Ressort aus sehr schnell, so konnte er den drei italiener die neusten Veränderungen an der Schule in Gardez zeigen. Mit der Fernbedienung war es ein leichtes Bilder und Videos anzuhalten oder neue Ordner zu öffnen.

Die Geschichte von Ellaha berührte die drei sehr. Bei der 19 jährigen Behar stockte ihnen der Atem. Giannina konnte ihre Tränen nicht zurück halten. „Dies alles hast du erlebt?“  Hannes nickte Giannina zu „Dies und noch viel mehr!“
Er klickte einige neue Fotos von Gardez an und sah auf einem Foto Amira. Er zoomte Amira auf dem Bildschirm so nah, wie es ging. „Schaut euch dieses Mädchen an.“ Er zeigte nun das erste Foto von Amira aus dem Hospital in Khost. Bei den italiener war die gleiche Reaktion wie bei Behar.

Hannes erzählte den dreien die Geschichte von Amira, ließ aber den Teil mit ihrer neuen Identität weg.
„Nach unserem Treffen im Schwimmbad, suchte ich im Internet nach dieser Organisation “Help for Gardez“, die Webseite ist sehr gut und ansprechend aufgebaut“ sagte Alessia. Hannes wusste nichts von einer Webseite. Alessia ging an den Computer und gab die Webadresse ein. Man sah die neuen Spielgeräte, die Arbeiter beim streichen, beim Neubau der Toiletten und die neuen Möbel in den Klassenräume. Es waren fast die gleichen Fotos, die er als Mail von Samira bekommen hatte. Auf einer anderen Seite der Webseite stand ein Text über die Entstehung von “Help for Gardez“.
Dann noch eine Seite mit den Namen des Vorstandes. Kronprinzessin Mary aus Dänemark und Miranda Kerr als Ehrenvorsitzende. Erik und Marpe de Joost, Frank Merk und Jasper Petersen als Vorstand der Organisation. Als Direktorin und Geschäftsführerinnen stand der Name von Nila und Samira dort.
Hannes nickte „Dies ist alles richtig. Diese Personen stehen für dieses Projekt. Was ist daran falsch?“ „Nichts. Überhaupt nichts. In der Historie taucht öfter ein Name auf, bist du diese Person?“ Hannes zog die Schultern hoch. Alessia schnitt den Text aus und vergrößerte diesen. Hannes las den Text. Er nickte „Ja, dass bin ich. Was ist daran falsch?“ „Nichts überhaupt nichts.“ Hannes konnte Alessia
nicht im Ansatz folgen. „United Nations Transitional Authority in Cambodia, sagt dir bestimmt etwas.“ Hannes nickte bei ihrer Frage „Natürlich. Der größte UN Einsatz der Geschichte dieser Organisation. In Kambodscha waren ab Februar 92 bis zu 21.000 Personen aus 100 Länder unter UN Mandat im Einsatz. Ich weiß nun nicht, auf was du hinaus willst.“ Alessia sah Hannes lange an, bevor sie weiter sprach „Ich treffe 14 Jahre später den Mann in Kabul, von dem ich als 17 jährige geträumt habe.“ „Bitte!?“ „Mein Vater war von Herbst 92 bist Sommer 94 immer mal für mehrere Monate unter diesem UN Mandat in Kambodscha. Er erzählte vieles von dem Land, den Menschen und den vielen Problemen durch die Rote Khmer. Für mich war dies alles unglaublich spannend. Dann erzählte er nach dem zweiten Einsatz von dir. Deine Projekte in der Region Svay Rieng. Ich träumte damals von einem solchen Ritter der Menschlichkeit. Ich stellte mir vor, wie du aussehen mochtest. Mir war über dich nicht viel bekannt. Franzose, 24 Jahre alt, der mit einer Kuh in die Schulen ging“ Hannes konnte nur den Kopf schüttelte. „Und Bildung für Kinder und ganze Dörfer neue Infrastrukturen gab. Nun sitze ich dir gegenüber.“ Er sah zu Alessia, Fiorenzo und Giannina, und wusste nicht was er sagen sollte. Er bestellte erstmal zwei Kannen Tee in den zweiten Stock.

