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Frühehen

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Der Begriff Kinderehe ist in Früh- und Kinderehe definiert.

Der Begriff Frühehe bezieht sich sowohl auf die formelle als auch auf die informelle Ehe, die ein Mädchen mit einem Partner eingeht, ob diese noch nicht das 18. Lebensjahr erreicht hat und somit physisch, psychologisch und soziologisch die Verantwortung für Ehe und Geburt nicht übernehmen kann.

Bei einer Kinderehe hingegen habe entweder einer oder beide Ehepartner das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht und solche „Ehen“ findet mit oder ohne formelle Registrierung von irgendwelchen Behörden statt.

Sonita Alizadeh. Foto: The Guardian

Auf YouTube gibt es einen sehr guten Bericht über Sonita Alizadeh
https://youtu.be/-AFwAtPPEjE

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Frühehen in Afrika

Frühe Eheschließungen sind in Afrika seit Jahrzehnten zur Norm geworden und die Mädchen werden immer jünger verheiratet. Einige Beobachter von Internationalen Hilfsorganisationen gehen mittlerweile von sogar schon 8-jährigen „Ehefrauen“ aus.

Während die meisten Frauen in
Industrieländer zu einem späteren Zeitpunkt heiraten, heiraten in Afrika viele aufgrund einiger kultureller und traditioneller Implikation zu einem frühen Zeitpunkt. Zwanzig bis fünfzig Prozent der Frauen in Entwicklungsländern sind im Alter von 16 Jahren bereits verheiratet, wobei der höchste Prozentsatz in Afrika südlich der Sahara, in Süd- und Zentralasien zu verzeichnen ist.
Im Norden Nigerias, ziehen es viele Eltern aus kulturellen und wirtschaftlichen Gründen vor, ihre Töchter in einem Alter vom 10 oder noch jüngeren Jahren zu heiraten. Die Analphabetenrate unter Frauen ist im Norden von Nigeria um dreiviertel höher als im Süden.
Zwar wurde auf Druck von UNICEF der Aufbau von Schulen und Präventivmaßnahmen die Einschulungsquote für Mädchen verbessert, trotzdem ist die Quote der Schulabbrüche immer noch emens hoch, weil wahrscheinlich die Mädchen in eine Frühehe gezwungen werden.
Auch werden viele Mädchen erst gar nicht in Schulen eingeschrieben, da die Familien zum einen kein Schulgeld haben und zum anderen der Glaube vorherrscht, dass Mädchen sowieso verheiratet werden und somit keine Bildung brauchen.

Die negativen Folgen von Frühehen

Es besteht tendenziell ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Eheschließung,
dem Bildungsniveau, der Armut und der Gesundheit.
Weniger gebildete Mädchen neigen dazu, früher zu heiraten, und führen daher oft zu gesundheitlichen Problemen wie zum Beispiel: Frühgeburten und oder ungewollte Schwangerschaften.
Junge Mädchen werden meist gezwungen einen viel älteren Mann zu heiraten und somit auch zum Geschlechtsverkehr. Schwangerschaften, Schwangerschaftsabbrüche und Fehlgeburten von Mädchen die gerade in die Pubertät kommen, sind mittlerweile an der Tagesordnung. Dies hat schwerwiegende gesundheitliche Folgen, da die Mädchen psychisch, körperlich und sexuell noch gar nicht reif sind.
Ein weiterer schwerwiegender Punkt ist die häusliche Gewalt, sowie der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen.
Die extrem hohe Morbidität und Mortalität von Müttern steigt seit Jahren an.
2019 lag die HIV-Prävalenz in Nigeria bei 1,4% der Erwachsenen im Alter von 15 bis 49 Jahren. Frühere Schätzungen hatten eine nationale HIV-Prävalenz von 2,8% angegeben. UNAIDS und die National Agency for the Control of AIDS schätzen, dass mittlerweile mehr als ein Zehntel der Menschen in Nigeria mit HIV infiziert sind – Tendenz steigend.

