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„Hitler war ein Linker“ – dies behauptet zumindest das AfD Alitsche

Fakten haben und werden die AfD und deren Gefolge niemals interessieren. Denn: „Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt…“

Auch wenn der Dackelmann Gauland einst in einer Rede die Verharmlosung über die Herrschaft der Nationalsozialisten als „Vogelschiss in der Geschichte“ nannte, kann die AfD nicht die Geschichte umschreiben widewidewitt wie diese ihr gefällt.
Auch wenn dem Alitsche es nicht gefällt, war Hitler KEIN Linker. Denn seine ersten Opfer und Hauptfeinde waren die Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Auch der AfD sind Sozialdemokraten und Gewerkschafter ein Dorn im Auge.
Jene Volksfeinde wurden unter der NSDAP in Konzentrationslager gesperrt, gefoltert und ermordet.
Hitler war ein Rassist, Faschist, Nationalsozialist und ganz nebenbei ein Größenwahnsinniger Diktator. Im Grunde das gleiche was seit Jahren die AfD und deren Gefolge sind. Also: Rassisten, Faschisten und Nationalsozialisten.

Warum komme ich nun auf all dies?
Ich hatte mich gestern mit eine Freundin aus Hamm, Westfalen getroffen. Sie zeigte mir Fotos welche in einem der wenigen noch übrig gebliebenen Hochbunker in Hamm ausgestellt sind.
Wohin Rassismus, Faschismus und Nationalsozialismus einen ganzen Kontinent brachte, kann jeder nachlesen oder anschauen. Durch Größenwahn, Rassenhass, Faschismus und einer irrsinnigen völkischen Ideologie, kamen schätzungsweise 60 bis über 70 Millionen Menschen ums Leben! Zwei Drittel aller Opfer waren Zivilisten, die durch direkte Kriegshandlungen, Hunger, Krankheiten oder systematischen Massenmord starben.
Wer also meint einen Größenwahnsinnigen Diktator feiern zu müssen, sollte sich mal mit der Geschichte beschäftigen.

Nun zu den Fotos aus Hamm.
Am 23. März 1944 flog die 8. US-Luftflotte einen großangelegten Tagesangriff auf Hamm, der vor allem dem strategisch bedeutenden Verschiebebahnhof galt. Da das Ziel jedoch stark bewölkt war, konnte nur ein kleiner Teil der Streitmacht die Stadt anvisieren. Über das gesamte Stadtgebiet fielen an diesem Tag schätzungsweise 262 Sprengbomben, wodurch bis zu 200 Menschen starben und schwere Schäden entstanden.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt Deutschland unvorstellbare Schäden, die sich jedoch nicht nur in reinen Geldsummen, sondern vor allem in menschlichem Leid, Obdachlosigkeit und Zerstörung von Infrastruktur messen lassen. Der wirtschaftliche und materielle Zusammenbruch umfasste historisch einmalige Ausmaße.

Durch den Krieg wurden etwa 20 bis 25 Prozent des gesamten deutschen Wohnraums, rund 4,8 Millionen Wohnungen komplett zerstört. Rund 13 Millionen Menschen wurden obdachlos, und mindestens 5,5 Millionen deutsche Soldaten und zahlreiche Zivilisten starben.
Auf das Reichsgebiet wurden über 1,5 Millionen Tonnen Bomben abgeworfen! Dies hinterließ über eine Milliarde Tonnen Schutt. Verkehrswege, Häfen und Brücken waren weitgehend unbrauchbar.

Der finanzielle Schaden an Gebäuden, Infrastruktur und Vermögenswerten ging in die Hunderte Milliarden Reichsmark (nach zeitgenössischen Berechnungen). Zudem hinterließ das Deutsche Reich einen Schuldenberg von über 400 Milliarden Reichsmark.
Die meisten Menschen haben kein Gefühl dafür, wie groß der Unterschied zwischen Millionen und Milliarden ist. 1 Million Sekunden sind ungefähr 11 Tage. 1 Milliarde Sekunden sind etwa 32 Jahre.

Wer im 21. Jahrhundert in Deutschland eine rechtspopulistische Partei als Alternative für dieses Land sieht, sollte sich bewusst sein, wohin Rassismus, Faschismus und Nationalsozialismus hingeführt hatte. Auch bei der NSDAP fing es mit Worten an.

