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Der falsche Glauben mit Nationalismus und Rassismus die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

KZ Dachau

Seit einer Woche erleben wir über sämtliche Medien die eskalierende Gewalt in den USA. Hervorgerufen durch den Tod an dem Afroamerikaner George Floyd.
Mit wachsender Sorge sehe ich in den letzten Jahren wie der Nationalsozialismus und Rassismus immer weiter in die Öffentlichkeit getragen wird und viele Rechtspopulisten diesen immer weiter anfeuern. In den Niederlanden wird nach Deutschland geschaut und die Wahlergebnisse der AfD gefeiert.
Die Niederlande sind seit 2015 mit rechtspopulistischen Parteien konfrontiert. Zu erst mit Pim Fortuyns von der LPF, dann mit Geert Wilders „Partei für die Freiheit“.

Nun aber der Reihe nach.
Den Haag, anno 2018. Die Niederlande sind aus der EU ausgetreten und haben ihre Grenzen hermetisch geschlossen. Muslimen wird der Zutritt verwehrt. Der Bau von Moscheen ist verboten, ebenso der Koran. Die Polizei hat Razzien durchgeführt, um das Buch in allen muslimischen Haushalten aufzuspüren und zu entfernen. Wer unbedingt ein Kopftuch tragen will, muss dafür eine kopvoddentax zahlen, eine „Schädelfetzensteuer“. Aus den weitaus meisten Asylbewerberheimen sind Haftanstalten geworden, in denen männliche Flüchtlinge und Immigranten einsitzen, denen vor dem Schließen der Grenzen noch die Einreise gelungen war. Die rechtspopulistische Regierung in Den Haag will die Mütter und Töchter des Landes vor muslimischen Testosteronbomben schützen und einen angeblich drohenden „Sex-Jihad“ verhindern.

So hätten die Niederlande zukünftig aussehen können, wäre die ebenso europa- wie islamfeindliche „Partei für die Freiheit“ PVV (Partij voor de Vrijheid) von Geert Wilders bei der Wahl im März 2017 an die Macht gekommen. Denn diese Forderungen hatte er im niederländischen Parlament immer wieder gestellt; sie finden sich auch im Parteiprogramm der PVV wieder.

Dieses Schreckensszenario hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Im März 2019 wurde die Partei des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte, die rechtsliberale VVD, bei den Provinzwahlen im Land überraschend geschlagen. Es siegte eine Partei, die bei den letzten Provinzwahlen nicht einmal gegründet war und sich mit dieser Wahl ihren Platz unter den neuen europäischen Rechten sichert: Forum voor Democratie (FVD).
Diese erst 2016 gegründete rechtspopulistische Partei, geführt von Thierry Baudet, ist auf Anhieb die stärkste Kraft geworden und überholt damit sowohl die Regierungsparteien als auch die rechte Konkurrenz von Geert Wilders und seiner PVV.
Soweit mal eine kleine Einordnung der Parteienlandschaft in den Niederlanden.

Am 13 April 1985 hat Danuta Danielsson eine jüdisch-polnische Frau, deren Mutter in ein Konzentrationslager im Zweiten Weltkrieg verschleppt wurde, mit ihrer Handtasche in Växjö, Schweden, einen lokalen Neo Nazi getroffen. Die Neo-Nazis wurden anschließend aus der Stadt vertrieben und eine Statue wurde zu ihrer Ehre gemacht. Vor 34 Jahren lehrte uns Danielsson die Menge an Respekt, die dem Faschismus gegeben werden muss: Keine.