„Ich bin überwältigt. Das nächste: ich komme aus Deutschland, meine Frau war französin, ich lebte seit 1989 in Thionville bei ihr. Meine Kühe hießen Sangkhum und Sraleanh – Hoffnung und Liebe. Wobei ich wenige Tage später Sangkhum kaufte. Sie war wirklich sehr zutraulich und hörte wie ein Hund. Es stimmt, wir beide waren in Schulen. Schulen, die meine Frau zu dieser Zeit aufbaute.“ „Patricia Lefèvre, war deine Frau?“ Fragte Alessia erstaunt. Hannes schloss bei dem Namen die Augen und nickte langsam.
Ein Page brachte den Tee. So konnte er sich unbemerkt die Tränen wegwischen. Alessia sah es trotzdem. Sie sah seinen traurigen Blick und entschuldigte sich. „Patricia ist vor fast sieben Jahren gestorben. Sie hatte Leukämie.“ „Mein Gott! Das wusste ich nicht. Entschuldigung.“  „Ist schon in Ordnung. Irgendwann werde ich darüber hinweg kommen. Ich versuche es zumindest. Ja, nun sitzt der Ritter der Menschlichkeit mit Tränen in den Augen der Prinzessin gegenüber.“
Den drei Italiener war dies alles sehr peinlich und Hannes wollte diese Runde nicht einfach so auflösen. „Spielt jemand von euch Billard?“ Fiorenzo nickte. „Kommt, wir gehen den Gang hinunter. Da gibt es noch einen Meeting Point, da steht mein Billardtisch.“ Fiorenzo zog bei dem Wort “mein“ die Augenbrauen hoch.  „Ich hatte früher mit einem Schulfreund von Patricia sehr oft Billard gespielt. Nun ist er Geologe auf Korsika. Aus sentimentalen Gründen wollte ich einen Tisch auf meinem Stockwerk haben.“ 
Alessia und Giannina konnten nicht so gut Billard spielen. Da in einem Team gespielt wurde und Giannina bei Fiorenzo war, war es ein sehr ausgeglichenes Spiel.
Bei dem Spiel konnte auch anderst geredet werden, als in der Sitzecke.
So verbrachte der Sicherheitschef auch mal einen schönen Nachmittag. Mit Marcel konnte er nicht spielen. Dessen Auge auf die Präzision der Kugeln war ihm ein viel zu starker Gegner.

16.00 Uhr Koordinierungsraum

Hannes schrieb eine Mail nach Thionville. Er wollte Bernhardt und Franziska mitteilen, wie sich in Gardez alles entwickelte. Er schrieb auch die Geschichte über Amira und das er zur Zeit unglaublich viel zu tun hatte und dadurch auch kaum noch aus dem Hotel kam – also einen sicheren Job machte. Der Terror war hinter der Mauer der Hotelanlage.
5 Minuten später rief Franziska bei ihm an. „Hallo Hannes, ich las eben deine Mail und hatte Tränen in den Augen bei dem was du geschrieben hast. Auf den Fotos, die du geschickt hast, kann ich diese Veränderung von dem Mädchen gar nicht glauben. Du bist ein guter Mensch. Das du diesem Mädchen eine neue Identität verschafft hast, zeigt deine größe an Menschlichkeit. Wir freuen uns, wenn du nach Thionville zurück kommst.“ „Ich wollte nach dem Einsatz noch kurz zu Claude nach Korsika fliegen. Ich habe es ihm versprochen.“ „Très bien. Claude ist dein Freund. Wir alle sind und waren immer für dich da. Dies wird sich auch niemals ändern. Du hast eine Heimat! Komm zurück. Ich soll dich auch ganz lieb von Inès Strasser grüßen.“

Inès. Ja, was war dies für eine Begegnung nach so vielen Jahren. Wer weiß was passiert wäre, wenn sie ihn auf dem Friedhof nicht getroffen hätte? Hatte Gott ihm Inès als Engel geschickt? Er würde wieder so gerne in eine Kirche gehen. So gerne mit Gott reden. Natürlich könnte er dies an jedem Ort der Welt tun. In einem Gebäude, dass für Gott gebaut wurde, war es doch ein anderer Moment als sein Hotelzimmer oder Arbeitsplatz.

Im schlauen World Wide Web fand er sogar eine katholische Kirche in Kabul. Sollte er doch mal wieder in die Kirche gehen? Er war noch nicht einmal katholisch. Bei Gott spielt die Konfession keine Rolle.
Die Kirche war auf dem Gelände der italienischen Botschaft in Kabul, in der Great Massoud Road. 13 Kilometer von der Darulaman Road entfernt. Bei dem Verkehrschaos in Kabul konnte er gute 30 Minuten Fahrt einplanen.

Er nahm eines der drei Telefone auf seinem Schreibtisch und wählte die siebenstellige Zahl der italienischen Botschaft in Kabul. Eine Frau begrüßte ihn auf italienisch am anderen Ende der Leitung. Einige Sprachen konnte er, italienisch gehörte nicht in sein Sprachrepertoire. Ciao buona giornata, Addio, Come stai? Hallo und guten Tag, Auf wiedersehen, wie geht es dir? War doch etwas wenig um eine Konversation in Italienisch zu führen.
Er sprach in englisch mit der Frau. Er stellte sich vor und erklärte ihr sein Anruf. Die Frau stellte ihn zu dem Pastor der Gemeinde, Mission sui juris Afghanistan, durch. Pater Giovanni Scalese hatte eine angenehme Stimme. Hannes spürte die Blicke seiner Mitarbeiter, es war ihm in diesem Moment egal. Er hätte schließlich auch von hundert anderen Telefone in diesem Gebäude anrufen können.
Er sprach mit dem Pater, was ihn bewegte diese Nummer anzurufen. Pater Scalese freute sich, dass ein deutscher ihn in Kabul anrief. Das Gespräch war gar nicht so lange geplant, als es am Ende wurde. Pater Scalese lud ihn ein, in der Great Massoud Road vorbei zu kommen. Täglich würde eine Messe gefeiert werden. Die Menschen die zu den Messen kamen, gehörten meist zu internationalen Organisationen, wie der UN oder Firmen, deren Mitarbeiter nur eine Zeitlang in Afghanistan seien.
Gerne folgte Hannes dieser Einladung, wenn er auch nicht wusste warum.