Wehret den Anfängen

Naike Juchem, 21. Mai 2026

Die Polemik der AfD

Kaum eine Partei schafft es, sich gleichzeitig als Opfer, Retter, Widerstand, Alternative und letzte Bastion des Abendlandes zu inszenieren, während sie in jedem Parlament zuverlässig zeigt, wie wenig Lust sie auf konkrete politische Arbeit hat. 
Die AfD missbraucht ihre parlamentarische Stellung für Sinnfreie Anträge, welche sie im Auftrag von anderen Staaten erstellt. Man nennt so etwas Spionage und Volksverrat.

Die Wähler:innen der AfD gehören zum allergrößten Teil der unteren Stufe der Gesellschaft an.
Ihr Einkommen liegt im unteren Indek-Bereich und ihre Bildung ist nicht all zu groß. Ihre Job sind oft nicht mehr als die von Hilfsarbeiter. Ihre mangelde Intelligenz beweisen die AfD Wähler:innen minütlich in allen sozialen Netzwerken. Selbst einfachste Sätze können sie nicht fehlerfrei schreiben. Sind aber plötzlich alle Politik affin.
All diese Menschen werden durch das menschenverachtende Raster der AfD fallen!

Die AfD macht mit Angst, Hass und Wut Stimmung gegen alles was ihr nicht passt.
Vornehmlich geht es gegen Flüchtlinge, Migranten, Muslimen, LGBTQ Menschen und Menschen mit Behinderungen – also alles Randgruppen.

Es wird eine gewaltige Gefahr von eben jenen Randgruppen proklamiert und die AfD-Trolle klatschen Beifall.
Die heutigen Steigbügelhalter der AfD werden von der Partei und Parteispitze verachtet. Wenn die AfD ihr Ziel der Zerstörung der Demokratie und des Sozialstaats erreicht hat, werden die Steigbügelhalter wie heiße Kartoffeln fallen gelassen.

Diese Aussagen der AfD sprechen eine klare Sprache

Alle öffentlichen Reden der AfD sind: GEGEN Erneuerbarer Energien
GEGEN die EU
GEGEN den Euro
GEGEN die Wirtschaft
GEGEN die Gesellschaft             
GEGEN den Mindestlohn
GEGEN die Demokratie
GEGEN die Meinungsfreiheit     
GEGEN den Sozialenwohungsbau
GEGEN die Mindestvergütung für Auszubilde
GEGEN Gendern
GEGEN Gewerkschaften
GEGEN den Sozialstaat
GEGEN Flüchtlinge
GEGEN Antifaschismus
GEGEN Meinungsfreiheit
GEGEN Pressefreiheit
GEGEN Subventionen der Landwirtschaft

Die AfD bekämpft die Korruption

Großartig auch diese kompromisslose Haltung gegen „Die da oben“ und „Wir beenden die Korruption“ , während man selbst Diäten kassiert, diese sich selbst um das doppelte Erhöht, parlamentarische
Ausschüsse schwänzt und Dienstreisen in die USA macht, um sich dort bei fragwürdigen Gestalten über Demokratie belehren zu lassen.
Gleiche Reisen auf Kosten der Steuerzahler wurden nach Russland und China vorgenommen.

                                          
Einfach Lösungen für den überforderten Bürger als müssen Schlagwörte her

Flüchtlingsindustrie, Gutmenschen, Schuldkult, Zensur, Lügenpresse und so weiter

„Passdeutsche“: zur Abgrenzung von Staatsbürgern mit Migrationshintergrund.

„Deutschland. Aber normal“: Ein Slogan, der das Programm verharmlosen soll, indem er es als „normal“ darstellt und andere Parteien als „abnormal“ kritisiert.

„Volksverständnis: Ein ethnisch-kulturelles Verständnis von „Volk“, das Nicht-Migranten ausschließt und die AfD mit rechtsextremen Ideologien verbindet.

„Remigration“: Beschreibt die Forderung nach massenhafter Abschiebung von Migranten.

„Kanzlerdiktatorin“: Wird genutzt, um demokratisch gewählte Politiker herabzusetzen.

„Volkskörper“: Ein völkischer Begriff, der den Staat als biologisches Kollektiv darstellt.