Prävention und Aufklärung fängt an zu greifen

In den letzten Jahren haben die nördlichen Provinzen Niger und Bauchi Gesetze erlassen, die den Abbruch von Kindern aus der Schule für Verheiratete verbieten. Dies wird jedoch nicht durchgesetzt. Die nigerianische Bundesregierung und die 19 nördlichen Provinzen haben eine Initiative eingeleitet, um die frühe Heirat und ihre Auswirkungen auf die Bildung zu überprüfen (z. B. Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die reproduktive Gesundheit und die Rechte von Mädchen sowie die Bedeutung, Mädchen den Abschluss von weiterführenden Schulen zu ermöglichen und die Verbindungen zwischen Schule und Gemeinde zu stärken) Verbesserungen der Mädchen für Bildung und mehr Schulen nur für Mädchen und Frauen. Einige dieser Initiativen haben zu positiven Ergebnissen geführt. Verheiratete Mädchen und Mütter, die die Schule abgebrochen hatten, haben die Schule wieder aufgenommen, und die Eltern haben damit begonnen, den Mädchen eine Sekundarschule vor der Heirat abzuschließen oder sogar eine höhere Schule zu besuchen.

Auswirkungen der Frühehe auf die Ausbildung der Mädchen

Die Schule ist die wichtigste Einrichtung außerhalb der Familie, die sich mit der Sozialisierung junger Menschen in allen Dimensionen der Rolle und Verantwortung von Erwachsenen befasst.
Die Frühehe hingegen verweigert Kindern im schulpflichtigen Alter, ihrem Recht auf Bildung, der Notwendigkeit ihrer persönlichen Entwicklung für das Erwachsenenalter und ihren wirksamen Beiträgen zum Wachstum ihrer Zukunft, Gesellschaft und Familie.
Das Recht auf Bildung und Gesundheit besteht im Wesentlichen darin, dass sie die wirksame Wahrnehmung der Menschenrechte erleichtern und auch verbessern.
Für sehr viele ärmerer Familien ist die potenzielle Bildung für die Erziehung eines weiblichen Kindes zu weit entfernt, weshalb ihre Erziehung nicht als Investition anerkannt wird. Familien behaupten, dass die Bildung von Mädchen nur dem Haushalt des Mannes zugute kommt, nicht ihren Eltern. Einige Eltern glauben, dass Mädchen keine Bildung für ihre Rolle als Ehefrau und Mutter brauchen, dass Bildung kulturelle Praktiken untergräbt und dass Bildung die Mädchen lehrt, Traditionen abzulehnen.
Bei Bildung selbst auf der Basisebene geht es jedoch nicht nur um Lebensunterhalt und technische Fähigkeiten, sondern vor allem darum, soziale Verbindungen zu schaffen, die es einem ermöglichen, auf wichtige Ressourcen zuzugreifen, um die Armut zu lindern.
Die Bildung kann auch das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen der Mädchen entwickeln, um ihre Meinung zu äußern oder die Kontrolle über ihre eigenen Handlungen, ihr Leben und ihren Körper zu übernehmen.
Ein weiterer positiver Vorteil der Bildung ist die Verbesserung der reproduktiven Gesundheit und des Überlebens der Kinder.
Gebildete Frauen können dann auch über ein Mitspracherecht bei der Entscheidungsfindung in Bezug auf die Größe ihrer Familien und den Abstand der Kinder einbringen. Es wäre auch ein weiterer positiver Schritt zu Informationen und Kenntnisse über Empfängnisverhütung und den Gesundheitsbedarf ihrer Kinder.

Fazit

Bildung ist das wichtigste was die Menschen im 21. Jahrhundert braucht um aus der Spirale der Armut und Abhängigkeit zu kommen.
Wer seine Menschenrechte kennt, kann diese auch verteidigen.

Quelle: UNICEF, Terres des Homes

A/RES/22/2263

A/RES/22/2263
A/RES/67/146
A/61/438, Ziff. 27

Dies sind die Resolutionsnummern der Vereinten Nationen zur Diskriminierung der Frauen und zur Ächtung der Genitalverstümmelung bei Mädchen.
Zwangsehe mit minderjährigen Mädchen

Um nun all meine Wut zu schreiben, würde dieser Artikel ins Endlose gehen. Ich beschränke mich nur auf die Genitalverstümmelung und Zwangsehen bei minderjährigen Mädchen – dies auch nur in Auszügen.