Beim Tee saß er im Park auf seinem Lieblingsplatz zwischen den Buchsbaumhecken und Weiden auf seiner rechten Seite, links war der große Springbrunnen 10 Meter von ihm entfernt. Der Grill von Oliver sah er 15 Meter weiter auf seiner rechten Seite vor einer langen Buchsbaumhecke stehen. Dieser Grill brachte schon so einiges an guten Gespräche.

Eliza kam zu ihm und setzte sich an den weißen rechteckigen Tisch dazu „Ich hatte vorhin dein Gespräch mitgehört. Ich bin katholisch. Wenn du zu dieser Kirche fährst, dürfte ich mitfahren?“ Er sah einen flehenden Blick in ihren braunen Augen. „Natürlich kannst du mit fahren. Es ist dein Recht auch mal frei zu machen. Lass uns morgen fahren. Ab Donnerstag bin ich wieder für ein paar Tage weg.“ „Ich habe schon mitbekommen, was du neben diesem Wahnsinnsjob noch alles tust. Solche Menschen gibt es selten. Wie gehst du damit um? Ich meine, du trägst eine Waffe, kannst Männer tot schlagen und Menschen erschießen. Dann baust du für Kinder eine Zukunft auf. Diese zwei Dinge sind so konträr, wie sie es kaum sein können.“ „Dann hast du auch die drei Blätter gelesen – ging ja sehr schnell rund im Haus. Ich wollte diesen Job nie. Nun mache ich ihn schon seit einigen Jahren. All dieses Kämpfen, der Terror und Tod hat in mir vieles sterben lassen. Trotzdem war in all den Jahren der Keim von meinem Traum in meinem Herzen. Ich hatte immer mal wieder kleiner Projekte in West- oder Zentralafrika für Kinder gemacht. Ich
entwickelte sogar ein Schulkonzept, dass UNICEF mittlerweile in fast allen Länder an der Armutsgrenze einsetzt. Es ist ein ganz simples Projekt, dass aber den Lehrern und Schüler keine großen Kosten entstehen lässt. Quasi Bildung für wenig Geld in einer Box. UNICEF nanne dieses Projekt: Scho…“ „School in a Box?“ Fiel ihm Eliza ins Wort. Hannes sah Eliza mit großen Augen an und nickte langsam. „Unglaublich! Für dieses Projekt spende ich jedes Jahr Geld. Das ist wirklich deine Idee?“ „Eigentlich die von meiner verstorbenen Frau und mir. Wir waren Anfang der 90er Jahre in Kambodscha, in einer Provinz nahe der Grenze zu Vietnam und  Armut erlebten wir dort täglich. Mangelernährung, Unterernährung und Krankheiten auch. Die Menschen hatten kein Geld. Dann kamen zwei junge Weltverbesserer und wollten Kinder Bildung beibringen. Wie? Ohne Hefte, ohne Bücher und ohne Bleistifte? Wir kauften schon genug von unserem eigenen Geld. UNICEF war in vielem sehr unflexibel oder dauert alles zu lange. Patricia kam die Idee, Tafeln zu benutzen – Tafeln, wie wir sie früher in jedem Kinderzimmer hatten. Mit einem Mitarbeiter aus unserem Team schnitten wir Holztafeln zu und lackierten diese mit schwarzer Farbe. Kreide gibt es auf der ganzen Welt. So fing alles an. “School in a Box“ passte bei meiner Frau in den Geländewagen. Bücher für Kinder hatten wir bergeweise in Phnom Penh gekauft. So konnten die Kinder mit einfachsten Mittel wenigsten das Alphabet und die Zahlen lernen. Kleine Texte schreiben und auch lesen.“

Eliza stand der Mund offen „Da sitzt ein Mann mir gegenüber, für den dies alles selbstverständlich ist. In all den Jahren, wo ich dieses Projekt unterstütze, habe ich nie deinen Namen gelesen.“ „Naja, was soll ich
sagen? Ich hatte in den 90er auch für UNICEF gearbeitet und so wurde unsere Idee dann von UNICEF aufgegriffen. Bei einer solchen Idee muss nicht zwangsläufig der Name des Ideengebers gegannt werden. Hattie Walker ist deine und meine Chefin und nebenbei eine sehr gute Freundin von mir. Sie kenne ich seit Januar 1990. Sie hatte damals bei UNICEF angefangen und war in Phnom Penh im Büro. Auch ihr ist diese Idee bekannt. Sie hatte von den ersten Prototypen Fotos in einem Militärzelt in Kampang Rou gemacht. Du kannst mir dies ruhig glauben. Als diese Idee entstand, hatte meine Kuh Sangkhum ihren Kopf auf meinen Oberschenkel liegen.“ „Hannes, ich glaube dir. Ich bekomme schon mit, was du für Kinder tust. Ein Flugzeug und gepanzerte Autos setzt du für deren Zukunft ein. Da müssen andere Menschen erst einmal hinkommen.“ „Ich habe das große Glück, dass Direktor Evans mich machen lässt, was ich will.“ „Stimmt. Dies habe ich in der Ausbildung in Fort Lee auch mitbekommen. Direktor Evans hält sehr viel von dir und du bist wirklich ein Ritter der Humanitären Hilfe.“ „Wie kommst du jetzt darauf?“ „Nila hatte uns vor zwei Wochen die Geschichte von Istanbul erzählt. Eine Videokonferenz mit einer Kronprinzessin, erlebt man auch nicht alle Tage.“ „Stimmt. War auch für mich eine völlig neue Erfahrung. Glaub mir, mir schlug das Herz bis zum Hals.“ „Was du am Tag unserer Ankunft sagtest stimmt wirklich, wir können stolz sein in diesem Team zu arbeiten. Ich bin stolz dich zu kennen. Ich werde auch dein anderes Projekt unterstützen, dies ist für mich Ehrensache.“ „Dankeschön. Das bin ich nicht alleine. Viele stehen für dieses Projekt.“ „Ich habe etwas anderes gehört. Du bist dieses Projekt. Nur du.“ „Okay. Dann nur ich. Lass uns essen gehen.“