„Genderwahn“: Wird verwendet, um die Gleichstellung der Geschlechter und geschlechtergerechte Sprache zu diffamieren.

„Talahon“: Eine von der AfD verbreitete Bezeichnung, um Migranten mit der Taliban zu assoziieren und Islamisierungsängste zu schüren.

Auch bedient sich die AfD dem Vokabular der NSDAP.  Wie zum Beispiel: Altparteien, Lügenpresse oder Umvolkung.

Die AfD und Fakten

Besonders stark ist bei der AfD die historischen Amnesie. 
Holocaust? Hat es nicht gegeben                

Faschismus? Nie gehört.
Nationalismus? Völlig falsch verstanden     
Menschenrechte? Klar, aber bitte selektiv.  Wer dazugehört, entscheidet die AfD.
Klimawandel? Gibt es nicht! Es gab schon immer Wetter.
„Hitler war ein Kommunist“ Dazu fehlen mir schlichtweg die Worte.

Man darf seine Meinung nicht mehr sagen

Man schreit nach Meinungsfreiheit, wenn der AfD widersprochen wird.
Man schreit Zensur, wenn Fakten nerven.
Man schreit Lügenpresse, wenn jemand mitschreibt.
Man schreit nach Diktatur, wenn einem etwas nicht passt und Menschen rennen mit sinnbefreiten Plakate durch die Straßen. In einer Diktatur wäre dies nicht möglich!
Man brüllt ständig gegen die öffentlich-rechtlichen Medien und möchte diese abschaffen. Wie war dies mit Meinungsfreiheit noch mal?
Man gewährt Journalisten keinen Zugang zu AfD Veranstaltungen. Wie war dies mit der Pressefreiheit in unserm Grundgesetz?

Die Fürsorge für den kleinen Mann.

Bürgergeld verachten, gegen den Mindestlohn kämpfen, Gewerkschaften hassen, Sozialstaat schlechtreden und dabei ernsthaft behaupten, man sei die Partei der Arbeiter. Das ist schon fast Performance-Kunst.

Die AfD benutzt eine Rhetorik die auf Angst, Falschaussagen und Lügen aufgebaut ist.
„Deutschland geht es schlecht“
Tatsächlich? Als vierte größte Volkswirtschaft der Welt kann es uns gar nicht so schlecht gehen.

„Deutschland schenkt Geld an andere Länder!“
Tatsächlich? Deutschland hat noch nie Geld verschenkt! Alles was Deutschland an Geld in Formen von Krediten und Subventionen an ander Ländern gibt, ist an Forderungen für die Wirtschaft gebunden.
Ob nun Fahrzeuge, Maschinen, Chemische Produkte, Telekommunikation oder oder oder. All diese Vordergrund an die Schuldnerstaaten sichern in Deutschland Arbeitsplätze.

„Deutschland kann nicht die ganze Welt retten.“
Tatsächlich? Natürlich kann Deutschland in puncto Klimaschutz nicht die Welt retten. Dies kann und muss global gelöst und angefangen werden. Viele Länder sind im Klimaschutz weiter als Deutschland. Deutschland ist auf der Ranking Liste auf Platz 22. So viel mal dazu, dass Deutschland nicht die Welt retten kann.
Dänemark führt die Ranking Liste an, dank seiner hervorragenden internationalen Klimapolitik und dem hohen Anteil erneuerbarer Energien. Die Skandinavischen Länder sind vor uns. Großbritannien, Marokko, Spanien, ja sogar die Philippinen sind vor Deutschland.
Brasilien liegt auf Platz 8. Selbst China liegt mit Platz 15 weit vor Deutschland.

Natürlich sagen dies die AfD Politiker:innen nicht. Denn sie wollen immer nur Angst machen Dies ist ihr Erfolg. Und keine politische Inhalte – welche sie auch nicht haben.

Nun zu einer Zusammenfassung von nur 12 Punkten die auf uns alle zukommen würden, wenn die AfD in Deutschland jemals die Regierung stellen würde.
Arbeiter, Mütter, Arbeitslose & Geringverdiener werden dies zu spüren bekommen. Also der größte Anteil der AfD Wähler:innen.