Zu Punkt 1: Genitalverstümmelung

Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen, in New York, wurde am 20. Dezember 2012 einstimmig die Resolution zur Verstärkung der weltweiten Bemühungen um die Durchführung der weiblichen Genitalverstümmelung beschlossen.
Die UN hat weibliche Genitalverstümmelung weltweit als Menschenrechtsverletzung geächtet und durch zahlreiche internationale Übereinkommen verboten. Dennoch werden jeden Tag bis zu 8.000 Mädchen, zum Teil bereits im Alter von 5 Jahren auf schlimmste Weise verstümmelt. Dies überwiegend in muslimisch geprägten Länder.
Die Genitalverstümmelung von Mädchen ist ein globales Gewaltphänomen mit mindestens 4 Millionen Opfern jedes Jahr. Mittlerweile haben zwar viele Länder, in denen die genitale Verstümmelung von Mädchen verbreitet ist, Strafgesetze erlassen. Dennoch müssen derzeit über 264 Millionen Mädchen und Frauen in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern mit den schwerwiegenden Folgen weiterleben. Weltweit jede 20. Frau wurde Opfer dieser barbarischen „Tradition“ und leidet unter dieser seelischen Vergewaltigung.
In manchen Ländern ist nahezu die gesamte weibliche Bevölkerung betroffen, wie etwa in Ägypten, Guinea und Somalia.
Diese systematische Gewalt gegen die weibliche Bevölkerung ist in etwa 28 afrikanischen Ländern verbreitet und tritt verstärkt sowohl im Nahen Osten als auch in Asien und Zentralasien auf.

Die von Unicef herausgegebenen Verbreitungszahlen führen außer den afrikanischen Ländern nur auch den Irak und Jemen an. Allerdings hat Unicef im Februar 2016 die Opferzahlen nach oben korrigiert, da die Verbreitung in Indonesien und Malaysia mit mindestens 50 Millionen Betroffenen repräsentativ belegt ist. Studien unter anderem aus dem Iran, Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Pakistan zeigen das wahre geographische Ausmaß. Es bleibt abzuwarten, ob die wichtige Feldforschung in diesen Ländern den Weg in die offizielle Verbreitungsstatistik finden wird.
Da in letzter Zeit vermehrt die Arbeit von Menschenrechtsorganidationen in vielen afrikanischen und asiatischen Ländern massiv behindert und blockiert wird, können die Organisationen oft nur auf Fallzahlen zurückgreifen.

FGM auf dem Weg nach Europa

Durch Migration tritt die Genitalverstümmelung auch immer mehr in den USA, Australien und Europa in Erscheinung. Recherchen von UNICEF und der Waris Dirie Foundation haben ergeben, dass in Europa mindestens 500.000 betroffene Frauen und Mädchen leben und circa 180.000 minderjährige Mädchen als akut gefährdet eingestuft werden.
Allein in Deutschland sind nach Schätzung etwa 81.000 Mädchen von dieser besonders schweren Form der Gewalt bedroht oder bereits betroffen.
Die Gewalt macht also keineswegs vor europäischen Rechtsstaaten Halt. Um in Deutschland Mädchen umfassend vor der Verstümmelung ihrer Genitalien schützen zu können, sollten effektive präventions Maßnahmen, wie die Einführung einer Meldepflicht nach französichem Vorbild mit verpflichtende Kindervorsorgeuntersuchungen, schnellstmöglich greifen. Ein Gesetz mit der Strafbarkeit zur Genitalverstümmelung gibt es in Deutschland bereits seit September 2013. Dort wird die Verstümmelung weiblicher Genitalien als Straftatbestand gemäß § 226 a Strafgesetzbuch (StGB) eingestuft und kann mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Auch in Österreich zählt die Genitalverstümmelung als Tatbestand einer schweren Körperverletzung nach
§ 84 Abs. 1 StGB, unter bestimmten Voraussetzungen, etwa wenn die Tat ein schweres
Leiden zur Folge hat, sogar den Tatbestand einer Körperverletzung mit schweren
Dauerfolgen nach § 85 StGB, und ist als solche strafrechtlich zu ahnden.

So in etwa lautet jedes Gesetz in den Mitgliedstaaten der EU.
Unter der Resolutionsnummer: COM/2013/0833 final, kann man auch den Handlungsbedarf zur FGM in der Europäischen Union nachlesen.

Eine Auflistung von FGM Fälle in den EU-Mitgliedstaaten.

