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Der Genozid der Roten Khmer

Drei Jahre, acht Monate und zwanzig Tage dauerte die Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha, bis im Januar 1979 vietnamesische Truppen in Kambodscha einmarschierten um die Zeit der Roten Khmer zu beenden.

Wir alle kennen die Gräueltaten der NS Zeit in Europa. Wir alle sind Fassungslos über Euthanasie-Programme bis hin zu den bekannten KZ-Lager. Was die Rote Khmer von 1975 bis 1979 am ihrem eigenen Volk tat, ist an menschlicher Grausamkeit nicht zu überbieten. An Stricken zusammengebunden in Gruppen oder per Lastwagen wurden Menschen in Internierungslager, Foltergefängnisse oder den sogenannten Killing Fields abgeführt. Dort wurden Menschen auf brutalste Art gefoltert und Hingerichtet. Mit Eisenstangen, Äxten, Hämmern oder Spaten, wurden Gliedmaße abgeschlagen.
Da Munition für eine „barmherzige Erschießen“ zu teuer war, gab es Grausamkeit zur Ermordung von Menschen keine Grenzen. Erhängen, erdrosseln, ertränken, verhungern oder verbluten, waren die gängigen Methoden der Roten Khmer unter der Herrschaft von Pol Pot. Jene Roten Khmer, die zu jener Zeit die Befehle der wirren Ideologien von Pol Pot umsetzten, waren im Schnitt 15 Jahre alt.

Die Rote Khmer

Mao Zedong und die Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) unterstützen und
stimmten der Politik und Ideologien der Roten Khmer Anfang der 1970er Jahre zu.
Seit den 1950er Jahren war Pol Pot sehr oft in China gewesen und erhielt unter anderem eine politische, wie auch militärische Ausbildung. So auch in der „Theorie der Diktatur des Proletariats.“

Am 17. April 1975 eroberten die Roten Khmer unter Pol Pot die Hauptstadt Phnom Penh und riefen die Volksrepublik Demokratisches Kamputschea aus. Ein radikal-kommunistisches System wurde eingeführt. Das Ziel war die Erschaffung einer „ursprünglichen“, agrarisch geprägten Gesellschaft. Die Roten Khmer unterschieden zwischen der „alten“ und der „neuen“ Bevölkerung. Das „neue Volk“, die Stadtbevölkerung wurde zum Klassenfeind erklärt, der die ländliche Bevölkerung ausbeutete.
Zur Umsetzung ihrer wahrhaften Ideologie ließen die Roten Khmer alle Städte räumen und zwangen die Bevölkerung zur Landarbeit. Bei den gewaltsamen Umsiedlungen starben in den ersten Wohhem zehntausende Kambodschaner.

Im gleichen Schritt wurde auch jegliche Form der Religionsausübung, sowie alles an Privatbesitz verboten. Außerdem wurde das Geld als Zahlungsmittel abgeschafft.
Als ob dies nicht schon genug Irrsinn wäre, wurden Schulen, Universitäten, Betriebe und kulturelle Einrichtungen zerstört.

Darstellung wie ein Soldat ein Kleinkind an einem Baum erschlägt.

Der vergleichbare NS-Wahn

Mit beginn von Säuberungsaktionen wurden ethnische Minderheiten, wie Chinesen, Vietnamesen, Thais oder Muslime enteignet, verfolgt und deportiert. Bei Armee, Polizei und Behörden und selbst in den Reihen der Roten Khmer wurden Menschen gefoldert und umgebracht.

Das Tragen schwarzer Einheitskleidung wurde vorgeschrieben und sollte jegliche Individualität beseitigen. Die Bevölkerung wurde überwacht und ihr drohte selbst bei kleinsten Anlässen Folter und Tod. Das Regime ließ fast die gesamte intellektuelle Elite des Landes ermorden. Als intellektuell galten schon Menschen, die lesen konnten oder eine Brille trugen. Mit diesem Wahn an Irrsinn katapultierte sich die Rote Khmer binnen kürzester Zeit ins Mittelalter.