Punkt 1:  Rente
Die AfD will Rente nur nach 45 Beitragsjahren. Wer später ins Berufsleben startet, krank wird, Kinder erzieht, oder Angehörige pflegt, hat somit seine Beitragsjahren nicht erfüllt. Also liebe Mütter und Arbeitslose macht euch mal ein paar Gedanken über eure Jahre die ihr ins Rentensystem einbezahlt habt. Könnte bei so einigen echt schwierig werden.

Punkt 2: Mindestlohn
Die AfD will den Mindestlohn abschaffen. Also arbeiten für Hungerlöhne die dann jeder Konzern und Unternehmer frei wählen kann, denn die AfD will auch die Gewerkschaften schwächen ( Punkt 10)
(AfD-Programm: „Mindestlohn schadet der Wirtschaft!“)

Punkt 3: Bürgergeld
Wer arbeitslos ist, soll noch weniger bekommen. Armutsfalle statt Unterstützung!
(Nachzulesen in ihren Forderungen!)

Punkt 4: Kündigungsschutz
Arbeitgeber können mit solchen Maßnahmen Arbeitnehmer:innen viel einfacher und schneller kündigen.
Also Jobunsicherheit für alle!
(AfD will „flexiblere“ Arbeitsverträge!)

Punkt 5: Elterngeld
Die AfD will das Elterngeld drastisch kürzen. Familien sollen sich selbst durchschlagen. Womit sich der Kinderwunsch für viele dann erübrigen wird. Nur noch reiche Familien können sich dann Kinder leisten. Also nix mit KI erstellen Bildchen der schönen heilen Familie.
(AfD fordert „Leistungsgerechtigkeit“ )

Punkt 6: Steuererhöhungen
Die AfD will die Steuern für Geringverdiener hochsetzen – während Konzerne Steuern sparen. Die AfD will „Entlastung der Wirtschaft“. Wo sollen denn diese Entladung herkommen und wer soll es dann finanzieren? Die AfD wählt in ihrer Rhetorik bewusst die Punkte der Steuerentlastungen für die Bürger. Verschweigt aber immer, wie sie dies überhaupt finanzieren kann und wird.

Punkt 7: Frauenrechte
Die AfD will die seit Jahrzehnten erkämpften Rechte und Gleichstellungen der Frauen zurückgedreht. Die AfD lehnt Gleichstellungspolitik ab und will traditionelle Rollenbilder stärken. Frauen gehören an den Herd?
(AfD-Programm: „Familie ist, wo die Mutter zu Hause bleibt.“)

Punkt 8: Kinderrechte
Die AfD lehnt den Anspruch auf kostenlose Bildung oder Schutz vor Armut ab. Kinder aus armen Familien und Migranten sowieso haben das Nachsehen.
(AfD gegen „staatliche Bevormundung“ – auch bei Kinderrechten.)

Punkt 9: Privatisierung von Kitas & Krankenhäusern
Mit einfachen Worten ausgedrückt: Wer kein Geld hat, bleibt draußen. Gesundheit & Bildung nur für die, die es sich leisten können.
(AfD-Programm: „Mehr Markt, weniger Staat!“)

Punkt 10: Abschaffung der Gewerkschaften
Die AfD will Gewerkschaften schwächen und dass die Gewerkschaften keine Mitbestimmung mehr bei Löhne oder Lohnfortzahlung (Elterngeld) haben. Also kann ein Konzern oder Unternehmen sagen, für welchen Lohn man einen Arbeitsvertrag bekommen würde.
(AfD gegen „übermächtige Arbeitnehmervertreter“)

Punkt 11: Migration
Die AfD will eine hartes Zuwanderungsgesetz für Migranten. Sehr viele Migranten arbeiten seit Jahrzehnten in der Gesundheit, Pflege, Landwirtschaft, Gastronomie oder Wirtschaft. AfD will „Zuwanderung stoppen“.  Wenn diese Wahnvorstellungen der AfD umgesetzt werden, bleibt die Frage: Wer arbeitet dann noch in Krankhäuser, Altenheime, auf dem Bau oder in der Landwirtschaft?

Punkt 12: Bildung
Durch die AfD wird Bildung teurer. Schulbücher, Kitas, Uni-Gebühren sollen erhöht werden. Chancen aif Bildung sind dann nur für Kinder möglich, deren Eltern reich sind!  In Sachsen-Anhalt möchte die AfD ja schon dafür sorgen, dass nur noch 25% eines Jahrgangs Abitur machen dürfen.
(AfD: „Bildung ist Privatsache!“)

Fazit
                                                
Wer Politik nicht als Lösung von Problemen begreift, sondern als Dauerempörung mit Fahnen und Feindbildern, der ist bei der AfD genau richtig.