Land, Jahr der Erhebung, Zahl der Frauen mit Genitalverstümmelung, Zahl der in Bezug auf Genitalverstümmelung gefährdeten Mädchen und die Zahl der Strafsachen.

Belgien: 2011. Frauen mit FGM: 260 und die Zahl der gefährdeten Mädchen: 975.
Dänemark: Keine Daten verfügbar lediglich ein Straftatbestand.
Deutschland: 2007. Frauen mit FGM:19 000 und 4 000 gefährdete Mädchen.
Irland: 2011. Frauen mit FGM: 3170. Keine weiteren Daten verfügbar.
Spanien: Keine Daten verfügbar. Dafür sechs Strafbestände.
Frankreich: 2007. Frauen mit FGM: 61 000. Bei den Mädchen keine Daten verfügbar. Dafür 29 Fälle von Straftatbestände.
Italien: 2009. Frauen mit FGM:35000. Gefährdete Mädchen circa 1 000 und 2 Fälle von Strafbarkeit.
Ungarn: 2012. 170 – 350 Frauen mit FGM und sonst keine Daten verfügbar.
Niederlande: 2013. Frauen mit FGM: 29 210 und  40 – 50g efährdete Mädchen jedes Jahr. Eine Strafbarkeit ist bekannt.
Schweden: Keine Daten verfügbar, dafür 2 Strafbestände.
Im Vereinigten Königreich lag 2007 die Zahl der Frauen mit FGM bei 65 790. Die unglaubliche Zahl von 30 000 gefährdeten Mädchen ist erschreckend hoch.

Nun eine Auflistung der Länder in denen die Genitalverstümmelung praktiziert wird. Die Angaben sind in Prozent der Frauenanteile in den jeweiligen Ländern.

Ägypten: 87%
Äthiopien: 65%
Benin: 9%
Burkina Faso: 76%
Côte d’Ivoire: 37%
Dschibuti: 93%
Eritrea: 83%
Gambia: 75%
Ghana: 4%
Guinea: 97%
Guinea-Bissau: 45%
Indonesien: 49%
Irak: 8%
Jemen:19%
Kamerun: 1%
Kenia: 21%
Liberia: 44%
Mali: 83%
Mauretanien: 67%
Niger: 2%
Nigeria: 18%
Senegal: 23%
Sierra Leone: 86%
Somalia: 98%
Sudan: 87%
Tansania:10%
Togo: 8%
Tschad: 38%
Uganda: 1%
Zentralafrikanische Republik:24%

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Punkt 2: Frühehen

Zwangsehen mit minderjährigen Mädchen oder der Menschen als Wegwerfartikel.

Um eines gleich vorweg zu nehmen, mir ist durchaus bewusst das es auch Zwangsehen mit Jungen gibt. Diese sind in der weltweiten Statistik mit unter 1% angeführt.

In den meisten Ländern gilt man zwar erst ab 18 Jahren als „ehemündig“, aber in vielen Ländern gibt es eine Reihe von Ausnahmen, wenn zum Beispiel die Eltern oder ein Gericht zustimmen. Das ist problematisch, da es häufig die Eltern sind, die die Ehe arrangiert haben. In einigen Ländern gibt es außerdem ein unterschiedliches Mindest-Heiratsalter für Mädchen und für Jungen. Wie so oft ist außerdem die Frage, ob auf dem Papier bestehende Gesetze auch wirksam durchgesetzt werden. Gesetze gegen Kinderehen sind also wichtig, aber nur ein Element von vielen zur nachhaltigen Bekämpfung von Kinderehen.

Lückenhafte Gesetze zum Schutz vor Kinderehen gibt es übrigens nicht nur in Ländern des globalen Südens: In einigen US-Bundesstaaten sind beispielsweise Kinderehen in Ausnahmen erlaubt. Auch in Deutschland war bis vor kurzem eine Heirat ab 16 möglich, wenn das Familiengericht zustimmte – diese Regelung wurde erst 2017 geändert und auf 18 Jahre erhöht.

Was nun folgt ist die brutale Realität in der ein Mädchenleben nichts wert ist und in der Frauen keine Rechte haben, wie ich es an der Situation von Pakistan zeigen werde. Ich verzichte bewusst auf Fotos von verbrannten und getöteten Kinder.