Eines von hunderten Killing Fields

Die Killing Fields

Mehr als 300 Killing Fields gab es in der Ära der Roten Khmer. Choeung Ek ist der bekannteste dieser Todesflecken, ca. 17 km südwestlich der Hauptstadt Phnom Penh. Das Foltergefängnis Tuol Sleng in Phnom Penh, welches auch S 21 genannt wurde, kamen die meisten Opfer.
Neben den Killing Fields gab es auch unzählige Killing Trees. Halbstarke Jugendliche, die dem Wahn von Pol Pot folgten, schlugen Kleinkinder aus Spaß gegen Bäume oder warfen sie in die Luft, um dann mit ihren Bajonetten aufzuspießen. In fast allen Fällen zwangen sie die Mütter bei ihrem „Spiel“ zuzuschauen.

Im Dezember 1978 griffen die Roten Khmer Vietnam an. Das einst von Kambodschanern bewohnte Mekong-Delta sollte zurückgewonnen werden. Dem sofortigen Gegenangriff der vietnamesischen Armee konnten die Roten Khmer nicht Stand halten und so eroberte die vietnamesische Armee am 07. Januar 1979 Phnom Penh und beendete die Herrschaft von Pol Pot. Kambodscha war zu Beginn der 1970er Jahre das reichste Land in Südostasien – nach dem Genozid so arm, dass es sich selbst nicht mehr ernähren konnte.

Die Bilanz eines Wahnsinns

Die Bilanz von drei Jahre, acht Monate und zwanzig Tage Schreckensherrschaft sind über 40 Jahre in Kambodscha noch spürbar. Selbst nach Jahrzehnten dieser Gräueltaten kommen Zeugnisse jener Schreckensherrschaft ans Tageslicht. Bei Monsun spült der Regen immer noch menschliche Überreste, Knochenteile und Reste von Kleidungsstücken aus der Erde.
Niemand kann genau sagen, wie viele Menschen die Rote Khmer hingerichtet hat oder verhungern ließ. Viele Schätzungen gehen von 1,7 bis 2,5 Millionen Menschen aus. Kambodschanische Organisationen gehen sogar von 3 Millionen ermordeten Menschen aus.
Um nun eine Vorstellung von dem Wahnsinn der Roten Khmer zu bekommen, sollte erwähnt werden, dass zur damaligen Zeit Kambodscha 8 Millionen Einwohner hatte.

Der reale Alptraum

Warum ich dies nun schreibe? Ich war als junger Mensch ab 1990 in Kambodscha in der Humanitären Hilfe und erlebte einen Alptraum von Anaphabetismus der astronomisch war. Da wir mit einem Internationalen Team für Wasserbau in diesem Land waren, blieb es nicht aus, irgendwann auf ein Massengrab zu stoßen. In der Provinz Takeo stieß ein Team von unserer Organisation auf ein solches Grab. Es war ein Grab mit „nur“ 36 Menschen.
Kambodscha zählt heute noch zu den ärmsten Länder der Welt. Bauern haben ein Jahreseinkommen von ungefähr 200 US-Dollar. Kinder werden für dieses Geld, heute noch, verkauft. Den Eltern wird vieles versprochen und dies wird NIE eingehalten. Die Kinder werden in den Touristenzentren von Thailand in die Prostitution oder zum betteln gezwungen. Damit die Kinder mehr Geld erbetteln, wird selbst vor Verstümmelungen von den Schlepper nicht zurück geschreckt.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung 

Nina Sudholt, genocite-alert.de

MoSay Cambodia Tuol-Sleng-Genocite-Museum

Angkor

Tempel in Angkor

Angkor war vor 1100 Jahren die größte Stadt der Welt.


Noch heute gibt diese Stadt Archäologen und Historiker sehr viele Rätsel auf. In Angkor wurden bis heute sieben verschiedene Sprachen gefunden, wovon zwei nicht zugeordnet werden können.
Angkor war eine gigantische Stadt, deren Ausmaß heute noch nicht genau bekannt ist, den immer wieder werden Mauern, Wassergräben, Säulen und Reste von Gebäuden bis ins thailändische Ayutthaya gefunden. Wer in Kambodscha und Thailand unterwegs ist, sieht in fast jeder Stadt oder Siedlung Überreste von dieser Megastadt. Etwa eine Million Menschen haben in jener Zeit in der Angkor gelebt.

Luftaufnahme von Angkor Wat. Foto Cambodia geo aerial view, Phnom Penh

Klarstellung der Könige

Jayavaman II. oder Suryavarman II.
Karl der Große, Ludwig II., Konrad I. oder auch Heinrich I. sind in der Geschichte schon etwas besser auseinander zu halten.