Die Küche im Hotel war schon sehr international, denn nicht alle mochten die Afghanische Küche oder waren einfach zu engstirnig für etwas neues. Hannes wollte an diesem Abend Ashak, afghanische Lauch-Tortellini, essen. Er mochte diese Durcheinander von der persischen, der indischen sowie der osmanischen Küche. Eliza wollte dies auch probieren.
Mercan, eine der sieben Köchinnen im Hotel lachte immer, wenn er zu ihr kam. Sie wusste schon, dass sie ihm eine größere Portion auf den Teller legen konnte. Mit Eliza setzte er sich an die Wand von dem großen Speisesaal. Er mochte die Mitte nie. Ob dies mit seinem Beruf zusammen hing oder einfach nur eine Macke war, konnte er nicht sagen.

Natürlich brachte Mercan eine große Kanne Tee an den Tisch. Mittlerweile war es im Hotel bekannt, dass er in diesem Tee baden könnte. Ein Glas Tee? Lächerlich! Ein so großes Glas gab es gar nicht. Obwohl – die Kaffeetasse von Roger wäre eine Option.
Alessia kam mit Giannina und ihrem Tonmannn, Fiorenzo in den Speisesaal. Hannes winkte ihnen zu. Eine große Runde am Tisch, war immer für Gespräche gut. Er stelle seine Kollegin Eliza Novak vor. Nun wurde die Unterhaltung auf englisch weiter geführt.
„Ich soll dir noch einen Gruß von Gregory Flinn sagen“ sagte Alessia als sie sich an den Tisch setzte. Mit großen Augen sah Hannes Alessia an „Danke“, sagte er nach einer Weile. „Es ist schön dir beim denken zuzuschauen. Heute Mittag hast du von Gregory und seinen Reportagen gesprochen. Nun, ich bin Journalistin. So viele Journalisten mit Namen Gregory Flinn wird es wohl in Australien nicht geben – gibt es auch nicht. Nach unserem Billardspiel hatten wir im Internet nach ihm recherchier und was er schon für Reportagen und Dokumentationen gemacht hat. Sehr beeindruckend! Wirklich. Ich schreib ihm eine Mail. Als er kurz darauf geantwortet hatte, rief ich ihn an. Er schwärmte von dir in den allerhöchsten Tönen.“ „Schön, es freut mich, wenn er so über mich sprach. Ich mag ihn auch sehr. Sein Team war sehr pflegeleicht, alles passte in dieser einen Woche zusammen. Es waren und sind sehr nette und angenehme Menschen. John und Melvin hatten sogar unsere Psychologin rekrutiert um einige der Dokumentationen zusynchronisieren.“ „Ja, auch dies weiß ich. Das Interview mit einem Bodyguard bei der älteren Frau und ein Interview von dem Frauenhaus hätte er für einen Wettbewerb eines Renommierten Journallistenpreises in den USA eingereicht.“ Hannes fiel die Kinnlade herunter, bei dem was er von Alessia hörte. „Nein! Um Gottes Willen. Nein! Nicht das Frauenhaus! Die Mädchen und Frauen sind unter Lebensgefahr dorthin geflohen. Entschuldigt mich bitte, ich muss Gregory anrufen. Das darf er nicht tun!“ Alessia hielt ihm am Arm fest „Jetzt komm! Setzt dich wieder hin und komm auf die Erde zurück!“  Hannes sah mit entsetztem Blick Alessia an „Frauenrechte sind nicht in jedem Land dieser Welt willkommen -deine Worte!“ „Ja, ja. Hannes, meine Worte. Dieser Preis wird in den USA verliehen. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass in einem Bergdorf in Afghanistan jemand ABC, CBS, CNN oder FOX schaut. Gregory ist wahrlich Profi genug um nicht die Identität von dem Mädchen oder den Ort zu nennen, selbst mir hat er nichts gesagt! Gregory hat einen unglaublichen Respekt vor dir.“ „Meine Güte! Alessia! Ich bringe übermorgen die Kinder an einen anderen Ort, einige Frauen werden hier im Hotel medizinisch versorgt. Das geht nicht. Das kann er nicht tun! Wenn jemand diese Mädchen erkennt, brennt hier dir Luft!“ Eliza sah Hannes an und hielt seinen Arm fest „Ich muss Alessia recht geben. Dieser Preis wird – wenn Gregory ihn bekommen sollte, weiter weg verliehen.“ Hannes schüttelte den Kopf „Ich habe die Verantwortung für 32 misshandelte Kinder und Frauen. Dies ist kein Kinderkarussell! In 40 Stunden könnt ihr Misshandlungen, Verbrennungen, Spuren von Folter mit eigenen Augen sehen! Dafür braucht man keinen Preis zu bekommen!“ Hannes stand auf und ging aus dem Raum.