In Pakistan dürfen Männer minderjährige Mädchen heiraten, sobald sie ihre erste Periode hatten. Dies hat ein Gericht im Februar 2020 in der Stadt Sindh entschieden und verstößt damit gegen das Verbot von Kinderehen, welches die Vereinten Nationen in der Resolution 61/144 Verabschiedet auf der 81. Plenarsitzung am 19. Dezember 2006 verabschiedet hat.
Das Gericht in Pakistan hat auf Grundlage der Scharia entschieden. Die Scharia ist das islamische Recht, dass sich auf die Lehren des Korans bezieht. Da die Scharia im Islam die Ordnung Gottes repräsentiert, steht sie für strenggläubige Muslime über dem Gesetz.
Der Rechtsspruch wurde durch das Höchste Gericht in Sindh, einer der vier pakistanischen Provinzen, am 3. Februar 2020 verkündet. Er war das Ergebnis einer Klage, bei der ein 14-Jähriges katholisches Mädchen zur Konvertierung zum Islam und anschließender Kinderehe gezwungen wurde.
Diese Urteil verstößt gegen geltendes Völkerrecht.

Um zu beweisen, dass die Eheschließung ungültig und illegal war, zeigten die Eltern des Mädchens die Taufurkunde und eine Schulbescheinigung bei der Anhörung vor. Beide Beweise bestätigten, dass ihre Tochter zum Zeitpunkt der Ehe noch minderjährig war. Die Familie berief sich in ihrer Klage auf das Verbot von Kinderehen, dass das Höchste Gericht in Sindh 2014 verabschiedet hatte. Entgegen dieser Rechtslage entschieden die Richter, dass die Eheschließung zwischen dem Mädchen und ihrem Mann nach der Scharia rechtsgültig sei, da das junge Mädchen ihre erste Periode bereits hatte.

Wie Frauenverachtend das patriarchalischen Denken am Beispiel Pakistans ist, zeigt der nachfolgende Text.


Ein sechsjähriges Mädchen wurde vergewaltigt, gefoltert und mit einem Stein zu Tode geprügelt, bevor man ihren Körper im Müll fand. Ein 5-jähriges Mädchen in Südpakistan wurde vergewaltigt, auf den Kopf geschlagen und in Brand gesteckt. Eine Frau im Osten des Landes wurde aus ihrem Auto gezerrt und auf der Straße vor ihren Kindern sexuell missbraucht.
Wie in Indien werden auch in Pakistan Neugeborene auf Müllhalden entsorgt oder verkauft, weil sie Mädchen sind. Sie sind ungewollt, überflüssig – Müll eben. Oft werden sie direkt nach der Geburt von den Hebammen in einem Müllsack entsorgt.
Mädchen werden täglich brutal vergewaltigt und anschließend umgebracht und einfach auf einer Müllhalde weggeworfen. Wenn Opfer überleben werden diese oft wie Kriminelle behandelt oder für die sexuellen Angriffe verantwortlich gemacht.

Ein weiter Bericht zeigt, dass Mädchen und Frauen in Pakistan keinen Wert darstellen. So eurde ein 16-jähriges Mädchen lebendig verbrannt, weil sie einen Heiratsantrag abgelehnt hatte.

In Pakistan gibt es jedes Jahr Tausende Fälle von Gewalt gegen Frauen, von Vergewaltigungen und Säureangriffen. Das gezielte abtreiben weiblicher Föten, das Töten und Aussetzen geht täglich bis zum Ehrenmord.

Hunderte von Kindern werden in Pakistan jährlich ausgesetzt. Andere werden gleich getötet und entsorgt. Viele sind das Ergebnis einer Vergewaltigung, manchmal vom eigenen Ehemann oder dessen Familienangehörigen. Die Kinder dürfen nicht leben, weil sie unehelich sind, weil sie daran erinnern, wie sie gezeugt wurden, weil sie ein lebender Beweis wären. Niemand will sie haben.

