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Wenn fanatische Religion die Kultur vernichtet

Afghanische Frauen unter einer Burka Foto:UNHCR

Ein Gesetz, welches keines ist: das Burka-Verbot in Europa

Wenn fanatische Religion die Kultur vernichtet

Kultur ist bunt, ausdrucksstark, musikalisch und freude.
Alleine diese vier Punkte gelten für Millionen Frauen auf dieser Welt nicht.

Seit einigen Jahren hat sich in der Bevölkerung eine Bild von muslimischen Frauen eingeprägt, welches nie das Bild der Frauen war: die Vollverschleierung

Der Niqab ist ein Gesichtsschleier, der in Verbindung mit einem Tschador oder einem anderen, zumeist schwarzen Ganzkörpergewand getragen wird. Er bedeckt das ganze Gesicht und lässt nur einen Sehschlitz frei.

Die in Afghanistan verbreitete Burka  ist ein weites, meist blaues Gewand, das über den Kopf gezogen wird und die Frau bis zu den Zehenspitzen komplett verhüllt. Die Augen sind hinter einem feinmaschigen Gitter versteckt.

Durch religiöse Fanatiker wurde und wird eine jahrhundert alte Tradition und Kultur zu Grabe getragen.
Musik und Gesang gehören auf der ganzen Welt zu den Menschen, wie das ein- und ausatmen.
Egal ob mal ein Fest feierte zum Frühlings- oder Sommerbeginn. Ob eine Erntedankfest, eine Gottheit oder den eigenen Geburtstag. Mit Farben und Schmuck brachten die Kinder, Frauen und Männer ihre Freude zum Ausdruck.

All dies wurde in Ländern der muslimischen Welt immer mehr verboten, bis schließlich auch die Farben, Frohsinn, Musik und Tanz verboten wurde.
Durch eine Burka oder Nikab wird den Frauen jegliche Freiheit, Menschenrechte und Würde genommen.

Bettelnte Frau in Afghanistan Foto:RFERL

Heiße Diskussionen über die Burka oder Niqab

Am 11. 4. 2011 trat in Frankreich ein Gesetz in Kraft, das die gänzliche Bedeckung des Gesichts an öffentlichen Orten, etwa in öffent￾lichen Verkehrsmitteln, Parks, Schulen, Geschäften und anderen Einrichtungen, verbot. Damit war Frankreich das erste europäische Land, das das Tragen des Vollschleiers in der Öffentlichkeit verbot; im selben Jahr folgte ein ähnliches Verbot in Belgien. Auch in Österreich, Schweiz, Dänemark und Niederlande gibt es mittlerweile Gesetze für die Vollverschleierung von Frauen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) stellt in einem Urteil vom 1. Juli 2014 fest, das das Gesetz vom Frankreich vom 11. Oktober 2010 rechtens ist. Nach Ansicht des EGMR verletzt das Gesetz weder die Freiheit des Glaubens, der Gedanken oder des Gewissens (Art. 9 EMRK) noch das Recht auf ein Privat- und Familienleben (Art. 8 EMRK). Dieses Urteil wurde natürlich nicht ohne starken Widerstand hingenommen.
So waren auch zwei Richterinnen vom EGMR gegen dieses Urteil.
Eine deutsche und schwedische Richterin beurteilten die Sachlage in gewissen Punkten etwas anders. Sie hielten in der Urteilsbegründung fest: „Konkrete individuelle Rechte, welche die Konvention garantiert, wurden hier abstrakten Prinzipien unterworfen. Unserer Ansicht nach ist ein dermassen generelles Verbot, welches das Recht einer jeden Person auf eine eigene kulturelle und religiöse Identität tangiert, in einer demokratischen Gesellschaft nicht notwendig.“

„Dies ist eindeutig ein Angriff auf die muslimische Gemeinschaft in der Schweiz. Ziel ist es, Muslime noch mehr zu stigmatisieren und an den Rand zu drängen“, sagte Inès El-Shikh, Mitglied von Les Foulards Violets, einem muslimischen feministischen Kollektiv in der Schweiz, im Mai 2021 in einem Interview mit „The Guardian“.