In seinem Zimmer rief er Gregory an. Ihm war es egal, ob es bei Gregory Mitten in der Nacht war. Lange hörte er das tuten der Leitung. Jemand nahm den Hörer ab. „Gregory? Hannes hier. Tut mir leid, dass ich dich aus dem Bett hole, mir wurde eben von einer Frau Alessia Esposito gesagt, dass du ein Interview von Ellaha bei einem Wettbewerb eingereicht hast oder wirst. Das kannst du nicht machen!“ „Hal…“ „Gregory, du weißt am aller besten wie gefährlich dies alles ist.“ „Han…“ „Bitte mach das nicht. Bitte!“
Ruhe in der Leitung. Hatte er überhaupt die richtige Nummer gewählt? „Hallo…?“ „Ja, ich bin da. Hallo Hannes. Du gabst mir noch nicht einmal die Chance um zu antworten. Ich dachte mir, lass dich dann mal ausreden. Scheinst ja nun fertig zu sein.“ „Guten Morgen Gregory.“ „Guten Abend Hannes. Ich bewundere dich in deiner ganzen Art. Deinem denken für die menschlichkeit. Dies weißt du auch! Ich werde diese zwei Interviews in einer Sparte einreichen, die im Grunde nicht der Rede wert ist. Trotzdem möchte ich, wie auch du, diese Welt verändern und verbessern. Ich bekomme in Australien schon mit, was ihr so tut. Die Webseite spricht für sich. Was meinst du was hier los war, als ich diese Filme zeigte. Ich denke mich erinnern zu können, dass dich der Manager von Miranda Kerr angerufen hat. Wo blieb da dein Anruf mit diesem großen Entsetzten?“
Lange Pause, Hannes war am denken. „Bist du noch da?“ „Ja, ich bin noch da.“ „Ich bin mit ein paar Freunden am organisieren, wie wir die Spenden zu dir nach Afghanistan bringen können.“
„Spenden? Zu mir?“ „Ja. Spenden. Geld und Unmengen an Kleider und Spielsachen.“ „Tut mir leid.“ „Ich verstehe all deine Sorgen und Ängste wahrscheinlich besser als jeder andere Mensch auf dieser Welt. Du hast uns unbeschadet aus Khost nach Kabul geschafft. Ich kenne dich und deine Einstellung zu Menschen sehr gut. Wenn ich überhaupt Nominiert werde und diese Doku es zu einem der drei Plätze schafft, werde ich dieses Geld ohne zu zögern spenden. Ich wollte dich überraschen. Nie kompromittieren. Dafür achte ich dich viel zu sehr. Nun weißt du es eben schon früher. Ich werde auch wieder nach Kabul kommen.“
Es klopfte an seiner Tür. „Moment bitte.“  Alessia stand vor der Tür „Komm herein. Ich bin noch kurz am Telefon. Gregory, sag mir dein Problem. Ich werde eine Lösung finden.“ „Wir haben Spielsachen von Firmen bekommen, Kleider von Modehäuser, einen Berg an Schreibwaren. Drei Garagen beim Sender sind voll damit. Ein ordentlicher Geldbetrag von fast 100.000 Australischen Dollar. Ich habe die Webseite von “Help for Gardez“ gesehen. Sehr ansprechend. Ist diese Samira Ansary die, bei der wir geschlafen haben?“ „Ja, sie ist neu im Team. Ein Anwältin mit Biss. Diese Frau lässt nichts anbrennen.“ „Gib mir bitte ihre Telefonnummer“ „Moment.“  Hannes gab ihm die Nummer von Samiras Handy, wie auch die private E-Mail Adresse. „Gregory?“ „Ja.“ „Danke. Danke für alles. Tut mir leid, dass ich vorhin so reagiert habe.“ „Du bist menschlich. Da reagiert man so. Nun weißt du, dass auch ich dich unterstütze.“ „Danke, mein Freund. Gute Nacht.“

Alessia sah ihn an „Na? Wieder auf der Erde angekommen?“ „Scusa per l’inconveniente.” „Welche Unannehmlichkeiten?  Das du aus dem Speisesaal gestürmt bist? Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie du dich fühlst. Mir ist die Situation von Kinderehen nicht fremd. Du hast mich vorhin gar nicht aussprechen lassen. Gregory hat im Journalismus einen großen Namen. Was ich von dem Gespräch noch mitbekommen habe, hast du Menschen mit einer unglaublichen Macht an deiner Seite. Da hatte ich als 17-jährige doch von dem richtigen Mann geträumt.” „Lass uns Billard spielen.”