Jayavarman I. oder II. gilt als der Gründervater des Khmer-Reiches von Kambuja – also von Angkor. Oder deshalb, weil es Inschriften in Angkor gibt, welche
möglicherweise Jayavarman I. und II. als identisch annehmen. Fest steht nur, dass das Königreich der Khmer in den Jahren 770 und 781 nach Christus gegründet wurde.

Suryavarman II. wurde 1095 in Angkor geboren und wurde 1113 König. Er regierten bis zu seinem Tod 1150 über Kambuja.

Eingangstor von Angkor in der Nähe von Ayutthaya, Thailand

Es gibt auf der Welt nicht vergleichbares

Angkor ist darüber hinaus in seiner gesamten Baukunst in Symmetrie in dieser Größenordnung einmalig auf der Welt. Die allen uns bekannten Pyramiden von Gizeh oder die Maya Tempel im Mexiko sind im Vergleich zu Angkor nicht mehr als ein Gartenhäuschen. Selbst die chinesische Mauer, welche man von Weltall aus sehen kann, kommt nicht an Angkor heran.

Angkor ist allgemein als Angkor Wat bekannt. Dies ist soweit falsch, weil Wat – Tempel bedeutet. Angkor Wat ist lediglich der Name des größten sakralen Bauwerks der Welt und bezeichnet nicht (wie häufig gedacht) die komplette Anlage. Auch ist es ein Märchen, Angkor soll im Dschungel untergegangen sei. In Europa wurde Angkor erst 1860 durch den Franzose Henri Mouhot bekannt. Er fand im „Urwald“ von Kambodscha einen Tempel, also Wat, welcher tatsächlich durch die Vegetation zugewachsen war und schließte daraus, dass Angkor „versunken“ sei.
Selbst im 21. Jahrhundert finden Geologen über Luftaufnahmen und mit Infrarotscanner immer noch Überreste von dieser einmaligen Stadt.

Auch gibt es auf der Welt keine Nationalflagge auf der ein Gebäude abgebildet ist – außer Kambodscha.
In Afghanistan war es bis zur erneuten Machtübernahme der Taliban der
Königspalast in Kabul.

Angkor als Filmkulisse

In dem Hollywood Film „Tomb Raider“ mit Alicia Vikander, sieht man Teile von Angkor als Filmkulisse.
So unter anderem Wat Ta Prohm, wo gigantische Wurzeln und Bäumen Teile an Teilen von Gebäuden in den Himmel wachsen. Auch wurde an Angkor Thom gedreht, welche einst die Hauptstadt des Khmer-Reiches sein musste. An Wat Bayon, dort wo die eindrucksvollen Gesichter und Silhouetten in den Sandstein gemeisselt wurden, ist auch in diesem Film zu sehen. Alleine das Gebiet von Bayon ist 9 Quadratkilometer groß.
Diese drei Anlagen von Angkor sind in der Provinz Siem Reap zu besichtigen.
Das gesamte Areal wird heute als Angkor Park bezeichnet.

In Angkor war alles in einer Symmetrie…
…sogar die Wassertümpel.

Die Entdeckung von Angkor

Mitte des 15. Jahrhundert verließen die Khmer ihre heiligen Tempelanlagen in Kambuja und dies stellt Historiker vor nächste Fragen.
Der französische Naturforscher Henri Mouhot entdeckte 1860 als erster Europäer einige Gebäude von Angkor – darunter auch Wat Ta Prohm.
In seinen Überlieferungen schrieb er, dass er eine Stadt entdeckt hätte, welche im Dschungel versunkenen sei. Mouhot „fand“ in Wirklichkeit nur einen minimalen Bruchteil von Angkor.
Da zu jener Zeit Kambodscha eine Kolonie von Frankreich war, waren es auch die Historiker, Archäologen und Naturforscher aus Frankreich, die Angkor nach und nach ins Bewusstsein der Weltgeschichte rückten. Im Laufe der Jahre wurden immer mehr Gebäude und Tempel gefunden und man begriff langsam, dass es sich hier um die größten Sakralbauten der Welt handelt.

Leider zerbröckelt der Sandstein durch Umwelteinflüsse an diesen Bauten immer mehr. Auch das subtropische Klima setzt nach über 1000 Jahren dem Sandstein sehr zu.