                                      

Hexenverfolgung

Hexenverfolgung in Europa ab 1450 bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts und die Gesellschaftliche Spaltung im 21. Jahrhundert

Symbolbild für eine Hexenverbrennung

Nun kann man schon bei der Überschrift die Augenbrauen hoch ziehen und sich fragen, was diese beiden Ereignisse gemeinsam haben. Nun, dies möchte ich jetzt erklären.

Beginnend möchte ich im 14. Jahrhundert mit der wohl berühmteste Hinrichtung der Geschichte: Jeanne d’Arc

Jeanne d’Arc, oder besser als Johanna von Orléans bekannt, starb mit gerade mal 19 Jahren am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen in Rouen, Frankreich. Heute wissen wir, dass 489 Jahre später Jeanne d’Arc heilig gesprochen wurde. Ein Mob lehnte sich damals auf, weil dieser in Jeanne d’Arc eine Hexe sah. Während des Hundertjährigen Krieges verhalf Jeanne d’Arc als Kämpferin bei Orléans dem Dauphin und späteren französischen König Karl VII. zu einem Sieg über England und Burgund. Jeanne war eine unglaublich mutige Frau, die selbst sagte, sie hätte von Gott den Befehl bekommen.
Jeanne’s Mut war den Kleriker unheimlich und zudem war sie noch eine Frau – also wurde ihr ein heimtückischer Prozess gemacht, bei dem das Urteil schon von Beginn an feststand: den Tod auf dem Scheiterhaufen.

In den folgenden Jahren fand bis etwa 1750 die Hexenverfolgungen in Europa statt. Geschätzte drei Millionen Menschen – ein Zehntel, und dies überwiegend Frauen, der damaligen Bevölkerung wurden der Zauberer und Hexerei angeklagt, wobei davon circa 100.000 Menschen hingerichtete wurden.
Als Hexe wurde man schon bezeichnet, wenn man – in diesem Fall Frau, nur ein Muttermal, rötliche Haare oder sich der frühen Wissenschaft in Medizin widmete – oder einfach nicht ins Weltbild des Klerus passte.

Die Gesellschaft wie wir sie heute kennen ist dem der mittelalterlichen und neuzeitlichen Epoche nicht all zu weit entfernt. Heute sind die Hexen: Migranten, Obdachlose oder Muslime.

Hetzjagde gegen diese drei Gruppen der Gesellschaft erleben wir seit Jahrzehnten. Sei es ein bewusstes anzünden von Häuser, öffentliche Hetzjagde gegen Migranten oder am helligsten Tag Parolen wie: „Absaufen lassen“ , auf dem Marktplatz in Erfurt brüllen.

Nun komme ich wieder ins Jahr 1431 zurück.
Sie haben nun die Szenerie der Hexenverfolgungen vor Ihrem geistigen Auge.
Jetzt kommt die Psychologie ins Spiel.

Stellen Sie sich eine Gruppe von circa 20 Personen vor. Ein Moderator sagt Ihnen: „Ich werde zu jedem von euch kommen und euch zuflüstern, ob ihr eine Hexe/Hexer oder ein normaler Mensch seid. Euer Ziel ist es, die größtmögliche Gruppe zu bilden, in der keine Hexe ist. Am Ende bekommt jede Gruppe, in der sich eine Hexe befindet, Punktabzüge.“

Sie stehen also in dieser imaginären Runde und achten selbstverständlich darauf, dass keine Hexe oder Hexer in Ihre Gruppe kommt. Sie kenne nur wenige Leute aus dieser Gruppe und verbinden sich selbstverständlich mit Ihren Bekannten – wissen aber nicht was der Moderator jener Person zu geflüstert hat. Sie denken es zu wissen und halten so bewusst Ihre Gruppe klein.

Nun sollen sich jene Menschen mit Handzeichen zu erkennen geben, die eine Hexe oder Hexer sind. Wer wird sich wohl freiwillig melden? Niemand.