„Du willst morgen in eine katholisch Kirche gehen?“ „Ja, in Kabul gibt es eine Kirche auf dem Geländer der italienischen Botschaft. Sind etwa 13 Kilometer von hier entfernt. Ich bin noch nicht einmal katholisch oder ein Kirchgänger, trotzdem brauche ich hin und wieder den Kontakt zu Gott.“ Alessia legte den Queue auf den Tisch „Das musst du mir mal erklären.“ „Okay, dann setzen wir uns.“
Auf der organgenen Rundcouch an diesem Meeting Point erzählte Hannes ihr von seiner Faszination von Kirchen oder Mittelalterlichen Gebäude.
„Willst du ein Bier trinken?“ Alessia sah in mit großen Augen an „Ein Bier? Hier in Afghanistan?“ „Ja. Genau hier in Afghanistan.“ „Gerne“

Hannes ging die paar Meter in sein Zimmer und kam mit zwei Dosen Budweiser Beer zurück.
„Ist zwar kein Moretti oder Peroni und auch nicht gerade die Krönung der Braukunst – aber besser als nichts.“ „Du bist schon eine Marke.“
Hannes erzählte ihr von seinen Gesprächen mit Gott in der Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família, in Barcelona oder in Santiago de Compostela. Er erzählte ihr von Kambodscha, was er am Mittag noch nicht gesagt hatte. In welchem Umfang ihr Traumprinz dort Ortschaften – ja sogar ganze Landschaften verändert hatte und welches Elend er sah.

„Welches Bild hast du nun von mir? Sind deine Träume geplatzt wie ein Luftballon?“ Alessia sah ihm tief in die Augen „Im Gegenteil! Ich konnte nur das Träumen, was mir bekannt war oder das was ich dachte. All diese Erzählungen von meinem Vater über dich, sind nicht im Ansatz das, was du bist! Durch diese Erzählungen von den fernen Länder und Kulturen, hatte ich angefangen Journalismus zu studieren. Ich bin heute immer noch so neugierig auf Länder und Kulturen wie mit 17 Jahren. Leider sind Nachrichten über Krieg, Bomben und Tod es, was die Leute interessiert – oder auch nicht. Das Gespräch mit Gregory war sehr gut und angenehm. Dieser Mann hat mir in zwei Stunden so viel über dich erzählt, dass es für mich mehr als eine Ehre ist, hier bei dir mit einer Dose Bier zu sitzen. Ich würde heute mit dir gerne zur Kirche fahren.“ „Sehr gerne, ich kann nicht so viel italienisch. Pater Scalese sagte nur, dass es eine internationale Gemeinde sei. In welcher Sprache er die Messe feiert, sagte er mir nicht.“ „Wie komme ich nach Gardez? Ich würde gerne dort weiter machen, wo Gregory aufhörte.“ „Gute Frage. Ich fahre am Donnerstag dort hin. Ich nehme die Direktorin mit zu diesem Frauenhaus und wir schaffen die Kinder nach Gardez. Wenn du und dein Team bei mir mitfahrt, kann ich keine Kinder mitnehmen.“ „Verstehe ich.“ „In dem Frauenhaus wird es nichts mehr zu filmen geben. Das neue vielleicht, aber das noch bestehende wird in 36 Stunden Geschichte sein. Wenn ihr nur bis nach Gardez fahrt und dort bleibt, bis wir zurück kommen, habt ihr keinen Personenschutz. Soll ich für Donnerstag ein Fahrzeug und ein Team buchen?“ „Mach dies bitte. Jetzt noch so spät oder so früh in der Nacht?“
Hannes schaltete den Computer in diesem Meeting Point an, loggte sich ein und buchte für Donnerstag ein Bus mit drei Personenschützer.
„Das spanische Team ist gut. Liegt nun an dir ob du drei Männer oder drei Frauen als Personenschützer möchtest. Ein ganzes Team macht für Gardez keinen Sinn, dann bräuchten wir noch ein Fahrzeug.“ „Ist schon in Ordnung. Ich war in vielen Länder ohne Personenschutz. Ich war oft viel zu leichtsinnig!“ „Ja, hinterher sieht man vieles mit anderen Augen. Ich schreibe der Teamleiterin, Sofia Gonzales, dass sie dies Entscheiden kann. Ist das okay?“ „Ja, du bist der Chef.“ Er nickte.

Mittwoch 11. April. 9.15 Uhr

Nach dem Frühstück kamen Alessia, Fiorenzo und Giannina in sein Büro. Von der vielen Technik an den zwei Wänden und den unglaublich vielen Monitoren, Telefone und sonstigen Elektronischen Dingen auf den Tischen, waren die drei fasziniert. „So sieht es bei uns in der Redaktion nicht aus.“ „Glaube ich dir. Ich denke, dass eure Redaktion auch keinen Zugang zu militärischen Satelliten oder Geheimdiensten hat. Lasst uns fahren.“

Hannes meldete die Gruppe an der Rezeption ab. Die fünf gingen durch den Park zur Werkstatt. Natürlich war dieses Gebäude auch ein Gesprächsthema. Hannes erklärte, dass er dieses Gebäude entworfen hatte, wie auch den Burgfried über der Tankstelle.