Die Fakten zu dieser Megastadt

Alle heiligen Tempelanlagen sind nach Osten ausgerichtet, bis auf Prasat Hin Phimai in der Nähe der thailändischen Stadt Nakhon Ratchasima und eben Angkor Wat. Da beide Gebäude unter der .
Der Haupteingang von Wat Angkor – weil es sich hier um eben nur den Tempel handelt, ist diese Schreibweise richtiger.
An dem Tempel wurde 37 Jahre mit wahrscheinlich 300.000 Menschen und 11.000 Elefanten gebaut.
Die Anlage ist von einem rechteckigen Wassergraben von 1.500 m Länge und 1.300 m Breite umgeben. Die gesamte Fläche der Tempelanlagen sind fast 200 Hektar. Etwas 2.000 Apsara- und Devata-Figuren zieren die Wände von diesem Bauwerk.

Die Megastadt Angkor hatte eine Fläche
von mehr als 400 km² und hat alleine in Kambodscha mehr als 1000 Gebäude, die unterschiedlich gut erhalten sind.

In dem heute bekannten Angkor Thom lebten im 11. Jahrhundert etwa 20.000 Menschen. Die Stadtmauer vom Thom hat eine Länge von 3 mal 3 Kilometer und ist von einem symmetrischen Wassergraben umgeben. Das Hauptmerkmal von Angkor Thom sind die fünf Sandsteintürme, welche in der Form von Lotusblüten gebaut wurden.
Das heutige Angkor Gebiet um Siem Reap ist seit 1992 UNESCO Weltkulturerbe.

Wat Ta Prohm

Die Mythen um Angkor

Wie so oft bei alte Gebäude, Zeichnungen oder Fragmente ist auch bei Angkor viel Platz für Mythen und Legenden.
Angkor sei als Grabstätte angelegt worden. Dies widerspricht das zivile Leben in den großen Städten, den die Khmer hatten unter anderem die Landwirtschaft und Wirtschaft kultiviert. Auch ist nirgends bekannt, dass für Khmer-Könige solche Grabstätten angelegt wurden.

Der gesamte Baustil von Angkor steht für eine einzigartige Symmetrie. Klare und exakte Linien, die 5 Türme von Angkor Wat welche als Symbol für den Berg Meru stehen. Welcher das Zentrum des Universums steht. Auch die Zahl 4 findet sich in allen Bauwerken wieder, denn diese steht im Hinduismus für absolute Vollkommenheit.

Das Leben nach dem Tod

Eine der Besonderheiten in Angkor ist, dass die Ausrichtung der Eingänge in allen Tempel nach Osten zeigen. Der Haupteingang von Angkor Wat ist aber nach Westen erbaut. In der Mythologie steht die Himmelsrichtung nach Westen symbolisch für den Tod.

Warum diese Tempel überhaupt gebaut wurden, ist ziemlich einfach zu erklären. Verschiedene Könige regierten das Reich der Khmer über Jahrhunderte und diese hatten alle ein Ziel: Nach dem Tod mit dem Gott ihres jeweiligen Glaubens zu verschmelzen (die meisten Khmer waren Hinduisten). Um ihrem Ziel näher zu kommen, errichteten die Könige Tempel als Paläste für die Götter. In den meisten Fällen wurden die Temple Shiva gewidmet. Interessant ist aber, dass die meisten Khmer-Könige immer neue Tempel bauen ließen, statt die Tempel ihrer Vorgänger zu vollenden. Historiker vermuten, dass die Erbauer sicherstellen wollten, mit ihrem eigenen Tempel die Verschmelzung zu ihrem Gott gewährleistet wollten.

Eine mathematische und astronomische Architektur

Die Architektur von Angkor als solche ist schon atemberaubend und in dieser Größenordnung auch einmalig auf der Welt. Nun kommt noch ein Phänomen hinzu. Zweimal im Jahr geht die Sonne zur Tag-und-Nacht-Gleiche, im März und September, exat über dem zentralen Turm von Angkor Wat auf. Da dieses Spektakel naturbedingt ausschließlich von Westen her zu sehen ist, könnte der Bau in eben diese Himmelsrichtung von König Suryavarman II beabsichtigt gewesen sein.