Was möchte ich nun damit sagen?
War irgendjemand in dem damaligen Wahn der Hexenverfolgung wirklich eine Hexe oder Hexer? Oder haben all jene, die an den Scheiterhaufen oder Guillotine standen nur das geglaubt, was man ihnen erzählt hat?“

Nun reflektieren Sie bitte, wie leicht es ist, eine Gemeinschaft zu spalten, um einen Sündenbock an den Pranger zu stellen.
Gerade im World Wide Web ist es unglaublich leicht und schnell in einer Gruppendynamik gegen andere Menschen vorzugehen, um diese zu beleidigen, mobben oder gar bedrohen. Die Geschichte zeigt, wie schnell aus virtuellem Hass realer Aktionismus wird und Menschen öffentlich gejagt, bedroht oder gar ermordet werden.
Angst, Hass und blindes nachlaufen spaltet jede Gemeinschaft und zerstört weit mehr, als es irgendjemandem nützt.

Naike Juchem, 28. Oktober 2022

Ich danke Mandy Neumann für die Grundlage zu diesem Artikel.

Du entscheidest eines Tages

„Du entscheidest eines Tages oder Tag Eins.“

Autorin Naike Juchem

Mit diesem Satz hat sich am 29. August 2017 mein Leben gravierend geändert. Ich möchte gerne einiges erklären, um mich nicht ständig zu wiederholen oder zu rechtfertigen.

Ich wurde 1970 äußerlich als Junge geboren, innerlich hat die Biologie aber etwas durcheinander gebracht mit meinen Chromosomen. Heute weiß ich anhand von Blut,- und Gentests, dass es so ist. Es kommt halt nicht so oft vor, aber mich hat es erwischt. Ich habe eine Transidentität.Das ist nichts Schlimmes, es ist keine Krankheit – in welchem Sinne auch immer – das hat es schon immer gegeben. Selbst in der Bibel steht bei Paulus an die Korinther in 5,17 oder Galater 3,28 wie auch Epheser 4,23-24 schon etwas über Transgender.

In Deutschland gibt es ungefähr 1 Mio. Menschen, denen es genauso geht wie mir. Die Natur geht manchmal kreative Wege und bringt unterschiedliche Menschen hervor: Männer, Frauen, welche, die homosexuell sind, welche, die beide Geschlechter in sich tragen (Intergeschlechtliche), Linkshänder, Rechtshänder, und eben auch welche, die transidentitär sind. Ich habe mir dies nicht ausgesucht, ich bin auf keinem „Trip“, oder laufe einem neuzeitlichen „Genderwahn“ hinterher.

Bei einer Transidentität ist man im falschen Körper geboren worden, d.h. das äußere Geschlecht entspricht nicht dem selbst empfundenen Geschlecht – wobei sich dies nicht ausschließlich auf die Sexualität beschränkt, sondern eher dem sozialen Geschlecht und dessen Wahrnehmung entspricht. Wenn man im falschen Körper steckt und es nicht ändern kann, weil man es nicht weiß oder weil es nicht geht, fühlt man sich nicht nur falsch und unglücklich, es führt auch zu tiefen Depressionen, bei nicht wenigen Transidentitären sogar zum Suizid.

Das ganze Leben stimmt einfach nicht. Deshalb konnte ich die letzten Jahrzehnte auch nicht verstehen und einordnen, was mit mir los war, weshalb ich mich nicht richtig gefühlt habe: Ich wusste es nicht. Und in meiner Umgebung wusste auch keiner, dass ich eine Transidentität habe. Nicht nur die Bibel erwähnt transidentitäre Menschen, auch antike Geschichtsschreiber haben von der Existenz solcher Menschen berichtet. Aber erst mit der christlichen Kirche wurden transidentitäre Menschen mit einem absoluten Tabu belegt.

Dies ist auch bis in die 70er / 80er Jahre des letzten Jahrhunderts weitgehend gesellschaftlich so geblieben und hat die Betroffenen gezwungen, ihre tatsächliche Identität zu verbergen und die Rolle des geborenen Geschlechts anzunehmen. Nun mögen Viele meinen „Ja und? Dann macht man das eben, ist ja auch einfacher so!“. Ich habe über 40 Jahre eine Rolle gespielt, die ich nie war, und es war irgendwann nicht mehr auszuhalten.