Alessia stiegvorne bei ihm im Auto ein und schaute sich nochmals die Werkstatt und die Tankstelle an. „Der Traumprinz baute ein Schloss.“ Sie lachte ihn an „Du bist ne´ Nummer. Ich hatte heute morgen mein Vater angerufen und ihm von dir erzählt, es war unglaublich, dass er auch noch so viel von dir wusste. Ich soll dir einen Gruß sagen, auch wenn ihr euch nie begegnet seid.“

Das Verkehrschaos war wieder der blanke Horror in Kabul. Die Asmay Road am Zoo vorbei, war mal wieder völlig dicht.
„Hier links seht ihr den City Amusement Park, ein Freizeitpark mit Fahrgeschäften und einem schönen Park.“ Die vier Mitfahrer konnten gar nicht glauben, dass es einen solchen Park in Kabul gab. Am Dayar-e-Kabul, der Kabul Fluss, konnte man die Unweltverschutzung schwimmen sehen. „Meine Güte, wie dies hier alles aussieht!“ Sagte Eliza als sie den Müll an Plastik auf dem Fluss schwimmen sah. „Links vor uns ist der Zarnegar Park. Sehr viele Bäume und auch eigentlich gut angelegt. Leider fehlt dem vielen grün die Farben – zu wenig Blumen auf diesem Gelände. Bänke könnten auch locker fünffache aufgestellt werden. Aber besser als gar nichts. Wir haben auch einen schönen Park, da kann man sogar Grillen.“ „Ja das stimmt, der Park am Hotel ist wirklich toll.“ „Er trägt die Handschrift von der Frau vom Direktor. Kennt ihr ihn überhaupt?“ Alessia schüttelte den Kopf. „Er ist italiener. Ich kenne Marco und seine Frau schon einige Jahre.“ „Ist seine Frau die große, schmale mit den unglaublich schönen Haaren.“ „Jep. Das ist Tamina. Sie kann auch italienisch.“

Endlich war die Ebn-e-Sina-Road erreicht – die Hälfte der Strecke. Hannes erzählte über Marco und Tamina. Bei diesem Chaos brauchte man lange Gesprächsthemen.
Im Distrikt Shahre Naow waren viele Botschaften. Gebäude die alle mehr gesichert waren als Fort Knox. Hier sah man auch sehr viele gepanzerte Fahrzeuge. Einige der Fahrer dieser Fahrzeuge hoben die Hand zum Gruß. Sie machten alle irgendwie den gleichen Job wie er auch.
Im Stadtteil Warzir Akbar Khan sah man schon die Botschaft der USA. Panzer, Militärs, Mauern so hoch wie manche Häuser nicht waren. Ein riesiges Gelände. Ein Park mit Bäumen und Wasserläufe. Sah irgendwie dem Park vom Kapitol in Washington ähnlich, nur ein paar Nummern kleiner.

Endlich kam der Armoured auf den Zubringer zum Flughafen. Das war die Great Massoud Road. Hannes sah schon auf der rechten Seite die große graue Mauer von der italienischen Botschaft, den Eingang mit den Wachgebäude mit Panzerglas. Ein Wachmann trat auf den Armoured zu, Hannes öffnete das vierfach verstärke Seitenfenster vom Land Rover und zeige seinen Ausweis.
Alessia erklärte dem Wachmann auf italienisch, was der Grund für diesen Besuch sei. Der Wachmann winkte das Auto durch und sagte, wo er das Auto parken konnte.

„Ich hätte jetzt mit einer überprüfen aller Papiere und Personen gerechnet.“ „Eliza, ein solches Auto wird nicht kontrolliert. Vielleicht bei der Botschaft der USA. Die hätten womöglich noch den Motor ausgebaut. Meine Dokumente vom afghanischen Ministerium, mit der Erklärung meiner Person, zeigen schon ihre Wirkung. Ich darf in allen Öffentlichen Gebäude in diesem Land eine Waffe tragen. Ich zeigte dem Wachmann auch diese Bescheinigung. Hier auf dem Gelände werde ich diese nicht bei mir tragen müssen.“

Die Kirche auf dem Gelände der Botschaft war ein grauer quadratischer Betonklotz. Am Eingang war ein großes Fenster mit schmalen Betonpfeiler. Darüber hing ein Kreuz von eineinhalb Meter.
Beim betreten der Kirche bekreuzigten sich die vier. Hannes hielt dieses Ritual als nicht katholik überflüssig.
Die Kirche war recht schön eingerichtet. Einige Bankreihen, ein großer Altar der von unzähligen Kerzen flankiert wurde. Bilder an den Wänden von Jesus, dem Abendmahl, der Kreuzigung und anderen Heiligen. Hannes kannte nur drei. Achatius von Byzanz, Ägidius von St. Gilles und Katharina von Alexandrien. Alles starke Persönlichkeiten, Helfer oder Kämpfer für das Gute.
„Irgendwann hängt auch ein Bild von die an solchen Wänden“ sagte Eliza leise. „Ich bin nicht katholisch. Es reicht, wenn ein Schwert zum Ritterschlag in meinem Büro hängt.“ Eliza knuffte ihm gegen den Arm. In der ersten Reihen saßen fünf Personen und in der zweiten Reihe auf der rechten Seite sah er drei Frauen sitzen.