Die pakistanischen Medien veröffentlichen regelmäßig Berichte über die brutale Vergewaltigung und Ermordung von Mädchen und Frauen.
Immer wieder kommt es in Pakistan zu Protesten, wie im Falle der Entführung, Vergewaltigung und Ermordung eines 10-jährigen Mädchens aus Islamabad. Nachdem sich das Mädchen in einem Park verirrt hatte, in dem sie spielen ging, wurde die Leiche gefunden und das Foto ihres Körpers, das in den sozialen Medien verbreitet wurde, zeigte Anzeichen von Folter. Obwohl die pakistanischen Gesetze die Rechte und Freiheiten von Frauen unterstützen, werden sie nicht umgesetzt. Als sich die Familie an die Polizei wandte, um den Fall ihrer Entführung zu melden, spielte die Polizei die Vermisstenanzeige herunter, dass 10-jährige Mädchen sei nur davongelaufen. Nach der Untersuchung des Leichnam wurde bei dem Mädchen inneren Blutungen durch Vergewaltigung festgestellt. Daraufhin verhaftete die Polizei einen nahen Verwandten von dem Mädchen und auch drei Polizeibeamte. Den Polizeibeamten konnte Fahrlässigkeit nachgewiesen werden, aber auch nur, weil Menschen nach dem Mord an dem Mädchen auf die Straße gingen.

Laut der pakistanischen Kinderschutzorganisation Sahil wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 durchschnittlich mehr als acht Kinder täglich sexuell missbraucht. In seinem im September 2020 veröffentlichten sechsmonatigen Bericht „Cruel Number“ berichtete Sahil, dass allein bis Juni dieses Jahres 497 Kinder sexuell missbraucht wurden. Laut Sahil wurden 38 Kinder getötet, nachdem sie sexuell missbraucht worden waren.

Im August 2020 sorgte ein Mord an einem sechsjährigen Mädchen in für Empörung. Sie wurde vergewaltigt, gefoltert und mit einem Stein zu Tode geprügelt, bevor ihr Körper in einen Sack gesteckt wurde.

Ein 5-jähriges Mädchen in Südpakistan wurde vergewaltigt, auf den Kopf geschlagen und in Brand gesteckt. Das Mädchen wurde am 04. September 2020 entführt, nachdem es in einem Geschäft in der südlichen Hafenstadt Karachi Kekse gekauft hatte, teilte die Polizei mit. Ihre Leiche wurde zwei Tage später gefunden und eine Autopsie ergab, dass sie sexuell angegriffen worden war. Die Polizei hat in dem Fall mehr als 20 Verdächtige festgenommen.

Studien zur Gewalt gegen Frauen schätzen, dass alle zwei Stunden eine Frau in Pakistan vergewaltigt wird. Etwa 70 bis 90 Prozent der Frauen leiden unter häuslicher Gewalt. Nur 5 Prozent der missbrauchenden Ehemänner und Familienmitglieder werden überhaupt verurteilt. Oft werden die Opfer auch von ihren eigenen Familienangehörigen gezwungen zu schweigen oder sie werden bestraft.

Eine Frau wandte sich an ihren Schwiegervater, als ihr Ehemann sie schlug, aber dieser befahl stattdessen, sie zu verbrennen, nachdem ihr Ehemann sie beschuldigt hatte, weniger als 35 Dollar aus seiner Brieftasche gestohlen zu haben. Ihr Mann und ihr Schwager übergossen sie mit Öl und zündeten sie lebendig an.
Allein in den letzten acht Jahren wurden in Islamabad viertausend Frauen von ihren Familienmitgliedern in Brand gesteckt und weniger als 4 Prozent überlebten. Die Mehrheit der Opfer war zwischen achtzehn und fünfunddreißig Jahre alt und ungefähr 30 Prozent waren schwanger.

Auch werden Mädchen und Frauen unter dem bloßen Vorwurf getötet, „illegale“ sexuelle Beziehungen eingegangen zu sein. Sie erhalten nie die Gelegenheit, ihre Version der Behauptung zu geben, da dies keinen Sinn macht – die Behauptung allein reicht aus, um die Ehre eines Mannes zu beschmutzen, und sie reicht daher aus, um die Ermordung der Frau zu rechtfertigen.

Nach dem Gesetz, das das Parlament im März 2020  verabschiedet hat, kann jeder, der ein Minderjährigi entführt, vergewaltigt oder ermordet, mit lebenslanger Haft oder Todesstrafe rechnen. Aber bisher sei niemand nach den Gesetzen strafrechtlich verfolgt worden.

Naike Juchem, 1. Oktober 2020

Quellen:
Afghan Women’s Network, Global Citizen, Terres des hommes, UNICEF, WHO.