„Wir müssen der Regierung signalisieren, dass wir uns der Diskriminierung und einem Gesetz, das speziell auf eine religiöse Minderheit abzielt, nicht beugen werden“, sagte eine Niqab-tragende Studentin gegenüber Reuters, bei einer Demonstration in Kopenhagen, im August 2016.

Auch befürchten Hotel- und Gastronomieverbände in einigen Ländern von Europa einen Rückgang an Besucher, vornehmlich aus den Arabischen Emiraten, wenn solche Verbote Landesweit, in diesem Fall die Schweiz, eingeführt werden.

Foto:Poster of Iran

Eine Vollverschleierung verstößt gegen Menschenrechte – oder doch nicht

In Sure 2 Vers 256 heißt es: „Es gibt keinen Zwang in der Religion“, was eben bedeutet, dass sich jeder Mensch frei für seine religiöse Überzeugung entscheiden darf. Ebenso kann man einen Menschen nicht zu bestimmten Handlungen zwingen, auch wenn es ihm seine Religion vorschreibt. Man ist letztlich einzig vor Allah/Gott verantwortlich, wenn man durch sein Verhalten nicht die Rechte anderer Personen verletzt.
Alleine dieser Vers wird von fast allen islamisch geprägten Staaten missachtet.

Aus islamischer Sicht, also der Religion – und nicht den Religionswächter, ist das Tragen einer Kopfbedeckung Pflicht, die Allah im Koran offenbarte. Frauen und Männer sollten sich aus Überzeugung an die von Allah offenbarten Kleidervorschriften halten. Da der Islam für Nüchternheit eintritt und die Menschen sich nicht von vordergründigen Reizen beeinflussen lassen sollen, ist es wichtig, im öffentlichen Leben dafür zu sorgen, dass jene Anziehungsbereiche menschlicher Sexualität, die sofort ins Auge springen können, bedeckt gehalten bleiben. Dies bedeutet jedoch keine Ungleichheit von Frauen und Männern.

Auch steht in Sure 33, Vers 59: Frauen sollten in der Öffentlichkeit „etwas von ihrem Überwurf“ über sich ziehen. Es wird aber nicht geschrieben, welcher Teil des Körpers verdeckt werden soll und ob dies auch die Haare betrifft.

Um noch einmal auf das Urteil des EGMR zu kommen, heißt es dort, dass es weitgehend den einzelnen Staaten überlassen ist, ob und wo sie Frauen in Burka, Niqab oder auch mit weniger verhüllenden Kopftüchern akzeptieren und wo nicht. Entsprechend hält der EGMR auch ein Burka-Verbot nicht für ein Verstoß die Menschenrechte – wie sie insgesamt das Recht des Staates, die Verwendung religiöser Symbole zu reglementieren, tendenziell höher bewerten als das Recht des einzelnen Bürgers auf freie Religionsausübung

Der UN-Menschenrechtsausschuss hat das Verbot der Vollverschleierung in Frankreich bereits 2018 kritisiert, denn das Urteil des EGMR verstoße gegen die Religionsfreiheit und die Menschenrechte der Trägerinnen, denn das tragen von einer Burka sei
angemessen um ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten.

Fazit

Bei allen Debatten, Vorschriften und Gesetze gibt es keine Einigung über eine stoffliche Hülle, in einer patriarchalisch geprägten Religion. Niemand wird im öffentlichen Raum eine Burka oder Nikab tragende Frau fargen, ob sie dieses Kleidungsstück freiwillig trägt.

Jene Befürworter sollten doch mal für mehrer Tage, vorzugsweise im Hochsommer, ein solches Kleidungsstück tragen.
Toleranz hin oder her, eine Burka ist die schlimmste Entwürdigung für eine Frau.

Ich möchte über eine Begegnung mit Bogdan dem Obdachlosen schreiben.