Hannes lies die Bilder der Heiligen auf sich wirken. Er war ein großer Fan von Nikolaus von Myra. Dieser Mann war in seinem handeln ein großes Vorbild für ihn. In seinen Gedanken vertieft war er am beten für die Vergebung seiner Schuld. Er dachte an die Kinder, die Patricia und er schon glücklich gemacht hatten. Er dachte an Ellaha und Amira. Unbewusst fing er an zu weinen. „Nikolaus, du bist mein Held“ sagte er leise und wischte sich die Tränen weg.

Pater Giovanni Scalese betrat den Raum. Er war in einem schwarzen Talar gekleidet. Begrüßte die Person in der Kirche und gab jedem die Hand. Alessia, Giannina und Fiorenzo begrüßten den Pater auf italienisch. Eliza und Hannes auf englisch. Pater Scalese ließ aus dem Lukasevangelium in italienisch. Es war der Respekt der größeren Gruppe. Denn wie Hannes es bei der Begrüßung  der anderen Besucher verstanden hatte, mussten diese italiener sein, oder zumindest diese Sprache sprechen.
Das Lukasevangelium kannte Hannes auch, so konnte der der Predigt doch teilweise folgen. Es tat ihm gut, die Worte, die er schon oft gelesen hatte, von einem Pater zu hören – wenn auch auf italienisch. Der Gottesdienst bei den katholiken wurde doch etwas anderst gefeiert, als bei den Protestanten.
Zum Schluß sprach Pater Scalese noch das Vater unser.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 „Amen.“ Es sind für viele nur Worte, für Hannes sind sie mehr. “Dein Wille geschehe“ Welcher? Der die Menschen zu beschützen, zu helfen oder von Angst, Furcht und Gewalt zu befreien?
„Vergib mir meine Schuld.“Schuld an dem Tod einiger Menschen, die er erschossen hatte?
“Sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Hatte er dies nicht getan? Diese Worten aus dem „Varer unser“ quälten ihn schon seit Jahren. Gott lässt sich mit seiner Antwort sehr viel Zeit.

Nach der Messe saß die kleine Gruppe im Nebenraum der Kapelle. Hannes brannten seine Fragen auf der Zunge. Sollte er dem Pater diese anvertrauen? 
Alessia, Eliza, Giannina und Fiorenzo hörten seine Fragen zu, die er Pater Scalese stellte. Den drei Frauen kamen die Tränen bei seinen Worten. Fiorenzo saß regungslos zwei Stühle neben Hannes und auch er rang mit den Tränen.
Pater Scalese brauchte lange bis er antwortete. Wahrscheinlich wurden ihm solche Fragen noch nie gestellt. „Ist es eine Gute oder Böse Tat einen Menschen zu erschießen, der anderen Leid angetan hat? Es ist Ihr Beruf. Sind Soldaten andere Menschen, wenn diese Befehle ausführen? Ich sehe den Schmerz in Ihren Augen. Sie sind kein Mörder! Ein Mörder handelt aus niedrigen Motiven heraus, Sie beschützen mit Ihrem Können, Wissen und Erfahrung andere Menschenleben.“
Ob Gott dies auch so sehen wird, wenn Hannes irgendwann bei ihm an die Tür klopft?
Um dem Pater ein anderes Bild von Hannes zu zeigen, erzählte Alessia das, was sie nun alles von ihm wusste.
Wieder ließ sich Pater Giovanni Scalese Zeit um zu antworten. Er sah Hannes mit einem Blick an, der großen Respekt zeigte. „Gott wohnt in Ihnen mehr, als Sie es wissen. Sie tun so viel Gutes für Menschen, kämpfen seit vielen Jahren für Menschenrechte. Wir können an der Boshaftigkeit einiger Menschen nicht ändern. Nur das Leid anderer mindern. Dies tun Sie aus Ihrem Herz heraus. Eine solche Menschlichkeit ist in unserer Zeit selten. Hören Sie nie auf an das zu Glauben, was in Ihrem Herzen ist!“

Irgendwie hatte Hannes solche Worte schon öfter gehört. Hannes bedankte sich bei Pater Scalese für die Worte und lud ihn in die Darulaman Road ein. Hannes wollte, wenn es Pater Scalese einrichten könnte, hin und wieder einen Gottesdienst im Hotel abhalten. Denn es gab ja auch Personenschützer, Journalisten oder Mitarbeitern einiger Firmen die an Gott glaubten. Hannes erklärte dem Pater was das Hotel für ein Gebäude sei und der Pater sich um seine Sicherheit keine Sorgen machen müsste. Fahrzeuge um ihn abzuholen wären genügend vorhanden, oder er könnte mit den gepanzerten Botschaftswagen zu ihnen kommen.

Die Rückfahrt war eine andere als die Hinfahr zur Kirche. Das Verkehrschaos regte ihn nicht mehr auf. Schweigen im Auto war nie seine Art, nur was sollte Hannes jetzt sagen? Gute Messe? Gute Worte vom Pater an ihn? Eliza sprach zu den anderen im Wagen „Eine solche Messe habe ich noch nie erlebt. In einem der gefährlichen Länder der Welt, füllte ich mich Gott sehr nah.“ Sie fasste Hannes an seine rechte Schulter „Deine Fragen an den Pater taten mir im Herz weh. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen achte ich dich noch viel mehr. Ich möchte mit deinem Leben nicht tauschen.“
Die drei anderen im Fahrzeug nickten ihr zu.