Wir sehen den Anstieg von Rechtspopulisten in Frankreich, Österreich, Polen, Italien und Ungarn. Die neuen Höhenflüge solcher Parteien resultiert sehr oft aus Unkenntnis der Menschen  und die gleichsame Verbreitung von Fake News via Sozialen Netzwerken. Mit vielem sind die Menschen überfordert und schnappen alles auf, was ihnen Angst macht oder sie nicht zuordnen können/ wollen. Die Boulevardpressen in Europa tun ihr bestes dafür, dass dies auch so bleibt. Europa hat seit 75 Jahren Frieden und eine Stabilität erreicht, die in vielen Ländern der Welt mit Neid betrachtet wird. Leider ist diese Sicherheit und Stabilität durch immer neueres anfeuern von Nationalismus gefährdet und Menschen mit einer anderen Hautfarbe, Herkunft und Religion werden öffentlich angegriffen, verfolgt und sogar ermordet. Den Einwohnern in Europa ist offensichtlich nicht mehr bewusst, in welch einem Zustand Europa nach dem zweiten Weltkrieg war!

Ich kam als 10 jährige 1990 aus Afghanistan und bin damals vor Krieg und Terror geflohen und habe die Schrecken von eben jenen Krieg hautnah erlebt. All jene die seit Jahren auf die Straßen gehen um lauthals gegen Ausländer, Flüchtlinge und Migranten ihren Hass öffentlich zeigen, die Häuser anzünden und sogar noch weiter gehen und Menschen umbringen, möchte ich sagen: Nationalismus und Rassismus TÖTET!
Haben die Staaten der Europäische Union nicht genug Leid mit dem Aufstieg der NSDAP erlebt? Wollen so viele in jene Zeit von 1933 zurück? Wer Krieg erleben möchte, kann dies doch gerne mal in Syrien, Irak oder Afghanistan erleben. Ich lebte von 2005 bis 2019 im Krieg und Terror und wünsche dies niemandem. Es ist leicht in einem sicheren Land mit all den Vorzügen von Infrastruktur zu leben um andere Menschen zu wünschen, sie sollen doch bitte in ihre Heimat zurückkehren. Wohin? Viele Länder die einst weiter Entwickelt waren als Europa wurde und werden täglich zerbombt. Kein Mensch flieht ohne Grund!

Ich bin nur ein Flüchtling, die in jungen Jahren nach Deutschland gekommen ist und sich so gut es ging auch in dieses Land integriert hat. In der Schule lernte ich natürlich auch die Zeit des zweiten Weltkrieg und wollte mehr über diese dunkelste Epoche von Europa wissen. Ich bemühte mich die Deutsche Geschichte im Dritten Reich zu begreifen. Nicht nur in Bücher, auch Lebendig. Mein damaliger Lehrer, Norbert Dellinger, war dafür sehr offen und ist mit mir und seiner Familie zu einigen Orten und auch Konzentrationslagern gefahren. Norbert war ein guter Lehrer und hat mir, und seiner Tochter, die im gleichen Alter war wie ich, so einiges außerhalb der Schule und dem Lehrplan gezeigt. Vielleicht war Norbert es, der mich zu einer Kämpferin für Menschenrechte gemacht hat. Er schmunzelt immer, wenn ich ihm dies sage.

KZ Dachau

Mit Norbert und seiner Familie fuhr ich 1996 in das Konzentrationslager nach Dachau um die Geschichte zu begreifen. Auch wusste ich, dass Dachau kein „Vernichtungslager“ war wir zum Beispiel Auschwitz. Trotzdem haben sich die Erlebnisse von damals mir ins Gedächtnis gebrannt und so war ich vor sechs Jahren mit Amira und meinen Eltern nochmals in Dachau. Ich fand es wichtig, dass auch Amira diese Geschichte begreift und auch warum ich mich seit Jahren so für Menschenrechte einsetzte.
In den letzten 15 Jahre wurde der Drang nach Gerechtigkeit der Menschen und Völker in mir so stark, dass ich es sogar bis zur größten Internationalen Regierungsorganisation der Welt geschafft habe und ein klein wenig mit meinen Gedanken und Erlebnisse in Referaten und Publikationen auf Menschenrechtsverletzungen und den Anstieg von Nationalismus und Rassismus einem doch breiten Publikum vorstellen kann.

Nila Khalil, Den Haag am 2. Juni 2020.

Wurde Deutschland je von Einwanderer, oder Flüchtlingen zerstört?

