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Fake-Profile und die Psychologie

Wer im großen weiten Internet auf sozialen Netzwerken unterwegs ist, kommt mittlerweile an einer Flut von Fake-Profile nicht mehr vorbei.
Extrem viele dieser Fake-Profile tummeln sich ausnahmslos um eine rechtspopulistische Partei in Deutschland – aber auch in anderen Länder wo rechtspopulistische Parteien oder gar Regierungen sind.

Fake-Profile machen nach eigenen Schätzungen von Meta etwa 4 % bis 5 % der weltweit monatlich aktiven Nutzer aus. Bei über 3 Milliarden aktiven Nutzern entspricht dies rund 150 Millionen gefälschten Konten. Externe Schätzungen gehen bisweilen von weit höheren Werten aus, da die Abgrenzung zu Mehrfachaccounts schwierig ist und bei dieser gewaltigen Flut kaum noch zu überschauen ist.

Rechtspopulistische User brüllen seit Jahren gegen die Manipulation der Medien. Aber ausgerechnet sie sind es, die zum einen ständig manipuliert werden und dies auch selbst mit tausenden Fake-Accounts auf allen sozialen Netzwerken selbst tun. Dies alles hat nur einen Sinn: Zu zeigen, dass nur die AfD die Alternative für diesen Land sei.
Einen zweiten, dritten… Account hat man auf Facebook, Tik Tok, X und Co. binnen weniger Minuten angelegt. Man klaut meist ein Foto aus dem Netz und schon hat man eine Möglichkeit anonym zu hetzen oder ausschließlich Beiträge pro AfD, pro Russland, pro USA und so weiter zu posten.

Alle diese Accounts zeigen das gleiche Muster: Sie haben unnatürliche und unpersönliche Aktivitäten. Wenn man schon keine „Freunde“ hat und zig tausende Interaktionen hat, ist dies nicht normal. Über Bots pushen automatisierte Interaktionen wie Follows, Likes und Kommentare künstlich in die Höhe.
Es müsste mittlerweile auch dem dümmsten AfD-Troll auffallen, dass es gefühlte Millionen Beiträge, Videos oder was auch immer an Schwachsinn pro AfD gibt. Warum sieht man an einen Tag noch nicht einmal 10 Beiträge von anderen Parteien oder anderer Meinung?
Es ist auffallend.

Rechtsextreme Akteure nutzen das Internet intensiv, weil Algorithmen von Social Media auf Empörung und Interaktion ausgelegt sind. Die einfache, oft emotional aufgeladene und polarisierende Weltsicht dieser Ideologie lässt sich in Memes, kurzen Videos und plakativen Botschaften verpacken, die sich viral verbreiten. Sie umgehen damit klassische Medien und erreichen direkt ihre Zielgruppe: Das Dummvolk der blauen Herzen. Zack, fallt diese User auf die Manipulation herein.

Die Psychologie der Anonymität

Man muss kein Sigmund Freud sein, um aus psychologischer Sicht die Gründe für Fake-Accounts zu begreifen.
Es geht um die Senkung menschlicher Hemmschwellen in der digitale Anonymität. Diese bietet einen geschützten Raum für unerwünschtes Verhalten und ermöglichet den User die Auslebung verborgener Identitäten oder dienen der Manipulation und der Befriedigung tief sitzender Bedürfnisse nach sozialer Bestätigung.

Die Psychologie hinter der massenhaften Verbreitung lässt sich anhand zentraler Motive und Mechanismen sehr einfach erklären: Im realen Leben regulieren soziale Normen und Gesichter unser Verhalten. Fällt diese soziale Kontrolle weg, wie dies bei den anonymen Accounts eben ist, trauen sich viele Menschen eher, andere zu beleidigen, Hass zu verbreiten (Cybermobbing) oder verdrängte Persönlichkeitsanteile auszuleben.
Anm.: Cybermobbing ist im deutschen Strafgesetzbuch (StGB) kein eigenständiger Straftatbestand. Die Taten werden jedoch strafrechtlich verfolgt, da sie andere Delikte erfüllen. Je nach Einzelfall reichen die Strafen von Geldstrafen bis hin zu Freiheitsstrafen.

Das Internet bietet die Möglichkeit, sich eine idealisierte, fehlerfreie Version der eigenen Person zu erschaffen. Wer im echten Leben unter Schüchternheit, Einsamkeit oder Minderwertigkeitskomplexen leidet, flüchtet sich oft in makellose Fake-Identitäten, um Bestätigung und Bewunderung zu suchen.
Die Distanz zwischen Bildschirm und Gegenüber führt dazu, dass die Empathie für sehr viele Nutzer sinkt. Grausamkeiten oder Sticheleien fühlen sich dadurch weniger real und belastend für den Täter an. Dies geht von einfachster Beleidigung über Vergewaltigungswünsche bis sogar zu Morddrohungen.
Die Soziale Validierung und Geltungsdrang nach Likes und Aufmerksamkeit stimuliert unsere Gefühle und Gehirn. Man hat eine noch nie gesehene Person virtuell aufs übelste beleidigt und hat nach wenigen Minuten den Namen oder hergang schon vergessen, weil die Algorithmen immer neue Feindbilder zeigen.
Das menschliche Gehirn schüttet bei Interaktionen im Netz durch etwa Likes, Kommentare oder noch mehr Follower auf seiner Seite oder Profil Dopamin als Belohnungshormone aus. Da es mit einem neuen oder makellosen Account oft leichter ist, Aufmerksamkeit zu generieren, errichten viele Menschen sogenannte „Klon-Accounts“ oder „Schönheits-Accounts“, um ihr Selbstwertgefühl künstlich aufzupolieren.

Die Wut als Währung

Es gibt zwei Gruppen an Fake-Account Ersteller.
Die erste Gruppe sind Menschen die mit sich selbst unzufrieden sind oder durch jahrelange massive Manipulation nur noch in ein Richtung schauen können. Sie sehen sich als Retter ihrer Ideologie und müssen diese vertriebenen. Je mehr un so besser. Also werden gleiche Texte, gleiche Verhaltensmuster immer und immer wieder verbreitet – nur eben unter anderem Namen.

Die andere Gruppe verdient mit der Manipulation richtig viel Geld. Sogenannte Trollfabriken kommen sehr oft aus Russland, China, Vietnam, Kambodscha oder Nigeria kommen. Die Texte sind oft sehr schlecht zu lesen, weil sie über eine Übersetzungsfunktion aus der jeweiligen Landessprache ins deutsch, englisch, französisch…. übersetzt wurden, ohne überhaupt jene Sprachen zu können. Es reicht schließlich nur die Empörung andere User. So ist es nicht verwunderlich, wenn diese Fake-Accounts in Massen einsetzen werden. Durch das massenhafte Liken und Kommentieren erzeugen sie künstlich den Eindruck einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit, um andere User zu beeinflussen oder Meinungen zu manipulieren.
Psychologisch gesehen sind Inhalte, die starke Emotionen wie Wut oder Empörung auslösen, am viralsten. Fake Accounts werden gezielt eingesetzt, um diese „Dark Triad“-Trigger zu bedienen und so den Diskurs in den sozialen Netzwerken aufzuheizen um die öffentliche Meinung zu verzerren.