Ein Schauspieler kann das, solange die Kamera läuft, aber sobald der Film abgedreht ist, geht der Schauspieler nach Hause und ist wieder er selbst. Im echten Leben kann man nicht die ganze Zeit schauspielern, ohne daran zugrunde zu gehen. Es ist auch ein Betrug, ein Betrug an der Familie, an Freunde, an Kollegen … und ganz besonders an sich selbst.Ich bin erst einmal den Weg der Rolle gegangen und hatte 1998 geheiratet, wurde nach einigen Jahren auch Vater und dachte, dass nun alles gut würde. Wurde es aber nicht.

Im Gegenteil: Die Ehe wurde ab 2007 für mich zur Hölle, die 2012 in einer Scheidung endete und mich an den Rand der Existenz brachte. Da stand ich nun, wie man so sagt, vor den Trümmern meines Lebens. Die Ehe kaputt, das Kind weg, die berufliche Existenz im Eimer, Schulden und Probleme und wenig bis gar keine Unterstützung. Also was blieb mir noch? Mein Leben!

Da ich von Natur aus eine Kämpferin bin, packte ich 2014 es endlich an, Antworten auf meine Fragen zu suchen. Ich fing an mich zu informieren, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt. Ich habe in dieser Zeit Fachtagungen und Freizeiten, sogar in Luxemburg im Ministerium eine Debatte für und mit Transgender besucht und stellte plötzlich fest, dass ich nicht alleine bin. Das war eine so unglaubliche Befreiung!

Am 29. August 2017 wagte ich ein Outing im kleinen Rahmen, um endlich zu wissen, wie meine Freunde auf mich reagieren würden. Zu meiner großen Überraschung und unglaublicher Freude standen diese Menschen positiv zu mir und unterstützen mich bis heute, wie und wo es nur geht.

Am 1. Oktober 2017 gab es dann kein Zurück mehr: es war der Tag, die Wahrheit zu sagen, bei meiner Familie und auch öffentlich. Natürlich hatte ich an diesem Tag unglaubliche Angst. Würde ich ab diesem Zeitpunkt nur noch alleine sein? Würde ich Zweifel, Fragen, Ablehnung, Verlust der Arbeit und noch mehr Probleme erfahren? Tausende Gedanken, Pro und Contra, all dies zerrte an meinem Verstand und meiner Seele.Mit diesem Tag wich ein unglaublicher Druck von mir. Meine Seele kam endlich zur Ruhe – ich hatte zu mir gefunden. Ich bin nun viel, viel ausgeglichener und aus heutiger Sicht betrachtet ist nichts von dem eingetroffen, worüber ich mir so viele Gedanken gemacht und befürchtet hatte.

Ich ändere meinen Körper und meine äußere Erscheinung, aber nicht meinen Charakter.Mein Leben zur Frau verlief anschließend in Schallgeschwindigkeit: Auf Grund von rechtlichen Vorgaben habe ich eine Therapeutin aufgesucht, die mich in meiner Transidentität begleitet. Für die gerichtliche Entscheidung einer Personenstandsänderung waren zusätzlich zwei unabhängige, psychologische Gutachten notwendig, die beide meine Transidentität bestätigt haben.

Nach den endokrinologischen Voruntersuchungen in einer Fachklinik habe ich seit Kurzem meine Hormontherapie begonnen. Es geht in Riesenschritten voran!2003 habe ich den Namen „Naike“ zum ersten Mal gelesen und mir war irgendwie klar: Das wird MEIN Name sein! Wenn auch 15 Jahre später.

Am 16. August 2018 habe ich nach dem Urteil vom Amtsgericht Frankenthal dies als Naike verlassen. Dies ist nun mein rechtlicher Name, der in das Geburtenregister, Pass, Führerschein, Rentenbescheinigung usw. eingetragen ist.

Und nicht nur äußerlich und rechtlich ist unglaublich viel passiert: Menschen stehen zu mir, von denen ich nie zuvor etwas gewusst hatte. Ich hatte bereits zwei öffentliche Unterhaltungen mit der Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Es ist mir ebenfalls ein Anliegen über die Situation von transidentitären Menschen zu informieren, denn Menschen sind vielfältig, unterschiedlich, aber wir alle sind gleich viel wert respektiert zu werden.

Ich bedanke mich für Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit

Naike Juchem, im August 2018