Autorin Naike Juchem

Immer wieder liest man von AfDlern, das die Flüchtlinge und Asylbewerber, Deutschland kaputt machen, Deutschland abschaffen, Deutschland wird islamisiert und noch so einiges weitere an Unsinn.

Die Anzahl der Muslime in Deutschland wurde 2015 auf etwa 4,4 bis 4,7 Millionen Menschen geschätzt, was 5,4 bis 5,7 % der Bevölkerung entspricht. Knapp 6% von 100! Ich sehe da mal keine islamisierung!
Dann gab die AfD auch ihr bestes im diesjährigen Wahlkampf  man soll sich sogar sein Land zurück holen! Als ob die Flüchtlinge es einem genommen haben. Doch stimmt das? Machen Flüchtlinge ein Land kaputt?

Zu Zeiten der Industrialisierung kamen rund 4 Millionen, überwiegend Polen, nach Deutschland. Haben diese Deutschland zerstört? Nein im Gegenteil. Diese Einwanderer halfen das Ruhrgebiet zu dem zu machen was es war und ist.Anfang des 19. Jahrhunderts, als das Ruhrgebiet noch ländlich geprägt ist, wohnen in den größten Städten wie Dortmund und Duisburg gerade einmal 5000 Menschen. Mülheim an der Ruhr bildet mit 11.000 Einwohnern zu dieser Zeit eine absolute Ausnahme. Dörfer wie Gelsenkirchen und Herne verzeichnen zu dieser Zeit nur einige Hundert Einwohner. Doch durch die wirtschaftliche Expansion müssen zahlreiche Arbeitskräfte angeworben werden. Um diese unterbringen zu können, werden im gesamten Ruhrgebiet um die Zechen neue Siedlungen gebaut. So steigt die Bevölkerungszahl zwischen 1850 und 1925 explosionsartig von 400.000 auf 3.800.000. Die Städte erlebten einen neuen Aufschwung und Dörfer entwickelten sich zu Städten. Zusätzlich entstehen ganze Städte neu, quasi aus dem Nichts.

Um 1914 gab es rund 1,4 Millionen Leih- und Wanderarbeiter in Deutschland. Natürlich am meisten im Ruhrgebiet den diese Boombranche jener Zeit war die Montanindustrie: Im Ruhrgebiet wurde Kohle gefunden, zunächst oft nur wenige Meter unter der Oberfläche. Bald eröffnete eine Zeche nach der nächsten. Hunderttausende fanden alleine in den Kohlegruben Arbeit. Der enorme Arbeitskräftebedarf konnte NUR mit ausländischen Arbeitern gedeckt werden – Deutschland wurde nach 1890 zum zweitgrößten Einwanderungsland der Welt, übertroffen nur noch von den USA. Auch sie zerstörten Deutschland nicht. Sie wurden gebraucht.

Während der Russischen Revolution flohen ca. 1 Millionen Russen nach Deutschland. Doch das Land genommen haben diese nicht.

Nach dem 2 Weltkrieg, eine Zeit, wo jeder zu sehen musste, das er selbst über die Runden kam, hat Deutschland rund 14 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene auf. Eine schwere Zeit und sicher auch eine Last. Kaputt gemacht haben sie Deutschland aber nicht.

  • Das Wirtschaftswunder konnte nur Gelingen, weil Deutschland bis 1973 rund 14 Millionen Gastarbeiter angeworben hat. Deutschland veränderte sich, aber kaputt ging es nicht.

Im Zuge der Wiedervereinigung sind rund 4 Millionen Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Grade die Jungen Russen, taten sich schwer wirklich in Deutschland anzukommen. Aber sie stahlen nicht unser Land und zerstörten es nicht.
Die Geschichte zeigt etwas auf, was Deutschland wirklich zerstörte und zwar der Nationalismus.

Um 1900 grassierte der Nationalismus überall in Europa, doch im Deutschen Reich traf dieser mit einer eigenartigen „Underdog“-Mentalität zusammen und bekam eine spezielle, trotzige Ausprägung. Von Bühlow brachte den nationalismus der Zeit auf den Punkt: „Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne!“
Trump würde es so sagen America first.

