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Die Sorgen um die Menschen in Afghanistan ist sehr groß.

Menschen versuchen vor der Taliban zu fliehen

Sehr viele Menschen haben in den letzten Tagen das Chaos in Afghanistan mitbekommen – 1999 kaum jemand.

Autorin Nila Khalil

Ich lese erschütternde Beiträge und sehe Lachsmileys, Sinnfreie und Menschenverachtenden Kommentare.
Ich lese die Verzweiflung von Menschen die Empathie haben und sich sehr viele Sorgen machen.
Auch werde ich seit Tagen mit Nachrichten von Freunden in Afghanistan überschüttet. Da diese Personen sich in verschiedenen Stadtteilen von Kabul oder Provinzen in Afghanistan aufhalten, ist jede Nachricht eine andere. Eine genaue Einschätzung jetzt zu geben, kann und werde ich nie tun.

Seit Montag Mitternacht bin ich wieder in Europa und habe mit einem Stab von weit über 100 Menschen mehr als genügend Probleme zu klären und zu lösen.

Wir alle stehen vor einer Ohnmacht, die ich im April 2020 schon kommen gesehen haben.
Das die Taliban so schnell ein Land überrennt habe ich nicht erwartet.  Ich rechnete 2022 damit. Auch meine Einschätzung der letzten 14 Jahren hat sich sehr getäuscht. Wie kam es zu der Kapitulation der Nationalarmee?
Das Ghani abhaut, hatte ich im Mai 2020 schon geschrieben. Nach Meldungen, die ich noch als nicht bestätigt ansehe, sei der Bruder von Ghani nun bei der Taliban. Gut, wo Geld ist, kann man sehr schnell das Fähnchen wechseln um in Ruhe gelassen zu werden.

Gefangen im eigenen Land

Hunderttausende Menschen wollen aus Afghanistan raus, denn sie alle wissen, was eine Machtübernahme der Taliban bedeutet.
Die Kapitulation der Nationalarmee hat mal eben circa 38 Millionen Einwohner das Messer in den Rücken gestoßen. Dieses Verhalten werde ich niemals tolerieren.

Aus meinen gesunden Menschenverstand heraus, macht es keinen Sinn in Kabul auf eine Lösung zu hoffen. Fliehen – wohin ist eine Frage, die ich auch nicht beantworten kann, denn die Grenzen werden von der Taliban kontrolliert.
Nun sehen sich Al-Qaida und IS beflügelt um ihren „Glauben“ weiter zu verbreiten. Da jeder gegen jeden kämpft und in diesem Chaos sowieso alles zusammen gebrochen ist, kann man den Menschen die irgendwo festsitzen nur Raten, sich ruhig und unauffällig zu verhalten.
Afghanistan ist ein Kriegsgebiet, auch wenn es für viele nicht diesen Anschein erweckt, ist dies aber Fakt.

Krieg den keiner sieht

Wer glaubt, dass Krieg mit Flugzeugen und Bomben ist, hat keine Ahnung von dieser Welt. Alle Strukturen sind zusammen gebrochen. Sprich: Sicherheit durch Polizei und Politik. Die Wirtschaft und Versorgung für Millionen Menschen ist kaum noch vorhanden – also Krieg.

Wie und ob es Verhandlungen mit der Taliban geben wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Sicher ist nur, es muss eine Lösung her und diese auch sehr schnell.
Der ISAF Einsatz ist Geschichte. Nun drängen China (was mir schon vor einem Jahr klar war, und ich auch schon öffentlich geschrieben hatte ((Anmerkung: bekam dafür eine paar Lachsmileys von Facebook User)) und Russland nach Afghanistan. Es geht nicht um Menschen, es geht un die Resourcen in den Land.

Fakt ist, mit der Unterzeichnung des Freidensabkommen von Doha, man kann Auszüge aus diesem Vertag auf meiner Seite nachlesen, mit den Taliban und USA, wurde das Land schon geopfert.
Nun ist es so gekommen und Menschen scheinen als Kollateralschaden abgeheftet zu werden. Dieses Versagen hat nun auch schon fast jeder mitbekommen.

Die Ohnmacht vor dem Terror

Wir stehen vor einer Ohnmacht der Hilflosigkeit und sind krank vor Sorge um Menschen die wir kennen.
Für Afghanistan wird es keine Zukunft mehr geben. Diesem Fakt muss man sich bewusst sein.
Bereits vor 6 Jahren haben ein paar Menschen eine Teilung von Afghanistan in Betracht gezogen, um Frieden in dieses gebeutelte Land zu bekommen. Da nun die demokratische Grundordnung in sich zusammengefallen ist, ist auch diese – vielleicht letzte Möglichkeit verspielt worden.

Die Taliban war nie weg

Durch die Struktur von Afghanistan und den vielen verschiedenen Stämmen und dem darauffolgenden Stand in der Gesellschaft waren schon immer Spannungen in diesem Land. Gleiches galt auch damals in Jugoslawien.
Die Taliban waren ein Staat in einem Staat mit eigenen Gesetzen. Steinigung  oder köpfen von Frauen, die Verweigerung Mädchen an Schulen gehen zu lassen, Landraub, kontrollieren von Provinzen in denen Lebensmittel Konvois beschossen und Mitarbeiter von NGO’s getötet wurden.
Die Rekrutierung von Jungen war selbstverständlich, denn den Eltern wurden Landwirtschaftliche Flächen gegeben.
So konnte in all den Jahren ein Staat im Staat aufgebaut werden, während sich in Kabul um das eigene Wohl gekümmert wurde.

Afghanistan ist und war in der Zwickmühle der Alliiertentruppen und der Taliban. Das die Worte der Taliban nur Lügen sind, sollte längst bekannt sein. Den Schüler der Taliban wurde Jahrzehntelang einen Hass gepredigt, den sie nun alle offen ausleben können. Mord und Vergewaltigungen werden der Bestandteil ihrer Regierung sein. Auch wenn die hohen Taliban dies alles abstreiten, wissen – oder wollen sie nichts von den Gräueltaten ihrer Bodenperson wissen. Da die Taliban sowieso ein Frauenverachtendes Weltbild haben, wird sich niemand um Strafverfolgung kümmern.

Die Zukunft von Afghanistan wird schwarz „

Nila Khalil, Vojens Sogn, 22. August 2021

Fotos: AP, dpa, Reuters, privat