Bogdan aus Polen

Am Sonntag den 3. April 22 war ich mit meinem Hund im Hunsrück spazieren gewesen. Auf dem Heimweg sah ich einen Mann am Wegesrand sitzen. Nach dem Rucksack und den beiden Taschen zu urteilen, konnte ich mir denken wer dort am Wegesrand saß. Ich frage ihn  ob ich ihm helfen könnte. Er schüttelte den Kopf. In gebrochenem deutsch sagt er, dass alles in Ordnung sei und er unterwegs sei.
„Das du unterwegs bist, sehe ich. Ob es auch in Ordnung ist, bezweifle ich.“
Ich frage ihn aus welchem Land er komme. Polen war die Antwort. „Dzień dobry“ (guten Tag) , sagte ich. Naja, mehr polnisch kann ich nicht. Ich frage nochmals ob ich ihm helfen könnte. Er sah mich verlegen an. „Okay. Hast du Hunger?“ Er nickte. „Gut. Dann komm mit. Ich wohne nicht weit entfernt. Wie heißt du?“ „Bogdan.“ „Hallo Bogdan. Ich bin Naike.“ Ich nahm seinen Rucksack „Komm. Ich gebe dir etwas zu essen.“

Zu Hause frage er nach einem Kaffee. „Selbstverständlich. Möchtest du eine Pizza essen?“ Bogdan nickte. „Gut.“
Eine meiner Freundinnen kommt aus Polen. Ich rief sie an und erklärte ihr die Situation. Sie sprach mit ihm, dass ich ihm helfen möchte, er sich bei mir duschen kann und ich ihm auch etwas zu essen geben werde.

Ich gab Bogdan ein Badetuch und belegte die Tiefkühlpizza noch ordentlich.
Kurz darauf rief meine polnische Freundin an und meinte, es wäre besser wenn ich Gregor rufen würde. Er wohnt über mir und kommt auch aus Polen.
Also die Treppe hoch und Gregor irgendwie klar machen, dass er doch bitte in meine Wohnung kommen sollte.  Bogdan kann ein besseres deutsch als Gregor. Jedenfalls konnte ich Gregor erklären, dass ich Bogdan gerne helfen möchte und ob er, Gregor, eine Möglichkeit sieht, wo Bogdan bei diesen Temperaturen um den Gefrierpunkt schlafen könnte.

Pfandosen und Flaschen als Währung

Bei einer Kauderwelsch Unterhaltung zwischen deutsch, polnisch und englisch, sah ich immer wieder in die eine größere Tasche von Bogdan. Ich bat ihn, er soll doch bitte die Tasche auskippen, denn ich sah noch so einiges an Müll oder Sachen die sich mir nicht erklärten. Seine Wertsachen waren 11 Pfanddosen, zwei Knoppers, ein kleines Messer, eine fast leere Dose Nivea Creme, zwei leere Parfüm Flaschen, einen Thermosbecher, eine Luftpumpe, ein Stock, ein Rüssel von einem Benzinkanister, zwei Päckchen mit 6 Stück Backhefe, ein Paar nasse Schuhe, Kinderhandschuhe, eine Badelatsche, einen Strickschal und ein paar alte Kleider – wobei es mehr Lumpen waren.
Die Pfanddosen kaufte ich ihm für 10€ ab. So musste er die Dosen nicht weiter mit sich herum schleppen. Bei der einen Badelatsche sah ich keinen Sinn. Bogdan sagte, er würde diese verbrennen, damit er es etwas warm hätte.

„Reichtümer“ aus dem Kleidercontainer

Ich sah mir den ausgekippen Müllhaufen auf dem Esszimmerboden an und wusste nicht was ich sagen sollte. Diese Tüte stand mit aller Wahrscheinlichkeit an einem Kleider-Container oder Sperrmüll.
Eine Damen-Ledertasche krammte ich hervor und blickte in Tasche. Eine Floppy Disk, eine CD mit Hits aus den 70er und eine Seite aus dem Westpfalz-Kurier vom 22. März 2022. Die Ledertasche war innen feucht – wie eigentlich alles in der Tasche bzw. auf meinem Boden.
„Was willst du mit diesem Müll anfangen?“ Bogdan zog die Schultern hoch.