Dieser Nationalstolz führte zum Attentat auf Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie und letztlich zum 1 Weltkrieg.

1933 erlangt Adolf Hitler die Macht. Wohin der Nationalismus dieser Deutschen, Deutschland dann führte, ist allgemein bekannt.
Da Deutschland als eine begeisterte Fussball Nation gilt, noch ein paar Sätze.

Als die Bundesliga in der Saison 1963/64 gegründet wurde, kamen nur sieben der insgesamt 300 Spieler nicht aus Deutschland. In der Saison 2015/16 sah das Verhältnis schon ganz anders aus. Von insgesamt 429 Fußballprofis in der 1. Bundesliga hatten nur 194 die deutsche Staatsbürgerschaft, 235 spielten mit einem ausländischen Pass. Zum Ende der Saison 2015/2016 waren Spieler aus Deutschland und insgesamt 54 anderen Ländern in der 1. Bundesliega vertreten.
Im Dezember 2013 gab das Bundesinnenministerium (BMI) bekannt, dass das BKA und Landespolizeibehörden bei dieser Überprüfung in 746 Fällen mit 849 Todesopfern zwischen 1990 und 2011 Anhaltspunkte für eine mögliche politische rechte Tatmotivation entdeckt hatten.

Nachfolgend habe ich nur einmal vier Fälle aufgelistet bei denen Menschen durch Neanazis ums Leben gekommen sind. Diese Liste lässt sich noch sehr leicht unglaulich lange fortsetzen. Denke aber das diese vier Fälle ausreichen um das kranke Denken von Nazis zu verdeutlichen.

Am 30. Juni 1986 starb der 23-jährige mosambikanische Vertragsarbeiter Manuel Antonio Diogo während einer Zugfahrt von Ost-Berlin nach Coswig. Diogo begegnete im Zug einer Gruppe Neonazis, diese fesselten ihn und seilten seinen Körper bei voller Fahrt aus dem Zug ab. Noch in derselben Nacht wurde der schwer verstümmelte Leichnam von Diogo zwischen zwei Haltepunkten aufgefunden.

Am 19. August 1987 wurde der 20-jährige iranische Flüchtling Kiomars Javadi in Tübingen nach einem vermeintlichen Diebstahl von Angestellten eines Supermarktes festgehalten und misshandelt. Der 18-jährige Lehrling Andreas U. nahm ihn für 18 Minuten in einen Würgegriff. Laut Gerichtsmedizinern war Kiomars bereits nach vier bis sechs Minuten tot.

In der Nacht vom 19. auf den 20. September 1987 gegen 23 Uhr wurde in  Magdeburg der mosambikanische Lehrling Carlos Conceicao durch einen rassistischen Mob getötet.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1988 steckte der 19-jährige Auszubildende Josef Saller, Mitglied einer Neonazi-Organisation aus rassistischen Gründen in der Schwandorfer Innenstadt ein Haus in Brand, in dem vorwiegend Türken wohnten. Vor Gericht sagte der 19-jährige Täter: „Ich hasse Ausländer.“ Durch den Brandanschlag verloren vier Menschen ihr Leben. Der Arbeiter Osman Can  seine Ehefrau Fatma, sein Sohn Mehmet und der Akustiker Jürgen Hübener  verbrannten bzw. erstickten
Dieser Text zeigt, nicht Flüchtlinge machen ein Land kaputt, sondern falsch gelebter und verstandener Nationalstolz.
Heute haben wir in Deutschland eine Partei, die AfD, die genau da weitermacht, wo wir eigentlich dachten das es 1945 aufgehört hatte. Nationalismus predigen, das zeigt die Geschichte, führt zu verderben. In diesem Sinne ein Zitat von Heinrich Heine

Fatal ist mir das Lumpenpack,
das, um die Herzen zu rühren,
den Patriotismus trägt zur Schau,
mit allen seinen Geschwüren.

Naike Juchem, 10. Dezember 2017