Ausmisten und Neupacken

Ich reinigte erstmal die Kunststofftasche von innen und legte mehrere Lagen Küchenpapier in die Ledertasche, damit diese mal trocken wurde.
„Brauchst du noch eine Decke?“ Bogdan nickte. Also fing ich an die Tasche zu packen. Eine Decke, 100 Teelichter, eine Flasche Grillanzünder (besser als den verbleibenden Badelatsche zu verbrennen), eine Camping-Lampe, ein Päckchen Batterien für die Lampe, eine Pausenbrotbox, zwei robuste Kunststofftaschen, vier Päckchen Taschentücher und eine Rolle Toilettenpapier. Den Rest an Taschentücher (waren auch schon feucht) stecke ich in robuste und wasserdichte Tüten. Ich gab ihm noch 6 solcher Tüten mit.
Zum essen gab ich ihm mein vom Nachmittag gebackenes Brot, eine Packung Frischkäse, Scheiblettenkäse und zwei Päckchen Mozzarella.
Da mein Kühlschrank somit leer war, konnte ich ihm nicht mehr anbieten.
Ich koche sehr oft asiatisch und habe auch immer einen großen Karton mit „Mama“ Nudeln zu Hause. Ich erklärte Bogdan, dass man diese Nudeln auch ohne zu kochen essen kann. Wollte er mir nicht glauben. Also zeigte ich es ihm, wie man mit der beigefügten Gewürzmischung einem guten Geschmack an die Instantnudeln bekommt. Er würde dann gerne zwei Päckchen mitnehmen. Ich gab ihm 10 Päckchen. Dann füllte ich in seine 1,5 Liter PET Flasche noch diese Menge an Sinalco Cola und in eine Flasche 1 Liter Mineralwasser. Aus Gründen der Logik und Sicherheit wollte ich ihm keine Glasflasche mitgeben.
Seine Pfanddosen packte ich in eine Tüte und gab sie ihm zurück. Die 2,75 € würden mir nicht bringen – ihm schon.

Nach der zweiten Tasse Kaffee fing er an zu erzählen. Er wäre schon zweimal in einer JVA gewesen, weil er schwarz gefahren sei. Ich frage ihn nochmals wo er überhaupt hingehen wolle. Konnte er nicht sagen. Trier wäre mal eine Idee.
Ich spürte noch sein Besteck und Thermosbecher

Zwischenzeitlich war es schon 21.30 Uhr. Ich sagte ihm, dass ich um 3 Uhr aufstehen müsste und nun keine Lösung für eine Überwachung hätte. Mittlerweile war es bereits -2°. „Mach dir keine Sorgen, ich finde schon etwas. Ich habe jetzt eine Taschenlampe.“
Ich schenkte ihm noch ein Paar Handschuhe von meiner alten Skiausrüstung. Mehr konnte ich nicht für ihn tun.
Vor der Haustür verabschiedeten wir uns. Bogdan wollte die Straße in den Ort gehen. Ich sagte ihm, dass es dort nicht weiter geht. Ich erkläre ihm den Weg an der Straße vorbei in Richtung Thalfang, bzw. Trier.

Ein Leben im Rucksack

Zurück in meiner Küche sah ich seinen Thermosbecher stehen. Also schnell ins Auto und ihm hinterher fahren. Er war noch nicht sehr weit gekommen.
Ich bot ihm an, dass er bei mir auf der Couch schlafen könnte. Die Temperatur lag um 22 Uhr schon bei – 4°. Bogdan wollte dieses Angebot nicht annehmen. Er wollte jetzt in die Richtung von Trier gehen. Ich gab ihm noch eine Warnweste aus dem Auto und machte diese an seinem Rucksack fest. Somit hatte er wenigstens eine kleine Sicherheit gesehen zu werden.
Ich verabschiedete mich von ihm.
„Take care of yourself.“

Naike Juchem, 3. April 2022